Archiv der Kategorie: Stricken

Ein kuschelweicher Streifenschal


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Da es draussen praktisch voller Frühling ist -meine Hortensie steht kurz vor den ersten, grünen Blättchen, ich schwör’s!- kommt mir mein Wollschal-Post hier natürlich ein bisschen unpassend vor, aber Frühjahrswetter hin oder her; Ein Schal passt immer. Just in dem Moment, in dem ich diese Zeilen tippe, trage ich ihn sogar selber, warm und weich und kuschelig um den Hals geschlungen, einmal in der Länge gefaltet und die Enden locker durch die Schlaufe gezogen, so wie es Kind1 immer tut mit seinem eigenen, vor etwa 2 Jahren entstandenen Kaschmirschal, der dem neuen Streifenschal seines jüngeren Bruders wirklich zum Verwechseln ähnlich sieht.
Ich habe ihn auch nach genau demselben Prinzip gemacht: 50 Maschen mit einer Nadel Nr. 3.5 angeschlagen, ein paar Reihen kraus rechts und dann alles rein glatt rechts gestrickt, mit einem Farbwechsel alle 38 Reihen, solange, bis mir die Länge passen vorkam für meinen Jungen mit dem eher kurzen, dafür umso breiteren Hals (also ca. 140cm, was in etwa 110gr. Wolle verbraucht hat). Die Randmaschen habe ich, in einem absolut vergeblichen Versuch, den Rollkanten beizukommen anfangs jeweils links abgehoben und am Schluss immer rechts gearbeitet. Geholfen hat es rein gar nichts, wie man sieht, nicht einmal nach intesivem Blocken. Aber das ist ok. Denn genau so wollte Kind2 seinen Schal haben: Gestreift, in dezenten, dunklen Männerfarben (“Anthrazit”, “Grau” und “Schwarz”), an den Seiten schön eingerollt und vor allem so weich wie nur irgend möglich.
Das ist er auch. “Asia” von Lang Yarns, ein Fasergemisch aus 70% Seide und 30% Yakwolle, ist wirklich das absolut softeste Wollgarn, das ich kenne, und auch wenn ich es schade finde, wie rasend schnell aus dem ehemals seidig glänzenden, glatten Knäuelchen ein eher wuscheliges, mattes Gestrick wird, werde ich wohl wieder und wieder darauf zurückgreifen, einfach, weil mich das Tragegefühl und die schönen, eher düsteren Farbtöne voll und ganz überzeugen. Sogar meine kleinsten Kinder hüllen sich ohne ein Meckertönchen in den neuen Schal ihres Bruders und holen ihn, wenn keiner hinsieht, sogar selber aus dem Schal- und Mützenregal beim Eingang für ein kleines bisschen Extrakuscheln…

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Mein Junge (für den meine Kleine hier stellvertretend Modell steht) ist eher ein stiller Geniesser. Er verlor nicht sonderlich viele Worte, als er eines Morgens unten im Wohnzimmer seinen am Vorabend frisch von den Nadeln gehüpften Streifenschal vorfand, mit einem kleinen Zettelchen versehen und mit einem Balistoschokoriegel für einen extra-süssen Start in den Tag (ungesund, doch ich wollte den Moment einfach ein bisschen feiern). Aber Worte sind schliesslich nicht alles: Dass er ihn trägt, das ist es, was für mich zählt. Und dass er es so gerne tut. Und so oft. Und so zufrieden. Sogar bei einem Wetter mit mehr als nur einer Ahnung von Frühling…
Ich merke, wie sehr er sich freut. Und freue mich mit. Und eines weiss ich ganz bestimmt: Da muss noch so ein Schal her. Mindestens einer. Vielleicht mit einem Strukturmuster diesmal…?

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Viertelvorsechs. Gleich soll ich Abendbrot richten. Ich fröstle ein wenig, nach einem lauen Tag kommt mir der Abend wieder seltsam kalt vor. Und überhaupt; Ich bin so was von k.o. Allerdings im guten Sinne. Der Tag war proppevoll mit Kochen, Waschen, Saubermachen, mit Kinderspiel, gemeinsamem Zeichnen und Draussenrumtoben. Ich hab’ sogar mitgespielt beim “Schwarzen Mann” (was wir hier “Zeitungslesen” nennen) und niemals die Nerven verloren (bisher), nicht einmal, als meine Zweitjüngste ihre argen 5 Minuten hatte beim Etappenzeichnen mit unserem Nachbarsmädchen (das war nach dem “schwarzen Peter” und vor der Runde auf dem Spielplatz). Ich bin sehr froh, sehr dankbar über diesen runden, kantenlosen Tag- aber müde bin ich. Als hätte ich ein halbes Dutzend Partykinder extra hier gehabt. Wenn es nach mir ginge, dürfte es nun Abend werden… Aber eben. Abendbrot.
Ich tröste mich mit diesem knalligen Strang handgesponnener, handgefärbter Wolle, die ich heute vormittag ganz zuobert im Haus in einer Kommode wiedergefunden habe. Noch weiss ich nicht, was ich daraus stricken soll, aber es macht mir immer ungeheuren Spass, mich Problemchen dieser Art zu widmen.

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Und noch ein Tagesziel:
Ein schwarzer Streifen Schal. Die letzte Etappe. Und fertig ist er. Endlich.
Mein Junge war wirklich geduldig.

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Peace Schal

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Ich gehöre zu der eher melancholisch veranlagten Sparte Mensch, der vieles sehr nahe geht und die nach einer schlechten Nachricht, nach Schwiergkeiten, Enttäuschungen oder starken Veränderungen immer eine ganze Weile braucht, bis sie sich wieder aufgerappelt hat und es schafft, neu ausgerichtet und mit frischem Mut nach vorn zu blicken. Und weiter zu gehen.
Viele dieser für mich schwierigen Momente und Situationen kann ich hier nur bruchstückhaft und leicht verschlüsselt einfliessen lassen, schliesslich ist das Web weit und nachtragend und da ist ja auch noch meine Familie, aber ich gebe mir Mühe, ehrlich zu bleiben und keine heilen Welten vorzugaukeln, wenn ich mich gerade fühle, als würde ich ganz am anderen, am dunkleren Ende leben.
Das letzte halbe Jahr hielt eine ganze Menge düsterer Fleckchen für mich bereit, durchzogen von Lichtungen, Sonnentagen und Glühwürmchenmomenten, für die ich immer dankbar war und dankbar bin. Jeder braucht hin und wieder etwas, das einem Sonne ins Herz zaubert und einem zeigt, wie geliebt und umsorgt und versorgt man doch ist. Ein warmherziges Gespräch voller Zuspruch, ein Überraschungspäckchen, die ersten gelben Blümchen über der noch so kalten Erde, das überschwängliche Lob der Lehrerin beim Standortgespräch des Kindes, der Termin beim Tierarzt, der die armen Meerschweinchen endlich von Milben und blutig gekratzten Stellen befreien wird.
Auch das “Projekt Peace” war so ein leuchtender Fixstern für mich, in einer Phase dieses Winters, die mir ganz besonders zu schaffen machte. Zu wissen, dass ich eine Zeit lang jeden Tag einen kleinen Blogpost vorfinden würde, mit ermutigenden Gedanken, Ideen und jeder Menge Ansporn, mehr Frieden in mein Leben zu bringen, das kam mir vor wie ein Anker auf offener See, der mein Bötchen ein Stück weit festhielt und mir helfen konnte, immer wieder zur Ruhe zu kommen. Strickend.
Ich habe so gerne an diesem Schal gestrickt. Das Muster war einfach und trotzdem spannend und das Garn (“Asia” von Lang ind der Farbe “Navy” und ganz schmal an der Abkettkante in “Gold”) eine wunderbare, babyweiche Wahl (obschon es doch immer ein bisschen enttäuschend ist, wie rasch sich der herrliche Perlmuttglanz der noch unberührten Knäuel während dem Stricken verliert und wie schnell das Gestrick altert). Ich habe mit einer 80cm langen Rundnadel Nr. 3.5 gestrickt und volle 3 Knäuel Garn verbraucht. Mit nur zweien kam mir der Schal einfach zu schmal vor- und viel zu weit. Nach 150gr. verstricktem Garn gefiel mir dann wenigstens die Schalhöhe. Was die üppige Weite anging; Ich kam mir immer unangezogen vor, wenn ich meinen Peace Schal -der zu Anfang noch, genau nach Anleitung gestrickt, ein Rundschal war- schlabbernd und schlotternd um den Hals hängen hatte. Auch zweimal rundum geschlungen blieb er für mein Empfinden zu weit und zu strukturlos, und dreimal wickeln liess er sich dann trotzdem auch wieder nicht, ohne dass ich das Gefühl hatte, es würde mir die Kehle zuschnüren…

Was tun also? Mit einem über lange Wochen möglichst sorgfältig aus eher luxuriöser Wolle gearbeiteten Strickschal?
Na klar: Aufschneiden!

Meine Mutter, die damals (wie heute *hüstel*) meine Nähmaschine leihweise bei sich zuhause in Gebrauch hatte, nähte mir mit einem dichten Overlockstich zwei eng nebeneinander liegende Bahnen senkrecht durchs Gestrick. Und ich schnitt dann beherzt mit der Schere drauflos, einen langen, trennenden Schnitt genau zwischen diesen beiden Nähten. Dann nur noch locker einmal mit festen Maschen die Schnittstellen umhäkeln, fertig. Bereit, doch noch getragen zu werden.

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Allerdings nicht von mir; Gestern vormittag ist er, versehen mit meinen allerherzlichsten Grüssen und einem winterlichen Geschenkanhängerchen von meinem Mädel, zur Post gebracht und verschickt worden. Zu der netten, alten Dame in meiner Kirchgemeinde, für die er von Anfang an gedacht gewesen war.
Möge er auch ihr Frieden bringen. Davon gibt es nämlich einfach noch nicht genug auf dieser Welt.

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