Archiv der Kategorie: Zuhause

unmittelbar 10

10 Minuten gebe ich mir; das Baby schläft, es ist bereits nach 12 und alle haben Hunger, auch wenn sie es noch nicht wissen oder -Himmel hilf!- noch immer im Bett liegen und dem Faulenzertum frönen.
Die Nacht gehörte den Halbwachen, es donnerte und wetterte wie wild, Regen drängte in offene Fenster (phu, diese Hitze!), dann kamen die Mücken und eine halbherzige Jagd auf sie, denn eigentlich möchte man nachts um halb drei nichts anderes als schlafen und seine Ruhe.
Irgendwann und zwischendurch die Kinder. Die nicht schlafen konnten, sich bei mir einquartierten, mich zwischen ihren Betten hin- und herswitchen liessen, Füsse im Gesicht, ein stolperndes Herz, wenn abermals aus dem Schlaf geschreckt, knuddeligen Babyspeck im Arm, ruhiger werdenden Atem im Ohr. Endlich.
Gottseidank begann mein Tag nicht vor halb neun. Eine gnädige Zeit, ein gnädiges Babykind. Und das Wetter ist genauso gnädig, die Sonne vermummt, die Hitze gedrosselt, Malve, Hortensien und Sonnenblumen danken kopfnickend für den Regen.
Ich habe Minze geerntet und hoffe auf Sirup, der irgendwie, irgendwann, durch irgendwelcher Hände Arbeit in Glasflaschen fliessen soll- wahrscheinlich werden es meine Hände sein. Die vielleicht aber auch bloss Tee daraus trocknen.
Mein Magen schimpft. Er mag jetzt lieber warmes Essen als dieses Getippe hier. Ich beschliesse, das zweite Schälchen Mousse au Chocolat vom elften Geburtstag meiner Grossen aus dem Gefrierschrank zu nehmen und freue mich auf den Kaffee dazu und das kleine, feine Bild aus Belgien, das gerade vor mir auf dem Tisch liegt und auf seinen Rahmen und ein schönes Plätzchen an der Wand wartet…

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, grüner Leben, Jahreszeiten, Themen-Reihen, this moment, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Gefärbt! Mit Walnuss…

Voilà.
Vier Bilder, vier Schritte, und jeder führt mich ein Stückchen tiefer ins faszinierende Färbe-Reich. Und das Ergebnis? Es könnte nicht schöner sein in meinen Augen: Wolle in einem warmen, weichen, schokoladig-haselnussigen Braun. Milch-Nuss sozusagen für die Seele, denn ich liebe Braun, Braun und waldiges, tiefes, wildes Tannenwipfelgrün. Ich denke immer, meine Seele ist braun wie feuchte Erde, mein Geist grün wie weiches Moos. Und jetzt, jetzt habe ich einen Strangen Merinowolle, der die Farbe meiner Seele trägt…

Meine Freude über diese knapp 100gr. Wolle ist zu gross, um sie in einen „unmittelbar“-Post zu klemmen, sie soll gefeiert werden, ein bisschen zumindest, vier Bilder ihr zu Ehren dürfen es schon sein, oder?
Die Nüsse musste ich übrigens mehr oder weniger heimlich vom Baum stibitzen, einem schönen, grossen, ein wenig verschupften Walnussbaum, um dessen Stamm vor einem oder zwei Jahren eine Art öffentlicher Parkplatz mit Kiesboden gebaut wurde. Seine Äste sind immer im Weg, darum werden sie gekappt und hängen so an dem meisten Stellen zu hoch für ein zartes Fraueli wie mich, es sei denn, ich würde mit der Leiter unter’m Arm durchs Dorf spazieren und zwischen den parkierten Edelschlitten die Sprossen raufwackeln. Aber ich hatte Glück, vorerst und fürs Erste: ganz dicht beim Stamm winkte mir ein vergessen gegangener, dicht belaubter und nuss-schwerer Ast zu und bog sich mir entgegen unter seiner Last…
Einen kleinen Kübel voll Färbgut brachte ich nach Hause, klein aber fein, gerade recht für ein erstes Versüecherli in meiner frisch bezogenen Hexenküche unterm Dach. Die Nüsse sind noch weich und saftig-grün zur Zeit, weicher und grüner als ich mir eine Walnuss im Juli jemals vorgestellt hätte. Ich konnte mühelos kleine Stücke daraus schneiden, mit einem völlig alltäglichen Rüstmesser sogar und ohne grosses Kräftemessen. Die ebenfalls vom Baum geernteten Walnussblätter habe ich einfach mit der Schere in unregelmässige, vielleicht 2cm breite Streifen geschnitten und dann zusammen mit 5l Wasser in einem grossen Kochtopf aufgekocht und vielleicht eine Stunde, vielleicht auch länger, leise köcheln lassen. Wieviel Material ich genommen habe, weiss ich nicht exakt, ich musste auch noch einmal auf Beute-Tour gehen, weil ich den Eindruck hatte, es wäre nicht genug… Zu guter Letzt werden es zwischen 400gr. und 500 gr. Nüsse und Blätter gewesen sein, würde ich sagen. Alles klein geschnitten und so weich gekocht, dass ich die Nüsse mit meinen (behandschuhten) Händen einfach so zwischen den Fingern zerdrücken konnte.

Nach dem Ausköcheln, blieb der Herd kalt, die frische Färbe-Farbe bekam 24 Stunden Zeit, zu ziehen und dabei intensiver und satter zu werden. Wahrscheinlich hätte ich Nüsse und Laub danach herausfiltern können, aber irgendwie mochte ich es ganz gerne so. Mit all den krautigen Sachen in meinem Kessel, dem Waberdampf und so. Ein bisschen mehr Hexengefühl, ihr wisst schon.
Um die Wolle -ein ausgemustertes Silbergrau reiner Bio Merinowolle- dann am nächsten Tag darin zu färben, opferte ich eines meiner Wäsche-Netze, damit sich keine Pflanzenteilchen in ihren Fasern verhedderten. So verpackt blieb sie unversehrt bei ihrem Bad, konnte die Farbe aber trotzdem tadellos annehmen.
Während ca. 60 Minuten liess ich meine Wolle im Färbebad leicht sieden, legte dann den Deckel auf die Pfanne, stellte den Herd wieder aus. Und wartete. Nochmals 24 Stunden lang. Länger aber hielt ich es nicht aus; mit Plastikhandschuhen bewehrt fingerte ich an meinem unansehnlich braun gewordenen, über und über mit glitschigen Nuss-Stückchen und Blattresten behangenem Wäsche-Netz herum… und holte -mir stockte der Atem- ein tief dunkelbraunes, tropfnasses Fadenwirrwar heraus. Satt und erdig und gar nicht so verheddert, wie es auf den ersten Blick schien, denn ich hatte vorsorglich vor dem Färben meinen Strang nochmals mit ein paar Fäden abgebunden und so besser fixiert.
Eine kleine Weile liess ich ihn noch so, vollgesogen mit Färbe-Wasser, auf der Abtropfe liegen und versenkte mich andächtig in seinen Anblick. Ich meine… was für ein Wunder. Aus grünen Nüssen, ledrigen Blättern, einer grosszügigen Handvoll blässlich grauer Wolle und etwas Wasser wird etwas so Schönes. Magie, ja, ohne Zweifel. Farben-Magie.

Beim vorsichtigen Ausspülen unter fliessendem Wasser, blutete noch einiges an Farbe wieder aus und rann in schmalen, dunklen Bächlein davon. Die Wolle aber blieb intensiv braun. Auch nach dem kurzen Fixieren im Essig-Wasserbad. Erst nach dem Trocknen änderte sich ihr Ton ein wenig; aus Dunkel- wurde Mittelbraun, die Farbe gewann an Wärme. Ich musste an Haselnüsse denken, was ein heimeliges Gefühl in mir auslöste und mich nur noch mehr freute; Der Haselstrauch gehört zu meinen Lieblings-Gehölzen. Er steht für mich für Heim und Herd und bedeutet „Zuhause“.
Zuhause… Wärme und Nahrung und Schutz. Braun bedeutet auch das. Für mich. Genau wie die Walnuss. Wie das Erschaffen an sich. Wie die Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit den eigenen Händen und einer kleinen Prise Willens-Zauber, Gutes und Schönes für sich und andere zu erschaffen. Um zu wärmen, zu nähren, Geborgenheit zu schenken…

So. Und jetzt möchte ich stricken gehen. Ich freue mich so an meiner Wolle, die nun wirklich meine geworden ist…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Farben, Färben, grüner Leben, Jahreszeiten, kleine Abenteuer, kreativ am Rande, what makes me happy, Zuhause | 5 Kommentare

unmittelbar 2

Wuschelhuschel in der Gartenlaube, wo nix jemals so so adrett, sauber und ordentlich bleibt, wie ich es hinterlasse, wenn ich draussen im Schweisse meines Angesichts, Kram wegpacke, Böden fege und Decken ausschüttle (diese blöden Ohrwürmer!)
Nach mir kommen immer andere. Kleine Leute, die Tupperdosen mit Kreidestaub füllen (ihr Rohstoff für allerhand Elixire und Pinselfarbe), beim Meerschweinchen-Füttern das Heu kreuz und quer in der (frisch gewischten!) Gegend verteilen und niemals ihre Schuhe wegräumen. Von den schmutzig getretenen Teppichen und den gammeligen Quilts auf dem Rasen ganz zu schweigen.
Aber davon wollte ich nicht erzählen, es ist mir nur gerade so ins Auge gesprungen. Wichtig war eigentlich das hier: Das Heu in der Ecke ist dasselbe, das im gigantischen, geborgten Duvetbezug drin steckt. Frisches Bio-Heu, das ich selber mit der Heugabel auf dem nahen Mini-Feld einer neuen, sehr, sehr grosszügigen Bekanntschaft ein paar Ecken und Häuser von uns entfernt wenden und nach dem Trocknen einsammeln durfte.
Die Feld-Besitzerin ist grossartig.
Das Gefühl, mit einer Gabel bewaffnet trockenes Gras durch die Luft wirbeln zu lassen ebenfalls. Bloss das unfrohe Baby, das weder auf dem Rücken noch im Kinderwagen sitzen mag, das kann einem schon ratlos machen. Wie auch immer die Frauen auf ihren Höfen das sonst so wuppen mit Kind und Feldarbeit- ich ziehe hochachtungsvoll meinen Hut vor ihnen.

PS. Das waren jetzt mehr als 5 Sätze, gell. Geht in Ordnung. 5 wäre wohl schlicht zu wenig für so ein Plappermaul wie mich. Bleiben wir bei maximal 10. So über den Daumen gepeilt.

 

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, grüner Leben, Jahreszeiten, Natur, Themen-Reihen, this moment, Zuhause | 11 Kommentare

Trio: Tag 8

Eigentlich wollte ich ja gestern noch schreiben… aber abends, als ich endlich Zeit dazu hätte finden könne, fühlte ich mich einfach zu kränklich für viele Worte und verkrümelte mich mit einer Episode „Rosemary and Thyme“ gleich um neun ins Bett…
Heute geht’s mir besser. Nicht unbedingt blendend, aber besser, und das ist ja, was zählt, oder? Dass alles in die richtige Richtung läuft.
Meine „zehn Dinge“ konnte ich montags aber tatsächlich noch entrümpeln, das war mir wirklich in Anliegen, auch wenn ich mich bereits recht schlapp und angeschlagen fühlte an diesem Tag. Weg kamen: 2 Wohnbücher, ein Näh-Heft, ein Gesellschafts-Spiel, eine noch ungeöffnete Box mit Ikea-Besteck, ein hübsches, graues Jäckchen aus Seide und Kaschmir, das mir einfach zu eng sitzt, vier Knäuel Sockenwolle.
Puh.
Nicht dass es besonders anstrengend gewesen wäre, diese Dinge zu ordnen. Es sind ja alles leichte Sachen, eher klein und so… aber ich finde es immer wahnsinnig anstrengend, mich den grossen Entrümpel-Fragen zu stellen. Mir so richtig ehrlich zu antworten, meine ich. „Brauche ich das noch?“ „Warum möchte ich es behalten?“ „Wenn es nicht mehr da wäre, würde ich es vermissen?“ Und die schlimmste aller Fragen: „Wie realistisch ist es, dass ich meine Pläne mit diesem Gegenstand tatsächlich noch verwirklichen werde?“
Nun, obwohl es schöne Bücher sind (das hier und das hier) und auch das Jäckchen ganz entzückend und kuschelweich ist, musste ich mir selber eingestehen: nein, hier horte ich Dinge, die im Grunde nicht mehr passen. Nicht zu mir, nicht in mein Leben. Vor allem aber: Jemand anderes wird sie vermutlich sehr viel mehr wertschätzen als ich. Warum sollte ich nicht mit meinem Überfluss ein wenig Freude weitergeben?
Die Bücher werden verschenkt, das Jäckchen gehört ab sofort der Freundin von Kind1. Das Besteck reist mit einem Spenden-Container in den Osten, mein Burda-Heftli kommt als netter Zusatz mit hinein in ein nächstes Geschenk-Paket, das Brett-Spiel wandert in die Kiste für den nächsten Kinder-Flohmarkt.
Und die Wolle?
Die Wolle kommt in eine grosse Tüte fürs hiesige Altersheim. Ich oute mich als absoluter Woll-Junkie. Mit Wolle kann man mich so richtig, richtig glücklich machen, und ich habe kein schlechtes Gewissen, mich selber mit den schönsten, weichsten, hinreissendsten Garnen, die ich finden kann, zu verwöhnen. Aaaaaber; manchmal lass ich mich auch blind verführen. Zu Käufen, die nicht wirklich hätten sein müssen. Oder ich verändere mich. Schneller als ich ein spezifisches Garn verarbeiten konnte. Dann bleiben Knäuel oder Strangen liegen und liegen und liegen und liegen, werden überlagert von neuen, noch hübscheren Exemplaren und gehen irgendwann fast ganz vergessen. Und machen mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich sie dann wieder entdecke.
Dabei gäbe es auch hier Menschen, die Freude daran hätten. Jetzt. Heute.
Mir kam irgendwann die Idee, in unserer Alterssiedlung anzufragen, ob es vielleicht strickende Damen (oder Herren?) unter ihnen gäbe, denen ich meinen Überschuss schenken könnte. Et voilà: sie nehmen meine handgefärbte Sockenwolle oder die überberechneten Knäuel Baumwoll-Merino mit Handkuss. Win-win auf allen Seiten! Gerade habe ich einen weiteren Strang Wolle in die Tüte geschoben. Fast 800gr. werden so noch diese Woche ein paar Strassen weiter abgeliefert und endlich zu den Socken, Mützchen, Babyjäckchen verstrickt, für die sie ursprünglich gedacht waren…

Die Fotos sind ein bisschen unzusammenhängend, ich weiss. Ich habe sie noch gestern abend geknipst, bevor ich die Kinder zu Bett gebracht habe. Darum auch das schlechte Licht. Ganz oben seht ihr unsere Stuben-Wohnwand mit Büchern, selbst gezogenen Kerzen, meiner „Taproot“-Hefte-Sammlung, einem Korb mit bemalten Steinen, unseren uralten Pappmaché-Hund und den beiden Kuscheltieren „Mausi“ und „Bär“, die meine Mama einmal selbst genäht hat. Hier herrscht ständig Chaos. Sachen kommen, nur wenige gehen wieder. Einzig die Bücherreihen, die werden immer schmaler…

Meine Maschenprobe mit der grünen „BFL/Masham DK“ von „Woollentwine“ hat übrigens Folgendes ergeben: mit Nadelstärke Nr.4.5 verstrickt, komme ich auf ca. 19Maschen und 28Reihen, was praktisch haargenau den Anforderungen einer „Shore Cardigan“ entspricht. Auch von der Textur her -griffig, natürlich, nicht allzu klar im Maschenbild- kann ich mir ein solches Jäckchen mit diesem Garn absolut vorstellen, ja ich finde sogar, die beiden wären ein perfektes Dream-Team…
So wie’s aussieht, ist die Entscheidung soeben gefallen: Ich muss nochmals zwei Strangen „BFL/Masham DK“ in der Farbe „Sage“ ordern. Bzw. anfragen, ob vielleicht bittebitte eine Extra-Färbe-Runde für Frau Kirschkernzeit möglich wäre…?

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, grüner Leben, Stricken, Themen-Reihen, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar