Archiv der Kategorie: Stricken

Little Shore Cardigan

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Darf ich vorstellen: Meine “Little Shore Cardigan”.
Ziemlich rosa-violett, ziemlich handgefärbt, simpel und ziemlich kuschelig. Nicht alle diese Eigenschaften sind nach meinem Geschmack, aber mein bald 5-jähriges Tochterkind wiederum ist begeistert- und im Grunde ist es ja auch sie, die in diesem Moment zählt. Es soll nämlich ihr Jäckchen sein, ein leichtes Sommernachtsjäckchen, das sie später dann hineinbegleitet in den Herbst. In ihren allerersten Herbst als Kindergartenkind.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit diesem Post zu warten, bis ich ein Foto von Jäckchen und Kind im Kasten habe- aber das Wetter ist schon seit Tagen in vollester Sommerlaune, so heiss und hell, dass ich es einfach nicht über mich bringe, meine Kleine in irgendwelche Stricksachen zu packen, und seien sie noch so weich und duftig. Man findet selbst ein SeaCell-Seidenjäckchen nicht wirklich angenehm, wenn das Quecksilber am Anschlag turnt. Und genau das hat oberste Priorität für mich. Das Angenehm-Finden. Mein Töchterchen ist ganz und gar versessen auf die “Little Shore Cardigan”.
“Oh, wie weich!” rief sie immer wieder, sobald ich sie zur Zwischenprobe herzitierte, “Oh, wie weich! Und so rosa!” Kostbare Worte aus einem ansonsten doch auch recht kritischen Mund. Garn, das sie nicht kratzig findet, ist wirklich eine Rarität…
Genau mit dem Garn allerdings bin ich nie so richtig warm geworden. Das Material ist exquisit, keine Frage, ein wirklicher Schatz, der ganz bestimmt mit Leib und Seele und sehr viel Begeisterung getragen werden wird, aber die Farbe… Gefärbt ist es sehr gekonnt, richtig kunstvoll, aber ich kann beim besten Willen nicht mehr verstehen, wieso ich mir – lang, lang muss es her sein, denn dieser dicke Knäuel lag schon fast ewig in meinem Stash- ein Garn mit derart viel Blassrosa ausgesucht hatte…
Wahrscheinlich habe ich mich einfach verändert. Ein Stück weit immerhin. Manche Farben und Materialien, die ich früher unwiderstehlich gefunden habe, kommen mir heute fremd vor und gar nicht mehr besonders anziehend. Zum Beispiel bei handgefärbter Wolle: Früher konnte es mir nicht bunt und lebendig genug sein, je mehr Farbkombinationen in einem Strang, desto besser, und auch starke Kontraste fand ich schön. Heute wähle ich vor allem semi-solide Handfärbungen, am liebsten nur noch dezent variert, mit einem Hauch von Farbvariation in einem ansonsten ruhigen Tongrund. Und ich habe Angst vor Pooling-Effekten, ein Thema, das mich ganz zu Anfang meiner Strickleidenschaft kein bisschen beunruhigt hat. Damals habe ich einfach frischfröhlich einen Wollstrang an den anderen angestrickt und mich nur kurz gewundert, dass die neue Partie farblich vielleicht doch recht anders ausfiel als die vorherige. Einige meiner selbstgestrickten Sachen sind ziemlich ungleichmässig, was die Tönung angeht. Und es hat mich kaum je gestört. Doch neulich hatte ich ein Paar meiner Handstricksocken in den Händen, Socken, die ihre einzelnen Wollfarb-Komponenten besonders intensiv gebündelt hatten und zu unförmigen Klecksen verlaufen liessen. Mich schauderte beinahe. “Waren die schon immer so?!”, dachte ich ungläubig. Wahrscheinlich ja. Mit Sicherheit sogar.
Mittlerweile verstricke ich handgefärbte Garne nur noch alternierend mit zwei Knäueln gleichzeitig. Sobald für ein Projekt mehrere Strangen Wolle verbraucht werden sowieso, selbst dann, wenn die Farbunterschiede innerhalb der Strangen nur klein sind. (Zum ersten Mal ausprobiert habe ich diese Technik damals an diesem Pullover, und ich war sofort begeistert vom ausgeglichenen Farbresultat.) Beim meiner violett-rosa “Little Shore Cardigan” hatte ich den Eindruck, die einzelnen Farben des verstrickte Fadens würden permanent zu neuen Pools zusammenfliessen, und so wechselte ich die Knäuel bewusst unregelmässig, immer irgendwie nach Gefühl.
Ob es genützt hat, weiss ich nicht so genau. Das Muster kommt mir auch so sehr unruhig vor und der Kontrast zwischen dem wechselhaften Körperteil und den fein geringelten Ärmeln ziemlich frappant…

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Aber was soll’s. Die Empfängerin dieses Jäckchens schert sich keinen Deut um Pooling oder sonstige Stilfragen- für sie zählen Weichheit und Farbe, und Blassrosa mit Violett gepaart mit der unwiderstehlichen Softheit des Materials vermögen sie offensichtlich bereits vollkommen zu überzeugen.
Mich wiederum überzeugt der wirklich schöne Schnitt mit seiner leicht gerundeten Vorderseite, die dank verkürzten Reihen ein wenig kürzer ausfällt als der Rückenteil, etwas, das ich selber sehr angenehm finde, weil so der Rücken gut geschnützt bleibt, selbst bei einem bewegungsfreudigen Kind. Carrie Bostick Hoge’s Anleitungen sind unglaublich gut geschrieben, immer ausführlich und mit vielen Zwischen-Maschenangaben, so dass man jederzeit nachkontrollieren kann, ob man noch immer alle nötigen Maschen auf den Nadeln hat. Sie zeigt Liebe zum Detail, ohne einem mit allzu vielen Ausführungen zuzupacken, und fast immer baut sie zusätzlich Charts und genaue Massangaben mit ein.
An meiner kleinen “Little Shore Cardigan” habe ich auch unglaublich gerne gearbeitet. Alles ging ganz leicht und locker voran, eine wahre Strickfreude, die mir richtig gut getan hat. So gut… dass ich, kaum hatte ich die letzten Maschen abgekettet, einen virtuellen Abstecher zum Strickcafé machte. Um neue Wolle zu bestellen. 5 Strangen “Tosh DK” in der herrlichen Farbe “Stargazing”. Für noch ein Jäckchen von Carrie Bostick Hoge: für eine feine “Canvas Cardigan” diesmal aus dem wunderschönen (wenngleich auch ziemlich teuren) Magazin “Making Nr.3″.  Erst vorgestern habe ich Käuel gewunden und mich in die ersten paar Reihen vertieft.
Schön.
Ich denke, auch mit diesem Wolljackenprojekt habe ich etwas gefunden, auf das ich mich vorfreuen kann. Jeden Tag aufs Neue. Stricken gehört einfach schon so sehr mit dazu zu meinem Leben…

Und die Trage-Fotos vom Jäckchen in Aktion? Die kommen noch. Versprochen. Gelegenheit dazu werde ich ganz bestimmt noch haben, so freudig wie meine Kleine ihr neues Jäckchen in Empfang genommen hat…

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ein Bild erzählt: Knöpfe

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Dieses Bild sagt: Meine “Little Shore Cardigan” ist fertig!
Mit Knöpfen sogar.
Dabei waren genau die Knöpfe ein bisschen ein Problem, denn die Wolle war unruhiger als gedacht und die Farbe knopfmässig schwieriger zu ergänzen als erwartet. Meine drei bestellten Knopfvarianten werden wieder zurück gehen ans Strickcafé, denn sie passen nicht recht, und ich muss sparen, für meine 5 (!) Knäuel Tosh DK, die ich gleich mit derselben Sendung erhalten habe, und aus denen ich so wahnsinnig unbedingt gerne ein neues Wolljäckchen stricken möchte, in ganz ähnlichem Stil wie die kleine, rosa melierte Cardigan hier, nur sehr viel grösser und mit noch mehr verkürzten Reihen, Carrie Bostick Hoges “Canvas Cardigan”, ein Jäckchen für mich selbst.
Die Knöpfe, die ich gestern Nacht noch angenäht habe, stammen übrigens aus meinem Fundus, wo es nur wenige Knöpfe gibt, dafür umso mehr Wolle und noch sehr viel mehr Stoffe. Es sind niedliche kleine, grauglänzende Perlmuttknöpfchen, von denen ich gar nicht mehr genau weiss, woher ich sie habe. Ein liebes Leserinnengeschenk vielleicht?
Die Postkarte finde ich umwerfend. Es zeigt einen Reliquienbeutel aus dem 8. Jahrhundert., ganz aus Seide gewoben und wirklich verblüffend gut erhalten. Das schlichte Design, die feinen Quasten, das edle Material und die herrliche Farbzusammenstellung des Gewebes erwecken in mir ein ganz… ja, ein eigentlich ganz modernes Gefühl. Richtig kombiniert würde so ein Täschchen wahrscheinlich gar nicht gross als “altmodisch” auffallen, denke ich. Passt bestens zum Etno-Style. Und war Senf nicht erst Farbe der Saison oder so?… Mein Gotti, das mir diese Karte geschickt hat, scheint meine Liebe zu geschichtsträchtigen Textilien (und zu Stoffen überhaupt) jedenfalls ziemlich gut zu kennen (Merci!). Wie schön, sind sie- trotz Instagram und all dem modischen Zeugs- noch nicht ausgestorben, die guten alten Postkarten.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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In meinem Leben gibt es massenhaft Bereiche, wo ich nicht weiterkomme, wo mich Ängste stoppen und das diffuse Gefühl, irgendwie nichts so wirklich beeinflussen, verändern, gestalten zu können. Ich empfinde mich zeitweise alles andere als selbstwirksam.
Dass ich es jetzt immerhin tatsächlich geschafft habe, für meine “Little Shore Cardigan” meine Blockaden gegenüber “verkürzten Reihen” zu überwinden und (dank diesen Techniken) etwas doch recht Nettes damit entstehen zu lassen, ist eine Art grosser Erfolg im Kleinen für mich.
Natürlich verändert er nicht mein Leben. Aber kleine Schritte sind immer noch besser als gar keine, oder?

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Vom Frühling zum Sommer

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Ja, der Wechsel war recht hart, in diesem Jahr; Der Mai war lange Zeit so kalt und zurückhaltend in seinem Frühlingsein, dass an Sommer eigentlich kaum zu denken war… und dann, urplötzlich, entschloss er sich, Nägel mit Köpfen zu machen und stellte gegen Ende ruckzuck um, auf volles Sommerfeeling. Schon seit Tagen schlafen wir nur noch mit rotierenden Ventilatoren nebem dem Bett. Ich schliesse alle Fensterläden, die gegen Süden zeigen, um die Sonne wenigstens ansatzweise auszusperren, doch gerade im mittleren Stock, wo mein Schlafzimmer liegt, das wir immerhin zu viert teilen, klebt die Hitze den ganzen Tag und die halbe Nacht lang wie zäher, heisser Teer.
Trotzdem bin ich glücklich, so glücklich wie man es eben sein kann, in einer Zeit, in der eine Schreckensmeldung die andere ablöst und keine Woche vergeht, ohne dass irgendwo auf der Welt Menschenleben grotesk-radikalen Ideologien geopfert werden. Genau in diesen Zeiten, ist es ein kleines Wunder, ein Stückchen Frieden, dieses Leben zu sehen da draussen vor meiner Tür, all das Grün, die Vogelchöre von den Baumwipfeln der umliegenden Bäume, die Bienen und Falter, die ab und zu einen Halt einlegen an den Beerenblüten oder den wunderbar duftenden, schneeballenweissen Holunderdolden. Ich hatte, gerade zu Anfang dieses… Sommererwachens eine fast schon manische Phase, in der ich glaubte, alles schaffen zu können, was ich mir nur vornahm. Ich putze wie verrückt, stellte mir haufenweise Strickprojekte zusammen und freute mich unsagbar über die beiden umwerfend schönen Strangen Wolle (“The Yarn Collective DK”) in Waldgrün (“Moss” 107) und Meerblau (“Oz” 106), die von “Love Knitting” aus Deutschland zu mir geschippert kamen, und ich hätte Bäume ausreissen können mit nur einer Hand.

An der Wolle freue ich mich immer noch. Sie ist zauberhaft, schlichtweg ein Traum, so weich und leuchtend, und ich hoffe, meine Strickträume werden irgendwann in naher Zukunft damit Gestalt annehmen. Ein frisches, mossgrünes und, wie ich finde, sehr spezielles “Mimi-Zwergenmützchen” für meine Kleinste wäre schön. Und eine neue Mütze (vielleicht nochmals die hier?), aus dem blauen Strang natürlich, für meine Grosse, die es geschafft hat, in nur einer Wintersaison zwei mamagestrickte Kappen und eine Jerseyjacke zu verlieren… Die Wolle lockt mich. Magisch. Wie immer. Aber gleichzeitig fühle ich die Erschöpfung auf mir liegen wie ein Sack voller Steine. Ich schaffe kaum noch, was ich mir vornehme, bin nach 17 Uhr schon so schlapp und nervlich am Ende, dass ich jeden Versuch, wenigstens die Kinder zum Aufräumen ihrer Sachen zu bewegen, fast schon gleichgültig fallen lasse…
Jede Bergfahrt hat ihren Talgang. Nach der Euphorie des So-was-wie-Sommer-Startes holt mich nun die Realität meines Körpers ein, und die lautet: Ich bin niemals unerschöpflich. Ganz im Gegenteil.
Das merkwürdige ist allerdings, dass ich nachts oftmals nicht recht zur Ruhe komme, obwohl ich den halben Tag schon müde vor mich hinplänkle.

Gestern verbrachten wir mit den Kindern herrlich sonnige Stunden am Fluss, mit nackten Füssen auf sonnenwarmen Steinen und so viel Grün und Wildnis um mich herum, dass ich eins ums andere Mal nur denken konnte: Wie schön! Wie konnte ich nur vergessen, wie unglaublich schön es hier ist!
Es muss Jahre her sein, dass ich das letzte Mal am Wasser war. Und obwohl ich spürte, wie wohl es mir tat, das viele Licht, die laue Luft, das Wasser, die ganze geballte Urkraft der Natur… als wir am späte Nachmittag heimkehrten fühlte ich mich schlapp und ausgelaugt, wie ein Pflantschbädli mit weit offenen Ventilen, auf dem ein ganzes Rudel Nilpferde Samba getanzt hat. Ich konnte nur noch essen (dieser Hunger!), die Kinder zu Bett bringen (während Herr Kirschkernzeit, dieser Jungspund, sogar noch fit genug war für einen Einkaufsbummel bei IKEA) und ein bisschen lesen (in einem Buch aus den 50ern, das ich schon einmal gelesen und aus lauter Liebe über schon viele Jahre behalten habe). Überhaupt lese ich im Moment ungewöhnlich viel. Ja, ich ertappe mich dabei, wie ich, kaum schlafen die Kleinen, ganz selbstverständlich zu meiner Nachttischlektüre greife und einfach liegen bleibe, obwohl unten neben dem Sofa doch das lilamelierte Sommerjäckchen meiner Tochter im Strickkörbchen liegt und darauf wartet, bis Anfang Juli zuende gestrickt zu werden…

Es sind faule Tage. Gewissermassen. Im-Bett-lieg-Tage mit Badefragmenten und einem wahren Heisshunger auf alles, was Energie schenkt. Sommertage nehme ich an.

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