Archiv der Kategorie: anderes

zu meinen Füssen #5

„Ich will sehen, was sich abspielt zu meinen Füssen, mit wachem Geist und weit offenen Augen, sehen, was ich antreffe und erkennen, wo ich gebraucht werde, da sein, mit allen Sinnen. „Zu meinen Füssen“ heisst diese Reihe mit lauter Bildern von dem, was ich sehe, wenn mein Blick nach unten fällt. Der Boden, auf dem ich stehe, die Arbeiten, die auf mich warten, Brotkrümel, verstreute Nudeln nach dem Mittagessen, Licht, das die Holzdielen erwärmt, Füsse, grosse und kleine, Kinderspiel und Hausarbeit;
Ein Grossteil meines Alltages spielt sich am Boden ab. Und wer sieht, was ich sehe, kann mit daraus lesen…“

Schritt für Schritt

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under construction

under construction

Da wäre einmal dieses Langzeit-Projekt, dick und gestrickt und mit breiten Streifen in mattem Lila, Violett, Beige, Braun und so was wie Fliederweiss. Ich stricke daran, seit die letzte Ziffer unsere Jahreszahl zur 3 gewechselt hat- oder vielleicht sogar schon länger- und geniesse es, zu sehen, wie die Reihen sich langsam, langsam über meinen Schoss ausdehnen, während ich arbeite, mir die Beine wärmen und herrliche Bilder in mir wacht ruft, von einem schlafenden Baby, warm und mollig eingepackt, die Lider zucken leicht im Schlaf, und die kleine Hand hält einen lila-braun-weiss-gestreiften Zipfel…

Aber auch sonst ist hier gerade vieles am Werden. Under Construction. Ein neu begonnenes Strickprojekt für mein Baby. Braun und einfach. Hoffe ich. Und ein kleines Patchwork-Projekt, von dem ich einfach nicht lassen konnte, nachdem eine gewisse (seit einer Woche permanent in Gebrauch stehende) Baby-Schlupf-Hose mir mit ihren satten, frischen Farben ein wenig den Kopf verdreht hat. Der Frühling ist nicht mehr ganz so weit, das spüre ich. Auch draussen in der Natur steht schon so viel neues Grün under construction, baut sich langsam im Verborgenen auf, schöpft Kraft, macht zuversichtlich seine Pläne und wartet geduldig aber wachsam auf den richtigen Moment…

Genauso fühle ich mich auch. Ich sammle Ideen und pinne mein Inspirations-Board so voll wie es nur geht, mit überlappenden Schichten und kleine, liebgewonnenen Schätzen neben ermutigenden Bildern, Ausdrucken von Projekten oder Szenen, die mein Herz höher schlagen lassen und kreative Kräfte in mir wach rufen, bis sie sich regen und dehnen und irgendwann dann ihre Wurzeln schlagen hinein ins Hier und Jetzt…

So wie mein Mann das tut. Wurzeln schlagen. Er arbeitet so hart und ausdauernd an diesem Haus hier, und das, obwohl er weiss, wie sehr es mich hinauszieht, in „unser“ Bauernhaus, das ganz bestimmt irgendwo da draussen auf uns wartet, und irgendwann für uns bereit stehen wird. Obwohl er mich nach Kräften unterstützt in der Suche danach, schlägt er altes Täfer aus, demontiert schäbige, braune Küchenfronten, dort, wo eines Tages ein richtiges, grosses Bad stehen soll, schleppt zentnerweise Schutt und ausgerissene Linoleum-Platten und zaubert mir die allerschönste, schneeweisse Waschküche, die man sich nur vorstellen kann. Er bringt so viel Schönheit in dieses Haus. Weil er möchte, dass ich glücklich bin. Mich geborgen fühle, zuhause. Dass ich mich hier einnisten kann und doch so was wie Wurzeln schlage für die Zeit, die uns hier gehört…

Und „under Construction“ stehen auch meine Spinn-Künste. Obwohl das Wort „Kunst“ in diesem Fall eindeutig ein bisschen zu weit geht. Kunst ist etwas anderes, schöne, stabile Fäden, organisch geformt, lebendig, einmal etwas schmaler, einmal ein klein wenig dicker… aber ganz bestimmt nicht so wie mein Woll-Gewirr. Das ist nicht mehr organisch, sondern exzentrisch.
Aber es wird. Bestimmt. Wir arbeiten daran. Ja, wir arbeiten daran…
Vielleicht ist es mit dem Spinnen ein wenig so wie mit dem Leben selbst; Kleine Schrittchen, grössere Schrittchen, und plötzlich wird man zu schnell, verheddert sich in seiner eigenen Begeisterung, seinen Plänen und dem Wunsch, voranzukommen. Man strauchelt, stolpert, fällt hin. Und muss wieder neu ansetzen, den Faden wieder aufnehmen, eine Lektion lernen und weitergehen, in dem Tempo, das richtig ist für diesen Augenblick. Langsam. Langsam. Stetig, aber nicht überstürzt. Mit ganzer Konzentration auf das, was einem wirklich wichtig ist, mit dem Ziel im Auge, aber allen Sinnen beisammen, verankert im Augenblick.

Das Ziel ist wichtig, ganz bestimmt. Aber es ist nicht alles. All diese Projekte, so schön sie auch sind, und so sehr ich mich auch den Moment freue, wo ich sie zu einem Ende bringen werde, ich möchte niemals aus den Augen verlieren, dass all die Schritte (oder Schrittchen vielmehr) genauso zählen, die Freuden und Kämpfe, die sich mit eingeflochten haben in den ganzen Schaffens-Prozess und nicht nur mein Projekt, sondern auch mich verändert haben. Auch sie haben ihren Sinn und ihren Wert.

Das Leben ist eine Baustelle. Und ich wünsche mir, dass ich, während ich meinen Lebensfaden weiterspinne, immer wieder daran denke, dass ich nicht alles bereits von vornherein verstehen oder beherrschen muss. Sondern dass ich Zeit habe und auch den Platz, Fehler zu machen, zu lernen, zu fallen. Ich hoffe,  dass ich nie vergesse, mit Freude voran zu gehen. Und dass mir immer wieder bewusst wird, dass ich in allem, was ich bin und tue, eine Lernende bleiben werde, bis ganz zum Schluss.

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Alles hat seine Zeit


Es gibt Zeiten, in denen ich einen Salatkopf aus dem Unkraut (a.k.a Garten-Beet) ziehe, ihn wasche und rüste und rübisundstübis aufesse. Mit einem guten, zufriedenen Gefühl, das nicht nur den Körper satt macht.

Und dann gibt es Zeiten, in denen ich am liebsten jedem, der auftaucht, einen Salat in die Arme drücken würde, weil ich ahne, dass der sonst in seinem Beet vergammeln müsste. Zeiten, wo mir die Energie und die Motivation für alles fehlen und mir selbstgezogenes Gemüse (mit seinen Raupen und Läusen *schauder* gilt) irgendwie fast unmöglicherscheint für mein Leben.

Es gibt Zeiten, in denen ich darauf brenne, dass die Kinder endlich ein Spiel finden, das sie alle für eine Weile glücklich beschäftigt hält, weil ich Ruhe brauche, und ein bisschen Freiraum für mich, zum Stricken, zum Aufräumen, zum AusdemFenstersehen.

Und dann gibt es Zeiten, die verbringen wir alle zusammengekuschelt unter der Bettdecke, versunken in einem FünfFreundeBuch-Abenteuer (das ich laut vorlese) und es gäbe keinen Ort auf der Welt, wo ich glücklicher wäre.

Es gibt Zeiten, in denen habe ich genug Zuversicht,  mich auch an ein ganz neues,  auf den ersten Blick vielleicht erschreckend grosses Projekt heran zu wagen.  Und wenn ich ganz besonders grosses Glück habe, fällt diese Zeit zusammen mit einer Phase, in der mir die Arbeit leicht von der Hand geht und das Schaffen eine Freude ist.

Dann wiederum gibt es Zeiten, da will einfach gar nichts gelingen, es schleichen sich Fehler ein in meine Maschen, ganze Projekte geraten schief, weil mein Körper ganz anders zu sein scheint als der, an welchem das Strick-oder Nähmuster erprobt wurde. (Was natürlich die eine oder andere kleine persönliche Ab-Änderungerfordert. Die dem Projekt dann den Todes-Stoss verstezt)

Es gibt Zeiten der schöpferischen Schübe. Und es gibt Zeiten wo meine ellenlange To-do-Liste (die eigentlich ja „Wanna-do-Liste“ heissen sollte) mich gar nicht mehr so sehr inspiriert als vielmehr bedrängt.

Es gibt Zeiten… und es gibt eben Zeiten.
Unser Leben steht in ständiger Bewegung. Wie Ebbe und Flut. Wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Es bleibt nicht stehen, sondern verändert sich permanent; von sonnig zu düster, von steinig zu eben, von fruchtbar zu karg… und wieder zurück.
Nichts bleibt wie es ist.

Die Natur weiss das, und sie nimmt Rücksicht auf Veränderungen. Sie verteilt die Aufgaben so, dass, dass sie auch erfüllt werden können. Keine Blume wird versuchen, im Winter zu blühen…

Aber ich, ich versuche es. Ich versuche so oft, Dinge zu … schaffen, für die die Zeit einfach (noch) nicht reif ist. Die schlichtweg nicht passen im Augenblick.
Manchmal ist es besser für mich, nicht auf all die atemberaubenden Frauen links und rechts von mir zu sehen (und ja, ich finde sie atemberaubend!), sondern den Blick auf die Dinge konzentriert zu halten, die jetzt möglich sind. Für mich. Für uns.
Alles hat seine Zeit, höre ich mich wieder und wieder zu mir sagen. Alles.
„Hmmm… Vielleicht versuche ich gerade mal wieder, im Winter zu blühen…“ , denke ich. Und lege die Häkelnadel weg.

Diese Häkel-Weste, die ich so sehr bewundere und so wahnsinnig gerne auch zustande bringen würde (ich hab sie oft bei mir, was man ihr gar nicht ansehen würde), hat mich schon einige Male ziemlichaus der Fassung gebracht. Über 1500 Maschen, die aufgelassen werden mussten. Über 4 Stunden Häkel-Arbeit, die im Sand verlief.

Vielleicht ist ihre Zeit einfach noch nicht gekommen?
Vielleicht brauche ich im Moment einfach… schlichtere Projekte, die immer gelingen, die rasch und nebenbei entstehen und mir gerade deswegen Freude machen, weil ich weiss, worauf ich mich einlasse. Vielleicht verlangt die Zeit gerade nach… Entschleunigung und Einfachheit…

Das Stricken dieser simplen Kinder-Woll-Mütze (eine etwas verkleinerte Form der Herren-Mütze aus dem Buch: „Einfach Stricken“) war haargenau, was mir gut tat. Und gut tut im Augenblick. Einfach, vertraut, gelassen. Keines dieser beeindruckenden, komplexen Werke, auf die man stolz sein könnte… aber… einfach das, was jetzt, in diesem Moment das Richtigezu sein scheint.

Es ist Zeit für ein bisschen mehr Gelassenheit, glaube ich.
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Aus- Zeit

Liebe Freunde!
Ich fühle mich zur Zeit nicht sehr wohl (nein, leider nicht, was Ihr jetzt vielleicht denkt, schön wär’s…)
und glaube, ich brauche eine kleine Auszeit hier, um Kräfte zu sparen.
Nächtste Wochen bin ich wieder da, hoffe ich.
Euch wünsche ich alles, alles Gute, eine robuste Gesundheit und ein freudvolles Herz!
Eure Bora
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