Archiv der Kategorie: Themen-Reihen

unmittelbar 3

Der Sommer ist vollends angekommen, heiss und trocken versetzt er dem satten Grün einen blässlichen Gelbstich und versengt den Boden zu meinen Füssen.
Ich geniesse seine freundlichen Morgen, in denen ich mich willkommen bin und sehr, sehr lebendig.
Routine und Rituale fühlen sich befreit an, nicht länger dröge und drückend: das Zuklappen der Läden am Morgen zum Schutz vor der Hitze, das nächtliche Aufreissen der Fenster, die leisen Rotoren der Zimmerventilatoren, Eiscreme am Nachmittag, Wäsche an der Leine jeden Tag, das klitzekleine Babybad, das ich meinem Kleinsten vormittags in die eine Hälfte der Sandmuschel laufen lasse, ganz, ganz langsam, damit das Wasser im Schlauch auf dem Weg zum Plantschbecken von der Sonne vorgewärmt wird.
Ich bin voller Dankbarkeit für all diese kleinen, immer gleichen Dinge, fühle mich warm und wohl und geborgen in meiner Oase.
Der Sommer erdet mich.
Vielleicht weil ich die meiste Zeit keine Schuhe trage.Die Zeit scheint still zu stehen, versickert aber lautlos irgendwo im Tag, in den Rissen der trockenen Erde, der Wasserpfütze auf dem Plattenweg, dem Grillenkonzert am Abend.

Ich möchte festhalten, alles, jedes und jeden. Gleichzeitig entspannen sich meine Hände, mein Geist, mein Gemüt. Aller Energie gehört dem Erfühlen verbummelter Augenblicke.

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unmittelbar 2

Wuschelhuschel in der Gartenlaube, wo nix jemals so so adrett, sauber und ordentlich bleibt, wie ich es hinterlasse, wenn ich draussen im Schweisse meines Angesichts, Kram wegpacke, Böden fege und Decken ausschüttle (diese blöden Ohrwürmer!)
Nach mir kommen immer andere. Kleine Leute, die Tupperdosen mit Kreidestaub füllen (ihr Rohstoff für allerhand Elixire und Pinselfarbe), beim Meerschweinchen-Füttern das Heu kreuz und quer in der (frisch gewischten!) Gegend verteilen und niemals ihre Schuhe wegräumen. Von den schmutzig getretenen Teppichen und den gammeligen Quilts auf dem Rasen ganz zu schweigen.
Aber davon wollte ich nicht erzählen, es ist mir nur gerade so ins Auge gesprungen. Wichtig war eigentlich das hier: Das Heu in der Ecke ist dasselbe, das im gigantischen, geborgten Duvetbezug drin steckt. Frisches Bio-Heu, das ich selber mit der Heugabel auf dem nahen Mini-Feld einer neuen, sehr, sehr grosszügigen Bekanntschaft ein paar Ecken und Häuser von uns entfernt wenden und nach dem Trocknen einsammeln durfte.
Die Feld-Besitzerin ist grossartig.
Das Gefühl, mit einer Gabel bewaffnet trockenes Gras durch die Luft wirbeln zu lassen ebenfalls. Bloss das unfrohe Baby, das weder auf dem Rücken noch im Kinderwagen sitzen mag, das kann einem schon ratlos machen. Wie auch immer die Frauen auf ihren Höfen das sonst so wuppen mit Kind und Feldarbeit- ich ziehe hochachtungsvoll meinen Hut vor ihnen.

PS. Das waren jetzt mehr als 5 Sätze, gell. Geht in Ordnung. 5 wäre wohl schlicht zu wenig für so ein Plappermaul wie mich. Bleiben wir bei maximal 10. So über den Daumen gepeilt.

 

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„unmittelbar“: schon wieder eine Themenreihe

Oje. Schon wieder hab ich so viel Zeit verstreichen lassen… Ich weiss nicht recht; ob das zur Gewohnheit wird? Oder ob es schlicht nicht anders geht? Vielleicht sind sporadische Posts ganz einfach mein neues Bloggen… Ein Gedanke, der mir nicht gefällt, aber wenn der Leben nunmal das Tempo angibt…
Ich denke oft darüber nach. Über Social Media. Über das Bloggen, über Instagram. Über ihr Gutes, ihr Schlechtes, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Seit ich Instagram habe, fühlt es sich an, als tanzte ich auf zwei Hochzeiten, was spannend ist, aber auch sehr anstrengend und spaltend. Genügen kann ich nirgendwo, denn meine Energie muss sich teilen, bündelt sich nicht. Bei Instagram mag ich die Unmittelbarkeit: klicktipprelease. Fertig. Und die direkten, unkomplizierten Kontakte, die sich irgendwie… auf Augenhöhe bewegen, man sieht und wird gesehen. Was ich ganz klar nicht mag, ist der permanente Wettbewerb, der Druck, „am Ball zu bleiben“, das Vergleicheziehen. Ich hasse diese Zahl oben in meinem Profil. Meine Followerzahl, die manchmal raufgeht, oftmals aber auch wieder runter, und die ich krampfhaft zu ignorieren versuche, immer wieder aber trotzdem ins Auge bekomme, dann zum Beispiel, wenn ich etwas in meinen getaggten Artikeln suche oder so. Es schmerzt mich, diese Zahl so in Bewegung zu sehen. Vor allem wenn sie sich reduziert. Es fällt schwer, das nicht persönlich zu nehmen, dabei lösche ich selber völlig sorglos Accounts aus meiner Folge-Liste und meine das ganz und gar nicht böse, sonder ziemlich pragmatisch. Ausserdem, seien wir ehrlich: „Kirschkernzeit“ gehört nun wirklich nicht unbedingt zu den Accounts auf Instagram, denen man folgen müsste. Da gibt es weitaus Schönere, Spannendere, Bildgewaltigeres.
Manchmal habe ich den Eindruck,  heute noch zu Bloggen, das ist tatsächlich veraltet. Dann überlege ich, was ich lieber schliessen möchte, meinen Blog oder „Kirschkernzeit“ bei Instagram, und allem Zeitaufwand zum Trotz -denn das Bloggen braucht Zeit, ziemlich viel Zeit sogar, ich schaffe kaum einen Post in unter 90 Minuten!- ist es immer mein Blog, der gewinnt.
Trotzdem. Dass ich so oft so lange nicht schreiben mag oder kann… das gefällt mir nicht recht. Vielleicht ist liegt es am Aufwand. Vielleicht hindert mich unbewusst das Wissen über die Stunden, die so ein Post verschlingt, Zeit, die nicht mehr gestrickt werden kann, nicht Hörspiel gehört, nicht aufgeräumt oder geschlafen. Vielleicht hat Bloggen, so, wie ich es kenne und liebe, momentan einfach keinen Platz in meinem an Kindern und Aufgaben recht vollen Leben?
Mit den „Trio“-Posts wollte ich genau dagegen antreten. Gegen die Hürden, die zwischen mir und dem Schreiben liegen. Ich wollte einen Rahmen setzen, der das Bloggen einfacher und möglicher macht, so dass es wieder zur Gewohnheit werden kann, nicht zu einer Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Nun… ich habe wahnsinnig gerne so geschrieben. Aber kurz und einfach waren eigentlich nur wenige Einträge. Um das Bloggen wirklich zu ent-mächtigen, müsste ich den Rahmen noch enger spannen, mir ein stützendes Korsett anlegen im Grunde, das Ganze radikal vereinfachen. Um mir zu zeigen, dass Bloggen auch so aussehen kann: schnurz und kurz und völlig ohne Schnickschnack. Instagram lebt genau davon. Vom Schnurz und Kurz. Der nächste Post kommt ja bestimmt.

Für die nächste Zeit jedenfalls habe ich mir vorgenommen, genau das zu tun: radikal reduzierte Beiträge zu machen. Und mit reduziert meine ich wirklich reduziert. Ein Foto. Maximal fünf Sätze. That’s it.
Ich werde diese Reihe „unmittelbar“ nennen. Weil sie unmittelbar sein soll. Schnörkellos und unverkrampft.
Mal sehen, wie sich das anfühlt.
Mal sehen, wie sich das liest.
Wahrscheinlich lohnt es sich kaum, jeden Tag hier vorbei zu kommen, so kurze Posts kann man locker einmal die Wochen lesen, aber immerhin; einmal die Wochen sind dann welche da, nicht so wie jetzt, wo ich vierzehn Tage oder länger brauche, um überhaupt meinen Laptop zu öffnen…

Ursprünglich hatte ich 6 Bilder oben eingesetzt. Bilder über dies und das, und genau so hiess auch mein Titel ganz zu Anfang, als ich mich zum Schreiben hinsetzte.
5 dieser Fotos habe ich wieder gelöscht.
Ich merke; genau diese Einfachheit brauche ich jetzt. Weil ich Zeit brauche. Für anderes. Und weil ich mir nicht selbst im Weg stehen möchte. Mit zu hohen Ansprüchen. Die mich dann an dem hindern, was ich eigentlich machen möchte hier; entspannt und mit Freude Tagebuch führen.
Meiner kleinen Erstklässlerin habe ich gestern zu ihrem 8. Geburtstag ein Tagebuch geschenkt. „Sie kann doch kein Tagebuch führen“, meinte meine Grosse. „Dafür muss man doch richtig gut schreiben können!“
„Nein überhaupt nicht“, gab ich zur Antwort. „Das geht auch mit ganz wenigen Worten und Sätzen. Da wächst man dann rein.“
Genau das möchte ich wieder. Ins Bloggen reinwachsen.

Meine 5 Sätze zum Foto wären -schnurz und kurz- also Folgende:
Wolle, Wolle aus meinem Vorrats-Regal, die ich so schrecklich gern anstricken möchte.
Und sei es nur deshalb, weil ich wissen will, wie sie verarbeitet aussieht, wie ihre Farben spielen, die Maschen sich legen und verflechten.
Die violett-pinke ganz rechts in der Ecke, die ist nun ein Ball.
Mit der blauen in der Mitte („Rosy Green Heb Merino Fine“) plane ich bereits so halb ein Babyjäckchen für das dritte Kind einer Frau aus dem Dorf.
Doch da sind Projekte in drei Strickbeuteln, die mich hindern, bereits zu weit fortgeschritten, um sie zu ignorieren.

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Trio: Tag 10

Guets Mörgeli!
Wieder Schule heute, ich bin fast ein bisschen froh darum. Wir haben hier bereits seit einer Weile wieder so gut wie normalen Unterricht, sprich, jedes Kind geht in seine normale Klasse zu ganz normalen Zeiten, um ganz normale Schuldinge zu tun. Kein Zwei-Wochen-Takt, kein Homeschooling. Gerade tut mir das eigentlich ganz gut. Es gibt mir Rhythmus und Verlässlichkeit, etwas, was ich selber ganz stark brauche, und was ich nur schwer in unser Familienleben zu bringen vermag; egal, welche Regeln oder Abläufe wir planen und festlegen, schon nach kurzer Zeit läuft wieder alles anders. Koordination und Beharrlichkeit scheinen nicht zu meinen mütterlichen Fähigkeiten zu gehören. Gelassenheit leider auch nicht, und eins kann ohne das andere ganz schön fatal sein…
Wie dem auch sei; wir hatten ein schönes Wochenende. Obwohl ich ein bisschen krank war. Oder vielleicht gerade deswegen? „Dank“ meiner anhaltenden Erkältung, blieb ich nämlich zuhause mit dem Baby, während fast die ganze Familie (bis auf Kind2, der sich auch unwohl fühlte) zu einem ganztägigen Familientreffen aufbrach. Ich hatte wieder Schokoladencreme à la Gemma gemacht, die richtigrichtig toll wurde (Ich muss es nochmals betonen: lasst diese Creme ziehen! Am nächsten Tag oder nach zwei, drei Stunden im Kühlschrank schmeckt sie wirklich viiiiiiel besser als direkt warm aus dem Topf!!!) Mein Mann wiederum brachte seine zwei Blech selbst gemachte Zopf-und Ruchbrot-Kugeln zum Grillfest mit. Er ist Bäcker. Aber nur im Geheimen, wie Lotta von der Krachmacherstrasse sagt.
Von der Creme bekam ich dann ja leider nichts mehr ab, die wurde ratzeputze aufgegessen (yes!) und nur die leere Schüssel kehrte zurück, also kochte ich sonntags gleich nochmals eine grosse Portion. Die steht jetzt im Kühlschrank und wird heut‘ unser extra sahniges Dessert for three, für mich und die beiden kleinen Mädchen, die heute als einziges mit mir am Mittagstisch sitzen werden. Der Rest der Familie isst auswärts. Kind1 bei der Arbeit, wo sie immer gemeinsam kochen (wie cool ist das denn?!), Kind2 ganz alleine irgendwo in der Stadt, wie jeden Montag, und meine Grosse hat ihren Abschluss-Ausflug mit der Klasse, sprich, sie tummelt sich im Wald und brät sich ein Würstchen über’m Feuer.
Nur zu dritt also… Ich und zwei eher kleinere Esser. Ich denke, das ruft nach Pfannkuchen?
Oben auf den Fotos seht ihr noch einen Ausschnitt aus einer Illustrierten, die ich neulich zerlegt habe: Blumenkohl-Blätter kann man mitessen. Nicht bloss die weissen Röschen. Hab‘ ich gerade gelernt. Ich finde es sonderbar, wieviele essbare Dinge ich eigentlich gar nicht kenne. Wieviele essebare Dinge, die wahrscheinlich meisten Leute nicht kennen. Da ist so viel Wissen zwischenzeitlich verloren gegangen. Giersch, Möhrenschalen, Blumenkohlblätter, Himbeer-und Brombeerlaub…. lauter Sachen, die uns gut tun würden, die wir aber einfach wegwerfen, als Unkraut oder unnütz abtun. Weil wir es nicht besser wissen. Ich staune, was man zum Beispiel alles aus schnödem Löwenzahn machen kann! Tee, Kaffee-Ersatz, Medizin, Salat, Honig- unglaublich! Meine Mama hat eine ganze Wiese davon um ihr Haus herum. Da wo früher mal Rasen war *hüstel* wuchert es seit längerem gelb und grün, Löwenzahn und Wegerich hauptsächlich, wenngleich sich Disteln auch noch wohlfühlen. Alles ungespritzt, alles naturbelassen, genau wie die Brennesseln, die büschelweise bei ihr im Schatten wachsen, und die sie immer in ihren Smoothie schmeisst, was ich ganz schön tapfer finde, denn grüne Smoothies sind nicht so meins.
Jedenfalls habe ich eine ganze Tasche Löwenzahn bei ihr bestellt. Blätter zum Trocknen für eine magenstärkenden Tee. Und ein paar Blüten für eine Gesichts-Tonic. Ich finde es unglaublich spannend, welche Welt sich mir gerade auftut. Ich meine, all die Kräuter und Pflänzchen, die ich kennenlernen darf! In der Flasche zum Beispiel ist Essig, den ich mit Oregano und einem Zweiglein Rosmarin angesetzt und ein paar Wochen hab‘ ziehen lassen. Dem Oregano wird nämlich so manche Wunderkraft nachgesagt. Dass er gegen Viren hilft, gegen Pilze und Bakterien und in Magen und Darm für Ordnung sorgt. Von dieser Power kommt jetzt heute ein bisschen in meinen Salat. Superkräfte sollte man nämlich nutzen.

PS. Ach ja… Da das Rezept der Schokoladencreme auf englisch ist; soll ich es euch übersetzen?
PPS. Oje… noch immer habe ich es nicht geschafft, eure lieben Kommentare zu Tag5 zu beantworten… Ich glaube, ich lasse das jetzt einfach so stehen und schicke euch mein allerallerlallerherzlichstes Dankeschön für eure Ermutigung und eure Herzlichkeit. Habt Dank, ihr Lieben!

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