Archiv der Kategorie: Augenblicke

Neu

Neu mische ich meine Gesichtspflege von A bis Z selbst. Und ich bin mehr als zufrieden damit!
Meine Haut ist sehr empfindlich und trocknet leicht aus, bereits das Waschen nur mit purem Wasser lässt meine Wangen, den Nasenrücken und die Stirne schuppen und spannen. Lange Zeit habe ich deshalb auf Gesichts-Reinigungsmittel völlig verzichtet, weil ich dachte, die Natur wird’s schon richten, was sie wohl auch tut, nur scheint das für mich einfach nicht auszureichen. Wasser alleine ging irgendwann einfach nicht mehr, meine Haut brauchte Feuchtigkeit, zusätzliches Fett oder was auch immer, um gesund zu bleiben (und ja, ich trinke oft und viel, daran kann’s nicht liegen). Leider habe ich keine feinporige, makellose Pfirsichhaut wie meine Mädchen sie haben, das hatte ich nie, und die kleinen Unreinheiten, die mich mein Leben lang begleitet hatten, wurden dann mit Pflegecremes oder -Fluids nur schlimmer. Egal welche Creme ich ausprobierte, von „Weleda“ über „Dr. Hauschka“ bis zu Sachen von „Grüne Erde“, egal wie teuer oder auch nicht, nichts war wirklich gut zu mir. Und ich wollte Bio-Produkte, soviel stand fest.
Vor einer Weile gab es einen ziemlich guten Artikel zum Thema natürliche Gesichtspflege in einer der „Taproot“-Ausgaben (Nr.20), und die Rezepte darin, allesamt mit Pflanzenölen, Apfelessig und ätherischen Ölen, fand ich dermassen ansprechend und spannend, dass ich sie unbedingt ausprobieren wollte. Das Prinzip der Gesichtsreinigung alleine war eine Offenbarung für mich; ölen statt waschen. Kein Rubbeln, keine Seife, dafür sanfte Massagen, Dampf und zartes Trockentupfen. Sorgfalt. Langsamkeit. Einfachheit. Ab und zu eine natürliche Tonic aus Apfelessig, Zaubernuss, Wasser, Lavendel- und Weihrauchöl. That’s it.
Meine Haut ist klarer als je zuvor. Noch immer keine rosige Pfirsichhaut (*seufz*), aber das wird sie wohl auch nie werden. Das Spannen immerhin ist verschwunden, das Hautbild ebenmässiger geworden. Vor allem das Gefühl ist ein anderes. Ein gutes.

Gerade sammle ich alles zusammen, was ich noch brauche für mein neues Strickprojekt (Rundnadeln Stärke 4.5 fehlen mir noch!). Ich habe mir vorgenommen: Den Wollpullover „Tender“ von Melody Hoffman aus tannengrünem Garn („Tosh DK Tannenbaum“). Wolliges für mich. Also gross. Und ziemlich zeitintensiv. Aber schön. Hoffe ich.
Ich bin eine grosse Anhängerin von Melodys alias „Manadrine’s“ Designs und zutiefst berührt von der Art und Weise, wie sie es schafft, das Stricken als etwas Märchenhaftes, Träumerisches darzustellen, das dem Leben Magie und Glamour verleiht- und nicht einfach bloss Arbeit vor irgendwelchen Netflix-Serien ist. *zwinker*. Die Farben und Muster, die sie wählt, ihre ganze poetische Art… schön. Einfach nur wunderwunderschön.
Mein eigener „Tender“-Pullover wird wohl nicht viel von Melodys Traumwelt-Ausstrahlung haben, denke ich. Ich bin zu wenig pudrig, definitiv keine Frau für Pastell und leise Töne oder Trockenblumen an der Wand… aber richtig laut bin ich auch nicht. Mehr so… erdig. Irgendwo dazwischen und nicht so wirklich festlegbar. Wie immer. Meine grünen Wollstrangen habe ich mir im Laufe der letzten Jahre zusammengesammelt. Einen Strang nach dem anderen. Und bei jeder Bestellung habe ich nachgesehen, ob es die Farbe „Tannenbaum“ noch gibt beim Strickcafé… Jetzt habe ich einen ganzen Schoss davon. Bereit ein Pulli zu werden. Ich friere öfters in letzter Zeit. Die Zeit ist mehr als reif für dieses Projekt.

Und noch mehr News, die allerschönsten natürlich, und die also zum Schluss: Es gibt Babies in unserem Meerschweinchenstall! Lauter wunderschöne, zum Anknabbern und Verschmusen süsse, kleine, wuschelige Krabbeldingerchen, die beim Laufen noch leicht torkeln und fast umplumpsen, wenn sie versuchen, sich mit ihren winzigen Pfoten die Schnäuzchen zu putzen. Hach. Sie sind einfach zu knuffig! 
Mein Liebster hat vor einer Weile angefangen, zu züchten, also im kleinen Rahmen bloss, aber immerhin, und für diesen Wurf hier wurde eigens ein ziemlich potenter, kräftiger und gesunder weiss-grau gesprenkelter Bock für zwei romantische Wochen in unsere von einem kastrierten Beau bewachte Damenrunde einquartiert, was tadellos klappte und nun seine Früchte bringt: Einmal Sechslinge, einmal ein kleines, niedliches Einzelkind, das haargenau so aussieht wie „Caramel“, seine Mama, nur kleiner. Die Geburten verliefen völlig problemlos und in aller Stille; plötzlich waren die kleinen Pelztierchen einfach da. Und die Mamas zufrieden Gras mümmelnd irgendwo in der Runde und sehr viel schlanker als zuvor. Um Mütter und Kinder ein bisschen zu schonen (unser Gehege ist riesig und der Betrieb rege), haben wir sie nun vorerst im obersten Abteil des Stalles untergebracht und die Durchgangsklappe geschlossen. So sind sie ein wenig für sich und können kuscheln und ihre kleine Welt entdecken, ohne sich immerzu zu verlieren in all den Gängen und Abteilen. Ein schönes Bild. All das Leben und Geliebtwerden. Gesäugt wird übrigens ganz schwesterlich gemeinsam; wenn eines der Kleinen Hunger hat, dockt es einfach an, wo die Milch am nächsten fliesst, und das kann auch mal an einer fremden Zitze sein, wie ich beobachtet habe. Und dass unser „Caramel“-Junior eigentlich nicht zur grossen, hellen Grossfamilie gehört, merkt man auch einzig am dunklen, satt gefärbten Fell, aber bestimmt nicht am Verhalten; es wuselt mit den anderen herum, als gehörten sie alle ganz selbstverständlich zusammen, was sie auch tun, denn irgendwie scheint bei Meerschweinchen die Gruppe… alles zu sein.
Ich habe mich den Tieren gegenüber emotional etwas zurückgezogen, nachdem wir unsere letzten beiden Meerschweinchen-Herden an den Fuchs verloren hatten. Einmal wäre wirklich genug gewesen, aber gleich zweimal loslassen in nur einem Winter… sowas ist einfach zu viel für mich. Jetzt hat Herr Kirschkernzeit für mich übernommen; er ist ein guter Meerschweinchen-Papa, verlässlich, liebevoll, vernünftig. Dass es nötig sein wird, einige der Tiere zu verkaufen, weil das einfach dazu gehört, macht mir persönlich schon etwas Mühe, denn ich bin ein treuer Mensch und suche die Beständigkeit, aber gleichzeitig macht es mich glücklich, zu sehen, wie viel Freude mein Mann an seinen Schützlingen hat und wie zufrieden seine Tierchen sind unter seiner Obhut. Das ist viel wert. Ich glaube, hier ist Geben und Nehmen wirklich im Wechselspiel und hält sich auf wunderbare Weise die Waage.
Und ich… ich freue mich einfach an dem, was ist. Ohne mir den Kopf zu zerbrechen. Oder mir Sorgen zu machen.
Das ist sowieso etwas, das ich noch lernen muss.

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7 Mal

Ich weiss nicht so recht, wo ich beginnen soll. So viele Dinge, die hier geschehen, erlebt oder gemacht werden… und die Zeit saust, die Worte fehlen, genauso wie der Atem, der mir gerade öfter ausgeht als auch schon und mich dankbar macht für meinen Arzttermin  und die Eisen-Notration nächste Woche, die mir wieder Kraft in meine Glieder pumpen wird. Darum, und weil mein Kopf einfach zu schnell leer wird und dumm, wird dieser Post hier eine Liste sein, aufgezählte Gedanken, die mir vor die Linse oder einfach nur so in den Sinn gekommen sind…

1. Das Filzen hat uns ein bisschen gepackt. Aber dann auch wieder nicht. Mit den Mäuschen kamen ein paar rohe Filz-Fingerlinge zustande, die nun darauf warten, zu Fingerpüppchen-Füchsen oder -Vögelchen zu werden. Es war witzig, daran zu arbeiten, aber jetzt weiss ich nicht so recht weiter und warte auf den richtigen Moment, wo Lust und Laune stimmen und ich genug Begeisterung dafür aufbringen kann, winzig kleine Ohren und Schnauzhaare aufzunähen. Beim Ausspülen sind die Fingerlinge so ziemlich geschrumpft, ich befürchte, sie passen nun nur noch meinem kleinen Babyneffen (*huch*!), aber es ist wie es ist, und entweder kommen die Winzlinge dann eben auf einen Stab in unsere Kakteen-Töpfe oder sonstwie nett platziert ins Rampenlicht- oder wir quetschen unsere kleinsten kleinen Finger hinein und spielen dann so Theater. Mal sehen…

2. Apropos Theater, meine grosse Entdeckung in musikalischer Hinsicht sind momentan: die Filmmusik von „Pirates of the Carribean“, die mich in gewissen Sequenzen geradezu erbeben lässt, und -die ganz grosse Offenbarung- das Cello, vor allem klassische Interpretationen zeitgenössischer Lieder, wie „2Cellos“ sie spielen. Ich mag das. Und so wie das „Prager Cello Quartet“ „The Phantom of the Opera“ spielt, so unfassbar wunderwunderwunderschön, ist dieses Stück wohl etwas vom Bewegendsten, das ich je in meinem Leben gehört habe. Gänsehautmusik, bei der ich manchmal weine, ohne traurig zu sein.
Dabei ist mir das Cello bisher überhaupt nie aufgefallen. Ich dachte immer, ich sei mehr so der Klarinetten-, Klavier- und Gitarrentyp. Aber das Cello ist leidenschaftlich, melancholisch, sanft und gleichzeitig wild und verrückt, wenn es will, was mir irgendwie bekannt vorkommt. Scheinbar bin ich auch ein Cello.

3. Im Augenblick hat mein Körper etwas zu kämpfen. Da ist die Anämie, die ihren Teil beisteuert, aber auch ein radikaler Kälte-Einbruch, der mein Immunsystem herausfordert. Und ich war rasant unterwegs die letzten Tage über. Feier-Nächte am diesjährigen Dorffest, das wie immer zwei volle Tage und eine Nacht dauerte und wirklich unschlagbar fröhlich und lebendig war. Mein Liebster und ich sind bis nachts um halb zweium die Häuser gezogen und hatten echt viel Spass mit all den Dorf-Kumpels, die man so traf.
Gut getan hat das. Unsagbar gut. Wir machen das viel zu selten, wir zwei; einfach mal abschalten vom Elternsein und das mit dem Vernünftigsein kurz zur Seite legen. Dabei brauchen wir das. So ab und zu. Ich habe die ganzen 16 Jahre über nicht so viele Komplimente erhalten wie an diesem einen Wochen-Ende, und da ich bei weitem keine Schönheit bin, glaube ich wirklich, dass Ausstrahlung alles ist, und dass ein Mensch, der so richtig und zutiefst glücklich und in sich zufrieden immer irgendwie schön aussieht und in gewisser Weise anziehend… (Leider bin ich im Alltag ja eher ein Grummel. Kein Wunder regnet es sonst nie Komplimente *hüstel*)

4. Mein neuer Kalender fürs nächste Jahr ist angekommen: Der „Taproot 2019 Calendar“, der mir um Welten besser gefällt als derjenige aus diesem Jahr. Ich bin ganz zufrieden damit, vermisse aber, wenn ich ganz ehrlich bin, Phoebe Wahls einzigartige Arbeiten aus den beiden Vorgänger-Kalender-Kollektionen. Dieses Märchenhafte, Magische, das sie mit ihren Monats-Bildern jeweils herbeizaubern konnte, bringt nur sie zustande. Und es fehlt mir. Jeder Tag sollte Magie enthalten, finde ich…

5. Nicht nur musikalisch habe ich für mich kleine Welten erschlossen, auch was den Film angeht, bin ich gerade auf einer ganz heissen Spur; Ich habe mir neulich ganz spontan die ersten Staffel von „Mr. Selfridge“ bestellt und bin absolut hingerissen von dieser Serie! Das Licht, die Kostüme, der ganze Plot, die Darsteller, der rasante Erzählstil mit Stil… Himmel, das ist haargenau, was ich brauche! Ich schwelge in Schönheit und den grossen Gefühlen kleiner Lebensgeschichten und bin über alle Massen seelig, wenn ich mich mit meinem Laptop, einer Tasse heissem Tee mit Holunderbeer-Sirup unter meine warme Decke verkriechen darf, um einfach wegzuträumen in ferne Zeiten und andere Wirklichkeiten… (Staffel 2 und 3 sind bereits bestellt und unterwegs!)

6. Manchmal stricke ich dabei. Aber nicht oft. Im Augenblick stecke ich ein einer Art Strickblockade, wo sich alles in mir sträubt, beim Entspannen und Wegtauchen auch noch zu arbeiten. Und da sich das Zusammennähen dieser kleinen silbergrauen Zwergenmütze, für die ich auch noch ein Binderband stricken sollte, definitiv zu sehr nach Arbeit anfühlt, wird wohl noch etwas Zeit verstreichen, bis sie fertig ist. Macht nichts. Stricken soll eine Herzenssache sein. Kein Knochenjob.

7. Dieses Projekt immerhin ist mittlerweile abgeschlossen. Und glücklich zu Ende geführt worden. Meine Kleinste konnte in ihrem neuen, grünen „Tama“-Sweater bereits ihre Schwester zum Kindergarten bringen. Und fror so kein bisschen dabei, obwohl der Morgen neblig sein kann und bereits ordentlich düster. Die Farbe ist nicht unbedingt das, was mein kleines Mädchen sich aussuchen würde, tatsächlich wollte sie ihren Pulli zuerst gar nicht erst anziehen, weil sie violett mag oder rosa oder vielleicht noch blau, aber grün im Grunde langweilig findet. Aber ich glaube, sie wird sie noch lieben lernen, diese Farbe, diesen Schnitt, dieses Garn, das nicht kratzt und trotzdem wärmt („Cotton Merino“ von Drops). Sobald es passt, werde ich Fotos machen und einen kleinen „Tama“-Post. Und bis dahin hoffe ich einfach mal, dass es nicht zu viele Flecken gibt. Oder kahlgefegte Wegrand-Buschäste, die unterwegs zum Kindergarten lange Maschen ziehen.

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wollig gute Zeiten

Mir geht es gerade rundum gut.
Ehrlich!
Obwohl ich meinen Eisen-Infusions-Termin nun schon wieder um eine Woche oder mehr verschieben musste (Babysitting-Probleme), fühle ich mich einfach… zufrieden. So ausgefüllt irgendwie. Aber nicht überlastet. Meine Nächte sind besser geworden; die Mädchen schlafen nun alle beinahe durch, was ein Novum ist, eine Neuheit, ein erste Mal seit über 16 Jahren nun… Und es tut so dermassen, wahnsinnig, unsagbar gut, wisst ihr! Einfach schlafen, wann ich will. Und so tief, wie Schlaf eben sein soll. Ich fühle mich mindestens 10 Jahre jünger! (Auch wenn das keiner sieht.) Sogar, wenn es spät wird -und das tut es, glaubt mir nur, meistens bringe ich die Selbstdisziplin nämlich nicht auf, vor 23 Uhr ins Bett zu gehen- bin ich niemals mehr so gerädert und durch den Wind wie früher… Das ist wunderbar. Ein neues Lebensgefühl, das mich wahnsinnig dankbar macht und richtig glücklich.
Ich bin wieder ich.


Gestern habe ich übrigens zum allerersten Mal einen Abend mit Netflix verbracht. Strickend selbstredlich, denn Wolle und Nadeln, das muss schon sein. Mein Liebster hat mir alles eingerichtet und ich bin vollauf begeistert über das Programm hergefallen, um alles mögliche an historischen Filmen und kitschigen Serien zusammenzusammeln und auf meine Liste zu setzen. Ich liebe Kostümdramen. „Downton Abbey“ wäre schön, „Mr. Selfridge“ oder die „Miss Marple“-Serie, aber da es all diese Schätzchen leider bei Netflix nicht zu haben gibt, tröste ich mich vorerst mit „Landgirls“.
„Du bist ja richtig modern geworden!“, meinte meines Schwester J. gestern nachmittag, als sie mit meinem kleinen Neffen (süüüsss!!! Für ihn stricke ich auch das silbergraue Zwergenmützchen) spontan zu uns zu Besuch kam und mich erzählen hörte. Sie ist das nicht gewohnt, ich weiss. Es hat 38 Jahre gedauert, bis ich „Ja“ sagen konnte zu einem Handy, und bis gestern habe ich DVDs gekauft, wenn ich mir einen Film ansehen wollte. (Was für ein Unsinn! Das Zeug stapelt sich nachher ungenutzt in meinen Schränken, weil ich mir nur wenige Filme mehrmals ansehe, „Hercule Poirot“ und „Chocolat“ mal ausgenommen).
Aber wisst ihr was? Ich finde es grossartig, dieses moderne Zeug! Ich und mein Handy zum Beispiel, sind ein prima Team. Wir lassen und gegenseitig leben und jedem seine Zeit, aber wenn ich es brauche, dann ist es da. Für kurze Grüsse oder ein Foto an eine Freundin dann und wann. Für ein Kinder-Interview an Oma. Für Sprachnachrichten oder spontane Einladungen und all die Dinge, die einem so unheimlich gut tun, aber sofort vergessen gehen, wenn man sie zu lange aufschiebt. Ich fühle mich den Menschen sehr viel… näher, jetzt, wo ich auch einfach mal nur „kurz anklopfen“ und einen Gruss oder eine Randnotiz mit etwas besonders Schönem hinterlassen kann, statt gleich anrufen zu müssen und dann eine halbe Stunde am Telefon zu sitzen, obwohl ich dazu eigentlich gar keine Zeit habe… Mir macht das so viel Spass. Das Vernetztsein. Es muss ja nicht gleich rund um die Uhr sein; die meiste Zeit liegt das Handy ohnehin einfach bloss still und stumm in einer Ecke.


Den zauberhaften Blütenkranz auf dem Bild oben mit all den Blüten meines Gartens, hat mir übrigens mein Kindergartenkind gemacht. Einfach nur so. Als ich zum Kaffeetrinken in die Küche kam, hatte sie bereits alles für mich vorbereitet, liebevoll und aufgeregt, weil es ja eine Überraschung war, und Überraschungen sind immer aufregend. Ich fand das so süss von ihr!
Die grüne Strickwolke neben meinem Blütenreigen ist der „Tama“-Pulli meiner Kleinsten. Er ist mittlerweile fertig. Aber noch nicht so richtig fertig. Die Fäden sind noch zu vernähen und das Waschen und Blocken stehen kurz bevor. Ich hoffe inständig, dass die Passform dann irgendwie besser aussehen wird. Bis jetzt schaut es mehr aus wie ein grüner Kartoffelsack und ich bin ein wenig enttäuscht. Vor allem der Armausschnitt ist ziemlich voluminös geraten, die Ärmel ungeheuer geräumig. Weil ich unbedingt einen Pulli für meine 3jährige wollte und keinesfalls einen für meine 6jährige (der er wohl besser gepasst hätte), habe ich die Ärmel für ihren Umfang eher kurz gestrickt und mit einem langen Bündchen versehen, damit er sich umklappen lässt und mitwächst. Beim Bauch habe ich nochmals aufgelassen und ebenfalls ein Bündchen gemacht statt der angegebenen Krausrippe. Jetzt ist alles ein wenig schief und sonderlich… Mal sehen, wie das noch herauskommt. Manchmal ist ein Bad allerdings alles, was ein Strick-Projekt braucht, um einem schlussendlich doch noch positiv zu überraschen…


Und da wir gerade von „überraschen“ sprechen; seht euch dieses Paket hier an! Ein Wunder! Ein Häkelwunder!
Rita hat ein ganzes Jahre lang geschuftet und kreiert und eine wahre Flut an kunterbunten, absolut perfekten Häkelfrüchtchen und Häkelgemüse geschaffen… und sie alle mir und meinen Mädels geschickt! Unfassbar! Habe ich etwa den Jackpot geknackt?!
Ich kann mein Glück kaum fassen… So viel Schönheit, so viel Grosszügigkeit und Herzlichkeit macht mich einfach sprachlos…
Eines ist jedenfalls schon mal klar; von diesen herrlichen Schätzen wird nur ein Teil in der Puppenküche landen- Birnen, Kürbis, Apfel, Radieschen, Kirschen und Co. (sogar Erbschen gibt es!!!) sind nämlich einfach viel zu schön, um im Kinderzimmer zu verschwinden. Die kommen auch auf den Esstisch. Aufs Fensterbrett. Zu meinen Filz-Engeln. Neben mein Bett. In Nischen und freie Plätzchen zu all den Szenerien, die sich hier immer wie von Zauberhand zusammenfinden mit Zeichnungen, Sammelsurien aus Postkarten, Spielfiguren und Jahreszeitenkram, ein Abbild vom Alltagstrubel und dem ständigen Wechsel im Jahreslauf. Gerade lachen mich die entzückenden Fliegenpilzchen an. Der dicke, orange Patchwork-Kürbis (*schmacht*). Ein roter und ein grüner Schneewittchenapfel. Ach was… da lacht alles. Die ganze Obst-Gemüse-Box.
Mein ganzes Herz.
Ich freue mich so, dass wir jetzt mit Ritas zauberhafter Häkelkunst leben dürfen!

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kreativ am Rande

Die Schule hat wieder begonnen- und mit ihr dieser ganze Terminwahnsinn und die hin- und her schwappenden Hochs und Tiefs gewisser Kinder, die mit der Menschenmenge und der vorgegebenen Geschäftigkeit des Schulalltages einfach nicht zurecht kommen.
Die letzten Tage habe ich oft daran denken müssen, wie es wäre, die Kinder zuhause zu unterrichten. Offen gesagt, denke ich; in unserem Fall wäre es grob genommen nicht unbedingt ein Plus. Weder für die Kinder noch für mich. Ich war selber eine sehr glückliche Schülerin, die sich absolut geborgen und zuhause fühlte im Klassenzimmer und diesen Familien-entrückten Raum absolut brauchte, um mich ausserhalb der familiären Beziehungsmuster neu zu definieren. Genau dieses Phänomen beobachte ich auch bei sicher zwei meiner Kinder; Mein 6-Klässler und seine 3 Jahre jüngere Schwester blühen sichtlich auf inmitten von Stundenplan, Pausenhof und Klassenverband. Sie sind wissbegierig, werden inspiriert und emotional gefordert und genährt in ihren Schülergruppen und sehen in ihren Lehrern und Lehrerinnen (beide haben mehrere) nicht nur Autoritätspersonen, bei denen man Zucht und Ordnung lernen soll (hihi), sondern irgendwie auch sowas wie… sympathische erwachsene Begleiter. Kind2 zB. hat einen fantastischen jungen Mann als Lehrer, einen Sportler, Schiedsrichter im Volleyball, glaube ich, äusserst fair und voller Elan, der auch mal 5 gerade sein lässt und mit den Kindern viel lacht. Kind2 hat sich enorm gemacht in den letzten 2 Jahren bei ihm. Überhaupt die ganze Klasse. Sie ist richtig zusammengewachsen und gemeinsam durch so manche Konfliktsituationen gegangen, die es zusammen zu lösen galt und die auch bewusst angegangen wurden. Eine eigentliche Lebensschule war das, ist das, denke ich, und weil da jemand dabei steht, der ein Herz hat für Kinder und sich offensichtlich auch selber reflektiert, wird aus dem ambivalenten Thema Schule in diesem Fall ein echter Segen, für den ich unheimlich dankbar bin. Mein Junge erfährt viel Anerkennung, erlebt Freundschaft und die motivierende und aufbauender Kraft und Geborgenheit der Klassen-Gemeinschaft. Und das tut ihm wahnsinnig gut. Genau wie meinem Mädchen, das ihre scheinbar unbändige Energie in der Schule ganz verblüffend zu bündeln vermag; konzentriert und fokussiert im Unterricht, wild und frei in den Pausen. Ich hätte es nie für möglich gehalten und wundere mich noch heute, aber das Kind, das ausserhalb der Schule rasch einmal den Gedanken an ADHS aufkommen lässt (ich gestehe es; auch bei mir), funktioniert in der Schule absolut tadellos und bringt nur Lob und gute Noten nach Hause. (Ich bete zu Gott, dass das anhält).
Anders sieht es bei Kind1 aus.
Und bei meinem Kindergartenkind.
Für Kind1 bedeutet Schule heute einzig: gähnende Öde. Ich bin nicht erstaunt im Grunde, für viele Jugendliche verliert das Klassenzimmer an Reiz und die grossen entwicklungstechnischen und biologischen Lebensthemen bilden eine weite Schere zu Algebra und Plattentektonik. Ich verstehe das. Vollkommen. Aber es ist schade. Wie er sich Tag für Tag rumschleppt und keine rechte Freude empfinden kann an all dem. Das Gymnasium abbrechen möchte er trotzdem nicht, obwohl wir diese Möglichkeit immer wieder ansprechen. Ich für meinen Teil wäre richtig froh, wenn er jetzt erst einmal Automech werden würde anstatt zwischen seinen Buchseiten zu verkümmern, aber er sieht das ganz anders, will sich durchbeissen, das Abitur einpacken- und dann richtig leben, wie er sagt. Weil mir nichts anderes übrigbleibt, begleite ich ihn auf diesem selbst gewählten Weg.
So wie ich meine Kleine begleite.
In ihrem Kindergarten-Alltag.
Und jeden einzelnen verflixten Morgen zum Kindsgi hin und mittags nach Hause. Ihr Weinen und Klammern beim Abschied -ja, immer noch, nach jetzt über einem Jahr- zerreisst mir das Herz und zerrt an meinen Nerven. Neulich musste ich selber losheulen (wie peinlich!) und ich spüre, wie diese Anspannung und die emotionale Belastung langsam wieder an mir zu nagen beginnen. Es ist nicht einfach. Aber irgendwie geht es immer vorwärts. Schritt für Schritt.

Bei all diesen grossen, zum Teil sehr aufwühlenden Themen bleibt kaum noch Zeit für anderes. (Ach ja, nur um den Kreis punkto Homeschooling noch kurz zu schliessen; meine Kleine würde ich aus der Schule nehmen, bzw. aus dem Kindergarten. Wenn ich könnte.)
Mit Mühe und sehr viel Selbstdisziplin habe ich es diese Woche immerhin geschafft, jeden Mittag ein warmes, hoffentlich einigermassen gesundes Essen auf den Tisch zu stellen und die (jüngeren) Kinder rechtzeitig zu Bett zu bringen. Ich habe Wäsche gewaschen, eingekauft und im Secondhand-Laden Schuhe und eine Regenjacke für mein Kindergartenkind gekauft. Ich habe bei der Biobäurin Gemüse gepostet, viel geplaudert dabei und mich unglaublich wohl gefühlt auf ihrem Hof. Sie macht so viel selber. Kocht Bouillon, macht Kräuersalze und Kirschenkompott und so exklusive Sachen wie Lavendel-Sirup oder Zwetschgen-Schnaps. Ich schaffe es gerade noch knapp, den Basilikum vor unseren Meerschweinchen zu retten, bevor sie mir auf ihrer Klettertour durch die Kräuterspirale alles wegknabbern (wo ist eigentlich meine Petersilie geblieben?!) und war sehr stolz,  als ich und meine Kleinste 3 Gläslein grünes Pesto daraus zu fabrizierten. Was Spass gemacht hat, wie man unschwer auf den Fotos erkennt.
Holunderbeer-Sirup kam zustand. Und aus dem üppig wuchernden Strauch Zitronenverbene vom Garten werden nun Tee-Kräuter, einzeln abgezupft und getrocknet und in einem grossen, bauchigen Einmach-Glas verstaut, das mittlerweile voll ist bis obenhin. Man bringt den Deckel gerade noch zu. Die ersten Büschel habe ich wohl bei zu hohen Temperaturen getrocknet. Mein Dörrex stammt vom Trödler, ist eher alt und kam ohne Anleitung daher. Bis ich begriffen habe, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, auf welches Nümmerchen man den Regler stellt, waren die ersten Bleche Kräuter schon fast Heu. Ich verwende sie trotzdem. Vielleicht merke ich ja auch gar keinen Unterschied, wer weiss…

Ansonsten liegt meine Kreativität etwas brach in letzter Zeit. Ich weiss, Soulemama hat uns gelehrt; Man muss sich Nischen schaffen zum Werkeln, Basteln und Nähen und Stricken und Schreiben. Von alleine werden sie nicht frei. Niemals. Da ist immer irgendwas anderes, das getan werden sollte. Scheinbar. Oder auch ganz legitim und offensichtlich. Zeit für die eigenen Bedürfnisse, besonders für dieses unsinnige, kreative Drängen in uns wird sich kaum von selbst eröffnen. Ich muss sie mir ureigenst selber nehmen, freikämpfen, am Schopf packen. Die Sache ist nur die, dass es mich im Moment einfach zu nervös macht, all das Chaos und die drängenden Punkte meiner To-Do-Listen zur Seite zu schieben und… mich strickend zu verziehen. Zum Beispiel. Und wie man sich lärmende, fragende, müde oder überdrehte, nach Zvieri oder einem Pflaster verlangende Kinder vom Hals hält, um in aller Musse eine Masche an die andere zu hängen, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden. Darum mache ich gerade Mini-Schrittchen, was Kreativ-Projekte angeht. Und bastle mehr an Zukunfts-Träumen punkto Näh-Wünsche als an handfesten Schnitt-Teilen. Da wäre ein Quilt zu quilten. Sogar zwei, wenn ich mich recht erinnere. Und Wolle gäbe es auch im Überfluss. Aber eben… wann? Wo? Wie?
Gestern immerhin habe ich das hier geschafft: Ich bin -wirklich hundemüde und emotional ziemlich angeschlagen (da war ein Kindergeburtstag an dem meine Kleine dann urplötzlich auch nicht bleiben wollte ohne mich *argh*)- schon um 21:30 ins Bett geklettert, habe mir Holundersirup und das Radio bereit gestellt und das neue Projekt angeschlagen, an dem ich sicher 3 volle Abende herumstudieren musste, bis ich es ausgewählt und die passende Wolle dazu in meinem Fundus gefunden hatte. Es wird ein  schlichter „Tama“-Pullover. Für meine Kleinste. In Waldgrün. Zuerst war ich nicht wirklich begeistert, es kam einfach kein Feuer-und-Flamme-Gefühl auf in mir, doch so langsam, langsam gewinne ich dieses Projekt lieb. Ich mag die Farbe. Sanft und natürlich. Ein bisschen sommerlich, ein wenig schon Herbst. Ein weiteres Projekt. Kreativ am Rande. Und Grün ist immer gut.

PS. Ich werde es wohl nicht schaffen, alle eure lieben Kommentare zu meinem blauen „Zilver“-Tuch zu beantworten, aber ich DANKE jeder einzelnen von euch für das viele Lob und die guten Gedanken!!!!!!!!!!! Es hat mich wahnsinnig gefreut, sie zu lesen!

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