Archiv der Kategorie: Augenblicke

gern gemocht

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Die letzte Woche war gar nicht mal so übel. Mein Kindergartenkind blieb von Dienstag an zuhause, einer starken Erkältung mit leicht fiebrigen Episoden wegen, und auch wenn manche Augenblicke genau deshalb ein bisschen happig waren, blieb mir doch das ständige Hin- und Her von Zuhause zum Kindergarten und zurück erspart, mitsamt den unschönen und tränenreichen Abschieds-Momenten. Das verschaffte mir eine ganze Menge mehr Luft, auch emotional und nervlich, und ich konnte nur staunen, wie viel ausgeglichener auch mein Kind selber wurde, mit jedem Tag ein bisschen mehr, und auch meine Kleinste, die das Getrenntsein von ihrer grossen Schwester bis heute noch nicht recht verstehen und akzeptieren kann, wie mir scheint, wurde ein Stück weit zufriedener in diesen geschenkten Tagen. Besonders schön war jener Morgen, an dem die beiden Kleinen bis fast um halb zehn ausschliefen. Freie, stille Stunden (kaum hatte ich die drei grösseren Schulkinder aus dem Haus). Wunderwunderschön!
Aber auch sonst gab es viel Gutes für mich. Für uns.
Die Kiste voller Schätze, die muss ich gleich als allererstes nennen, ja, die Kiste voller Schätze in Form von Wohnheftlis und neuem Lesestoff, garteneigenem Frauenmäntelitee und einem in Seidenpapier gehüllten nigelnagelneuen Wollschal in meinem Lieblingsgrün… Ich hab’ mich so gefreut, als es an der Tür klingelte und draussen ein einsames Päckchen lag (der Postbote macht sich immer in Windeseile aus dem Staub, ich glaube, der spurtet immer regelrecht los, kaum hat er die Klingel gedrückt). Ein Päckchen von Rita, diesem Engel…
Den Schal seht ihr übrigens auf dem vierten Bild, mitsamt meinem immerzu nur weiter wachsenden Eingangs-Chaos, an das ich mich mittlerweile schon halbwegs gewöhnt habe, denn der Eingang wird ja nicht geräumiger, die Jacken und Schuhe und Taschen und Helme meiner Kinder aber immerzu grösser und zahlreicher. Es ist ein feiner Rundschal, einer, den man einfach so überziehen und entspannt und ohne je zu schwitzen den ganzen Tag lang damit rumlaufen kann, ohne ihn recht zu spüren. Nur wenn man ihn auszieht, dann merkt man mit einem Mal, wie schrecklich kalt es plötzlich ist, so ganz ohne wolligen Nackenwärmer. Ich mag ihn mehr als ich sagen kann. Und Rita natürlich auch.

Und was mag ich sonst noch…? Smarties-Pferdchen, meine Kleinste und ihre Aufreih-Leidenschaft und die kurzen Abschnitte herbstlichen Sonnenlichts, die mir manchmal, wenn ich Glück habe und der Hochnebel uns kurz verlässt, in die Küche reinspienzlen. Es ist ein goldenes Licht, eines, für das ich sehr dankbar bin, denn es taucht alles in Honigglanz und lässt den Holzboden so schön strahlen, ganz ohne die Hitze des Sommers, die ich ständig aussperren musste, um den Sommer erträglich zu machen hier in diesem alten Haus.
Ich mag den Crumble, den ich ausprobiert habe, mit Zwetschgen und Apfelspalten, obwohl er ziemlich mächtig war und etwas zu süss, und ich glaube, ich mag ihn deshalb, weil er einfach mal was Neues war, was Anderes, etwas, das ich noch nie gemacht habe bisher.
Kind2, der sich vom eher schrägen Musikgeschmack seines grossen Bruders emanzipiert hat (der hört Sachen wie Asap Mob und einen gänzlich unmöglichen österreichischen, jungen Typen, dem ich nicht zuhören kann, ohne rot zu werden, aber ich bin ja auch langsam alt und empfindlich *hüstel*). Kind2 hat diese Woche -man höre und staune- “die Prinzen” für sich entdeckt. Hach, die guten alten “Prinzen”. Was hab’ ich die gern gehört damals in den 90ern, “Millionär” und “Küssen verboten” oder “Mein Fahrrad”, rauf und runter liessen wir die CD spielen (oder war’s noch eine MC?). Der Lieblingssong meines Jungen ist aber der hier (“Chronisch pleite”). Und den hier (“Be Cool Speak Deutsch”) findet er auch ziemlich toll, was mich schlichtweg umhaut, denn irgendwie ist es doch komisch, wenn das eigene Kind, das früher (trotz häuslicher Zensur) für Eminem schwärmte, plötzlich mit Sachen ankommt, die ich selber mal gemocht und gehört habe und die ich eigentlich, wenn ich’s mir recht überlege, immer noch mag (bis auf die Music Clips). Komisch ist das, ja, aber in einem ziemlich erfreulichen Sinn, meine ich. Und, ganz ehrlich; diese Männer können immerhin singen, treffen alle Töne und bringen recht ordentliche A-Capella-Klänge zustande- was man von vielen heute enorm gut verdienenden Stars und Sternchen nicht unbedingt behaupten kann. (Aber wie gesagt, ich werde alt und empfindlich.)

Aber nun zu meinem Gern-gemocht-Hitparaden-Liebling: Ist der kleine, rote Papierdrache meiner Grossen nicht einfach hinreissend?! Sie hat ihn diese Woche ganz im Stillen in ihrem Zimmer gebastelt und sich all die Details selbst ausgedacht, die in winzigen Schlitzen am Rücken befestigten Flügelchen, die Spuck-Flamme, die richtig aus dem Maul herausschiesst, der im Inneren des Drachen befestigte, gezackte Schwanz. Er lebt in seiner eigenen Vulkan-Landschaft und hat mein Herz selbstredlich im Sturm erobert…
Wenn ich so zurückblicke, muss ich eigentlich sagen; Eine gute Woche war’s.
Ehre, wem Ehre gebürt.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Herr Kirschkernzeit sucht sein gestohlenes Fahrrad (es stand direkt vor unserem Haus) und weil die beiden kleineren Mädchen ihn begleiten, finde ich unerwartet einen Moment der Ruhe und Musse und… schreibe einen waschechten Brief, komplett mit dem altmodischen Kinder-Briefpapier meiner Grossen, für das ich seinerzeit in meiner Jugend mein Sackgeld ausgegeben habe (ja, für Briefpapier, Postkarten, Tagebücher und bunte Sticker, wenn ich mich recht erinnere). Es ist schön, zu sehen, wie die Zeilen sich langsam über das gesamte Blatt ausbreiten und es getextet zerstreifen wie ein Zebra.
Ich habe mir vorgenommen, mir demnächst mein eigenes Briefpapier zu kaufen und freue mich jetzt schon darauf, in der Papeterie zu stöbern. Mails und Postkarten sind schön- aber es geht doch nichts über einen langsam in Handarbeit geschriebenen, langen Brief…

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Heute ist ein guter Tag- der beste dieser Woche, da bin ich mir sicher. Die Sonne scheint, und doch ist es angenehm frisch zwischen ihren Strahlen. Beim Kindergarten durfte ich mittags ein fröhliches Kind abholen und Kind2, der nach der Mittelohrentzündung an diffusen Bauchschmerzen leidet und so müde ist, dass er gestern den ganzen Nachmittag durchschlief, fühlt sich endlich auch wieder besser.
Ich konnte meine Schlappheit ein Stück weit ablegen und genug Energie aufbringen, um das Meerschweinchen-Gehege auszumisten, neues Heu und Stroh zu besorgen und es ihnen so richtig gemütlich zu machen in ihrem Stall.
Die Kinder sind friedlich. Vor allem meine Kleinste hatte keine gute Zeit die letzten Tage (Wochen?) über, und sie heute wieder entspannt und zufrieden zu erleben ist Balsam für all meine Blessuren, ja ich wage sogar, von ungestörten Nächten zu träumen, irgendwann einmal, denn diese Nacht wurde sie nur dreimal wach (statt alle zwei Stunden wie bis anhin).
Alles in allem spüre ich so was wie Aufwind.
Vielleicht wirkt hier ja der kleine Strauss vierblättriger Kleeblätter, den meine Mama mir gestern abend vorbei gebracht hat *zwinker*. Sie hat so ein Auge dafür, für Glücksklee, meine ich. Egal wo sie steht, immer findet sie ein Stengelchen Klee mit vier Blättern, selbst dort, wo ich nur Sekunden zuvor selbst schon alles erfolglos mit Argusaugen abgesucht habe. Auch das könnte ich wohl wörtlich nehmen; Glück ist überall zu finden. Man muss einfach hinsehen. Und den Blick dafür schulen.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
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Die Stille im Blog verrät es: Mir schwirrt der Kopf vor lauter Dingen, Themen und kreisenden Gedanken. Und es ist gerade alles ein bisschen viel für mich. Das volle Lebenschaos, mit dem ich so oft nicht umzugehen weiss. Ein bisschen wie auf diesem Foto: Lauter Kram am falschen Ort und jeder Handgriff bedeutet Arbeit und Engegement, und will man etwas erreichen, muss man erst zig Hürden überwinden.
Und dazu regnet es auch noch.
Doch -und auch das verrät dieses Bild- man kann sich auch bei strömendem Herbstregenwetter, ungnädigen Temperaturen und einem Berg von Arbeit vor der Tür einen netten Tag machen. Alles was es braucht ist ein bisschen Optimismus und eine kleine Portion kindlichen Schalk in den Augen. Ich sollte mir wirklich öfters ein Beispiel an meinem wilden, unverblühmt ehrlich-direkten Tochterkind nehmen, das sich den Tag pflückt, egal wie unansehnlich er auch schein mag…

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