Archiv der Kategorie: Nähen

Lavendelkissen

Die letzten Tage über habe ich mich ein wenig dem Flick-Korb gewidmet. Zerschlissene Hosen, kaputte Leggins, ein T-Shirt mit Flecken (das demnächst einen Freezer-Paper-Aufdruck bekommen soll), ein Kissenbezug mit Riss, zu lange Fleecehosen… alles wird untersucht und entweder entsorgt oder repariert, was natürlich nach meiner Nähmaschine verlangt und mich endlich dazu bewegt, sie wieder einmal aus ihrer dunklen Ecke zu holen, abzustauben und mich mit ihr an den Tisch zu setzen.
Lang, lang ist’s her. Fremd ist sie mir geworden in der Zwischenzeit. Dabei kann man so tolle Dinge mit ihr anstellen. Und erst noch im Nullkommanix, ein ganzes (Mini-)Projekt an nur einem Abend- wow, da lacht mein Strickerinnenherz, teils verblüfft, teils aus purer Schaffens-Freude…

Und wo sie nun schon einmal draussen steht, auf meinem Stubentisch, bereit, jederzeit loszulegen, wage ich mich auch an andere Dinge, die ich schon ewig vor mir herschiebe, an das Unternehmen „Lavendel-Kissen“ zum Beispiel, das mir schon im Frühsommer im Kopf herum geisterte, noch während der Lavendel draussen vor dem Haus beim Trottoir wucherte und blühte, was das Zeug hielt und ganze Ausflugsgruppen von Schmetterlingen, Bienen und Hummeln anlockte und verköstigte.
Ich fand es wunderschön, wie alles flatterte und summte und brummte und manchmal ging ich mitten am Nachmittag nach draussen an die Strasse, um den Insekten zuzusehen und zu hören, wie die Natur sich anhört im heissen Sommer über einem blühenden Lavendelbeet.
Für Tee oder andere Pflanzenmedizin sind Autoauspuffe und pinkelnde Hündchen definitiv zu nahe, aber für Duftsäckchen…? Der Lavendel duftet herrlich intensiv nach Provence und Sommersglut, und das obwohl ich ihn erst abgeerntet und zum Trocknen in die Laube gehängt habe, nachdem die letzte Rispe verblüht war. In der Zwischenzeit haben die Kinder mehr als einmal ihre Hände in die Blüten-Schüssel getaucht und ein bisschen darin herumgewühlt, und die ganze Stube roch danach nach Lavendel, auch heute wieder, diesmal aber, wegen der kleinen Duft-Kissen, die ich gestern nachmittag mit Hilfe der Kleinen und nachts noch alleine daraus genäht habe.


Jedes der drei Mädchen konnte sich seinen Lieblings-Stoff aus meinen Vorräten auswählen, alle drei suchten sich den hellorangen Häschen-Stoff aus, von dem ich noch genau eine Stoffbreite mit 25cm Länge griffbereit hatte.
Eine gute Wahl. Ich liebe Häschenprints! Und ich glaube, wenn mich nicht alles täuscht, ist es sogar ein Bio-Stoff, was gut passt zu einem Lavendel-Kissen, wie ich finde. Für die Rückseite haben die beiden Kleinsten einen Stoffrest mit blauen Blumen darauf genommen, meine Grosse wiederum blau-rote Pünktchen auf weissem Grund. Damit es keine Verwechslungen gibt, bekam jedes Kissen ein anderes Schrägband als Aufhänge-Band angenäht. (Und nein, das obere Foto zeigt nicht die ganze Wahrheit; natürlich lasse ich meine Kinder nicht mit dem Rollschneider hantieren! Aber sie wollte so gerne mal tun als ob. Fürs Foto, hihi.)


Zuerst habe ich zwei Kissen zusammen mit meinen beiden kleinen Mädchen gleich direkt mit getrocknetem Lavendel und Schafwolle gefüllt -Lavendel für den Duft, Wollflies für die Weichheit- und die Füll-Öffnung dann von Hand straff zugenäht. Für die drei nachfolgenden Kissen aber – darunter auch ein süsses, lila Einhornkissen für eine meiner Schwestern- habe ich ein Inlet aus einem kaputten weissen T-Shirt und einem zerschlissenen Leinentuch gemacht. So fühlt sich das Kissen noch softer an und die Lavendelblüten sind weniger spürbar. Ausserdem könnte man so das Kissen notfalls auch leichter waschen, weil sich das Inlet mit dem Seamripper kinderleicht öffnen und später rasch auch wieder zunähen lässt.
Natürlich wäre ein Reissverschluss das absolute Nonplusultra gewesen, aber dafür fehlen mir momentan offen gestanden einfach Lust und Musse. Ich will schnelle Resultate. Und so wenig Firlefanz wie möglich. Gleichzeitig spüre ich aber auch, wie sehr ich kreative Momente und kleine Erfolge brauche, um meinen Frieden zu finden. Ich weiss; in meiner Näh-Kommode liegen zwei fixfertige Quilt-Tops herum, still und traurig unfertig und dösen resigniert vor sich hin. Dafür muss ich meine Nerven jetzt bündeln. Mut und Antrieb sammeln. Ich zaudere immer, wenn es ans Quilten geht. Das macht mich einfach immer wahnsinnig nervös…
Vielleicht sollte ich ein paar Schnüffler Lavendelkissen einatmen? Lavendel beruhigt nicht nur die Nerven, es hilft auch, das innere Chaos und schwankende Geister auszubalancieren und einen klaren Fokus zu setzen…
Kräutermedizin also doch. Direkt vom Gehweg an der Strasse.

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Hasenmädchen

Die letzten zwei Tage standen ganz im Zeichen von „Last Minute Handmade Gifts“: Ich und meine drei Mädchen wollten der Oma zum Geburtstag unbedingt etwas Selbstgemachtes schenken- und wir waren sowas von im Verzug! Um ganz ehrlich zu sein, spielte ich sogar schon mit dem Gedanken, ihr -zusätzlich zu den Unmengen an Zeichnungen und Briefchen, die die Kleinen seit einer ganzen Weile schon als „ihr Geschenk“ für sie zusammengetragen hatten- einfach einen Gutschein zu schenken. Und den Rest dann später. Wobei „der Rest“ dann das hier gewesen wäre bzw. war: ein schneeweisser Filzhase mit pinkfarbenen Ohren, blauem Kleid und Blüten im Haar, also ums Ohr vielmehr.
Beim Zuschneiden und Planen waren wir früh dran gewesen. Schön pünktlich und überaus organisiert. Aber dann kam eins ums andere dazwischen, und meine Grosse war plötzlich mit allem möglichen beschäftigt, mit Freunden, die sie unbedingt noch treffen musste oder mit ihrer neuen Lieblingsbuch-Reihe „Blitz“, aus der sie ein Band nach dem anderen von ihrem Schulfreund ausleiht und gierig verschlingt (wunderschöne, alte Ausgaben sind das immer!).
Irgendwie sind die Tage aber auch extrem voll gerade. So viele Geburtstagsfeiern, die noch gefeiert werden wollen (woher kommen bloss all diese Sommerkinder?), Abschlussfeste in Schule und Kindergarten und Jugendgruppe… Kein Wunder, blieb unser Schneehase liegen. Auch mir war irgendwie nie so recht drum, dieses Projekt ernsthaft in Angriff zu nehmen. Ich war einfach zu müde dazu, keine Ahnung wieso. Oder ich hatte das Gefühl, Altes, Angefangenes zuerst sauber abschliessen zu müssen. (Im nächsten Post wird es um die klitzekleine Puerperium-Cardigan für das Baby meiner Schwester gehen, die nur noch ihre Knöpfchen braucht). Überhaupt kommt es mir gerade wieder so vor, als würde mich alles rund um mich herum beinahe erdrücken… räumlich wie thematisch. Manchmal scheint mir die Luft zu fehlen, zum Atmen und Mich-Ausdehnen. Dann empfinde ich es als unsagbar wohltuend und unterstützend, mich bewusst um die Dinge zu kümmern, die mir gerade besonders im Nacken sitzen: kreative Projekte, die knapp vor ihrer Vollendung stehen, alte Briefschulden, die beglichen werden wollen, Arzttermine, die ich schon ewig vor mir herschiebe (und dann doch wieder absagen)..
Dass dieses kleine Hasenmädchen gestern Nachmittag -punktgenau auf den Geburtstag meiner Mama- doch noch fertig wurde, verdanke ich dem Termindruck und einem ungeahnten Schwung neuer Energie, der uns alle gestern plötzlich erfasste und einträchtig aber geschäftig zusammen am Stubentisch vor uns hinwerkeln liess. Für die Puppe selbst und auch für das blaue Kleid sind ich und meine Grosse verantwortlich, die Blüten und der Herzanhänger haben meine beiden Kleinen gemacht, was ich ganz besonders süss finde.
Wie beim letzten Mal gab Kata Goldas Buch „Handstitched Felt“ uns wunderbare Anregungen und die Motivation, uns nochmals so richtig ins Nähvergnügen mit Filz zu stürzen. Was wirklich eine Freude war.  Kinderleicht und ohne nerviges Versäubern oder schweisstreibende Bügelsessions. Und vor allem war es ein Erfolg, zu guter Letzt: Meine Mutter war ganz aus dem Häuschen wegen ihrem neuen Kuscheltier und ich weiss heute schon, dass sie ihr Hasenmädchen auf ewig aufbewahren und mit besonders viel Liebe und Sorgfalt behandeln wird. Unser Hasenkind hat es gut getroffen, denke ich, so herzlich, wie es willkommen geheissen wurde…

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Das Schmetterlings-Kleidchen aus „Sunday Sews“

Wie lange ich an diesem Kleidchen hier genäht habe, weiss ich gar nicht mehr. Wie lange ich es nach einem beinahe euphorischen Start entmutigt zur Seite gelegt hatte, genauso wenig.
Was ich noch weiss: Von Hand zu nähen macht zwar grossen Spass, kostet aber extrem viel Zeit und bringt sehr viel schwächere, weniger satt sitzende Nähte hervor, die ich vorsichtshalber darum zweifach gesteppt habe, um die Gefahr reissender Säume und Nähte ein wenig zu mindern.
Heute würde ich ja meine Nähmaschine zur Hilfe nehmen, doch als ich mit diesem Projekt hier begann, war genau diese im Dauereinsatz bei meiner Mutter, die damit Unmengen an Fasnachts-Kostümen für eine befreundete Gugge produzierte. So stichelte ich von Hand. Alles. Sogar das Schrägband wurde aus kleinen Stoffstückchen eines meiner Lieblingsstoffe von Anna Maria Horner Stück für Stück manuell zusammengesetzt. Und ja, es war eine schöne Arbeit. Die einfach ein wenig zu lange dauerte- und mich vor allem immer unsicherer werden liess, was die Passform betraf.  Das „Schmetterlings-Kleidchen“ aus „Sunday Sews“ sieht zwar schnuckelig aus, hat aber eine irgendwie sonderbare Konstruktion, weil man das Schrägband beim Halsausschnitt direkt an die obere, gekräuselte Ärmelkante annäht. Mir kam das verdächtig instabil vor beim Nähen und ich hatte immer das Gefühl, die Kräuselung würde nicht genug halten und der Ausschnitt zum Schluss dann zu weit werden.


Zu weit wurde er dann auch. Für meinen Geschmack zumindest. Aber mit einem feinen Gummizug, den ich ganz einfach ins Schrägband einziehen konnte, liess er sich wunderbar anpassen, so dass das Kleidchen luftig fällt und sehr sommerlich wirkt, ohne dass es meiner Kleinsten über die Schulter rutscht. Ich musste allerdings den Rückenausschnitt weiter öffnen für ein einfacheres An- und Ausziehen, weil es so einfach zu eng wird. Und es ist ein wenig knapp von der Länge her und wird meinem Kind wohl nur noch diesen Sommer passen, was kein Wunder ist, denn ich hatte die Grösse 2 Jahre gewählt, damals passend für mein im letzten Frühling gerade 2 Jahre alt gewordenes kleines Mädchen, das sein Kleidchen nun mit 3 gerade noch tragen kann, bevor es in die Mottenkiste für potentielle Enkelkinderchen wandert.

Auffallend sind die ungeheuer voluminösen Flatterärmelchen, die mich sofort an Elfenflügel erinnert haben (und eher weniger an Schmetterlinge, aber vielleicht sind ja Blumenelfen damit gemeint, die in manchen Büchern aussehen wie kleine Kinder mit Schmetterlingsflügeln?) Ich würde sie vielleicht nicht ganz so bauschig machen bei einem nächsten Mal, doch auf der anderen Seite schenkt genau dieses Stoffvolumen ja Raum und Bewegungsfreiheit, was oftmals ein Problem darstellt bei Mädchenkleidchen aus festem Baumwollstoff (hier übrigens „Shot Cotton“ in einem verwaschenen Blaugrau-Violett-Ton von Kaffee Fasset). Irgendwie macht es ja auch den Charme dieses Kleidchen aus, dass dieses kleine Detail -die grossen, weichen Stoffwellen die die Kinderschultern umrahmen- eben einfach ein wenig anders ist als gewöhnlich. Schmetterlings-Elfenflügelchen statt Puffärmel oder dem klaren Schnitt ganz normaler Shirts und Kleider. Kombiniert mit dem ansonsten wirklich sehr, sehr schlichten Look und dem kontrastierenden Schrägband am Halsausschnitt finde ich es alles in allem sehr süss und verspielt und mädchenhaft.

Passend für meine Kleinste, die manchmal ein rechtes Bengelchen sein kann, mich aber mit ihrer Verschmitztheit doch immer wieder im Nullkommanichts um den Finger wickelt…

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Aus ein paar Spitzentaschentüchern…

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… wurde dieser Vorhang hier.
Vor sicher 2 Jahren schon.
Glaube ich.
Und genau so lange hing er auch hier am Fenster unserer Waschküche (in der es auch eine Toilette gibt und ein Lavabo, wo wir meistens Zähneputzen, weil die Küche gleich nebenan liegt) Die ganze Zeit aber blieb er ungesäumt und musste mit Wäscheklammern befestigt werden *hüstel* Kein schöner Anblick.
Einmal kam eine ältere Dame zu Besuch, eine Freundin meiner Mutter, die mir einen Grossteil dieser ganz entzückenden bestickten Stofftaschentücher beigesteuert hatte, und meine Mutter führte ihr stolz das Resultat meiner stümperhaften Handnäh-Versuche vor (diese rutschenden, zarten Stoffe waren echt nicht ohne!). Die alte Dame warf einen verzweifelten Blick in Richtung der Gardine, die an Metallklämmerchen vom (wie immer schmutzigen) Fester baumelte und wusste offenbar nicht recht, was sie sagen sollte *grins*. Aber ich kann das verstehen, ehrlich, immerhin sind die Nähte krumm und die Stoffkanten zum Teil unversäubert eingesetzt, und alles ist ein bisschen windschief, was irgendwie Teil des Spasses war, denn ich wollte einfach nur nähen und patchen und mich ein wenig austoben, damals wie heute. In einer Art Dottie Angel-Anfall. Bei Dottie Angel darf auch alles schräg und wild sein, und trotzdem -oder gerade deshalb- wird es charmant. Ich mag ihren Stil. Er macht einfach Laune und Mut und Lust darauf, selber ein bisschen kreativ zu werden, ohne Angst vor Fehlern (oder ungesäumten Kanten).

Das Fenster ist noch immer ungeputzt. Genau wie das Lavabo. Und in den Weidenkörben hinter mir liegt seit mehr als 1 Woche ein Berg Weisswäsche zum Zusammenlegen und Verräumen bereit. Diese Dinge ändern sich wohl nie… Aber immerhin sind die Wäscheklammern weg. Seit heute nachmittag. Da hängen nun richtige Vorhänge. Denn manche Dinge ändern sich eben doch…

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