Archiv der Kategorie: Wochen-Ende

Der Spatz in der Hand

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Es frühlingt unverblümt weiter, sogar die ersten Blätter spriessen und es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, da wird der Holunderbusch unserer Nachbarin, der so wunderbar zu uns herüberwuchert, üppig grün dastehen, genauso die Beerensträucher und der kleine Quittenbaum, den Herr Kirschkernzeit letzten Herbst von hinter dem Meerschweinchenstall mitten in die Wiese hinein verpflanzt hat. Ich war mir nicht sicher, ob der Baum das so leicht übersteht, immerhin ist er kein kleines Ding mehr, doch nun knospen die Blättchen und das Leben regt sich in ihm genauso wie in allen anderen Pflanzen dieses kleinen Gärtchens.
Vor ein paar Tagen waren wir alle gemeinsam im Wald, um uns gegenseitig ein wenig Osterschokolade zu verstecken (Wir machen das jeweils irgendwann nach Ostern und die “Nester” sind meist zwar eher klein, aber immer heiss begehrt). Kind1 hatte sich mit ein paar aufdringlichen Zecken herumzuschlagen, doch der Wald war friedlich und frisch wie der junge Frühling persönlich und ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich diesen Moment der Freiheit und Zufriedenheit genossen habe, das Draussensein und Zusammensein und die Natur in all ihrer Arglosigkeit und Perfektion, die jetzt, im April so ganz anders ist als der kalte, ungastliche Winterwald oder die Gluthitze des Sommers, die einem sofort wieder ins Haus treibt. Ich bin viel zu selten im Wald, überhaupt viel zu selten draussen unter freiem Himmel. Es gibt drinnen einfach immer so wahnsinnig viel zu tun, wisst ihr… und genau daran musste ich wieder denken, als ich so durchs Dickicht streifte, in aller Seelenruhe das Gestrüpp nach meinem Schokohasen absuchte und hoffte, der Zeckenspray würde seine Wirkung tun; Wie schwer es mir fällt, neben all den Aufgaben und Anforderungen des Hausfrauen- und Mutterseins auch einfach nur… zu sein, zu leben und die Seele baumeln zu lassen. Darin bin ich grottenschlecht, schlechter als schlecht sogar, man könnte fast sagen, ich bin Meisterin darin, die innere Anspannung über Wochen bis Monate halten zu können, angespannt wie ein Waschbrettbauch bei Liegestützen, ganz verloren schon in diesem Zustand und ohne überhaupt noch zu wissen, wie man loslässt, wie man die Dinge, die Sorgen, das Gefühl, gefordert zu werden und etwas leisten zu müssen, abschüttelt und nachhaltig zur Ruhe kommt.
Nun, in diesem Augenblick blinzelt so etwas wie eine Ahnung davon zu mir durch, in Momenten wie jenem neulich im Wald und auch heute abend, wo meine drei Mädchen die Nacht bei ihren Grossmüttern verbringen und ich zum ersten Mal seit ich mich erinnern kann -mit nur mehr zwei halbwüchsigen Jungs und einem Ehemann im Haus- so gut wie Sturmfrei habe, plus eine Nacht in einem beinahe leeren Bett mit dekadent viel Platz. Ich weiss, ich sollte sehnsüchtiger empfinden und meine Kinder schrecklich vermissen, aber offen gestanden fühle ich mich vor allem aufgeregt und voller Vorfreude auf die vielen Stunden, die ich nun mit all den Dingen füllen kann, die mir -neben Gutenachtgeschichten erzählen und kuschelnd Einschlafhilfe bieten- sonst noch Spass machen. Ausschlafen zum Beispiel. Nachts im Bett ein bisschen Gilmore Girls gucken, mit vollem Ton und Grossbild. Oder Stricken -Nähen gar?- ohne von einem Kind unterbrochen zu werden, das im Halbschlaf meinen Namen ruft.
Die Mädchen haben sich wahnsinnig gefreut auf ihr kleines Abenteuer. Sie haben fröhlich ihre Rucksäcke gepackt und Kuscheltiere ausgehfein gemacht, und überhaupt war das Ganze ja auch ihre Idee, obwohl sie nun uns allen gut tut; den Kindern, die die gemeinsame Zeit mit ihren Omas in vollen Zügen geniessen, den beiden Grossmüttern, die es einfach schön finden, für einmal wieder süsses, junges Leben ganz nah um sich zu haben- und auch uns Daheimgebliebenen, die wir uns heute vielleicht auch ein bisschen Extra-Zeit füreinander nehmen können, so in dieser ungewohnten, sehr reduzierten Konstellation. Gestern und vorgestern schon gab es die eine oder andere spätabendliche Jass-Runde zwischen den Jungs, Herrn Kirschkernzeit und mir, es könnte durchaus sein, dass ich meine Denkspiel-Phobie heute nochmals mit meiner Teilname zu therapieren versuche (ich scheine allerdings echt unfähig zu sein, auch nur ansatzweise strategisch zu überlegen)…
Wie auch immer. Ich bin gerade ziemlich glücklich. Heute wenigstens. Es ist schön, eine Familie zu haben, die so miteinander verwoben ist, Grossmütter, die für ihre Enkelkinder echte Bezugspersonen sind und ihnen so nahe stehen, dass alles Fremde zwischen ihnen verschwunden ist und sich ihre Häuser wie eine Erweiterung des eigenen Zuhauses anfühlen, nicht wie “anderswo”, wo man zu Besuch kommt. Gerade das Haus meiner Mutter ist meinen Kindern wahrscheinlich genauso sehr ein Zuhause wie unser grosses, altes Haus hier an dieser viel zu befahrenen Strasse mitten im Dorf und die Oma hat immer zum Alltag mit dazu gehört, ganz selbstverständlich und unhinterfragt. Das gibt mir ein gutes, sicheres Gefühl und ihnen noch ein Stückchen Geborgenheit mehr, wofür ich unglaublich dankbar bin.
Wisst ihr, immer wieder hadere ich mit meinem Leben. Es kommt mir zu banal vor und ich zu wenig spannend oder abenteuerfreudig oder initiativ. Dann sehne ich mich wieder nach dem Bauernhaus meiner Träume, abseits von allem, mit grossem Garten, Bäumen, etwas Wald, mit Wiesen und Weite und der vollen Kraft der Natur gleich vor der Haustüre. Ich male mir aus, wie wir ein paar Ziegen halten (ich mag Ziegen!), eine grosse Volière für heimatlose Wellensittiche bauen, wie die Kinder ein Kinderleben führen, das fern aller Schulsysteme und Stundenpläne im Einklang mit der Natur und ihrem eigenen Rythmus vor sich hin fliesst und fühle mich entmutigt, weil all das unerreichbar fern bleibt, ein schillerndes Traumland, das wohl niemals Wirklichkeit werden wird für mich.
Doch die Kinder sind sehr glücklich hier. Sie lieben dieses Haus und dieses Dorf und haben ihre Wurzeln geschlagen. Und da ist die Familie, die sie hier umgibt, Onkel und Tanten und Grosseltern, die rundherum an ihren Orten verteilt wie Grundmauern wirken, schützend und umgebend und erreichbar und real. Das sollte mir mehr wert sein, finde ich, als es oftmals ist. Träume sind wunderbar, gewiss, aber genauso wunderbar ist doch der Spatz in der Hand. Und heute bin ich einfach nur dankbar. Für all diese Dinge und Entwicklungen, für das kleine Baby meiner Schwester, das im Sommer zur Welt kommen wird, um dieses grosse Familiengeflecht noch zu bereichern, für diesen Tag hier, für Jasskarten und Salamisandwiches und knospende Quittenbäume, für die besten Grossmütter der Welt und eine ganze Matratze nur für mich allein.
Es lebe das Leben, das geschieht, während wir andere Pläne machen.

PS. Und weil mir grade so danach ist, muss ich hier gleich noch meine aktuellen Lieblingslieder verewigen; “You’re the reason why” von den Rubettes (Oldies forever!) und “Waiting on the World to change” bestechend nterpretiert von den Jungs von “Flash Mobb Jazz”.

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ein Bild erzählt: frischer Wind

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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“Alli Farbe, wonich gärn ha, hanich gmaaled”, erklärte meine Kleinste, als sie dieses Bild hier mit mir besprach. (“Alle Farben, die ich gern habe, hab ich gemalt.”)
Es ist das allererste Bild, das sie gezielt mit Farbe füllt und ich finde die Ausstrahlung dieser simplen Komposition ungeheuer hübsch. (Mal ganz abgesehen davon, dass sie offensichlich einfach alle Farben mag *zwinker*)
Ich habe ihre Zeichnung in der Küche aufgehängt und eine Vase mit den Zweigen einer geschnittenen Weidenhecke, die ich gestern bei einem Waldspaziergang unter strahlend blauem Frühlingshimmel gesammelt habe, dazugestellt. Die Sonne schien und alle Welt war unterwegs, um soviel Licht und Grün zu tanken wie nur irgend möglich. Abends spannte meine Haut vor lauter ungewohnten Sonnenstrahlen, doch das war mir einerlei, denn dieses Frühlingserwachen tut so unwahrscheinlich gut nach dem langen, harten, verlustreichen Winter, der hinter uns liegt…
Mein Kindergartenkind pickte Federn vom Waldweg, sie rannte voraus und liess ihre langen, glatten Haare flattern. Meine Grosse legte sich flach auf den Boden, schmiegte die Wange an die Erde und schloss versonnen die Augen: “Ich muss einfach Energie tanken”.
Wie recht sie haben. Alle beide. Wir sammeln und trinken uns satt an Licht, Leben, Natur und neu entpupptem Freiheitsgefühl. Und irgendwie erwacht nicht nur das Leben da draussen von neuem, auch in uns spriessen neue Hoffnungen, frisch gewagte Pläne strecken ihre Köpfchen wie Blattknospen an kahlen Zweigen…

Ich habe viel vor die nächsten Tage. Kleinigkeiten nur, wie die Wiedereinführung eines Menuplans oder ein Besuch beim Brockenhaus, um alten Gerümpel loszuwerden. Heute habe ich ein Raumspray gemacht aus Wodka und ätherischen Ölen, denn ich möchte mich vermehrt mit der Kraft der Kräuter (dieses Buch hier ist gerade unterwegs zu mir), mit hausgemachten Pflege- und Haushaltsmittelchen beschäftigen, einfach um die Energie fliessen zu lassen, die viel zu lange gestockt hat, und weil ich spüre, dass ich einen Schritt weitergehen möchte im Thema “grün und einfach leben”.

Ja, grün und hell und leicht- so wünsche ich mir meine Frühlingstage.
Sie haben wunderbar begonnen…

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märchenhaft

Wie viele banale Momente es gibt in meinem Leben, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Es ist wie vielerorts, ganz durchschnittlich, meistens wenig spannend, aber öfters einmal ziemlich spannungs-reich, und obwohl immer etwas los ist, passiert eigentlich gar nicht viel…
Manchmal fehlt mir das. Der Zauber. Die Magie. Das Märchenhafte.

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Aber dann blitzen kleine, süsse Momente auf, in denen ich einen Hauch davon entdecke. Vom Wunderland. Vom Zauber. Von der Magie. Vom Märchenhaften.
Heute morgen zum Beispiel, als ich die Haustüre öffne und mich ein volles Vogelkonzert empfängt. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Naja, vielleicht kein grandioses Vogel-Philharmonie-Orchester, aber für eine kleine, fröhliche Bluegrassband reicht es, und ich meine, das ist doch immerhin etwas, genug, um in mir einen Spross Frühlingsvorfreude keimen zu lassen. Denn ich freue mich auf den Frühling, oh ja, in diesem Jahr vielleicht mehr als jemals zuvor (wobei, das denke ich wohl jedes Mal).
Und gestern der Schwarm Stare auf der grossen Tanne vor dem Haus. Ein Zwitschern und Zwatschern, bei dem einem ganz warm wird ums Herz.
“Hört ihr das? Sie sind wieder da! Die Stare sind zurück- Das bedeutet, es wird Frühling werden”, sage ich zu meinen kleinen Mädchen, die natürlich anderes zu tun haben, als mir zuzuhören, aber das ist mir einerlei, Hauptsache, die Vögel bringen den Frühling aus dem Süden.
Ich bekomme Lust aufs Saubermachen und aufs Schön-Herrichten. Das ist das, was ich am allerliebsten mache, wenn ich es mir genau überlege; die Dinge schön machen. Darum räume ich auf, versuche, es kuschelig und sauber, gemütlich und persönlich zu machen hier in unserem Zuhause. Darum stricke ich und nähe ab und zu. Darum schüttle ich die Kissen auf und lege eine handgemachte Patchworkdecke aufs Bett. Darum setze ich Tulpenzwiebeln in die braune, kalte Herbst-Erde und fege den Gartenweg zum hunderttausendsten Mal, obwohl der Wind sofort neue Tannennadeln darauf verstreuen wird. Darum wasche ich und putze und koche und versuche, den Dingen einen Namen, ein Gefühl, eine Bedeutung zu geben. Damit es schön wird, damit auch die Dinge, die uns umgeben wert-voll und sinn-voll werden und sich das Haus, der Alltag mit… ich weiss nicht… mit Schönheit und Geborgenheit füllt.

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Spannend ist ja, was passiert, sobald ich es geschafft habe, etwas Ordnung und Ruhe in eine dieser schon wieder völlig verunstalteten Ecken zu bringen. Die meisten Räume sind nach all den Zimmer-Tausche der letzten Jahre noch immer nicht wirklich fertig, fast überall fehlen noch Bilder oder die Wände sind voller alter Nagellöcher und Striemen und Flecken, und Möbel stehen irgendwie wahllos an ihren Plätzen, so dass es mir jedes Mal einen Stich gibt, wenn ich durch die Zimmer gehe, um zum Beispiel die Wäsche in den Schränken zu verräumen. Ich brauche sehr viel Struktur und klare Verhältnisse und die vielen unfertigen Projekte in diesem Haus nagen langsam an mir. Ein frisch geputzter Raum aber lässt immerhin ahnen, wie es einmal aussehen könnte und macht es mir leichter, die Spannung des Dauerumbaus auszuhalten und mich an dem zu freuen, was wir haben. Mit der Ordnung kehrt jedes Mal (kurz) Ruhe ein. Und neue Inspiration findet ihren Weg. Auch zu den Kindern, die sich aus alten Seidentüchern und den Kinderstühlchen sofort ein Märchenzelt bauen, kaum habe ich den viel zu schweren Staubsauger aus der Tür des gelben Kinderzimmers gezerrt. Wie Scheherazade sitzt mein Kindergartenmädchen in ihrem neu geschaffenen, kleinen, bunten Reich und erzählt ihrer kleinen Schwester Märchen und Geschichten, die auch das eine oder andere Kuscheltierchen ganz faszinierend findet, wie mir scheint…

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Märchenhaft finde ich auch die kleine Szene aus Filztieren, Blumenkindern, ein wenig Krimskrams und einem grossen, grasgrünen Seidentuch, die mir meine Grosse als liebevoll vorbereitete Überraschung auf dem Buffet in der Küche inszeniert hat. Die Tür musste bis zuletzt geschlossen bleiben, damit auch ja nichts davon durchsickern konnte, und ich hatte wirklich keine Ahnung, was genau sie da in der Küche zu nuschen hatte… Eine echte Überraschung also. Eine wunderbare, wunderschöne, wirklich zauberhafte.
Das letzte Mal, dass wir einen Jahreszeitentisch hatte, scheint mir ewig lang her zu sein. Das Kindergartenkind war ein so sorgfältiges und vorsichtiges Kleinkind, da konnten wir unser Jahreszeitenbrett einrichten und ausarrangieren, wie auch immer wir wollten, ganz nach Herzenslust, ohne dass kindliche Neugierde und Spieltrieb eine grosse “Gefahr” dafür darstellten, denn sie spielte zwar mit den Püppchen, Zwergen und Tierchen, aber alles, was sie anfasste, blieb heil und schön, veränderte sich zwar in einem Mass, dass man die Szenerie es als lebendig empfinden konnte, aber in der Grundstruktur blieben unsere Kulissen und Jahreszeitenwelten in etwa erhalten. Keine heruntergerissenen Tücher, keine zerrupften Zwergenbärte, keine Filztiervögel irgendwo unter dem Kopfkissen. Mit meiner Kleinsten hingegen änderte der Wind; ein Jahreszeitenfensterbrett hätte während ihren Kleinkindjahren keine zehn Minuten lang überlebt…
Heute, mit ihren fast drei Jahren hingegen, scheint die Zeit reif zu sein für ein Jahreszeiten-Tisch-Revival. Sie bestaunt den wunderschönen Filzfuchs von Allerleirau, der seinen Weg vor wenigen Tagen erst hierher gefunden hat -meine persönliche Versöhnung mit dem Fuchs und ein innerer Abschluss des Abschieds-Themas, das mich seit dem 8. Februar immer ein wenig begleitet und belastet hatte.
Sie pickt sich das eine oder andere aus der Szenerie und spielt ein wenig mit den niedlichen Blumenmädchen (von “Famille Verte”), doch sie tut es heute sanft und liebevoll und gibt sich Mühe, später alles wieder an sein Plätzchen zu stellen- oder ihm ein neues zu finden. Vielleicht wird der Jahreszeitentisch bleiben, ich weiss nicht. Jetzt sieht er jedenfalls sehr hübsch aus, so wie mein Mädchen ihn für uns eingerichtet hat, märchenhaft eben, ein bisschen wie das verwunschene Wunderland, nach dem ich mich so oft sehne…

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Wochen-Ende; sibirisch

:draussen:

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Lieber Himmel, was für eine Kälte! Heut früh begrüsste mich und mein Kindergartenkind der kälteste Morgen dieses Winters, und ich muss sagen, meine Wangen hegten keinen Zweifel daran; dieser Wind! Sibirisch! Wie Eishände!
Interessanterweise scheint auch heute eine äusserst freundliche Wintersonne auf uns herab, was wohl ein kleiner Wintertrick sein soll, um uns Mummelmäuse aus dem Haus zu locken; man wähnt sich nach einem Blick aus dem Fenster bereits halb im Frühling und schnürt ahnungslos umgehend seine Schuhe- nur um dann vor der Haustür von Väterchen Frost eiskalt erwischt zu werden. Gottlob sind Mützen, Schal und Handschuhe nur einen Griff weit entfernt, sonst könnte das Ganze mit Frostbeulen enden.
Gestern nachmittag allerdings konnten selbst die aktuellen Minustemperaturen (ganze Minus 9 Grad heute vormittag um halb zehn!) uns nicht länger drinnen halten. Der Wind war grausam, der gefrorene Wald mit zu Eis erstarrten Rinnsalen und einem zugefrorenen Teich (das ist EIS da oben auf dem Bild, kein stehendes Wasser!) dafür wunderbar romantisch und sonnengefleckt. Die Kinder beklagten sich zuerst über raue Hälse und laufende Nasen, doch mit der Zeit nahm der Zauber dieser Landschaft selbst sie gefangen und aus den lautesten Protestschreiern wurden die begeistertsten Eis-Sammler und Eiszapfen-Lutscher. Ein paar der gesammelten Eis-Skulputeren lagern nun in unserem Garten und harren der Dinge, die da kommen mögen. Mein grosses Mädchen plant ein Eisschnitzerei-Kunstewerk und Kind2 hat  seinen “Eis-Zahn” vorsorglich im Tiefkühler gelagert. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich den Wald zwar wirklich wunderschön fand und es genoss, endlich wieder einmal an der frischen (frischen!) Luft zu sein, doch der allerschönste Teil dieses Spazierganges war ganz klar das Heimkommen: zu heisser Schokolade  mit Schlagrahm (nach diesem Rezept, mein allerliebstes überhaupt, mir reichen allerdings 50gr. geschmolzene Schokolade darin, sonst wird es mir zu säuerlich).

:drinnen:

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Drinnen laufen die Heizungen auf Hochtouren. Im Schlafzimmer stelle ich sie nach wie vor ganz aus, denn die beiden kleinen Mädchen und der Mann neben mir im Bett wärmen besser als jede Wärmflasche, aber überall sonst muss es jetzt einfach warm sein. Besonders auch, weil hier im Dorf die Grippe umgeht, teils arg mit hohem Fieber, teils nur in reduzierter Lämmchenform, wo die Nase läuft und der Hals kratzt und die Kranken sich müde und schlapp fühlen, zu nichts zu gebrauchen, für Schule schon gar nicht.
Jedes meiner Schul-und Kindergartenkinder kam darum bereits in den “Genuss” einer kurzen Schul-Auszeit, wo es sich -obwohl ihr Zustand nicht wirklich dramatisch war- zuhause in aller Ruhe und Geborgenheit ausruhen und vom Alltag erholen durfte. Soviel Zeit und Musse muss einfach sein. Um den Körper zu schonen und vor Schlimmerem zu bewahren. Es muss ja nicht aus jeder Mücke ein Elefant werden- darum sollte man manchmal auch Mücken etwas Zuwendung schenken…

Ich gebe mir noch immer grosse Mühe, nur wenig Kaffee zu trinken und Zucker weitgehend zu umgehen. Beides tut mir wirklich nicht besonders gut (schmeckt aber natürlich einfach herrlich und hat so lange schon zu meinem Leben gehört) Die Kombination aus beidem kann absolut verheerend wirken. In kleinen Dosen aber ist es okay. Und ein Geschenk. Ich geniesse jede Tasse Kaffee und jedes Stückchen Schokolade und bleibe im Zwiegespräch mit meinem Körper, der mir genau sagt, was er von den Dingen hält, die ich ihm so einverleibe. Gerade mag ich Tee mit grünem Hafer (auch so ein Tipp von Mamaniflora) und Rosenknospen, etwas Kamille und ein wenig Minze. Und dann ist da der grüne Tee mit Jasmin, dem ich regelrecht verfallen bin und wo ich jeden Teebeutel zweimal aufgiesse (ich liebe diesen hier! Er schmeckt nur sehr leicht nach Jasmin, ist mild, natürlich und scheint meinem Magen gut zu bekommen). Mittlerweile trinke ich ihn sogar ungesüsst, kein Zucker, niemals Honig, so wie ich alle Tees momentan trinke. Wie gesagt, der Körper hat eine klare Sprache, und irgendwann folgt ihm auch der Verstand…
Gerade sagt er mir auch, dass Wolle absolut unentbehrlich ist (was für eine Überraschung…). Ich trage Wolle von Kopf bis Fuss, dick in meinen kaffeebraunen Homestead-Schal und meine gute, alte Shalom eingemummelt und mit Wollsocken bestückt. Es fühlt sich perfekt an. Sehr winterlich und rund. Damit überstehen wir selbst den sibirischen Winter, der es sich hier bei uns gemütlich macht.
Allerdings liegt kaum echte Wolle auf meinen Nadeln. Dafür eine etwas knorzige Mischung aus Seide und Baumwolle (Lang Yarns Seta Tweed), die mir zuerst ziemlich holprig von den Fingern glitt, weil die kleinen Tweednoppen wie Stolpersteinchen wirken und der Faden rau und uneben ist. Jetzt, nach zwei von vier verstrickten Farbknäueln habe ich mich vollkommen daran gewöhnt und freue mich sehr an diesem kleinen Projekt: Es soll ein einfacher Dreiecksschal werden mit vier Blockstreifen in Beige, zweierlei Braun und Schwarz, ein Geburtstagsgeschenk für eine liebe Freundin, die leider dank Neurodermitis allergisch auf Wolle reagiert. Ein Schal im Stil von “Nordic Wind”, aber ohne Anleitung.
Es ist so eine wunderbare Arbeit! Simpel, beruhigend und mit den schönsten Farben, die dieser Winter mir zu bieten hat. Jedes Mal, wenn ich sie zu Hand nehme, geht mein Herz in Flammen auf…

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