Archiv der Kategorie: Stricken

Wie eine Adlerfeder

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Voilà.
Hier ist es.
Mein Blockstreifen-Schaltuch.
Ganz schlicht und erdig ist es geworden, in lauter Naturtönen und auch von der Struktur her sehr reduziert. Es war eines der schönsten Strickprojekte, das ich je hatte, also nur schon rein vom Arbeitsprozess her, wo mir alles wunderbar leicht von der Hand ging und mir das an “Zilver” angelehnte Dreickes-Tuch-Prinzip -nach den Randmaschen in jeder 2. Reihe je 1 Masche zunehmen, genauso wie auch vor und nach der Mittelmasche, die ich glatt rechts gearbeitet habe für ein klareres Bild- sofort in Fleisch und Blut überging. Meditationsstricken war das. Völlig entspannt und legère und mit viel Freude.
Spannend war dagegen das Garngefühl in meinen Händen; Die “Seta Tweed” von Lang Yarns war anfangs so ganz und gar nicht mein Garn. Viel zu griffig und zu knubbelig und völlig anders als die glatten, fliessenden Wolltypen, zu denen ich mich normalerweise hingezogen fühle. Nach den ersten paar Reihen wollte ich schon fast aufgeben, denn die Maschen glitten nur mühsam und zögerlich von meinen Nadeln und ich bangte um mein Maschenbild. Doch nach einer Weile tapferen Weiterstrickens wuchs mir dieses Garn mehr und mehr ans Herz und ich verliebte mich in die schönen Sprenkel und die natürliche Unebenheit, die mich an echten Tweed erinnert und besonders in grossen Flächen ganz bezaubernd aussieht. Die Farbverläufe habe ich von hell nach dunkel fliessen lassen und für die ersten 3 Streifen in Sand, Haselnuss und Dunkelbraun immer jeweils einen Knäuel Garn verstrickt, bevor ich mit der nächsten Farbe weiterfuhr. Allerdings wächst der Garnverbrauch mit dem Weiterwerden des Schals rapide an, und das muss man wirklich bedenken beim Garnkauf; für den allerletzten schwarzen Streifen musste ich extra nochmals ein Knäuel beim Strickcafé bestellen, weil das Ganze sonst ziemlich unausgewogen ausgefallen wäre. Auch beim kraus rechten Abschluss hatte ich den Materialverbrauch unterschätzt; Ich musste mehrmals wieder auflassen, weil mein Garn entweder nur noch für zu wenig krauses Gewebe reichte oder mir beim Abketten vorzeitig ausging (das sogar 2 Mal!). Alles in allem finde ich das Resultat aber sehr hübsch. Besonders auch die Farbkombination, mit der ich zwischenzeitlich ganz und gar nicht mehr zurecht kam. Heute mag ich die Spannung zwischen den wärmeren Tönen und dem kühlen, matten Dunkelbraun total gerne. Sie erinnert mich irgendwie an eine Adlerfeder…

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Was meinem Tochterkind als eingefleischter Raubvogel-Liebhaberin natürlich augenblicklich ins Auge fiel. Beim Fotoshooting schnappte sie sich dann das Tuch auch ganz spontan und wickelte sich darin ein, als wäre es eine zweite Haut oder ein exzentrisches Kleidungsstück irgendwo zwischen Poncho, Top und Toga.
Wäre mein Adlerfedernblockstreifentuch nicht schon anderweitig reserviert, ich glaube, ich würde es ihr schenken, die Kombi von Kind und Schal gefällt mir nämlich ausgenommen gut.
Jetzt hoffe ich aber einfach mal, dass mein Tuch der baldigen Empfängerin (einer Woll-Allergikerin, darum Seide und Baumwolle) genauso gut gefällt und ihr lange Zeit Freude macht. So viel Freude wie ich hatte beim Stricken, Garnfarben-Auswählen und beim Fotos knipsen mit meinem Mädchen. So viel Freude. Mindestens.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Wie ihr seht, scheint die Sonne ganz famos zu mir ins Zimmer. Die Spatzen tschilpen draussen, es blühen die Narzissen im Vorgarten und ich freue mich an ein paar freien Minuten, die ich ausnahmsweise nicht dazu benutze, meinem gerade sehr ausufernden Putzdrang nachzugeben- der übrigens auch mit ein Grund dafür wäre, dass es so still ist hier im Blog; Frühlingsputzgefühle drängen mich mit Putzlappen und Essigwasser bewaffnet momentan eher in Richtung Kühlschrank und Küchenschafte als vor den Laptop…
Nachdem mein letztes Projekt, der Blockstreifen-Dreiecksschal, glücklich von den Nadeln rutschte (ich weiss, ihr wollt Fotos!), wird ein neues angeschlagen; der “Sunday Sweater” meines Kindergartenkindes wird endlich Realität. Versprochen ist er ja schon lange und der Winter nun definitiv auch wieder vorbei. Vorsichtshalber habe ich ihr Jäckchen in der Grösse 10 geplant, obwohl sie erst 6 Jahre alt wird im Sommer, aber zum einen stricke ich mit DK-Wolle statt mit der dickeren Worsted-Stärke und zum anderen fielen viele meiner letzten Strickstücke bei ihr eher zu knapp aus, also greife ich diesmal lieber ein wenig vor.
Ich weiss noch nicht, ob mir gerade nach so viel Blau ist, ich glaube, lieber würde ich jetzt in sanfteren Tönen stricken, in Erdfarben oder einem Hauch von Rosé. Aber diese Wolle (Tosh DK “Cobalt”) ist nunmal ihre Wahl, und auch die muss weg, keine Frage, mein Wollregal ächzt und stöhnt bereits unter seiner Last, also Augen zu und durch…

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Viola-Socken

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Wie wunderbar es zu blühen beginnt da draussen! Nach dem letzten Schnee, der vor noch gar nicht so langer Zeit erst weggeschmolzen ist, ging es Knall auf Fall und der Frühling eroberte sich die Welt mit voller Wucht; jetzt strahlen Osterglocken und Primelchen um die Wette und unsere kleinen Aprikosenbäumchen tragen duftende, weisse Blüten an ihren kahlen Ästchen. Ich freue mich wie verrückt an den mutigen Farben dieses Frühjahrs. Und an den süssen Düften, die sich entrollen; Aprikosenblüten, Primelchen, Hyazithen, Buschwindröschen… jedes trägt sein eigenes Parfum und eins riecht besser als das andere…
Pünktlich zur Duftblumensaison sind auch diese tief violetten Strümpfe fertig geworden. Viola-Socken. Wegen dem Veilchenblauviolett.
Es sind supersimple Stricksocken, nach einem Grundprinzip von einer Aldi-Sockenwolle-Banderole (obwohl ich keine Wolle kaufe bei Aldi fand ich die Anleitung einfach spitze und hab sie mir x mal kopiert und jahrelang aufgehoben. Ich würde mal sagen, sie ähnelt in etwa dieser Anleitung hier). Für die wichtigen Eckdaten wie die richtige Maschenanzahl fürs Bündchen, die Ferse, den Zwickel und so konnte ich Gottseidank auf diese grossartige Website hier zurück greifen, die etwas ganz, ganz Tolles zu bieten hat, wonach ich eine Ewigkeit suchen musste: Detaillierte Grössentabellen zum Sockenstricken nicht nur mit 4ply- sondern auch mit 6ply-Garnen, die dicker sind als die gewöhnliche Sockenstrickwolle.
Da ich mir ein paar wundervolle handgefärbte 6ply-Strangen bei der Spinnwebstube bestellt hatte, wollte ich sie natürlich auch sobald wie möglich irgendwie verwenden, und nachdem mich diese Anleitung hier masslos enttäuscht und verwirrt zurückgelassen hatte, stöberte ich so lange im Netz, bis ich alle Angaben beisammen hatte, um sorglos meine stinknormalen Wollstrumpftechniken auf dieses für mich neue, dickere Garn zu übertragen. Supersimple ungetrübte Strickstunden waren die Folge, das kleine Glück des Vertrauten für gerade jene Momente, in denen ich das Gefühl nicht los wurde, irgendwie mit meiner Nussschlale auf offener See in einen Orkan geraten zu sein…

Abgekettet wurden sie gestern, meine Viola-Socken, heute gewaschen und getrocknet und -Trommelwirbel!- sogar fotografiert. Morgen dann werden sie verpackt und mit einem Briefchen versehen auf Reisen gehen… zu einem Geburtstagskind, mit etwas Verspätung zwar (diese doofe Grippe!), aber mit vielen lieben Grüssen und einem dicken Schmatzer unter der Briefmarke…

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umgelenkt

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Die lange Blog-Absenz war nicht geplant. Aber sie hatte ihre Gründe. Mich hat einiges umgetrieben und stark beschäftigt. Der Fall Rupperswil zum Beispiel, der mich seit Dezember 2015 schon nicht mehr loslässt und der nun in dieser Woche mit seinem Gerichtsverfahren zu einem offinziellen Abschluss fand. Für mich wenigstens. Dass die Hinterbliebenen ein Leben lang mit diesem abgrundtief grausamen Ereignis und ihren Verlusten zu kämpfen haben werden, vergesse ich nicht und es macht mich traurig über alle Massen, dass jemand so etwas unvorstellbar Grauenhaftes tun konnte und wollte und damit an einem einzigen, schrecklichen Morgen eine ganze Reihe Leben ausgelöscht oder nachhaltig zerstört hat.
Und dann ist da noch der junge Sportlehrer aus unserer Gegend, der aus heiterem Himmel und in seiner Unterrichtszeit einen für ihn schlussendlich tödlichen Herzinfarkt erlitt. Ich erinnere mich daran, wie frisch er wirkte, voller Elan  und Lebendigkeit wie eine Sprungfeder, und daran dass Kind1, der zu ihm ins Turnen ging, enorm viel von ihm hielt. “Er war einfach ein guter Mensch”, sagt er.
Nun bleiben eine junge Frau und ihre Kinder allein zurück.
Ich muss oft an sie denken.

Irgendwie fehlte mir die letzten Tage die innere Gelassenheit, um zu bloggen. Ich hätte nicht gewusst, worüber ich schreiben sollte, und alles, was mir in den Sinn gekommen wäre, hätte vom Tod gehandelt, von Fassungslosigkeit und von der Ohnmacht, fremdes Leid mitansehen zu müssen oder auch nur davon zu wissen.
Vielleicht wird es nächste Woche besser. Wahrscheinlich.
Hoffen lässt mich dieser braun-schwarze Schal, an dem mir der dunkle, letzte Streifen nach anfänglicher Skepsis nun ungemein gut gefällt. Er wäre eigentlich gestern nacht fertig geworden… wenn ich nicht die abschliessenden kraus rechten Reihen vergessen hätte. Nun rollt sich der glatte Rand unverblümt nach innen und ich werde mich wohl gleich an den Küchentisch setzen, um  Hunderte von abgeketteten Maschen aufzufassen und einen Teil wieder aufzulassen. Für einen sauberen Abschluss. Nicht unbedingt eine Freude, doch was sein muss, muss sein, die Dinge brauchen einen bewusst gesetzten Punkt.
Das Schöne ist aber, dass er wohl bald fertig sein wird und ich mich wirklich und aus tiefstem Inneren freue, ihn demnächst einem besonders lieben Menschen schenken zu dürfen. Ja, ich freue mich an dieser kleinen Arbeit in meinen Händen. Ich freue mich am wunderbaren Garn und den erdigen Farben und einem einfachen Muster, das sich so hübsch entwickelt. Ich freue mich am Gedanken an eine gute Freundin und all die Liebenswürdigkeiten, die sie in mein Leben gebracht hat. Und ich freue mich darauf, ihr mit diesem schlichten Schaltuch ein wenig von der Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen zu können, die ich empfinde.
Wie wichtig und gut es doch ist, die Gedanken auf Schönheit und Wärme und menschliche Nähe zu lenken, gerade wenn die Welt um einem herum und in einem drin in Aufruhr steht und das Leben sein hässliches Gesicht zeigt…

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