Archiv der Kategorie: Nähen

softly crazy

Ich liebe crazy Patchwork! Aber meine Sachen werden sonderbarerweise immer zu „ordentlich“. Egal wie sehr ich mich bemühe, nachlässig zu sein mit Messen und Schneiden und so, der wonky Style bleibt mir einfach irgenwie verwehrt. Dabei hat Nikki damals so eine schöne Anleitung gemacht. Und so schöne Kissen. Herrlich schräg und einfach liebenswert unkompliziert. Wahrscheinlich bin ich einfach zu verkrampft. Ein verhinderter Ordnungsfreak.

Aber auch wenn dieses Log Cabin Kissen nicht ganz so schräg und schief ausgefallen ist, wie ich es gerne hätte, mag ich es doch ganz gerne. Die Farben sind doch an sich ganz hübsch, oder? Lauter zarte Prints. Bis auf die kräftigeren Streifen von Kaffe Fassett. Die knallen ein bisschen aus dem ganzen Beige, Ecru und Braun heraus, was ich nicht schlecht finde, so als kleines Gegengewicht zum Neutralen. Gemeinsam ist allen Stoffen, dass sie allesamt Reste sind. Streifen und Schnipsel längst vergangener Projekte, darunter eine Baby-Patchwork-Decke, die ich noch während der Schwangerschaft mit meinem heutigen Kindergarten-Mädchen angefangen -vor über 4 Jahren also, Gott bewahre!- bis heute aber nicht zuende gebracht habe. Das Top wäre an sich fertig. Lauter Quadrate in praktisch denselben Tönen wie dieses Log Cabin Kissen hier. Nur das Quilten fehlt, der Rückseitenstoff und das Binding.
Sie würden so gut zusammen passen. Kissen und Miniquilt…
Und dazu dann mein Baby.
Hm…

Veröffentlicht unter berührt, like Instagram, Nähen, what makes me happy, Zuhause | 4 Kommentare

Nach vier Jahren…

… in der Schublade ist dieses Mädchen-Shirt hier doch noch fertig geworden. Im Sommer war das. In meiner Nesting-Phase. Wo alles und jedes noch fertig werden musste und ich lieber vor Erschöpfung umgefallen wäre als den Anblick überquellender Kram-Schubladen weiterhin ertragen zu müssen.
Leider hat aller Nestbau-Eifer nichts genützt. Meine Schubladen stehen immer noch voller Zeug, und es hat mehr angefangene Projekte oder hoffnungslos gehortetes Material, das man „bestimmt noch eines Tages brauchen kann“, als es irgendwie Sinn machen würde.
Doch gerade ist der Zeitpunkt bei mir wenig ideal für Marie Kondo. Entrümpelt wird später. Irgendwann. Jetzt gehören meine Tage dem kleinen Babykind und der Neu-Komposition meiner Familie, wo jeder ein kleines bisschen verrutscht ist in seiner Position und die Kleinste plötzlich grosse Schwester. Dass das nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen bedeutet, muss ich wohl nicht extra erwähnen, doch ich tue es trotzdem. Und was meine im letzten Post so selbstherrlich gerühmte stoische Gelassenheit betrifft: Kaum hatte ich die letzte Zeile getippt, geriet ich in irgendeinen Gefühlstornado einer meiner jüngeren Töchter und verlor prompt die Fassung. Nicht zum letzten Mal in dieser Woche. Ganz im Gegenteil: meine Hormone scheinen wieder in Bewegung gekommen zu sein und fahren munter Achterbahn. Der ruhig-zufriedene Zustand nach der Geburt war mir offen gesagt sehr viel lieber, aber ich bin scheinbar wie ich bin; kein Ruhepol und ganz bestimmt nicht Buddha.
Doch alles in allem denke ich, es wird so langsam. Mit Betonung auf langsam. Noch immer fliessen Kindertränen, wenn das Baby herumgetragen werden möchte, obwohl doch ein Puzzle bereit steht zum gemeinsamen Zusammensetzen, und manche von uns sind erschöpfter und reizbarer als sonst, doch es zeichnet sich bereits so was wie eine „neue Normalität“ ab in all dem Tohuwabohu. Und die tiefe Liebe, die ich empfinde für meinen kleinen Jungen ist sowieso grösser als jedes häusliche Gewitter. Sie gibt mir Kraft, Hoffnung, den nötigen Biss, wenn ich nach einer weiteren schlechten Nacht, in der ich mehr Zeit damit verbracht habe, ein unruhiges Baby zu wiegen und zu stillen, als wirklich zu schlafen, in einen neuen Tag starte.

Und nun zum Shirt *hüstel*. Es wird bereits rege benutzt. Als einziger Jersey-Pullover im Schrank meines Kindergartenmädchens, dessen Ärmel ihr noch bis zu den Handgelenken reichen und nicht schon Mitte Unterarm enden, kommt er jetzt, wo es kühler wird, natürlich rege zum Einsatz. Dass der Stoff („Mondblumen hell“ von C.Pauli) so weich ist, macht ihn gleich doppelt beliebt bei meinem anspruchsvollen kleinen Mädchen, und mich wiederum entspannen die schräg geratenen Nähte und meine Imperfektion in Sachen Nähen. Nichts ist hinderlicher im normalen Familienalltag als Dinge, die zu wertvoll sind, um richtig benutzt zu werden…
Schnitt und Anleitung für dieses Shirt stammen aus Meg McElwees „Mama-Nähbuch“. Ich habe schon früher damit gearbeitet und mag das Resultat noch immer sehr, sehr gerne. Einen ganz ähnlichen Pullover, den „Trotzkopf“, aus dem sich auch ein Kleidchen machen lässt, findet ihr aber auch kostenlos bei Schnabelina in ihrem wunderbaren Nähblog. Wer etwas Zeit findet, mag vielleicht ein bisschen bei ihr herumstöbern; es gibt viele schöne Ideen und ein paar ausgezeichnete Anleitungen zum Runterladen und Nach-Nähen…

Bis ich selber wieder zum Nähen komme, werden allerdings wohl Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Im Augenblick läuft alles, was über die absoluten Basics des täglichen Lebens hinausgeht, auf Sparflamme… Doch das ist in Ordnung so. Dass dieses Shirt hier sage und schreibe 4 Jahre gebraucht hat, um vollendet und schlussendlich auch getragen und gemocht zu werden, schenkt mir den nötigen Optimismus, um mit Überzeugung sagen zu können: Alles hat seine Zeit. Und das Gras wächst ganz bestimmt nicht schneller, wenn man daran zieht…

Veröffentlicht unter besondere Tage, Kinder, Nähen | 6 Kommentare

Strata Top

Wie grauschleierig und schattenreich das Licht wird, sobald die Sonne kurz nach vier hinter den Bäumen verschwindet, erkennt man spätestens dann, wenn man versucht, am späteren Nachmittag Fotos im Garten zu knipsen… Aber schlimm finde ich das nicht. Ich mag diese kontrastreichen Momente. Sie sind so friedlich. Ein bisschen Vergänglichkeit und Abschied nach der wohltuenden Wärme dieser freundlichen Septembertage. Die Beete sind halbleer, die Blätter noch knapp grün, die Luft lau und leicht, das Leben scheint einfach.
Nur das mit der Wäsche hätte mir früher einfallen sollen: das Zeitfenster, in dem die nassen Sachen draussen trocknen, wird immer kleiner. Sobald die Sonne sich hinter die Baumwipfel schiebt, bleiben sie über Nacht an der Leine, denn die Restwärme des Tages hat zu wenig Kraft und die Luft wird rasch feucht. Heute Abend wird es also keine nach Garten duftende, frischgewaschene Bettwäsche zum Reinkuscheln geben…
Aber dafür ein paar Bilder meines vor einer Weile fertig gewordenen „Strata-Tops“ von „Sew Liberated“. Ein Shirt, das ich sehr liebe und das mich zuverlässig durch diese Schwangerschaft begleitet hat. Weil es sowohl ohne als auch mit kugelrundem Babybauch unglaublich bequem und -wie ich finde- auch recht schmeichelhaft sitzt. Beim Schnittmuster sind laut (Sewing Liberated) eigentlich alle Nahtzugaben und so quasi auch der „Postitive Ease“ für einen angenehm luftigen, befreienden Sitz bereits integriert, man kann also ganz einfach den eigenen Körper ausmessen und dann nach der Anleitung gehen. Für mich kam Grösse M dabei heraus, was wohl die haargenau richtige Wahl ist, nur schon weil ich es ohnehin lieber mag, wenn ein Kleidungsstück mich mehr umschmeichelt als satt umfasst. Die vordere Kurve am unteren Saum, die war mir aber doch ein bisschen zu stark gerundet. Also habe ich vielleicht 3-4 cm nach unten zugegeben und den Kurvensaum damit ein wenig begradigt. Verlängern geht immer, würde ich sagen. Je nach Kleid oder Shirt, Rock oder Jeans passt mal diese, mal eine andere Länge. Doch den Schnitt an sich, den mag ich richtig gerne. Genauso wie den Stoff, ein feines, dicht gewobenes Leinen. Die Farbe pendelt irgendwo zwischen Aubergine und Weinrot und Braun, eine schöne Mischung meiner liebsten Beerentöne irgendwie.


Ein Teil von mir sehnt sich nach ein paar freien Morgen, um noch ein bisschen weiter zu nähen. Ein Strata Top aus Double Gauze wie Soulemama damals. Oder aus ungebügeltem, olivegrünem Leinen. Noch mehr Herbstfarben und handgemachte Sachen, die mich in eine nächste Phase begleiten; in eine Zeit, in der ich ein winzigkleines, bedürftiges Wesen Tag und Nacht auf meinem Arm herumtragen werde, wo sich alles darum dreht, es zufrieden, sicher und geborgen durch seine ersten Tage, Wochen, Monate zu begleiten… Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit. Und da warten ein klitzekleines, braunes Babyjäckchen (Puerperium Cardigan) und ein paar schlichte, braune Stulpen im Perlmuster darauf, noch rechtzeitig fertig zu werden, um dieses Kindlein würdig zu empfangen. Ich spüre; Für mein nächstes Strata Top wird die Zeit wieder reifen müssen…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Kinder, Nähen | 11 Kommentare

Wimpel-Girlande

Diese Fotos sind alt. Juli-alt. Aus einem Sommer, der sich nun definitiv zu verabschieden scheint. Mit dem September kommen Herbstlichttage, ja, das vielleicht, aber die üppige, schwelgerische Wärme und Fülle des Sommers, die verblasst. Mit jedem neuen Morgen ein bisschen mehr.
Ich weiss nicht genau, wieso ich so wehmütig bin. So nostalgisch. Von „guten alten Tagen“ spreche, zu mir selbst zumeist, aber ihr, die ihr hier mitlest, bekommt gerade auch eine ordentliche Portion dieser schwermütigen Sommer-Sehnsucht ab, ich weiss. Es ist nicht so, dass ich den Herbst nicht mag. Ich vermisse nur irgendetwas. Irgendwas zutiefst… Sommerliches. Leider weiss ich nicht recht, was es ist.

Heute blieb mein Kindergartenmädchen zuhause. Genau wie gestern. Sie quält sich mit Bauchschmerzen, die attackenweise kommen, ihr die Tränen über die Backen kullern lassen- und dann wieder gehen. Manchmal schläft sie. Manchmal spielt und lacht sie, als wäre alles in bester Ordnung. Sie isst und trinkt. Oder liegt matt und traurig auf dem Sofa und rührt keinen Bissen an. „Ich wünsche mir, ich hätte nie mehr Bauchweh.“
Um ehrlich zu sein; ich bin ein wenig ratlos. Es wirkt nicht dramatisch schlimm, das Ganze, aber auch nicht wie etwas, was man in den Kindergarten mitnehmen sollte. Ruhe, ganz viel freie Zeit, Tee, wenn sie mag und so viele Knuddels und Vorlese-Zeiten, wie sie mir möglich sind- ich glaube, mit dieser Medizin kommen wir momentan am weitesten. Und wenn es Montag nicht besser sein sollte, möchte ich, dass der Arzt sich das Kind mal genauer ansieht.
Ich selber bin gerade sehr müde. Diese Woche konnte ich bisher keinen einzigen Abend die Augen länger offen halten als bis zum Ausschalten der Kinderzimmerlampe. Und all meine schönen Pläne von nachmittäglichem Kuchenbacken, Gartenbeete-Aufräumen, Herbst-Socken- oder Babysachen-Stricken verloren sich zwischen weissen Bettlaken oder Sofadecken, weil ich meine Nachmittage mehr verschlief, verdöste oder ziellos vertrödelte als mich um die Dinge zu kümmern, die ich mir eigentlich als Aktiv-Wohlfühl-Programm vorgenommen hatte. Einmal musste sogar Netflix als Babysitter herhalten. Ich brauchte so wahnsinnig dringend eine Runde Schlaf. Mitten am hellichten Nachmittag.

Heute fühle ich mich allerdings nicht schlecht. So gut wie ausgeruht, würde ich sogar sagen. Wäre mein dicker Bauch nicht immer im Weg und mein linker Fuss, der die 15 zusätzlichen Kilo scheinbar nicht mehr recht zu tragen vermag, würde beim Gehen und Bücken nicht so fies zwicken und zwacken, dann wäre ich wohl jetzt der Putz-Derwisch des Hauses und könnte mich in ein paar Stunden über ein paar hübsche Örtchen im Haus freuen. So aber werde ich mich wohl hinsetzen, die Kinder und mich bereits zum 2. Mal in dieser Woche mit Peppa Wutz berieseln lassen und dabei dann doch noch -endlich- zu meinem Strickzeug greifen.
Natürlich, ich könnte auch Bilderbücher erzählen, ein, zwei Runden Memory spielen, den Nachmittag irgendwie pädagogisch sinn- und wertvoll mit ihnen verbringen… aber ganz ehrlich; mir ist einfach nicht danach. Heute ist ein Filme-guck-Tag. Ein wir-machen-jetzt-einfach-mal-gar-nix-Tag. Das muss jetzt einfach sein.
Und diese herrlich aktiven Sommer-Tage, an denen ich scheinbar endlos Energie und Zeit aufbrachte, um meine Näh-Kommode zu entrümplen und gleichzeitig diese süsse, bunte, kleine Wimpel-Girlande als Last-Minute-Einweihungs-Geschenk für meine Schwester A. zu zaubern, so quasi aus dem Stehgreif und an einem einzigen, wonnig-sonnigen Sommerferienmorgen… Diese Tage kommen zwar auch nicht wieder. Aber ähnliche. Solche, die mindestens so elanreich und schwungvoll sein werden. Wo ich elanreich und schwungvoll sein, Kraft verspüren und ganz viel Lust auf alles haben werde.
Alles hat seine Zeit.
Gestern.
Heute.
Morgen.
Auch übermorgen.
Oder so.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Nähen | 2 Kommentare