Archiv der Kategorie: Rezepte

Jogurt-Rhabarber-Kuchen

Mit den allerersten hauseigenen Rhabarber-Stangen meines Lebens kamen auch die Fragen nach richtig guten Rezepten für alles, was sich irgendwie kulinarisch mit Rhabarber anstellen lässt. Ich dachte in meiner Naivitität anfangs nämlich noch, meine Rhabarber-Staude sie gross und üppig gewachsen und war fast ein bisschen stolz auf das rasante Wachstum in meinem ansonsten nun wirklich eher mickrigen und stümperhaft geführten Gärtchen- bis ich das gigantische Exemplar meiner Nachbarin entdeckte, die gar nicht mehr nach kam mit ernten und ihren Söhnen bei jedem Besuch ein paar Stangen zusteckte…
Getäuscht hatte ich mich daher auch im Umfang der Ernte; nachdem die wunderschönen, riesenhaften Blätter, die mir so gut gefallen, dass es mich im Grunde ja reut, sie alle abzuschneiden (mehr Rhabarber muss her!), erst mal entfernt sind, wirken die eigentlichen Rhabarber-Stängel recht bescheiden, vor allem wenn die Pflanze, wie bei mir, nur wenige dicke Stangen ausbildet und der Rest kümmerlich und dünn ausfällt.

Aber eins ist mir immerhin gelungen; ein richtig, richtig gutes Rhabarber-Rezept zu finden. Ein Kuchenrezept, auf das man sich jedes Frühjahr schon vorfreuen kann, sobald die ersten Spitzchen sich im Boden regen.
Es ist vollkommen unkompliziert, sowohl in der Umsetzung, als auch in seinem Auftritt als schlichter Rührkuchen ganz ohne Tortenguss und Sahnehäubchen (wobei man sich das ja in Form eines Sahnekleckses immer noch auf den Tellerrand klacksen kann, wenn man möchte).
Das Basis-Rezept dazu stammt von Fooby (bzw Betty Bossi), doch ich habe ein wenig daran herumgemischelt und mit ein paar wenigen Abänderungen einen für meinen Gaumen ziemlich leckeren, feucht-säuerlich-süssen Kuchen gefunden, den man sogar noch lauwarm einfach so zum Zvieri essen kann. Ich habe ihn neulich in doppelter Ausführung (mit Umluft) kurz vor unserer Abfahrt für ein Familientreffen gebacken und noch fast heiss ins Auto geladen. Auf dem süssen Buffet sah er zuerst wenig spektakulär aus und war bestimmt nicht der Erste, der angeschnitten wurde, doch schlussendlich kam praktisch alles weg und wurde äusserst wohlwollend kommentiert (weshalb der Rest ebenfalls weg kam *zwinker). Bei meinen jüngeren Kindern konnte ich damit nicht gross punkten, die gaben klar den Gummifröschen, Schokoküssen und Meringues zwischen den Kuchenplatten den Vorzug, aber all jene, die es gern haben, wenn ein Kuchen richtig schön frisch schmeckt und eine leicht säuerliche Note zu schätzen wissen, könnten hier auf ihre Kosten kommen.
Und wer keinen Rhabarber zuhause hat oder ihn im Spätsommer mal backen will, nimmt einfach Johannisbeeren oder Himbeeren (ein Tipp meiner Halbschwester Kiki!) oder so.

Jogurt-Rabarber-Kuchen

  • 150 gr. zimmerwarme, weiche Butter
  • 330 gr. Rohrohrzucker (oder auch weisser Zucker)
  • 1 Tüte Vanillezucker (oder 1-2 Tl getrocknete Vanillesamen)
  • Schale einer abgeriebenen Zitrone oder 1 vollen Tl Zitronenschalen-Paste (nehme ich meistens)
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier
  • 180 gr. Naturejogurt
  • 350 gr. Weissmehl
  • 2 Tl Backpulver
  • 2 Stangen Rhabarber, in feine, maximal 5mm dicke Scheibchen geschnitten (Wenn sie schön dick sind reicht evtl. auch eine Stange, sind sie dünner braucht es mehrere, es ist schwierig, das festzulegen. Probiert einfach mal aus, zuerst mit weniger Rhabarber, dann mit mehr, ganz nach Gusto)
  1. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  2. Butter weich rühren, bis sich Spitzchen bilden.
  3. Zucker, Vanillezucker, Zitronenschale und Salz mit dem Handrührer gut verrühren.
  4. Die Eier dazu geben uns alles gut rühren, bis die Masse etwas heller ist.
  5. Nun den Naturejogurt dazurühren und alles gut mischen. Es macht aber nichts, wenn der Zucker sich nicht völlig gelöst hat oder die Masse wegen dem Jogurt leicht flockig wird, das ist absolut normal.
  6. Mehl und Backpulver in einer separaten Schüssel kurz vermengen und dann zum restlichen Teig sieben. Nun nicht mehr mixen oder gar schlagen, sonst wird der Kuchen schnell zu pampig und nicht mehr schön locker und feucht! Einfach nur noch mit dem Gummischaber unterziehen, bis keine weissen Mehlbällchen mehr zu sehen sind.
  7. Die Rhabarber-Scheibchen mit dem Gummischaber vorsichtig unter den Teig mischen.
  8. Alles in einer ausgebutterten und mit einem Backpapier ausgekleideten Cakeform (30cm lang) in der Ofenmitte bei 180 Grad 1 Stunde und 10 Minuten backen. Bei der Stäbchenprobe sollte nichts mehr am Stäbchen kleben bleiben.
  9. Dieser Kuchen schmeckt schon noch lauwarm sehr gut und braucht kaum Zusätze, allenfalls noch etwas Puderzucker, doch er ist auch so schon angenehm süss. Auf jeden Fall aber empfehle ich wärmstens, ihn noch am selben Tag zu essen und ihn, wenn ihr ihn irgendwohin mitbringen möchtet, frisch zu backen. Er schmeckt einen Tag später einfach nur noch halb so gut (ist aber nicht schlecht oder so und lässt sich durchaus noch geniessen)

So oder so: Geniesst jedes Stück!

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Schoko-Cupcakes mit Glücksstoff

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Die letzten Tage über trieb mich eine intensive Lust nach Schokolade um.  Nicht nach Süssem generell, sondern ganz konkret nach Schokolade und Fett und Zucker und Kakao und diesem satten, wohligen Gefühl im Bauch. Ich gab mir Mühe, mich zurück zu halten, doch irgendwie konnte ich nicht recht widerstehen, knabberte mal hier an einer Tafel Milchschokolade, naschte da ein paar Kekse und trank mehr heissen Kakao als gewöhnlich. Aber es half nichts. Ich fühlte mich zwar überzuckert, aber die Lust blieb.

Heute nachmittag habe ich es dann  nicht länger ausgehalten und mich mit meiner Kleinen in die Schlacht am Küchenherd gestürzt. Butter spritzte in alle Ecken,  ehemals blütenweisse Kochschürzen wurden matschig schokobraun und es wird bestimmt Jahre dauern, bis ich all die Pfannen und Schüsseln wieder abgewaschen habe… aber voilà: Da steht ein grosses Blech duftender Schokoladen-Cupcakes in meiner Küche, süss und fein und schön schokoladig. Hübsch sind sie nicht, nicht einmal halbwegs vorzeigbar, aber sie sind gut und derart gehaltvoll, dass dieses leere, sehnsüchtige Gefühl in meinem Bauch nach gut 1.5 Küchlein wie weggeblasen ist. Ich glaube, das war es, was ich gebraucht habe. Kuchen. Hausgemacht. Die volle Dosis Zucker, Eier, Butter und Mehl und Schokolade, aber bewusst verarbeitet und mit allen Sinnen genossen, nicht nur am Küchentisch als süsses, mächtiges Dessert, sondern schon vorher, bei der Zubereitung, genossen und wahr genommen mit meinen eigenen Händen, meinem Verstand und meinem Herzen. Manchmal denke ich, Essen selber zu machen, macht einfach satter. Irgendwie. Vielleicht weil ich so wirklich begreife –ganz wortwörtlich- was ich esse?
Aber wie dem auch sei; es hat einfach gut getan, mir heute diese Zeit zu nehmen, Zeit, um meinetwegen in der Küche zu stehen und mit meinem Kind ein Riesenschlachtfeld zu veranstalten. Zeit ein Bedürfnis zu stillen und dem inneren Hunger Raum zu geben, auch wenn es objektiv betrachtet vielleicht vernünftiger und auf jeden Fall gesünder gewesen wäre, ein paar Möhren zu knabbern und Tee zu trinken. Aber irgendwas in mir wollte Cupcakes. Basta. Ganz irrational und doof. Vielleicht war das ja bereits die Botschaft, die mein Körper mir senden wollte; Hör mir zu. Nimm dir Zeit. Lass mal 5 gerade sein. Trau dich, zu geniessen. Vertrau auf dein Bauchgefühl.
Und manchmal muss es eben einfach Kuchen sein, ganz gegen alle Vernunft. Tee trinke ich natürlich trotzdem.

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Schokoladen-Cupcakes mit Buttercremehaube
(ein leicht abgewandeltes Rezept aus diesem Buch hier)

Zutaten für ca. 18-20 Stück

  • 230gr Mehl (ich habe 50gr Vollkornmehr und 180gr Weissmehl genommen)
  • 2 Tl Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 3 volle Esslöffel Kakao
  • 250gr weiche Butter
  • 220gr Zucker (ich mische hier meist Rohzucker und weissen Zucker)
  • 4 Eier
  • 100gr Zartbitterschokolade (gerne mit Kakaogehalt über 50%)
  • 200gr Zartbitterschokolade
  • 200ml Sahne
  • 150gr weiche Butter
  • 50gr Puderzucker

Zubereitung

  1. Ein grosses Blech mit ca 20 Muffinförmchen belegen und den Ofen auf 180 Grad vorheizen (Ober- und Unterhitze)
  2. Butter, Eier und Zucker mit dem Handmixer gut rühren, so dass die Masse hell wird.
  3. In einer grossen Schüssel das Mehl, das Salz, Backpulver und Kakao zusammengeben, am besten sieben.
  4. Die Buttermischung zur Mehlmischung geben und mit dem Gummischaber sorgfältig mischen.
  5. Dann auch die geschmolzene Schokolade unterrühren.
  6. Die Muffinförmchen bis ca 3/4 Höhe füllen (Ich muss aber zugeben, dass ich nie sehe, wie hoch sie wirklich gefüllt sind, weil der Teig so pampig ist. Macht nix, sie dürfen einfach nicht übervoll sein.) und für 15-20 Min. in der Ofenmitte backen. Ganz auskühlen lassen (sonst schmilzt dann die Buttercremehaube).
  7. Für die Cremehaube die 200r. Schokolade mit der Sahne erhitzen, so dass die Schokolade schmilzt, dabei gut umrühren. Die Schokosahne ganz abkühlen lassen. Sie wird so auch etwas dicker.
  8. Butter zur kalten Schokosahne geben, mit dem Handmixer mischen. Dann den Puderzucker dazusieben und alles nochmals durchmixen.
  9. Die kalten Cupcakes mit einem tüchtigen Klecks Schoko-Sahne-Buttercreme garnieren und vor dem Essen kühl stellen, damit die Cremehaube fester wird.

Einen netten Kafeetisch herrichten (am besten mit Blumen, ganz klar)
sich gemütlich hinsetzen
und dieses Stückchen hochdosierten Glücksstoff in aller Ruhe und
mit allen Sinnen geniessen.
En Guete!

Veröffentlicht unter Dankbarkeit, Familienalltag, Kochen und Backen, kreativ am Rande, Rezepte, what makes me happy | 13 Kommentare

Wochen-Ende: mollig wollig

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Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen der Gemütlichkeit. Wir waren… ziemlich häuslich, und wenn ich es mir recht überlege, war es genau das, was wir alle gebraucht haben und was die letzten zwei Tage so gut gemacht hat für uns.
Das frühe Aufstehen (6:45 Uhr) unter der Woche und meine vor allem morgens sehr straffe Terminplanung mit Kinderaufwecken, Anziehenhelfen, Frühstückmachen, Zähneputzen und Haare bürsten, Znüni-Zusammensuchen, Jacke-, Schuhe- und Leuchtstreifen-Überstülpen und dem emotional eigentlich nie wirklich entspannten Weg mit meinen beiden Kleinsten zum Kindergarten… das macht mir erstaunlich schwer zu schaffen. Ich bin manchmal schon am Vorabend erschöpft und kämpfe zunehmend mit meiner Motivation. Und mein Magen rebelliert, was nichts Neues ist bei mir, aber ein recht diffuses Symptom, das ich bisher für vorübergehend gehalten hatte, das mich nun aber dauerhaft begleitet, wie es scheint. Interessant finde ich ja, wie rasch mein Körper sich wieder gesund anfühlt, sobald ich mich auch innerlich wohl und entspannt fühle und das Leben mir Freude macht.
So wie an diesem Wochenende, wo irgendwie alles stimmte und mir selbst eine zweite Tasse Morgenkaffee nichts anhaben konnte…
Ich will jetzt hier gar nicht viele Worte verlieren, denn mein Wochenstart war wiederum recht vollgepackt und dank Laternenumzug der Schule inklusive zu betreuendem Rübenschnitzen im Kindergarten gleich noch einen Zacken durchorganisierter. Es könnte sicher nicht schaden, heut nacht mein Nachtlicht für einmal vor elf zu löschen, aber für einen kurzen Rückblick reicht es noch, denke ich…
Denn das hier war einfach wunderbar:
Die Caramels, an die ich mich gewagt habe, in einem spontanen Anfall von Experimentierlust, und weil ich den Eindruck hatte, aus diesem Buch hier, das schon seit einiger Zeit unbenutzt in meiner Küche steht, endlich auch einmal etwas nachkochen zu müssen. Ich hatte mir vorgestellt, mit Zucker, Butter und der einen Tube Kondensmilch, die ich mir vor Ewigkeiten mal für irgendwas gekauft hatte, ganz auf die Schnelle ein paar Caramellen zaubern zu können, war dann aber recht erstaunt, als dieses Unterfangen vielmehr eine Stunde in Anspruch nahm- und damit praktisch den ganzen Mittagsschlaf meiner Kleinsten „verbrauchte“… Trotzdem war das Resultat eine echte Offenbarung mit hochgradigem Suchtfaktor, und das, wo ich bis anhin immer der Überzeugung war, ein vollprozentiger Schokomensch zu sein, dem Caramel eher zu unverblümt süss wäre. Weit gefehlt. Auch wenn’s Zeit kostet und einiges an Aufmerksamkeit vor dem Kochherd erfordert: Das mach ich bestimmt wieder einmal.
Zweites Highlight war der Pompon meiner Tochter, den sie aus ein wenig Restewolle ihres salatgrünen Strick-Pullovers gemachte hat. Er ist rund und lustig und ihr ganzer Stolz- und bambelte heute abend beim Laternenumzug fröhlich von ihrer Wollmütze. Besonders schön fand ich, dass sie ihren ersten Bommel von A bis Z alleine machen konnte und wollte und ich nichts weiter zu tun hatte, als ihr dabei zuzuschauen und ein wenig beim Abbinden zu helfen. Pompoms sind so eine feine Sache. Ich sollte mir wirklich auch mal welche machen. Wollreste gibt es hier schliesslich mehr als genug, und eine Mütze mit Bommel ist… nun ja, eben eine Mütze mit Bommel.
Und das hier fand und finde ich gleich ebenso schön: Ein paar Knäuel Wolle -ja, noch mehr Wolle- Alpaca aus der Region, versponnen ebenfalls in der Schweiz und von Hand mit Pflanzenfarben gefärbt. Ich habe die Alpaca-Bäurin samstags an einem Handwerksmarkt getroffen, und mir war augenblicklich klar, dass ich ihren Stand nicht ohne das eine oder andere Schätzchen verlassen konnte. Jetzt habe ich genügend Wolle für eine süsse, kleine Anja-Hat beisammen. Braun schwebt sie mir vor (ungefärbt), mit zweifarbig grünen Blätterranken und zu einer Art Blüte umfunktionierten altrosa Schneekristallen. Ich drücke mir schon mal selber die Daumen, dass ich dieses erste FairIsle-Projekt auch wirklich fertig bringe. Vor etwa einem Jahr hatte ich schon einmal einen Anlauf genommen und mich auf ein kleines Beutelchen aus dem Making-Magazin gestürzt, auf den „Sea Urchin Treasure Bag“, den ich noch immer absolut bezaubernd finde. Leider kam ich mit den miniaturkleinen Charts überhaupt nicht klar und mit dem Vergrössern von Magazin-Kopien ebensowenig, also warf ich kurzerhand das Handtuch. Mal sehen, ob’s beim zweiten Anlauf besser klappt. Ich meine; auf der „Anja“-Mütze ist immerhin sogar ein Bommel mit drauf…

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Vergangenheits-Fragmente und hausgemachtes Waschmittel

Ich muss ein sehr quirliges Kind gewesen sein, in ganz jungen Jahren zumindest. Jedes Mal, wenn mein Mädchen über die Stränge schlägt und herumtollt wie ein Wurf junger Welpen, grinst meine Mama wohlwollend und meint nur: „Sie ist genau so wie du.“
Und ich weiss dann nie, ob ich mich nun geschmeichelt fühlen soll oder nicht *hüstel*
Später aber wurde ich ruhig. Ein blasses, ernsthaftes Mädchen, das mich mit hellen Augen aus den alten Schulfotos ansieht, die Haare lang und glatt gebürstet, die Kleider unauffällig und wie zufällig gewählt.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Modehefte oder Makeup-Tipps gelesen hätte, und Parties, Jungs und Co. waren lange Zeit Welten, die mir fremd und weit, weit entfernt vorkamen, Jahre lang, auch als Teenager noch, bis etwa 16, vielleicht, und da war ich dann auch schon voll drin im Thema, denn mit 16 lernte ich Herrn Kirschkernzeit kennen und wir feierten doch noch einige Parties, denn wir waren jung und verliebt und das Leben schön wie nie zuvor  (hach ja, süsse Erinnerungen)… Mode, Schönheit, Liebe, Spass und all die anderen Dinge, die viele Mädchen um mich herum beschäftigten waren bis dahin aber kein kein grosses Thema für mich. Ich las nur wenige Liebesromane und mochte lieber Hosen als hübsche Kleider, Blau und Grau anstatt Pink oder Lila, und wenn ich die Haare lang trug, dann einzig deshalb, weil sie mich nicht interessierten und deshalb einfach nur still und langsam vor sich hinwuchsen.
Mich faszinierte anderes. Das Schreiben zum Beispiel. Oder die Menschen, die Dinge, die sie taten und das ganze Dahinter, das warum und woher.

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Und ich mochte die Natur. Mitsamt ihren grossen und kleinen Geschöpfen. Lange Zeit wollte ich Bäurin werden, später dann Hebamme oder Psychologin. (Geworden bin ich schlussendlich Mutter mit Landleben-Sehnsucht, das ist wohl eine Mischung aus allem, oder?)
Mit etwa 10 Jahren oder so, kam mir ein Artikel über die Ungeheuerlichkeiten der Regenwald-Rodung in die Hände, und ich war derart bestürzt, dass ich augenblicklich dem WWF beitrat und zur Regenwald-Aktivistin wurde, allerdings in meinem Rahmen und der ist nicht unbedingt gross, wenn man ein Kind ist und ohne Netzwerk oder Unterstützung. Aber immerhin; via Leserbrief sammelte ich eine kleinere Gruppe Regenwaldschützerischer Mädchen zusammen, die für mich malten, bastelten, strickten und nähten und all diese Schätze verkaufte ich dann an einem Marktstand im lokalen Herbstmarkt meines Heimatdorfes. Das Geld kam zum WWF. Für den Regenwald.
Ich fühlte mich bestärkt und als grosse Missionarin und alles, was mit Umweltschutz, Nachhaltigkeit und einem sanfteren, umsichtigeren Lebensstil zu tun hatte, interessierte mich nur noch brennender. Ich war grün bis ins Mark. Und dankbar, wenn ich Wege fand, die scheinbar alltägliche Verschwendung an Strom, Holz, Erdöl, Kleidung und all den anderen Dingen, die uns umgeben und die wir brauchen und missbrauchen, ein kleines bisschen … einzuschränken.

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Heute bin ich entspannter, glaube ich. Ich liebe unsere Erde und möchte sie schonen und schützen und mit Achtung und Sorgfalt behandeln, aber ich merke, dass mein Missionsgeist sich ein wenig verflüchtigt hat. Ich mag keine Parolen schwingen. Ich mag nicht mit dem Zeigefinger auf andere zeigen oder Moralpredigten halten. Ich mag mir keine Vorwürfe machen, wenn ich es wage, auch einmal mit nicht ganz so öko-mässigem Material zu werkeln und fühle mich auch nicht gross schuldig dabei, wenn ich mir eingestehe, dass ich zu einem grossen Teil wohl einfach… normal lebe, in meiner ganz persönlichen sich permanent wandelnden Mischung aus Tugenden und Umwelt-Sünden, nicht wie eine eine Öko-Päpstin, nicht wie auf der Rainbow-Warrior, sondern so einfach und umwelt-schonend wie möglich eben, ohne dass aller Spass dabei verloren geht. Bodenständig, massvoll, verantwortungsbewusst und hoffentlich dankbar für und sorgsam mit den Dinge, die wir haben.
Vor allem mag ich zuhören, wenn andere sich für ein grüneres Leben begeistern und ich bin dankbar für diese grosse, kräftige Welle an Inspiration und Veränderungswille, die über uns schwappt und gerade uns Bloggerinnen mit einer Fülle an Möglichkeiten und Ideen reich beschenkt. So viele wunderbare Bücher die genau daraus entstehen, aus dieser Welle von Entschlossenheit und neu entdeckter Freude am kreativen Leben mit und in der Natur, Bücher, die wie Pilze fast über Nacht aus dem Boden schiessen, vom Landleben erzählen, vom Schatz der Familie, von der Kraft der Kreativität und davon, dass wir eigentlich so viel mehr selber erschaffen können, viel mehr als wir vielleicht bisher dachten. Für mich ist das ein Wunder. Ein kleines. Und eine grosse Quelle auch der Freude und der Kraft, das Selbermachen und Sich-in-Genügsamkeit-Üben, ohne gleich asketisch zu werden. Ein bisschen länger zu zögern, wenn ich mir etwas kaufen möchte, ein paar Handgriffe mehr zu investieren, weil ich etwas genauso gut selber herstellen könnte; das verleiht manchen Dingen, ganz besonders den ganz alltäglichen, einen völlig neuen Wert…

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Und weil’s mir so viel Freude macht, hier das Rezept für das Waschmittel, das ich seit einer kleinen Weile wieder selber zusammenbraue und benutze, mit sehr viel mehr Begeisterung und frohem Bauchgefühl als all die kaufbaren Waschsubstanzen, die ich bisher in meine Maschine laufen liess. Ich habe auch schon hausgemachtes Waschpulver ausprobiert, doch diese flüssige Variante finde ich besser, ergiebiger und irgendwie richtig schön:

Flüssiges Waschmittel, hausgemacht

Menge:
Etwas mehr als einen 2 Liter Flüssigwaschmittel, ganz ohne das umstrittene Borax.

Material:
1. 30 gr. Kernseife. Bei der Seife finde ich persönlich es wichtig, dass sie kein EDTA (eine Art Schaummacher und Emulgator) enthält, da das nicht eben eine Wohltat ist für Mensch und Umwelt.
2. 4 El Wasch-Soda (auch „reine Soda“ genannt oder „Natriumcarbonat“)
3. 3 Mal 700 ml Wasser, jeweils siedend bis kochend heiss

So gehts:
Die Seife an der Küchenraffel fein geraspelt (das muss jetzt nicht extrem fein sein, denn das heisse Wasser löst sie ohnehin auf).
Die Seifenraspel mit den 4 El Wasch-Soda und 700 ml kochendem Wasser in einer Schüssel mit dem Schwingbesen gut mischen und abkühlen lassen.
Die Masse ist zu Anfang noch vollkommen flüssig, doch mit dem Abkühlen wird sie langsam dicker in der Konsistenz.
Nach vielleicht 20-30 Minuten gebe ich nochmals 700ml kochendes Wasser dazu und verrühre alles gut. Nochmals eine Weile stehen und abkühlen lassen (die Masse wird nochmals ein wenig dicker dabei) Nach weiteren ca. 20 bis 30 Minuten kommen dann nochmals 700ml heisses Wasser dazu und das Ganze kann in Flaschen (am besten mit weitem Hals!) abgefüllt werden.

Das Waschmittel wird allenfalls ein bisschen pudding-ähnlich, wenn es ganz erkaltet ist. Ein kräftiges Schütteln der Flasche schafft hier Abhilfe.
Ich benutze für meine Wäsche je nach Verschmutzungsgrad ca. 0.5 bis 1 dl Waschmittel pro Ladung Wäsche und finde das Waschresultat ziemlich überzeugend, auch verglichen mit den gekauftem Mitteln, die ich so kenne. Die Wäsche wird auch sehr schön weich und kein bisschen seifig oder so.
Wer mag, kann natürlich noch ätherische Öle zum Waschmittel geben (ca. 30 bis 40 Tropfen, am besten noch VOR dem Einfüllen in die Flaschen), doch meine Erfahrung ist bisher, dass davon zwar vielleicht das Waschmittel an sich wunderbar duftet, die Wäsche aber spätestens nach dem Trocknen wieder ganz neutral riecht, weshalb ich persönlich aufs „Parfumieren“ verzichte.

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Waschen mit hausgemachtem Waschmittel gehört ganz bestimmt zu den ganz besonderen Hausfrauenfreuden für mich.
Doch wisst ihr, was noch schöner ist?
Wenn zwischen dreckigen Socken und Waschlappen auch noch das eine oder andere selbstgemachte Lieblingsstück hervorblitzt…

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