Archiv der Kategorie: Natur

Gartengrüsse

Eine Flut an Fotos lasse ich heute über euch hereinprasseln. Regenwolken, die sich leeren, und es hüpfen grüne Bildertropfen.
Es ist nicht übermässig viel Zeit, die ich im Garten verbringe. Zu wenig Zeit eigentlich sogar. Aber die Arbeit im Haus will und will kein Ende nehmen, und wenn ich es dann schaffe, mir ein paar freie Minuten zurecht zu büscheln, in denen ich ein klein wenig in der Laube sitze, um zu stricken, dann geht es wimpernschlagschnell- und alles ist wieder vorüber; die Kinder verlangen nach mir, das Abendbrot will gekocht werden, eine neue Ladung Wäsche braucht eine ordnende Hand, das Hamsterrad dreht sich weiter.
Aber nicht immer ist Quantität alles. Auch wie etwas sich anfühlt, zählt. Für mich ganz besonders. Und die Augenblicke draussen im Garten -mögen sie noch so kurz sein und noch so unspektakulär- sind wirkliche Oasen-Momente. Voller Licht und Frieden und mit einem Hauch der Freiheit, nach der ich mich immerzu sehne.

Wir haben nicht sonderlich viel angepflanzt in diesem Jahr. Bloss dies und das und eigentlich nur, was wir gerne essen und problemlos auch in unserem kleinen Fleckchen Erde wächst und gedeiht. Da ist (nie genug) Basilikum. Für Pesto (ich liebe dieses hier!), Tomate-Mozarella-Salat und Pizza Margeritha. Zuchetti-Pflanzen, um die ich mir die ersten paar Wochen nach dem Einpflanzen so meine Gedanken machte, weil sie überhaupt nicht zu wachsen schienen, sondern im Gegenteil immer mickriger wurden, genauso wie die Sonnenblumen, die heute zwischen ihnen emporschiessen wie grüne Speere, in ihrer ersten Zeit draussen im Freien aber geradezu jämmerlich aussahen. Zuchetti und Sonnenblumen gehören für mich zum Sommer wie Wassermelonen, saftig-süsse Pfirsiche oder die kleinen, weichen Aprikosen aus dem Wallis, von denen ich körbeweise vom Dorfladen nach Hause schleppe und mich kaum satt essen kann daran. Mein Blutzuckerspielgel freut sich bestimmt sehr viel weniger darüber als mein Gaumen, aber dem konnte ich ohnehin nicht mehr Herr werden die letzten ein, zwei Wochen über, egal wie sehr ich mich auch bemüht, gleichgültig wie tapfer ich morgens meinen Joghurt-Quark nature „mit ein paar Beerchen für den Geschmack“ in mich hinein geflöffelt habe, während der Rest der Familie sich an Schokomilch labte und Honigbrötchen serviert bekam. Nicht dass ich mich auf das Insulin-Spritzen freue. Aber wenn mir das erlaubt, mich an den Dingen satt zu essen, nach denen mein Körper wirklich und lautstark verlangt, an Sommerfrüchten, lichtgetränkten Beeren und süsssaftigem Juli-Obst, dann, nun gut, so sei es.
Ich möchte wieder an den Himbeersträuchern vorübergehen dürfen und mir sorglos Beeren frisch vom Strauch in den Mund schieben. „Aprikosen satt“ anstelle von der „kleinen Handvoll“, wie die Ernähungsberaterin es mir verschrieben hat.
Und ganz, ganz ehrlich; ich freue mich auch auf Eiscreme und Geburtstagstorte, wenn dann meine Grosse Ende Juli ihren 10.Geburtstag feiert…

Was wächst sonst noch im Gärtchen diesen Sommer?
Hm…
Der Aprikosen-Spalier trägt grüne Früchte. Sie sind dick und unversehrt und sehen vielversprechend aus. Genauso wie die Quitte in der Mitte der Meerschweinchen-Wiese. Oder der Feigenbaum vor der Laube. Nachdem wir aber von all den einstmals im grünen Stadium noch prall und fest aussehenden Miniatur-Kirschchen keine einzige ernten konnten, halte ich nicht fest an meinen Hoffnungen; es reift, was reift. Und was verschwindet (wie die Kirschen) oder Vögeln, Käfern, Raupen zum Opfer fällt, das… geht eben zurück zur Natur. Eine Opfergabe an die Kräfte dieses wunderbaren Grünens und Reifens, ein Geschenk an all ihre winzigen, gefiederten oder pelzigen Mitarbeiter, die in diesem Kreislauf ihren Teil beisteuern.
Es ist auch irgendwie ein Glück, nicht von dem leben zu müssen, was wir hier anpflanzen, was wir hegen und pflegen oder auch einfach wild vor sich hinwachsen lassen. Gelassenheit und ein Stück weit frei zu sein von jeglichen Gärtnerinnen-Sorgen, das ist etwas, wofür ich extrem dankbar bin im Moment. Alles, was ich als Segen empfinden darf ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, eines Tages über seinen Verlust trauern zu müssen, ist gut.
Ach ja; wir haben auch Fenchel. Zum ersten Mal überhaupt. Der gehört den Meerschweinchen und Schwalbenschwanz-Raupen, von denen gerade prächtige 8 Kokons im Schmetterlings-Hotel metamorphosieren. Fenchel mögen wir nicht sonderlich. Die Raupen und Meerschweinchen schon. Und er sieht entzückend aus in den Beeten.
Gleich daneben wachsen Salate für unsere Sommermahlzeiten. Kohlrabi zum Dünsten und Dippen. Ringelblumen und Horteniesn für Auge und Herz. Pfefferminze, Thymian, Rosmarin und Zitronenverveine als Kraftspender und Naturmedizin. Winzige Äpfelchen, Birnen, üppige Holunderbeerendolden, Zwetschgen, Cassis. Es wächst so vieles… aber von allem nur wenig. Ob wir im Herbst überhaupt in einen Apfel, eine Birne, eine Zwetschge beissen werden, bleibt eine momentan noch unbeantwortbare Frage; manches gedeiht prächtig, anderes nur zögerlich oder gar nicht. Und selbst das, was wächst, reicht kaum je aus, um zu Vorräten zu werden. Ein paar frische Sommer-Herbst-Mahlzeiten, und alles ist weg. Bis auf die Johannisbeeren vielleicht. Oder die Quitten. Zuverlässig jedes Jahr füllen sich die Regale im Keller mit hausgemachtem rubinrotem oder honiggelbem Gelée. Gerade steht eine Schüssel neben mir voller kleiner, leuchtend roter Beerchen, aus denen ich Beeren-Muffins machen möchte, um meinen Erstgeborenen heute abend von einer Camping-Woche wieder zuhause willkommen zu heissen…

Mein Garten ist alles für mich. Zufluchtsort. Naschparadies. Heilmittelstätte. Lebens- und Lebendigkeits-Raum. Berührungspunkt zwischen mir und Mutter Erde. Meerschweinchen-Streichelzoo, Spielwiese, Ort, an dem sie Seele baumelt und kleine Piratenkinder schaukeln. Lehr- und Lernreich. Grünes Märchenschloss. Blühendes Versprechen. Manifestierter Sehnsuchtsgedanke. Hunger nach mehr.

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mein Eden

Der frühe Morgen ist längst vorbei, es geht gegen Vormittag und die Sonne lacht mir vom Himmel entgegen. Es ist so warm, dass man an Mittsommer denkt und die heissen, trockenen Tage wecken Erinnerungen an vergangenen Sommer, einen Sommer, der die Wüste in die Schweiz brachte, ein beinahe landesweites Feuerverbot und Wasserknappheit rundherum, aber auch herrliche Zeiten der Freiheit unter blauem Himmel, plantschend und lümmelnd faul und einfach nur herrlich, herrlich, herrlich
Genau so habe ich mich auch gestern gefühlt.
Und vorgestern.
Befreit.
Wieder mit weiter Lunge atmend.
Belebt, erfrischt durch eine ungefilterte, kräftig-optimistische Natur, die nichts weiter will als wachsen, gedeihen, grösser, weiter, unbändiger werden, neue Wurzeln setzen und alle Äste strecken. Was ich tief in mir drin nachfühlen kann und irgendwie, ganz ohne es zu wollen, sofort imitiere. Der Sommer macht mich kräftiger. Es ist die ganz unmittelbare Sinnlichkeit, diese geballte Ladung an Licht, Wärme, der eindringliche Wechsel an Empfindungen, die an einem einzigen warmen Sommertag im Freien (in Freiheit!) auf mich einströmen und gefühlt werden wollen: Sonnenglut, Hitze auf meiner Haut, der erste Schock an Kälte, wenn ich ins kühle Wasser steige (ein Kinderplantschbecken reicht mir ja schon aus im Moment), das Kribbeln, während alle Feuchtigkeit von der Sonne aufgesogen wird, Kontraste, süsse, kalte Eiscreme, geeister Kräutertee aus Minze und Zitronenverbene, das Platschen meiner Füsse auf den brennenden Steinplatten der Gartenwege, kitzelndes Gras auf meinen Fusssohlen, das Lachen der Menschen, der Frieden äsender Tiere, die Stille eines frühen Morgens, wo die Wiesen feucht sind und frisch, die Luft aber von Minute zu Minute mehr von der kommenden Mittagshitze spricht. Die Hitze lässt keinen Platz für grosse Gedanken, Sorgen verpuffen sofort. Alles was möglich ist, ist zu fühlen, das Aufnehmen dessen, was der Moment an mich heranträgt, ganz unmittelbar, mit hellwachen Sinnen.
Ich öffne mich wie eine Blüte.
Und alles ist gut.
Vollkommen für den Moment.

Augenblicke wie dieser, ich in der Hängematte unter einem blühenden Holunder, der dann und wann seinen süssen, betörend heimeligen Duft zu mir hinüberweht, leise schaukelnd, die Hände auf dem prallen Bauch, in dem es strampelt und lebt und rundherum das blanke Glück der Menschen- und Tierwesen, summende Bienen auf Thymian, pelzige Gesellen vor dem Stall, Kinder, die mit Gejauchze und Geplatsche ins Wasserbädli springen… Zeit die stillstehen sollte. In meinem Kopf bilden sich Visionen. Zukunftsträume werden wieder wach, Träume vom Hof, von Färbe- und Heilpflanzen in einem üppigen Garten, von Ziegen und Schafen und handgesponnener Wolle und wie ich mit meinen Töchtern und meiner Mutter an einem sonnigen Nachmittag Garne färbe oder Kursgästen selbstgemachten Eistee und Beerenmuffins serviere. Ein bisschen glaube ich fast, dass sie wahr werden können, diese Träume, aber nur ein bisschen. Und das ist mir genug. Was ich bin und habe, scheint gross genug zu sein in diesem Moment. Gross genug, um mich auszufüllen mit Freude, Dankbarkeit, Zuversicht.
Wunschlos.
Oder so gut wie.
Sonderbar wie viel die Magie des Sommers auszurichten vermag. Sie wischt alle Dunkelheit fort. Alles Hadern und Klammern. Löst Starrheit und Sturheit und lässt die Dinge neu fliessen.

Bei Instagram habe ich geschrieben:
„Hundstage Anfang Juni. Und ich liebe sie! Ich finde kaum Worte, um zu beschreiben, wie glücklich mich die Sonne, die Pflanzen, dieser wunderbare, kleine, unvollkommene Garten, die Insekten- und Tierwelt gerade machen… Das alles ist meine Medizin. Nach all den harten Monaten voller Übelkeit und Hadern mit mir, den Umständen und meinem überforderten Körper, nährt mich nun der Frühling, der erste Hauch von Sommer, und dieses Heilmittel ist hochpotent, ich spüre es mit jeder Faser meines Seins.
Vielleicht werde ich heute doch noch einen kleinen Blogpost schreiben… Die Worte kommen immer. Irgendwie. Ich muss bloss den ersten Buchstaben setzen…“

Und genauso ist es auch. Die Worte kommen. Ich muss sie nicht rufen, sie rufen mich und ich gebe ihnen Raum, weil ich sonst berste vor überfliessender Liebe, der Liebe zu meinen Pflanzen, den Bäumen und Büschen und Blumen in meinem Garten, die ich jeden Morgen aufs Neue mit hüpfendem Herzen begrüsse, so als wären es Freunde, die mich in ihrem?… meinem?… unserem Reich willkommen heissen. Mein Garten bildet die Oase, in der ich Zuflucht finde. Vor allem Übel dieser Welt. Wo ich heil werde und satt. Mein kleiner Garten Eden.
Eden.
Ein wunderschöner Name…

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Frühlingshoffen

Gerade ist das Haus still. Ich sitze im Wohnzimmer und lulle mich ein in diese Ruhe, diesen Frieden. Neben mir liegen 3 angefangene Strickprojekte, von denen mir eins mehr am Herzen liegt als das andere. Eine Tasse warme Kaffeemilch (viel Milch, bloss ein Hauch von Kaffee) steht auf dem Tisch, daneben zwei Tagebücher; ich würde gerne ein wenig schreiben.
Stricken, schreiben, Kaffee trinken. Es ist schön, dass ich all diese wunderbaren Dinge hier mit euch teilen kann. Nicht dass das Bloggen mir gefehlt hat, dazu war ich viel zu taub und zu erledigt… aber jetzt, da ich den Weg zurück gefunden habe, spüre ich, wie wohl mir das tut, wie viel kreative Energie wieder zum Fliessen kommt. Manchmal denke ich, Virtualität funktioniert bei mir wie eine Art… Katalysator. Sie bringt Dinge ins Rollen, meinen Kopf in Bewegung, meine Gedanken zu neuen Ideen, und schlussendlich meine Hände -inspiriert von den Schönheiten im www. und bestückt mit Wolle, einer Samentüte, ein wenig Stoff oder auch bloss dem Putzlappen- von neuem in Bewegung.
Manchmal überfordere ich mich selbst damit. Doch ich lerne. Lerne, den richtigen Zeitpunkt zu erfühlen, bevor es mir zuviel wird mit den Instagram-Idyllen, bevor die abgebildete Schönheit mir schmerzhaft auf die Füsse tritt. Dann wird ein Knöpfchen gedrückt und für eine Weile nicht mehr angetastet, dann kehre ich zurück zu dem, was wirklich ist, hier und jetzt und für mich möglich.
Ich konnte viele kleine Wunder finden in den letzten Tagen und Wochen. Der Frühling zerschmolz den Winterfrost genauso wie die Schmerzensstarre meiner eigenen Glieder, meine eingefrorene Seele, die die Schrecken der frühen Schwangerschaft nur regungslos zu ertragen vermochte. Sonne. Wärme. Leben. Alles kehrt zurück. Selbst wenn just in diesem Augenblick, in dem ich diese Zeilen hier tippe, eine dicke, graue Wolkendecke mit Minustemperaturen droht und ich Nacht für Nacht um die Setzlinge und Obstbaumblüten bange, die in unserem Garten bereits den Frühling besiegeln, fühle ich, dass der Winter vorbei ist. Ein für alle mal, so kommt es mir vor. Aber natürlich weiss ich, dass das ein Trugschluss ist.

Wie immer um diese Zeit erfasst mich heftiges Fernweh. Oder mehr so eine Art Ur-Sehnsucht nach dem richtigen Zuhause. Ich sehne mich nach einem Häuschen inmitten von Feldern und Wäldern, halb verdeckt von Holunderbüschen und Haselnuss. Es ist als würde ich es rufen hören, lockend, schmeichelnd, ein einziges Versprechen. Doch ich weiss nicht, woher diese Stimme kommt, ich kann es nicht orten, obwohl jede Faser meines Seins darauf reagiert. So stelle ich mich taub, schneide die erste kleine Schnittlauch-Ernte aus meiner halbleeren Kräuterspirale klein und rühre sie in Sahnequark. Pellkartoffeln, Käse, Kräuterquark und Möhren, ein einfaches, kleines Mittagessen, das mich so sehr an den Frühling erinnert und mir das gute Gefühl schenkt, bereits jetzt, umzingelt von Strassen und Wohnblockpilzen sowas wie ein klein wenig Landleben gefunden zu haben.
Herr Kirschkernzeit hat neue Himbeeren für mich gesetzt, eine ganze, wenn auch kurze Reihe weisser Himbeeren, die nun die Meerschweinchen-Wiese säumen und den gepflasterten Platz vor dem Haus, wo später im Sommer das Planschbecken stehen wird. In den Töpfen davor wuchern die Glockenblumen und Margarithen, die ich im letzten Jahr ausgesäht habe, nicht wissend, ob sie den Winter überleben und in diesem Jahr zur ersten Blüte kommen würden. Sie tun es. Sie leben. Sie wachsen. Ich kann bereits sehen, wie sich die ersten Blütenköpfchen abzeichnen, grün noch zwar, aber dick und kräftig und vielversprechend. Vieles von dem, was wir tun, geschieht aus Hoffnung, nicht aus Wissen. Und viel öfter als wir es merken, wird unser Vertrauen belohnt, unsere Zuversicht mit Blüte und reicher Ernte bewahrheitet. Wahrscheinlich ist das Gnade. Dass wir so oft nicht enttäuscht werden. Die Naturgesetze sich an ihre Regeln halten. Der Frühling kommt, wieder und wieder, die Sonne uns Morgen für Morgen nicht im Stich lässt. Ein Leben in Dunkelheit und Kälte könnte ich nicht ertragen. Es sei denn ich wäre ein Samenkorn im Winter, das sich halbschlafend auf seinen grossen Frühlings-Auftritt vorbereitet.

Mit den Kirschblüten ist auch neues Leben in unsere Meerschweinchen-Sippe gekommen; eines meiner Lieblingsmeerschweinchen, die wunderschöne, mehrfarbige „Peppi“ hat ihre ersten Jungen zur Welt gebracht; drei gesunde, kleine Racker, zwei davon schwarz-weiss wie ihr Papa „Panda“ und eines weiss-braun und leicht wuschelig, so wie sie selbst. Mein Mann und unser grosses Mädchen, die sich hingebungsvoll um unsere, ihre Tiere kümmert, kamen ganz zufällig gerade dazu, als das erste Junge von seiner Mama trocken geleckt wurde. Auch der Rest der Weibchen-Herde nahm auf seine ureigene Weise Anteil an diesem grossen Augenblick; es war ein ständiges Kommen und Gehen im Stall, ein Raus und Rein von der Weide, und die langhaarige „Cora“, ebenfalls trächtig und demnächst bereits zum zweiten Mal Mutter, half ihrer Sippenschwester dabei, die Kleinen zu säubern, was ich ungemein rührend fand, genauso wie die Tatsache, dass unsere Meerschweinchen-Mamas sich gegenseitig dabei helfen, den Wurf grosszuziehen und jedes Jungtier säugen, das gerade nach Milch verlangt.
Soviel weibliche Solidarität wärmt mir das Herz…

10 Uhr 34. Ich denke, meine Schreibzeitnische ist um. Schön war es, ich habe jede Minute genossen, das Tippen, das bereits wieder etwas leichter geht nach ein klein wenig E-Mail-Trainig, das Denken und Fliessenlassen innerer Bilder, das Hin-und Herwandeln leiser Gedankengänge. Wo sonst fänden sie einen Platz, wenn nicht hier? Stille, Zeit, Geschehenlassen. Es ist Frühling. In meinem Leben. Meinem Garten. Meinem Bauch und meiner Herde. Und in meinem Inneren, wo ich gerade ein wenig durch die sonnenwarme Welt spaziert bin.

PS. Habt vielen Dank für eure freundlichen Worte unter meinem letzten und vorletzten Post! Ich möchte gerne jeden Comment beantworten, weil ich es schön finde, wenn ein Dialog entsteht und ihr nicht einfach so ins Nichts erzählen müsst… Aber gerade fällt mir das noch ein wenig schwer, weil es schwierig ist, genügend ungestörte Zeit dafür zu finden. Ich werde daran arbeiten, versprochen. Gelesen habe ich aber jedes Wort von euch mit viel Freude und Dankbarkeit! Ich grüsse euch ganz herzlich von meiner kleinen Ecke der Welt aus!

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Neu

Neu mische ich meine Gesichtspflege von A bis Z selbst. Und ich bin mehr als zufrieden damit!
Meine Haut ist sehr empfindlich und trocknet leicht aus, bereits das Waschen nur mit purem Wasser lässt meine Wangen, den Nasenrücken und die Stirne schuppen und spannen. Lange Zeit habe ich deshalb auf Gesichts-Reinigungsmittel völlig verzichtet, weil ich dachte, die Natur wird’s schon richten, was sie wohl auch tut, nur scheint das für mich einfach nicht auszureichen. Wasser alleine ging irgendwann einfach nicht mehr, meine Haut brauchte Feuchtigkeit, zusätzliches Fett oder was auch immer, um gesund zu bleiben (und ja, ich trinke oft und viel, daran kann’s nicht liegen). Leider habe ich keine feinporige, makellose Pfirsichhaut wie meine Mädchen sie haben, das hatte ich nie, und die kleinen Unreinheiten, die mich mein Leben lang begleitet hatten, wurden dann mit Pflegecremes oder -Fluids nur schlimmer. Egal welche Creme ich ausprobierte, von „Weleda“ über „Dr. Hauschka“ bis zu Sachen von „Grüne Erde“, egal wie teuer oder auch nicht, nichts war wirklich gut zu mir. Und ich wollte Bio-Produkte, soviel stand fest.
Vor einer Weile gab es einen ziemlich guten Artikel zum Thema natürliche Gesichtspflege in einer der „Taproot“-Ausgaben (Nr.20), und die Rezepte darin, allesamt mit Pflanzenölen, Apfelessig und ätherischen Ölen, fand ich dermassen ansprechend und spannend, dass ich sie unbedingt ausprobieren wollte. Das Prinzip der Gesichtsreinigung alleine war eine Offenbarung für mich; ölen statt waschen. Kein Rubbeln, keine Seife, dafür sanfte Massagen, Dampf und zartes Trockentupfen. Sorgfalt. Langsamkeit. Einfachheit. Ab und zu eine natürliche Tonic aus Apfelessig, Zaubernuss, Wasser, Lavendel- und Weihrauchöl. That’s it.
Meine Haut ist klarer als je zuvor. Noch immer keine rosige Pfirsichhaut (*seufz*), aber das wird sie wohl auch nie werden. Das Spannen immerhin ist verschwunden, das Hautbild ebenmässiger geworden. Vor allem das Gefühl ist ein anderes. Ein gutes.

Gerade sammle ich alles zusammen, was ich noch brauche für mein neues Strickprojekt (Rundnadeln Stärke 4.5 fehlen mir noch!). Ich habe mir vorgenommen: Den Wollpullover „Tender“ von Melody Hoffman aus tannengrünem Garn („Tosh DK Tannenbaum“). Wolliges für mich. Also gross. Und ziemlich zeitintensiv. Aber schön. Hoffe ich.
Ich bin eine grosse Anhängerin von Melodys alias „Manadrine’s“ Designs und zutiefst berührt von der Art und Weise, wie sie es schafft, das Stricken als etwas Märchenhaftes, Träumerisches darzustellen, das dem Leben Magie und Glamour verleiht- und nicht einfach bloss Arbeit vor irgendwelchen Netflix-Serien ist. *zwinker*. Die Farben und Muster, die sie wählt, ihre ganze poetische Art… schön. Einfach nur wunderwunderschön.
Mein eigener „Tender“-Pullover wird wohl nicht viel von Melodys Traumwelt-Ausstrahlung haben, denke ich. Ich bin zu wenig pudrig, definitiv keine Frau für Pastell und leise Töne oder Trockenblumen an der Wand… aber richtig laut bin ich auch nicht. Mehr so… erdig. Irgendwo dazwischen und nicht so wirklich festlegbar. Wie immer. Meine grünen Wollstrangen habe ich mir im Laufe der letzten Jahre zusammengesammelt. Einen Strang nach dem anderen. Und bei jeder Bestellung habe ich nachgesehen, ob es die Farbe „Tannenbaum“ noch gibt beim Strickcafé… Jetzt habe ich einen ganzen Schoss davon. Bereit ein Pulli zu werden. Ich friere öfters in letzter Zeit. Die Zeit ist mehr als reif für dieses Projekt.

Und noch mehr News, die allerschönsten natürlich, und die also zum Schluss: Es gibt Babies in unserem Meerschweinchenstall! Lauter wunderschöne, zum Anknabbern und Verschmusen süsse, kleine, wuschelige Krabbeldingerchen, die beim Laufen noch leicht torkeln und fast umplumpsen, wenn sie versuchen, sich mit ihren winzigen Pfoten die Schnäuzchen zu putzen. Hach. Sie sind einfach zu knuffig! 
Mein Liebster hat vor einer Weile angefangen, zu züchten, also im kleinen Rahmen bloss, aber immerhin, und für diesen Wurf hier wurde eigens ein ziemlich potenter, kräftiger und gesunder weiss-grau gesprenkelter Bock für zwei romantische Wochen in unsere von einem kastrierten Beau bewachte Damenrunde einquartiert, was tadellos klappte und nun seine Früchte bringt: Einmal Sechslinge, einmal ein kleines, niedliches Einzelkind, das haargenau so aussieht wie „Caramel“, seine Mama, nur kleiner. Die Geburten verliefen völlig problemlos und in aller Stille; plötzlich waren die kleinen Pelztierchen einfach da. Und die Mamas zufrieden Gras mümmelnd irgendwo in der Runde und sehr viel schlanker als zuvor. Um Mütter und Kinder ein bisschen zu schonen (unser Gehege ist riesig und der Betrieb rege), haben wir sie nun vorerst im obersten Abteil des Stalles untergebracht und die Durchgangsklappe geschlossen. So sind sie ein wenig für sich und können kuscheln und ihre kleine Welt entdecken, ohne sich immerzu zu verlieren in all den Gängen und Abteilen. Ein schönes Bild. All das Leben und Geliebtwerden. Gesäugt wird übrigens ganz schwesterlich gemeinsam; wenn eines der Kleinen Hunger hat, dockt es einfach an, wo die Milch am nächsten fliesst, und das kann auch mal an einer fremden Zitze sein, wie ich beobachtet habe. Und dass unser „Caramel“-Junior eigentlich nicht zur grossen, hellen Grossfamilie gehört, merkt man auch einzig am dunklen, satt gefärbten Fell, aber bestimmt nicht am Verhalten; es wuselt mit den anderen herum, als gehörten sie alle ganz selbstverständlich zusammen, was sie auch tun, denn irgendwie scheint bei Meerschweinchen die Gruppe… alles zu sein.
Ich habe mich den Tieren gegenüber emotional etwas zurückgezogen, nachdem wir unsere letzten beiden Meerschweinchen-Herden an den Fuchs verloren hatten. Einmal wäre wirklich genug gewesen, aber gleich zweimal loslassen in nur einem Winter… sowas ist einfach zu viel für mich. Jetzt hat Herr Kirschkernzeit für mich übernommen; er ist ein guter Meerschweinchen-Papa, verlässlich, liebevoll, vernünftig. Dass es nötig sein wird, einige der Tiere zu verkaufen, weil das einfach dazu gehört, macht mir persönlich schon etwas Mühe, denn ich bin ein treuer Mensch und suche die Beständigkeit, aber gleichzeitig macht es mich glücklich, zu sehen, wie viel Freude mein Mann an seinen Schützlingen hat und wie zufrieden seine Tierchen sind unter seiner Obhut. Das ist viel wert. Ich glaube, hier ist Geben und Nehmen wirklich im Wechselspiel und hält sich auf wunderbare Weise die Waage.
Und ich… ich freue mich einfach an dem, was ist. Ohne mir den Kopf zu zerbrechen. Oder mir Sorgen zu machen.
Das ist sowieso etwas, das ich noch lernen muss.

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