Archiv der Kategorie: grüner Leben

Amuse Bouche

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Dass Herr Kirschkernzeit seine Hemden seit langer Zeit schon selber bügelt (und sie eine ganze Weile lang auch selbst gewaschen hat) rechne ich ihm hoch an. Hemdenbügeln mag ich nämlich überhaupt rein gar nicht gerne. Ich bin auch nicht wirklich gut darin. Im Bügeln überhaupt.
Dabei ist so ein Hemd an sich etwas richtig Schönes, finde ich; elegant und legèr zugleich, sehr natürlich (100% reine Baumwolle) und ursprünglich- und trotzdem raffiniert und ausgeklügelt. So ein Hemd hat einfach Klasse. Und kleidet ungemein. Ich selber sehe in Hemden zwar immer fürchterlich aus, total Oberlehrerinnenhaft und bieder *snif*, aber der Herr Kirschkernzeit schwört mittlerweile auf dieses klassische Kleidungsstück und packt mit Freuden seinen Schrankt damit voll. Proppevoll.
Naja, irgendeine Sammelleidenschaft muss wohl jeder haben dürfen.
Neulich aber meinte er plötzlich: “Hm. Das hier ziehe ich doch eigentlich kaum an, oder?” Und streckte mir ein (frisch gebügeltes) schwarzes Stoffding entgegen, das rein und glatt von seinem Bügel hing. Ich, ganz perplex von diesem unerwarteten undeher untypischen Entrümpelungsanfall, witterte meine Chance und nickte begeistert. Auch als ein orangebraunes (mochte ich eh noch nie), ein weisses (viel zu gross), ein blaues und ein dunkelgrau gestreiftes Teil in meine Richtung flogen. Wenn jemand vom Aufräumfieber gepackt wird, dann bin ich die Letzte, die ihm Steine in den Weg legt.
Nur immer weg damit.
Dachte ich.
Zuerst.
Dann aber erinnerte ich mich an den herrlichen “Starry Sky Baby Quilt” in Melissa Wastneys wunderbarem Buch “Sweet and Simple Handmade”, ein Sternen-Kinderquilt aus lauter abgelegten Papa-Hemden. Ich sah das zart gestreifte Hellblau und musste plötzlich daran denken, wie oft mein Liebster genau diese Farbe getragen hatte, exakt dieses Hemd und wie gerne ich ihn darin gesehen hatte.
“Ein richtiges Herr-Kirschkernzeit-Hemd ist das”, dachte ich. “Das kann man doch nicht wegschmeissen.” (Wobei wir hier ohnehin keine tragbaren Sachen wegwerfen. Die kommen allesamt in die Kleidersammlung, zum Trödler oder in die Börse)

Kurze Zeit später stand ich mit dem hellblauen Herrenhemd am Bügelbrett. Und bügelte. Und schnitt. Und nadelte. Und nähte. Neben mir ein kleiner Haufen ausrangierter Hemden. Nicht alles, was weg muss, muss auch wirklich weg, hab ich Recht?

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Ein Quilt ist noch nicht daraus entstanden, nein. Obwohl die meisten Stoffe bereit liegen würden. Aber der wird noch warten müssen. Auf mehr Energie und mehr Zeit meinerseits.
Dieses  kleine Patchwork-Kissen hier allerdings war ein ganz wunderbarer Anfang. Ein Amuse Bouche der Sternen-Technik, in die ich mich schon so lange verliebt, an die ich mich aber nie näher herangewagt hatte.
Dieser allererste, ganz spontan noch mit kleinen Sashiko-Stichen verquiltete und (beinahe) voll und ganz aus den ausrangierten Hemden meines Mannes gemachte Sternen-Block hat sich jedenfalls herrlich genäht. So spannend und ein ganz klein wenig kniffelig (für meine bescheidenen Squarequilt-Verhältnisse). Patchworken auf diese, für mich vollkommen neue Art und Weise, hat enorm viel Zauber in meinen Augen. Und enorm viel Suchtpotential.
Muss es auch haben. Ich meine, wenn eines Tages ein richtiger blau-weisser Sternen-Quilt d’raus entstehen soll…

Veröffentlicht unter grüner Leben, Nähen, what makes me happy | 9 Kommentare

verliebt in Grau

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Verliebt? In Grau? Oh ja, das bin ich! Und wie!
Dabei ist Grau an sich nicht unbedingt eine Farbe, die mein Blut in Wallung bringt, schon gar nicht, wenn es um Kinderkleider geht. Aber hier, in dieser kleinen, kurzbeinigen Strickhose finde ich Grau richtig nett, muss ich sagen, so richtig zum Verlieben.
Die vielen grau-nassen Abende, die ich strickend damit verbracht habe, mit kleinen, grauen Baumwollbällchen im Schoss, die kann ich gar nicht mehr zählen. Viele waren es, viele, denn ganz egal wie klein sie auch sind, meine Strickarbeiten, sie brauchen Zeit, Zeit zum Entstehen, Zeit auch, um entspannt erarbeitet zu werden, denn die eine Hälfte meiner Strickliebe basiert auf Wolle, Garn und dem ganzen, unwiderstehlichen Charme dieser Materialien, die andere Hälfte auf meinem Genuss an der Langsamkeit. Hörspiele hören, mich auch mal in einen Film versenken dürfen (am liebsten ja in eine ganze Serie, Happen für Happen, von den “Gilmore Girls” zu “Downton Abbey” oder “Lark Rise to Candlefort” bis hin zu “MCLeods Töchter”), hin und herwandern mit meinen Gedanken, meinem Blick, mir Zeit lassen, lange, langsam, schrittchenweise… Darin liegt ein Zauber, der mich immer wieder hinüberrettet von einem Tag in den nächsten.
Weil ich abschalten kann darin. Loslassen. Neu beginnen.

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Auf diese Art war mir das Grau der letzten Wochen auch gar nicht so unlieb. Nicht dasjenige draussen vor meinem Fenster, wo es kühl war, sehr kühl und nass, sehr nass, nicht das auf meinem Schoss, wo Masche um Masche zwei meiner vielen Knäuel Garn verstrickt wurden, keine neuen Knäuel, nein, alte, seit Jahren schon gehortete Vorratsknäuel (Drops Muskat, damals noch im Bällchen-Format).
Vor einer Weile habe ich mir vorgenommen, mich zurückzuhalten mit Wollekaufen und mich dem zu widmen, das ich habe. Denn das ist viel. Erstaunlich viel. Erfreulich viel sogar? Ich meine, Babyhosen gespiesen allein aus dem, was meine Wollkommode so in sich trägt? Aus exakt den zwei Knäuelchen Muskat, die ich vorrätig hatte in Grau. Stricken mit dem, was man hat, das verleiht meiner Arbeit eine ganz neue Dimension, so einen Hauch von… Hausfrauenheldentum irgendwie. *zwinker*
Use what you have.
Fühlt sich gut an.
Für ein rundum gutes Bauchgefühl hat aber auch die Hosenanleitung gesorgt, ganz klar. Besonders in einer leicht abgeänderten, noch etwas stärker vereinfachten Form. Die rechts-links-Musterung an den äusseren Beinseiten habe ich nämlich einfach weggelassen, aus Erfahrung, weil ich gelernt habe, dass Baumwolle sich nur schlecht verträgt mit elastisch gedachten Stricktechniken und je einfacher desto hübscher aussieht, rein mustertechnisch.
Mit Nadeln Nr.4 habe ich 10 cm Bündchen gestrickt, extrahoch zum Umfalten (3cm), denn ohne Gummizug würde diese Hose sofort rutschen und schlabbern. Mit Nadeln Nr.4.5 entstand dann der Rest, auch die mittelkurzen Beinchen, die ich nach ca. 6.5 cm etwa 1.5 cm lang im re/li-Rippchenmuster in Blau abgeschlossen habe.

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Die Passform ist prima. Das ist nicht immer so, nicht bei mir jedenfalls, leider. Manche Hosen wabern irgendwie oder sind hinten zu kurz oder vorne zu hoch oder wie auch immer. Diese hier sitzen. Wirklich.
Und das allein aus zwei überzähligen Knäuelchen Baumwollgarn.
Kombiniert mit dem einstmal gar nicht so sehr geliebten und dabei doch so schnuckligen gesmockten Kleidchen, das ich gestern Nacht endlich, endlich, endlich(!) soweit gekürzt habe, dass es angenehmer zu tragen ist, wird mir einmal mehr klar; Ich liebe Strickhosen. Und wie! Altmodisch oder nicht- Strickhosen sind einfach etwas Besonderes. Für mich. Aber ich hab’s ja schon gesagt: Ich bin grade einfach ein klein wenig verliebt.
In Strickshorties. In Grau. Und in das kleine, freche Mädchen, das darin steckt sowieso.

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Neues Altes

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Manchmal, wenn mir die Decke auf den Kopf zu fallen droht vor lauter gleichschlagend grauer Alltagstage, krame ich in meiner Altkleider-Kiste und ziehe einen Wust abgelegter Sachen hervor, die -ob mit Löchern, fehlenden Knöpfen, abblätterndem Aufdruck oder einfach nur der falschen Farbe- allesamt den einen Mangel teilen; Sie werden nicht (mehr) geliebt in diesem Hause. Und dabei wären sie, mit ein wenig Geschick, Zeit und Einsatzfreude meinerseits, wieder vollkommen brauchbar. Fast wie neu vielleicht. Und in gewissen Fällen sogar, mehr noch, besser als neu.

Das Löcherstopfen gehört nun nicht unbedingt zu meinen allerliebsten Hausfrauen-Pflichten. Ich tue es, weil es einfach getan werden muss, aus Pflichtbewusstsein und Liebe zu Mutter Erde und weil ich einfach nichts wegwerfen kann, was auch nur noch ein Fünkchen Leben in sie glimmen hat, aber gerne, nein gerne flicke ich nicht.
Da ist mir das Kleiderfärben schon lieber, viel, viel lieber, weil’s so fix geht und so wahnsinnig viel verändert kann mit nur ein paar wenigen Handgriffen. Maschine auf, Pulver rein, Kleider mit dazu, Maschine zu- und ab die Post! Was dann passiert grenzt an Zauberei- und meistens stehe ich, flankiert von anderen Schaulustigen, vor der sich drehenden Trommel und beobachte fasziniert das Farbenprächtige Metamorphosen-Schauspiel…

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Auch dieses Kinder-Shirt hier ist so ein Fall.
Ursprünglich war es neongrün. Mit niedlichem Einhorn-Aufdruck. Ich hatte es in der Kinderkleiderbörse (wo ich alle meine Kinderkleinder kaufe) zwischen lauter alten T-Shirts entdeckt und musste es -damals war mein Mädchen noch mittendrin und heiss entflammt in ihrer Einhorn-Phase- natürlich sofort mit nach Hause nehmen.
Obwohl, Neongrün? Nun ja…
Als der Aufdruck dann viele Waschgänge und vertobte Spielnachmittage später langsam aber sicher abging, war mein Mädchen gottlob bereits in ihre Raubtier-fanatische Phase gewechselt und keiner von uns beiden sonderlich traurig wegen dem abblätternden Einhorn. Tragen konnte man es allerdings nicht mehr, dieses Shirt. Ihr seht es vielleicht ganz oben auf dem ersten Bild zwischen den anderen Sachen; Neongrün und mit weisslichem Gekrümel oben drauf… Nichts, was man gerne anzieht.
Andererseits ist das T-Shirt selber wirklich erstklassig vernäht, aus dickem, makellosen Stoff und noch immer absolut tadellos in Form.
Irgendetwas in mir hinderte mich daran, zur Schere zu greifen und neongrüne Putzlappen zu schnippeln…

Ein Hausfrauen-Koller später ist dank grünem Farbbad und ein bisschen Applikationsarbeit ein kleines, ziemlich exotisches Individuum daraus geworden, in mächtigen Farben und mit flammendem Herzen auf der Brust. Keine Putzlappen also.
Ein neues altes T-Shirt, das mich einmal mehr daran erinnert, wie gut es tut, das Selbermachen, das Heil- und Sich-zu-eigen-Machen eigentlich aller Dinge, mit denen wir zu tun haben…

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berührt: eigener Anbau

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Ein bisschen erschrocken bin ich, als ich plötzlich Dutzende von braunen Pilzen mit rubbeligen Mützen im Garten aus dem Boden schiessen sah. Überall stachen ihre Köpfe wie Speerspitzchen aus dem Boden. Überall wo Herr Kirschkernzeit letzten Herbst Rindenmulch verteilt hatte.
Ich hatte eine leise Ahnung, welche Art von Pilzen es sein könnte, fand sie aber eher unheimlich, diese sonderbare Anhäufung und setzte sofort ein Pflück- und Probierverbot. Für alle Fälle.
Dabei: nach einer Inspektion der Pilz-Kontrolleurin wissen wir (diesmal mit Sicherheit) was hier wuchert. Echte Morcheln. Gross und dick und dicht gedrängt. (Und zudem gut bewohnt von Asseln und anderem Gekriech, nebenbei bemerkt. Das nennt sich dann, glaub’s, Bio, oder?)

Meine Mama erntet jetzt immer mal wieder ein paar Pilze, reinigt sie lange und sorgfältig und trocknet sie zu kleingeschrumpften Häufchen. Mir wäre dieser Aufwand zu viel. Ihr macht es Freude.
Und irgendwann dann gibt es wohl Bandnudeln und feines Fleisch an Morchelsauce. Letzteres aus eigenem, Anbau. Wenn auch zufällig.
Ich bin noch immer ganz verwundert.

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