Archiv der Kategorie: this moment

gern gemocht

DSC00294 DSC00268 DSC00264 DSC00297 DSC00256 DSC00314 DSC00317 DSC00323

Die letzte Woche war gar nicht mal so übel. Mein Kindergartenkind blieb von Dienstag an zuhause, einer starken Erkältung mit leicht fiebrigen Episoden wegen, und auch wenn manche Augenblicke genau deshalb ein bisschen happig waren, blieb mir doch das ständige Hin- und Her von Zuhause zum Kindergarten und zurück erspart, mitsamt den unschönen und tränenreichen Abschieds-Momenten. Das verschaffte mir eine ganze Menge mehr Luft, auch emotional und nervlich, und ich konnte nur staunen, wie viel ausgeglichener auch mein Kind selber wurde, mit jedem Tag ein bisschen mehr, und auch meine Kleinste, die das Getrenntsein von ihrer grossen Schwester bis heute noch nicht recht verstehen und akzeptieren kann, wie mir scheint, wurde ein Stück weit zufriedener in diesen geschenkten Tagen. Besonders schön war jener Morgen, an dem die beiden Kleinen bis fast um halb zehn ausschliefen. Freie, stille Stunden (kaum hatte ich die drei grösseren Schulkinder aus dem Haus). Wunderwunderschön!
Aber auch sonst gab es viel Gutes für mich. Für uns.
Die Kiste voller Schätze, die muss ich gleich als allererstes nennen, ja, die Kiste voller Schätze in Form von Wohnheftlis und neuem Lesestoff, garteneigenem Frauenmäntelitee und einem in Seidenpapier gehüllten nigelnagelneuen Wollschal in meinem Lieblingsgrün… Ich hab’ mich so gefreut, als es an der Tür klingelte und draussen ein einsames Päckchen lag (der Postbote macht sich immer in Windeseile aus dem Staub, ich glaube, der spurtet immer regelrecht los, kaum hat er die Klingel gedrückt). Ein Päckchen von Rita, diesem Engel…
Den Schal seht ihr übrigens auf dem vierten Bild, mitsamt meinem immerzu nur weiter wachsenden Eingangs-Chaos, an das ich mich mittlerweile schon halbwegs gewöhnt habe, denn der Eingang wird ja nicht geräumiger, die Jacken und Schuhe und Taschen und Helme meiner Kinder aber immerzu grösser und zahlreicher. Es ist ein feiner Rundschal, einer, den man einfach so überziehen und entspannt und ohne je zu schwitzen den ganzen Tag lang damit rumlaufen kann, ohne ihn recht zu spüren. Nur wenn man ihn auszieht, dann merkt man mit einem Mal, wie schrecklich kalt es plötzlich ist, so ganz ohne wolligen Nackenwärmer. Ich mag ihn mehr als ich sagen kann. Und Rita natürlich auch.

Und was mag ich sonst noch…? Smarties-Pferdchen, meine Kleinste und ihre Aufreih-Leidenschaft und die kurzen Abschnitte herbstlichen Sonnenlichts, die mir manchmal, wenn ich Glück habe und der Hochnebel uns kurz verlässt, in die Küche reinspienzlen. Es ist ein goldenes Licht, eines, für das ich sehr dankbar bin, denn es taucht alles in Honigglanz und lässt den Holzboden so schön strahlen, ganz ohne die Hitze des Sommers, die ich ständig aussperren musste, um den Sommer erträglich zu machen hier in diesem alten Haus.
Ich mag den Crumble, den ich ausprobiert habe, mit Zwetschgen und Apfelspalten, obwohl er ziemlich mächtig war und etwas zu süss, und ich glaube, ich mag ihn deshalb, weil er einfach mal was Neues war, was Anderes, etwas, das ich noch nie gemacht habe bisher.
Kind2, der sich vom eher schrägen Musikgeschmack seines grossen Bruders emanzipiert hat (der hört Sachen wie Asap Mob und einen gänzlich unmöglichen österreichischen, jungen Typen, dem ich nicht zuhören kann, ohne rot zu werden, aber ich bin ja auch langsam alt und empfindlich *hüstel*). Kind2 hat diese Woche -man höre und staune- “die Prinzen” für sich entdeckt. Hach, die guten alten “Prinzen”. Was hab’ ich die gern gehört damals in den 90ern, “Millionär” und “Küssen verboten” oder “Mein Fahrrad”, rauf und runter liessen wir die CD spielen (oder war’s noch eine MC?). Der Lieblingssong meines Jungen ist aber der hier (“Chronisch pleite”). Und den hier (“Be Cool Speak Deutsch”) findet er auch ziemlich toll, was mich schlichtweg umhaut, denn irgendwie ist es doch komisch, wenn das eigene Kind, das früher (trotz häuslicher Zensur) für Eminem schwärmte, plötzlich mit Sachen ankommt, die ich selber mal gemocht und gehört habe und die ich eigentlich, wenn ich’s mir recht überlege, immer noch mag (bis auf die Music Clips). Komisch ist das, ja, aber in einem ziemlich erfreulichen Sinn, meine ich. Und, ganz ehrlich; diese Männer können immerhin singen, treffen alle Töne und bringen recht ordentliche A-Capella-Klänge zustande- was man von vielen heute enorm gut verdienenden Stars und Sternchen nicht unbedingt behaupten kann. (Aber wie gesagt, ich werde alt und empfindlich.)

Aber nun zu meinem Gern-gemocht-Hitparaden-Liebling: Ist der kleine, rote Papierdrache meiner Grossen nicht einfach hinreissend?! Sie hat ihn diese Woche ganz im Stillen in ihrem Zimmer gebastelt und sich all die Details selbst ausgedacht, die in winzigen Schlitzen am Rücken befestigten Flügelchen, die Spuck-Flamme, die richtig aus dem Maul herausschiesst, der im Inneren des Drachen befestigte, gezackte Schwanz. Er lebt in seiner eigenen Vulkan-Landschaft und hat mein Herz selbstredlich im Sturm erobert…
Wenn ich so zurückblicke, muss ich eigentlich sagen; Eine gute Woche war’s.
Ehre, wem Ehre gebürt.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, kreativ mit Kindern, this moment, what makes me happy, Zuhause | 2 Kommentare

like Instagram 188

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

DSC00253
Die Stille im Blog verrät es: Mir schwirrt der Kopf vor lauter Dingen, Themen und kreisenden Gedanken. Und es ist gerade alles ein bisschen viel für mich. Das volle Lebenschaos, mit dem ich so oft nicht umzugehen weiss. Ein bisschen wie auf diesem Foto: Lauter Kram am falschen Ort und jeder Handgriff bedeutet Arbeit und Engegement, und will man etwas erreichen, muss man erst zig Hürden überwinden.
Und dazu regnet es auch noch.
Doch -und auch das verrät dieses Bild- man kann sich auch bei strömendem Herbstregenwetter, ungnädigen Temperaturen und einem Berg von Arbeit vor der Tür einen netten Tag machen. Alles was es braucht ist ein bisschen Optimismus und eine kleine Portion kindlichen Schalk in den Augen. Ich sollte mir wirklich öfters ein Beispiel an meinem wilden, unverblühmt ehrlich-direkten Tochterkind nehmen, das sich den Tag pflückt, egal wie unansehnlich er auch schein mag…

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, Themen-Reihen, this moment | Hinterlasse einen Kommentar

like Instagram 185

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

DSC00118
Ein wunderbarer Morgen: Die Familie ist beim Gottesdient, ich habe mich mit Halsschmerzen entschuldigt und bleibe zuhause. Ganz alleine.
Auf meiner Decke türmen sich ein paar Bücher aus der Leihbibliothek, lauter seichte Ware wie Rosamunde Pilcher oder ein fast schon ungeniessbar lascher Groschenroman über eine Bäckerin auf einer Insel, daneben ein paar alte Ausgaben von “Taproot”, die ich immer mal wieder hervorhole, weil ich die so mag. Nach “Die Frau des Zeitreisenden” konnte ich nichts Schwerwiegendes aufschlagen. Das hätte den Zauber zerstört, der immer noch so ein bisschen über allem liegt, und ausserdem fühle ich mich momentan nicht bereit für noch so eine aufwühlende Story, die mich beim Lesen mit Haut und Haaren verschlingt. Ich scheine, was das betrifft, so ein bisschen ein Sensibelchen zu sein.

Mein “Honey Cowl” aus mossgrüner “Bloomsburry DK” ist so gut wie bereit zum Abketten. Eine schöne Phase; Ich tue nichts weiter als einem immer kleiner werdendes Mini-Knäuelchen beim Verschwinden zuzusehen.
Jetzt, wo sich mein Hals rauh und zerschlissen anfühlt, freue ich mich umso mehr auf warme Wolle um meinen Nacken, und das satte Grün ist mehr als vielversprechend.

So stricke ich also, mummle mich ins Bett, schlürfe heissen Johanniskraut-Lavendel-Tee (fürs innere Licht) und blättere zwischendurch zwischen irgendwelchen Seiten.
Was für ein gnädiger Augenblick.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, besondere Tage, Dankbarkeit, Stricken, Themen-Reihen, this moment, what makes me happy, Wochen-Ende, Zuhause | 11 Kommentare

Revue passieren

DSC_1371
Kind1 liegt schon im Bett. (Deshalb komme ich unerwartet zum Tippen und den Tag-Festhalten.) Das lange Stehen und die an sich ja nicht übermässig schwere körperliche Arbeit machen ihn müde, “anders müde als in der Schule, aber… trotzdem müde”.
Es war eine grossartige Woche für ihn. Er mag schnelle Autos und ist fasziniert von allem Technischen, von Schrauben und Schräubchen und wie die Dinge im Inneren funktionieren, und das obwohl er mit ziemlicher Sicherheit kein Automechaniker werden wird in absehbarer Zeit, denn eigentlich ist er ja im Gymnasium, wo er freiwillig nicht so schnell mehr weg will. Dass er trotzdem Motorenduft schnuppern durfte, war schon eine feine Sache und eine Art kleines Abenteuer für ihn. Ausserdem lernte er Onkel und Tante, Cousins und Cousinen ein Stückchen besser kennen, denn mein Schwager, dem die Werkstatt gehört, hat (genau wie seine Frau) ein riesengrosses Herz und nahm meinen Jungen ganz selbstverständlich jeden Mittag mit nach Hause an den Familientisch.
Ich mochte  ihn schon immer.
Jetzt mag ich ihn sogar noch ein bisschen mehr.
Gerade warte ich darauf, dass die Brownies im Ofen fertig backen. Brownies für morgen, für den letzten Werkstatt-Tag meines Grossen,  eine kleine Geste nur.

Mein Besuch heute war übrigens richtig schön. Und durchaus überraschend. Die liebenswerte alte Dame, die mich und die beiden Kleinsten besuchen kam, wünschte sich rundheraus eine “richtige Hausführung”, worauf ich natürlich rein gar nicht vorbereitet war. Den halben Morgen hatte ich im Erdgeschoss gewerkelt, Böden gesaugt, Geschirr gewaschen, das kleine Waschküchen-Gäste-Klo geputzt, Sachen verräumt. Aber all die anderen Zimmer sahen natürlich dementsprechend aus… Ich tat so, als wäre mir der Anblick der vielen schauderhaft zugerichteten Zimmer und ungemachten Betten (sogar mein eigenes war wild zerwühlt und nur halb bezogen- dabei bin ich hier normalerweise ziemlich eisern mit Aufräumen und so). In Wahrheit fühlte ich mich aber nackt und ertappt. Ich bin einfach keine tolle Vorzeige-Hausfrau.
Sie aber, die alte Dame, die ich mir bis anhin immer superpropper mit Staubwedel und Desinfektionsmittel vorgestellt hatte, schien das alles gar nicht zu bemerken. Sie lobte ohne mit der Wimper zu zucken unsere Umbaufortschritte, die Schreinerarbeiten, das neue Bad, die bunten Zimmerwände, den vielen Platz und schien schwer beeindruckt, als ich eher kleinlaut erklärte, dass ich jedes Zimmer maximal einmal pro Woche sauber kriegen würde, mehr läge einfacht nicht drin. Schelmisch lächelte sie mir zu und offenbarte rundheraus, dass sie sich für ihre kleine Wohnung eine Putzfrau gönne und selber nur putze, “wenn man den Dreck auch sieht”. Ich musste herzhaft lachen und fühlte mich sofort nicht nur verstanden, sondern gleich richtig verschworen. Was stecken die Menschen doch voller Überraschungen! Vor allem auch die älteren Generationen, die wir oftmals kaum noch wahrnehmen im Lebensgetümmel und nur allzu rasch in festgefahrene Vorurteils-Schubladen versorgen… Nun, er soll mir eine Lehre sein, dieser Tag. Und diese Gemeinschaft.
Und jetzt werde ich mich hinsetzen und kurz noch ein wenig stricken. Mein Jäckchen und die Ahnung vom Herbst, ihr wisst schon. Andererseits sind es nur noch wenige ungelesene Seiten von Ilse Gräfin von Bredows’ “Glückskinder”, und das Buch finde ich… angenehm, leicht trotz der Schwere mancher Schicksalsschläge in der Geschichte. Vielleicht ist Lesen bei Dämmerlicht, zwischen den von meinen beiden kleinen Mädche vorgewärmten Laken, sogar noch einen Ticken verführerischer als Stricken, jetzt wo der Browniesduft so schön durchs Haus zieht und ich so langsam müde werde…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, this moment, Zuhause | 7 Kommentare