Archiv der Kategorie: this moment

lauter gute Dinge

: Lieblingsmagazine, ein kleiner heller Teddy aus meiner Kinderheit bei einer bärenliebenden Mama und ein ganzes Bündelchen schöner Schweizer Kartenprints von einer besonders lieben Leserin am See :

: Filzkunst von Allerleirauh, die vom Frühling erzählt, vom Wachsen und Werden und Mutter Erdes neuem Erwachen. Und mir damit mitten ins Herz trifft mit ihrem feinen Humor, der Wärme echt empfundener kreativen Kraft :

: mein Babyjunge mit seinem skeptischen Blick, den vollen Wangen und seiner ganzen prallen Knuddeligkeit. Wir tragen. Immer. Manchmal auf dem Arm, oft auf der Hüfte, aber immer mehr auch auf dem Rücken, was mal besser klappt, mal weniger, aber Freude ist Freude und ich freu‘ mich wie wild an diesem kleinen Kerl :

: erste Frühlingssträusschen und ein süsser kleiner Liebesbrief, der ganz im Geheimen und mit viel Gekicher und Geheimniskrämerei für mich in der Küche bereit gelegt wird :

: bunte Wesen aus dem fernen Süden Afrikas (hello und *Bussibussi*, PoplapDolls!), die mich zum Lächeln bringen und mir zeigen, wie klein und filigran, vor allem wie lustvoll Hand-Werks-Kunst doch sein kann. Unter dem Organza-Röckchen verbirgt sich ein niedlicher kleiner Po-Spalt (die Kinder kichern hier immer) und ein äusserst diskret platziertes Feigenblatt. Lovelovelovelovelove :

: der schnusige kleine Siebenschläfer aus der Kindergarten-Werkstatt hat hier Haus und Herz im Nu erobert. Mit ein paar Filznadelstichen und wenige Nähten meinerseits zum Extra-Fixieren hält nun auch das Schwänzchen tadellos jedem Spiel, jeder Video-Session stand (Gerade eben wurde -extra für Oma- „Siebenschläfer und KleinPanda ziehen um in eine Weinkiste“ mit meinem Handy aufgenommen) :

: Visible Mending mit Kanta oder Shashiko oder Stick-Yoga oder simplen Steppstichen. Egal wie immer man es nennen möchte. Jedenfalls bleibt die pinke Trainerhose aus der Mottenkiste, die schon meine Grosse vor Jahren getragen und ganz gern gemocht hat, noch ein weiteres Weilchen tragbar und bei Lümmellaune :

:Voilà und *töröööö!*: meine Küche, frisch gestrichen, frisch geordnet, aber sonst nach wie vor belebt und jeden Tag aufs Neue bevölkert und verunstaltet- nur um wieder von neuem in Ordnung gebracht zu werden. Nach dem Kochen ist immer vor dem Kochen. Nach dem Aufräumen vor dem Aufräumen. Wenn sich eine Schlange in den Schwanz beisst, dann im Alltagsleben einer Küche :

: Wollschätze, gesucht und äusserst euphorisch, regelrecht auf Wolke Sieben schwebend gefunden am gestrigen Swissyarn-Festival. Wo ich den herrlichsten aller Sonntage mit meiner Freundin Rita, lauter lieben Frauen, einem ein wenig misslungenen, aber trotzdem irgendwie schönen Stick-Kurs  und gaaaaaaaaanz viel unglaublich softer, bunter, köstlicher Wolle verleben durfte. :

Schön, schöner, am schönsten. Mein Herz ist übervoll von all den wunderbaren Dingen und Momenten, die gerade auf mich hereinprasseln. Die Zeit rennt immerzu. Meistens eine Spur zu schnell und zu vollgepackt mit Aufgaben oder anderen Ablenkungen, um mich hier wirklich fokusiert und regelmässig zu melden. Das fehlt mir. Über alle Massen. Aber es ist wie es ist, und ich bin einfach nur dankbar, war es mir heute vergönnt, ein paar kostbare Minuten damit zu verbringen, die kleinen Wunder und Wunderbarkeiten des Lebens hier festzupinnen. So viel Gutes wartet da draussen. Auf jeden. So viel Schönes steckt schon in unserem Tag. Felsenfest und oft ganz unerwartet. Ich bin dankbar und noch immer übervoll mit der knisternden, freudigen Energie des gestrigen Festival-Tages. Ich lechze danach, neue Wolle anzustricken, mich in meine Erlebnisse und Pläne zu vertiefen oder Lieblingsdinge in Lieblingsecken neu zu ordnen und zu geniessen, was ich habe. Doch das Rad dreht sich, die Zeit beisst sich weiter voran: Jetzt huschhusch in die Küche. Essenmachen. Mittagessen steht an, der Tag nimmt seinen Lauf und ich sause hinterher- tschüss ihr Lieben! Bis bald!

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, kreative Ideen, like Instagram, this moment, what makes me happy, Wochen-Ende, Zuhause | 9 Kommentare

Dezembertage Nr.5

Gestern wurde dann doch nichts aus meinem Plan mit schön gemütlich Doku-Gucken und Babyjäckchen-Stricken (ach ja, das hier soll es werden. Nochmals haargenau dasselbe. Bloss zwei Grössen grösser). Zuerst fiel mir ein, das ich ja unbedingt noch einen neuen Wandkalender fürs neue Jahr brauche und so machte ich mich hektisch auf die Suche nach einem Jahreskalender 2020, der mir einigermassen gut gefallen könnte. Mir schwebte so etwas in der Art von Phoebe Wahls alten Taproot-Kalendern vor, mit idyllischen Alltags-Szenen, Elfen-Wichtelchen-Welten, üppig wuchernder Natur und so. Etwas das ich nach Abigail Halpins Kalender 2019 an die Wand hängen kann, ohne einen Verlust zu betrauern.
Leider scheint es so etwas schlicht nicht zu geben.
Oder ich bin einfach unfähig, es zu finden. Jedenfalls warf ich nach frustrierenden eineinhalb Stunden fruchtloser Stöberei das Handtuch und switchte einigermassen entnervt rüber zu Netflix für eine weitere Folge „Die Frauen der Wikinger“- nur um feststellen zu müssen, dass es keine mehr gab. Wie man eine Staffel mit gerade mal zwei Folgen eine „Serie“ nennen kann, ist mir wirklich mehr als schleierhaft.
Klar war ich enttäuscht. Und stricken konnte ich auch nicht mehr, weil das Baby plötzlich sehr unruhig war und bei mir im Arm liegen wollte und es sowieso bereits auf Mitternacht zuging…
Heute nehme ich mir darum etwas ganz anderes vor: Früh schlafen gehen! Dann habe ich morgen hoffentlich mehr und bessere Nerven als heute und darum auch einen schöneren Tag.
Aber bevor ich mich verkrümel (und vielleicht doch noch die eine oder andere Jäckchen-Reihe in Angriff nehme), muss ich euch unbedingt noch das hier zeigen: Das süsse, kleine, handgenähte Weihnachts-Gänschen, das ich mit der frischfröhlichen Weihnachtspost von Leserin Kerstin zugeschickt bekommen habe! Als es ganz überraschend aus dem Couvert plumpste, entschlüpfte mir ein regelrechter Aufschrei des Entzückens, denn ich finde es einfach herzallerliebst, das kleine Schnuckelchen.
Wir haben hier ja keinen Christbaum, doch der einzige Grund, wieso ich den manchmal doch vermisse, ist meine Vision von einer Box voller handgemachter Christbaum-Ornamente, die ich Jahr für Jahr um ein, zwei sorgfältig gemachte Exemplare ergänzen und dann mit grosser Freude und nostalgischen Gefühlen an die Zweige hängen würde. Das stelle ich mir schön vor. So richtig weihnachtlich und bedeutsam.
Kerstins Gänschen wäre genau so ein Christbaum-Schmuck, der in meine Box liegen würde. Mit Herkunft und Geschichte und ganz viel Emotion.
Vielleicht hänge ich mir eines Tages einfach einen grossen Tannen-Ast an die Decke, binde Kerstins Gänschen dort an und starte so meine eigene Zweig-Schmuck-Kollektion… Dir liebe Kerstin auf jeden Fall tausend dicke, laute Dankeschöns über die Landesgrenzen hinweg, gell! Dein Gänschen bekommt einen Ehrenplatz- auch ohne Christbaum.

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Jahreszeiten, like Instagram, Themen-Reihen, this moment, what makes me happy | 2 Kommentare

Ausschnitte

Wir haben ein wunderbares Wochenende damit verbracht, Pizzeria-Pizza zu essen, Mascarpone-Cheescake zu backen, Dinge zu verschieben und ein paar kleine Ecken in diesem Haus für uns neu und gemütlich herzurichten. Im hellblauen Zimmer meiner Grossen, in dem sie weder schläft noch Hausaufgaben macht, sich aber ab und zu zurückzieht, wenn sie ganz alleine sein möchte und ein wenig Ruhe braucht, wurde der Staub von den Kanten geblasen, ein stabileres Bett einquartiert und die Lese-Nische unterm Dach kuschelig aufgepolstert. Schön. So still. Friedlich. Hier könnte es mir auch gefallen.

Das antike Schwarzweissbild, das ich ihr zum 10.Geburtstag Ende Juli geschenkt habe, durfte endlich auch an die Wand. Irgendwann im Frühling muss es gewesen sein, als ich es beim Trödler zwischen lauter halb zerfallenen Rahmen entdeckt, und für n’Apfel und n‘ Ei mit nach Hause gebrachte habe. Dass es ihr genauso gut gefällt wie mir, macht mich richtig froh. Aber ich habe nicht wirklich daran gezweifelt. Ich kenn‘ doch mein Mädchen…

Als ich neulich schrieb, ich würde mir etwas Neues, etwas Besonderes wünschen für mein nächstes Strickprojekt, hätte ich wohl kaum mit dem gerechnet, was ich momentan ganz frisch auf meinen Nadeln habe: Nochmals Socken. In Grösse 39. Für mich also. Und hey; sie sind braun. Von Aufregung und Innovation kann also nicht die Rede sein. Aber das muss es auch nicht. Das Garn macht die Musik: herrlisch flauschiges, wunderschön gefärbtes Sockengarn von der Spinnwebstube, mit Merino und Yak und nur einem Bruchteil Nylon, weil ich Naturfasern zwar über alles liebe, mich aber ganz bestimmt nicht in ein paar selbstgemachte Socken vergucke, die dann ratzfatz im Alltagsgefecht durchgescheuert und zerlöchert werden. Ich habe lange überlegt, wie genau ich meine Socken stricken möchte. Ich habe sogar richtig geplant, skizziert, Maschen ausgerechnet und eine erste Socke im Perlmuster begonnen- schliesslich aber alles wieder aufgelassen und beschlossen, diesmal -zum ersten Mal- mehrfarbig zu arbeiten. Braun mit andersfarbeneer Ferse und Spitze und einem kleinen Zierrand gleich nach dem Bündchen. Heute sind weitere Sockenwoll-Strangen hier eingetrudelt. In Goldgelb, Baumgrün, Holz und Asche. Schönheit über Schönheit.

Es gab Brownies heute. Gebacken nach original amerikanischem Rezept. Fudgy und süss und klebrig. Auch wenn ich beim nächsten Mal wahrscheinlich die Zuckermenge um 50-100 gr. reduzieren werde: genau so müssen Brownies sein. Und meine Kleinste und ich hatten unheimlich viel Spass beim Kochsendung-Gucken und Rezepte-Vergleichen auf Youtube… (Dasselbe Rezept findet ihr übrigens auch hier, einfach im Schnelldurchlauf und musikalisch ganz nett untermalt. Und falls jemand sich über eine Übersetzung ins Deutsche freuen würde, hier auf Kirschkernzeit, dann meldet euch ungeniert! So was lässt sich nämlich gut machen, wisst ihr…) Eine süsse Kostprobe unseres nachmittäglichen Backvergnügens wanderte übrigens direkt zu meiner alten Nachbarin. Zum Kaffee. Damit sie auch ein wenig amerikanische Küchenluft schnuppern kann. Die Mädchen freuen sich immer wahnsinnig darauf, bei ihr mit einem Teller homemade Goodies klingeln zu dürfen; sie bekommen nämlich jedes Mal einen Schoko-Riegel, eine süsse Hüppe oder einen Keks zugesteckt…

Dieses Strickmagazin kam neulich bei mir an. Ebenfalls in englisch. Weil ich diese Sprache einfach wahnsinnig gerne mag. Und weil ich Strickmuster liebe und niemals nie genug davon kriegen kann. Allerdings wird diese Ausgabe von „Pompom“ wahrscheinlich zugleich meine Erste und Letzte sein, denn ich bin ein wenig enttäuscht vom Umfang dieses Heftes, obwohl die Bilder fantastisch aussehen und man merkt, dass viel Aufwand um die einzelnen Inhalte betrieben wurde. Aber ausser ein paar zugegeben äusserst hübschen, eher aufwändigen Strickdesigns beinhaltet es… so gut wie gar nichts. Eine reine Strickmustersammlung. Und das bin ich irgendwie nicht gewohnt. „Taproot“ und „Making“ haben mich wohl ein bisschen verwöhnt, denn die wiederum sind für mich Seelen-Nahrung pur.

Das kleine Strampelkind in meinem Bauch erfährt nicht unbedingt viel pränatale Aufmerksamkeit. Meist bin ich einfach nur dankbar, wenn sich mein Bauch und das ganze Thema nicht gross bemerkbar machen und mir genug Energie bleibt, um meinen Alltag einigermassen souverän zu stemmen. Ich finde das Leben ziemlich anspruchsvoll gerade und alles, was sich quer stellt, bringt das Fass zum Überlaufen. Aus Mäusen werden Elefanten, kein Wunder geht das Baby ständig vergessen in all dem Durcheinander.
Diese Woche aber hatte ich phasenweise derart starke Vorwehen, dass ich meine Augen nicht länger davor verschliessen kann: Der Countdown läuft. Die Zeit verrinnt nicht länger, sie strömt bereits ziemlich kraftvoll davon und bringt den Geburtstermin dieses Kindes näher und näher. Und ja, vielleicht kommt es auch früher als erwartet, obwohl das sehr untypisch wäre für mich, aber mit Vorwehen hatte ich bisher ja auch noch nie zu tun, auf keinen Fall mit jenen dieser Art… Nun, das Köfferchen ist jetzt jedenfalls gepackt. Oder vielmehr die Spital-Tasche. (Ich nehme diese hier mit.) Meine Schwester bringt mir ihren Maxicosy für die erste Fahrt im Auto und das, was ich überhaupt noch übrig habe an Säuglingskleidung, ist vom Speicher geholt, gewaschen und einsatzbereit. Keine Ahnung, wann es tatsächlich soweit ist. Es kann im Grunde noch Wochen dauern. Aber es ist ein gutes Gefühl, vorbereitet zu sein.

Jeden Morgen wird mir aufs neue klar; der Sommer liegt im Sterben. Der Hochnebel drückt nach unten, hüllt Häuser und Bäume, den Himmel, den Horizont, alles Leben, alles Sein grau in grau. „Trostlos“ ist das Wort, das mir in den Sinn kommt. Und weil wir alle irgendwie ein bisschen bedrückt und nur zögernd und wehmütig unser warmes Heim verlassen und ich mich völlig unfähig anstelle, die Kinder für die Schule, für ihren Alltag generell zu motiviere, kommt dieses Wort buchstäblich aus tiefster Seele. Trost-los. Da hängt so viel Schwermut in der Luft.

Gestern Abend nach dem Abendbrot ging ich nochmals kurz in den Garten. Abende sind die späten Morgen zu dieser Jahreszeit. Das Bild und die nebelfeuchte Luft sind dieselben. Der letzte Sturm hat zwei unserer Riesen-Sonnenblumen gestürzt und die restlichen haben so schwer an ihren Köpfen zu tragen, dass sie teilweise knicken. Ein trauriges Bild. Und doch so voller Schönheit. Diese tapferen, prallen Sonnen im kalten, milchigen Herbstdunst. Ich stand eine Weile vor dem welkenden Beet. Dann musste ich schreiben. Es gibt Anblicke, die füllen mein Herz mit Worten:

Leise aber vehement und unüberseh-, schlicht nicht länger ignorierbar schleicht sich der Herbst ein. Die wonnigen Freiheitsgefühle des Sommers bekommen einen dünnen Trauerrand. Welke Blätter kräuseln sich, noch halb versteckt zwar. Sie wissen sich zu tarnen, aber ich weiss, dass sie da sind.
Bereit bin ich nicht.
Das bin ich nie.
Doch mein Widerstand bildet Risse angesichts der wilden Schönheit einer üppig gereiften Natur. Ich muss nicht bereit sein, den Sommer ziehen zu lassen.
Ich muss nur annehmen, was ist. Akzeptanz ist eine Kunst, die das Stundenglas der Zeit mich lehrt.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, Jahreszeiten, Natur, Stricken, this moment, what makes me happy, Wochen-Ende, Zuhause | 11 Kommentare

mein Eden

Der frühe Morgen ist längst vorbei, es geht gegen Vormittag und die Sonne lacht mir vom Himmel entgegen. Es ist so warm, dass man an Mittsommer denkt und die heissen, trockenen Tage wecken Erinnerungen an vergangenen Sommer, einen Sommer, der die Wüste in die Schweiz brachte, ein beinahe landesweites Feuerverbot und Wasserknappheit rundherum, aber auch herrliche Zeiten der Freiheit unter blauem Himmel, plantschend und lümmelnd faul und einfach nur herrlich, herrlich, herrlich
Genau so habe ich mich auch gestern gefühlt.
Und vorgestern.
Befreit.
Wieder mit weiter Lunge atmend.
Belebt, erfrischt durch eine ungefilterte, kräftig-optimistische Natur, die nichts weiter will als wachsen, gedeihen, grösser, weiter, unbändiger werden, neue Wurzeln setzen und alle Äste strecken. Was ich tief in mir drin nachfühlen kann und irgendwie, ganz ohne es zu wollen, sofort imitiere. Der Sommer macht mich kräftiger. Es ist die ganz unmittelbare Sinnlichkeit, diese geballte Ladung an Licht, Wärme, der eindringliche Wechsel an Empfindungen, die an einem einzigen warmen Sommertag im Freien (in Freiheit!) auf mich einströmen und gefühlt werden wollen: Sonnenglut, Hitze auf meiner Haut, der erste Schock an Kälte, wenn ich ins kühle Wasser steige (ein Kinderplantschbecken reicht mir ja schon aus im Moment), das Kribbeln, während alle Feuchtigkeit von der Sonne aufgesogen wird, Kontraste, süsse, kalte Eiscreme, geeister Kräutertee aus Minze und Zitronenverbene, das Platschen meiner Füsse auf den brennenden Steinplatten der Gartenwege, kitzelndes Gras auf meinen Fusssohlen, das Lachen der Menschen, der Frieden äsender Tiere, die Stille eines frühen Morgens, wo die Wiesen feucht sind und frisch, die Luft aber von Minute zu Minute mehr von der kommenden Mittagshitze spricht. Die Hitze lässt keinen Platz für grosse Gedanken, Sorgen verpuffen sofort. Alles was möglich ist, ist zu fühlen, das Aufnehmen dessen, was der Moment an mich heranträgt, ganz unmittelbar, mit hellwachen Sinnen.
Ich öffne mich wie eine Blüte.
Und alles ist gut.
Vollkommen für den Moment.

Augenblicke wie dieser, ich in der Hängematte unter einem blühenden Holunder, der dann und wann seinen süssen, betörend heimeligen Duft zu mir hinüberweht, leise schaukelnd, die Hände auf dem prallen Bauch, in dem es strampelt und lebt und rundherum das blanke Glück der Menschen- und Tierwesen, summende Bienen auf Thymian, pelzige Gesellen vor dem Stall, Kinder, die mit Gejauchze und Geplatsche ins Wasserbädli springen… Zeit die stillstehen sollte. In meinem Kopf bilden sich Visionen. Zukunftsträume werden wieder wach, Träume vom Hof, von Färbe- und Heilpflanzen in einem üppigen Garten, von Ziegen und Schafen und handgesponnener Wolle und wie ich mit meinen Töchtern und meiner Mutter an einem sonnigen Nachmittag Garne färbe oder Kursgästen selbstgemachten Eistee und Beerenmuffins serviere. Ein bisschen glaube ich fast, dass sie wahr werden können, diese Träume, aber nur ein bisschen. Und das ist mir genug. Was ich bin und habe, scheint gross genug zu sein in diesem Moment. Gross genug, um mich auszufüllen mit Freude, Dankbarkeit, Zuversicht.
Wunschlos.
Oder so gut wie.
Sonderbar wie viel die Magie des Sommers auszurichten vermag. Sie wischt alle Dunkelheit fort. Alles Hadern und Klammern. Löst Starrheit und Sturheit und lässt die Dinge neu fliessen.

Bei Instagram habe ich geschrieben:
„Hundstage Anfang Juni. Und ich liebe sie! Ich finde kaum Worte, um zu beschreiben, wie glücklich mich die Sonne, die Pflanzen, dieser wunderbare, kleine, unvollkommene Garten, die Insekten- und Tierwelt gerade machen… Das alles ist meine Medizin. Nach all den harten Monaten voller Übelkeit und Hadern mit mir, den Umständen und meinem überforderten Körper, nährt mich nun der Frühling, der erste Hauch von Sommer, und dieses Heilmittel ist hochpotent, ich spüre es mit jeder Faser meines Seins.
Vielleicht werde ich heute doch noch einen kleinen Blogpost schreiben… Die Worte kommen immer. Irgendwie. Ich muss bloss den ersten Buchstaben setzen…“

Und genauso ist es auch. Die Worte kommen. Ich muss sie nicht rufen, sie rufen mich und ich gebe ihnen Raum, weil ich sonst berste vor überfliessender Liebe, der Liebe zu meinen Pflanzen, den Bäumen und Büschen und Blumen in meinem Garten, die ich jeden Morgen aufs Neue mit hüpfendem Herzen begrüsse, so als wären es Freunde, die mich in ihrem?… meinem?… unserem Reich willkommen heissen. Mein Garten bildet die Oase, in der ich Zuflucht finde. Vor allem Übel dieser Welt. Wo ich heil werde und satt. Mein kleiner Garten Eden.
Eden.
Ein wunderschöner Name…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, grüner Leben, Jahreszeiten, Natur, this moment, what makes me happy, Zuhause | 10 Kommentare