Archiv der Kategorie: Stricken

Der „Sunday Sweater“ vom Pausbackenkind

Ich stecke gerade in einer wenig produktiven Phase, scheint mir. Irgendwie mache ich gar nichts. Oder sagen wir es so; auch wenn ich die ganze Zeit irgendwas mache, schaut zum Schluss nichts Greifbares dabei heraus. Ihr kennt das ja. Denke ich. Und abends bin ich einfach… in Endzeitstimmung. Kraus rechte Maschen. Maximal. Mehr geht einfach nicht mehr. Bei der Babydecke, die ich vor 10 Tagen angeschlagen habe, bin ich jetzt an dem Punkt, an dem mir die hellblaue Wolle so langsam ausgeht, was jetzt nicht unbedingt weit ist, wenn man bedenkt, wie oft ich in diesen Tagen mit meinem Wollzeug spätnachts noch vor „Call the Midwifes“ gesessen habe (Suchtfaktor: extrem hoch! Brandgefährlich also, wenn man so wenig Rückgrat beweist wie ich, was das rechtzeitige Abstellen angeht *hüstel*) Wie gesagt; ansonsten gibt es hier nichts vorzuzeigen. Und ich bin dermassen schlapp gerade, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sich dieser Zustand in den nächsten Tagen ändern wird (Herbstmüdigkeit? PMS? „Call the Midwifes“-Syndrom? Oder haben die mir statt Eisen irgendwie Schlaftabletten verabreicht beim letzten Doc-Termin?)


Aber -Halleluja!- immerhin habe ich es trotz allem hingekriegt, draussen ein paar ziemlich schnelle und improvisierte Fotos -echte Schnappschüsse– eines längst abgeschlossenen Strickprojektes zu knipsen; Der „Sunday Sweater“ meines Kindergartenmädchens, den ich damals extra für sie zum Geburtstag im Juli gestrickt und sogar rechtzeitig fertig bekommen hatte (*Schulterklopf*). Ich hab’s nicht so mit guten Fotos. Für schöne Arrangements bin ich schlichtweg zu faul und meine Kinder (und ich) sind auch dementsprechend ungeübt im Posieren und Stillhalten. Aber egal; es sind Meerschweinchen-Babies mit drauf. Ich hoffe, das verschafft und ein paar Bonuspunkte.

Für das satt-blaue Ajour-Jäckchen meiner Kleinen habe ich 330gr. „Tosh DK“ der Farbe „Cobalt“ verbraucht und mit den Nadelstärken 4 und 4.5 gestrickt. Wieso ich Grösse 10 gewählt habe, obwohl meine Tochter erst 6 Jahre alt ist, weiss ich gar nicht mehr so genau. Ich nehme an, es liegt daran, dass ich ein DK-Garn gewählt hatte, statt dem verlangten Worsted Weight Garn, dünnere Wolle also und damit eine andere Maschenprobe. Wahrscheinlich war das auch ein Tipp aus Ravelry, wo ich immer in den geteilten Strickprojekten anderer Strickerinnen stöbere, bevor ich mich ans Stricken eines neuen Projektes wage. Die Grösse passt meinem eher rundlichen und nicht gerade kleinen Kind jedenfalls absolut wunderbar, und bei den Ärmeln konnte ich ja zwischendurch anprobieren, so dass sie jetzt am richtigen Ort enden.


Die Ärmel habe ich übrigens auch sonst ein wenig abgeändert, weil ich sie einfach zu voluminös fand: Ich habe nach 9cm Ärmellänge alle 3 cm jeweils vor und nach dem Maschenmarkierer (für den Rundenanfang) 1 Masche abgenommen (rechts zusammengestrickt). Vor dem Bündchen hatte ich dann nur noch 44 Maschen, die ich in einer letzten Runde vor dem krausen Bündchenstart auf 35 Maschen reduziert habe, indem ich immer die 4. und 5. Masche rechts zusammengestrickt habe. So wird das Bündchen anliegender aber trotzdem noch weit genug, was mir einfach besser gefällt als Glockenärmel oder Puffärmelchen.
Alles in allem kann ich euch Ginny Shellers „Sunday Sweater“ wirklich wärmstens empfehlen; ein so schönes Projekt! Und wunderbar geschrieben; nicht zu stark verkürzt, aber auch nicht allzu detailliert, sondern genau richtig, finde ich. Es lohnt sich allerdings, sich die gewählte Grösse und alle zu ihr gehörenden Strickangaben am besten mit Leuchtstift und VOR dem Stricken zu markieren. Für jede Grösse gibt es Passagen in der Anleitung, die ausgelassen oder extra gearbeitet werden müssen, und es ist elementar wichtig, dass man die richtigen Stellen für sich findet und nicht irrtümlich bei einer falschen Grösse weiterstrickt…

Ich jedenfalls bin sehr glücklich mit diesem Wolljäckchen. Obwohl ich selber wohl niemals zu dieser satten Farbe gegriffen hätte, war es schön, daran zu stricken und dieses Geburtstags-Projekt langsam aber stetig wachsen zu sehen.
Viel wichtiger aber ist: Meine Kleine liebt ihr Sonntagsjäckchen. Sie liebt die Farbe und die Weichheit der Wolle und dass alles so locker fällt und sich so gemütlich kuscheln lässt darin. Das wissen jetzt auch die Meerschweinchen.

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wie alles sich fügt

Der Herbst bleibt weiterhin leuchtend, warm und golden. Die Farben funkeln im Licht, und ich bin jedes Mal dankbar, wenn die Sonne den dunklen Morgenvorhang aufreisst, der sich über Nacht auf uns legt. Es ist eine schöne Zeit. Schön draussen unter freiem Himmel, wo ich heute eineinhalb Stunden damit verbracht habe, ein wenig Ordnung und Sauberkeit in meinen Garten zu bringen Gehwege wischen. Kaputtes Kinderspielzeug beiseite schaffen. Das Chemineé ausfegen und den Meerschweinchen das eine oder andere Unkraut aus den Beeten pflücken (Wir haben hier ja kein Unkraut. Bloss Meerschweinchen-Futter, hihi.)

Aber auch drinnen finde ich es schön. Auch wenn es unordentlich bleibt und ich nicht mehr so richtig vorwärts komme mit Entrümpeln. Mittwoch habe ich zwei volle Einkaufstüten mit Kram ins Brocki getragen und dann den halben Nachmittag dort verbracht mit Stöbern und mit der-Brocki-Fee-Plaudern nach Herzenslust. Die Kinder waren mit ihrem Papa und meiner Schwiegermutter im Europa Park, was wunderbar war, ein einziges Fest- für sie und für mich. Ausschlafen bis halb elf (was???), Rouge auflegen und Lippenstift und dann ganz alleine und nur für mich ins feinste Restaurant des Dorfes Mittag essen gehen (oh, Mann!), Shoppen beim Trödler als hätte ich alle Zeit der Welt (was ich auch hatte). Ich meine, wie schön ist das denn?
Ich kann es euch sagen; wunderschön. Traumhaft. Superkalifragilisticexpialigetisch.
Im Brockenhaus habe ich natürlich sofort all meine entsorgten Sachen so quasi wieder ersetzt. Mit Neu-Funden. Aber das war völlig in Ordnung so, denn es gab wirklich wunderbare Dinge zu entdecken. Eine ganz entzückende, alte Blechdose zum Beispiel in dunklem Violett mit rankenden Sumpfdotterblumen darauf, die mich wahnsinnig an den Jugendstil erinnern und an die Geschichte der Wurzelkinder mit ihren märchenhaften Illustrationen (ich liebe dieses Buch sehr!). In dieser Dose hebe ich nun mein Rouge auf, die Lippenstifte und meine Wimperntusche.
Und die Schürzen an der Leine… die trage ich. Wie könnte ich auch anders? Sie sind einfach zu schön. Von Hand genäht. Allerdings hat mein Kindergartenkind bereits eine davon stibitzt, direkt von der Leine, sag ich euch, und ich konnte nicht viel dagegen einwenden, denn sie sieht einfach zum Anbeissen aus darin, und die schönen Herbstblumenfarben des Stoffes passen perfekt zu ihrem Lieblings-Igelchenkleid (von Hess Natur).
Ich glaube, Schürze und Kind sind für einander gemacht.
Auch gut. Ich teile ja nicht ungern. Und ausserdem sind da noch mehr süsse Schürzen im Brocki, die nur auf mich warten…
Die Bolga-Korbtasche, die daneben baumelt, die gehört allerdings mir. Und ich denke nicht, dass ich die teilen werde; seit meine innigst geliebte lila Beuteltasche nach 6 Jahren tagtäglichen Strapazen an allen Enden reisst und Fäden zieht, fehlt mir ein einigermassen tauglicher Begleiter, der ein bisschen mehr nach Handtasche aussieht und weniger nach simpler Tote Bag. Ich habe mich sofort verliebt. Bolga-Körben kann ich sowieso nicht widerstehen. Nur das Leder des verschliessbaren Inlets verlangt noch nach ein wenig Pflege, aber ansonsten spüre ich jetzt schon; wir zwei haben das Zeug zum Dream Team.

Was die Elfenmütze aus diesem umwerfend schönen Senf-Gold-Ton angeht; Sie war ein Blitzprojekt. Absolut unerwartet, superspontan- und fertig im Nullkommanichts.
Meine Schwester kam gestern, als sie meine Jungs für zwei Tage Geo-Cache plus Pizza und Sleep-over abholte, mit einem dicken Ball Merinogarn auf mich zu; Ein Strick-Wunsch. Mütze. Egal welcher Art.
Normalerweise bin ich äusserst zögerlich, was Strick-Aufträge angeht. Und ich meine wirklich äusserst zögerlich. Stricken zu müssen… das hat sofort so etwas Formelles, Aufgedrücktes, Belastetes und Belastendes an sich. Aus Spass wird Ernst. Und Arbeit. Mit Erfolgsdruck und beschnittenen Freiheiten, die jede Bewegungsmöglichkeit verbieten und keine Wahl mehr lassen. Einfach aufhören und etwas ganz anderes anschlagen? Geht nicht mehr. Die Wolle wechseln? Unmöglich. Das Projekt wird nicht ganz so, wie ursprünglich vorgesehen? Katastrophe! Oder noch schimmer; ich finde das Ding dermassen toll, dass ich es am liebsten sofort anziehen und auf ewig anbehalten möchte? Ähm, nun ja…
Wie dem auch sei, im Fall dieser Senfgoldockerdottergelben Mütze hier, lagen die Dinge Gottseidank und ganz unerwartet völlig anders; Ich wusste nämlich sofort das perfekte Projekt für sie. Die Elfenmütze aus „More Last Minute Knitted Gifts“/ „Geschenke aus dem Wollkorb“.
Ein alter Vertrauter.
Mehr als das, ein Seelenverwandter schon fast, denn mein Herz hängt sehr an all den grossen und kleinen Elfenmützchen, die ich im Laufe der Jahre gestrickt habe. Für meine Kinder. Für meine Schwestern. Für andere liebe Menschen. Für mich.
Tatsächlich hat die „Maddison Zoe“ von Manor (leider gibt es diesen Senfton nicht mehr *snif*, er war wirklich zu schön) haargenau die im Buch verlangte Garnstärke, lässt sich wunderbar in ein Elfenmützchen verwandeln- und kuschelweich ist sie erst noch!


Schön.
Wie sich alles fügt im Moment. Die Meerschweinchen wuseln und wachsen und bekommen nochmals ein paar winzigkleine Mitglieder mehr  (Vierlinge! Heute! Und eins davon sieht genau aus wie „Mausi“, der für zwei wilde Flitterwochen eingeflogene grau-weiss melierte Papa!). Die Bäume hüllen sich in ihr buntestes Kleid, ich gehe piekfein essen, finde Schürzen und die perfekte Tasche für meine Stadtrundgänge und erfülle Wollmützen-strickend Herzenswünsche…
Ist das alles nicht herrlich?

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Frei-Räumen

Ich empfinde diesen Herbst als sehr… mild. Mild in jeder Hinsicht. Es gab viele Morgen, die nicht grau waren, ohne Hochnebel und Morgendunst, dafür mit Sonne und der Leichtigkeit, die normalweise typisch ist für den Sommer und nicht unbedingt für den Oktober unserer Region.
Ich kann nicht sagen, dass ich das schade finde.
Im Gegenteil; ich habe das Licht und die Wärme in diesem Jahr schätzen gelernt. Und ich hoffe insgeheim, dass dieses Gold mir noch ein wenig länger erhalten bleibt… auch wenn ich es offen gestanden mehr vom Dunkelwarmen meines Hauses aus geniesse und den Kopf in letzter Zeit vor allem in Schränke und die Tiefen meiner Woll-Tablare oder Kleiderboxen stecke, statt mir die Herbstsonne auf der Nase kitzeln zu lassen. Der Grund; ich brauche mehr Luft und Platz. All der Staub und das Gedränge in meinen Sammelsurien lasten auf mir, mehr als ich es mir meistens eingestehen möchte. Von Zeit zu Zeit aber dringt diese Wahrheit wieder in mein Bewusstsein zurück und dann kaufe ich mir ein neues Entrümpelungs-Buch und mache mich wieder einmal an die Arbeit (die ich niemals zu Ende führe, sondern auf halber Strecke aufgebe, aber immerhin ist dann das eine oder andere Zimmer wieder ein wenig befreiter und übersichtlicher und mein emotionaler Rucksack ein kleines bisschen leichter).
Diese Woche habe ich meine Kleider durchgesehen, einiges weggeben, auch meinen Schmuck und einen Teil meiner Schuhen, wo ich aber das Gefühl hatte, eigentlich alle noch unbedingt zu brauchen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Silberohrringe und -Ketten via Whatsup in meinem Familien- und Freundeskreis zu verschenken, und dass jetzt praktisch jedes Teil ein neues Zuhause gefunden hat und es begeisterte „Ja, das nehme ich wirklich gerne!“-Ausrufe  gab, war eine sehr schöne, befriedigende Erfahrung (Lang lebe Whatsup! Ich bin immer mehr ein überzeugter Fan davon). Gerade habe ich auch noch ein paar Sachen online auf Ricardo eingestellt und erhoffe mir einen kleinen Batzen Sackgeld, mit dem ich mir dann… Wolle kaufe?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht. Es gibt mir momentan ein unsinnig gutes Gefühl, Garne aus meinen Vorräten zu verbrauchen und mich in Zurückhaltung zu üben, was das Schneuggen beim Strickcafé oder in der Spinnwebstube angeht. In meine seit langem gehorteten Strangen „Tosh DK Tannenbaum“ bin ich auf jeden Fall wieder ganz neu und intensiv verliebt, und mit jeder weiter gestrickten Reihe oder Runde finde ich die Farbe umwerfender. Auch wenn ich alles, was ich innerhalb der letzten Woche damit gestrickt habe, wieder auflassen musste. Mein Pulli wurde einfach zu weit. Und gleichzeitig trotzdem zu dicht und zu schwer. Ich glaube, „Tosh DK“ ist nicht das Richtige für Melody Hoffmanns „Tender“-Sweater. Dafür sollte ein Garn dünner sein und mit mehr Drape fallen. Aber das hier könnte etwas sein: „In Stillness“ von Alicia Plumer. Ein einfacher aber sehr hübscher Pullover, mit dem ich schon seit langem liebäugle und den ich mir sehr gut vorstellen kann in Kombination mit einem so schlicht-schönen Garn wie „Tosh DK“. Allerdings habe ich vorgestern ein wenig daran gestrickt und entdeckt, wie knifflig das Muster zwischenzeitlich scheint…
Zum Ausgleich und vor allem, weil ich mich momentan hauptsächlich nach relaxtem Strickglück sehne und weniger nach neuen Herausforderungen, habe ich gestern Nacht während meiner 3. Staffel „Mr. Selfridge“ ein neues Supersimpel-Projekt angeschlagen: Eine Babydecke mit diagonalen Blockstreifen (so etwa nach dieser Anleitung hier), mit der ich erst noch alle meine Reste-Knäuelchen „Drops Baby Alpaca Silk“ verarbeiten darf, was ein echtes Highlight bedeutet, denn wie gesagt, Abbauen und Verwerten sind gute Dinge, die mir den Antrieb schenken, der mir so langsam aber sicher verloren geht, keine Ahnung warum.
Ein neues Baby ist zwar nicht in Sicht. Und auch nicht geplant.
Aber das macht nichts.
Babydeckchen sind immer gut. Denn Babies kommen und wachsen und kommen und wachsen und kommen und wachsen… und alle brauchen sie etwas Warmes und Kuschliges, das sie in Empfang nimmt auf dieser Erde.

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dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

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