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grüner Leben: Natürliche Hautpflege mit Ölen und Essig

Für Lucy und alle anderen, die -wie ich- glauben, dass weniger auch in Sachen Körperpflege sehr viel mehr ist und das Einfachste oftmals das Beste, notiere ich hier zwei schlichte Rezepte für ein absolut natürliches Gesichtspflege-Programm. Sowohl die Reinigungs-und-Pflege-Öl-Mischung als auch die Gesichts-Tonic stammen von Rachel Wolf, die in 2016 in der „Taproot“ Ausgabe Nr.20 einen wunderbaren Artikel zu diesem Thema geschrieben hat.
Leider sind Magazine sehr kurzlebig. Auch die besten Inhalte verschwinden nur zu schnell wieder. Oftmals für immer. Schade eigentlich, denn diese Rezepte hier und überhaupt der ganze Pflege-Ansatz, den Rachel Wolf in ihrem Artikel beschrieben hat, hat mein kosmetisches Verhalten von Grund auf verändert…

Ich war schon immer der Meinung, dass unsere Haut im Grunde nicht viel braucht, sondern so geschaffen ist, dass sie ohne Hilfe „von aussen“ sauber, gesund und vital bleibt. Wasser und sonst nichts, war meine Devise. Leider aber hat vor allem meine Gesichts-Haut diesbezüglich einen ganz anderen Kopf als ich; Sie ist sehr trocken, sehr empfindlich, nur schon eine warme Dusche setzt ihr derart zu, dass mein Gesicht anfängt zu jucken und zu spannen und sofort trocken und schuppig wird. Mit herkömmlichen Cremes und Lotionen bekam ich zwar die Sache mit der Feuchtigkeit und Elastizität wieder in den Griff, meine seit jeher zu Unreinheiten neigende Gesichtshaut reagierte aber immer mit Pickelchen und Komedonen, und zwar völlig unabhängig von der Pflegelinie.
Ich habe wirklich alles mögliche probiert, von Billig-Linien (die sowieso nicht in Frage kamen wegen ihrer fragwürdigen Inhaltsstoffe und ökologisch wie sozial unschönen Fussabdrücken), über teure Bio-Pflanzen-Kosmetik-Hersteller wie Weleda oder Dr. Hauschka, bis hin zur Natur-pur-Variante, wo ich versucht habe, das Jucken und Schuppen einfach zu ignorieren und ganz auf die Selbstheilung meines Körpers zu vertrauen. Der Effekt war überall derselbe: Unreine Haut. Und ein irgendwie ungutes Hautgefühl.

Rachel Wolfs Technik setzt auf ganz andere Prinzipien, als die Kosmetik-Industrie uns normalerweise predigt: Statt unser überschüssiges Hautfett (bei fettiger Haut) und die Unreinheiten mit Reinigungsschaum oder sogar mit alkoholhaltigen Pickelwässerchen weg zu waschen, wird hier Öl eingesetzt, das die Haut gleichzeitig milde reinigt und mit Fett/Feuchtigkeit versorgt. Es wird nicht wirklich mit Wasser gewaschen, schon gar nicht geschrubbt und gerubbelt, damit auch ja alles sauber wird. Stattdessen lassen wir Wasserdampf sanft die Poren öffnen und befreien die Haut dann mit leichtem Tupfen von überschüssigem Öl und allfälligen Schmutzpartikelchen. Extra Pflege ist meistens nicht mehr nötig. Das verbleibende Öl zieht nach einer Weile ganz ein und macht die Haut weich und gewappnet gegen Einflüsse von aussen.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass meine Haut zur Pfirsichhaut mutiert hat. Nach wie vor kämpfe ich mit Unreinheiten und ja, sie ist nach wie vor schnell trocken und braucht zB. nach dem Duschen noch immer ein wenig Extra-Pflege in Form von ein klein wenig Gesichtsöl. Aber das Hautbild ist besser geworden. Die Pickelchen seltener und weniger ausgeprägt. Vor allem aber fühle ich mich wahnsinnig wohl mit dieser Art von Pflege; mehr im Einklang mit mir selbst und der Natur, meinem eigenen Körper näher. Das Ritual von Ölen, „Bedampfen“ und einer kleinen Massage, schenkt mir einen kurzen Moment des Innehaltens und Zur-Ruhe-kommens, das mir vor allem abends vor dem Schalfengehen wie ein wunderbarer, wohltuender Luxus vorkommt…

 

Gesichtsreinigung und Feuchtigkeitspflege (all in one sozusagen)

für ölige und unreine Haut:

  • 60 ml Rizinusöl
  • 120 ml Sonnenblumenöl
  • 30 ml Traubenkernöl

für trockene Haut:

  • 30 ml Rizinusöl
  • 150 ml Sonnenblumenöl
  • 30 ml Avocadoöl

Herstellen:

Gib alle Öle in ein Glas und mische alles gut. Fülle die Mischung in ein gut schliessendes Marmeladenglas oder in eine Glasflasche mit Decke und hebe sie griffbereit in deinem Badezimmer auf.
Lagern im Kühlschrank ist nicht nötig und auch nicht zu empfehlen (*brrr*).

Verwenden:

Binde dein Haar aus dem Gesicht und gib ein wenig deiner Ölmischung (ca. einen halben bis einen Tl) auf deine Handfläche. Tupfe jeweils mit den Fingerspitzen ein bisschen davon auf deine trockene Gesichtshaut und arbeite dich mit feinen Massagebewegungen vom Kinn hinauf zu deiner Stirn.
Stelle nun das Wasser auf heiss, mache einen Waschlappen (Frottee empfohlen) nass und wringe ihn so aus, dass das Wasser nicht mehr heraustropft. Lege ihn auf dein Gesicht. Er sollte schön warm sein, aber nicht schmerzend heiss. Schliesse die Augen. Jetzt darf dein Gesicht sich unter dem Dampf etwas entspannen. Tupfe dann einen Teil des Öls sorgfältig und vorsichtig von deiner Haut; du solltest nicht reiben und dein Lappen nur feucht sein, so dass er nicht mehr eigentlich wäscht, sondern eher aufsaugt. Wenn du deine Haut zu ölig findest, warte einen Moment. Das Öl zieht noch ein. Sonst wiederhole den Vorgang einfach nochmals, solange es sich gut anfühlt.

Du benutzt dieses Öl jeweils je nach deinem Gefühl immer morgens oder abends oder gleich zweimal am Tag. Ich massiere das Öl auch immer vor dem Duschen ein, dusche dann wie gewohnt und tupfe mein Gesicht nur noch trocken.

Apfelessig-Gesichts-Tonic

Zutaten:

  • 30 ml Zaubernuss/Hamamelis (Witch Hazel)
  • 180 ml destilliertes Wasser
  • 60 ml Apfelessig (vorzugsweise naturbelassen unpasteurisiert)
  • 4 Tr ätherisches Lavendelöl (optional)
  • 1 Tr ätherisches Weihrauchöl (optional)

Herstellen:

Gib alle Zutaten in eine Schüssel bzw einen Messbecher und schüttle sie gut. Jetzt kannst du sie zum Gebrauch in ein verschliessbares Marmeladenglas oder eine Glasflasche mit Deckel umfüllen. Stelle die Mischung dorthin, wo du dein Gesicht jeweils reinigst.

Benutzen:

Reinige zuerst dein Gesicht wie gewohnt mit dem Pflegeöl. Schüttle die Tonic vor dem Gebrauch kurz durch und benetze dann einen Wattebausch oder ein Tüchlein damit, so dass es schön nass ist. Jetzt „wäschst“ du deine Haut sanft und in kreisenden Bewegungen vom Kinn bis zur Stirne, vor allem dort, wo sie unrein ist oder Pickelchen blühen. Wichtig ist, dass du niemals rubbelst, denn das reizt deine Haut nur unnötig.
Wenn du jetzt das Gefühl hast, dein Gesicht würde spannen und die Haut mehr Feuchtigkeit brauchen (bei mir ist das immer der Fall), dann kannst du mit den Fingerspitzen nochmals ein klein wenig Öl einmassieren.

Diese Tonic befreit die Haut von abgestorbenen Hautschüppchen, verengt die Poren, hilft Akne auszuheilen und schafft eine gute PH-Balance. Sie ist besonders hilfreich bei entzündeten Pickeln, weil sie sanft desinfiziert.

Benutze die Tonic jeden Tag morgens oder abends, falls du unter stark unreiner Haut (Pickeln) leidest. Einmal die Woche bei trockener Haut. Oder einfach mehrmals die Woche, je nach Bedarf. Ich merke, dass ich sie vor allem im Sommer öfter benutze und im Winter bei trockener Heizungsluft wieder eher weniger.

Etwas vom Wichtigsten finde ich, dass du deine Haut beobachtest und auf ihre „Sprache“ hörst. Sie sagt dir, was sie braucht. Lass dich von deinem Körper führen. Ich finde, diese Art von Gesichtspflege ist ein schöner, einfacher und hilfreicher Weg, die Beziehung zu deinem Körper und seinen Ausdrucksformen zu intensivieren.

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wie alles sich fügt

Der Herbst bleibt weiterhin leuchtend, warm und golden. Die Farben funkeln im Licht, und ich bin jedes Mal dankbar, wenn die Sonne den dunklen Morgenvorhang aufreisst, der sich über Nacht auf uns legt. Es ist eine schöne Zeit. Schön draussen unter freiem Himmel, wo ich heute eineinhalb Stunden damit verbracht habe, ein wenig Ordnung und Sauberkeit in meinen Garten zu bringen Gehwege wischen. Kaputtes Kinderspielzeug beiseite schaffen. Das Chemineé ausfegen und den Meerschweinchen das eine oder andere Unkraut aus den Beeten pflücken (Wir haben hier ja kein Unkraut. Bloss Meerschweinchen-Futter, hihi.)

Aber auch drinnen finde ich es schön. Auch wenn es unordentlich bleibt und ich nicht mehr so richtig vorwärts komme mit Entrümpeln. Mittwoch habe ich zwei volle Einkaufstüten mit Kram ins Brocki getragen und dann den halben Nachmittag dort verbracht mit Stöbern und mit der-Brocki-Fee-Plaudern nach Herzenslust. Die Kinder waren mit ihrem Papa und meiner Schwiegermutter im Europa Park, was wunderbar war, ein einziges Fest- für sie und für mich. Ausschlafen bis halb elf (was???), Rouge auflegen und Lippenstift und dann ganz alleine und nur für mich ins feinste Restaurant des Dorfes Mittag essen gehen (oh, Mann!), Shoppen beim Trödler als hätte ich alle Zeit der Welt (was ich auch hatte). Ich meine, wie schön ist das denn?
Ich kann es euch sagen; wunderschön. Traumhaft. Superkalifragilisticexpialigetisch.
Im Brockenhaus habe ich natürlich sofort all meine entsorgten Sachen so quasi wieder ersetzt. Mit Neu-Funden. Aber das war völlig in Ordnung so, denn es gab wirklich wunderbare Dinge zu entdecken. Eine ganz entzückende, alte Blechdose zum Beispiel in dunklem Violett mit rankenden Sumpfdotterblumen darauf, die mich wahnsinnig an den Jugendstil erinnern und an die Geschichte der Wurzelkinder mit ihren märchenhaften Illustrationen (ich liebe dieses Buch sehr!). In dieser Dose hebe ich nun mein Rouge auf, die Lippenstifte und meine Wimperntusche.
Und die Schürzen an der Leine… die trage ich. Wie könnte ich auch anders? Sie sind einfach zu schön. Von Hand genäht. Allerdings hat mein Kindergartenkind bereits eine davon stibitzt, direkt von der Leine, sag ich euch, und ich konnte nicht viel dagegen einwenden, denn sie sieht einfach zum Anbeissen aus darin, und die schönen Herbstblumenfarben des Stoffes passen perfekt zu ihrem Lieblings-Igelchenkleid (von Hess Natur).
Ich glaube, Schürze und Kind sind für einander gemacht.
Auch gut. Ich teile ja nicht ungern. Und ausserdem sind da noch mehr süsse Schürzen im Brocki, die nur auf mich warten…
Die Bolga-Korbtasche, die daneben baumelt, die gehört allerdings mir. Und ich denke nicht, dass ich die teilen werde; seit meine innigst geliebte lila Beuteltasche nach 6 Jahren tagtäglichen Strapazen an allen Enden reisst und Fäden zieht, fehlt mir ein einigermassen tauglicher Begleiter, der ein bisschen mehr nach Handtasche aussieht und weniger nach simpler Tote Bag. Ich habe mich sofort verliebt. Bolga-Körben kann ich sowieso nicht widerstehen. Nur das Leder des verschliessbaren Inlets verlangt noch nach ein wenig Pflege, aber ansonsten spüre ich jetzt schon; wir zwei haben das Zeug zum Dream Team.

Was die Elfenmütze aus diesem umwerfend schönen Senf-Gold-Ton angeht; Sie war ein Blitzprojekt. Absolut unerwartet, superspontan- und fertig im Nullkommanichts.
Meine Schwester kam gestern, als sie meine Jungs für zwei Tage Geo-Cache plus Pizza und Sleep-over abholte, mit einem dicken Ball Merinogarn auf mich zu; Ein Strick-Wunsch. Mütze. Egal welcher Art.
Normalerweise bin ich äusserst zögerlich, was Strick-Aufträge angeht. Und ich meine wirklich äusserst zögerlich. Stricken zu müssen… das hat sofort so etwas Formelles, Aufgedrücktes, Belastetes und Belastendes an sich. Aus Spass wird Ernst. Und Arbeit. Mit Erfolgsdruck und beschnittenen Freiheiten, die jede Bewegungsmöglichkeit verbieten und keine Wahl mehr lassen. Einfach aufhören und etwas ganz anderes anschlagen? Geht nicht mehr. Die Wolle wechseln? Unmöglich. Das Projekt wird nicht ganz so, wie ursprünglich vorgesehen? Katastrophe! Oder noch schimmer; ich finde das Ding dermassen toll, dass ich es am liebsten sofort anziehen und auf ewig anbehalten möchte? Ähm, nun ja…
Wie dem auch sei, im Fall dieser Senfgoldockerdottergelben Mütze hier, lagen die Dinge Gottseidank und ganz unerwartet völlig anders; Ich wusste nämlich sofort das perfekte Projekt für sie. Die Elfenmütze aus „More Last Minute Knitted Gifts“/ „Geschenke aus dem Wollkorb“.
Ein alter Vertrauter.
Mehr als das, ein Seelenverwandter schon fast, denn mein Herz hängt sehr an all den grossen und kleinen Elfenmützchen, die ich im Laufe der Jahre gestrickt habe. Für meine Kinder. Für meine Schwestern. Für andere liebe Menschen. Für mich.
Tatsächlich hat die „Maddison Zoe“ von Manor (leider gibt es diesen Senfton nicht mehr *snif*, er war wirklich zu schön) haargenau die im Buch verlangte Garnstärke, lässt sich wunderbar in ein Elfenmützchen verwandeln- und kuschelweich ist sie erst noch!


Schön.
Wie sich alles fügt im Moment. Die Meerschweinchen wuseln und wachsen und bekommen nochmals ein paar winzigkleine Mitglieder mehr  (Vierlinge! Heute! Und eins davon sieht genau aus wie „Mausi“, der für zwei wilde Flitterwochen eingeflogene grau-weiss melierte Papa!). Die Bäume hüllen sich in ihr buntestes Kleid, ich gehe piekfein essen, finde Schürzen und die perfekte Tasche für meine Stadtrundgänge und erfülle Wollmützen-strickend Herzenswünsche…
Ist das alles nicht herrlich?

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Lavendelkissen

Die letzten Tage über habe ich mich ein wenig dem Flick-Korb gewidmet. Zerschlissene Hosen, kaputte Leggins, ein T-Shirt mit Flecken (das demnächst einen Freezer-Paper-Aufdruck bekommen soll), ein Kissenbezug mit Riss, zu lange Fleecehosen… alles wird untersucht und entweder entsorgt oder repariert, was natürlich nach meiner Nähmaschine verlangt und mich endlich dazu bewegt, sie wieder einmal aus ihrer dunklen Ecke zu holen, abzustauben und mich mit ihr an den Tisch zu setzen.
Lang, lang ist’s her. Fremd ist sie mir geworden in der Zwischenzeit. Dabei kann man so tolle Dinge mit ihr anstellen. Und erst noch im Nullkommanix, ein ganzes (Mini-)Projekt an nur einem Abend- wow, da lacht mein Strickerinnenherz, teils verblüfft, teils aus purer Schaffens-Freude…

Und wo sie nun schon einmal draussen steht, auf meinem Stubentisch, bereit, jederzeit loszulegen, wage ich mich auch an andere Dinge, die ich schon ewig vor mir herschiebe, an das Unternehmen „Lavendel-Kissen“ zum Beispiel, das mir schon im Frühsommer im Kopf herum geisterte, noch während der Lavendel draussen vor dem Haus beim Trottoir wucherte und blühte, was das Zeug hielt und ganze Ausflugsgruppen von Schmetterlingen, Bienen und Hummeln anlockte und verköstigte.
Ich fand es wunderschön, wie alles flatterte und summte und brummte und manchmal ging ich mitten am Nachmittag nach draussen an die Strasse, um den Insekten zuzusehen und zu hören, wie die Natur sich anhört im heissen Sommer über einem blühenden Lavendelbeet.
Für Tee oder andere Pflanzenmedizin sind Autoauspuffe und pinkelnde Hündchen definitiv zu nahe, aber für Duftsäckchen…? Der Lavendel duftet herrlich intensiv nach Provence und Sommersglut, und das obwohl ich ihn erst abgeerntet und zum Trocknen in die Laube gehängt habe, nachdem die letzte Rispe verblüht war. In der Zwischenzeit haben die Kinder mehr als einmal ihre Hände in die Blüten-Schüssel getaucht und ein bisschen darin herumgewühlt, und die ganze Stube roch danach nach Lavendel, auch heute wieder, diesmal aber, wegen der kleinen Duft-Kissen, die ich gestern nachmittag mit Hilfe der Kleinen und nachts noch alleine daraus genäht habe.


Jedes der drei Mädchen konnte sich seinen Lieblings-Stoff aus meinen Vorräten auswählen, alle drei suchten sich den hellorangen Häschen-Stoff aus, von dem ich noch genau eine Stoffbreite mit 25cm Länge griffbereit hatte.
Eine gute Wahl. Ich liebe Häschenprints! Und ich glaube, wenn mich nicht alles täuscht, ist es sogar ein Bio-Stoff, was gut passt zu einem Lavendel-Kissen, wie ich finde. Für die Rückseite haben die beiden Kleinsten einen Stoffrest mit blauen Blumen darauf genommen, meine Grosse wiederum blau-rote Pünktchen auf weissem Grund. Damit es keine Verwechslungen gibt, bekam jedes Kissen ein anderes Schrägband als Aufhänge-Band angenäht. (Und nein, das obere Foto zeigt nicht die ganze Wahrheit; natürlich lasse ich meine Kinder nicht mit dem Rollschneider hantieren! Aber sie wollte so gerne mal tun als ob. Fürs Foto, hihi.)


Zuerst habe ich zwei Kissen zusammen mit meinen beiden kleinen Mädchen gleich direkt mit getrocknetem Lavendel und Schafwolle gefüllt -Lavendel für den Duft, Wollflies für die Weichheit- und die Füll-Öffnung dann von Hand straff zugenäht. Für die drei nachfolgenden Kissen aber – darunter auch ein süsses, lila Einhornkissen für eine meiner Schwestern- habe ich ein Inlet aus einem kaputten weissen T-Shirt und einem zerschlissenen Leinentuch gemacht. So fühlt sich das Kissen noch softer an und die Lavendelblüten sind weniger spürbar. Ausserdem könnte man so das Kissen notfalls auch leichter waschen, weil sich das Inlet mit dem Seamripper kinderleicht öffnen und später rasch auch wieder zunähen lässt.
Natürlich wäre ein Reissverschluss das absolute Nonplusultra gewesen, aber dafür fehlen mir momentan offen gestanden einfach Lust und Musse. Ich will schnelle Resultate. Und so wenig Firlefanz wie möglich. Gleichzeitig spüre ich aber auch, wie sehr ich kreative Momente und kleine Erfolge brauche, um meinen Frieden zu finden. Ich weiss; in meiner Näh-Kommode liegen zwei fixfertige Quilt-Tops herum, still und traurig unfertig und dösen resigniert vor sich hin. Dafür muss ich meine Nerven jetzt bündeln. Mut und Antrieb sammeln. Ich zaudere immer, wenn es ans Quilten geht. Das macht mich einfach immer wahnsinnig nervös…
Vielleicht sollte ich ein paar Schnüffler Lavendelkissen einatmen? Lavendel beruhigt nicht nur die Nerven, es hilft auch, das innere Chaos und schwankende Geister auszubalancieren und einen klaren Fokus zu setzen…
Kräutermedizin also doch. Direkt vom Gehweg an der Strasse.

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Wochen-Ende: Melissentee

Sommer! Wie gern ich dich hab‘, war mir bisher gar nicht bewusst. (Wahrscheinlich hatte ich immer nur Augen für meinen geliebten Herbst, mit dem mich eine Art Seelenverwandtschaft verbindet.) Aber jetzt, im Juni, bist du einfach wunderschön. So sanft. Mild. Und warm. Gar nicht brütend oder brennend, nein, kuschelig wie ein Kätzchen.
Ich mag auch Kätzchen.
Du hast so viel zu geben. Und du gibst es auch, grosszüzig und ohne zu zögern; saftiges Grün, üppigen Schatten, den Duft sonnenwarmer Kräuter, das Knacken und Spritzen baumfrischer Kirschen zwischen den Zähnen meiner Kinder.
Auch meine Tiere mögen dich. Sie suchen sich die besten hell-schattigen Plätzchen im Gras, wo sie ihre Babies stillen und gleichzeitig das eine oder andere Grashälmchen mümmeln können. Wie dankbar sie sind für die Freiheit und Leichtigkeit, die du ihnen schenkst, zeigen dir ihre lustigen Hüpfer oder die irrsinnig wilden Renn-Jagden, die sie unter deinem blau-weiss gesprenkelten Himmel veranstalten.
Die rote Hängematte wippt langsam von einer Seite zur anderen. Die Laube schaukelt sachte mit- irgendwer liegt immer darin, liest ein Donald-Duck-Comic oder döst faul vor sich hin und träumt wahrscheinlich von Sommerferien, und wenn das ausgerechnet auf meinem Hängematten-Foto mit dem Kirschen-Schabernack am Aprikosenbäumchen nicht der Fall ist, dann darf man das getrost eine Ausnahme nennen. Mit Seltenheitswert. Kirschen habe ich heute übrigens überall gefunden, hihi. An der Aprikose. Im leergeräumten Gemüsebeet, wo eigentlich schon längst der Lauch rein sollte. („Schau mal, hier wächst ein kleines Bäumchen!“). Über Ohren gehängt. Versteckt in kugelrunden Backen. Verlassen auf dem Stubenboden. Sogar in einem unserer Kirschbäumchen konnte ich welche entdecken. Wo doch dort gar keine wachsen. Bis auf fünf oder zehn oder so. Meine Schwiegermama hat bei ihrem Nachbarn jede Menge Kirschen geerntet und uns auf der Durchreise zu ihrer Schwester gleich eine Kiste voll mitgebracht, was ein grosses Hallo auslöste. Denn Kirschen sind ein Highlight hier im Haus. Kirschen mag sogar ich. Sehr sogar. Und ich bin eher eine Art Gemüsetiger. Weniger das süsse Früchtchen.
Aber Kirschen? Unwiderstehlich!
Es war ein barmherziger Tag heute. Kein Wirbel. Kein Gerenne und Gehetze. Langsam gelebt, voller Begegnungen auf Augenhöhe. Ich koche mir jeden Tag meine zwei Liter Tee, Tee aus den Kräutchen, die mir gerade ganz intuitiv richtig erscheinen, gewählt von meinem Bauchgefühl und nur von ihm alleine. Heute waren es Zitronenmelisse und ein ganz klein wenig Salbei. Harmonisch und besänftigend. Wie ein Wiegenlied für die Seele. Zum Loslassen und Durchatmen.
Heute Abend trinke ich das letzte Glas davon, eisgekühlt und ungesüsst, und ich spüre, wie wohl mir das alles getan hat heute, die Ruhe, die Langsamkeit, das Baumeln-lassen-und-die Mitte-finden. Vielleicht kann ich ein wenig davon mitnehmen. In die neue Woche. Die morgen sofort wieder loshetzen wird und mich immer vergessen lässt, in den Bauch zu atmen. Aber da ist Zitronenmelisse in meinem Garten. Und Salbei. Kamille. Tymian, Oregano und Pfefferminze. Kinder, die in Büchern versinken. Ein Stall voller Meerschweinchen. Zuchetti in voller Blüte. Grüne Aprikosen neben ein paar falschen Kirschen.
Das macht doch irgendwie Mut.

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