Archiv der Kategorie: Zuhause

Trio: Tag 8

Eigentlich wollte ich ja gestern noch schreiben… aber abends, als ich endlich Zeit dazu hätte finden könne, fühlte ich mich einfach zu kränklich für viele Worte und verkrümelte mich mit einer Episode „Rosemary and Thyme“ gleich um neun ins Bett…
Heute geht’s mir besser. Nicht unbedingt blendend, aber besser, und das ist ja, was zählt, oder? Dass alles in die richtige Richtung läuft.
Meine „zehn Dinge“ konnte ich montags aber tatsächlich noch entrümpeln, das war mir wirklich in Anliegen, auch wenn ich mich bereits recht schlapp und angeschlagen fühlte an diesem Tag. Weg kamen: 2 Wohnbücher, ein Näh-Heft, ein Gesellschafts-Spiel, eine noch ungeöffnete Box mit Ikea-Besteck, ein hübsches, graues Jäckchen aus Seide und Kaschmir, das mir einfach zu eng sitzt, vier Knäuel Sockenwolle.
Puh.
Nicht dass es besonders anstrengend gewesen wäre, diese Dinge zu ordnen. Es sind ja alles leichte Sachen, eher klein und so… aber ich finde es immer wahnsinnig anstrengend, mich den grossen Entrümpel-Fragen zu stellen. Mir so richtig ehrlich zu antworten, meine ich. „Brauche ich das noch?“ „Warum möchte ich es behalten?“ „Wenn es nicht mehr da wäre, würde ich es vermissen?“ Und die schlimmste aller Fragen: „Wie realistisch ist es, dass ich meine Pläne mit diesem Gegenstand tatsächlich noch verwirklichen werde?“
Nun, obwohl es schöne Bücher sind (das hier und das hier) und auch das Jäckchen ganz entzückend und kuschelweich ist, musste ich mir selber eingestehen: nein, hier horte ich Dinge, die im Grunde nicht mehr passen. Nicht zu mir, nicht in mein Leben. Vor allem aber: Jemand anderes wird sie vermutlich sehr viel mehr wertschätzen als ich. Warum sollte ich nicht mit meinem Überfluss ein wenig Freude weitergeben?
Die Bücher werden verschenkt, das Jäckchen gehört ab sofort der Freundin von Kind1. Das Besteck reist mit einem Spenden-Container in den Osten, mein Burda-Heftli kommt als netter Zusatz mit hinein in ein nächstes Geschenk-Paket, das Brett-Spiel wandert in die Kiste für den nächsten Kinder-Flohmarkt.
Und die Wolle?
Die Wolle kommt in eine grosse Tüte fürs hiesige Altersheim. Ich oute mich als absoluter Woll-Junkie. Mit Wolle kann man mich so richtig, richtig glücklich machen, und ich habe kein schlechtes Gewissen, mich selber mit den schönsten, weichsten, hinreissendsten Garnen, die ich finden kann, zu verwöhnen. Aaaaaber; manchmal lass ich mich auch blind verführen. Zu Käufen, die nicht wirklich hätten sein müssen. Oder ich verändere mich. Schneller als ich ein spezifisches Garn verarbeiten konnte. Dann bleiben Knäuel oder Strangen liegen und liegen und liegen und liegen, werden überlagert von neuen, noch hübscheren Exemplaren und gehen irgendwann fast ganz vergessen. Und machen mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich sie dann wieder entdecke.
Dabei gäbe es auch hier Menschen, die Freude daran hätten. Jetzt. Heute.
Mir kam irgendwann die Idee, in unserer Alterssiedlung anzufragen, ob es vielleicht strickende Damen (oder Herren?) unter ihnen gäbe, denen ich meinen Überschuss schenken könnte. Et voilà: sie nehmen meine handgefärbte Sockenwolle oder die überberechneten Knäuel Baumwoll-Merino mit Handkuss. Win-win auf allen Seiten! Gerade habe ich einen weiteren Strang Wolle in die Tüte geschoben. Fast 800gr. werden so noch diese Woche ein paar Strassen weiter abgeliefert und endlich zu den Socken, Mützchen, Babyjäckchen verstrickt, für die sie ursprünglich gedacht waren…

Die Fotos sind ein bisschen unzusammenhängend, ich weiss. Ich habe sie noch gestern abend geknipst, bevor ich die Kinder zu Bett gebracht habe. Darum auch das schlechte Licht. Ganz oben seht ihr unsere Stuben-Wohnwand mit Büchern, selbst gezogenen Kerzen, meiner „Taproot“-Hefte-Sammlung, einem Korb mit bemalten Steinen, unseren uralten Pappmaché-Hund und den beiden Kuscheltieren „Mausi“ und „Bär“, die meine Mama einmal selbst genäht hat. Hier herrscht ständig Chaos. Sachen kommen, nur wenige gehen wieder. Einzig die Bücherreihen, die werden immer schmaler…

Meine Maschenprobe mit der grünen „BFL/Masham DK“ von „Woollentwine“ hat übrigens Folgendes ergeben: mit Nadelstärke Nr.4.5 verstrickt, komme ich auf ca. 19Maschen und 28Reihen, was praktisch haargenau den Anforderungen einer „Shore Cardigan“ entspricht. Auch von der Textur her -griffig, natürlich, nicht allzu klar im Maschenbild- kann ich mir ein solches Jäckchen mit diesem Garn absolut vorstellen, ja ich finde sogar, die beiden wären ein perfektes Dream-Team…
So wie’s aussieht, ist die Entscheidung soeben gefallen: Ich muss nochmals zwei Strangen „BFL/Masham DK“ in der Farbe „Sage“ ordern. Bzw. anfragen, ob vielleicht bittebitte eine Extra-Färbe-Runde für Frau Kirschkernzeit möglich wäre…?

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, grüner Leben, Stricken, Themen-Reihen, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Trio: Tage 6+7

Montag! Wochenstart! Und bereits ruft der Haushalt, der montags immer besonders schlimm ausschaut… Aber werfen wir einen Blick zurück. Einen kurzen. Soviel Zeit muss sein… Und- ach ja, ich fand es so entspannend, an meinen „Trio“-Posts zu schreiben, dass ich diese Reihe um eine Woche verlängern werde…

* Da der Wetterbericht im Vorfeld mit Extrem-Regen schockiert hatte, fand ich mich samstagvormittags im Garten mit einer Schere wieder, wo ich einen Teil meiner Kräuter abknipste, um sie drinnen im Dörrex zu trocknen, bevor Wind und Wetter alles niedermähen würden. Ein kleines bisschen Duftrose von der Rosenranke durfte auch ins Töpfchen, vereint zu einer schönen, minzig duftenden Tee-Mischung. Die Ausbeute bleibt allerdings bescheiden; ich kann den Bienen doch nicht allen blühenden Oregano oder die schöne, pinke Malve wegernten, oder? Und für die Rosen ganz oben im Rosenbogen bin ich einfach zu klein (und zu faul, um eine Leiter zu holen, hihi) *

* Das Wetter wurde dann doch nicht so heftig, wie prophezeit. Die Wetterfrösche scheinen sich immer etwas schwer zu tun, was unsere Region angeht, zum Teil steht „Regen“ auf meiner lokalen App, während ich draussen im Sonnenschein brüte… Jedenfalls fand der leichte Regen rechten Anklang im Gärtchen, die Sonnenblümchen müssen direkt ein paar Zentimeter gewachsen sein, und der Rasen freut sich immer über Feuchtigkeit… Allerdings finde ich es gerade feucht genug; Es kommt mir sehr tropisch vor, das Wetter, überall scheine ich zu schwitzen, obwohl es gar nicht so heiss ist, und im Haus fühlt sich die Luft feuchtwarm an, was ich gar nicht schätze. Ich bin gespannt, wie dieser Sommer sich noch entwickelt, ob mehr in Richtung Savanne oder englische Küste… *

* Sonntag war Krankentag. Irgendwie waren alle ein bisschen reduziert und leicht gereizt, dem Baby lief die Schnupfennase und auch ich spürte ein verdächtiges Kratzen im Rachen. Mein Erstklassmädchen kam gar nie aus dem Bett, sondern blieb fierbig, mit Halsweh und Taschentuch-Vorrat unter den Decken liegen und hörte den ganzen Tag Pingu- oder Globi-MCs auf unserem alten Kassettenrekorder vom Trödler. Sowieso kam mir alles sehr emotional vor gestern. Eine Mischung aus Müdigkeit, Alltagsüberdruss und Schlafmangel, nehme ich an. Und als Kind1 dann auch noch vom Ausziehen redete, wünschte ich mich wirklich kurz auf eine nette, einsame Insel in der Südsee. Oder besser noch nach Irland an die Küste in ein adrettes, Cottage mit Baunergarten. Nach Schottland in die raue, stille Berg-Landschaft. Auf Island zu den Feenhügeln… *

* Und heute? Heute merke ich, dass ich ein klein wenig angeschlagen bin. Aber nicht krank, und dafür kann ich dankbar sein. Meine Kinder sind fast alle entweder in der Schule, im Kindergarten oder bei der Arbeit, das Baby schläft und mein Pausbackenkind knipst gerade neben mir auf dem Sofa Fotos von ihrer Pony-Sammlung (ein gutes Zeichen!). Ich weiss nicht, was ich heute plane… Aufräumen sicher (laaaaaangweilig). Essen machen. Bad putzen. All der schnöde Quatsch hald. Plus ein paar schöne Sachen; Weiterstricken an der „Playdate“ meines Babybuben zum Beispiel. Auf Youtube eine weitere Folge der britischen Krimi-Serie „Rosmary and Thyme“ gucken (so schön harmlos, dass ich sogar meinen Grundsatz „Ich schaue nichts, wo sie moderne Kleidung tragen“ kurz über Bord werfe). Noch ein Tässchen cremigen Kaffee schlürfen. Eine Maschenprobe aus der eukalyptusgrünen Wolle von Woollentwine mit Nadelstärke 4.5 testen. Ein paar Malven mehr pflücken für Halsweh-Tee. Nachschauen, ob vielleicht mein bestelltes „Making Nr.9“ heute endlich im Briefkasten liegt (Corona-Lieferverzögerungen). Einen Korb Wolle für die Ladys im Altersheim richten (mehr dazu im nächsten Post!). Zehn Dinge entrümpeln. Gut zu mir sein. Und zum Rest der Welt. *

PS. Ihr Lieben… eure soooooo süssen Kommentare im letzten Post machen mich wirklich verlegen… Ich möchte sie noch beantworten. Unbedingt. Aber ich denke, dazu wird es ein bisschen Ruhe brauchen. Wahrscheinlich muss es Abend werden dafür… Bis dann! Ich wünsche euch von Herzen einen schönen Tag, ihr Guten!

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Wochen-Ende, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Trio: Tag 4

Der Tag ist grau, öd und verwaschen und hat ganz klar einmal mehr zu früh begonnen… darum lass‘ ich nur kurz die Gedanken purzeln, bevor ich mich umdreh‘ und weiterwusel zwischen meinem Kram (Hab den Timer auf 30Minuten gestellt und bereits 5 Minuten für die Fotos verbraucht!)
* Gestern nahm ich mir nachmittags die Zeit, einen Jogurt-Rhabarber-Cake zu backen, eigentlich in der Hoffnung, die Mädels hätten Lust mitzuhelfen. Doch nachdem es bereits beim Aufschlagen der Eier (2 anwesende Mädchen, 3 Eier) zu Tränen kam, fand ich die Idee weit weniger genial. Trotzdem wird dieser Kuchen gern gegessen. Tatsächlich ist es einer der Lieblingskuchen von Kind2, und ich freue mich einfach, konnte ich unsere mickrigen Rhabarber-Stängelchen irgendwo einsetzen…
* Unterm Dach haben wir eine ganz kleine, sehr unmoderne, ziemlich schmutzige und verwahrloste Mini-Küche aus den Zeiten, da unser Haus noch eine 3-Wohnungs-Einheit war. Seit einem Brand vor einigen Jahren, der zustande kam, weil jemand unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, bleibt die Küche ungenutzt und alle Geräte ganz ohne Strom. Im Grunde ist sie überflüssig. Brauchen tun wir diese Küche ja nicht, die im unteren Stock ist schön und gross und alles, was ich mir küchenmässig wünschen würde.
Bis anhin hatte Kind1 seine Elektro-Bastelsachen oben verstaut. Doch diese Passion scheint vorbei. In einigen Schubladen lagert noch ein Vorrat an Mehl und Zucker, für den es im Keller zu feucht ist, aber sonst…
Seit ein paar Tagen kommt mir immer wieder der Gedanke, wie es wohl wäre, diese kleine, schäbige Retro-Küche zu räumen und in eine Art… Färbe-Werkstatt zu verwandeln. Kleckse und Flecken richten hier keinen Schaden an und auf den Glaskeramik-Herd passen auch unsere alten, nach dem Kauf eines Induktionsherdes ausgemusterten Pfannen…
*Vielleicht könnte ich ja eines Tages Garne zaubern wie das „Woollentwine Fibrestudio“? Diese zarten, natürlichen Farben…! Ich habe ihren Shop erst vor kurzem entdeckt, bin ihren Naturfärbe-Künsten und den herrlichen Basisgarnen, die sie verwendet, aber bereits mit Haut und Haaren verfallen…
Diese Woche sind drei mildgrüne Strangen ihrer BFL/Masham DK Qualität angekommen; drei wunderbare Strangen wuscheliger und gleichzeitig seidiger Wolle, natürlich, aber edel und sehr verwunschen mit seinem graustichigen Märchenwaldgrün. Ich liebe dieses Garn! Eigentlich hatte ich an ein schlichtes Tuch gedacht, aber jetzt überlege ich, ob ich vielleicht auf das nächste Shop-Update warten und mit zwei zusätzlichen Strangen eine leichte Strickjacke für mich machen soll. Im Stil von Madders „Shore Cardigan“ vielleicht…?

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, Farben, Kochen und Backen, kreativ am Rande, kreative Ideen, Stricken, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Woche 4: geschenkt

Es klingt wie ein Klischée, wenn ich mir meine letzten paar Einträge so ansehe. Die ersten 4 Wochen Leben im Ausnahmezustand. Leben mit Corona. Woche eins hätte den Titel „Überwältigung“ tragen können. Woche 2 „Schritt für Schritt“. Woche 3 erhielt die Überschrift „Akzeptieren, was ist“, und müsste ich nun für diese 4.Woche ein Wort auswählen, dann glaube ich, ich würde „Geschenkt“ nehmen.
Weil mir so vieles irgendwie plötzlich wunderbar erschien, und ich jeden dieser schulfreien, überhaupt durch und durch befreiten Tage als Segen zu empfand- obwohl ich niemals ganz ausblenden konnte, dass es viel Leid gibt um mich herum und dass Corona über den Daumen gepeilt wahrscheinlich doch mehr Schaden anrichtet, als es Gutes zu bewirken vermag. Nachhaltigen Schaden. Die Leute werden all die eingesparten Co2-Ausstösse oder die ausnahmsweise im Wald verbrachten, idyllischen Stunden als Familie wahrscheinlich sehr viel rascher wieder erfliegen, erreisen, erkonsumieren bzw. ihre Erlebnisse in der Natur wieder vergessen und gegen Bildschirm-Aktivitäten eintausche, als die Arbeitslosenquote sinken, die Trauer über verlorene Angehörige überwunden sein wird. Vielleicht bin ich zu sehr Pessimistin, doch ich bezweifle, dass diese Zeit jetzt so quasi die „grüne Wende“ bringt. Ich hoffe darauf, das auf jeden Fall. Aber insgeheim traue ich der Vorstellung nicht, so schön, so wunderbar sie auch sein mag.
Und ich bin mir bewusst: Ich lebe in einer Art Seifenblase. Mein Mann kann von zuhause aus arbeiten. Mein Sohn hat -dem Himmel sein Dank!- seine Informatiker-Lehrstelle gerade noch rechtzeitig ergattern können. Vor Corona. Wir haben Platz unter unserem Dach und ein bisschen Gärtchen-Grün direkt vor der Nase. Für mich persönlich ändert sich kaum etwas: Ich bin eine Stay-at-Home-Mom aus Leidenschaft, die ihre Kinder sowieso am liebsten um sich herum hat. Sehr Gluckenhaft. Ziemlich altmodisch. Absolut klischéehaft, aber ich mag Klischées.
Diese Woche war allerdings nicht ganz alltäglich, der Osterferien wegen. In Urlaubszeiten lässt sich vieles, was einem sonst belasten würde, einfach besser ertragen, anderes bleibt einem gleich ganz erspart. Die Kinder mussten nicht geweckt werden, die Homeschool-Ecke blieb unberührt, und ausserdem war das Wetter derart herrlich und hochfrühlingshaft positiv, dass man gar nicht anders konnte, als mit einem Lächeln durch den Tag zu schaukeln. Knallgelbe Osterglocken, weidende Meerschweinchen (zwei davon dick und rund), ein Baby, das mit nackten Beinchen auf der Krabbeldecke liegt und Illustrierten zerfleddert, bare Füsse und ein erstes Bad im Plantschbädli: Herz, was willst du mehr?
Es gab Tage, da hatte ich das Gefühl, es wäre Sommer. Klarblauer Himmel und Eiskaffe im Gartenhäuschen, während die Sonne meine Nase kitzelt und der leichte Wind mir das Haar zerzaust. Glück kann so einfach sein. So unmittelbar.
Und unglaublich rasch wieder verpuffen.
Heute nämlich fühle ich mich vollkommen anders. Erschöpft. Überfordert. Hungrig nach mehr, und nichts macht mich satt.
Das Baby krabbelt und rollt permanent kreuz und quer durch die Gegend, möchte alles und jedes sofort erkunden und in die Hände kriegen- und schläft nachts wieder katastrophal. Ich komme kaum nach, alles in die Höhe zu räumen, kann nicht essen mit ihm auf dem Schoss, geschweige denn mit ihm im Kinderstühlchen, wo er nie lange bleiben mag, und der verlorene Schlaf nagt schwer an meinen Kräften. Mir fehlen die Pausen. Und wie. Gleichzeitig sehe ich ab Dienstag eine neue Welle „Schule zuhause“ auf mich zurollen, diesmal nicht in der wunderbar abgespeckten Wohlfühl-Version der ersten Phase, sondern sehr viel dichter und fordernder. Bis zu 4 Lektionen straffes Lernprogramm pro Tag, Video-Gespräche, musischer und turnerischer Unterricht- all sowas steht an, und ich habe schlichtweg keinen blassen Schimmer, wie ich all das in meinen Alltag einbauen soll. Mit Kindern in vier verschiedenen Lernstufen, übernächtigt und mit quengelndem Baby auf dem Arm. Ich bin doch schon so nicht mehr wirklich Herrin der Lage.
Die Schönheit der letzten Tage ist vergessen, ich möchte nur noch schlafen, die Augen verschliessen, meinen Frieden.
Wie schnell sich doch alles ändert.
Wie rasch die Brillengläser ihre Farbe wechseln. Von rosa auf schwarz.
Jetzt, da ich dies schreibe, habe ich einen Becher duftenden Kaffee neben mir und nage an einem Schokohasen-Ohr. Wir waren draussen im Wald (herrlich!) und meine Mama überraschte uns gemeinsam mit meiner Schwester J. mit einem liebevoll hergerichteten, kurz bei uns abgeladenen Oster-Nasch-Gärtchen (wie lieb!). Die Sonne scheint und mein Mann hat ab sofort eine Woche frei. Eigentlich ist alles wunderbar. Und dennoch bleibt ein dunkler Schatten.
Meine Kleine, die gestern Geburtstag hatte, hätte glücklich sein können. Ich fand, ihr grosser Tag verlief ganz zauberhaft und harmonisch, mit viel Zeit fürs Vorlesen und Spielen, fürs Kuchenessen ihrer Lieblingstorte (Erdbeer!), zum Auspacken ihrer Geschenke. Doch irgendwann im Laufe des späteren Nachmittages, als ihr klar wurde, dass es wirklich keine Gäste um ihren Geburtstagstisch geben würde, weinte sie. Und blieb untröstlich.
Ich glaube, das ist es, was mich am meisten bedrückt: dass ich meiner Familie die anderen nicht ersetzen kann. Dass meine Kinder ihre Oma, ihre Tanten, ihren Neffen vermissen, egal wie schön und voll und lebhaft ihr Zuhause auch sein mag. Es fehlt trotzem zu vieles, als dass ich es wett machen könnte, weder mit meiner Gluckenliebe, noch mit gutem Essen oder gespielten Brettspielen. Sie sehnen sich nach den Menschen, die sie lieben, nach der Freiheit, sich in ihren immer weiter werdenden Radien in der Gesellschaft zu bewegen, nach dem Austausch mit der Welt da draussen.
Manchmal liebe ich diese Zeit. Weil sie in einer kleinen, für mich noch recht heilen Welt spielt. In meiner ganz persönlichen Seifenblase, herrlich reduziert auf das, was meinem Herzen am nächsten steht.
Manchmal allerdings kommt mir alles schwer vor. Schwer und schwierig, und ich halte den Atem an, weil ich so viel Unbekanntes auf uns zukommen sehe. Dann fühle ich mich bedroht trotz der Geborgenheit meiner Insel.

Hm… Welchen Titel wohl Woche 5 tragen wird?

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Weltgeschehen, Zuhause | 3 Kommentare