Archiv der Kategorie: Nähen

Lunchbags, noch mehr

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Lunchbags. Diese kleinen, feinen Stoffbeutelchen zum Zusammenknoten sind einfach was Feines. Ich bin nicht sonderlich bewandert mit japanischen Ausdrücken, aber ich glaube… da steckt -sofern ich dieses Wort richtig interpretiere- ziemlich viel “Zakka” drin. Das Besondere im Einfachen. Liebe zum Detail ohne dass man in Details ertränkt wird. Eine Wertschätzung dem Gegenstand gegenüber, mag er noch so klein und alltäglich sein.
Ich finde Lunchbags einfach schön (wie Frau Melonengrün übrigens auch). Gerade weil sie so simpel sind und alltäglich und klein und detailverliebt ohne überhaupt Details zu haben…

Das letzte Mal, dass ich ein solches Täschchen genäht habe -nach einer Anleitung aus dem schönen, schlichten Buch “Linen, Woll, Cotton” von Akiko Mano- liegt lange zurück. Fast so lange wie der Schulmorgen, an dem einer meiner Knirpse sein Znünibrot auf dem Schulhof ausgepackt und verspiesen und die dazugehörige Lunchbag-Verpackung vor lauter Fussball oder Teufelsrad oder Mädchenärgern einfach vergessen hat. Aufgetaucht ist mein Lunchbag-Primus seither nicht mehr (was nun doch eher auf “Mädchenärgern” hinweisen könnte, hm…)
Aber, nun ja, mit selbstgenähten Taschen ist es ein bisschen wie mit selbstgestrickten Wollmützen; Eine geht, eine kommt. Das dauert meist nicht lange. Und fast immer ist der Verlust so was wie …bittersüss, weil das Machen zwar schön ist, der Taschenvorrat aber genau wie der Wollmützenkorb langsam unsinnige Dimensionen annimmt. Eine kleine Lücke darin kann also eigentlich nicht schaden- auch wenn sie schmerzt, keine Frage.
Bei so kleinen Beutel-Täschchen wie diesen hier war der Verlustschmerz aber zum Glück rasch überwunden. Bei meiner Tendez zum Stoffkaufrausch sowieso.
Ich habe ganz normale, bei mir immer im Übermass vorrätige Quilting-Cotton-Stücke gewählt für die Aussenseite und zweimal denselben olivegrünen Baumwollbatist (von France Duval-Stalla), weil mir sonst nichts Schlause damit einfallen wollte und Stoffvorräte-Verbrauchen bei mir gerade hoch im Kurs steht (genau wie Stoffe kaufen, ahem…)

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Lunches bzw. hier bei uns eher Znünis zum Darinverpacken gibt es allerdings gerade nicht sonderlich viele. Kind1 würde sich nie im Leben mit einem mamagenähten “Znünitäschchen” auf dem gymnasialen Schulareal blicken lassen. Kind2 spielt viel zu verbissen Fussball in der grossen Pause, um sich mit Znünikauen aufhalten zu lassen und frühstückt ohnehin wie ein Weltmeister, was Pausenbrot und Co. eher überflüssig macht. Mein Mädchen knabbert am liebsten Rüebli und Apfelschnitze und packt dafür dann lieber eine kleine Dose in den Thek. Und meine beiden Kleinen sind noch für eine gute Weile von morgens bis abends bei Mama zuhause, wo Küche und Herd nicht weit enfernt sind und sich eigentlich eigentlich immer etwas Essbares findet. Auch ohne Lunchbag.

Wenn ich die Zeichen richtig deute, dann sind Lunchbags hier in diesem Haus eigentlich eher für anderes prädestiniert; für Strickprojektchen und andere wichtige Lieblingsdinge. Gerade in den letzten zwei, drei Wochen habe ich mir ein bisschen Extra-Freiraum geschenkt (und den Kindern ein wenig Oma-Zeit), mir einfach ab und zu einen Morgen ganz nur für mich genommen. Ein wenig Bummeln in der Stadt, ein Latte Macciato im Café und dazu klappernde Stricknadeln aus einem kleinen, bunten Knotebeutelchen, während ich klammheimlich und mit unverschämtem Vergnügen die Gespräche an den umliegenden Tischen belausche…
Wunderbar, sag ich euch.

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Und für all die Tage und Stunden, die ich nicht Kaffee-schlürfend und seelig vor mich hinstrickend in Cafés verbringe, kenne ich ein paar kleine Kinderhände, die diese beiden Knotebeutelchen liebend gerne mit ihren eigenen Schätzen vollpacken. Mit Steinen, Puppenkram, mit Filztierchen und Filzfiguren (auch meine Lieblinge, von Allerleirauh) oder mit heissgeliebten, kleinen Schmusetierchen und Pixiebüchern…

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Sonnen-Blume

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Der August war mir bisher nie besonders nah. Ich mochte seine Wärme nicht und erst recht nicht die Trockenheit und das dunkle, satte Sonnenlicht, das irgendwie… ich weiss nicht… fatalistisch wirken kann, besonders vor Gewittern und in langen Dürreperioden.
In diesem Jahr aber ist es ganz anders. War es ganz anders, muss ich vielmehr sagen, denn der August ist eigentlich vorbei, der September schon in vollem Gange. Aber… selten habe ich mich so augustlich gefühlt wie im Moment. Die volle Sonne am Himmel, die Kontraste zwischen Goldgelb, Strahleblau und warmer Erde- meine Gedanken und Gefühle reisen Richtung Sommer, klammern sich an die letzten Kornhalme auf den Feldern und weigern sich, mit dem Fluss der Jahreszeiten mitzuschwimmen, in Richtung Herbst, Richtung endendes Jahr…
In diesem Jahr habe ich den Sommer lieben gelernt. Den August vor allem. Seine Wärme. Seine Trockenheit. Erst recht sein dunkles Licht, das wirklich viel in mir auslöst; Abschiedsgedanken, Feierlichkeit, Dankbarkeit, süsse Schwermut.

Am Schluss ihrer allerersten Schulwoche bekam meine Tochter eine Sonnenblume überreicht. Von ihrem Schulhaus-Paten. Zum Schuleintritt. In einer kleinen, sehr liebevoll gestalteten Zeremonie, bei der sich alle Kinder des Schulhauses die Hände reichten und einen langen, schmalen Schülerspalier bildeten, durch die jedes einzelne neue Schulkind hindurchschlüpfte wie durch einen Tunnel. An seinem Ende wartete dann eine kurze, sehr herzliche Willkommensrede durch eine Lehrerin, ein rührendes Lied von Zusammenhalt und Schulalltag und ein Strauss von Sonnenblumen, eine Blume für jedes Erstklasskind.
Lange stand sie in einem Krug auf dem Küchentisch. Ihre Sonnenblume.
Es dauerte über eine Woche, bis das erste Blütenblatt fiel.

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In unserer Nähe fand ein Sonneblumen-Festival statt. Wir hörten die Open-Air-Musik, staunten nachts über die merkwürdigen Lichtstrahlen am Himmel, die meine Kinder zuallererst fast für Ufos gehalten hätten…
Auch in unserem Garten wuchsen Sonneblumen. Kleine bloss, keine der herrlichen Giganten, die wir früher in den Beeten hatten. Bloss vier, fünf einfache Blumen in einem grossen, immer ein wenig gar zu trockenen Topf gleich neben Trampolin und Plantschebädchen. Meine Kleinste goss kübelweise Badewasser hinein, was die vier kleinen Sonnen sehr wahrscheinlich vor dem Trockentod bewahrte. Denn er war trocken, dieser August, trocken und warm und herrlich behaglich. Heimatlich. Entspannt.
All die Wechsel und Umbrüche in meiner Familie, die neuen Schulsituationen, vor denen ich mich ein Stück weit wirklich gefürchtet hatte und das grosse Loslassen, mit dem ich mich einfach schwer tue, auch wenn ich weiss, dass wir Mamas hier alle durchmüssen und es schlussendlich nur zum Besten ist… all das hat seine Stachel verloren.
Indem es Alltag wurde. Eingependelt. Langsam und organisch verinnerlicht.

Der August steht für mich auch für die grosse Ernte. Sammeln, was man zuvor gesäht hat. Anfangen mit dem Abschliessen. Punkte setzen und akzeptieren und bereits vorahnen, was dahinter liegt. Wir sammeln ja nicht für nichts. Auch danach… ist Leben. Nicht minder wertvoll und genauso golden.

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Dieser kleine braun-gelbe Sternen-Patchwork-Block (der übrigens ganz ehrlich nicht halb so kompliziert ist zu nähen wie er aussieht!) gehört genau in diese Zeit der Ernte, des Zurückblickens und Annehmens- und des Vorwärtsgehens.
Eine kleine, genähte Ode an den schwindenden Sommer.

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Amuse Bouche

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Dass Herr Kirschkernzeit seine Hemden seit langer Zeit schon selber bügelt (und sie eine ganze Weile lang auch selbst gewaschen hat) rechne ich ihm hoch an. Hemdenbügeln mag ich nämlich überhaupt rein gar nicht gerne. Ich bin auch nicht wirklich gut darin. Im Bügeln überhaupt.
Dabei ist so ein Hemd an sich etwas richtig Schönes, finde ich; elegant und legèr zugleich, sehr natürlich (100% reine Baumwolle) und ursprünglich- und trotzdem raffiniert und ausgeklügelt. So ein Hemd hat einfach Klasse. Und kleidet ungemein. Ich selber sehe in Hemden zwar immer fürchterlich aus, total Oberlehrerinnenhaft und bieder *snif*, aber der Herr Kirschkernzeit schwört mittlerweile auf dieses klassische Kleidungsstück und packt mit Freuden seinen Schrankt damit voll. Proppevoll.
Naja, irgendeine Sammelleidenschaft muss wohl jeder haben dürfen.
Neulich aber meinte er plötzlich: “Hm. Das hier ziehe ich doch eigentlich kaum an, oder?” Und streckte mir ein (frisch gebügeltes) schwarzes Stoffding entgegen, das rein und glatt von seinem Bügel hing. Ich, ganz perplex von diesem unerwarteten undeher untypischen Entrümpelungsanfall, witterte meine Chance und nickte begeistert. Auch als ein orangebraunes (mochte ich eh noch nie), ein weisses (viel zu gross), ein blaues und ein dunkelgrau gestreiftes Teil in meine Richtung flogen. Wenn jemand vom Aufräumfieber gepackt wird, dann bin ich die Letzte, die ihm Steine in den Weg legt.
Nur immer weg damit.
Dachte ich.
Zuerst.
Dann aber erinnerte ich mich an den herrlichen “Starry Sky Baby Quilt” in Melissa Wastneys wunderbarem Buch “Sweet and Simple Handmade”, ein Sternen-Kinderquilt aus lauter abgelegten Papa-Hemden. Ich sah das zart gestreifte Hellblau und musste plötzlich daran denken, wie oft mein Liebster genau diese Farbe getragen hatte, exakt dieses Hemd und wie gerne ich ihn darin gesehen hatte.
“Ein richtiges Herr-Kirschkernzeit-Hemd ist das”, dachte ich. “Das kann man doch nicht wegschmeissen.” (Wobei wir hier ohnehin keine tragbaren Sachen wegwerfen. Die kommen allesamt in die Kleidersammlung, zum Trödler oder in die Börse)

Kurze Zeit später stand ich mit dem hellblauen Herrenhemd am Bügelbrett. Und bügelte. Und schnitt. Und nadelte. Und nähte. Neben mir ein kleiner Haufen ausrangierter Hemden. Nicht alles, was weg muss, muss auch wirklich weg, hab ich Recht?

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Ein Quilt ist noch nicht daraus entstanden, nein. Obwohl die meisten Stoffe bereit liegen würden. Aber der wird noch warten müssen. Auf mehr Energie und mehr Zeit meinerseits.
Dieses  kleine Patchwork-Kissen hier allerdings war ein ganz wunderbarer Anfang. Ein Amuse Bouche der Sternen-Technik, in die ich mich schon so lange verliebt, an die ich mich aber nie näher herangewagt hatte.
Dieser allererste, ganz spontan noch mit kleinen Sashiko-Stichen verquiltete und (beinahe) voll und ganz aus den ausrangierten Hemden meines Mannes gemachte Sternen-Block hat sich jedenfalls herrlich genäht. So spannend und ein ganz klein wenig kniffelig (für meine bescheidenen Squarequilt-Verhältnisse). Patchworken auf diese, für mich vollkommen neue Art und Weise, hat enorm viel Zauber in meinen Augen. Und enorm viel Suchtpotential.
Muss es auch haben. Ich meine, wenn eines Tages ein richtiger blau-weisser Sternen-Quilt d’raus entstehen soll…

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Sorglos

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Ich kann mir nicht helfen, aber ein schlichtes, schnörkelloses Kleid ist wohl das Wohlfühlteil für mich. Für mich selber, aber auch wenn es darum geht, meine Mädchen in weiche, behagliche Stofflagen zu mummeln. Bei meiner Jüngsten (die ihr mal wieder irgendwo ein paar gute Zentimeter über dem Boden sehen könnt, auf einem uns’rer wackligsten Stühle übrigens, weshalb ich gleich nach dem Abknipsen rüberspurten musste zum Klindrunterpflücken) sind Hosen noch das A und O, da sind Rocklängen einfach im Weg beim Klettern und Turnen, aber meine grösseren Mädchen finden die Luftigkeit eines schwingenden Rockteils mittlerweile genauso bequem wie ich und schlüpfen fast automatisch in ihre Lieblingskleider, sobald sie frisch gewaschen wieder im Schrank liegen. (Es sei denn, es geht in den Wald oder so, dann sind Hosen immer noch unübertroffen praktisch.)
Genau das, das Lieblinsgkleid, hatte ich im Kopf, als ich dieses superschlichte Jersey-Kleidchen hier nähte. Aus weichem Bio Interlock von C. Pauli, von dem ich noch haargenau die richtige Menge zuhause vorrätig hatte. Ich wollte etwas, das wirklich kleidet, mit schützenden Ärmelchen, die nicht einengen und mit einem weit schwingenden Rock, der alle Bewegungen mühelos mitmacht. Vor allem aber wollte ich eins: Keine dieser alltagsfeindlichen Schliessvarianten im Rücken, wo das Kind jedes Mal Hilfe braucht beim An- oder Ausziehen.
Reinschlüpfen, fertig. Ja, so was hab’ ich mir gewünscht. Genau wie bei den Lieblingskleider, die ich selber diesen Sommer über so oft und so gerne getragen habe und wo ich mich immer total wohl und trotzdem irgendwie ordentlich drin gefühlt habe, auch wenn ich noch eine Minute zuvor im Nachthemd durch die Gegend gelatscht bin…

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Mit dem einfachen Schnittmuster für das an sich aus gewobenem Stoff gemachte Kleid “Dress with Lace Doily” aus meinem heissgeliebten Mädchensachen-Nähbuch “Carefree Clothes for Girls”, wurden all diese Wünsche erfüllt. Mit dem grossen Plus, dass schlichtes Design oftmals auch wunderbar sorglose Stunden an der Nähmaschine verspricht.
In der Tat: Dieses Kleid hier war echt Seelenbalsam für mich. So entspannt und, ja, sorg-los, wie ich es mir nur wünschen kann. Ein echtes Wohl-Fühl-Teil eben. Von Anfang an.

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