Archiv der Kategorie: Wochen-Ende

berührt: so oder so

“Berührt” heisst für mich;
Ab und zu möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Wir sind nicht oft draussen. Schon gar nicht als ganze Familie. Meistens wird es eher schwierig, alle Fünfe für einen Spaziergang zu begeistern, und sind wir erst einmal draussen fällt es schwer, ein Tempo zu finden, das für sieben Paar derart unterschiedlich lange Beine passt (die Altersspannweite der Kinder liegt ja zwischen 15 und 2). Auch dieser Sonntagsspaziergang hier war nicht unbedingt das, was man gemeinhin als “idyllisch” bezeichnen könnte: Wir brachen zu spät auf, konnten uns kaum auf ein geeignetes Waldstück einigen, stapften grösstenteil durch Matsch und Düsternis und verirrten uns dann erst noch…
Trotzdem hat es mir gefallen.
Mit den verklärten Augen des Nachhinein sowieso.
Der Wald war schön. Verwunschen, wild, lebendig. Wie es Wald ja immer ist. Die Luft war frisch und feucht und belebend. Wir (bzw. ein glücklicher Teil von uns) sahen eine Herde äsender Rehe, die mit blinkenden Spiegeln über eine Lichtung in Richtung Dickicht davonhüpfte (Leider war der Rest von uns weniger glücklich und bekam nur noch die leere Lichtung zu sehen). Ich denke, in Situationen wie dieser hier, kommt die Grundessenz dieser Familie richtig gut zum Vorschein; ein bisschen verrückt, ziemlich laut und launisch, aber doch irgendwie stabil, mit Zusammenhalt, einer guten Priese Galgenhumor und ziemlich rasch im Vergeben und Vergessen. Ein bisschen Meckern, Schimpfen und dann gleich darauf zusammen darüber lachen und sich emotional beieinander unterhaken, so tönt er bei uns, der Sonntagsspaziergang.
Und irgendwie auch der Alltag.
Zwischendurch hätte ich es gerne anders, leiser, gemächlicher, geordneter. Dann wiederum aber denke ich: So wie es ist, so wie wir sind… ist es doch eigentlich auch ganz schön. Ungeschminkt und direkt, ehrlich und herzlich und einander so nahe. Dass man sich auch mal auf die Füsse tritt, wenn man nicht acht gibt, gehört wohl dazu. Sich danach wieder die Hände zu reichen auch.
Ich hoffe, dass ich das nie aus dem Blick verliere; dass es nicht nur schwarz oder weiss gibt. Sondern massenweise Mischtöne und vor allem auch verschiedene Blickwinkel auf verschiedene Seiten von ein und demselben.
Insofern; es liebe die Vielfalt!

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ein paar Farbtupfer

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Himmel, es fühlt sich direkt komisch an, wieder am Laptop zu sitzen und Worte einzutippen. Ich war eine ganze Weile lang krank. Diese absolut merkwürdige “Grippe”, die hier grassiert, wahlweise mit Schnupfen und Husten, mit Fieber oder ohne, oder mit  lang andauernden Magenschmerzen und einer Übelkeit, die einem tage- und nächtelang begleitet, ohne dass man recht weiss, wieso. Und müde wird man. Einfach bodenlos müde und schlapp wie ein alter, gammeliger Waschlappen überm Putzeimer.
Bei mir war es der Magen. Fast zwei Wochen lang und immer noch ein wenig, aber letzte Woche war ich tatsächlich zeitweise ausser Gefecht gesetzt und nahm mehr als dankbar die Hilfe meiner Mutter an, die die Kinder betreute, während ich einen vollen Tag lang nur schlief, von all den nachmittäglichen Notfall-Nickerchen und den säuglingsmässig frühen Zu-Bett-Geh-Zeiten mal ganz abgesehen. Gottseidank ging es nicht nur mir so; meine beiden kleinen Mädchen schlüpften mehr als einmal gleich mit mir in Krankenlager, erschöpft von werweisswas, allerdings mit nur wenigen Krankheitssymptomen, was meine Nächte wiederum recht erholsam werden liess. Zum Weihnachtssingen der Schule (7 Uhr morgens!) und dem anschliessenden, einfach himmlisch romantischen Kindergarten-Zmorgen bei Kerzenschein neben lauter entspannt-freundlichen Kindergartenkind-Eltern und definitiv ferienreifen Kindern, habe ich es aber Gott-sei-Dank doch noch geschafft. Es war wunderbar. Erinnerungsstückchen, die sich wie Puzzleteile einfügen im ganz speziellen grossen Ganzen dieser Tage. Einzigartig. Gedacht für den Augenblick und darum so schön.
Die Kinder waren schon tagelang hibbelig vor Aufregung und Vorfreude, und Kind2 sass buchstäblich stundenlang am Keyboard meines Mannes, um später im Schulchor auf keinen Fall seinen Xylophon-Part bei “Stille Nacht” zu verpatzen. Wieder und wieder hörte ich ihn klimpern. Und genoss jeden Ton davon. Meine Grosse spielt seit Sommer Blockflöte und müht sich fürchterlich ab damit, aber ansonsten spielt hier niemand ein Instrument, und das Keyboard, das Herr Kirschkernzeit sich letzten Winter zu unser aller Überraschung geleistet hat, steht die meiste Zeit auch bloss mässig dekorativ in seinem kleinen Büro herum. Dabei liebe ich Musik. Sehr sogar. Die letzten zwei Abende habe ich bis weit nach Mitternacht sogar selber daran gesessen und mit Feuereifer die linke Hand für “Stille Nacht” einstudiert, schön lehrbuchmässig mit der digitalen Anleitung auf dem Display, damit ich auch ja die Finger richtig platziere und mich nicht permanent verheddere. Es klingt ganz hübsch bisher, allerdings recht unbeholfen und würde sicherlich noch hübscher klingen, wenn Kind2 mit mir zusammen zweihändig spielen würde. Begleitung und Hauptstimme. Aber irgendwie geniert er sich nun plötzlich, jetzt, da das Weihnachtssingen über die Bühne und bereits wieder Vergangenheit ist… Naja, dann übe ich eben weiterhin “Scarborough Fair”, still für mich alleine. Dafür mit rechter und linker Hand, was ich unglaublich schwierig finde, mir aber so ungeheuer viel Spass macht, dass ich gar nicht merke, wie die Zeit vergeht, und dann später nach geschlagenen 2.5 Stunden Üben fast nicht mehr einschlafen kann vor lauter Anspannung und Tönen in meinem Kopf…
Diese für mich ganz neuen, kleinen musikalischen Episoden sind mir sehr lieb geworden. Kleine akustische Farbtupfer in meinem oftmals schrecklich grauen Alltag.

Ein klein wenig mehr Farbe trage ich just heute auch auf meinen Lippen. Ich schminke mich normalerweise so gut wie gar nie, sondern schleiche als graue, müde Maus durch die Gegend und denke mir nicht viel dabei. Gestern aber, als wir mit meiner Mutter und all meinen 7 Geschwistern samt Partnern unser jährliches Weihnachts-Grossfamilien-Treffen feierten, fühlte ich mich nicht nur urplötlich wieder richtig fit und munter, sondern auch absolut in Feierlaune, was ich mit roten Lippen, Wangenrouge und ein wenig Wimperntusche ganz gross feierte. Dazu die Haare offen, so ungebändigt und unpraktisch wie sonst nie- und ich überraschte mich selbst mit einem völlig neuen Ich-Gefühl. Viel vitaler und selbst-bewusster. Weiblich. Nicht mehr nur wie eine stille Quelle der Nahrung und Zuwendung für andere, sondern als eine eigenständige Frau, die es sich wert ist, sich beim gemeinsamen Festessen auch selber einen Teller zu füllen und ihn gemütlich leer zu essen, ganz egal, wie gut oder schlecht sich die Kinder gerade benehmen… Ich meine, wozu ist man Familie? Oder Freunde? Um sich vertraut zu sein. Auch mal zu riskieren, dass jemand anderes das Kind zurechtweist. Oder aushält. Oder sich selber an der Nase nimmt. Das schaffe ich sonst so gut wie gar nicht, wisst ihr. Ich will nirgendwo anecken und versuche immer, aber auch wirklich immer, die Fäden in der Hand zu halten, gerade auch wenn ich mit meinen Kindern ausser Haus und unter Menschen bin. Allerdings war unser Weihnachtstreffen gestern so wahnsinnig schön und entspannt und richtig lustig sogar, dass ich mir ohnehin keine Sorgen zu machen brauchte. Und offen gestanden sind bei Feiern dieser Art oftmals sowieso die Erwachsenen die allergrössten Kinder *hüstel* Meine Knirpse hielten sich bravourös, waren ausgelassen und zufrieden und fügten sich ganz wunderbar in diese mittlerweile doch auch schon recht grosse Gruppe ein. Irgendwann standen meine Mädchen dann auch mit mir und meinen Schwestern oben im grossen Bad vor dem Spiegel und probierten all die 24 Lippenstifte aus dem Adventskalender meiner Mutter aus, hihi… Jetzt habe ich übrigens drei Lippenstifte mehr in meiner Sammlung, von einem Stück auf ganze vier also, was mir sehr gelegen kommt, denn irgendwie habe ich so den Verdacht, dass es mir ganz gut tun könnte, auch werktags ab und zu mal ein klein wenig Farbe aufzulegen…
Farbe kam auch aufs Papier heute. Oh, wir haben schon so lange nicht mehr gemeinsam gemalt! Irgendwie sind all die grossen und kleinen Haushalts-Posten einfach permanent im Vordergrund. Die Wäsche. Das Geschirr. Das Essen. Der dreckige, erd- und tannennadelbedeckte Eingang. Das chaotische Wohnzimmer. Wieder Essen. Dies und das. Badezimmer eins. Badezimmer zwei. Die Meerschweinchen. Und weiter im Text… Ich habe den Eindruck, niemals mehr entspannt und hausarbeitstechnisch weit genug zu sein, um mich mit den Kindern hinzusetzen und pinselweise Farbkleckse zu setzen… Dabei war es fantastisch, zu sehen, wie gerne sie malen. Die Mädchen immerhin, Kind1 schmökerte Comics währenddessen, während Kind2 glaub’s Keyboard übte, “Ode an die Freude” oder so und sich dann zum Meerschweinchen-Misten trollte. Schön war es trotzdem. Und ziemlich messie. Künstlerisch. Kindgerecht. Kindgerecht künstlerisch. Und ganz klar ein Fall für die Badewanne. Was mir wiederum diesen herrlich ungestörten Moment hier verschaffte, ruhig und lang genug für einen ganzen, ausufernden Farbtuper-Post…

Die kleine Steinkatze oben auf den Bildern hat -genau wie der kleine Regenbogen-Fensteranhänger- übrigens mein Junge gemacht. Mein Zweitgeborener, der nur selten malt oder werkelt, dann aber immer gleich sein volles Herz hineinlegt. Den ganzen Advent lang schlief diese Katze friedlich auf dem Küchenfensterbrett neben den kleinen Kaffeepflänzchen, und ich fand sie ungeheuer süss, wie sie so dalag und beinahe zu schnurren schien. Heute ist ihr Plätzchen leer. Leergeschenkt. Dafür hat nun meine mittlere Schwester (die sich gestern die ganz knallroten Lippenstifte aussuchte und entzückend damit aussah)  nebst den beiden Schmusebüsis auf ihrem Sofa auch noch eine stillvergnügte Steinkatze bei sich im Haus. Tante müsste man sein.

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Dies und das

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Fast neun Uhr abends. Wenn ich Glück habe, schlafen die Mädchen jetzt. Meine Kleinste liess ihren Mittagsschlaf heute aus, und ich hatte überhaupt nichts dagegen einzuwenden, denn die letzten Tage wurde es wahnsinnig spät mit ihr (halb elf oder so), weil ich es nachmittags einfach nicht übers Herz brachte, sie aus ihrem Nickerchen zu wecken. Neun Uhr ist okay, mehr noch; es ist wunderbar, weil noch ein rechtes Restchen Abend übrig bleibt, in dem sich einiges stricken lässt, so die eigenen Kräfte es erlauben (und sofern die aktuelle Stelle im Roman nicht so spannend ist, dass ich gleich bei den Kindern im Dämmerlicht im Bett hängen bleibe). Natürlich wäre halb neun noch wunderbarer. Und acht Uhr schon unverschämt grossartig.
Nun gut.
Mein letzter Eintrag liegt ein paar Tage zurück, was damit zu tun hat, dass ich häufig zu schlapp war fürs Schreiben und ohnehin nicht recht wusste, was ich hätte erzählen können. Manchmal habe ich einfach nicht viel zu sagen. Die Tage waren grau und kalt und immer ein bisschen schwermütig und einerlei. So schwermütig, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als Packungsweise Wäsche und andere Textilien zu färben, um meinem Tag wenigstens ansatzweise so was wie kreativen Flow zu verpassen. Auf der anderen Seite gab ich Vollgas in Sachen Jackenstricken, was tatsächlich eine Freude ist; gerade jetzt bin ich beim zweiten (!) Ärmel meiner blauen “Canvas Cardigan”, wobei ich sowohl die Ärmel als auch den Körperteil länger mache als in der Anleitung angegeben. Ich brauche einfach etwas Warmes, Kuscheliges, jetzt wo die Tage immer fröstliger werden. Die ganze Zeit über sehne ich mich schon nach etwas so richtig mummelig Warmem, in das ich mich einlullen kann, wenn ich morgens todmüde in einem eisigen, alten Haus runter in die Küche tappe, um mir meinen Morgenkaffee zu brauen. Gerade die Morgen sind so hart. So früh und ungnädig. Und dann jedes Mal der Aufbruch mit zwei kleinen Kindern raus in die herbstlich graue Kälte *brrr*. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich darauf brenne, dieses Jackenprojekt endlich abzuschliessen und reinschlüpfen zu können…!
Um ehrlich zu sein, habe ich die unendlich vielen Runden glatt rechts auch langsam ein wenig satt. “Anja” lockt sirenengleich, was kein Wunder ist nach so vielen Stunden blauer Wolle und rechten Maschen bis zur Unendlichkeit. Um mir Mut zu machen, habe ich schon mal eine Maschenprobe mit dem dafür reservierten Alpaca-Garn gemacht- und dabei Feuer gefangen, voll und ganz. Das naturfarbene, braune Garn von “Alpacacolor” ist ein absoluter Traum von Wolle! So wahnsinnig soft, richtig halsschmeichlertauglich und wunderbar naturbelassen. Dass jeder Knäuel von A bis Z hier in meiner Heimat hergestellt wird und von garantiert “glücklichen”, liebevoll umsorgten Tieren stammt, macht den eher hohen Preis für mich absolut wett, denn nachhaltiger, gesunder und fairer geht es nun wirklich nicht mehr, oder? Jedenfalls freue ich mich wie verrückt darauf, eines Abends dann in meine neue, blaue Strickjacke gewandet auf dem Sofa zu sitzen und mich mit den herrlichsten Alpacagarnen an einem ersten Fair Isle Projekt zu versuchen.
Und sollte es nicht recht klappen, werden Pulswärmer daraus (die hier finde ich einfach hinreissend!).

Was könnte ich sonst noch erzählen?

Dass wir es heute ausnahmsweise mal wieder zur Kirche geschafft haben, aber derart knapp, dass für einen Kaffee keine Zeit mehr blieb, was mir Kopfschmerzen bescherte und ein ganz schummriges Gefühl (koffeinabhängig, zweifellos). Aber immerhin, wie waren da. Dass Herr Kirschkernzeit einen kleinen Quittenbaum in die Mitte unseres Gartens gepflanzt hat, wo er ganz zauberhaft aussieht und sogar noch Laub trägt, grün fast noch, während der Rest der Bäume mittlerweile praktisch kahl ist. Gestern und heute kam es mir vor, als würde es gelbe Flocken schneien, dabei waren es nur die Birken, die ihr Goldlaub an den Herbstwind verloren.
Dass ich mich jetzt schon freue auf die Schwarzwäldertorte, die mein Liebster gerade in der Küche nebenan zusammensetzt, obwohl dazu eigentlich kein Anlass besteht und er ohnehin schon zu viel um die Ohren hat, der Arme. Wobei, vielleicht sind gerade das ja die besten Gründe für eine opulente Torte?
Dass ich mich ausserdem freue aufs Weiterstricken heut abend und auf mein warmes Bett und meinen Geburtstag nächste Woche und darauf, dass die Sonne wieder scheint und das Laub ein letztes Mal schimmert wie goldene Konfetti, bevor der Regen es matschbraun färbt.
Mehr fällt mir jetzt nicht ein.
Nun ja, dafür, dass ich eigentlich nichts zu erzählen hatte, ist dieser Post hier ganz schön lang geworden…

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Wochen-Ende: mollig wollig

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Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen der Gemütlichkeit. Wir waren… ziemlich häuslich, und wenn ich es mir recht überlege, war es genau das, was wir alle gebraucht haben und was die letzten zwei Tage so gut gemacht hat für uns.
Das frühe Aufstehen (6:45 Uhr) unter der Woche und meine vor allem morgens sehr straffe Terminplanung mit Kinderaufwecken, Anziehenhelfen, Frühstückmachen, Zähneputzen und Haare bürsten, Znüni-Zusammensuchen, Jacke-, Schuhe- und Leuchtstreifen-Überstülpen und dem emotional eigentlich nie wirklich entspannten Weg mit meinen beiden Kleinsten zum Kindergarten… das macht mir erstaunlich schwer zu schaffen. Ich bin manchmal schon am Vorabend erschöpft und kämpfe zunehmend mit meiner Motivation. Und mein Magen rebelliert, was nichts Neues ist bei mir, aber ein recht diffuses Symptom, das ich bisher für vorübergehend gehalten hatte, das mich nun aber dauerhaft begleitet, wie es scheint. Interessant finde ich ja, wie rasch mein Körper sich wieder gesund anfühlt, sobald ich mich auch innerlich wohl und entspannt fühle und das Leben mir Freude macht.
So wie an diesem Wochenende, wo irgendwie alles stimmte und mir selbst eine zweite Tasse Morgenkaffee nichts anhaben konnte…
Ich will jetzt hier gar nicht viele Worte verlieren, denn mein Wochenstart war wiederum recht vollgepackt und dank Laternenumzug der Schule inklusive zu betreuendem Rübenschnitzen im Kindergarten gleich noch einen Zacken durchorganisierter. Es könnte sicher nicht schaden, heut nacht mein Nachtlicht für einmal vor elf zu löschen, aber für einen kurzen Rückblick reicht es noch, denke ich…
Denn das hier war einfach wunderbar:
Die Caramels, an die ich mich gewagt habe, in einem spontanen Anfall von Experimentierlust, und weil ich den Eindruck hatte, aus diesem Buch hier, das schon seit einiger Zeit unbenutzt in meiner Küche steht, endlich auch einmal etwas nachkochen zu müssen. Ich hatte mir vorgestellt, mit Zucker, Butter und der einen Tube Kondensmilch, die ich mir vor Ewigkeiten mal für irgendwas gekauft hatte, ganz auf die Schnelle ein paar Caramellen zaubern zu können, war dann aber recht erstaunt, als dieses Unterfangen vielmehr eine Stunde in Anspruch nahm- und damit praktisch den ganzen Mittagsschlaf meiner Kleinsten “verbrauchte”… Trotzdem war das Resultat eine echte Offenbarung mit hochgradigem Suchtfaktor, und das, wo ich bis anhin immer der Überzeugung war, ein vollprozentiger Schokomensch zu sein, dem Caramel eher zu unverblümt süss wäre. Weit gefehlt. Auch wenn’s Zeit kostet und einiges an Aufmerksamkeit vor dem Kochherd erfordert: Das mach ich bestimmt wieder einmal.
Zweites Highlight war der Pompon meiner Tochter, den sie aus ein wenig Restewolle ihres salatgrünen Strick-Pullovers gemachte hat. Er ist rund und lustig und ihr ganzer Stolz- und bambelte heute abend beim Laternenumzug fröhlich von ihrer Wollmütze. Besonders schön fand ich, dass sie ihren ersten Bommel von A bis Z alleine machen konnte und wollte und ich nichts weiter zu tun hatte, als ihr dabei zuzuschauen und ein wenig beim Abbinden zu helfen. Pompoms sind so eine feine Sache. Ich sollte mir wirklich auch mal welche machen. Wollreste gibt es hier schliesslich mehr als genug, und eine Mütze mit Bommel ist… nun ja, eben eine Mütze mit Bommel.
Und das hier fand und finde ich gleich ebenso schön: Ein paar Knäuel Wolle -ja, noch mehr Wolle- Alpaca aus der Region, versponnen ebenfalls in der Schweiz und von Hand mit Pflanzenfarben gefärbt. Ich habe die Alpaca-Bäurin samstags an einem Handwerksmarkt getroffen, und mir war augenblicklich klar, dass ich ihren Stand nicht ohne das eine oder andere Schätzchen verlassen konnte. Jetzt habe ich genügend Wolle für eine süsse, kleine Anja-Hat beisammen. Braun schwebt sie mir vor (ungefärbt), mit zweifarbig grünen Blätterranken und zu einer Art Blüte umfunktionierten altrosa Schneekristallen. Ich drücke mir schon mal selber die Daumen, dass ich dieses erste FairIsle-Projekt auch wirklich fertig bringe. Vor etwa einem Jahr hatte ich schon einmal einen Anlauf genommen und mich auf ein kleines Beutelchen aus dem Making-Magazin gestürzt, auf den “Sea Urchin Treasure Bag”, den ich noch immer absolut bezaubernd finde. Leider kam ich mit den miniaturkleinen Charts überhaupt nicht klar und mit dem Vergrössern von Magazin-Kopien ebensowenig, also warf ich kurzerhand das Handtuch. Mal sehen, ob’s beim zweiten Anlauf besser klappt. Ich meine; auf der “Anja”-Mütze ist immerhin sogar ein Bommel mit drauf…

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