Archiv der Kategorie: what makes me happy

dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

Veröffentlicht unter Familienalltag, Stricken, what makes me happy, Zuhause | 8 Kommentare

am Werk

Für unsere erste Ladung Apfelringe, die hier vor allem bei den Knirpsen heiss begehrt sind, konnte ich die allerhübschesten Bambus-Dosen ever finden; Zwei unglaublich süsse „Lunchbox Deluxe“ von „Bamboofriends“ (zB. bei Chicmic, in meinem Fall aber entdeckt bei Orell Füssli während einer herrlichen, kurzen Stöbertour, die ich am liebsten eeeewig ausgedehnt hätte *seufz*). Der Preis war recht happig, aber ich konnte trotzdem nicht an mich halten und musste einfach zwei dieser Schätzchen mit nach Hause nehmen. Vor allem die Muster „Rustic Flowers“ mit den wahnsinnig schönen Kornfeld-Bauernblumen und „Romantic“ mit seinem zarten, floralen Print, sind einfach zu schön, um wahr zu sein… Allerdings finde ich sie alle schön. Schön, schön, schön! Wenn ich so darüber nachdenke, glaube ich; Ich will sie alle!
Seit einer Weile bin ich dabei, all unsere Plastikboxen -von denen wir jetzt nicht unbedingt viele hatten, aber für mein Gefühl noch immer viel zu viele- gegen nachhaltigere und ästhetischere Vorrats- und Znünidosen einzutauschen. Gerne mag ich die glänzenden, äusserst robusten Metallboxen von „Eco Brotbox“, mit denen ich dann und wann unseren Vorrat an Dosen wieder ein klitzekleines bisschen aufstocke (Mini-Schrittchen führen auch zum Ziel), aber diese bunten Bambus-Boxen sind eine ganz wunderbare Abwechslung und dank ihrem künstlerischen Touch auch einfach ein zauberhafter Augenschmaus.
Rein mit den Apfelringen.
Oder mit den Keksen.
Oder was auch immer.
Für unterwegs stelle ich sie mir zwar nicht so stabil vor (Ich habe ein Set Kindergeschirr aus Bambus, „Biobu Bambino“ von „Ekobo“, und nach einmal Runterfallen sind da bereits kleine Ecken ab), aber für zuhause oder in den Händen eines sorgfältigen Menschen sehe ich keine Probleme. Die Kinder jedenfalls werden keine meiner Blumenprint-Dosen für unterwegs mitbekommen. Metalldosen vielleicht, aber in naher Zukunft wohl eher die letzten verbleibenden Exemplare unserer alten, ollen Kunststoff-Brotdosen. Die dürfen sie dann nach Herzenslust fallen lassen oder in der Schule vergessen…
Was die Apfelringe angeht; Ich fand es ganz nett, sie zurecht zu schnippeln und mit meinen beiden kleinen Mädchen mit Zitronensaft zu bepinseln. Ja, mit Pinsel. Für ein extra-artistisches Gefühl. Beim Trocknen war ich mir zuerst unsicher, auf welche Stufe ich meinen uralten Dörrex stellen sollte, aber mit einer 2 scheine ich ganz gut gefahren zu sein; die Ringe sind weich aber nicht mehr feucht und auch für kleine Milchzähnchen im Wackelzustand gut zu kauen und beissen. Allerdings habe ich erst jetzt bemerkt, wie warm so ein Dörr-Apparat wird. Im Eifer des Gefechts heizt er einen Raum ganz schön auf- was jetzt nicht unbedingt das ist, was mir vorschwebt, bei bereits an die 30 Grad Sommerhitze *hüstel*. Darum verschiebe ich Ladung 2 und 3 und 4 und so auf kühlere Tage. Dann sind vielleicht auch die Äpfel noch ein wenig süsser…

Heute ist die Küche aber auch ohne Dörrex ziemlich warm geworden; ich wollte einen Teil der Früchte verbrauchen, die hier gerade unsere Regale füllen und habe ein grosses Blech Tarte gebacken, eine „Nektarinen-Tarte“ aus Leila Lindholms Buch „Backen mit Leila“. Weil ich zu wenig Quark da hatte, kam Philadelphia rein, und -schwupps- wurde aus der Tarte eine Art Cheesecake mit Fruchtbelag und Mandelstreuseln. Ungeheuer sommerlich und unglaublich üppig. Vor allem wenn man, wie ich, noch einen Krug Vanillesauce dazu kocht. Völlig übertrieben. Aber ich war gerade so schön in Schwung…
Jetzt ist mein Magen voll und mein Körper eigentlich zu schläfrig für unser Abendprogramm aus Kinderbüchern, Milchzähne-Schrubben und Bettzeiten-Einfordern. Die Vorstellung, spätabends dann nach vollendetem Tageswerk auch noch meine verunstaltete Küche wieder in Ordnung zu bringen, versetzt mich auch nicht gerade in Hochstimmung, aber was sein muss, muss sein. Zur Belohnung werde ich mir eine Kanne Holunder-Sirup gönnen; ein Teil Holunderblüten, ein Teil Holunderbeer, ein paar Spritzer Zitrone dazu- fertig. Süss und säuerlich in einem. Und dann natürlich ein bisschen „Hercule Poirot“. Aus der 8. Staffel, die erst vor kurzem im Milchkasten lag, begleitet von Staffel 9, denn von Hercule kann ich einfach nicht genug bekommen…
Meine kleine, waldgrüne „Tama“ leistet mir dabei Gesellschaft und lässt meine Hände werken und wirken, ohne dass mein Kopf allzu sehr von Maschen und Mustern in Beschlag genommen wird. Ein feines, kleines Projekt. Genau richtig für Abende wie diesen. Nach Tagen wie diesen.

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Aus meinem Tagebuch: Lavendelsommer

Ein Eintrag vom 27.8.2018

Fast hätte ich mich hingesetzt, um eine Ode zu schreiben, eine Ode an den Sommer. Aber das wird es wahrscheinlich nicht, stattdessen eine Ode an den Moment, an diesen Augenblick, der so glücklich ist. Es ist ein einfaches Glück, aber Glück ist Glück, das fragt man nicht, welcher Art. Obwohl… wenn ich es benennen müsste, dann würde ich sagen; es ist ein Lavendel-Glück. Lavendel, weil ich gerade die Balken des Gartenhäuschens mit dicken Sträusschen Lavendel behänge, zum Trocknen für Duftkissen. Ich habe sie zu spät geerntet, alle Blüten sind bereits verblüht und bedecken nun in blass-blau-violetten Krümelchen den Laubenboden, weil sie nicht mehr gut an den Stängeln haften. Doch der Anblick der vielen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge in meinem Lavendel-Beet war einfach zu schön, zu richtig… Lieber ein paar Duftkissen weniger. Spielt ja keine Rolle. Den Bienen hingegen schon.
Lavendel aber auch, weil dieser Sommer heiss ist. Wahnsinnig heiss. Und trocken. Wahnsinnig trocken. Nicht nur unsere Region dürstet, die ganze Schweiz steht in Dürre, gelbe Rasen, Stoppelfeld-Weiden, versiegte Quellen, Rinnsale statt Flüsse. Trotzdem liebe ich diesen verrückten, ausser Kontrolle geratenen Sommer. Wirklich, ich sauge ihn auf wie Erde den Regen. Ich weiss, eigentlich sollte die Hitze mir zu schaffen machen, denn das hat sie immer getan, doch das tut sie nicht. Es verblüfft mich selbst, aber es scheint, als würden Licht und Wärme mich aufrichten und nähren. Jetzt kann ich plötzlich nachvollziehen, wieso es manche Menschen in den Süden zieht…

Die letzten 2 Tage überraschten mich mit einem Geschenk: Zeit. Freie Zeit. Ich-Zeit. Das beste, was einem in den Schoss fallen kann. Herr Kirschkernzeit wurde von einem plötzlichen Anflug von Urlaubs-Laune und Ausflugslust erfasst, packte das Auto voll mit Kindern und brauste davon in Richtung Wasser. Da mich die Unterstützung meines jüngsten Bruders und meiner Schwiegermama wunderbarerweise entbehrlich machte, blieb ich dankbar zuhause, hütet die Meerschweinchen, hörte Musik und strickte mich glücklich in einen weiteren Sommertag hinein… Mein blaues Zilver-Tuch wird vielleicht sogar pünktlich zum 9. Geburtstag meines Mädchens fertig. Garn habe ich mehr als genug, allein die Zeit wird wohl den Rahmen setzen. Ich plane noch mindestens einen Muster-Rapport und dann eine grosszügige kraus rechts gestrickte Borte zum Abschluss. Es haben sich Fehler eingeschlichen: die glatt rechten Zwischenstreifen sind unterschiedlich breit, aber ich bin gerade dermassen optimistisch unterwegs, dass ich unbekümmert darüber hinweg sehe und mir einrede, dass diese Unregelmässigkeit keine grosse Sache ist und ein Tuch sowieso die meiste Zeit über gerafft und gefaltet um Hals und Schultern getragen wird.
Das Blau jedenfalls gefällt mir mit jeder Reihe besser. Lavendeltage-Blau. Sommerabendblau. Blutmondsommerabendblau sogar. Exakt das Blau, das ich im aktuellen Gudrun Sjöden Katalog so hinreissend finde (Jesses, genau diese Künstlerbluse hat mir noch gefehlt in meinem Kleiderschrank!)
Mein Lavendelsommer hat auch einen Soundtrack. Energievolle, ausdrucksstarke Erdboden-Musik, Trommel-lastig, Beat-schwer, emotional. „Omnia“ spielt da ihr „Fee Ra Huri“ (schwindelerregend!). „Faun“ mindestens zwei seiner jüngeren Stücke; „Federkleid“ mag ich sehr, „Walpurgisnacht“ aber ist mein heimlicher Liebling (trotz dem esoterischen Video). Die volle, dunkle Männerstimme im Refrain erinnert mich an Metallicas „Nothing Else Matters“ in der San Francisco-Symphonie-Orchester-Version, bei der ich auch heute noch eine Gänsehaut kriege, so schön finde ich dieses Stück in dieser Form. Auch wenn ich ganz klar nicht für Metal oder Rock gemacht bin, zieht es mich momentan zu eher schweren, heftigen Klängen, was ganz untypisch ist für mich, aber andererseits fesselt mich alles, was leidenschaftlich ist, eigentlich (beinahe) jede Art von Musik (auch Klassik, sogar Schlager), solange echte Emotionen darin schwingen.
Die italienische Gruppe „The SIDH“ ist gerade eine absolute Offenbarung für mich; Ich bin ihr momentan schwer erlegen und höre mir in meinen freien Momenten fanatisch jedes Stück von ihnen an, das ich auf You-Tube finden kann. Ihre Konzerte müssen grossartig sein, der reinste Hexenkessel mit virtuosen Flöten-und-Dudelsack-Sessions irgendwo zwischen Dub, Celtic, Electro und Metal. Grandios. Dieser Mix ist schlicht atemberaubend. Besonders schön finde ich dieses recht verspielte Stück hier: „Sopra il Livello Medio“. Es macht in seinen über 6 Minuten Spielzeit eine Methamorphose nach der anderen durch, von elektronischen Tönen über Folk zu HipHop in irgendeiner Variante zurück zu Celtic bis hin zu etwas, was sowas wie ein Jazziges Gefühl in mir auslöst.
Flow.
Flow Pur.
Trotz seiner Härte ist allerdings das hier mein Lieblingsstück: „Iridium“. Wobei, vielleicht ist es vor allem mein Lieblings-Clip, ich weiss nicht recht… Die Kraft und Virtuosität der Musik verschlägt mir glatt den Atem. Aber dann das Video… Auf düstere Weise wunderschön. Ich mag es, wenn man sieht, wie Musik gemacht wird. Ohne halbnackte Figuren und eindeutig zweideutige Dancemoves. Keine Bettszenen-Lyrics, nichts, worüber ich aktiv hinweghören müsste. Hier spielen junge Männer ihre Instrumente und sie spielen sie gut und verblüffend kombiniert. Und dann diese Hände…

Mein Lavendelsommer ist bodenschwer. Und gleichzeitig frei. Das Gefühl, das man hat, wenn man sich tropfnass nach einem Schwumm im Pool auf die sonnenwarmen Bodenplatten legt und die Augen schliesst.
So sollte es sein.
Und bleiben.
Manche Momente möchte man einfach für länger festhalten…

PS. Dieser Text hier liegt schon ein paar Tage zurück. Ich habe ihn in meinem Tagebuch notiert, kam aber nie dazu, ihn hier im Blog einzutippen, weil rund um die Uhr etwas los zu sein scheint.
In der Zwischenzeit hat meine Grosse Geburtstag gefeiert. Das Tuch wurde nicht fertig. Dafür eine riesengrosse Schokoladen-Pavlova mit Sahne und Schokocreme. Das Baby meiner Schwester ist zur Welt gekommen (Ein kleiner Junge!). Ich freue mich wie eine Verrückte darauf, endlich wieder Babyduft einatmen zu dürfen. (Hoffentlich fange ich nicht auch noch an, an ihm zu knabbern.) Es hat noch immer kaum geregnet und wir haben bis auf weiteres generelles Feuer-Verbot. In der Nähe hat beim Mähen ein Feld Feuer gefangen, konnte aber rasch wieder gelöscht werden. Auch das 1. August-Feuerwerk fällt heute aus. (Die Hunde und Katzen danken.)
So ist er, mein Lavendel-Sommer.

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sommerlich gemächlich

Sommer.
Ferien.
Zeit und Gemächlichkeit und eine Ahnung von Freiheit, ein Gefühl wie baumelnde Füsse, die in kaltes Seewasser tauchen.
Ich fühle mich wohl und so entspannt, dass ich Kaffee trinken kann, ohne auch nur einen Hauch von Gegrummel in der Magengegend (wobei ich ja auch sehr sensibel geworden bin, was das für mich gesunde Mass betrifft und frische Kräutertees meinen Kafee-Genuss mittlerweile bei weitem übertrumpfen). Ohne starres Zeit-Raster im Nacken, verlässt mich das nagende Gefühl, unbedingt noch rasch etwas Süsses futtern zu müssen, und ich esse bewusster, frischer, noch weniger Zucker als sonst -verglichen mit den Unmengen, die ich noch vor einem Jahr tagtäglich an Schokolade und Co. verdrückt habe- dafür mehr Gemüse oder einfach nochmals ein Extra-Tässchen eiskalten Minzen-Tee zum Nachtisch. Es ist nicht so, dass mir das besonders wichtig wäre. Ich denke nicht gerne über das Essen nach- ich esse einfach. Aus dem Bauch heraus. Für meinen Bauch. Aber ich finde es schon spannend, wie stark Hunger, Appetit und spezifische Gelüste mit unserer Psyche zusammenspielen, wie stark das eine das andere beeinflusst und wie schnell und problemlos der Körper in ein doch relativ gesundes Essverhalten zurückfindet, sobald es dem Menschen, dem ganzen Menschen, wirklich gut geht.
Und ja, es geht mir gut. Ich fühle mich wieder kräftig. Habe zu Mut und Elan zurück gefunden und traue mir auch wieder zu, raus zu gehen, raus in die Welt, Leute zu treffen, mich mit meinen Kindern in einen Zug zu setzen und ein klein wenig zu reisen, kurz vielleicht nur, Ministreckchen, rein regional, aber immerhin; für mich ist das ein grosser Erfolg, denn so viel Nervenkraft und Atem hatte ich schon lange nicht mehr: Genug Puste, um mit dem Fahrrad und zwei kleinen Mädchen im Schlepptau und den drei Grossen im Blickfeld über den Hügel zu meiner Mama zum Baden zu fahren. Die Courage, eine wunderbare Bloggerin, die ich noch nie gesehen habe bisher, demnächst auch einmal in Real zu treffen (das braucht immer enorm viel Überwindung für mich). Die Gelassenheit, mein Haus zu öffnen und auch mal Besuch zu haben, obwohl das Haus niemals, niemals, niemals gästefein aussehen wird, was mich jedes Mal beschämt, weil ich den Schmutz und das Chaos zwar sehe, aber beim besten Willen nicht bezwingen kann.
Und tatsächlich gab es sogar sowas wie zwei echte kleine Geburtstags-Feiern in den letzten Tagen. Nicht nur so im Mini-Familienkreis-Format, sondern schon ein wenig ausgedehnt auf die einen oder anderen Tanten und zwei Grossmütter, was zwar noch immer keine richtige Party hinhaut, sich aber bereits wunderbar gesellig und reichhaltig anfühlt und die Geburtstags-Kinder jedes Mal strahlen liess vor Freude. Hach ja, es waren schöne Tage. Es sind schöne Tage. Süsse Tage. Pavlova-Tage.
Die beiden Torten-Fotos oben zeigen übrigens zwei verschiedene Geburtstags-Kuchen, einmal von meinem Kindergartenmädchen, das andere Mal feierlich beleuchtet vom 16. Geburtstag meines Erstgeborenen. Beide hatten sich Meringue-Torten gewünscht. Mit Sahne-Jogurt-Füllung und Sommerbeeren. Beiden konnte ich diesen Wunsch erfüllen. Pavlovas sind so tolle Backwerke, absolut simpel, aber mit echter Wow-Wirkung und ein kulinarischer Hochgenuss, sofern man Meringues mag. (Ich selber gehöre nicht dazu, muss ich gestehen. Für mich dürfte es gerne jedes Mal einer dieser herrlich matschigen Schokotruffe-Torten sein, yammie…)
Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mehr im Leben zu stehen. Geburtstage auch wirklich feiern und geniessen zu können und sehen zu dürfen, wie glücklich unsere Liebsten sind, zufrieden mit Kleinigkeiten wie einem gelungenen Kuchen, einer Handvoll Kerzen und zufriedenen, herzlichen Menschen an ihrem Tisch, die es gut mit ihnen meinen… So schlichte Dinge. Aber grosse Momente.
Wie der Falter, der heute bei uns im Schmetterlings-Hotel ausgeschlüpft ist. Unser dritter Schwalbenschwanz dieses Jahr, und doch wird man es nie satt, dieses Wunder, trotzdem werden die Augen der Kinder gross und der Blick konzentriert, die Haltung gespannt, die Sinne geschärft für jeden Flügelschlag, den das zarten Tier tut, bis es endlich seine Weg nach oben in die Lüfte findet…
Ja, kleine Dinge.
Ich lerne immer wieder von neuem, mich im Kleinen zu verlieren. Und dankbar zu sein dabei. Wahrscheinlich hat man nie ausgelernt, was diese Kunst betrifft und nur allzu rasch falle ich wieder in mein altes Muster des Hetzens und Klagens und Zweifelns zurück. Weil sich das vertrauter anfühlt als Inne zu halten und den Fokus schmaler zu schnüren. Mit Augen nur für das Zucker-Stück im Augenblick. Wie meine 3Jährige mir mit Begeisterung sämtliche Stoffservietten, Stricklappen und Taschentücher zusammenlegt zum Beispiel. Schön Ecke auf Ecke, drehen, Ecke auf Ecke. Bei den letzten zwei Servietten verliessen sie dann allerdings ihre Kräfte und sie wurstelte alles irgendwie zusammen, was ungeheuer süss aussieht, finde ich, vor allem, wenn ich mir ihren langen Seufzer in Erinnerung rufe, gefolgt von ihrer unter theatralischem Schweiss-Abwischen vorgetragenen Erklärung „Ich bin langsam müed worde vom Zämmeleggä“…
Egal wie wahnsinnig sie mich manchmal machen, meine Fünf, sie sind doch Salz und Zucker meines Lebens, unersetzlich, unglaublich, unaussprechlich schön und wertvoll. Boden, Basis, ein und alles. Familie.
Gerade denke ich, die Gelassenheit und Gemächlichkeit dieser Tage lässt mir endlich auch wieder den Raum und die Luft, diese ganz einfachen Geschenk des alltäglichen Lebens -Essen, Gemeinschaft, Natur, Familie- wirklich wahr zu nehmen und zu zelebrieren… Wunderbar, dass es Sommer ist.

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