Archiv der Kategorie: Stricken

Puppenschlüttli

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Draussen herrscht bestes, sonnigstes und angenehmst mildes Herbstwetter. Ich war auch schon draussen; Pünktlich zum Herbst ereilt auch mich nun noch eine fiese Infektionskrankheit und der Gang zum Arzt war heute zwar mehr als unbequem, aber dringend nötig. Und erleichternd. Ich darf jetzt auch noch Tablettli schlucken, aber das nehme ich gern in Kauf, wenn nur schnell alles wieder vorbei ist…
Da Herr Kirschkernzeit heute frei hat, konnte ich nachmittags ein paar Stunden Schlafmangel aufholen und mich ein Stück weit gesund schlafen, und gerade jetzt ist er mit den drei Mädchen raus in die Stadt gefahren, um für meine Grosse ein Badekleid zu besorgen, denn morgen startet die neue Schwimmkurs-Saison, und die Kleiderbörsen hatten ihre Vorräte an Bademode bereits ausgemustert, als ich mich erinnert habe, wie knapp und verfranst (und mehrfach geflickt!) ihr alter, pinker Schmetterlings-Schwimmanzug mittlerweile ist. Für den Herrn Kirschkernzeit ist das jetzt zwar ein wenig fies. Dass er jetzt auch noch auf Badekleiderjagd gehen muss, wo er den ganzen Familienalltag heute so gut wie alleine stemmen musste, aber ich bin ihm sehr dankbar dafür, und offen gesagt froh, jetzt noch einen Moment für mich hier in aller Ruhe schreiben zu können, warm eingepackt mit meiner Wärmflasche im Bett.
So komme ich immerhin endlich dazu, euch das klitzekleine Puppenjäckchen zu zeigen, das schon vor einer ganzen Weile fertig geworden und bereits ausgiebig probegetragen wurde. Von einer der allerliebsten und süssesten Puppen der Familien, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, dass ich sie in Phasen der Vernachlässigung sogar selber umziehe und in meinem lila Zimmer aufs Fensterbrett setzte. Als liebe Kameradin. Und in warmen Gedanken an die gute Frau Krähe, die sie liebevoll (und äusserst gekonnt!) genäht und mir zur Geburt meiner Kleinsten geschenkt hat.
Überhaupt ist dieses Puppenjäckchen ganz eng mit zarten Erinnerungen verbunden. Ein ganz ähnliches habe ich meinem kleinsten Lausemädchen nämlich vor 2.5 Jahren gestrickt, als ich noch schwanger und voller Neugierde und mit ein paar Ängsten beladen durch meinen Alltag ging.
Ich hatte schon fast vergessen, wie schön es ist, etwas derart Kleines zu stricken. Alles geht so rasch und unkompliziert und man braucht auch nicht körbeweise Wolle, sondern nur einen einzigen Lieblingsstrang.
Heute sind die Dinge, an denen ich stricke, weit grösser, schwerer und materialverschlingender. Meine sternenhimmelblaue “Canvas Cardigan” zum Beispiel. Die wird wohl nie fertig werden. Obwohl ich immerhin an der zweiten vorderen Brusthälfte bin (*klatschklatsch*).
Für dieses Puppenschlüttli, das ich genau nach der sehr gut geschriebenen Anleitung von Susan Postler gemacht habe, habe ich knapp 80gr. Madelinetosh DK verbraucht, fast den ganzen Rest, der mir damals von der tiefseeblauen Kinderhose in der Farbe “Deep” noch übrig geblieben ist. Mit den Nadeln Nr.3.5 wurde das Gestrick schön satt, aber trotzdem noch weich genug, und die Knopflöcher halten auch ein wenig besser, als mit grösseren Nadeln. Als ich Schlüttli und die bereits sehr zerliebte Kinderwollhose meiner Kleinsten einmal kurz nebeneinander gelegt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr die Farbe sich verliert; die schwarzen Schatten gehen völlig verloren, und das Blau wird sanfter und wärmer, was mir eigentlich sehr gut gefällt, aber auch enttäuschend sein kann, wenn einem der Originalton am Herzen liegt.

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So.
Ein Projektchen beendet, ein Mü weniger in meinem Strickkörbchen und ein kleiner Stein, der mir vom Herzen fällt, denn ich hatte eigentlich für Susan teststricken wollen- und mich mehr als nur verspätet damit… Dafür habe ich nun ein wunderbares, selbstgemachtes Puppenkleidli mehr in unserem Bäbichleider-Korb- und das perfekte Jäckchen für eine ganz besondere Puppe. Beide vernetzt mit Erinnerungen. Oh ja, Wollhosen-Sentiments hege ich auch noch! Besagte “deep”-blaue Wollhose ziehe ich meiner Kleinsten nämlich just in diesen Tagen jeden Morgen fürs Kindergartenkind-Begleiten an, wenn ich sie hurtig bereit machen muss für die Kälte da draussen.
Hach, Erinnerungen…

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Früher Morgen. Mein Kindergartenmädchen hatte nachts Ohrenweh, und zwischen Kirschkernkissen-Wärmen, Schmerzzäpfchen verabreichen, Halten und Trösten blieb nicht mehr sonderlich viel Schlaf für mich übrig. Ich erinnere mich, dass es halb drei war, als ich das letzte Mal auf die Uhr sah. Die Kleinste, die in einem recht herzergreifenden Prozess gerade abgestillt wird *seufz*, brauchte ebenfalls eine Portion Extra-Zuwendung in Form von nächtlichem Getragenwerden, Kuscheln und ruhigem Zureden. Nicht dass ich immer so zenmässig in Form wäre. Im Gegenteil. Das Wochenende hatte es in sich und ich begann diese neue Woche gestern morgen mehr als ein Wrack, denn als ich selbst.
Trotzdem fühle ich mich heute morgen ausgeruht und den Dingen gewachsen. Es muss wohl ein Wunder sein, für mich aber auf alle Fälle ein Rätsel, das ich wohl nie lösen werde, denn in manchen Phasen bin ich todunglücklich und rein schon durch Kleinigkeiten wie ein missratenes Mittagessen (wie neulich) vollkommen aus der Fassung zu bringen, dann wiederum wachsen mir Flügel und ich überschwebe selbst Hardcore-Momente wie einen Trotzanfallgetränken Vormittag in aller Seelenruhe (das war gestern der Fall).
Wie gesagt, heute fühle ich mich recht zentriert und erstaunlich fit, und ich bete zu Gott, dass dieser noble Zustand anhält.
Ein kleiner Freudenpunkt schon heut’ früh: Mein kleines Puppenschlüttli (die echt gute Strickanleitung kommt von Susan Postler) ist fixfertig und bekam um etwa acht Uhr morgens ihre Knöpfchen angenäht…
(Ein Blogpost dürfte folgen. Wenn mein Energiehoch mir erhalten bleibt vielleicht sogar sehr bald.)

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Honey Cowl

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Ich bin jemand, der einfach kein Näschen hat für Trends. Egal worum es sich handelt, ich hinke immer um Monate bis Jahre hinterher. In der Musik zB. wurde ich erst auf Peter Fox’ fantastisches Album “Stadtaffe” aufmerksam, als es längst keiner mehr hörte und sogar mein Lieblingslied “Das Haus am See” restlos aus den Schweizer Charts verschwunden war. “Die Frau des Zeitreisenden” -erschienen im Jahre 2003, verfilmt 8 Jahre später- entdeckte ich gerade mal vor etwas mehr als einer Woche- dabei muss es die Bücherhitparade regelrecht gestürmt haben damals, wenn man die Buchkritiken bei Amazon so liest.
Auch beim Stricken scheine ich so eine Art… Schlusslichtlein zu sein. Denn auch ich wage mich zwar an den bekannten und nicht ohne Grund so oft so gern gestrickten Rundschal “Honey Cowl” von Antonia Shankland- aber erst volle 4 Jahre nach dem grossen Hipe um dieses wunderbar schlichte und sehr hübsch gemusterte Projektchen. Soulemamas Versionen haben mir immer gut gefallen (die hier besonders- ich liebe Braun!), doch irgendwie war der Reiz, selber einen “Honey Cowl” zu stricken lange Zeit nicht stark genug…
Bis da dieser wunderbar grüne Strang “The Yarn Collective Bloomsburry DK” von “Love Knitting” bei mir ankam und ich anfing, die Augen für ein passendes Projekt offen zu halten. Zuallererst liebäugelte ich mit einem neuen Zwergenmützchen für meine Kleinste, doch dann fand ich auf einmal, dass dieses Grün (“Moss”) doch irgendwie haargenau die Farbe sei, die ich mir insgeheim schon lange für mich selbst gewünscht hatte… Und da ich dringendst einen kleinen Schal für zum Rasch-drüberziehen brauchte, verliebte ich mich Hals über Kopf ganz neu in dieses tadellose Strickmuster.
Das Tolle am “Honey Cowl” ist ja, dass er sich supereinfach enger, weiter, länger oder kürzer stricken lässt, und dass die Designerin gleich vier Varianten inkl. Endmasse vorschlägt. Mit Nadelspiel Nr.4 wurde meine Variante, für die ich ganz normal die in der Anleitung angegebenen 110M anschlug, ziemlich genau so, wie ich mir meinen Schal gewünscht hatte: ungemein weich (nach dem Waschen ist die Wolle mindestens doppelt so babybottomzart!) und anschmiegsam aber nicht labbrig. Er behält ein Stück weit seine Form, ist nicht zu eng und nicht zu weit (wobei, ein klitzekleines bisschen enger wäre auch kein Vergehen…).
Die Masse waren vor dem Waschen: 25cm Höhe (also von oben nach unten und umgekehrt) und 48cm Umfang. Jetzt nach einem kühlen Wasserbad und einer Nacht Trocknungszeit aber ganz ohne Blocking misst er 28cm Höhe und nach wie vor ca. 48cm Umfang.
Eine kleine aber in meinen Augen doch nicht unbedeutende Änderung habe ich allerdings vorgenommen: Ich habe die angegebenen 3 bzw. 4 Runden glatt rechts nach dem Anschlagen bzw. vor dem Abketten ausgelassen und stattdessen sofort mit dem Musterstricken begonnen und auch geendet. Ich empfehle ausserdem vor allem für die schmale Schalversion dringend ein elastisches Abketten in der letzten glatt-rechts-Reihe des Musters (das hier von Wollefein finde ich klasse!). Damit wird der untere Rand dehnbar genug für ein bequemes An- und Ausziehen.

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Die Fotos sind jetzt, im Hochsommer, natürlich ein bisschen fehl am Platz. Und überhaupt würde ich mit meinem Selbstportrait ganz klar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen (nein, das sind definitiv noch keine grauen Haare, wohl aber erste Fältchen um die Augenpartie)…
Trotzdem hat mir dieser kleine Schal schon wunderbare Dienste geleistet: Ich weiss jetzt, dass er der perfekte Begleiter für Halsweh-Tage ist und ein angenehmer Zeitgenosse, sobald die Temperaturen wieder fallen (so wie letzte Woche *brrr*).
Alles in allem: Willkommen, kleiner Schal in meiner wolligen Sammlung. Ich denke, wir zwei werden uns blended verstehen.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Ein wunderbarer Morgen: Die Familie ist beim Gottesdient, ich habe mich mit Halsschmerzen entschuldigt und bleibe zuhause. Ganz alleine.
Auf meiner Decke türmen sich ein paar Bücher aus der Leihbibliothek, lauter seichte Ware wie Rosamunde Pilcher oder ein fast schon ungeniessbar lascher Groschenroman über eine Bäckerin auf einer Insel, daneben ein paar alte Ausgaben von “Taproot”, die ich immer mal wieder hervorhole, weil ich die so mag. Nach “Die Frau des Zeitreisenden” konnte ich nichts Schwerwiegendes aufschlagen. Das hätte den Zauber zerstört, der immer noch so ein bisschen über allem liegt, und ausserdem fühle ich mich momentan nicht bereit für noch so eine aufwühlende Story, die mich beim Lesen mit Haut und Haaren verschlingt. Ich scheine, was das betrifft, so ein bisschen ein Sensibelchen zu sein.

Mein “Honey Cowl” aus mossgrüner “Bloomsburry DK” ist so gut wie bereit zum Abketten. Eine schöne Phase; Ich tue nichts weiter als einem immer kleiner werdendes Mini-Knäuelchen beim Verschwinden zuzusehen.
Jetzt, wo sich mein Hals rauh und zerschlissen anfühlt, freue ich mich umso mehr auf warme Wolle um meinen Nacken, und das satte Grün ist mehr als vielversprechend.

So stricke ich also, mummle mich ins Bett, schlürfe heissen Johanniskraut-Lavendel-Tee (fürs innere Licht) und blättere zwischendurch zwischen irgendwelchen Seiten.
Was für ein gnädiger Augenblick.

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