Archiv der Kategorie: Stricken

Trio: Tag 8

Eigentlich wollte ich ja gestern noch schreiben… aber abends, als ich endlich Zeit dazu hätte finden könne, fühlte ich mich einfach zu kränklich für viele Worte und verkrümelte mich mit einer Episode „Rosemary and Thyme“ gleich um neun ins Bett…
Heute geht’s mir besser. Nicht unbedingt blendend, aber besser, und das ist ja, was zählt, oder? Dass alles in die richtige Richtung läuft.
Meine „zehn Dinge“ konnte ich montags aber tatsächlich noch entrümpeln, das war mir wirklich in Anliegen, auch wenn ich mich bereits recht schlapp und angeschlagen fühlte an diesem Tag. Weg kamen: 2 Wohnbücher, ein Näh-Heft, ein Gesellschafts-Spiel, eine noch ungeöffnete Box mit Ikea-Besteck, ein hübsches, graues Jäckchen aus Seide und Kaschmir, das mir einfach zu eng sitzt, vier Knäuel Sockenwolle.
Puh.
Nicht dass es besonders anstrengend gewesen wäre, diese Dinge zu ordnen. Es sind ja alles leichte Sachen, eher klein und so… aber ich finde es immer wahnsinnig anstrengend, mich den grossen Entrümpel-Fragen zu stellen. Mir so richtig ehrlich zu antworten, meine ich. „Brauche ich das noch?“ „Warum möchte ich es behalten?“ „Wenn es nicht mehr da wäre, würde ich es vermissen?“ Und die schlimmste aller Fragen: „Wie realistisch ist es, dass ich meine Pläne mit diesem Gegenstand tatsächlich noch verwirklichen werde?“
Nun, obwohl es schöne Bücher sind (das hier und das hier) und auch das Jäckchen ganz entzückend und kuschelweich ist, musste ich mir selber eingestehen: nein, hier horte ich Dinge, die im Grunde nicht mehr passen. Nicht zu mir, nicht in mein Leben. Vor allem aber: Jemand anderes wird sie vermutlich sehr viel mehr wertschätzen als ich. Warum sollte ich nicht mit meinem Überfluss ein wenig Freude weitergeben?
Die Bücher werden verschenkt, das Jäckchen gehört ab sofort der Freundin von Kind1. Das Besteck reist mit einem Spenden-Container in den Osten, mein Burda-Heftli kommt als netter Zusatz mit hinein in ein nächstes Geschenk-Paket, das Brett-Spiel wandert in die Kiste für den nächsten Kinder-Flohmarkt.
Und die Wolle?
Die Wolle kommt in eine grosse Tüte fürs hiesige Altersheim. Ich oute mich als absoluter Woll-Junkie. Mit Wolle kann man mich so richtig, richtig glücklich machen, und ich habe kein schlechtes Gewissen, mich selber mit den schönsten, weichsten, hinreissendsten Garnen, die ich finden kann, zu verwöhnen. Aaaaaber; manchmal lass ich mich auch blind verführen. Zu Käufen, die nicht wirklich hätten sein müssen. Oder ich verändere mich. Schneller als ich ein spezifisches Garn verarbeiten konnte. Dann bleiben Knäuel oder Strangen liegen und liegen und liegen und liegen, werden überlagert von neuen, noch hübscheren Exemplaren und gehen irgendwann fast ganz vergessen. Und machen mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich sie dann wieder entdecke.
Dabei gäbe es auch hier Menschen, die Freude daran hätten. Jetzt. Heute.
Mir kam irgendwann die Idee, in unserer Alterssiedlung anzufragen, ob es vielleicht strickende Damen (oder Herren?) unter ihnen gäbe, denen ich meinen Überschuss schenken könnte. Et voilà: sie nehmen meine handgefärbte Sockenwolle oder die überberechneten Knäuel Baumwoll-Merino mit Handkuss. Win-win auf allen Seiten! Gerade habe ich einen weiteren Strang Wolle in die Tüte geschoben. Fast 800gr. werden so noch diese Woche ein paar Strassen weiter abgeliefert und endlich zu den Socken, Mützchen, Babyjäckchen verstrickt, für die sie ursprünglich gedacht waren…

Die Fotos sind ein bisschen unzusammenhängend, ich weiss. Ich habe sie noch gestern abend geknipst, bevor ich die Kinder zu Bett gebracht habe. Darum auch das schlechte Licht. Ganz oben seht ihr unsere Stuben-Wohnwand mit Büchern, selbst gezogenen Kerzen, meiner „Taproot“-Hefte-Sammlung, einem Korb mit bemalten Steinen, unseren uralten Pappmaché-Hund und den beiden Kuscheltieren „Mausi“ und „Bär“, die meine Mama einmal selbst genäht hat. Hier herrscht ständig Chaos. Sachen kommen, nur wenige gehen wieder. Einzig die Bücherreihen, die werden immer schmaler…

Meine Maschenprobe mit der grünen „BFL/Masham DK“ von „Woollentwine“ hat übrigens Folgendes ergeben: mit Nadelstärke Nr.4.5 verstrickt, komme ich auf ca. 19Maschen und 28Reihen, was praktisch haargenau den Anforderungen einer „Shore Cardigan“ entspricht. Auch von der Textur her -griffig, natürlich, nicht allzu klar im Maschenbild- kann ich mir ein solches Jäckchen mit diesem Garn absolut vorstellen, ja ich finde sogar, die beiden wären ein perfektes Dream-Team…
So wie’s aussieht, ist die Entscheidung soeben gefallen: Ich muss nochmals zwei Strangen „BFL/Masham DK“ in der Farbe „Sage“ ordern. Bzw. anfragen, ob vielleicht bittebitte eine Extra-Färbe-Runde für Frau Kirschkernzeit möglich wäre…?

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, grüner Leben, Stricken, Themen-Reihen, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Trio: Tag 4

Der Tag ist grau, öd und verwaschen und hat ganz klar einmal mehr zu früh begonnen… darum lass‘ ich nur kurz die Gedanken purzeln, bevor ich mich umdreh‘ und weiterwusel zwischen meinem Kram (Hab den Timer auf 30Minuten gestellt und bereits 5 Minuten für die Fotos verbraucht!)
* Gestern nahm ich mir nachmittags die Zeit, einen Jogurt-Rhabarber-Cake zu backen, eigentlich in der Hoffnung, die Mädels hätten Lust mitzuhelfen. Doch nachdem es bereits beim Aufschlagen der Eier (2 anwesende Mädchen, 3 Eier) zu Tränen kam, fand ich die Idee weit weniger genial. Trotzdem wird dieser Kuchen gern gegessen. Tatsächlich ist es einer der Lieblingskuchen von Kind2, und ich freue mich einfach, konnte ich unsere mickrigen Rhabarber-Stängelchen irgendwo einsetzen…
* Unterm Dach haben wir eine ganz kleine, sehr unmoderne, ziemlich schmutzige und verwahrloste Mini-Küche aus den Zeiten, da unser Haus noch eine 3-Wohnungs-Einheit war. Seit einem Brand vor einigen Jahren, der zustande kam, weil jemand unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, bleibt die Küche ungenutzt und alle Geräte ganz ohne Strom. Im Grunde ist sie überflüssig. Brauchen tun wir diese Küche ja nicht, die im unteren Stock ist schön und gross und alles, was ich mir küchenmässig wünschen würde.
Bis anhin hatte Kind1 seine Elektro-Bastelsachen oben verstaut. Doch diese Passion scheint vorbei. In einigen Schubladen lagert noch ein Vorrat an Mehl und Zucker, für den es im Keller zu feucht ist, aber sonst…
Seit ein paar Tagen kommt mir immer wieder der Gedanke, wie es wohl wäre, diese kleine, schäbige Retro-Küche zu räumen und in eine Art… Färbe-Werkstatt zu verwandeln. Kleckse und Flecken richten hier keinen Schaden an und auf den Glaskeramik-Herd passen auch unsere alten, nach dem Kauf eines Induktionsherdes ausgemusterten Pfannen…
*Vielleicht könnte ich ja eines Tages Garne zaubern wie das „Woollentwine Fibrestudio“? Diese zarten, natürlichen Farben…! Ich habe ihren Shop erst vor kurzem entdeckt, bin ihren Naturfärbe-Künsten und den herrlichen Basisgarnen, die sie verwendet, aber bereits mit Haut und Haaren verfallen…
Diese Woche sind drei mildgrüne Strangen ihrer BFL/Masham DK Qualität angekommen; drei wunderbare Strangen wuscheliger und gleichzeitig seidiger Wolle, natürlich, aber edel und sehr verwunschen mit seinem graustichigen Märchenwaldgrün. Ich liebe dieses Garn! Eigentlich hatte ich an ein schlichtes Tuch gedacht, aber jetzt überlege ich, ob ich vielleicht auf das nächste Shop-Update warten und mit zwei zusätzlichen Strangen eine leichte Strickjacke für mich machen soll. Im Stil von Madders „Shore Cardigan“ vielleicht…?

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, Farben, Kochen und Backen, kreativ am Rande, kreative Ideen, Stricken, Zuhause | Hinterlasse einen Kommentar

Sonne und Freiheit

Sonne und Freiheit. Meine Pause ist nur sehr kurz gerade, das Baby schläft schon seit bald 40 Minuten und wird sicher bald erwachen, darum muss ich nehmen, was kommt und schreiben, was mir gerade durch den Kopf flattert. Diese beiden Worte waren die ersten. Sonne und Freiheit.
Heute morgen, als ich die Kinder für die Schule bereit machte, war der Himmel bedeckt. Ich fand das ganz komisch, und mir wurde bewusst, wie schnell ich mich an das schöne, sonnige Wetter der letzten Wochen gewöhnt habe. Regentage sind selten geworden, Sonnenschein die neue Normalität. Wie trocken die Böden wirklich sind, weiss ich nicht, eigentlich redet niemand mehr von Dürre, aber der überaus trockene Frühling war schon ein wenig beängstigend, vor allem gepaart mit Corona.
Angst und Unsicherheit scheinen sowieso treue Begleiter zu werden. Irgendwie geht diese Nervosität, die seit dem Lockdown überall mitschwingt und in praktisch jedes Gespräch einfliesst, gar nicht mehr weg. Dabei habe ich eigentlich keine Angst vor Covid-19 an sich. Ich bin gerade mal 40, gesund und mitten im Leben. Krankheit und Tod kommen mir sureal vor, weit entfernt, nicht für mich bestimmt. Weil ich niemanden kenne, der daran erkrankt ist und auch niemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der krank geworden wäre, wird Corona für mich immer mehr zum Schreckgespenst, das zwar alle fürchten, aber keiner je gesehen hat, eine Art mystische Bösewichtgestalt, Stoff aus dem Alpträume gemacht werden, aber wir erwachen immer, bevor sie uns erreicht.
Irgendwie finde ich das merkwürdig. Dieser Spagat zwischen Denken und Fühlen. Denn im Kopf bin ich der Regierung ja durch und durch loyal. Ich stehe gerade in dieser Zeit zu 100 Prozent hinter Bundesrat und Co., schweige aber mittlerweile lieber, wenn das Thema Corona-Massnahmen aufkommt, weil die Schere innerhalb der Bevölkerung erschreckend weit auseinander geht, was das betrifft. Von Verschwörungs-Theorien bis zur hellen Panik ist alles vertreten, und das Thema ist hitzig bis glühend, die Debatten werden immer mehr mit beinahe religiösem Eifer betrieben, Sein oder nicht Sein, Kampf und Frieden.
Ich finde das schwierig. Schwieriger als Corona selbst im Grunde. Es ist nicht schön, zu sehen, wie die Menschen einen Keil zwischen sich treiben, Pro gegen Contra, und immer sind die anderen die Bösen. Krisenzeiten machen mir Angst. Immer. Vor allem wenn sie sich ganz real und greifbar auf die Art und Weise niederschlägt, wie wir miteinander reden und umgehen und ihr Gift in den Alltag zu tröpfeln beginnt.
Aber lassen wir das.
Lassen wir es fallen.
Lassen wir los.
Ich möchte dem Ganzen hier nicht auch noch Raum geben. Das Leben besteht aus mehr als Corona und so langsam habe ich die Kontroverse sowieso satt. Vielfalt ist schön, ja, aber mein Herz sehnt sich nach Einheit und Schulterschluss (was natürlich schwierig wird mit 2 Metern Abstand).
Darum… lasst mich einfach ein wenig erzählen, in Ordnung? Vom Banalen und Kaum-der-Rede-Werten. Vom Kleinen, das mich freut oder bewegt und in jedem Leben auf diese oder ähnliche Art auftaucht und uns zu dem macht, was wir sind.

Meine Mutter hat mir Spitzwegerich mitgebracht. Aus ihrer Wiese, die längst kein Rasen mehr ist und praktisch nur noch aus Löwenzahn und Spitzwegerich besteht. Meine Seele lechzt nach Pflanzen und Heilkräutern und Grün und heiler Welt… also mache ich Wegerich-Honig. Für Körper, Geist und Seele.
Wieso sich da eine Spargel im Strauss versteckt hat, ist mir allerdings auch nicht ganz klar.

Mein Baby krabbelt! Manchmal platt auf dem Boden wie die Rekruten, manchmal auf allen Vieren, was ihm ganz klar besser gefällt. Seit letzter Woche sitzt er auch souverän und zieht sich an allem hoch, was seinem doch ganz beachtlichen Körpergewicht standhält. Dieses Kind ist so ein aufgewecktes, wackeres Kerlchen, sein süsser Babyspeck wiegt schwer auf meinen Hüften und lässt meinen Rücken schon nach kurzer Zeit schmerzen, was ein absolutes Novum ist für mich. Rückenweh kannte ich gar nicht bisher. Aber hey; schaut ihn euch an! Mag sein, dass er nicht unbedingt das hübscheste Baby aller Zeiten ist, aber ich liebeliebeliebe dieses Kind über alle Massen und finde ihn so niedlich und knuffig, dass ich wirklich an mich halten muss, nicht den ganzen Tag lang an ihm herum zu knabbern…

Püppi braucht eine neue Nase, hab‘ ich gemerkt. Nach vielen Jahren Puppenleben, hat der Zahn der Zeit offenbar doch ein bisschen zu heftig genagt. Der Stoff ist bereits derart zerschlissen, dass beim Näschen die Füllung raus schaut, ein Anblick, der mich fast ein bisschen gruselt. Jemand meinte neulich, Püppi würde aussehen wie Voldemort, und ich glaube, das trifft den Nagel auf den Kopf und erklärt auch mein Gruseln: Ein Gesicht ohne Nase ist einfach unheimlich. Darum verstecke ich Klein-Püppi -oder Lotta, wie meine Kleinste sie ja eigentlich nennt- vorerst in meiner Nähschublade und hoffe, ich finde entweder jemanden, der ihr ein neues Gesicht und somit ein zweites Leben schenkt oder wenigstens die Zeit, es selber zu tun…

Gerade stolpere ich immer wieder über Szenen dieser Art, kleine Arrangements und kurzzeitig verlassene Projekte mit handgeschriebenen Info-Tafeln, die uns über Do’s und Dont’s aufklären. Für mich ist das jedes Mal eine wunderbare Überraschung, so etwas zu finden, ob Ameisenrevier (weil da eine angeblich seltene, getupfte Ameisenart zwischen meinem Rosmarin und dem Oregano hausen soll) oder Trockenplatz für Tannenspitzen (für Hustentee und Meerscheinchen-Medizin), ich finde alles schön, was Kinder mit Enthusiasmus und aus eigenem Antrieb werkeln und erforschen. Und ihre selbst verfassten Notizen? Noch schöner. Ich glaube, ich werde anfangen, sie zu sammeln und in ein Tagebuch zu kleben, mit Foto vielleicht, so als Erinnerung…

Diesen Montag wurde im Kindergarten der 5.Geburtstag meiner Kleinsten gefeiert. Einen ganzen Monat nach ihrem eigentlichen Geburtstag. Weil an ihrem echten Geburtstag alle Schulen und Kindergärten ja geschlossen waren.
Irgendwie sonderbar. Aber auch schön, vom Gedanken her. Mamas und Papas waren aber diesmal ausnahmsweise nicht erwünscht. Coronabedingt. Und der Geburtstags-Znüni -ich habe 3 Blech Cookies gebacken- musste laut Anweisung von oben auch bereits portionsweise verpackt zum Kindergarten gebracht werden. Aus Hygienegründen scheinbar, was selbst einem obrigkeitsgläubigen Menschen wie mir ein bisschen übertrieben erscheint. Aber nun denn, die Gedanken sind frei, was zählt ist das Handeln. Jedenfalls kamen alle Plätzchen in Plastiksäcklein und die Servietten wurden auch noch gleich dran festgebunden, der Handlichkeit wegen. Grün ist das nicht gerade, ich weiss, und ich muss zugeben, ich zögerte auch einen Moment, als ich an den ganzen Plastik und Papiermüll dachte… Aber diese Zeiten sind einfach… komisch. Vieles ist gerade so sonderbar, unsicher und irgendwie zum Teil auch unsinnig, dass ich manchmal schlicht nicht mehr denken mag, sondern auf Autopilot schalte und einfach mache.
Mein Mädchen hatte einen wunderbaren Nach-Geburtstags-Morgen. Und die Cookies fanden regen Anklang. Daran freue ich mich jetzt. Ungebremst und ohne schlechtes Gewissen.

Erinnert ihr euch noch an das blaue Schaltuch aus dem letzten Post? Ursprünglich rein in Krausrippe gestrickt, war es mir irgendwie doch zu langweilig in dieser rein uni-farbenen, eher dunkel-kräftigen Farbe und so habe alles bis zur letzten Masche rübis und stübis wieder aufgelassen. Und neu gestartet in einem ebenfalls super einfachen, recht schlichten, aber trotzdem ein bisschen stärker strukturierten Muster, einer Mischung aus glatt rechten und schmalen krausen Sequenzen, angelehnt an „Farmhouse“ von Cabin Four, welches ich ganz zauberhaft finde. Das Lochmuster am Rand und im mittleren Längststreifen lasse ich zwar weg und anstelle von zwei Reihen Krausrippe stricke ich jeweils drei, doch ich bin entschlossen, die breite  Abschlussborte zu machen und überall diese Bänder einzuziehen, genau wie im Original. Wolle, handgesponnen von einer alten Lady aus der Region, habe ich mehr als genug, und ich bin wahnsinnig dankbar, habe ich dieses entspannende, unaufgeregte Projekt für mich gefunden, eine Art Ruhepol zu dieser sonst so angespannten, wechselhaften Zeit gerade.
Egal wie heftig der Tag auch war- abends kehre ich zurück zu diesem Tuch, zu diesen Reihen, diesen Maschen und einem tiefen, träumerischen Blau. Um mich zu erden. Zur Ruhe zu kommen. Mir etwas Gutes zu tun.
Jeder braucht wohl einen Fels in der Brandung. Diese stille Ruhe-Strickinsel am Ende des Tages -komme, was wolle- ist meine Zuflucht vor allem Überfluss und Übermass da draussen.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Stricken, Themen-Reihen, Weltgeschehen, what makes me happy | 17 Kommentare

Woche 3: Akzeptieren, was ist

Diese Woche war vorbei, kaum hatte der Montag begonnen.
So jedenfalls fühlte es sich an.
Sonntags bleibt dank dem Gottesdienst, den wir via Zoom ganz gemütlich noch halb im Pijama vom Sofa aus miterleben dürfen, immerhin ein Hauch von Wochenstruktur erhalten. Sonntag ist anders. Speziell. Da gibt es, im Gegensatz zu allen anderen Tagen der Woche, nach wie vor einen Termin, ein „Date“ sozusagen: Wir „treffen“ uns mit Menschen ausserhalb unseres Clans, und sei es auch nur virtuell. Ein Blick auf die kleinen Bildschirm-Fensterchen, in denen bekannte Gesichter vor fremden Hintergründen erscheinen, singen vor dem aufgeklappten Laptop, Herrenmahl aus altem Sonntagszopf und einem Schluck Kochwein (gruusig!), die Predigt hören, während ich das Baby ausser Sichtweite stille und die Kinder zeichnen- und nach der „Versammlung“ das eine oder andere „Hallo, wie geht’s euch?“ per Mikrophon quer durch die Schweiz schicken. So sieht der Gottesdient aus für uns. Zu Coronazeiten.
Ich liebe ihn so. Genau so. Verbindlich, aber entspannt. Losgelöst von der Hektik und dem immensen Druck, den ich normalerweise mit unserem sonntäglichen Freikirch-Besuch in Verbindung bringe.
Die anderen Tage sind uniform. Einer gleicht dem anderen. Fast bist aufs Haar. Und nun, da offiziell Ferien sind, fällt auch unsere Unterrichts-Einheit am Vormittag weg, was mir einerseits sehr gelegen kommt, weil ein Zeit-Korsett sich nur schwer schliessen lässt mit quengeligem Zappelbaby auf dem Arm, was mich andererseits aber auch verunsichert. All die Muttis, die ich beim Spazierengehen so antreffe -ganz zufällig, ich schwör’s- berichteten jeweils von ausgiebigen Extra-Schullektionen, die sie ihren Sprösslingen nun angedeihen lassen. Denn „das was die Schule so verlangt, das ist doch viel zu wenig!“.
Ist es das? Tatsächlich? Ich weiss nicht recht… Mir scheint es genug zu sein. Und so hurtig und lerngierig wie all die anderen Kinder -laut ihren Mamas- ihre Schularbeiten erledigen,  sind meine auch nicht. Hier wird schon gearbeitet. Häkchen reiht sich an Häkchen. Aber langsam. In gemächlichem Tempo und ohne grossen Druck von meiner Seite her. Zusatzaufgaben? Damit Hänschen endlich besser wird im Einmaleins? Das Französisch noch einen weiteren Schliff erhält? Die Schönschrift geübt wird?
Hab ich aufgegeben.
Nicht, weil ich es nicht gut finde, wenn alles sitzt. Doch ich möchte den Haussegen nicht opfern. Nicht als Preis für meinen mütterlichen Ehrgeiz.
Gut ist gut genug für mich. Pflichtbewusst darf gerne sein, das schätze ich sehr, aber ich möchte nicht mit der Peitsche daneben stehen und meine Lieben antreiben müssen, sich im Kampf um das beste, klügste, am tollsten geförderte Schulkind möglichst auf Spitzenplätzen zu beweisen.
So lassen wir es entspannt angehen. Und belassen es dabei.
Herausgekommen sind diese Woche trotzdem ein paar sehr schöne Dinge. Zum Beispiel hat meine Grosse (10 Jahre) angefangen, ein wenig zu stricken in ihrer vielen Freizeit. Einen winzigen, gelben Schal für ihren Plüschpinguin. Sie macht das nicht schlecht. Ganz so einfach ist es ja nicht, wenn man zum ersten Mal Nadeln und Faden in den Händen hat und Maschen dabei herauskommen sollen. Vor allem aber sieht es so aus, als würde sie es ganz gerne machen. Und das ist mir das Wichtigste. Handarbeiten hat seinen Stachel verloren, finde ich. Niemand muss mehr stricken oder häkeln oder nähen. Aber jeder darf. Solange es Freude macht.
Ziemlich glücklich bin ich auch mit der Entwicklung, die momentan gerade in meiner Küche vor sich geht: Hier wird nämlich gekocht. Und das nicht immer von mir. Nachdem ich mehr als einmal vollkommen erschöpft und entnervt vom Hantieren zwischen Herd und Babykind zum Essen auf meinen Stuhl gesunken bin und kaum essen konnte mit meinem Zappelkind auf dem Schoss, kam mir die Idee, das Kochen vermehrt auf andere, weitaus weniger eingespannte Familienmitglieder zu verteilen. Delegieren, nennt man das, richtig? Eine feine Sache, dieses Delegieren, wirklich.
Jetzt ist Kind2 zweimal die Woche für unser Mittagessen verantwortlich. Kind1, der ja wochentags am PC für seine Informatik-Bude im Home-Office arbeiten muss, kocht plangemäss einmal am Wochenende, mein grosses Mädchen einmal unter der Woche. Und wenn ich Glück hab‘, zaubert der Herr Kirschkernzeit auch noch das eine oder andere für uns auf den Tisch.
Herrlich!
Ich helfe, wo ich gebraucht werde, plane mit, zeige meine Hausfrauentricks und -Kniffe und überschütte meine jungen Chefs de Cuisine überschwänglich mit Lob. Ach ja; und ich schneide bereitwillig Zwiebeln. Den zarten Äuglein der frischen Jugend scheinen Zwiebeln schlecht zu bekommen, hihi.
Das Wochen-Mittags-Menu dieser Woche war übrigens Folgendes: Ebly-Pfanne mit gebratenem Gemüse, Pilzen und Mozarella. Hackfleischbällchen mit Kartoffelstock, Bratensauce, Möhren und grünem Wirz. Pizza diversico. Hawai-Krapfen mit gemischtem Salat. Pommes mit Chicken Nuggets und Röstgemüse. Chili con Carne mit Fladenbrot. Fehlt noch die Sonntags-Küche. Was es geben wird? Keine Ahnung. Das überlasse ich meinem Liebsten.
Ansonsten… geschieht hier nichts. Und doch so viel. Mein Baby lernt robben. Er kullert und robbt quer durchs Zimmer, wo nichts mehr sicher ist vor ihm.
Mein Kindergartenkind übt derweil ein bisschen schreiben und lesen. Aber nur rudimentärst. Sie möchte auch dazu gehören, das spüre ich momentan ganz stark. Ihren Platz ein bisschen neu definieren und verankern in der Familie. Vom Kleinkind zum grossen Mädchen, schätze ich, denn gerade nimmt sie den Spagat von 4 zu 5, und ich finde diesen Altersschritt doch recht gewichtig, vor allem mit der ganzen Kindergartengeschichte im Hintergrund. Jetzt, wo der Stubentisch so oft zum Klassenzimmer wird, bedeutet dazugehören für sie wohl auch; mitlernen, mitschreiben, mitrechnen, mitzeichnen.
Aber ich pushe sie nicht. Ich lasse ihr ihr Tempo und versuche, dem Ganzen eine lockere, spielerische Note zu verleihen. Und wenn sie keine Lust auf Buchstaben hat, kommt das Zeichenheft an die Reihe. Keines ist besser als das andere.
Am 11. April wird sie 5, meine Kleine. Immer wieder fragt sie nach ihrem Geburtstag und lässt ihre grosse Schwester ihre heissesten Geburtstags-Wünsche in ein frisch gebundenes Notizbuch notieren. Sie freut sich. Freut sich wie wild. Ob ihr wirklich klar ist, dass dieses Jahr keine Oma oder Tanten, auch keine kleinen Gäste an ihrem Festtags-Tisch sitzen werden, ist mir noch nicht ganz klar, aber ich bin entschlossen, ihr diesen grossen Tag trotz allem so schön und freudvoll zu gestalten, wie ich nur kann.
Im Vorfeld bedeutet das für mich vor allem; stricken. Ihre allerliebste Waldorfpuppe Lilly soll ein paar neue, mama-gemachte Wollsachen zum Anziehen bekommen. Bonnet, Zwergenmütze, Jäckchen und Rock. Vielleicht noch eine Hose oder Unterwäsche?
Leider ist das Bonnet, das ich aus einer wunderschönen, pflaumefarbenen Reste-Wolle gestrickt habe, viel zu winzig ausgefallen. Lilly wird Mühe haben, ihr Köpfchen überhaupt damit zu bedecken, doch vielleicht passt es ja Lieblingspuppe Nr.2, der kleinen, süssen Lotta? Hm…
Das zweite Mützchen, eine ebenfalls sehr kleine, sehr rote Zwergenhaube, kommt von der Grösse her schon besser hin. Aber auch nicht wirklich perfekt. Unten am Hals schlottert es ein wenig, was ich doch gern anders hätte, aber nundenn: nennen wir es eben ein Zwergen-Bonnet. Der richtige Name rettet so manches Malheur, oder? Und Bonnets dürfen schlottern soviel sie wollen.
Beim Puppenjäckchen stecke ich noch in der Tüftel-Phase. Ich möchte es vorne knöpfen können, ansonsten aber ganz schlicht halten. In DK-Stärke oder so. Dank ein paar Babyjäckchen-Strickanleitungen kommt es mir allerdings gar nicht mal so schwierig vor, mir meine eigene Anleitung zusammenzureimen, und ich tarne meine leisen Zweifel mit Zwangsoptimismus, denn schliesslich drängt die Zeit, für zögerliches Hin-und Her ist der Moment schlicht ungünstig.
Ob es noch zu Röckchen, Wäsche oder Hose kommt, bleibt vorerst ein noch zu lüftendes Geheimnis. Sagen wir, ich hoffe es. Doch wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Nehmen wir die Dinge, wie sie kommen. Ich denke, das ist der Leitspruch der Stunde.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Jahreszeiten, Kinder, Kochen und Backen, kreativ am Rande, kreativ mit Kindern, Stricken, Weltgeschehen | 2 Kommentare