Archiv der Kategorie: Wochen-Ende

7 Mal

Ich weiss nicht so recht, wo ich beginnen soll. So viele Dinge, die hier geschehen, erlebt oder gemacht werden… und die Zeit saust, die Worte fehlen, genauso wie der Atem, der mir gerade öfter ausgeht als auch schon und mich dankbar macht für meinen Arzttermin  und die Eisen-Notration nächste Woche, die mir wieder Kraft in meine Glieder pumpen wird. Darum, und weil mein Kopf einfach zu schnell leer wird und dumm, wird dieser Post hier eine Liste sein, aufgezählte Gedanken, die mir vor die Linse oder einfach nur so in den Sinn gekommen sind…

1. Das Filzen hat uns ein bisschen gepackt. Aber dann auch wieder nicht. Mit den Mäuschen kamen ein paar rohe Filz-Fingerlinge zustande, die nun darauf warten, zu Fingerpüppchen-Füchsen oder -Vögelchen zu werden. Es war witzig, daran zu arbeiten, aber jetzt weiss ich nicht so recht weiter und warte auf den richtigen Moment, wo Lust und Laune stimmen und ich genug Begeisterung dafür aufbringen kann, winzig kleine Ohren und Schnauzhaare aufzunähen. Beim Ausspülen sind die Fingerlinge so ziemlich geschrumpft, ich befürchte, sie passen nun nur noch meinem kleinen Babyneffen (*huch*!), aber es ist wie es ist, und entweder kommen die Winzlinge dann eben auf einen Stab in unsere Kakteen-Töpfe oder sonstwie nett platziert ins Rampenlicht- oder wir quetschen unsere kleinsten kleinen Finger hinein und spielen dann so Theater. Mal sehen…

2. Apropos Theater, meine grosse Entdeckung in musikalischer Hinsicht sind momentan: die Filmmusik von „Pirates of the Carribean“, die mich in gewissen Sequenzen geradezu erbeben lässt, und -die ganz grosse Offenbarung- das Cello, vor allem klassische Interpretationen zeitgenössischer Lieder, wie „2Cellos“ sie spielen. Ich mag das. Und so wie das „Prager Cello Quartet“ „The Phantom of the Opera“ spielt, so unfassbar wunderwunderwunderschön, ist dieses Stück wohl etwas vom Bewegendsten, das ich je in meinem Leben gehört habe. Gänsehautmusik, bei der ich manchmal weine, ohne traurig zu sein.
Dabei ist mir das Cello bisher überhaupt nie aufgefallen. Ich dachte immer, ich sei mehr so der Klarinetten-, Klavier- und Gitarrentyp. Aber das Cello ist leidenschaftlich, melancholisch, sanft und gleichzeitig wild und verrückt, wenn es will, was mir irgendwie bekannt vorkommt. Scheinbar bin ich auch ein Cello.

3. Im Augenblick hat mein Körper etwas zu kämpfen. Da ist die Anämie, die ihren Teil beisteuert, aber auch ein radikaler Kälte-Einbruch, der mein Immunsystem herausfordert. Und ich war rasant unterwegs die letzten Tage über. Feier-Nächte am diesjährigen Dorffest, das wie immer zwei volle Tage und eine Nacht dauerte und wirklich unschlagbar fröhlich und lebendig war. Mein Liebster und ich sind bis nachts um halb zweium die Häuser gezogen und hatten echt viel Spass mit all den Dorf-Kumpels, die man so traf.
Gut getan hat das. Unsagbar gut. Wir machen das viel zu selten, wir zwei; einfach mal abschalten vom Elternsein und das mit dem Vernünftigsein kurz zur Seite legen. Dabei brauchen wir das. So ab und zu. Ich habe die ganzen 16 Jahre über nicht so viele Komplimente erhalten wie an diesem einen Wochen-Ende, und da ich bei weitem keine Schönheit bin, glaube ich wirklich, dass Ausstrahlung alles ist, und dass ein Mensch, der so richtig und zutiefst glücklich und in sich zufrieden immer irgendwie schön aussieht und in gewisser Weise anziehend… (Leider bin ich im Alltag ja eher ein Grummel. Kein Wunder regnet es sonst nie Komplimente *hüstel*)

4. Mein neuer Kalender fürs nächste Jahr ist angekommen: Der „Taproot 2019 Calendar“, der mir um Welten besser gefällt als derjenige aus diesem Jahr. Ich bin ganz zufrieden damit, vermisse aber, wenn ich ganz ehrlich bin, Phoebe Wahls einzigartige Arbeiten aus den beiden Vorgänger-Kalender-Kollektionen. Dieses Märchenhafte, Magische, das sie mit ihren Monats-Bildern jeweils herbeizaubern konnte, bringt nur sie zustande. Und es fehlt mir. Jeder Tag sollte Magie enthalten, finde ich…

5. Nicht nur musikalisch habe ich für mich kleine Welten erschlossen, auch was den Film angeht, bin ich gerade auf einer ganz heissen Spur; Ich habe mir neulich ganz spontan die ersten Staffel von „Mr. Selfridge“ bestellt und bin absolut hingerissen von dieser Serie! Das Licht, die Kostüme, der ganze Plot, die Darsteller, der rasante Erzählstil mit Stil… Himmel, das ist haargenau, was ich brauche! Ich schwelge in Schönheit und den grossen Gefühlen kleiner Lebensgeschichten und bin über alle Massen seelig, wenn ich mich mit meinem Laptop, einer Tasse heissem Tee mit Holunderbeer-Sirup unter meine warme Decke verkriechen darf, um einfach wegzuträumen in ferne Zeiten und andere Wirklichkeiten… (Staffel 2 und 3 sind bereits bestellt und unterwegs!)

6. Manchmal stricke ich dabei. Aber nicht oft. Im Augenblick stecke ich ein einer Art Strickblockade, wo sich alles in mir sträubt, beim Entspannen und Wegtauchen auch noch zu arbeiten. Und da sich das Zusammennähen dieser kleinen silbergrauen Zwergenmütze, für die ich auch noch ein Binderband stricken sollte, definitiv zu sehr nach Arbeit anfühlt, wird wohl noch etwas Zeit verstreichen, bis sie fertig ist. Macht nichts. Stricken soll eine Herzenssache sein. Kein Knochenjob.

7. Dieses Projekt immerhin ist mittlerweile abgeschlossen. Und glücklich zu Ende geführt worden. Meine Kleinste konnte in ihrem neuen, grünen „Tama“-Sweater bereits ihre Schwester zum Kindergarten bringen. Und fror so kein bisschen dabei, obwohl der Morgen neblig sein kann und bereits ordentlich düster. Die Farbe ist nicht unbedingt das, was mein kleines Mädchen sich aussuchen würde, tatsächlich wollte sie ihren Pulli zuerst gar nicht erst anziehen, weil sie violett mag oder rosa oder vielleicht noch blau, aber grün im Grunde langweilig findet. Aber ich glaube, sie wird sie noch lieben lernen, diese Farbe, diesen Schnitt, dieses Garn, das nicht kratzt und trotzdem wärmt („Cotton Merino“ von Drops). Sobald es passt, werde ich Fotos machen und einen kleinen „Tama“-Post. Und bis dahin hoffe ich einfach mal, dass es nicht zu viele Flecken gibt. Oder kahlgefegte Wegrand-Buschäste, die unterwegs zum Kindergarten lange Maschen ziehen.

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in Bewegung

Wieder so lange Stille hier. Es scheint zur Gewohnheit zu werden…
Die grösste Herausforderung beim Bloggen ist und bleibt das Freischaufeln an Zeit-Nischen, damit ich schreiben, denken, Fotos archivieren, auswählen und einsetzen kann. Das Leben ist so voll, so schnell und bewegt, so alles andere als still in dieser Phase meines Lebens. Ruhige Momente? Raritäten. Kostbar und wunderschön- und so rasch verschenkt an andere Leidenschaften von mir, ans Stricken zum Beispiel, an Hercule Poirot, an meine Blumen und Kräuter draussen im Garten… Und zum Bloggen brauche ich Zeit. Viel Zeit. Viel Stille. Viel gedankliche Wachheit und Energie.
Und den Laptop. Den brauche ich auch. Was immer so eine Sache ist, denn sobald ich den aufklappe, scheinen meine Kinder verrückt zu spielen. Keine Ahnung wieso.
Auf der anderen Seite ist genau das eine Seite des Bloggens, die mir noch immer gut gefällt: Bloggen ist so… fokussiert. Man setzt sich hin, denkt nach, plant ein wenig- und schreibt. Ganz bewusst und konzentriert und mit einem gewissen Mass an Achtsamkeit für die eigenen Gedanken und die Vorgänge im Lebensalltag. Die Zeit, in der ich an einem Blogpost arbeite, ist abgeschirmt vom Rest. Inselzeit irgendwie. Nichts, das ich so schnell, schnell hier reinpflanzen könnte. Und wiederum auch nichts, dass dann einfach so aus dem Nichts in meinen Tag hineinplatzen könnte, so auf einen schnellen Knopfdruck auf dem Handy hin zum Beispiel, was das Bloggen für mich zu etwas Exklusivem und Bewusstem macht, im Gegenteil zu Instagram, wo ich viel zu rasch „nur kurz“ einmal rüberswitche, zwischen Kochtopf und Pflantschbädli- und dann doch wieder zu lange hängen bleibe…
Beides hat seine Qualitäten. Ganz klar. Aber in den paar Wochen, in der ich Instagram-Luft schnuppern durfte, ist mir klar geworden, dass mein Herz hier schlägt, also virtuell, meine ich, hier bei Kirschkernzeit. Dass ich Instagram zwar mag, aber mit Bedacht nutzen werde, langsam, tröpfchenweise, reduziert, ohne dass es zu oft rüber in mein reales Leben schwappt. Reduziert, genau wie das Bloggen, für das mir oftmals schlichtweg die richtigen Momente fehlen. Aber wenn ich hier schreibend kreativ sein darf- dann tue ich es wahnsinnig gerne, mit Herzblut, Freude und Dankbarkeit…
Gerade ist der Augenblick günstig, schätze ich; der Löwenteil meiner Familie geniesst seinen letzten Tag Lagerleben irgendwo im Berner Oberland, Kind1 faullenzt mit meinem jüngsten Bruder in dessen sturmfreier Bude (hiphip hurra!) und die beiden Kleinen puzzlen Bügelperlen-Bilder. Ich wittere eine Gelegenheit und hoffe, mein offener Laptop bringt sie nicht allzu schnell aus dem Konzept…
Wir hatten eine wunderbare Zeit, wir drei. Eine gute Woche. Das Kindertempo dieser Altersstufe gefällt mir. Ich bewundere ihre Selbstvergessenheit, während sie sich in ihren Traumwelten und Zauberfantasien verlieren. Elfen sind. Oder zwei Eulen, die ein Ei ausbrüten. Wie sie sich in ihr kleines Gartenbädli stürzen und zufrieden sind damit, das Wasser zum Rauschen und Schwappen zu bringen.
Richtig ruhig war es hier aber nie; wie hatten so viel Besuch wie noch nie! Den Montag-Nachmittag verbrachten wir mit einem meiner Brüder und seiner Frau quatschend und Kräuter-Tee-trinkend im Garten. Dienstags fuhren meine Mädels und ich raus zu „Frau Krähe“, erlebten ein wirklich wunderbares allererstes Treffen ausserhalb der Blogosphäre und staunten wohl alle ein wenig über unseren Mut und die Sympathie, die augenblicklich einfach da war, fast ein wenig, als hätten wir uns schon vorher gekannt, in echt meine ich, und ganz real (du bist eine ganz tolle Frau, Frau Krähe, echt jetzt!)…
Mittwochs sassen wir drei bei prächtigstem Sommerwetter mit meiner hochschwangeren Schwester J. in einem Strassencafé in der Stadt und schleckten italienisches Sahne-Eis aus kleinen Pappkartons, den kleinen Hund meiner Mutter träge dösend unter unserem Tischchen lümmelte. Urlaubs-Feeling. Zuckersüss.
Die Nacht war kurz gewesen, weil mein jüngster Bruder mir noch ein spätes Besüchlein abgestattet und wir uns bis Mitternacht verquatscht hatten, und so langsam, langsam machte sich ein Marathon-Gefühl bei mir bemerkbar *zwinker*, ausgelöst durch eine ungewohnt hohe Dosis Sozialleben. Schwester A. und Schwager waren mir aber trotzdem herzlich willkommen an diesem Abend. Sie brachten Tortillachips, Schafskäse und ein quietschfideles Kind1 mit, das fröhlich seine Tüte neuer Jungs-Kleider schwenkte; mein Junge hatte sich ein paar Tage bei ihnen einquartiert und mit ihnen -auf meine Anordnung hin- gleich die Ausverkaufs-Auslagen der Kleidershops geplündert (Gottlob! Seine T-Shirts hingen bereits in Fetzen und die wenigen Jeans mochte ich schon gar nicht mehr flicken…).
Es waren gute Tage, wirklich. So viel Betrieb und Bewegung, ein mächtiges Gefühl von… Lebendigsein und Dazugehören. Ein wohltuender Kontrast zu unserem normalerweise eher abgeschotteten, verlangsamten Lebensstil.
Trotzdem schrieb ich Schwester J., die mir Donnerstag-Morgens anbot, mich und die Mädels noch mit zu meiner Mutter zu nehmen, auf Whatsupp zur Antwort: „Vielen Dank, aber ich glaube, heute lieber nicht. Ich bin einfach zu müde nach so viel Sozialisiertheit…“
Und das bin ich auch. Total k.o. Aber zufrieden.
Trotzdem blicke ich dankbar auf meine Kalender-Einträge der nächsten Woche: Leer ist es da. Einfach gar nichts. Nur ich und meine wieder versammelte Crew. Daheim.
Auch das hat seine Qualitäten, oder…?

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Wochen-Ende: Melissentee

Sommer! Wie gern ich dich hab‘, war mir bisher gar nicht bewusst. (Wahrscheinlich hatte ich immer nur Augen für meinen geliebten Herbst, mit dem mich eine Art Seelenverwandtschaft verbindet.) Aber jetzt, im Juni, bist du einfach wunderschön. So sanft. Mild. Und warm. Gar nicht brütend oder brennend, nein, kuschelig wie ein Kätzchen.
Ich mag auch Kätzchen.
Du hast so viel zu geben. Und du gibst es auch, grosszüzig und ohne zu zögern; saftiges Grün, üppigen Schatten, den Duft sonnenwarmer Kräuter, das Knacken und Spritzen baumfrischer Kirschen zwischen den Zähnen meiner Kinder.
Auch meine Tiere mögen dich. Sie suchen sich die besten hell-schattigen Plätzchen im Gras, wo sie ihre Babies stillen und gleichzeitig das eine oder andere Grashälmchen mümmeln können. Wie dankbar sie sind für die Freiheit und Leichtigkeit, die du ihnen schenkst, zeigen dir ihre lustigen Hüpfer oder die irrsinnig wilden Renn-Jagden, die sie unter deinem blau-weiss gesprenkelten Himmel veranstalten.
Die rote Hängematte wippt langsam von einer Seite zur anderen. Die Laube schaukelt sachte mit- irgendwer liegt immer darin, liest ein Donald-Duck-Comic oder döst faul vor sich hin und träumt wahrscheinlich von Sommerferien, und wenn das ausgerechnet auf meinem Hängematten-Foto mit dem Kirschen-Schabernack am Aprikosenbäumchen nicht der Fall ist, dann darf man das getrost eine Ausnahme nennen. Mit Seltenheitswert. Kirschen habe ich heute übrigens überall gefunden, hihi. An der Aprikose. Im leergeräumten Gemüsebeet, wo eigentlich schon längst der Lauch rein sollte. („Schau mal, hier wächst ein kleines Bäumchen!“). Über Ohren gehängt. Versteckt in kugelrunden Backen. Verlassen auf dem Stubenboden. Sogar in einem unserer Kirschbäumchen konnte ich welche entdecken. Wo doch dort gar keine wachsen. Bis auf fünf oder zehn oder so. Meine Schwiegermama hat bei ihrem Nachbarn jede Menge Kirschen geerntet und uns auf der Durchreise zu ihrer Schwester gleich eine Kiste voll mitgebracht, was ein grosses Hallo auslöste. Denn Kirschen sind ein Highlight hier im Haus. Kirschen mag sogar ich. Sehr sogar. Und ich bin eher eine Art Gemüsetiger. Weniger das süsse Früchtchen.
Aber Kirschen? Unwiderstehlich!
Es war ein barmherziger Tag heute. Kein Wirbel. Kein Gerenne und Gehetze. Langsam gelebt, voller Begegnungen auf Augenhöhe. Ich koche mir jeden Tag meine zwei Liter Tee, Tee aus den Kräutchen, die mir gerade ganz intuitiv richtig erscheinen, gewählt von meinem Bauchgefühl und nur von ihm alleine. Heute waren es Zitronenmelisse und ein ganz klein wenig Salbei. Harmonisch und besänftigend. Wie ein Wiegenlied für die Seele. Zum Loslassen und Durchatmen.
Heute Abend trinke ich das letzte Glas davon, eisgekühlt und ungesüsst, und ich spüre, wie wohl mir das alles getan hat heute, die Ruhe, die Langsamkeit, das Baumeln-lassen-und-die Mitte-finden. Vielleicht kann ich ein wenig davon mitnehmen. In die neue Woche. Die morgen sofort wieder loshetzen wird und mich immer vergessen lässt, in den Bauch zu atmen. Aber da ist Zitronenmelisse in meinem Garten. Und Salbei. Kamille. Tymian, Oregano und Pfefferminze. Kinder, die in Büchern versinken. Ein Stall voller Meerschweinchen. Zuchetti in voller Blüte. Grüne Aprikosen neben ein paar falschen Kirschen.
Das macht doch irgendwie Mut.

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7 Mal Lebens-Freude

Ich merke, dass ich bereits dabei bin, in einen Sommer-Ferien-Modus zu schlendern… und dass ich im Moment wohl ein bisschen mehr „vom weniger“ brauche, wenn es ums Thema Internet geht. Solche Phasen gibt es, und ich glaube fest daran, dass soziale Medien, Blogs und überhaupt die volle Fülle des www. mit all ihren Möglichkleiten, Kontakte zu knüpfen, sich untereinander auszutauschen und zu bewegen, Neues zu entdecken und zu lernen und über den eigenen Tellerrand zu schauen und Einblicke zu erhaschen, die einem sonst wahrscheinlich verwehrt blieben, dass all diese Chancen und Inspirations-Quellen nur dann wirklich gut und gesund für uns sind, wenn wir lernen, unsere ganz persönlichen inneren Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, und den Laptop, das Smartphone, das Tablet ausschalten, sobald sich ein ungutes Gefühl einschleicht in der Magengrube. Das Internet und überhaupt die neuen technischen Kontakt-Möglichkeiten dürfen und können uns wunderbare Anregungen und visuelle oder gedankliche Schönheit schenken. Ich würde es niemals verteufeln. Nur schon Whats-Up empfinde ich als wahnsinnig bereichernd. Ich schreibe plötzlich kleine Nachrichten an Verwandte, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen oder gesprochen habe und lerne manche meiner Geschwister oder deren Partner dank Whats-Up oder Instagram von ganz neuen Seiten kennen und lieben.
Die reale Welt aber sollte unser wahres und wichtigstes Zuhause bleiben. Vor allem sollten belastende Gefühle, die uns in unserem normalen Lebens-Alltag schon zu schaffen machen können, sich nicht auch noch zusätzlich aus dem virtuellen Raum heraus zu uns schleichen.
Ich möchte nicht neidisch sein auf die fantastischen Leben, denen ich bei Instagram oder in Blogs begegne, sondern die Schönheit ungetrübt in mich aufsaugen. Ich möchte mir nicht minderwertig und langweilig vorkommen und mich vergleichen, sondern mich inspiriert fühlen und neu motiviert. Ich möchte nicht unter Druck stehen, Texte zu schreiben oder Fotos zu knipsen, sondern Freude haben an diesen Medien und der Möglichkeit, hier Dinge, die mir selber gut tun, zu teilen. Ich möchte Virtualität und soziale Medien als das erleben, was sie sein sollten: Ein Geschenk. Etwas, das das Leben bereichert. Und ich glaube fest daran, dass unser Bauchgefühl und ein ehrlicher Umgang mit den eigenen inneren Regungen der Schlüssel dazu sind.

Darum; Verzeiht mir bitte meine Pausen. Sie sind kein Zeichen von Desinteresse oder Lebens-Kriesen (obwohl ich schon auch zugeben muss, dass es mich in nicht so guten Zeiten weniger zum PC zieht), sondern ein Zeichen dafür, dass auch mein Verhältnis zum „www.“ etwas fast Organisches ist, das gedeiht oder kränkelt, sich mal besser, mal schlechter anfühlt, ein Zeichen dafür, dass ich dann und wann ein bisschen Abstand brauche von allem, was nicht echt und hier und jetzt geschieht.

Aber. Manchmal ist es ja genau die virtuelle Welt, die mir dabei hilft, das was „echt und hier und jetzt“ vor meiner Nase liegt, besser wahrzunehmen und achtsamer mit den kleinen Wundern darin umzugehen. Mit der Brille der Bloggerin vor Augen werden die kleinen, feinen Dinge des Lebens mir mitunter sogar schneller bewusst, als wenn ich -abgelenkt durch all die hundertausend Dringlichkeiten des Alltags-Momentes- von einem Handgriff zum nächsten haste. So gesehen können Instagram, Bloggerwelt und Co. auch echte Gehilfen sein, die einem die Lupe reichen oder einem am Ärmel zupfen, um inne zu halten und mit ausgestrecktem Finger auf scheinbar unspektakuläre Kleinigkeiten weisen, die so leicht übersehen, von geschäftigen Fort-Schritten zertrampelt werden könnten…
Heute hatte ich sie wieder einmal auf. Die Brille der Bloggerin in mir.
Gut, dass ich auch gleich meine Kamera bei mir hatte.

 

7 Kostbarkeiten eines ganz gewöhnlichen Tages

Kinderhände und die schöne Welt der Holzbauklötze.
Auch meine Kinder wachsen. Ihre Kinderzeit zerrinnt vor meinen Augen, die Zeichnungen und Bastelarbeiten wandeln sich, werden zu Illustrationen, reparierten Modell-Autos und die einstmals so freie, überfliessende Kreativität mehr und mehr kritisch hinterfragt, gefiltert,reduziert, ersetzt.
Ich bin dankbar für Augenblicke wie diesen hier. Wo ich das Kind noch erkennen kann in den heranwachsenden, jungen Menschen an meiner Seite.

Kein Foodblog-Foto, definitiv nicht, aber ich kam mir trotzdem vor wie Superwoman, als ich diese Erdbeer-Torte auf den Tisch brachte. Es gibt gerade keinen Tag hier ohne frische Erdbeeren und saftverschmierte Gesichter. Doch meistens wandern die süssen Früchtchen direkt vom Körbchen in den Mund, es bleibt mir gerade noch Zeit, sie kurz zu waschen. Von Erdbeer-Marmelade oder Erdbeerkuchen konnte ich nur träumen, was ich auch ausgiebig getan habe, immer mit einem etwas unzufriedenen Gefühl im Nacken…
Dann aber kam diese einfache und ehrlich schnelle Torte (abgewandelt, aber ein bisschen doch aus diesem Buch hier) wie durch Zauberhand zustande; eine Art riesiger Scone mit einer Mascarpone-Quark-Creme und jeder Menge süsser Erdbeeren.
Während ich noch spontan eine Meringue darauf zerkrümelte, spürte ich sie schon: die Freude, einen kleinen Wunsch und Vorsatz schlussendlich doch noch in die Tat umgesetzt zu haben…

Sie. Diese wunderbaren, kleinen, so scheuen wie lebensfreudigen Tiere. Ich glaube, dieses Foto hat seine eigene Sprache. Es ruft ganz laut „Jööö!“.
Kind2 hat es morgens aufgenommen und kam voller Stolz zu mir gelaufen: „Das musst du einfach in deinen Blog stellen! Schau nur, wie süss sie hier sitzen! Genau wie unsere ersten Meerschweinchen…“
Ein Teil des Zaubers der Haustierhaltung liegt für mich darin, die Freude und Liebe zum Tier mit meiner Familie zu teilen. Wir lachen gemeinsam über die lustigen Sprünge der Kleinen und stimmen miteinander ein in einen Chor des Entzückens, wenn wir sehen, wie die Babies sich gemeinsam an den Bauch der Mutter drängen, um ihre Milch zu trinken und sich auszuruhen von ihren jüngsten Abenteuern. Es ist nicht meine Herde. Es ist unsere. Und alles, was uns zusammenschweisst ist gut. Zu nah oder zu eng kann es gar nicht geben.

Ich habe, angeregt durch ein Telefonat mit Rita, eine Tüte Ringelblumen-Samen zwischen meine Sonnenblumen gesäht. Gelbe und orange Sonnen, die aus tiefbrauner, nasser Erde emporwachsen… Der Gedanke gefällt mir. Und ich mag Blumen, die stark sind und sich unbeirrt dem Licht zuwenden, aus dem Schatten heraus die Sonne finden und selbst geerntet und getrocknet noch leuchten wie kleine, warme Sonnen… Vielleicht weil ich selber eher zur Kategorie Schattenpflanze, Mauerblümchen gehöre? Oder mich zumindest oftmals so fühle…

Pausenmomente. Für mich rar und jedes Mal sehnlichst erwartet. Ich schlürfe kalten Minze-Tee mit Melisse oder Kaffee, den ich morgens mit etwas Milch vermischt, in einer kleinen Glasflasche in den Kühlschrank gestellt habe, und versuche, tief durch zu atmen und mich mit guten Gedanken oder belebender Inspiration zu nähren. „Taproot“ hilft mir dabei. Es sind die Visionen eines anderen, grüneren, achtsameren und selbst-bestimmteren Lebens, die in mir drin nachhallen und Steine zu verschieben beginnen… (Darf ich euch etwas fragen? Was lest ihr am liebsten, um euch neuen Schwung und Motivation zu holen?)

Eine alte, ausgeblichene Gartenbank unter einem unserer zwei Mini-Bäumchen von Kirsche. Dass ich dieses Jahr tatsächlich im Schatten eines eigenen Baumes sitzen darf, hätte ich mir nicht träumen lassen, aber ja, so ist es, und dieses unscheinbare Plätzchen im Grünen macht mir unheimlich viel Freude.
Eine Bank und ein Baum, so sieht einer meiner Land-Leben-Träume aus, ein inneres Bild, das enorm viel Geborgenheit und Frieden für mich ausstrahlt.
Zuhause… ist ein Baum. Irgendwie. Ein Ort, wo ich Zuflucht finde, Schutz und Heilung in seinem Schatten, Trost in seiner Kraft, seiner Stärke und dem Optimismus, der aus seiner von Vögeln, Bienen und Käfern bevölkerten Krone dringt.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Ich glaube, ich würde ihn für ein Häuschen draussen in der Natur ausgeben, ein Häuschen, umringt von Bäumen und Grün, von Ruhe und Leben.
Wobei… Wahrscheinlich bräuchte ich doch zwei Wünsche von der guten Fee, denn der erste muss natürlich an den Weltfrieden gehen, klar. Wir machen dann einfach einen Weltfrieden mit lauter Häuschen im Grünen und Bäumen, soweit das Auge reicht daraus…

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