Archiv der Kategorie: berührt

gefärbt: mit Avocado und noch mehr Walnuss

Ich hinke dermassen hinterher mit meinen Färbe-Posts, dass ich richtig unruhig bin deshalb; Ich möchte euch unbedingt zeigen, was da oben in meiner kleinen Hexenküche entsteht und wie viel Abenteuer-Lust das in mir auslöst…
Weil aber das ganz banale Leben andauernd dazwischenplappert und auch bereits schon wieder ein neuer Topf voller Pflanzen auf dem Herd steht und zur Flotte wird, muss ich versuchen, kurz und knapp zu berichten. Sofern das geht. Ihr kennt mich ja; kurz und knapp und ich, das ist wie Öl und Wasser…
Jedenfalls seht ihr oben auf den Fotos einen Strangen „Rosy Green Big Merino Hug“, ursprünglich in der sehr hellen, zart graulila Farbe „Tee“, soweit ich mich erinnere. Ein Strang superwash Merinowolle, den ich mit der Schale und den Kernen von 5 eher kleinen Avocados umgefärbt habe. In ein ganz bezauberndes Altrosa. Auf dem ersten Bild könnt ihr den ursprünglichen Ton noch als Faden-Kringelchen erkennen. Der Effekt, der so ein bisschen Avocado auf die Fasern hat, ist wirklich verblüffend. Die reinste Metamorphose.
Der Effekt, der so eine Avocado-Färbung auf das Selbstbewusstsein einer blutigen Pflanzen-Färbe-Anfängerin hat, ist allerdings nicht minder kraftvoll. Geradezu magisch kommt mir das alles vor…

Bei diesem Färbe-Projekt hier scheiden sich die Geister, da bin ich nicht nur ganz sicher, das kann ich auch vollkommen verstehen. Ich meine; das Blau ( Farbnummer 222) dieser „Rosy Green Heb Merino Fine-Wolle“ war ja auch eigentlich so schon unglaublich schön. Sanft und doch intensiv und nichts, was man jetzt unbedingt hätte umfärben müssen.
Aber sie lag schon so lange in meinem Woll-Regal. Und je länger sie dort lag, desto weniger fühlte ich mich inspiriert, sie zur Hand zu nehmen und mit ihr zu arbeiten…
Mein Babyjunge hat dunkle, blaue Augen, die ich gern in Kontrast zu eher dunkleren Naturtönen sehe. Das wirkt… einfach richtig, fühlt sich richtig an. Und dass dieses Garn für ihn bestimmt war, das spürte ich.
Also wanderte dieses Garn mit dem leicht rustikalen Charakter kurzerhand in den Färbe-Topf statt auf die Nadeln oder -denn daran hatte ich auch noch gedacht- in die Tüte fürs Altenheim.
Wolle und Walnuss, das passt, damit fühle ich mich jetzt schon sehr wohl und sicher, und auch diesmal kam nach knapp 48 Stunden Färbe-Bad eine Farbe zum Vorschein, die so richtig durch und durch meine ist. Und die meines Kleinen.
Spontan kommt mir eine „Barley Light“ in den Sinn, wenn ich diesen Strangen hier so sehe. „Barley Light“ in Ebenholz-Braun.
Passt doch zum anklopfenden Herbst, oder?

Und nochmals werden sich wohl einige von euch fragen, was genau denn los ist mit der Frau Kirschkernzeit. „Was soll das, dieses rauchige Lila ist doch wunderschön!“.
Ja. Ist es.
Aber es passt einfach nicht.
Nicht zu mir, nicht zu meinen Mädchen, nicht zu dem, was meine Hände gerade halten und verwandeln möchten.
Manchmal muss man einfach ehrlich mit sich selbst sein. Und loslassen, was losgelassen werden will.
Also hab‘ ich losgelassen. Und diese 100 gr. „Cumbria Fingering“ in der Farbe“Castlerigg“, kaum hatte ich meine Ebenholz-Wolle aus der Flotte gezogen und zum Trocknen aufgehängt, im abgekühlten Sud versenkt. Für ein Stündchen Simmern und danach volle 3 Tage Bräunungs-Bad.
Die Farbe hat mich mehr als verblüfft. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so schön dunkel und intensiv ausfallen würde, immerhin war es ja eine zweite Färbung und viele der Pigmente oder vom Tannin oder was immer hier zaubert, bereits verbraucht.
Womit ich auch nicht gerechnet habe: wie gut diese Verwandlung sein würde. Von Lila zu warmem Pelz-Braun. So soll Wolle sein. Pelzig, mollig, warm in den Händen, auf der Haut, warm im Ton.
Mein Plan: eine Baskenmütze aus dem Buch „Stricken fürs Jahr“. Für mich.
Hach, ich freu mich so. An meinen Garnen, meinen Pflänzchen, der Kraft der Natur.

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unmittelbar 11

Wie schön; es blüht noch. Noch immer.
Gestern habe ich die ersten Herbstblätter fallen sehen, unter dem Holunder, obwohl es vielleicht auch einfach hochsommerliche Hitzeblätter sind, die da jetzt liegen. Aber der Stich im Herzen war real. Genauso die leise Freude, die ich empfand, ganz unwillkürlich und heftig. Herbst. Eine magische Zeit. Die Zeit der Zwerge, Mythen, der Abschiede und lauter werdenden Sehnsüchte.
Gestern wieder ein Gewitter, mitten am Tag diesmal und ganz unvorbereitet, ohne drückende Schwüle im Vorfeld. Die Mädchen und ich standen draussen vor dem Block und liessen den Blick mit der dicken, immer dunkler und mächtiger werdenden Wolkenmasse mitschweifen, die der Wind ungeduldig vor sich hertrieb wie eine Herde hungriger Schafe, die in den Stall müssen. Alles flirrte. Alles wartet, hielt den Atem an und machte sich bereit. Ich fand den Augenblick erhebend. So archaisch und echt, etwas, das man spürt mit jeder Faser seines Seins. Die Naturgewalt, dieses Rohe, Kraftvolle, Ursprüngliche, das dann in der Luft liegt. Etwas, von dem ich mir mehr wünsche in meinem kleinen, so behüteten Haufrauenleben.
Als die Tropfen prasselten, waren sie dick und kalt und wir in Windeseile nass bis auf die Knochen.
Noch so ein Vorbote des Herbstes.
Meine Kinder holten Gummistiefel und Regenjacken.
Heute sitze ich zuhause, mein Mann kauft mittags neue Schuhe und vor allem Schul-Pantoffeln für die Kinder, und ich wünschte, ich sässe irgendwo im Wald, ganz alleine, mit einem Schaltuch um die Schultern und einem Ball Wolle im Schoss. Ich wünsche mir einen braunen Leinenrock und offene, lockige Haare, ein Gefühl von Freisein und Wildheit, und stocke bereits beim Thema Haar, denn so richtig wohl fühle ich mich ja doch bloss mit bravem Zopf im Nacken.

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unmittelbar 10

10 Minuten gebe ich mir; das Baby schläft, es ist bereits nach 12 und alle haben Hunger, auch wenn sie es noch nicht wissen oder -Himmel hilf!- noch immer im Bett liegen und dem Faulenzertum frönen.
Die Nacht gehörte den Halbwachen, es donnerte und wetterte wie wild, Regen drängte in offene Fenster (phu, diese Hitze!), dann kamen die Mücken und eine halbherzige Jagd auf sie, denn eigentlich möchte man nachts um halb drei nichts anderes als schlafen und seine Ruhe.
Irgendwann und zwischendurch die Kinder. Die nicht schlafen konnten, sich bei mir einquartierten, mich zwischen ihren Betten hin- und herswitchen liessen, Füsse im Gesicht, ein stolperndes Herz, wenn abermals aus dem Schlaf geschreckt, knuddeligen Babyspeck im Arm, ruhiger werdenden Atem im Ohr. Endlich.
Gottseidank begann mein Tag nicht vor halb neun. Eine gnädige Zeit, ein gnädiges Babykind. Und das Wetter ist genauso gnädig, die Sonne vermummt, die Hitze gedrosselt, Malve, Hortensien und Sonnenblumen danken kopfnickend für den Regen.
Ich habe Minze geerntet und hoffe auf Sirup, der irgendwie, irgendwann, durch irgendwelcher Hände Arbeit in Glasflaschen fliessen soll- wahrscheinlich werden es meine Hände sein. Die vielleicht aber auch bloss Tee daraus trocknen.
Mein Magen schimpft. Er mag jetzt lieber warmes Essen als dieses Getippe hier. Ich beschliesse, das zweite Schälchen Mousse au Chocolat vom elften Geburtstag meiner Grossen aus dem Gefrierschrank zu nehmen und freue mich auf den Kaffee dazu und das kleine, feine Bild aus Belgien, das gerade vor mir auf dem Tisch liegt und auf seinen Rahmen und ein schönes Plätzchen an der Wand wartet…

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unmittelbar 9

Es gibt da einen Account auf Instagram, der mir regelmässig den Atem raubt. Das tun viele, und nicht immer ist das gut für mich, doch dieser eine hat eine Magie in seinen Bildern, der ich mich nur schwer entziehen kann; dunkle Töne, grosse Kontraste in Textur, Thematik, Licht und Farben- perfekt und stark und mit grosser Emotionalität. Und das bei einem schlichten Mama-Farming-Account.
Gestern habe ich meine Freundin S., die ein bisschen was versteht von Fotografie, gebeten, mir zu erklären, was genau diese Bilder so unglaublich faszinierend macht. Sie hat von „Low Key“ gesprochen und mir gezeigt, dass man auf manchen Handys sehr viel auch nachträglich noch machen und intensiv bearbeiten kann, mit ein paar Klicks zum Teil bereits und mit wirklich verblüffenden Effekten.
Mich irritiert das. Wenn es so einfach ist, wieso kommt es mir dann so schwierig vor, das mit dem Fotografieren? Ganz abgesehen davon, dass mein Handy zu den eher schlichteren Exemplaren gehört, tue ich mich schwer damit, die Technik dahinter zu verstehen, und ich spüre, dass mir schlicht der Atem fehlt, Bilder gekonnt zu arrangieren oder ständig Kamera oder Handy griffbereit zu halten, um diesen einen, perfekten Moment aufs Bild zu bannen…
Gleichzeitig reut es mich.
Etwas nicht zu können, fühlt sich nie gut an.
Vielleicht kommt demnächst ja ein Lernbuch in meinen Bibliotheks-Korb, „Fotografie für Dummies“ oder so, keine Ahnung.
Was ich aber eigentlich erzählen wollte ist: Ich habe gewonnen! Vor ein paar Tagen schon, aber das trübt meine Freude kein bisschen, und ich muss sie euch unbedingt noch zeigen, die beiden zauberhaften, lindengrünen Mondphasen-Becher von Danijela, die nun bei mir im Küchenregal stehen und mich freuen, besänftigen, ermuntern, wenn ich sie ansehe.
Sie sind so unbeschreiblich schön!
Auch ein bisschen magisch.
Wie alles, was Danijela auf ihrer Töpferscheibe zaubert. Eine wirkliche Potter ist sie.
Sonderbar… Solche Dinge zu fotografieren fällt mir leicht. Sie sind einfach da und strahlen. Ganz von alleine, völlig ohne „Low Key“ oder was auch immer.

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