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Pebble Vest / Pebble Weste (die Deutsche Übersetzung)

Ich glaube, ich könnte ganze Tage hier verbringen, ganze Abende oder Nächte, hier an diesem kleinen Ort (der ja im Grunde gar keiner ist, kein realer, wenn man es recht bedenkt…). Ich könnte schreiben und schreiben, glaube ich, denn irgendwie gibt es gerade so viel zu erzählen und zu teilen… Nichts Gross-artiges, bloss Kleinigkeiten, aber auch die können liebenswert und besonders sein für einem, nicht wahr? Ein kleines Gemeinschafts-Werk mit Kind2, das eben heut morgen, vor vielleicht 15 Minuten seine letzten Stiche erhielt, ein „berührt“-Post, an dem ich wie … im Traum geschrieben habe, so zwischen Stillen und sanft Wegschlummern, mit dem Stift in der einen Hand, dem Baby in der andern und meinem Notizbuch auf dem Schoss, das festhaltend, was mir lieb ist; Erinnerungen an die flüchtigen, bewegenden Momente des Lebens, an die Eigenarten meiner Kinder, die so schnell wieder wieder abgelöst werden durch andere Charakterzüge, neu und … naja… anders eben … Da ist mein Wagnis „Raglan-Pulli“, in fast kleinster Grösse zwar aber aufregend, nichtsdestotrotz, ein frisch gezogenes Häkchen an meiner Jahrs-Vorsatz-Projekt-Liste, diesmal mit einem Projekt aus Kata Goldas „Handstiched Felt“ und der eine oder andere Plauderpost über momentane Lieblings-Sachen, wie einen neu entdeckten DaWanda Shop mit ganz wunderbaren Prints oder die neuen Mal-Stifte, die sogar Kind2 an den Mal-Tisch locken… Wie gesagt, ich wünschte, ich hätte alle Zeit der Welt und ein klein wenig mehr. Aber machen wir erst mal kleine Schritte. Und schreiben wir fürs Erste über dieses eine, kleine Projekt, auf das manche von euch schon so lange warten. Schreiben wir über …

Die Pebble Weste
(von „The Thrifty Knitter“ Nikol Lohr)

 

Für mich wirklich und aufrichtig DIE Weste unter den Kinder- und vor allem unter den Babywesten, unglaublich schön, unglaublich praktisch, unglaublich einfach. Und unglaublich variabel noch dazu. Und unglaublich … ähm … addictive. Ein Wunderwerk in Strick, ehrlich, unglaublich aber wahr. Und ich darf sie jetzt für euch alle aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen mit der offiziellen Genehmigung der Desigerin! Auch unglaublich und -zum Glück- genauso wahr.

Ins Leben gerufen wurde die „Pebble Vest“ (was übersetzt übrigens so viel heisst wie „Kieselsteinchen Weste“) im September 2007 von Nikol Lohr, der Autorin von „Library Knits“ und „The Thrifty Knitter“, die auf ihrem Blog in der Originalanleitung schreibt: „Ich mochte die kraus rechts gestrickte Passe und das Bündchen in brooklyntweeds wunderschönem Cobblestone Jäckchen und beschloss, sie mit diesem einfachen Baby-Westchen zu würdigen. (…)
Eine Seite und eine Schulterpartie bleiben offen und werden zugeknöpft, so kann man diese Weste anziehen, ohne sie dabei über Babys Kopf ziehen zu müssen. Man beginnt am unteren Saum, strickt ein paar Reihen kraus rechts, fährt weiter mit dem Körperteil und arbeitet Knopflöcher in die breitere Seitenblende.“

Tja, und damit ist das meiste schon erklärt: Ein wirklich einfach zu strickendes Westchen, an das sich auch blutige Anfängerinnen schon wagen dürfen. Besonders sie vielleicht, denn wie gesagt; die Pebble Weste macht süchtig, und das ist vielleicht genau, was wir brauchen: ein wenig Stricken, dranbleiben, kleine Erfolge feiern, ein bisschen Glückstoff. Denn glücklich macht sie, die „Pebble Vest“. Versprochen.

Strick-Anleitung

Für eine Weste mit den Massen: 20 cm Breite (also ca. 40 cm Umfang- in der englischen Original-Anleitung steht, dass es für 23cm Breite/46 cm Umfang wäre…) und 25 cm Länge
Nadelstärke: 3.5 mm
Maschenprobe: 19 Maschen/ 27 Reihen = 10 cm/ 10 cm
Garnverbrauch: ca. 100 Gramm

Bauch-Teil

Knopflöcher: Alle Knopflöcher werden am Anfang der Rückreihen gemacht. Um ein Kopfloch zu stricken, ersetzt man die normalen ersten 3 Maschen mit „1 Masche abheben, 2 Maschen rechts zusammenstricken, 1 Umschlag“.

80 Maschen anschlagen

Reihen 1-12: 1 Maschen rechts abheben, bis zum Schluss der Nadel rechts stricken (Achtung: Mache das 1. Knopfloch in Reihe 7)

Reihen 13 (linke (Rück-) Seite): 1M rechts abheben, 4 M rechts stricken, Markierungs-Faden einziehen, 33M links stricken, Markierungs-Faden einziehen, 6 M rechts stricken, Markierungs-Faden einziehen, 33 M links stricken, Markierungs-Faden einziehen, 3 M rechts stricken

Reihe 14 (rechte Seite) und auch alle folgenden rechten Seiten: 1 M rechts abheben, rechts stricken bis zum Reihen-Ende

Reihe 15 (linke Seite) und auch alle folgenden linken Seiten (ausser Knopfloch-Reihen!): 1 M rechts abheben, 4 M rechts stricken, 33 M links, 6 M rechts, 33 M links, 3 M rechts

Knopflöcher: Stricke je ein Knopfloch in den Reihen 7, 17, 27, 37 und 47.

Weiterfahren wie bei Reihen 14 und 15 bis 49 Reihen gestrickt sind.

Reihe 50: alle Maschen bis zur ersten Markierung abketten, dann rechte Maschen stricken bis zur 2. Markierung (das wird später der Armausschnitt), alle Maschen zwischen der 2. und der 3. Markierung abketten, rechte Maschen stricken bis zur letzten Markierung, die 5 letzten Maschen abketten.
Man hat nun je 33 Maschen für die Westen-Vorderseite und den Westen-Rücken.

Den Faden gleich links neben den Knopflöchern wieder ansetzen, dabei hat man die linke Seite der Weste (= Rückseite mit linken Maschen) vor sich. Das wird die Westen-Vorderseite (Bauchseite) werden.

Vorderseite

Reihen 1 und 3 (linke Seiten): 1 M re abheben, re M bis zum Schluss der Reihe

Reihen 2 und 4 (rechte Seiten): 1 M re abhb, 2 Maschen nacheinander rechts abheben und dann wie eine rechte Masche rechts zusammenstricken (ein ganz tolles Video mit einigen erklärenden Worten dazu findet ihr bei „Strickpraxis“ (Danke, Ingrid!!!). Rechte Maschen bis zu den 3 letzten Maschen, dann 2M re zusammen stricken, 1 M re

Reihen 5-15: Wiederhole Reihe 1 (man endet mit einer linken Seite)

Vorderer Ausschnitt
1M abhb, 7M re, alle Maschen abketten bis nur noch 7 Maschen auf der linken Nadel übrig sind, dann bis zum Ende re M stricken: Es sollten nun auf jeder Seite des Hals-Ausschnittes 8 Maschen liegen.

Offener Schulter-Träger
Reihe 1 (li Seite)
: 1M re abhb, re M bis Reihen-Ende

Reihe 2 (re Seite): 1M re abhb, 2 M nacheinander rechts abheben und dann zusammen rechts stricken, re M bis zum Reihen-Ende

Reihe1 10 Mal wiederholen

Knopfloch-Reihe:
2M re zusammen stricken, 1 Umschlag, re M bis 2 M vor Ende, dann 1 Umschlag, 2 M re zusammen stricken

Nochmals 2 Mal Reihe1 wiederholen, dann abketten.

Zusammengenähter Schulter-Träger
Mit der linken Seite nach vorn, das Garn an der anderen Schulter wieder ansetzen.

Reihe 1 (linke Seite): 1M re abhb, re M bis Ende

Reihe 2 (rechte Seite): 1M re abhb, re M bis 3 M vor Schluss, dann 2 M re zus. str, 1M re

8 Mal Reihe 1 stricken, dann das Garn abschneiden und die Maschen alle auf eine Sicherheits-Nadel oder auf einen dicken Woll-Faden auffassen und gut sichern.

Rücken-Seite

Mit der linken Seite nach vorne, das Garn neu ansetzen.

Reihe 1 (li Seite): 1M re abhb, re M bis Ende

Reihe 2 (re Seite): 1M re abhb, 2M nacheinander rechts abheben und rechts zusammenstricken, alles re M str bis 3M vor Schluss, dann 2M re zus. str, 1M re

Reihen 3-23: Reihe 1 wiederholen  und mit einer linken Seite enden

 

Rücken-Hals-Ausschnitt
1M re abhb, 7M re str, alle M abketten bis nur noch 7 M übrig sind auf der linken Nadel (plus 1 M vom Abketten auf der rechten Nadel), re M bis Ende
Man hat nun je 8 M auf jeder Seite des Hals-Ausschnittes.

Zusammengenähte Schulter
Reihe 1 (li Seite): 1M re abhb, re M bis Ende

Reihe 2 (re Seite): 1M re abhb, 2M einzeln rechts abheben und dann rechts zusammenstricken, re M bis Ende

Die Reihe 1 noch 4 Mal wiederholen, dann das Garn abschneiden und dabei einen ca. 28 cm langen Faden stehen lassen.

Die stillgelegten Maschen auf die andere Stricknadel legen. Die beiden Träger rechts auf rechts gelegt (die linke Seite des Gestricks nach aussen), die Maschen im Maschenstich zusammennähen (auch hier gibt es wieder ein genials Video von der „Strickpraxis„) Dazu den vorher stehen gelassenen Faden verwenden.

Offene Schulter
Mit der linken Seite nach vorne das Garn an der anderen Schulter neu ansetzen.

Reihe 1 (li Seite): 1M re abhb, re M bis Ende

Reihe 2 (re Seite): 1M re abhb, re M bis 3 M vor Ende, dann 2 M re zusammen stricken, 1 re M.

Reihe 1 noch 6 Mal wiederholen. Dann abketten.

Fertigstellen
Alle Fäden gut vernähen.
Auf der Westen-Seite und auf dem offenen Träger ohne Knopflöcher hübsche Knöpfe annähen.
Falls gewünscht befeuchten und spannnen.

 

Vor allem aber: Anziehen und sich freuen dran! (Hurra!)

PS. Die abgebildete woll-weisse Weste hat nicht genau die Masse dieser Original-Anleitung, muss ich zugeben. Ich habe sie für mein 10-monatiges Babykind als Sommer-Top gestrickt und die Masse für den süssen, dicken Knubbelbauch, der doch schon einiges gewachsen ist in den letzten Monaten, ein bisschen abgeändert, sprich, ein paar Maschen dazugenommen, anderes Garn verwendet, etwas breitere Träger gemacht und die Knopflöcher ein wenig nach innen versetzt, weil die Bourette-Seide, die ich verwendet habe, nicht sehr strapazierfähig ist und ich den Knopf-Löchern so mehr Stabilität verleihen wollte. Das Prinzip des Strickmusters blieb allerdings das gleiche. Und genau das schätze ich so sehr an diesem Projekt; dass man so einfach auch eine grössere Weste machen kann, eine breitere, längere, dickere, dünnere, vielleicht sogar eine mit mädchenhafteren Details, wie ausgestellten Seiten oder Rüschen- Ganz so wie man sie sich gerade wünscht.

Veröffentlicht unter Stricken, Tutorial | 42 Kommentare

Nicht wegwerfen (!): aus alten Memory-Karten

Frühlingszeit, Hausputz-Zeit. Nicht, dass man es meinem Haushalt ansehen tät‘, aber ich habe tatsächlich das eine oder andere Zimmer oder Aufbewahrungs-Möbel ein klein wenig kritischer beäugt und auch mal was weggegeben oder -und das ist nun wirklich eher eine Seltenheit bei Frau Kirschkernzeit- sogar weggeworfen. Viel mehr Platz und Ordnung kam dabei leider nicht zustande, wahrscheinlich, weil ich schlichtweg zu lasch bin und mir die Energie fehlt für mehr Radikalität, aber die paar Tage (manchmal auch bloss Stunden), die der leergeräumte Platz sich durchsetzen konnte, waren wirklich Gold wert, gleichgültig dass sich da schon wieder hundettausend Dinge tummeln, die Lücken füllen. Ein Haus mit nur wenigen, dafür sorgfältig ausgewählten Dingen, geschmackvoll arrangiert auf sauberen Flächen, freundlich beleuchtet durch schlierenlose Fensterscheiben, die dann und wann geöffnet werden, so dass der luftige Vorhang sich fröhlich bauscht im Wind- das wäre ganz nach meinem Geschmack, schätze ich. Ich mag stilvolles Wohnen. Ich mag Sauberkeit und Sorgfalt und einen bewussten Umgang mit Material und Besitz, und ich glaube, ich finde auch, dass „weniger doch mehr“ ist. Aber meine Realität sieht ganz anders aus.

Hier geht es meistens drunter und drüber. Ich nehme mir nur selten Zeit fürs Putzen, dafür lümmle viel zu oft viel zu lange mit meinen Kindern auf meinem grossen Bett im lila Zimmer herum, lese wahllos alles vor, was das Kinderzimmer-Bücher-Regal so hergibt und verstreue dabei Comics, Bilderbücher und „das Magische Baumhaus“ im ganzen Zimmer- ach was, im ganzen Haus! Immerhin die Staubmäuse mögen das alles ganz gerne.
Ich vergesse auch ständig, die Fenster zu putzen. Wahrscheinlich, weil ich dafür den Tatsachen ins Auge sehen müsste: Meine Fenster sind (an einigen Orten zumindest) wirklich allerschäbigst, behängt mit ratzfatz zugeschnittenen Stöffchen ohne Säume, festgeklebt mit Abdeckband, und das schon seit 2 Jahren oder so… Keine Chance also für den Vorzeige-Haushalt meiner Träume. Er passt wohl einfach nicht zu mir im Augenblick… Denn zu meiner natürlichen Trägheit und Schlampigkeit hinzu kommt meine Liebe zu schönen Sachen. Ich liebe Altes, Lottriges, alles mit Geschichte und Charakter, die Spuren der Vergangenheit und solides Handwerk jeder Art. Da kann ich einfach nichts wegschmeissen. In solchen Dingen steckt noch so viel Potential…

Genau das dachte ich auch, als mir an einem Sonntag im Kinder-Raum meiner Kirche diese Kiste in die Hände kam; ein altes Memory, aus den 60er Jahren vielleicht, noch komplett und kaum ramponiert. Um ein Haar wäre es in der Mülltonne gelandet, doch irgendwie brachte ich es einfach nicht übers Herz, etwas, das schon so viele Jahre so wohlbehalten überstanden hat, mit nur einem Handgriff aus der Welt zu schaffen. Also kam es mit mir nach Hause.
Und seht es euch an, diese Illustrationen, diese arglosen Sujets, diese Naivität und Unbeholfenheit… Irgendwie rührt mich das richtig an, keine Ahnung warum. Es erinnert mich an die Zeit meiner frühen Kindheit, an enge Hosen, heile Welt, Knallorange und Schokobraun, an „Heidi“ und „Pippi Langstrumpf“ und klebriges Wassereis, das mir in kleinen Bächlein die Finger hinabfloss.
Nein, wegwerfen konnte ich dieses Memory beim besten Willen nicht.
Also aufheben und spielen? Öhm… so retro bin ich nun auch wieder nicht veranlagt. Schliesslich stehen bereits drei Memory-Spiele in unserem Spiele-Schrank, mindestens. Für ein viertes ist nun wirklich kein Platz mehr. Und Bedarf schon gar nicht.

Aber deshalb gleich wegschmeissen?

Wie wär’s mit zweck-entfremden und umfunktionieren? Ich kenne da nämlich eine gewisse Person (mich), die hat mal irgendwo (hier) dafür plädiert, jedem Zimmer seine ganz eigene Wimpelgirlande zu schenken. Und wenngleich so eine Memory-Karte nicht gerade das Potential für die ganz grosse Gartenparty besitzt (zu klein, zu eckig, zu unscheinbar); als kleine, feine Regal-Girlande macht sie sich doch gar nicht mal so übel, oder?

Eine kleine Anleitung dazu
(einfach, weil’s so viel Spass macht):

Girlande aus alten (oder neuen) Memory-Karten

Ihr braucht:

  1. Memory-Karten aller Art, oder auch andere Spielkarten, Postkarten, Tickets, Fotos und was ihr sonst noch so ins Herz geschlossen habt
  2. eine Lochzange (prima Teil!) oder eine Ahle
  3. ein Stück stabile Schnur, so lange wie ihr die Girlande haben möchtet plus ca. 1 Meter zum um-die-Pfosten-binden
  4. evtl. eine stumpfe, dicke Näh-Nadel (Stopf-Nadel)

Ihr macht:

  • Karten zwei Mal oben lochen, wenn möglich in den beiden oberen Ecken, aber nicht zu nahe am Rand, damit das Loch nicht ausreisst
  • mit der Schnur immer von vorne in das erste Loch stechen und den Faden durchziehen, dann beim 2. Loch von hinten nach vorne stechen (prima auch für Kinder zum Mithelfen)
  • alle Karten auf diese Weise locker auf die Schnur aufziehen und gleichmässig arrangieren, so dass einem die Abstände gefallen
  • aufhängen und sich dran freuen!

Sogar in unserem kunterbunten Durcheinander fand sich noch ein Plätzchen dafür. Für alte, nutzlos gewordene Spielkarten, die erst keiner mehr haben wollte, und die mir jetzt so viel Freude machen mit ihrer unkonventionellen, unbeschwerten Ausstrahlung. Ein bisschen wie diese alten Kinderbücher, in denen ich manchmal ganz gedankenverloren blättere, mich erinnere und die aufkommenden, leicht sentimentalen Gefühle geniesse, dieses  Nicht-mehr-ganz-jung-aber-doch-auch-noch-nicht-ganz-angekommen-sein, mit Vergangenheit und Geschichte, aber auch noch mit ganz viel Zukunft und Ge-träume… Memory…

Veröffentlicht unter grüner Leben, kreativ mit Kindern, kreative Ideen, Tutorial | 22 Kommentare

Aus Woll-Resten: Eine Anleitung für verfilzte Schalen

Also eines muss ich jetzt gleich zu Anfang loswerden; Ihr seid einfach unglaublich! All die lieben Sachen, die ich auf meinen letzten Post hin zu lesen bekam… die machen mich direkt sprachlos. Sprachlos glücklich… Danke dafür, hunderttausendmal DANKE. Ihr seid die besten Leserinnen, die es gibt, Ehrenwort.
Und die Filzschalen von Soulemama, die sind natürlich fantastisch, da besteht kein Zweifel. Ich mag es -genau wie ihr- unheimlich gerne, dass aus simplem Woll-Garn, aus Woll-Resten sogar, mit Hilfe von ein bisschen heissem Wasser und Seife, bzw. einer Ladung Wäsche in der Maschine, etwas ganz anderes, neues und wirklich Sinn-volles werden kann. Wirklich magisch fast schon…

Und gerade jetzt, wo die Vögel zu immer lauteren Konzerten ansetzen, die ersten Schneeglöckchen ihre Köpfchen aus der Erde strecken und sich die Früh-Frühlings-Sonne im Staub meiner ungeputzten Fenster bricht, ist so ein bisschen Magie einfach Gold wert: Der Frühlings-Putz-Trieb greift um sich. Und wen er erwischt, den lässt er so schnell nicht wieder los. Nicht ehe die Schränke entrümpelt, die Regale frisch geputzt und der Estrich nach halb vergessenem „Gschmois“ (ein altes Schweizer Wort für „nutzloser Kram“) durchforstet wird. Und die Woll-Körbe, die Woll-Körbe, die kommen auch noch dran. Denn auch hier sammelt sich Ballast, in Form von Knäueln, die sehnsüchtig auf eine neue Aufgabe warten, für grosse Pläne aber einfach viel zu mickrig sind. Ganz besonders wenn es sich um halb verbrauchte Reste-Knäuel handelt, die man aufgehoben hat für den Fall der Fälle, weil wir es nicht über uns bringen, etwas so Gutes wie Wolle einfach weg zu schmeissen.

Von meiner braun-lila gestreiften Strickdecke und den vielen Elfenmützchen der letzten Monate ist tatsächlich eine ganze Reihe solcher Woll-Reste übrig geblieben. Und nichts freut mich mehr, als auch diesen Übrigbleibseln neues Leben einzuhauchen- und gleichzeitig ein wenig Ordung in meine Woll-Vorräte zu bringen. Ordung ist immer gut. Eine guter Grund zum Stricken auch.

Weil ich mir denken kann, dass es euch vielleicht nicht anders geht als mir, Soulemamas verfilzte Strick-Körbchen aber nur auf Englisch zu finden sind (in „The Rhythm of Family“), habe ich hier für euch eine leicht abgewandelte, wunderbar einfache Strick-Anleitung für eine etwas grössere, aber immer noch sehr handliche Strick-Schale. Gestrickt aus zwei Farben „Andes“, die beide ihr Glück als Elfenmützchen gefunden haben (damals war das, wie doch die Zeit vergeht…!)

Ein einfaches Strick-Körbchen zum Verfilzen

Höhe: ungeformt ca. 15 cm, geformt vom Boden zum Rand ca. 10 cm
Durchmesser: ca. 14 cm
Alle Masse und auch die Körbchen-Form sind stark vom Gefäss abhängig, über dem der Strick-Korb nach dem Filzen getrocknet wird.

To have:

  • Garn: etwa 50 gr. dicke Wolle, am besten reine Naturfasern, damit das Gestrick sich gut verfilzt, Garn-Resten eignen sich ganz hervorragend, auch (oder vor allem) in mehreren kontrastierenden Farben. Für einen schönen Farb-Verlauf empfehle ich, dass die 2. Farbe schon ein paar Reihen vor den Abnahmen eingesetzt wird. So sieht man sie von der Seite besser, wenn der Boden nach dem Formen breit und flach geworden ist.
    Ich habe die „Andes“ von Drops verwendet (65% Wolle/ 35% Alpaca) mit der Lauflänge 100m/100gr.
  • Nadeln: eher dickes Nadel-Spiel, in meinem Fall Nadelstärke 7mm
    Zu dick würde ich sie allerdings auch nicht wählen, denn bei mir zB. wurde ein verfilztes Körbchen mit der Nadel-Nr. 10 viel zu weit-maschig und wenig stabil zum Schluss. Für ein gefilztes Puppentellerchen wäre das allerdings ganz okay…

To do:

  1. 48 Maschen anschlagen und gleichmässig auf 4 Nadeln verteilen (je 12 Maschen)
  2. Ca. 13 cm glatt rechts stricken (diese Höhe ist nur ein Anhalts-Punkt, man kann natürlich auch mehr oder weniger stricken, dann wird einfach auch die Filz-Schale höher oder tiefer)
  3. Nach ca. 13 cm wie folgt stricken: 10 Maschen rechts, dann die 11. und die 12. Masche rechts zusammen stricken
  4. 1 Runde rechts stricken
  5. 9 Maschen rechts stricken, die 10. und die 11. Masche rechts zusammen stricken
  6. 1 Runde rechts stricken
  7. 8 Maschen rechts, 9. und 10. Masche rechts zusammen stricken
  8. 7 Maschen rechts, 8. und 9. Masche rechts zusammen stricken
  9. 6 Maschen rechts, 7. und 8. Masche rechts zusammen stricken
  10. 5 Maschen rechts, 6. und 7. Masche rechts zusammen stricken
  11. 4 Maschen rechts, 5. und 6. Masche rechts zusammen stricken
  12. 3 Maschen rechts, 4. und 5. Masche rechts zusammen stricken
  13. 2 Maschen rechts, 3. und 4. Masche rechts zusammen stricken
  14. 1 Masche rechts, 2. und 3. Masche rechts zusammen stricken
  15. Den Faden in eine stumpfe Nadel einfädeln, diese 8 Maschen auffassen und den Faden zusammenziehen.
  16. Auf der Innenseite des Gestricks den Faden ganz leicht vernähen, auch evtl. Fäden, die von Garn-Wechseln noch herausstehen. Da das Verfilzen die Fäden sehr wahrscheinlich gut miteinfilzt, muss man das nicht besonders sorgfältig machen, zur Not kann man die Schale auch ohne zu verstäten filzen und die Fäden dann einfach nahe am Gestrick abschnippeln. Filz ist einfach prima, oder?
  17. Auf die nächste Ladung Wäsche warten und das Strick-Körbchen bei ca. 60 Grad (oder mehr) mit laufen lassen. Ich habe ganz normales Waschpulver genommen und es hat prima geklappt. Demnächst möchte ich mich mal an hausgemachtes Waschmittel wagen. Mal sehen, ob sich damit auch so gut filzen lässt…
  18. Ein grosses Einmach-Glas (bei der kleineren Soule-Mama-Version habe ich normale Gomfi-Gläser genommen) in das verfilzte Strickkörbchen schieben und alles leicht in Form ziehen, vor allem den Rand, der sich beim Waschen leicht eingerollt hat, so rollen, wie er einem gefällt. Auf eine Heizung oder ein Kuchen-Gitter stellen und trocknen lassen. Auf der eingestellten Heizung dauerte das bei mir nur wenige Stunden.
  19. Et voilà! Glas entfernen und das Körbchen mit netten Kleingkeiten füllen. Oder als Plüschtier-Zylinder benutzen…

Veröffentlicht unter grüner Leben, Stricken, Tutorial | 14 Kommentare

Wimpel-Ketten-Tutorial

Für Mauskind (leider mit privatem Blog) und Zwieback,
die mich (indirekt) um eine Wimpel-Ketten-Anleitung gebeten haben…
Und für alle anderen, die sich auch darüber freuen!
Die ersten Wimpel habe ich vor über zwei Jahren genäht und an besonderen Tagen immer wieder gerne benutzt. Dann kam Rosemarys Wimpelkette, in diesem Frühling meine kleine, rasch zusammengeschnurpelte Girlandeaus den Stoffrest-Stücken meines Frühlings-Blumen-Quilts
Und heute bin ich endlich fertig geworden mit den pinkverliebten Hochzeits-Wimpeln für meine Schwester (der ich jetzt natürlich bis zum grossen Tag ein Blog-Verbot auferlegen musste)…
Romantisch, verspielt, so richtig girlie und herzhaft kitschig. Aber wann sonst kann man derart in gefühlsduseligem Design schwelgen, wenn nicht an einer Hochzeit? Ich jedenfalls liebe diese Wimpelkette!  Das heisst, ich liebe Wimpelketten generell… oh ja, ich liebe sie alle!
Ihr auch?
Dann lasst uns die Welt bebuntwimpeln! Freud-volles Schaffen euch allen!
Wimpel-Ketten-Anleitung
Ihr schneidet eine Dreieck-Schablone in einer Grösser eurer Wahl zu
und übertragt diese jeweils 2 mal auf einen Stoff.
(Die Nahtzugabe ist im Dreieck enthalten: der Wimpel wird zum Schluss also kleiner sein!)
Zuschneiden. Das Dreieck muss nicht wahnsinnig exakt geschnitten sein, aber doch einigermassen.
Immer zwei Dreiecke desselben Stoffes (wobei, man kann auch Stoffe mischen) rechts auf rechts zusammenstecken und füsschenbreit absteppen (ca. 7.5 mm).
Dabei die schmale Kante des Dreiecks offen lassen zum Wenden!
Bei der Spitze die Nahtzugabe schön nah an der Naht entlang abschneiden und die Spitze „kappen“.
Vorsicht, dass die Naht nicht verletzt wird!
Sorgfältig wenden und flach bügeln.
Die überschüssigen Spitzchen oben abschneiden, damit eine gerade Kante entsteht.
Das alles noch so oft wiederholen, bis ihr so viele Wimpel habt, wie ihr möchtet oder braucht um zB. den Namen eures Kindes zu bilden. Ich nehme immer noch mindestens zwei buchstabenlose Wimpel für den Anfang und den Schluss der Kette. Bei kurzen Worten auch gerne mehr!
Wimpel lassen sich herrlich verzieren und beschriften! Ich habe hier alte Spitzen eingelegt, bevor ich die beiden Wimpelteile zusammengesteppt habe. Und die Buchstaben habe ich aufgedruckt. Man kann sie aber auch vor dem Zusammennähen auf die eine Seite des Wimpels applizieren oder aufsticken- oder alles miteinander;-) Schön ist, was Spass macht!
Für das Aufhänge-Band nehme ich am allerliebsten fertig gekauftes Schrägband.
So kann man die Wimpelkette nämlich beidseitig verwenden (anders als mit Web-Band).
Zuerst bügle ich das Schrägband zur Hälfte.
Die einzelnen Wimpel werden schön regelmässig verteilt ins zur Hälfte gebügelte Schrägband gelegt, bündig zur oberen Bügelfalte- Dann festgestecken. (Die Nadeln liegen  auf dem Foto nicht ideal herum, muss ich hier noch anfügen. So zeigen sie beim Nähen dann nach oben und sind schwer rauszuziehen…)
Ich lasse immer ca. einen Meter Schrägband leer am Anfang und am Schluss der Girlande, damit man die Wimpelkette gut irgendwo befestigen kann. Für sehr lange Wimpelketten, die quer durch den Raum gespannt werden sollen, kann man ruhig auch mehr Band frei lassen.
Mit Zickzack- oder Steppstich schmalkantig zum Schrägband abnähen.
Vom Anfang bis zum Schluss des Bandes und über die Wimpel.
Und jetzt: Sich ungeheuer freuen- und gleich noch eine machen! 
Ich finde ja: Jedem Raum seine Wimpelkette, ihr nicht auch?
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