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Eine Endsommer-Baby-Latzhose

Drei Schultage liegen hinter mir.
Gerade ist der 4. angebrochen.
Wahrscheinlich ist es noch zu früh, für ein erstes Fazit dieser so besonderen Zeit, aber wenn ich etwas sagen kann, dann dies: Wir sind alle, wirklich alle, vom Jüngsten bis zum Ältesten, jetzt schon völlig durch den Wind. Der allererste Morgen hatte noch einen gewissen Drive, die Euphorie des Neustartes, die uns Flügel verlieh. Am zweiten Morgen berührten unsere Zehenspitzen bereits wieder Boden. Gestern gingen wir recht nüchtern unserer Wege und heut früh war es schon eher ein Schlurfen…
Aber ich weiss. Das ist ganz normal. Wie könnte es auch anders sein, nachdem wir 5 Wochen lang in den Tag hineingelebt haben, mit verschlafenen Morgen und späten Zimmerstunden, mit Essenszeiten nach unserem eigenen Rhytmus und so viel Herumgelümmel oder Abenteuer -am Fluss, in der Stadt, wo auch immer- wie es gerade passte für uns. Jetzt herrscht wieder Ordnung in unserem Tag. Aber die muss von neuem hart erlernt werden.
Was mich betrifft: Ich vermisse den Sommer. Den richtigen Sommer. Diese Phase, in der mich der Morgen mit einem warmen Strahlen begrüsste und die Badesachen meiner Kinder kaum zum Trocknen kamen. Das Grün hat bereits seinen Biss verloren. Ich erahne den Goldschimmer des Herbstes in jedem Blatt, jedem Grashalm, und obwohl noch immer Sommer ist, keine Frage, zieht es wehmütig in meinem Herzen, wenn ich morgens den Grauschleier auf der Strasse liegen sehe, Dunst zwischen den Häusern, eine Ahnung des Nebelgewands, in das uns das Jahr bald für viele Monate hüllen wird…
Die Mädchen spielen draussen, wann immer sie können. (Heute regnet es. Ein Drinnentag steht wohl bevor.) Sie haben ihre Stoffpuppen wiederentdeckt, alles liebevolle Geschenke von wunderbaren Frauen aus der Bloggerwelt, die ich hüte wie Schätze, denn das sind sie auch. Die Meerschweinchen scheinen die langen Schatten zu geniessen; sie mögen ihren Garten dann am liebsten, wenn er dämmerig und still wird und wahrscheinlich können sie den heissen, gleissenden Tagen, die ich mittlerweile lieben gelernt habe, kaum etwas abgewinnen. Der August ist ihre Zeit. Der September nicht minder. Der Oktober…? Nun wir werden sehen. Noch mag ich gar nicht an ihn denken.
Ich habe viel gekocht, die letzten Tage. Schulkinder haben immer Hunger. Und weil ich spüre, wie erschöpft und emotional beansprucht meine Bande gerade ist, versuche ich, kochend und backend im Schweisse meines Angesichts (wie heroisch!) so viele Wünsche als möglich zu erfüllen: Cookies zum nachgefeierten Schulgeburtstag meiner Grossen? Zwischen 70 und 80 Stück? Am 2. Schulmorgen? Klar doch. Schokoladenpudding satt für ein zünftiges Sonntagsdessert? Eye eye Sir, da machen wir doch gleich 2 Liter davon. Ich notiere Menüwünsche und stehe extra früh auf, um allen ein Znüni zu packen.
Aber alles verlangt seinen Tribut: Diese Woche gab es keinen einzigen Abend für mich. Dafür Schlaf. Viel Schlaf. Der mir trotzdem nicht reicht.
Was ich aber habe: jeden Morgen ein, zwei Stunden kinderfreie Zeit! Aus organisatorischen Gründen, weil ich mittages 2 Kinder an verschiedenen Orten abholen und das Essen trotzdem superpünktlich für meinen heim- und gleich wieder zur Schule hetztenden Sekundarschüler auf dem Tisch stehen muss, beginne ich schon um 10:15 mit dem Kochen, doch zwischen 8:30 und 10:15 herrscht gähnende Leere in meiner Agenda. Und das ist wunderbar.
Ein Moment, der mir gehört, mir und meinem Kaffee und den Dingen, die ich auf meine To-do-Liste lasse, doch die beherbergt gerade eine Art Sperrzone zu dieser Zeit, Zutritt nur für VIPs…

Wie diese grüne Latzhose aus herrlich weichen, absolut unkomplizierten 50%Baumwolle und 50%Schurwolle („Cotton Merino“ von Drops).
Sie wurde gestern fertig.
Das Garn spricht auch für den Schnitt: Leger, etwas für buchstäblich jeden Tag, sommers direkt auf der Haut (sofern dann überhaupt eine Hose gewünscht ist), mit Strumpfhosen darunter in der kühleren Jahreszeit. Bei dieser Latzhose habe ich ein gutes Gefühl. Sie ist nicht zu schade für irgendwelches Geklecker oder beim Tragen gezogene Fäden, verzeiht jede Wäsche und darf ruhig irgendwann gebraucht aussehen.
Das mag ich.
Alles, was entlastet und entspannt, mag ich.
Das Strickmuster stammt einmal mehr aus dem „Mama-Baby-Strickbuch“ von Gabriela Widmer-Hanke, enthält aber ein paar kleine Fehler in der Anleitung, über die ich hier in diesem Post betrichtet habe. Sind die aber erst einmal notiert, steht dem absoluten Strickvergnügen nichts mehr im Wege, denn diese Hose ist so raffiniert wie einfach und jeder Schritt der Entstehung nachvollziehbar und genau angegeben. Ausserdem finde ich die Passform wirklich gut, wie ich aus Erfahrung sagen kann. Wahrscheinlich werde ich aber noch eine 2.Reihe Knöpfe annähen oder die beiden Knöpfe einfach nach Bedarf versetzen, damit sie von 3 Monaten (oder früher) bis am liebsten ewig getragen werden kann, aber damit muss ich wohl noch zuwarten, bis das Baby erst mal da ist…
Was die Stricknadel-Stärke angeht: Ich stricke jeweils die Bündchen mit dünneren Nadeln als den glatt rechten Teil, obwohl die Anleitung nicht explizit danach verlangt. Hier habe ich für die „Cotton Merino“ die eher dünnen Nadeln 3.5 für die Beinbündchen genommen und Nadelstärke 4 für den Rest der Hose, wobei ich überlege, ob es nicht vielleicht schlau wäre, auch die Träger mit feineren Nadeln zu stricken, um sie noch stabiler und vom Maschenbild her satter werden zu lassen…

Auf jeden Fall bin ich sehr glücklich, dass diese Hose meinen Strickbeutel wieder frei gibt. So gerne ich sie mag; das viele einsilbige Grün empfand ich mit der Zeit als wenig prickelnd und das an sich schöne, smoothe Gefühl des dahingleitenden Baumwoll-Woll-Fadens ebensowenig. Mich verlangt gerade nach mehr haptischer Struktur und etwas mehr farblicher Variation, wobei ich zugeben muss, dass die rot-violetten Stricksocken, die ich gerade für meine Kleinste auf den Nadeln habe, mich auch nicht unbedingt zu begeistern vermögen… Da muss etwas anderes her. Etwas Neues, Besonderes. Für mich vielleicht sogar…?

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Fiebrig

Babykleider auf meinen Nadeln; zusätzlich zur letzten „Pebble“ liegt gerade ein lagunenblaues Westchen für das September-Baby einer Freundin auf meinem kleinen Schlafzimmertisch und wartet auf seine Knöpfe. Bunt. Farbstark. Lebendig. So wie die Bio-Bauern-Familie, zu der es baldbald gebracht werden soll.

Auch das kleine Zappelwesen in meinem eigenen Bauch, das sich an manchen Tagen windet und Puffe verteilt, dass es schmerzt, bekommt nochmals eine Schicht Wärme von mir gestrickt: Jeden Abend arbeite ich an dieser etwas langweilig grünen Strampelhose hier, am allerliebsten zu einer Episode „Father Brown“ (Staffel 4 ist auf dem Weg zu mir, jupi!!!) oder „Anne with an E“. Sofern ich nicht bereits beim Insbettbringen der Mädchen eingeschlafen bin.

Ich habe meine Nähkommode zu grossen Teilen entrümpelt und aufgeräumt und dabei gleich noch ein Last-Minute-Einweihungsgeschenk für das neue Häuschen einer meiner Schwestern geschneidert. Einfach und lustvoll. Perfekt. Manchmal kann alles so einfach sein… Das Foto ist verschwommen? Stimmt. Es gibt bessere, klarere Bilder dieses spontanen Freuden-Projektes, und die tauchen auch noch hier auf, versprochen…

Nach Jahren der Verbannung kam auch dieses Teil hier ans Tageslicht: Ein fixfertig zugeschnittenes Kindershirt aus einem meiner Lieblings-Näh-Bücher („Das Mama-Baby-Nähbuch“). Klar, dass ich es nicht mehr zurück in die Schublade legen konnte. Ich musste an die Nähmaschine damit. Die Alternative wäre der Abfallsack gewesen. Aber wer macht denn so was…? (Ähm… ich! In gewissen Fällen…)

Mein Bastelschrank wird praktisch täglich unter die Lupe genommen und um ein, zwei Stücke reduziert. Alte Pinsel? Fort damit! Die grossen Holzsterne, die ich doch nie aufstelle? Feuerholz! Und brauche ich wirklich 8 antike, weisse Laken mit Stickereien für irgendwelche zukünftigen Nähprojekte? Kilometerweise alte Klöppelspitze? St.Galler-Stickereien aus einer mittlerweile geschlossenen Spitzenfabrik? Hm… Ja… doch… ich glaube schon…Irgendwie…

Herr Kirschkernzeit renoviert wacker weiter an unserer Treppe herum. Und ich putze tapfer hinterher. Und lasse es mir nicht nehmen, unserem improvisierten Garderoben-Regal einen neuen Vorhand zu nähen, wenn ich schon mal dabei bin. Ganz schlicht und in weiss und aus meinen Vorräten. Ein grandioses Ding, so ein Vorhand! Ein Ruhepol für meine armen Augen, der all unsere abgelegten Saisonbegleiter wie Sonnenbrillen, Mützen, Wintersachen und Schlüsselbunde wunderbar diskret verhüllt und Ordnung vorgaukelt, wo meist keine ist.

Ich werkle, wirke, düse durch die Gegend, umgebe mich mit Wolle, Stoff und aufgewirbelten Staubflusen: Ganz klar, mein Nestbaufieber lässt sich nicht verbergen.
„Die werdende Mama richtet sich ihr Nestlein ein“, schrieb meine Mama neulich auf Whatsapp, nachdem ich ihr stolz ein Kurz-Video des in purer Fleissarbeit aufgeräumten Kreativ-Schrankes geschickt hatte. Meine Freundin Rita doppelte nach: „Das Nestbaufieber hat dich fest im Griff, oder?“
Wie Recht sie haben. Alle beide. Aber was soll ich sagen? Ich finde es wunderbar! Nicht dass ich endlos Kraft hätte oder aktuell die besten Nerven, ganz im Gegenteil! Manchmal bin ich auch sehr nervös, nah am Wasser gebaut und wünsche mir nichts weiter als ein bisschen Ruhe und Frieden und Abgeschiedenheit. Gestern zum Beispiel, als wir unseren alljährlichen IKEA-Besuch über die Runden brachten, für Bettwäsche und weisse Teller hauptsächlich, hatte ich wirklich den Eindruck sofort aus der Haut zu fahren, wenn meine Kinder auch nur ein klitzekleines bisschen an irgendwas herumwackelten („Das ist hier kein Spielplatz, Kinder!“), in meinen Augen zu viele Sachen anfassten („Nur anschauen, nicht anfassen!“) oder in den Gängen ein bisschen ins Hüpfen oder Laufen kamen („Hier muss man gehen, nicht rennen!“). Gottseidank hatte ich heute endlich meine Eisen-Infusion. Das wird mir hoffentlich ein wenig mehr Gelassenheit schenken.(Lieber mehr als weniger) Der Ferritin-Wert war auf 6 bei der letzten Blutentnahme. Und das liegt nun bereits mehrere Wochen zurück… Eigentlich erstaunlich, diese immense Lust aufs Sortieren, Fertigstellen, Organisieren. Anscheinend halten sich beim Entrümpeln und Nestchen-Bauen Erschöpfung und Kraft-Tanken auf wundersame Weise die Waage.
Vor allem kommt Klarheit auf. Mit jeder frischen Ecke, jedem zuende gebrachten Projekt. Ich mag es, wie ich plötzlich fokussieren kann. Genau spüre, was mir wichtig ist im Moment. Wie ich meine ganz persönlichen Prioritäten glasklar erkenne und mich auch traue, ihnen den Raum zu geben, den sie gerade brauchen. Nur für den Moment. Heute. Jetzt. In diesem Augenblick.
Dann lasse ich meine Haare ungekämmt und das Bad ungeputzt und setze mich ganz selbstverständlich trotzdem hin, um irgendein angestaubtes Projekt aus der Schublade zu ziehen und loszunähen. Einfach deshalb, weil ich das brauche. Meinen Hinterkopf zu entlasten, Dinge nicht länger aufzuschieben, sondern ganz konkret und sofort anzupacken. Irgendwann ist oftmals nämlich niemals mehr.

Ich kann nirgendwo vorübergehen, ohne meinen Krempel-Scanner-Blick aufzusetzen. Bei den Familien-Spielen zum Beispiel habe ich vor einiger Zeit schon entrümpelt. Bei den Büchern auch. Man kann es kaum glauben, wenn man unsere Brettspiel-Bücher-Comic-Audio-Ecke im Obergeschoss sieht, denn noch immer sticht einem dort vor allem eines ins Auge: Diese unglaubliche Fülle! Das Chaos im Haus brennt in meinen Augen. Der Überfluss, mit dem ich umgeben bin, überlastet meine Sinne.
Das. Muss. Anders. Werden.
Aber völlig kahl, weiss und reduziert- nein, das ist auch nichts für mich. Charakter, Persönlichkeit, alte Dinge, die Geschichten erzählen, Handgemachtes, Kinderbasteleien, Erinnerungsstücke… Ohne all das wäre unser Haus nicht mehr unser Zuhause.
Die Spreu.
Ich muss lernen, die Spreu zu erkennen.
Mich quält es manchmal, dass ich so schlecht loslassen kann.
Aber dann wiederum tröste ich mich selber mit dem Gedanken daran, dass die Zeit nicht stillsteht. Dass Kinder kommen, wachsen, und gehen. Dass alles sich verändert. Ein leeres Haus kann auch nicht die Lösung sein. Ich möchte, dass sie spielen, basteln, kreativ und ganz und gar sich selbst sein können. Mit Brettspielen, die sie kennen und lieben. Mit einem Zoo an Kuscheltieren, wenn es denn sein muss. (Es muss. Glaubt mir.) Mit einem prallen Archiv Donald-Duck-Comics, das sie im Laufe ihrer Jahre Tag für Tag begleitet hat. Mit Bastelkram und selbstgemachten Kartonbox-Städten voller Kinkerlitzchen und Fantasiegeschichten. Mit stapelweise Bilderbüchern oder „5 Freunde“-CDs, die sie jeweils schwallartig und immer exzessiv abspielen lassen, auch wenn vielleicht Ewigkeiten dazwischen liegen und ein Kind bisweilen 7, 8 Jahre braucht, um vom Hörspiel-Verschmäher zum Gourmet zu werden. Auch wenn zuerst eine fiese Sommergrippe kommen muss, um sie zu erinnern, was wir noch alles an Bücherreihen („Charlie Bone!“) im Regal bereit stehen haben. An Globi-Kassetten. Oder alten, ertrödelten und treu aufgehobenen Micky-Maus-Magazinen.
Ich spiele häufig mit dem Gedanken, einfach alles wegzugeben. Zuallererst die viel zu grosse Lego-Sammlung und die Briobahn-Box aus meinen eigenen Kindertagen. Nur schon weil die Unordnung, die einem (oder mehreren) ausgedehnten Spielnachmittag(en) folgt, nur allzuleicht zum Drama mutiert und der Anblick der hunderttausend Teilchen mich mich in blanke Panik versetzt.
Wer weiss. Vielleicht schaffe ich das ja eines Tages. Mein kleiner Neffe würde sich bestimmt freuen über eine Grossladung Holzschienen und Waggons oder über ein eigenes Legoparadies bei sich zuhause…
Die Spreu. Ja die Spreu.
Weizen sticht mir irgendwie sehr viel besser ins Auge *zwinker*

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Pandas zum Kuscheln

Und wieder neigt sich ein sonnenschwerer Mittsommertag dem Ende zu. Obwohl die Schatten schon tief liegen und der Garten langsam zur Ruhe kommt, bleibt die Hitze dick wie Caramel. Ich habe Lust auf eine kalte Dusche, auf Kirschen und Maiskolben vom Feuer mit viel Butter und Salz, auf ausklingende Abendstunden mit „Father Brown“ und den beiden Jersey-Röckchen meiner Jüngsten, die noch ihre Flicken aufgenäht haben wollen.
Alles schwingt.
Hin und her.
Wie eine Hängematte, über der die Äste knarren. Gemächlich. Müde. Sonnensatt. Siestawetter. Ruhepausen. Wer Zeit hat, Wasser und ein Laubdach, das Schatten spendet, darf sich glücklich schätzen.
Ich glaube, im Moment habe ich alles.
Und mehr.
Zum Beispiel diese beiden wunderbaren Kuschelkissen. Kinderkunst-Kuschelkissen. Zwei Pandas zum Knuddeln und Knautschen.
Ich erinnere mich noch, wie meine beiden kleinen Mädchen daran gezeichnet haben… Im Mai war das, aber es erscheint mir Ewigkeiten entfernt. So vieles ist anders geworden; der Himmel, das Grün der Pflanzen, das weit weniger satt wirkt und bereits den ersten Goldschimmer des Herbstes in sich trägt. Mein Bauch ist prall und schwer und erst gestern nacht hatte ich das Gefühl, erste Senkwehen zu spüren. Oder Vorwehen. Wer weiss. Bis zum September geht es nicht mehr weit. Schuleintritt, ein Abschied vom Ganz-zuhause-Kind und der erste Tag im Kindergarten stehen genauso felsenfest und mahnmalähnlich vor meinem inneren Auge wie der noch nicht ganz nahe, aber auch nicht mehr ganz so abstrakte Geburtstermin dieses Endsommerbabys. Kind1 ist mit seiner Liebsten zelten, mein Mädchen zieht nachmittags von Gspänli zu Gspänli, zuhause wird Musik gehört (Kind2, pausenlos), geplantscht und gespielt und vergessen aufzuräumen.
Es sind volle Tage. Tage der Veränderungen, kleinen Abschiede, eine Zeit des Loslassens und Festhaltens und Vertrauen-Fassens.
Und ich weiss; auch dieser Sommer wird zu Ende gehen.
So wie immer.
Neues wird kommen.
Mein Herz bewegt sich langsam und leise.
Es bereitet sich vor.

Ich bin froh, dass ich mir heute soviel Zeit und Musse nehmen konnte, diese beiden Kissen fertig zu nähen. Meine Schubladen und Schränke horten immer mehr angefangene Projekte, als mir lieb ist, und es schenkt mir Frieden, ab und zu das eine oder andere doch noch zur Hand zu nehmen und mich ihm zuzuwenden. Dinge abschliessen macht zuversichtlich. Es ordnet von aussen nach innen. Und nichts geht verloren.
Die Stoffmalbilder meiner beiden kleinen Mädchen sind wunderbar bunt und munter. Auch das tut mir wohl.
Und alles -von den Farben über die Füllung bis hin zu sämtlichen Stoffen- besteht voll und ganz aus Natur- und Recycling-Materielien. Nachhaltig vom ersten Stich bis zum letzten. Denn die Textilmarker sind secondhand, Übrigbleibsel von einer Hochzeitsfeier. Alle weissen Stoffe uralte Laken vom Trödler, umgewandelt in etwas Neues. Die Inlets stammen aus meiner Restekiste und waren zurvor zerschlissene Kopfkissen, genauso wie die beiden Kissen-Rückseiten. Nur die Stopfwolle, die ist mehr oder weniger neu. Also vielleicht doch eher weniger als mehr: Meine Mama hatte diese Rohwolle seit 20 Jahren auf dem Speicher, bevor ich mir daraus einen kleinen Stopfwoll-Vorrat angelegt habe…

Ich bin dankbar. Wieder etwas vollbracht. Abgeschlossen. Ver-voll-ständigt. Ein weiteres Stück Glück.

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Gartengrüsse

Eine Flut an Fotos lasse ich heute über euch hereinprasseln. Regenwolken, die sich leeren, und es hüpfen grüne Bildertropfen.
Es ist nicht übermässig viel Zeit, die ich im Garten verbringe. Zu wenig Zeit eigentlich sogar. Aber die Arbeit im Haus will und will kein Ende nehmen, und wenn ich es dann schaffe, mir ein paar freie Minuten zurecht zu büscheln, in denen ich ein klein wenig in der Laube sitze, um zu stricken, dann geht es wimpernschlagschnell- und alles ist wieder vorüber; die Kinder verlangen nach mir, das Abendbrot will gekocht werden, eine neue Ladung Wäsche braucht eine ordnende Hand, das Hamsterrad dreht sich weiter.
Aber nicht immer ist Quantität alles. Auch wie etwas sich anfühlt, zählt. Für mich ganz besonders. Und die Augenblicke draussen im Garten -mögen sie noch so kurz sein und noch so unspektakulär- sind wirkliche Oasen-Momente. Voller Licht und Frieden und mit einem Hauch der Freiheit, nach der ich mich immerzu sehne.

Wir haben nicht sonderlich viel angepflanzt in diesem Jahr. Bloss dies und das und eigentlich nur, was wir gerne essen und problemlos auch in unserem kleinen Fleckchen Erde wächst und gedeiht. Da ist (nie genug) Basilikum. Für Pesto (ich liebe dieses hier!), Tomate-Mozarella-Salat und Pizza Margeritha. Zuchetti-Pflanzen, um die ich mir die ersten paar Wochen nach dem Einpflanzen so meine Gedanken machte, weil sie überhaupt nicht zu wachsen schienen, sondern im Gegenteil immer mickriger wurden, genauso wie die Sonnenblumen, die heute zwischen ihnen emporschiessen wie grüne Speere, in ihrer ersten Zeit draussen im Freien aber geradezu jämmerlich aussahen. Zuchetti und Sonnenblumen gehören für mich zum Sommer wie Wassermelonen, saftig-süsse Pfirsiche oder die kleinen, weichen Aprikosen aus dem Wallis, von denen ich körbeweise vom Dorfladen nach Hause schleppe und mich kaum satt essen kann daran. Mein Blutzuckerspielgel freut sich bestimmt sehr viel weniger darüber als mein Gaumen, aber dem konnte ich ohnehin nicht mehr Herr werden die letzten ein, zwei Wochen über, egal wie sehr ich mich auch bemüht, gleichgültig wie tapfer ich morgens meinen Joghurt-Quark nature „mit ein paar Beerchen für den Geschmack“ in mich hinein geflöffelt habe, während der Rest der Familie sich an Schokomilch labte und Honigbrötchen serviert bekam. Nicht dass ich mich auf das Insulin-Spritzen freue. Aber wenn mir das erlaubt, mich an den Dingen satt zu essen, nach denen mein Körper wirklich und lautstark verlangt, an Sommerfrüchten, lichtgetränkten Beeren und süsssaftigem Juli-Obst, dann, nun gut, so sei es.
Ich möchte wieder an den Himbeersträuchern vorübergehen dürfen und mir sorglos Beeren frisch vom Strauch in den Mund schieben. „Aprikosen satt“ anstelle von der „kleinen Handvoll“, wie die Ernähungsberaterin es mir verschrieben hat.
Und ganz, ganz ehrlich; ich freue mich auch auf Eiscreme und Geburtstagstorte, wenn dann meine Grosse Ende Juli ihren 10.Geburtstag feiert…

Was wächst sonst noch im Gärtchen diesen Sommer?
Hm…
Der Aprikosen-Spalier trägt grüne Früchte. Sie sind dick und unversehrt und sehen vielversprechend aus. Genauso wie die Quitte in der Mitte der Meerschweinchen-Wiese. Oder der Feigenbaum vor der Laube. Nachdem wir aber von all den einstmals im grünen Stadium noch prall und fest aussehenden Miniatur-Kirschchen keine einzige ernten konnten, halte ich nicht fest an meinen Hoffnungen; es reift, was reift. Und was verschwindet (wie die Kirschen) oder Vögeln, Käfern, Raupen zum Opfer fällt, das… geht eben zurück zur Natur. Eine Opfergabe an die Kräfte dieses wunderbaren Grünens und Reifens, ein Geschenk an all ihre winzigen, gefiederten oder pelzigen Mitarbeiter, die in diesem Kreislauf ihren Teil beisteuern.
Es ist auch irgendwie ein Glück, nicht von dem leben zu müssen, was wir hier anpflanzen, was wir hegen und pflegen oder auch einfach wild vor sich hinwachsen lassen. Gelassenheit und ein Stück weit frei zu sein von jeglichen Gärtnerinnen-Sorgen, das ist etwas, wofür ich extrem dankbar bin im Moment. Alles, was ich als Segen empfinden darf ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, eines Tages über seinen Verlust trauern zu müssen, ist gut.
Ach ja; wir haben auch Fenchel. Zum ersten Mal überhaupt. Der gehört den Meerschweinchen und Schwalbenschwanz-Raupen, von denen gerade prächtige 8 Kokons im Schmetterlings-Hotel metamorphosieren. Fenchel mögen wir nicht sonderlich. Die Raupen und Meerschweinchen schon. Und er sieht entzückend aus in den Beeten.
Gleich daneben wachsen Salate für unsere Sommermahlzeiten. Kohlrabi zum Dünsten und Dippen. Ringelblumen und Horteniesn für Auge und Herz. Pfefferminze, Thymian, Rosmarin und Zitronenverveine als Kraftspender und Naturmedizin. Winzige Äpfelchen, Birnen, üppige Holunderbeerendolden, Zwetschgen, Cassis. Es wächst so vieles… aber von allem nur wenig. Ob wir im Herbst überhaupt in einen Apfel, eine Birne, eine Zwetschge beissen werden, bleibt eine momentan noch unbeantwortbare Frage; manches gedeiht prächtig, anderes nur zögerlich oder gar nicht. Und selbst das, was wächst, reicht kaum je aus, um zu Vorräten zu werden. Ein paar frische Sommer-Herbst-Mahlzeiten, und alles ist weg. Bis auf die Johannisbeeren vielleicht. Oder die Quitten. Zuverlässig jedes Jahr füllen sich die Regale im Keller mit hausgemachtem rubinrotem oder honiggelbem Gelée. Gerade steht eine Schüssel neben mir voller kleiner, leuchtend roter Beerchen, aus denen ich Beeren-Muffins machen möchte, um meinen Erstgeborenen heute abend von einer Camping-Woche wieder zuhause willkommen zu heissen…

Mein Garten ist alles für mich. Zufluchtsort. Naschparadies. Heilmittelstätte. Lebens- und Lebendigkeits-Raum. Berührungspunkt zwischen mir und Mutter Erde. Meerschweinchen-Streichelzoo, Spielwiese, Ort, an dem sie Seele baumelt und kleine Piratenkinder schaukeln. Lehr- und Lernreich. Grünes Märchenschloss. Blühendes Versprechen. Manifestierter Sehnsuchtsgedanke. Hunger nach mehr.

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