Archiv der Kategorie: Nähen

Hasenmädchen

Die letzten zwei Tage standen ganz im Zeichen von „Last Minute Handmade Gifts“: Ich und meine drei Mädchen wollten der Oma zum Geburtstag unbedingt etwas Selbstgemachtes schenken- und wir waren sowas von im Verzug! Um ganz ehrlich zu sein, spielte ich sogar schon mit dem Gedanken, ihr -zusätzlich zu den Unmengen an Zeichnungen und Briefchen, die die Kleinen seit einer ganzen Weile schon als „ihr Geschenk“ für sie zusammengetragen hatten- einfach einen Gutschein zu schenken. Und den Rest dann später. Wobei „der Rest“ dann das hier gewesen wäre bzw. war: ein schneeweisser Filzhase mit pinkfarbenen Ohren, blauem Kleid und Blüten im Haar, also ums Ohr vielmehr.
Beim Zuschneiden und Planen waren wir früh dran gewesen. Schön pünktlich und überaus organisiert. Aber dann kam eins ums andere dazwischen, und meine Grosse war plötzlich mit allem möglichen beschäftigt, mit Freunden, die sie unbedingt noch treffen musste oder mit ihrer neuen Lieblingsbuch-Reihe „Blitz“, aus der sie ein Band nach dem anderen von ihrem Schulfreund ausleiht und gierig verschlingt (wunderschöne, alte Ausgaben sind das immer!).
Irgendwie sind die Tage aber auch extrem voll gerade. So viele Geburtstagsfeiern, die noch gefeiert werden wollen (woher kommen bloss all diese Sommerkinder?), Abschlussfeste in Schule und Kindergarten und Jugendgruppe… Kein Wunder, blieb unser Schneehase liegen. Auch mir war irgendwie nie so recht drum, dieses Projekt ernsthaft in Angriff zu nehmen. Ich war einfach zu müde dazu, keine Ahnung wieso. Oder ich hatte das Gefühl, Altes, Angefangenes zuerst sauber abschliessen zu müssen. (Im nächsten Post wird es um die klitzekleine Puerperium-Cardigan für das Baby meiner Schwester gehen, die nur noch ihre Knöpfchen braucht). Überhaupt kommt es mir gerade wieder so vor, als würde mich alles rund um mich herum beinahe erdrücken… räumlich wie thematisch. Manchmal scheint mir die Luft zu fehlen, zum Atmen und Mich-Ausdehnen. Dann empfinde ich es als unsagbar wohltuend und unterstützend, mich bewusst um die Dinge zu kümmern, die mir gerade besonders im Nacken sitzen: kreative Projekte, die knapp vor ihrer Vollendung stehen, alte Briefschulden, die beglichen werden wollen, Arzttermine, die ich schon ewig vor mir herschiebe (und dann doch wieder absagen)..
Dass dieses kleine Hasenmädchen gestern Nachmittag -punktgenau auf den Geburtstag meiner Mama- doch noch fertig wurde, verdanke ich dem Termindruck und einem ungeahnten Schwung neuer Energie, der uns alle gestern plötzlich erfasste und einträchtig aber geschäftig zusammen am Stubentisch vor uns hinwerkeln liess. Für die Puppe selbst und auch für das blaue Kleid sind ich und meine Grosse verantwortlich, die Blüten und der Herzanhänger haben meine beiden Kleinen gemacht, was ich ganz besonders süss finde.
Wie beim letzten Mal gab Kata Goldas Buch „Handstitched Felt“ uns wunderbare Anregungen und die Motivation, uns nochmals so richtig ins Nähvergnügen mit Filz zu stürzen. Was wirklich eine Freude war.  Kinderleicht und ohne nerviges Versäubern oder schweisstreibende Bügelsessions. Und vor allem war es ein Erfolg, zu guter Letzt: Meine Mutter war ganz aus dem Häuschen wegen ihrem neuen Kuscheltier und ich weiss heute schon, dass sie ihr Hasenmädchen auf ewig aufbewahren und mit besonders viel Liebe und Sorgfalt behandeln wird. Unser Hasenkind hat es gut getroffen, denke ich, so herzlich, wie es willkommen geheissen wurde…

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Das Schmetterlings-Kleidchen aus „Sunday Sews“

Wie lange ich an diesem Kleidchen hier genäht habe, weiss ich gar nicht mehr. Wie lange ich es nach einem beinahe euphorischen Start entmutigt zur Seite gelegt hatte, genauso wenig.
Was ich noch weiss: Von Hand zu nähen macht zwar grossen Spass, kostet aber extrem viel Zeit und bringt sehr viel schwächere, weniger satt sitzende Nähte hervor, die ich vorsichtshalber darum zweifach gesteppt habe, um die Gefahr reissender Säume und Nähte ein wenig zu mindern.
Heute würde ich ja meine Nähmaschine zur Hilfe nehmen, doch als ich mit diesem Projekt hier begann, war genau diese im Dauereinsatz bei meiner Mutter, die damit Unmengen an Fasnachts-Kostümen für eine befreundete Gugge produzierte. So stichelte ich von Hand. Alles. Sogar das Schrägband wurde aus kleinen Stoffstückchen eines meiner Lieblingsstoffe von Anna Maria Horner Stück für Stück manuell zusammengesetzt. Und ja, es war eine schöne Arbeit. Die einfach ein wenig zu lange dauerte- und mich vor allem immer unsicherer werden liess, was die Passform betraf.  Das „Schmetterlings-Kleidchen“ aus „Sunday Sews“ sieht zwar schnuckelig aus, hat aber eine irgendwie sonderbare Konstruktion, weil man das Schrägband beim Halsausschnitt direkt an die obere, gekräuselte Ärmelkante annäht. Mir kam das verdächtig instabil vor beim Nähen und ich hatte immer das Gefühl, die Kräuselung würde nicht genug halten und der Ausschnitt zum Schluss dann zu weit werden.


Zu weit wurde er dann auch. Für meinen Geschmack zumindest. Aber mit einem feinen Gummizug, den ich ganz einfach ins Schrägband einziehen konnte, liess er sich wunderbar anpassen, so dass das Kleidchen luftig fällt und sehr sommerlich wirkt, ohne dass es meiner Kleinsten über die Schulter rutscht. Ich musste allerdings den Rückenausschnitt weiter öffnen für ein einfacheres An- und Ausziehen, weil es so einfach zu eng wird. Und es ist ein wenig knapp von der Länge her und wird meinem Kind wohl nur noch diesen Sommer passen, was kein Wunder ist, denn ich hatte die Grösse 2 Jahre gewählt, damals passend für mein im letzten Frühling gerade 2 Jahre alt gewordenes kleines Mädchen, das sein Kleidchen nun mit 3 gerade noch tragen kann, bevor es in die Mottenkiste für potentielle Enkelkinderchen wandert.

Auffallend sind die ungeheuer voluminösen Flatterärmelchen, die mich sofort an Elfenflügel erinnert haben (und eher weniger an Schmetterlinge, aber vielleicht sind ja Blumenelfen damit gemeint, die in manchen Büchern aussehen wie kleine Kinder mit Schmetterlingsflügeln?) Ich würde sie vielleicht nicht ganz so bauschig machen bei einem nächsten Mal, doch auf der anderen Seite schenkt genau dieses Stoffvolumen ja Raum und Bewegungsfreiheit, was oftmals ein Problem darstellt bei Mädchenkleidchen aus festem Baumwollstoff (hier übrigens „Shot Cotton“ in einem verwaschenen Blaugrau-Violett-Ton von Kaffee Fasset). Irgendwie macht es ja auch den Charme dieses Kleidchen aus, dass dieses kleine Detail -die grossen, weichen Stoffwellen die die Kinderschultern umrahmen- eben einfach ein wenig anders ist als gewöhnlich. Schmetterlings-Elfenflügelchen statt Puffärmel oder dem klaren Schnitt ganz normaler Shirts und Kleider. Kombiniert mit dem ansonsten wirklich sehr, sehr schlichten Look und dem kontrastierenden Schrägband am Halsausschnitt finde ich es alles in allem sehr süss und verspielt und mädchenhaft.

Passend für meine Kleinste, die manchmal ein rechtes Bengelchen sein kann, mich aber mit ihrer Verschmitztheit doch immer wieder im Nullkommanichts um den Finger wickelt…

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Aus ein paar Spitzentaschentüchern…

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… wurde dieser Vorhang hier.
Vor sicher 2 Jahren schon.
Glaube ich.
Und genau so lange hing er auch hier am Fenster unserer Waschküche (in der es auch eine Toilette gibt und ein Lavabo, wo wir meistens Zähneputzen, weil die Küche gleich nebenan liegt) Die ganze Zeit aber blieb er ungesäumt und musste mit Wäscheklammern befestigt werden *hüstel* Kein schöner Anblick.
Einmal kam eine ältere Dame zu Besuch, eine Freundin meiner Mutter, die mir einen Grossteil dieser ganz entzückenden bestickten Stofftaschentücher beigesteuert hatte, und meine Mutter führte ihr stolz das Resultat meiner stümperhaften Handnäh-Versuche vor (diese rutschenden, zarten Stoffe waren echt nicht ohne!). Die alte Dame warf einen verzweifelten Blick in Richtung der Gardine, die an Metallklämmerchen vom (wie immer schmutzigen) Fester baumelte und wusste offenbar nicht recht, was sie sagen sollte *grins*. Aber ich kann das verstehen, ehrlich, immerhin sind die Nähte krumm und die Stoffkanten zum Teil unversäubert eingesetzt, und alles ist ein bisschen windschief, was irgendwie Teil des Spasses war, denn ich wollte einfach nur nähen und patchen und mich ein wenig austoben, damals wie heute. In einer Art Dottie Angel-Anfall. Bei Dottie Angel darf auch alles schräg und wild sein, und trotzdem -oder gerade deshalb- wird es charmant. Ich mag ihren Stil. Er macht einfach Laune und Mut und Lust darauf, selber ein bisschen kreativ zu werden, ohne Angst vor Fehlern (oder ungesäumten Kanten).

Das Fenster ist noch immer ungeputzt. Genau wie das Lavabo. Und in den Weidenkörben hinter mir liegt seit mehr als 1 Woche ein Berg Weisswäsche zum Zusammenlegen und Verräumen bereit. Diese Dinge ändern sich wohl nie… Aber immerhin sind die Wäscheklammern weg. Seit heute nachmittag. Da hängen nun richtige Vorhänge. Denn manche Dinge ändern sich eben doch…

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manchmal muss es was Süsses sein

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Meine Kinder sind heute für den Nachmittag allesamt ausgeflogen- und ich sass die ganze Zeit über ganz alleine, aber überaus glücklich und zufrieden im Garten in der kleinen Laube und nähte still vor mich hin, während Herr Kirschkernzeit an einem neuen Meerschweinchenstall baute. Vor mir ein Glas Heidelbeer-Sirup, Spatzengezeter in den Ohren und den feinen Frühlingswind in den Haaren. Frühlingsglück pur.
Dabei hatte diese Woche gar nicht gut angefangen. Es waren düstere Tage, obwohl ich nicht genau sagen konnte, was mich so belastete. Dann kam die Nachricht vom Freitod eines Lehrers an der Schule von Kind1, und diese Nachricht traf mich wie ein Fausthieb. Der Gedanke an die Verzweiflung und den inneren Schmerz, durch die ein Mensch gehen muss bis zu diesem gravierenden, alles beendenden Schritt, erschütterte mich bis ins Mark…
Doch meine Welt drehte sich weiter, der Alltag blieb in seinem Trott verwurzelt und walzte Stück für Stück weiter, ich wollte, musste funktionieren und versuchte, mir jeden Tag soviel Gutes zu tun, wie ich nur konnte, um nur nicht noch tiefer in diesen emotionalen Sumpf zu geraten. Die dunklen Gedanken vertreiben, mit positiven Bildern überlagern. Schlafen, wenn es sein musste, lange wachbleiben und stricken, wenn ich spürte, dass ich freie Stunden brauchte. Essen und trinken, was und wann mein Körper es verlangte (viel Tee, Kuchen manchmal, häufig auch Nüsse, was untypisch ist für mich). Und ich setzte neue Prioritäten; zwei Mal nahm ich mir ganz bewusst zwei Stunden frei, am hellheiteren Nachmittag, und scheuchte die Kinder zu meiner Mutter (die ziemlich glücklich darüber wirkte). An sich hatte ich aufräumen wollen, die Dinge schön machen, um Ordnung und Sinn in mein Innenleben zu bringen, doch dann sah ich mein Nähzeug so verlockend auf dem Stubentisch (wo ich es noch immer nicht weggeräumt hatte), und mir war klar, wie ich diesen freien Nachmittag verbringen wollte: Mit Nähen, am liebsten bunt und romantisch und zuckersüss. Ich kramte einen kleinen Stapel Blümchenstoff-Quadrate hervor, den ich schon vor langer Zeit einmal irgendwo ersteigert hatte (zusammen mit Knöpfen oder so, glaube ich) und steppte so lange völlig wahllos kleine schnuckelige Vierecke aneinander, bis der Stapel aufgebraucht war und eine kleine, helle, an Bullerbü erinnernde Mini-Tischdecke vor mir lag. Mit etwas Schrägband und ein wenig Quilting entlang der Reihen wurde ein Tischläufer daraus, der recht gut auf den hölzernen Mini-Klapptisch in unserer Laube passt, wo ich neulich zum ersten Mal mit einer Freundin Tee trank und das herrliche Frühlingswetter bei einem Schwätzchen (und in ziemlich aufdringlicher  höchst begeisterter Gesellschaft meiner Kinder) geniessen konnte.
Diese Laube ist wunderbar. Das Herzstück unseres kleinen, immer grüner und üppiger werdenden Gärtchens, das mir von Jahr zu Jahr mehr ans Herz wächst.
In diesem Jahr sind die Bäumchen schon wahnsinnig gewachsen. Holunder spriesst plötzlich an allen Ecken aus der Erde und die Quitte trägt die schönsten rosa Blüten, die man sich denken kann (allerdings riechen sie ganz schlimm, da sollte man lieber nicht dran schnuppern, iiiks!). Dieser Garten ist wirklich eine Freude, wisst ihr. Wie eine winzige Oase. Für mich. Eine Oase, die sich nicht unterkriegen lassen soll vom sich ausbreitenden Betonteppich, der in diesem Dorf Wiese um Wiese verschlingt und dunkle Wohnklötze spriessen lässt statt Hecken und Blumen. Es ist etwas ganz Besonderes für mich, mir diese versteckte Oase immer mehr zu eigen zu machen, Kräuter zu pflanzen (Kamille!), zum ersten Mal Rhabarber zu ernten, Bäume zu setzen, den Hahnenfuss auszureissen, aber die wilde Möhre für den Schwalbenschwanz stehen zu lassen… Jetzt habe ich auch der Gartenlaube, die einst ein düsterer, von Spinnen bevölkerter, enger Schuppen war, ein bisschen von diesem „Das ist mein Zuhause“-Gefühl eingehaucht, das ich so langsam, langsam in unserem Garten empfinde und nach dem ich mich so schrecklich sehne.
Besonders gut gefällt mir auch der zarte Blümchenstoff des Stuhl-Kissens. Mit dem verwaschenen Rosa und dem Blütenprint, der aussieht wie Aquarell-gemalt. Ich hatte ihn in jenem Sommer gekauft, als Herr Kirschkernzeit sich an Umgraben und Neu-Gestalten des Gartens machte, und damals schon wünschte ich mit Blumen und Nostalgie für diesen besonderen Ort. Für ein wenig extra Romantik und eine noch zuckrigere Note habe ich ein Stück hellblaue Häkelspitze vom Trödler mit eingenäht (was eine wahnsinnig kniffelige Arbeit war. Die Borte war leider dermassen schmal und fein, dass jeder Stich sitzen musste, aber ich mag sie, klar.). Ich fand es schön, für einmal in Spitze und mädchenhaftem Streublümchen-Design zu schwelgen. Streublümchen, luftiges Patchwork und Spitzenränder haben so was Optimistisches an sich, etwas von „heile Welt“, harmlos und süss.
Ja, ich denke, manchmal muss es wohl einfach was Süsses sein…

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