Archiv der Kategorie: Stricken

Frei-Räumen

Ich empfinde diesen Herbst als sehr… mild. Mild in jeder Hinsicht. Es gab viele Morgen, die nicht grau waren, ohne Hochnebel und Morgendunst, dafür mit Sonne und der Leichtigkeit, die normalweise typisch ist für den Sommer und nicht unbedingt für den Oktober unserer Region.
Ich kann nicht sagen, dass ich das schade finde.
Im Gegenteil; ich habe das Licht und die Wärme in diesem Jahr schätzen gelernt. Und ich hoffe insgeheim, dass dieses Gold mir noch ein wenig länger erhalten bleibt… auch wenn ich es offen gestanden mehr vom Dunkelwarmen meines Hauses aus geniesse und den Kopf in letzter Zeit vor allem in Schränke und die Tiefen meiner Woll-Tablare oder Kleiderboxen stecke, statt mir die Herbstsonne auf der Nase kitzeln zu lassen. Der Grund; ich brauche mehr Luft und Platz. All der Staub und das Gedränge in meinen Sammelsurien lasten auf mir, mehr als ich es mir meistens eingestehen möchte. Von Zeit zu Zeit aber dringt diese Wahrheit wieder in mein Bewusstsein zurück und dann kaufe ich mir ein neues Entrümpelungs-Buch und mache mich wieder einmal an die Arbeit (die ich niemals zu Ende führe, sondern auf halber Strecke aufgebe, aber immerhin ist dann das eine oder andere Zimmer wieder ein wenig befreiter und übersichtlicher und mein emotionaler Rucksack ein kleines bisschen leichter).
Diese Woche habe ich meine Kleider durchgesehen, einiges weggeben, auch meinen Schmuck und einen Teil meiner Schuhen, wo ich aber das Gefühl hatte, eigentlich alle noch unbedingt zu brauchen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Silberohrringe und -Ketten via Whatsup in meinem Familien- und Freundeskreis zu verschenken, und dass jetzt praktisch jedes Teil ein neues Zuhause gefunden hat und es begeisterte „Ja, das nehme ich wirklich gerne!“-Ausrufe  gab, war eine sehr schöne, befriedigende Erfahrung (Lang lebe Whatsup! Ich bin immer mehr ein überzeugter Fan davon). Gerade habe ich auch noch ein paar Sachen online auf Ricardo eingestellt und erhoffe mir einen kleinen Batzen Sackgeld, mit dem ich mir dann… Wolle kaufe?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht. Es gibt mir momentan ein unsinnig gutes Gefühl, Garne aus meinen Vorräten zu verbrauchen und mich in Zurückhaltung zu üben, was das Schneuggen beim Strickcafé oder in der Spinnwebstube angeht. In meine seit langem gehorteten Strangen „Tosh DK Tannenbaum“ bin ich auf jeden Fall wieder ganz neu und intensiv verliebt, und mit jeder weiter gestrickten Reihe oder Runde finde ich die Farbe umwerfender. Auch wenn ich alles, was ich innerhalb der letzten Woche damit gestrickt habe, wieder auflassen musste. Mein Pulli wurde einfach zu weit. Und gleichzeitig trotzdem zu dicht und zu schwer. Ich glaube, „Tosh DK“ ist nicht das Richtige für Melody Hoffmanns „Tender“-Sweater. Dafür sollte ein Garn dünner sein und mit mehr Drape fallen. Aber das hier könnte etwas sein: „In Stillness“ von Alicia Plumer. Ein einfacher aber sehr hübscher Pullover, mit dem ich schon seit langem liebäugle und den ich mir sehr gut vorstellen kann in Kombination mit einem so schlicht-schönen Garn wie „Tosh DK“. Allerdings habe ich vorgestern ein wenig daran gestrickt und entdeckt, wie knifflig das Muster zwischenzeitlich scheint…
Zum Ausgleich und vor allem, weil ich mich momentan hauptsächlich nach relaxtem Strickglück sehne und weniger nach neuen Herausforderungen, habe ich gestern Nacht während meiner 3. Staffel „Mr. Selfridge“ ein neues Supersimpel-Projekt angeschlagen: Eine Babydecke mit diagonalen Blockstreifen (so etwa nach dieser Anleitung hier), mit der ich erst noch alle meine Reste-Knäuelchen „Drops Baby Alpaca Silk“ verarbeiten darf, was ein echtes Highlight bedeutet, denn wie gesagt, Abbauen und Verwerten sind gute Dinge, die mir den Antrieb schenken, der mir so langsam aber sicher verloren geht, keine Ahnung warum.
Ein neues Baby ist zwar nicht in Sicht. Und auch nicht geplant.
Aber das macht nichts.
Babydeckchen sind immer gut. Denn Babies kommen und wachsen und kommen und wachsen und kommen und wachsen… und alle brauchen sie etwas Warmes und Kuschliges, das sie in Empfang nimmt auf dieser Erde.

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dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

Veröffentlicht unter Familienalltag, Stricken, what makes me happy, Zuhause | 8 Kommentare

kreativ am Rande

Die Schule hat wieder begonnen- und mit ihr dieser ganze Terminwahnsinn und die hin- und her schwappenden Hochs und Tiefs gewisser Kinder, die mit der Menschenmenge und der vorgegebenen Geschäftigkeit des Schulalltages einfach nicht zurecht kommen.
Die letzten Tage habe ich oft daran denken müssen, wie es wäre, die Kinder zuhause zu unterrichten. Offen gesagt, denke ich; in unserem Fall wäre es grob genommen nicht unbedingt ein Plus. Weder für die Kinder noch für mich. Ich war selber eine sehr glückliche Schülerin, die sich absolut geborgen und zuhause fühlte im Klassenzimmer und diesen Familien-entrückten Raum absolut brauchte, um mich ausserhalb der familiären Beziehungsmuster neu zu definieren. Genau dieses Phänomen beobachte ich auch bei sicher zwei meiner Kinder; Mein 6-Klässler und seine 3 Jahre jüngere Schwester blühen sichtlich auf inmitten von Stundenplan, Pausenhof und Klassenverband. Sie sind wissbegierig, werden inspiriert und emotional gefordert und genährt in ihren Schülergruppen und sehen in ihren Lehrern und Lehrerinnen (beide haben mehrere) nicht nur Autoritätspersonen, bei denen man Zucht und Ordnung lernen soll (hihi), sondern irgendwie auch sowas wie… sympathische erwachsene Begleiter. Kind2 zB. hat einen fantastischen jungen Mann als Lehrer, einen Sportler, Schiedsrichter im Volleyball, glaube ich, äusserst fair und voller Elan, der auch mal 5 gerade sein lässt und mit den Kindern viel lacht. Kind2 hat sich enorm gemacht in den letzten 2 Jahren bei ihm. Überhaupt die ganze Klasse. Sie ist richtig zusammengewachsen und gemeinsam durch so manche Konfliktsituationen gegangen, die es zusammen zu lösen galt und die auch bewusst angegangen wurden. Eine eigentliche Lebensschule war das, ist das, denke ich, und weil da jemand dabei steht, der ein Herz hat für Kinder und sich offensichtlich auch selber reflektiert, wird aus dem ambivalenten Thema Schule in diesem Fall ein echter Segen, für den ich unheimlich dankbar bin. Mein Junge erfährt viel Anerkennung, erlebt Freundschaft und die motivierende und aufbauender Kraft und Geborgenheit der Klassen-Gemeinschaft. Und das tut ihm wahnsinnig gut. Genau wie meinem Mädchen, das ihre scheinbar unbändige Energie in der Schule ganz verblüffend zu bündeln vermag; konzentriert und fokussiert im Unterricht, wild und frei in den Pausen. Ich hätte es nie für möglich gehalten und wundere mich noch heute, aber das Kind, das ausserhalb der Schule rasch einmal den Gedanken an ADHS aufkommen lässt (ich gestehe es; auch bei mir), funktioniert in der Schule absolut tadellos und bringt nur Lob und gute Noten nach Hause. (Ich bete zu Gott, dass das anhält).
Anders sieht es bei Kind1 aus.
Und bei meinem Kindergartenkind.
Für Kind1 bedeutet Schule heute einzig: gähnende Öde. Ich bin nicht erstaunt im Grunde, für viele Jugendliche verliert das Klassenzimmer an Reiz und die grossen entwicklungstechnischen und biologischen Lebensthemen bilden eine weite Schere zu Algebra und Plattentektonik. Ich verstehe das. Vollkommen. Aber es ist schade. Wie er sich Tag für Tag rumschleppt und keine rechte Freude empfinden kann an all dem. Das Gymnasium abbrechen möchte er trotzdem nicht, obwohl wir diese Möglichkeit immer wieder ansprechen. Ich für meinen Teil wäre richtig froh, wenn er jetzt erst einmal Automech werden würde anstatt zwischen seinen Buchseiten zu verkümmern, aber er sieht das ganz anders, will sich durchbeissen, das Abitur einpacken- und dann richtig leben, wie er sagt. Weil mir nichts anderes übrigbleibt, begleite ich ihn auf diesem selbst gewählten Weg.
So wie ich meine Kleine begleite.
In ihrem Kindergarten-Alltag.
Und jeden einzelnen verflixten Morgen zum Kindsgi hin und mittags nach Hause. Ihr Weinen und Klammern beim Abschied -ja, immer noch, nach jetzt über einem Jahr- zerreisst mir das Herz und zerrt an meinen Nerven. Neulich musste ich selber losheulen (wie peinlich!) und ich spüre, wie diese Anspannung und die emotionale Belastung langsam wieder an mir zu nagen beginnen. Es ist nicht einfach. Aber irgendwie geht es immer vorwärts. Schritt für Schritt.

Bei all diesen grossen, zum Teil sehr aufwühlenden Themen bleibt kaum noch Zeit für anderes. (Ach ja, nur um den Kreis punkto Homeschooling noch kurz zu schliessen; meine Kleine würde ich aus der Schule nehmen, bzw. aus dem Kindergarten. Wenn ich könnte.)
Mit Mühe und sehr viel Selbstdisziplin habe ich es diese Woche immerhin geschafft, jeden Mittag ein warmes, hoffentlich einigermassen gesundes Essen auf den Tisch zu stellen und die (jüngeren) Kinder rechtzeitig zu Bett zu bringen. Ich habe Wäsche gewaschen, eingekauft und im Secondhand-Laden Schuhe und eine Regenjacke für mein Kindergartenkind gekauft. Ich habe bei der Biobäurin Gemüse gepostet, viel geplaudert dabei und mich unglaublich wohl gefühlt auf ihrem Hof. Sie macht so viel selber. Kocht Bouillon, macht Kräuersalze und Kirschenkompott und so exklusive Sachen wie Lavendel-Sirup oder Zwetschgen-Schnaps. Ich schaffe es gerade noch knapp, den Basilikum vor unseren Meerschweinchen zu retten, bevor sie mir auf ihrer Klettertour durch die Kräuterspirale alles wegknabbern (wo ist eigentlich meine Petersilie geblieben?!) und war sehr stolz,  als ich und meine Kleinste 3 Gläslein grünes Pesto daraus zu fabrizierten. Was Spass gemacht hat, wie man unschwer auf den Fotos erkennt.
Holunderbeer-Sirup kam zustand. Und aus dem üppig wuchernden Strauch Zitronenverbene vom Garten werden nun Tee-Kräuter, einzeln abgezupft und getrocknet und in einem grossen, bauchigen Einmach-Glas verstaut, das mittlerweile voll ist bis obenhin. Man bringt den Deckel gerade noch zu. Die ersten Büschel habe ich wohl bei zu hohen Temperaturen getrocknet. Mein Dörrex stammt vom Trödler, ist eher alt und kam ohne Anleitung daher. Bis ich begriffen habe, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, auf welches Nümmerchen man den Regler stellt, waren die ersten Bleche Kräuter schon fast Heu. Ich verwende sie trotzdem. Vielleicht merke ich ja auch gar keinen Unterschied, wer weiss…

Ansonsten liegt meine Kreativität etwas brach in letzter Zeit. Ich weiss, Soulemama hat uns gelehrt; Man muss sich Nischen schaffen zum Werkeln, Basteln und Nähen und Stricken und Schreiben. Von alleine werden sie nicht frei. Niemals. Da ist immer irgendwas anderes, das getan werden sollte. Scheinbar. Oder auch ganz legitim und offensichtlich. Zeit für die eigenen Bedürfnisse, besonders für dieses unsinnige, kreative Drängen in uns wird sich kaum von selbst eröffnen. Ich muss sie mir ureigenst selber nehmen, freikämpfen, am Schopf packen. Die Sache ist nur die, dass es mich im Moment einfach zu nervös macht, all das Chaos und die drängenden Punkte meiner To-Do-Listen zur Seite zu schieben und… mich strickend zu verziehen. Zum Beispiel. Und wie man sich lärmende, fragende, müde oder überdrehte, nach Zvieri oder einem Pflaster verlangende Kinder vom Hals hält, um in aller Musse eine Masche an die andere zu hängen, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden. Darum mache ich gerade Mini-Schrittchen, was Kreativ-Projekte angeht. Und bastle mehr an Zukunfts-Träumen punkto Näh-Wünsche als an handfesten Schnitt-Teilen. Da wäre ein Quilt zu quilten. Sogar zwei, wenn ich mich recht erinnere. Und Wolle gäbe es auch im Überfluss. Aber eben… wann? Wo? Wie?
Gestern immerhin habe ich das hier geschafft: Ich bin -wirklich hundemüde und emotional ziemlich angeschlagen (da war ein Kindergeburtstag an dem meine Kleine dann urplötzlich auch nicht bleiben wollte ohne mich *argh*)- schon um 21:30 ins Bett geklettert, habe mir Holundersirup und das Radio bereit gestellt und das neue Projekt angeschlagen, an dem ich sicher 3 volle Abende herumstudieren musste, bis ich es ausgewählt und die passende Wolle dazu in meinem Fundus gefunden hatte. Es wird ein  schlichter „Tama“-Pullover. Für meine Kleinste. In Waldgrün. Zuerst war ich nicht wirklich begeistert, es kam einfach kein Feuer-und-Flamme-Gefühl auf in mir, doch so langsam, langsam gewinne ich dieses Projekt lieb. Ich mag die Farbe. Sanft und natürlich. Ein bisschen sommerlich, ein wenig schon Herbst. Ein weiteres Projekt. Kreativ am Rande. Und Grün ist immer gut.

PS. Ich werde es wohl nicht schaffen, alle eure lieben Kommentare zu meinem blauen „Zilver“-Tuch zu beantworten, aber ich DANKE jeder einzelnen von euch für das viele Lob und die guten Gedanken!!!!!!!!!!! Es hat mich wahnsinnig gefreut, sie zu lesen!

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Dankbarkeit, Familienalltag, Jahreszeiten, Kinder, kreativ am Rande, Stricken | 4 Kommentare

„Zilver“- in Blau

Nach der Gluthitze der letzten Sommerwochen hat der Himmel nun Gnade mit uns; von 34 Grad auf 16 Grad, und es fühlt sich an wie Herbst. Ich bin dankbar für diese kühle Welle. Und für den Regen. Für das Wasser, das unsere leeren Flüsse, Bäche und Seen speist. Es ist ein einziges Aufatmen, das spüre ich. Aber gleichzeitig ahne ich auch, dass der Herbst in diesem Jahr schwierig werden könnte für mich; ich habe mich so gewöhnt an Sonne, Licht und Draussensein unter einem freien, himmelblauen Himmel, dass es sich anfühlt wie eingesperrt zu werden, jetzt, wo es regnet, feiner Dunst den Morgen verdüstert und es scheint, als wäre die Natur über Nacht unwirtlich und abweisend geworden…

Vielleicht wird dieses Tuch mir ein wenig helfen, den Wechsel zur kühleren Jahreszeit mit sanfteren Gefühlen und, ja, vielleicht sogar mit ein wenig Freude anzunehmen… Weil ich Wolle liebe und Tücher und Gestricktes und dieses Garn hier, dieses Muster, dieses Tuch ganz besonders. Dabei ist es im Grunde nicht mein Tuch; Ich habe es für meine 9jährige Tochter gestrickt und bete, dass sie es genauso gerne tragen wird, wie ich es tun würde, tun werde, wenn sie mich lässt. So ab und zu.
„Asia“ von Lang Yarns gehört zu meinen allerliebsten Garnen. Es ist streichelsoft und so seidig wie flauschig und fühlt sich wunderbar an auf der Haut. Auch die einzelnen Stiche werden schön abgezeichnet, obwohl ich denke, dass es für besonders zarte Muster wohl bessere Alternativen gäbe, denn mit der Zeit wird das Gewebe doch irgendwie fluffiger und das Maschenbild wirkt verwaschener, was ich sehr liebe, aber nicht bei hochdetaillierten, zeitaufwändigen Strickstücken. Für das Schaltuch „Zilver“ von Lisa Mutch aber ist es gerade richtig. Dieses Tuch strickt sich einfach, das Muster bleibt simpel und gut zu bewältigen, selbst wenn man (wie ich) beim Stricken Hercule Poirot dabei zusieht, wie er gerade wieder einen seiner kniffligen Fälle löst.


Ich habe hier, ganz genau wie bei meinem ersten „Zilver“-Tuch –damals vor 2 Jahren in Bordeaux-Rot– mit einer Rundstricknadel Nr.4 gearbeitet und bin, ganz im Gegensatz zu damals, sehr zufrieden mit der Nadelstärke; das Tuch fällt weich und besitzt genau die richtige Dichte, um das Muster zur Geltung zu bringen, ohne zu locker oder zu satt auszufallen. Von den ehemals 2 Knäueln Garn habe ich allerdings auf fast ganze 4 Knäuel gewechselt, weil ich es grösser und üppiger wollte diesmal. Zuerst hatte ich einen breiten Kraus rechten Borten–Abschluss ins Auge gefasst, doch zu guter Letzt ging es mir wie immer, und das Garn war früher aufgebraucht als geplant…
Ich denke, es ist gut so, wie es ist. Gross aber nicht zu gross. Passend auch für schmalere Mädchen-Schultern.

Ich weiss nicht… als ich so mit Schal-Drapierungen spielte für die Fotos oben unterm Dachboden, während die Kinder draussen für 5 Minuten halbwegs friedlich spielten, fand ich es eigentlich ganz schön, wieder etwas mehr auf der Haut zu haben. Wolle vor allem. Seide und Yak. Herbstlich kuschelig und angenehm mollig.
Der Herbst hat auch seine schönen Seiten.
Seine wunderschönen.
Stricksachen sind eine davon…

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