Archiv der Kategorie: anderes

Wohlfühl-Sachen

In letzter Zeit denke ich ab und zu an England. An Sherlock Holmes’ London im Nebel, ans Dartmoor und eine schöne heisse Tasse Tee in einer gemütlichen Landhausstube mit tiefer Decke und Schatten rund um ein flackerndes Kaminfeuer, an Bettsocken und gute Freunde und im Winterwind klappernde Fensterläden. Alles in mir lechzt nach ein paar Stunden im Bett, mit Knabberzeug und einem fesselnden Buch (gerade lese ich mit grossem Vergnügen “Das Haus der Freundin” von Victoria Clayton, zum dritten Mal innerhalb von 10 Jahren). Gemütlichkeit ist wohl gerade genau das, was ich brauche, Gemütlichkeit und Zeit zum Vertrödeln und EsMirGutGehenlassen. Ich würde meine dicken Kissen aufschütteln, mir ein, zwei Quilts und meine gestreifte Wolldecke bis zum Kinn hochziehen, süssen Grüntee trinken und das Licht soweit dämpfen, dass ich die Buchstaben auf den Seiten gerade noch entziffern kann, es aber trotzdem schaffe, mich mitreissen zu lassen, fort von hier, fort von meiner Normalität, hin zu… irgendwohin, ins Land der Geschichten, wo einfach alles anders ist und mir darum so bereichernd und wohltuend vorkommt.

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Und natürlich würde keine Jeans tragen. Sondern Schlabberschlupf-Hosen, weich und bequem und absolut hinreissend anschmiegsam, von der Sorte, wie man sie seinen kleinen Kindern anzieht, von Geburt an, sofort, sich selber aber immer ein bisschen komisch vorkommt darin, wenn man sich dann so rauswagt, um die Zeitung zu holen oder -in meinem Fall, denn ich lese niemals Zeitung- zum Dorfladen rübergeht, um sich einen Kranz Brötchen und einen Liter Milch zu holen. Versteht mich nicht falsch; Ich bin ein absolut loyaler Schlabberschlupf-Hosen-Fan. Schlabberschlupf-Hosen sind super! Genial, frauenverstehend, befreiend und total solidarisch, im Grunde ja das einzig Wahre, wie ich finde… aber ich spüre, dass es schon ein wenig mehr Selbstsicherheit von mir verlangt, mich in diesem Aufzug nach draussen zu wagen, mit wogenden Hosenbeinen rein ins Getümmel, wo einem werweisswas erwartet, als mit Jeans, die straff und souverän sitzen und einem wie von selbst nahtlos eingliedern ins Massenblau der hosentragenden Menge. Sagen wir es so; mit Jeans fühle ich mich wie … eine von allen, wie eine, die dazugehört. Mit Schlabberschlupfhosen, egal wie gut geschnitten sie auch sein mögen, fühle ich mich wie… ich, wie ich, das Individuum, ein bisschen anders, ziemlich authentisch, unverhohlen ungeziert und ein wenig gammelig. Auch das ist gut, aber an Orten, wo ich mich sicher und daheim fühle definitiv entspannender als beim Lehrergespräch in der Schule…
Wie dem auch sei, just in diesem Augenblick trage ich gerade eine schwarze Jersey-Hose von Hess Natur, mit feinen Bundfalten und wirklich sündhaft teuer, aber so unglaublich bequem, dass ich sie niemals mehr ausziehen möchte und mich frage, warum man überhaupt Pijamas braucht, wenn man es doch jede Stunde des Tages so bequem und unverkrampft haben könnte…

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Kinder haben es hier ganz klar besser. Meine Mädchen zum Beispiel. Sie tragen Leggins unter Kleidchen, weiche Stoffhosen mit Flatterleibchen, Strumpfhosen mit abgeschnittenen (da hoffnungslos verlöcherten) Fuss-Teilen zu kunterbunten Patchwork-Jupes: Schlabberschlupf-Sachen also in allen möglichen (und gerne auch unmöglichen) Kombinationen. Und dabei sehen sie immer genau so aus, wie sie sind; frei und fröhlich, vom Wind zerzaust und ungestüm und zuckersüss, aber niemals, wirklich niemals irgendwie no go. Kinder tragen, was ihnen gefällt, worin sie sich wohl fühlen und fast ausnahmslos nur, was sich auch wirklich gut anfühlt auf ihrer Haut. Und sie machen damit das einzig Richtige, finde ich. So weit weg vom Mode-Diktat wie möglich, hin zu wirklich lebensfreundlichen Sachen, die den Körper wärmen und kleiden, ohne Besitz von ihm zu ergreifen. Das finde ich so wichtig. Und ungeheuer inspirierend und schön.
Darum nähe ich weiter. Für sie (und vielleicht auch für mich, eines Tages). Schlabberschlupf-Hosen. In lila zum Beispiel aus einem gefärbten Stück alter, seidenglatter Baumwoll-Bettwäsche. Auch wenn sie vielleicht manchmal nach Pijama aussehen. Und fülle die Mädchen-Schrank-Regale damit, so weit ich eben komme mit meiner Zeit und Energie. Neue Hosen sind hier jedenfalls stets willkommen, alle Naselang schon fast, wie mir scheint, so schnell wachsen diese schmalen Kinderbeine aus ihren Säumen heraus.

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Kinder, also damit könntet ihr euch eigentlich ruhig ein bisschen mehr Zeit lassen…

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Und das Surfer Girl reist zu…

Nula SeltenArtig!

Kind1 musste zu nachtschlafender Stunde noch als Glückfee herhalten, und ich denke, er hat seine Sache gut gemacht, oder? Liebe Nula, ich freue mich total für dich und melde mich noch bei dir, damit wir auch die richtige Adresse aufs Couvert schreiben können, ja? Das Surfer Girl ist schon ganz hibbelig vor lauter Vorfreude und hat längst schon die Koffer gepackt… Schön, zu sehen, dass eine kleine Verwechslung beim Prints-Verpacken schlussendlich noch so viel Spass (war total spannend für mich!) und Freude bringen kann…

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Irena Sophia und ein Giveaway (mein erstes!)

Während ich das hier schreibe, ist das Dachfenster über meinem Kopf einen Spalt weit geöffnet. Kühle Abendluft strömt herein, als feines Rinnsal, das sich langsam ausbreitet hier im Raum. Ich würde es gerne ganz aufreissen, mein Fenster, um möglichst viel dieser herrlich frischen Luft einzulassen, aber wegen der bösen Mücken und anderen Biestern lass ich das mal lieber und begnüge mich stattdessen mit meinem Rinnsal. Auch das ist schön. So belebend und duftend nach der Hitze des Tages. Es kühlt mir den Nacken, die Beine, die Schultern, und riecht nach Regen, Tau und grünem, feuchten Laub. Wie Waldluft. Wie der Dunst unter den Bäumen.
Ein Herbstgruss ist das, ganz bestimmt, heute wurde mir das so richtig bewusst; das Sommer ist schon derart reif und voll, dass er langsam müde wird, stehen bleibt, schwer, dick bepackt in seinem Blütenstand, wo die Samen bereits reifen. Es ist als würde alles den Atem anhalten.
Bis der Herbst kommt. Und mit ihm neue Bewegung.
Schön. Ich liebe den Herbst. Und ich liebe seine Vorboten, den leisen Wechsel hin zum Feuchten, Kühlen, zum verhängten Blau-Grau mit hellen, warmen, fröhlichen Tupfern tagsüber, wenn die Sonne sich zeigt. Diese feine Melancholie, die Spinnweben spannt über alles und jedes und niemals schwer wirkt, sondern einfach nur ehrlich, weich und empfinsam. Mich macht das alles froh irgendwie. Auf eine sehr sonderbare Art und Weise.

Und genauso geht es mir auch mit Irena Sophia, einer jungen Künstlerin aus New York.

Ihre Kunst, berührt mich da, wo der Herbst ansetzt. Vielleicht weil sie malt, als wären ihre Figuren Traum-Gestalten, immer ein bisschen stumm, immer ein wenig ernst, aber offen und lebendig und voller Sprache in nur ganz wenigen Strichen und Farbtönen. Alles wirkt zart und fragil, und trotzdem charakter-stark und eigensinnig. Keine Ahung, wie Irena das macht, aber sie macht es ungeheuer gut, finde ich.

Normalerweise kaufe ich keine Kunst im eigentlichen Sinne. Ich hänge sie auch nicht auf, ausser es handelt sich um Kinder-Kunst, die schon, die findet sich überall hier im Haus, angepinnt, mit Masking Tape an Regale, Türen, Wände geklebt oder immer öfters auch richtig gerahmt, mit Passepartout und allem. Da gibt es auch einen alten, gerahmten, wunderschönen Scherenschnitt hier im Haus, mit einer Burg (für mich Ronjas “Matthisburg”, ganz klar) und ein Ölgemälde vom Trödler (eine sehr dramatische Gewitterstimmung), aber sonst? Wie gesagt, normalerweise kaufe ich keine “Kunst”. Vielleicht weil mich ein Bild wirklich begeistern und berühren muss, damit ich es mit mir nach Hause nehme. Ich will ja keine Galerie eröffnen. Ich will mich mit Dingen umgeben, denen ich mich verwandt fühle. Oder die zu mir sprechen. Die mich inspirieren, mir gut tun.

So wie Irena Sophias Bilder. Die tun mir gut, sehr sogar. Und das, obwohl da auch eine gehörige Portion “Manga” in ihnen steckt, wo ich doch sonst so absolut kein Fan bin von Anime…
Aber das hier, das ist einfach was ganz anderes, wisst ihr. Hier habe ich manchmal wirklich das Gefühl, mir selber in die Augen zu sehen… Ihre “Mama mit Baby” zum Beispiel -einmal in warmem, schlichten Braun, einmal himmelblau und märchenhaft- Dieses Bild spricht Bände… ganz ohne Worte. So ist Muttersein für mich, genau so, diese unfassbar schöne, milchdunstgetrübte allererste Zeit mit einem Baby, eine Zeit wie nicht von dieser Welt, so warm und flüchtig…
Ich musste es kaufen. Ich konnte gar nicht anders.

Und ich kaufte noch mehr. Jede Menge andere schöne Dinge, Postkarten, Kalendersets, noch ein oder zwei Prints, Bilder zum Verlieben… Oh ja, es ist Liebe. Auf den ersten Blick. Und wohl so ziemlich für die Ewigkeit. So richtig “und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute”. Eine Kunst-Liaison mit Happy End eben.

Nur einmal in einer ihrer Sendungen, ist Irena ein klitzekleiner Fehler unterlaufen: Anstelle von “Sail away”, einem wunderschönen, romantischen Druck mit einem Mädchen im Märchenkleid, das kleine Schiffchen ins Wasser setzt und fröhlich zusieht, wie sie langsam davonsegeln, lag plötzlich “Surfer Girl” in meiner Mappe.

Auch nicht schlecht, aber ein Surfer Girl bin ich bei weitem nicht, eher so der Segelschiffchen-Typ, und als Irena den Irrtum bemerkte, ging auch umgehend das richtige Bild zu mir auf Reisen (welches nun im lila Zimmer hängt, wo ich mich jeden Tag aufs neue darin verliebe)…
Eine kleine Verwechslung, die gar nicht so schlecht war- für euch. Irena und ich haben nämlich ausgemacht, dass ihr “Surfer Girl”-Print euch gehören soll, oder besser gesagt, einer von euch, *Trommelwirbel*, der glücklichen Gewinnerin meines allerersten Giveaways nämlich. Hinterlasst einfach bis Montag 12.8. ’13 einen Comment (ob mit oder ohne Blog) und das Los oder eines meiner vier Glücksfeen-Kinder wird dann entscheiden, wohin es unser “Surfer Girl” zieht.

Noch ist ja Sommer. Zeit für lange Tage am Pool, am Fluss oder See. Oder am Meer, wem dieses Glück vergönnt ist. Sommerbriese, Hitzeflimmern, sich kräuselnde Wellen auf heissem Strandgestein… Und wer drinnen sitzen muss, über Akten oder einem verkrusteten Backofen, den es zu reinigen gilt, der wirft vielleicht einfach ab und zu einen Blick, einen wehmütigen, auf obiges Foto, wo unser Surfer Girl langbeinig und fit wie ein Turnschuh schon mal die Qualität des Wellengangs abschätzt und dabei ganz unglaublich souverän und elegant aussieht… Und wer weiss, mit ein bisschen Glück gehört es vielleicht sogar bald dir.

Veröffentlicht unter anderes, Fundstücke, Schatzkammern im Netz, what makes me happy | 30 Kommentare

zu meinen Füssen #5

“Ich will sehen, was sich abspielt zu meinen Füssen, mit wachem Geist und weit offenen Augen, sehen, was ich antreffe und erkennen, wo ich gebraucht werde, da sein, mit allen Sinnen. “Zu meinen Füssen” heisst diese Reihe mit lauter Bildern von dem, was ich sehe, wenn mein Blick nach unten fällt. Der Boden, auf dem ich stehe, die Arbeiten, die auf mich warten, Brotkrümel, verstreute Nudeln nach dem Mittagessen, Licht, das die Holzdielen erwärmt, Füsse, grosse und kleine, Kinderspiel und Hausarbeit;
Ein Grossteil meines Alltages spielt sich am Boden ab. Und wer sieht, was ich sehe, kann mit daraus lesen…”

Schritt für Schritt

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