Archiv der Kategorie: ein Bild erzählt

ein Bild erzählt: frischer Wind

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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„Alli Farbe, wonich gärn ha, hanich gmaaled“, erklärte meine Kleinste, als sie dieses Bild hier mit mir besprach. („Alle Farben, die ich gern habe, hab ich gemalt.“)
Es ist das allererste Bild, das sie gezielt mit Farbe füllt und ich finde die Ausstrahlung dieser simplen Komposition ungeheuer hübsch. (Mal ganz abgesehen davon, dass sie offensichlich einfach alle Farben mag *zwinker*)
Ich habe ihre Zeichnung in der Küche aufgehängt und eine Vase mit den Zweigen einer geschnittenen Weidenhecke, die ich gestern bei einem Waldspaziergang unter strahlend blauem Frühlingshimmel gesammelt habe, dazugestellt. Die Sonne schien und alle Welt war unterwegs, um soviel Licht und Grün zu tanken wie nur irgend möglich. Abends spannte meine Haut vor lauter ungewohnten Sonnenstrahlen, doch das war mir einerlei, denn dieses Frühlingserwachen tut so unwahrscheinlich gut nach dem langen, harten, verlustreichen Winter, der hinter uns liegt…
Mein Kindergartenkind pickte Federn vom Waldweg, sie rannte voraus und liess ihre langen, glatten Haare flattern. Meine Grosse legte sich flach auf den Boden, schmiegte die Wange an die Erde und schloss versonnen die Augen: „Ich muss einfach Energie tanken“.
Wie recht sie haben. Alle beide. Wir sammeln und trinken uns satt an Licht, Leben, Natur und neu entpupptem Freiheitsgefühl. Und irgendwie erwacht nicht nur das Leben da draussen von neuem, auch in uns spriessen neue Hoffnungen, frisch gewagte Pläne strecken ihre Köpfchen wie Blattknospen an kahlen Zweigen…

Ich habe viel vor die nächsten Tage. Kleinigkeiten nur, wie die Wiedereinführung eines Menuplans oder ein Besuch beim Brockenhaus, um alten Gerümpel loszuwerden. Heute habe ich ein Raumspray gemacht aus Wodka und ätherischen Ölen, denn ich möchte mich vermehrt mit der Kraft der Kräuter (dieses Buch hier ist gerade unterwegs zu mir), mit hausgemachten Pflege- und Haushaltsmittelchen beschäftigen, einfach um die Energie fliessen zu lassen, die viel zu lange gestockt hat, und weil ich spüre, dass ich einen Schritt weitergehen möchte im Thema „grün und einfach leben“.

Ja, grün und hell und leicht- so wünsche ich mir meine Frühlingstage.
Sie haben wunderbar begonnen…

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Happy Ending

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Leute, wie kann das nur sein; morgen schon ist März! Der erste Frühlingsmonat! Die sibirische Atmosphäre draussen lässt mich ja kaum ans Frühjahr denken, aber das Licht hat sich verändert; es scheint mir heller und klarer zu sein als noch im Januar und ab und zu werden die Mädchen und ich auf dem Weg zum Kindergarten sogar von kitzelnden Sonnenstrahlen begleitet… Dann spüre ich es, und es besteht kein Zweifel: Da wartet ein neuer, strahlender Anfang. Irgendwann wird es Frühling sein, Minusgrade hin oder her.
Überhaupt; es war ein guter Tag heute, ein wirklich guter letzter Februartag mit Versteckspielen, frischgebackenen Chocolate Chip Cookies und selbstgemachten Brötchen, und da mit dem Februar früher oder später auch der Winter gehen wird, nehme ich das als positives Omen.

Auf dem Tisch stehen die Blumen, die meine Mama mir letzte Woche überraschend vorbeigebracht hat (diesmal hab ichs richtig geschrieben, gell, Biba und Brigitte *ganzbreitgrins*). Sie blühen wacker und bringen Farbe in meine mal wieder unglaublich unordentliche Küche, die eigentlich vor lauter Durcheinander gar keine Farben mehr nötig hätte, doch Blumen bringen immer Ruhe in einen Raum, finde ich, und eine schöne, entspannte, hoffnungsfrohe Art von Buntheit. Dazu passt das tiefe Violett der handgefärbten Sockenwolle von der Spinnwebstube. Ich mag die feinen Nuancen, die -genau wie Blumen- Lebendigkeit ins Garn bringen, ohne es unruhig zu machen. Es ist ein 6ply-Garn, dicker als normale Sockenwolle und deshalb wie geschaffen für ein Geburtstagsgeschenk, das unbedingt bis zum 1.April fertig werden soll…
Was aus den 2 Strangen gartenteichblauer „Rosy Green Big Merino Hug“ werden wird oder aus der Ich-muss-diese-Farbe-unbedingt-haben-braunen „Rosy Green Cheeky Merino Joy“, weiss ich eigentlich gar nicht, aber ich habe sie heute unglaublich gerne ausgepackt und mich auf Anhieb in diese natürlich-matten Töne verliebt.
Schön.
Schön, schön, schön.
Für die „Lang Yarns Seta Tweed“ in Schwarz hingegen ist der Plan längst gesetzt: Die vierte und letzte Reihe meines Blockstreifenschals wird diese Farbe tragen, von Beige über Braun zu Schwarz. Ich freue mich!
Und da wir gerade davon sprechen; habt ihr diese entzückende Elfe gesehen? Meine Grosse hat sie gezeichnet und aus ihrer Rückseite so eine Art Brieflein gemacht, in dem sie sich bei ihrer Freundin dafür bedankt, dass diese „Meerschweinchen genauso gern hat wie ich“. Herzerwärmen, nicht? *schmelz*
Sie hat sich viel Mühe gegeben und sorgfältig gearbeitet. Die Flügel stammen aus dem Papierkorb, wo die Beinchen eines verpatzten Falt-Frosch-Versuches ihr haargenau richtig erschienen, um als Elfenflügelchen durchzugehen. Völlig richtig; ich finde, diese Kombination sieht wunderbar aus, wunderbar wie das ganze Fabelmädchen. Was mir auffällt; Ihre Art, zu malen und zu zeichnen verändert sich im Moment stark. Die letzten zwei Jahre nahm ich die Entwicklung ihrer Linien und Projekte nur am Rande wahr, mir schien, sie ging langsamer voran als zuvor im Kindergarten und das Zeichnen und Basteln nahm überhaupt weniger Raum ein in ihrem Kinderleben als vor ihrer Einschulung, wahrscheinlich, weil andere Themen nun in den Vordergrund traten, allen voran die Auseinandersetzung mit anderen Kindern, mit denen sie sich wirklich viel und gerne und ausdauernd zum Spielen verabredet. Jetzt aber sehe ich meine 8Jährige wieder öfters auch am Stubentisch sitzen und malen oder zeichnen. Und ihre Bilder werden detaillierter, weniger was die Einfärbungen angeht, mehr mit einem Fokus auf die richtige Haltung der Hände oder auf den genauen Winkel, in dem zB. ein Tier in seiner Bewegung verharrt. Fast immer sind es Tiere, die sie malt. Manchmal Drachen, Tiger, Hunde, Einhörner in untypischen Farben. Oder dann Frauen, Mädchen, meist ebenfalls in Begleitung eines Tieres. Ihre Zeichnungen haben oftmals etwas Burschikoses an sich, finde ich, sie ähneln für mich ein wenig der Handschrift eines Jungen, mit klare, kurzen Strichen und straffen, engen Kurven, die so anders wirken als die vielen schwungvollen Rundungen mancher Mädchenschriften. Doch das sind nur Beobachtungen. Bewerten möchte ich das nicht. Aber spannend ist es schon irgendwie…

PS. Bis ich diesen Post freischalten konnte, ist es natürlich 1.März geworden. Und Schnee liegt auch. Sehr winterlich, also. Aber wir wollen nicht klagen. Auch erste Märze mit Schnee haben das Potential zu einem „richtig guten Tag“, oder?

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Tee bei mir

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Seit einiger Zeit versuche ich, besser auf meinen Körper zu achten, vor allem darauf, wie er auf Essen und Getränke reagiert. Mein Magen ist nicht unbedingt der Robusteste, vielleicht weil meine Nerven ohnehin wenig belastbar sind und ich sehr empfindlich auf Reize und Eindrücke reagiere und lange Zeit brauche, um mich zu erholen. Die letzten Wochen habe ich wenig Zucker gegessen, was mir leichter fiel, als ich dachte (Ich glaube, die Zeiten der Schokoladen-Völlerei sind sowieso für mich vorbei) und meinen Kaffeekonsum drastisch reduziert. Es gab Tage, da habe ich keine einzige Tasse getrunken. Und sie auch nicht vermisst. Mittlerweile hat es sich eingependelt, dass ich vormittags vielleicht eine Tasse trinke, aber nie auf leerem Magen (denn das wäre wirklich Gift für ihn) und danach auf Tee und Wasser umsteige. Interessanterweise entwickle ich sowas wie eine Kräutertee-Sehnsucht; plötzlich bekomme ich Lust auf das eine oder andere, auf Rosen, Minze und Kamille zum Beispiel, und ich finde es wahnsinnig spannend, mir dann ganz intuitiv ein bisschen hiervon und davon zusammen zu mischen und dann zu sehen, wie mein Körper auf diese eigen Teemischung reagiert… Mamaniflora und ihre wunderbaren Rezepte und Gedanken sind mir eine grosse Stütze darin. Niemals hätte ich gedacht, dass Kräuterlehre so interessant und lebensnah sein kann, doch im Moment scheine ich dieses Thema richtig zu brauchen und gierig in mir aufzusaugen, wie ein vertrockneter Schwamm. Tee ist ausserdem ein einfaches Thema für mich, viel unkomplizierter und nahtloser in mein Leben einzubauen als neue Ernährungsphilosophien (dazu würde mir ganz klar die Kraft fehlen.)
Es ist schön, dass ich Neues dazulernen darf. Ich weiss ja noch so gut wie gar nichts… aber das weiss ich ja immerhin *zwinker* Und, genau, bevor ich es vergesse: Dieses zauberhafte Set kleiner tönerner Teebecherchen vom Weltladen unserer Region hat mich vom Fleck weg begeistert. Diese Farben… einfach himmlisch! Verwaschen und zart wie der verregnete Vorfrühling. Kaffee oder Tee; meine Hand um eine dieser Tassen zu schliessen schenkt mir ein Gefühl vom… Ganz-bei-mir-sein. Und genau darum geht es wohl, bei dieser ganzen Kräuterteesache, in meinem Fall zumindest; meinen Körper sprechen zu lassen und achtsam darauf zu reagieren, in einer Sprache, die er versteht. Um gut für sich sorgen zu können, muss man bei sich stehen bleiben, sich selbst beobachten und zuhören. Das braucht Zeit und Neugierde und manchmal ein grösseres Mass an Hingabe mir selber gegenüber, als ich es mir gewöhnt bin. Aber ich denke, der Anfang ist gemacht, ein paar Weichen gestellt, weniger Zucker und Kaffee und etwas mehr Schlaf, das allein tut bereits seine Wirkung und sendet positive Signale an mich selbst…

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Zur Zeit…

Versuche ich, mich an jeder Kleinigkeit zu freuen. Etwas, das man wohl immer irgendwie tut, denn ich glaube, dass es im Menschen verankert ist, sich zu freuen, vor allem an Kleinigkeiten, an der ersten Tasse Kaffee des Tages (die selten geworden ist bei mir und öfters auch einmal ganz wegfällt, ersetzt durch süssen Grüntee mit Mango im Moment), an einem guten Buch, an Sonnenschein im Winter oder einem gelungenen Foto, das man mit seinen Lieben via Whatsup teilt. Manmal versuchen die Leute einem glauben zu machen, das sei ganz anders und die Menschen wären abgebrüht und übersättigt und hätten keine Augen mehr für die kleinen Schönheiten des Alltags, aber ich glaube nicht, dass das stimmt. Das Bloggen hat mir gezeigt, wie viele ihre Alltags-Schätze regelrecht sammeln und zelebrieren, Bloggerinnen, die Posts darüber schreiben, Leserinnen, die in ihren Emails oder Kommentaren darüber berichten. Ich denke, die Menschen sehen sehr wohl Schönheit, im Gross-Artigen genauso wie im ganz profanen Kinkerlitzchen. Nur sehen wir vielleicht nicht alle genau dasselbe und was das Herz des einen erfreut, kommt dem anderen vielleicht ganz banal vor. Mit Mode zB. kann man mich kaum in Euphorie versetzen, andere hingegen geraten ganz aus dem Häuschen über eine schöne Kleiderkombi oder ein ausgefallenes Frisuren-Foto auf Instagram. Alles ist okay. Solange es Freude macht und berührt und nährt. Schönheit lag schon immer im Auge des Betrachters.

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Zur Zeit finde ich diese Szene hier zum Beispiel ziemlich ansprechend. Eklektisch und spannungsreich, ein Sammelsurium an Kinderkunst, etwas Grün (fragt mich nicht, wie das Ding heisst, aber es ist klasse und hält sich vorbildlich), den Visitenkarten von einem meiner liebsten DaWanda-Print-Shops und einer entzückenden Nadelstärken-Messplatte von der Spinnwebstube, wo ich ganz dekadent gleich zwei verschiedene Muster bestellt habe, diese zauberhafte Blume und ein lustiges Schaf, und beide finde ich so schön, dass ich sie wie Kunstwerke im Haus aufstelle. „Katrinkles“ verkauft ihre Nadelstärken-Figuren auch via Etsy und ihr Sortiment an Holzknöpfen und hölzernem Strickzubehör ist wunderbar naturbelassen, mit ganz eigenem, rustikalen Charme.
Ich freue mich, wieder ein Stückchen Schönheit in meine Strickecke bringen zu dürfen -und darüber, dass ich den unansehnlichen Plastikmessbogen, den ich bisher immer benutzt habe, weil es schlichtweg nichts anderes in den Läden zu kaufen gab als Plastik, Plastik, Plastik, endlich ins Brocki abschieben kann.
Holz ist so wahnsinnig schön.

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Zur Zeit hadere ich mal wieder mit meiner Rolle am Herd. Mir scheint, hier geht wahnsinnig viel Zeit verpufft, mit Kochen, Backen, Rüsten, wieder Aufräumen. An manchen Tagen versorge ich den letzten, soeben abgewaschenen Pfannendeckel, nur um fünf Minuten später schon wieder in der Küche zu stehen, um mich an die Zubereitung der nächsten Mahlzeit zu machen… Ratzfatz-Rezepte kommen mir dann immer vor wie kleine Geschenke des Himmels. Hier zum Beispiel fiel mir ein Rührkuchenrezept, das sich wirklich in Windeseile zusammenbasteln lässt und erst noch nur ganz wenig zum Abwaschen zurücklässt, in beinahe letzter Minute in den Schoss; Kind2 kam nämlich  plötzlich in den Sinn, dass er noch einen Kuchen nachmittags für die Schule mitbringen sollte (wieso, habe ich noch immer nicht ganz verstanden), und obwohl das Mittagessen deswegen vielleicht etwas dürftiger ausfiel als auch schon (irgendwas Schnelles aus dem Tiefkühler war es, glaub‘ ich), wurde der Kuchen ein voller Erfolg und das Rezept -das ich euch demnächst noch vorstellen werde- kam sogar gleich zweimal zum Einsatz; einmal in der Schule, wo die Kinder sich begeistert darüber hermachten und Kind2 sogar um das Rezept baten (wie süss ist das denn?!) und einmal hier zuhause für eine zweite Portion ganz für Familie Kirschkernzeit allein.
Dem Himmel sei dank für rasche Erfolge- sie tun so gut und machen die Seele satt.

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Zur Zeit zünde ich öfter einmal eine Kerze an. Kerzenlicht ist ein Wunderding, es wärmt von innen nach aussen und umgekehrt. Morgens, wenn ich einen stillen Moment finde, kurz bevor ich die Kinder wecke, setzte ich mich manchmal mit einer Tasse Tee an den Küchentisch und schreibe ein paar Zeilen in mein Tagebuch, so wie ich das früher in meiner Kindheit immer getan habe, ein paar Worte hiervon, ein paar Sätze davon und irgendwie sammelt sich so ein Abbild des Lebens, das ich gerade führe, zwischen zwei Buchdeckeln an.
Diese kleine, schmale Bienenwachskerze begleitet mich momentan gerade durch diese stillen Augenblicke. Meine liebe Leserin Elisabeth hat sie mir gemacht und ich bin ihr so dankbar für das Licht, das sie mir damit schenkt. Es liegt einfach ein Zauber über handgemachten Dingen, wie diesen. Ich meine, wieviel Zeit darin steckt und wie viel Arbeit, Bienen-Schaffenskraft, Menschenhand-Werk. Und dann sitze ich hier in der Küche und kritze vor mich hin und all diese Energie und Hingabe hüllt mich ein, taucht die Welt für einen Moment in warmes, weiches, tröstliches Licht.
Schön ist das.

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Zur Zeit will dieses Haus einfach nie zur Ruhe kommen. Rein optisch, meine ich. Herr Kirschkernzeit ist seit Wochen schon daran, im Obergeschoss den kleinen Vorraum zu erneuern, wo früher Comics und Legokisten stapelten, und gerade kristallisiert sich heraus, dass eine Treppenrenovation durch Profis ganz klar unerschwinglich kostspielig wäre für uns, was bedeutet, dass uns wieder nichts weiter übrig bleibt, als die ganze Sache im Baukastenprinzip und in monatelanger Kleinstarbeit selber über die Bühne zu bringen. Nicht, dass ich Herrn Kirschkernzeits Fähigkeiten misstrauen würde -Himmel, nein, er baut hier schon seit guten 10 Jahren permanent um und aus und jedes Projekt wird noch schöner und passgenauer als das letzte- aber genau damit sind wir auch schon beim springenden Punkt; seit 10 Jahren ist hier Baustellenbetrieb. Permanent. Buchstäblich endlos. Ich mag einfach nicht mehr.
Und trotzdem muss es einfach sein. Diese Treppen brauchen eine ordnende Hand, die wieder für mehr Sicherheit sorgt. Stufen fixiert. Den während Jahren bröckelnden Putz wieder an den Wänden festpampt. Und unsere Füsse vor Spiessen und Splittern bewahrt.
Vielleicht bin ich auch deshalb zögerlich geworden, was potentiel Chaos-veranstaltende Projekte angeht? Malen mit den Kleinen zum Beispiel. Ein Kraftakt. Eine Stunde Malglück bedeutet nämlich auch: eine Stunde Hintergrundarbeit mit Wassergläser-Leeren, Malblätter-Austauschen, Zeitungsunterlagen wechseln, Farbkästen saubemachen, Pinsel reinigen und ersetzen, verschüttetes Malwasser aufwischen, Patschhändchen von Farbe befreien, Malschürzen an- und wieder ausziehen, fertige Kinderwerke zum Trocknen in Sicherheit bringen… Und zu guter letzt scheuche ich drei zufriedene und hoffentlich wieder einigermassen farbfreie Mädchen aus einer völlig verunstalteten Küche und hoffe, dass sie es fertigbringen ohne Gezanke und Gezeter zu spielen, bis ich das Chaos wenigstens ansatzweise im Griff habe.
Trotzdem liebe ich, was in dieser einen Stunde entsteht. Kinderkunst ist insofern… ein guter Lohn für all die Mühe.

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Zur Zeit stricke ich ungeheuer viel. Als ich vor ein paar Tagen meinen Blog runterscrollte, erschrak ich fast ein bisschen; Kaum ein Post ohne ein Strickbild, Wolle und Maschen überall, das Stricken ist derart omnipräsent geworden bei Kirschkernzeit, dass ich gut und gerne von einem Strickblog sprechen könnte… Immerhin passt da das aktuelle Headerbild mit dem schwarzen Kinderwestchen in Entstehung (damals war das) ganz gut dazu. Es fängt ein, wie fokusiert ich bin, sobald es ums Stricken geht, um neue Muster und Lieblingswolle.Und wie glücklich ich bin dabei.
Obwohl ich sonst schnell fahrig und atemlos werde und mir alles rasch zu viel wird, kann ich stundenlang zufrieden dasitzen und stricken und zutiefst fasziniert nach Wolle und Projekten stöbern. Es ist wohl meine Art von… Therapie. Die Welt sich drehen lassen und mich abschirmen, verstecken hinter Nadeln und Bergen von Garn. Und alles hat seine Ordnung, seinen stillen Verlauf, seine klaren Reihen oder Runden, seine Lösungen und ein wunderbares Happy End. Hier in meiner Strickecke auf dem Sofa ist die Welt noch heil und in Ordnung. Sie gehört mir, ich gehöre ihr. Ich darf sie gestalten, ganz wie es mir gefällt.
Und schaut euch diesen kleinen Farbenturm an… Ist er nicht einfach wunderwunderschön?

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