Archiv der Kategorie: kreativ am Rande

Ende Oktober

Ende Oktober ist es von einem Tag auf den anderen richtig bitterkalt geworden. Die Meerschweinchen kriegten eine Wolldecke. Handschuhe mussten raus. Und Wollmützen. Das finde ich jeweils eigentlich ganz schön, denn ich begrüsse all die wollenen Schätze wie gute, alte Freunde und verstaue sie im Frühling nur deshalb wieder gerne, weil der Frühlings dann bereits seinen Zauber über mich gelegt hat und meine Sinne mit Blattgrün und überbordendem Lebenshunger benebelt.
Jetzt, Ende Oktober ist es ganz anders. Ich verspüre zwar auch diesen Hunger… Hunger nach Leben, aber anders. Mehr so… wattiert. Am liebsten würde ich all diese grauen Tage verschlafen und erst spätnachts wieder aufwachen und in irgendwelchen kristallhell erleuchteten Ballsälen Champagner trinken und Walzer tanzen, dass die Rockvolants flattern. Ihr seht; ich schaue mir gerade zu viele Historienfilme an. Neben „Call the Midwife“ bin ich nun auch „Versailles“  hoffnungslos verfallen (ich sehe beides auf Netflix), wobei ich klar sagen muss, dass das eine sich nicht mit dem anderen vergleichen lässt: „Call the Midwife“ ist schön und schlicht und würdevoll, während „Verseilles“ alles mögliche ist, nur nicht schön und schlicht und würdevoll. Aber ich mag auch Prunk und Protz und konnte schönen Königen und Männern mit Bart und Musketier-Gewand noch nie widerstehen. Dass die Filmleute es bei „Versailles“ ganz gerne und gerne gewaltig übertreiben mit den Dingen, mit denen man bekanntlich alles besonders gut verkauft, kann ich verkraften; ich weiss ja mittlerweile, wie man vorspult. Egal ob Schlachtfeld-Blutbad oder allzu anschauliche Schlafzimmer-Szenen.
Bei „Versailles“ gefallen mir vor allem die Charaktere. Wie sie sich ständig wandeln. Und immer tiefer durchleuchtet werden. Besonders beim Königsbruder Philippe d’Orléons merke ich, wie sehr einem eine Figur ans Herz wachsen kann, wenn man sie nur lange genug in ihrer Geschichte begleitet, um die Feinheiten und Weichheiten ihres Wesens zu erkennen. Ich mag vielschichtige Menschen. Und wahrscheinlich ist jeder Mensch vielschichtig. Man muss nur die Zeit und das Interesse haben, ihn zu entblättern. Das ist im Film genauso wie im wahren Leben, nicht wahr?

Aber nun ja. Winterschlaf ist natürlich unmöglich.
Walzer-Nächte ebenso.
Stattdessen kämpfe ich weiter mit meiner Masse an Besitz, verschenke mit warmen Händen und immer leichterem Herzen. Gerade heute ist mir aufgefallen, wie viel bewusster ich im Augenblick lebe. Das klingt jetzt nach Erleuchtung und Yoga und all sowas, aber ich meine das ganz banal: Ich denke einfach sehr viel weniger zurück, an Vergangenes und Verflossenes. Und auch nicht mehr so oft nach vorne. Ich bin nicht mehr so zerfressen wie früher. Mein Bauernhaus-Traum zum Beispiel. Es ist still geworden um ihn. Still in mir selbst. Gerade ist mir alles genug. Was ich habe. Was ich tue. Was ich bin. Vielleicht sind meine Gedanken einfach zu müde für Wolkenschlösser und Sentimentalitäten. Vielleicht habe ich resigniert, aber wenn, dann tut es nicht weh im Moment, es fühlt sich vielmehr ruhig an und weich und bequem. Ein bisschen wie ein stilles, braunes Blumenbeet, das bereit ist für den Winter und nur darauf wartet, dass sich eine weisse Decke darüber legt.

Ich trinke wieder mehr Tee. Nach einer Phase intensiver Kaffee-Tage bin ich wieder zur Vernunft gekommen und kümmere mich besser um meinen Körper. Die Zeit der frischen Gartenkräuter ist zwar leider vorbei (frischer Tee schmeckt so viel besser!), aber mein Vorrat an Zitronenverbene, Brennessel und Pfefferminze lässt sich durchaus sehen und wird diesen Winter wohl keinen Mangel aufkommen lassen. Heute duftet Minze in meiner Tasse, Minze, Brennessel, Rosmarin und Salbei und ein klein wenig Kamille, eine schwere Mischung, die ich mir gestern zusammen gestellt habe, um ein wenig Kraft zu tanken, meinem Magen etwas Gutes zu tun, meinen Geist zu klären und zu stärken.
Ich lasse vieles fallen im Moment. Allein mein Handy ist mir diese Woche schon zwei Mal runter gefallen, Gottlob unbeschadet, aber das sollte natürlich nicht sein. Wahrscheinlich schlafe ich auch einfach viel zu wenig. Aber wie gesagt; tagsüber verfalle ich in dumpfe Trägheit. Abends erwacht der Tiger in mir. Dass der Morgen trotzdem genauso früh anbricht wie immer, entfällt mir jeden Abend aufs Neue.

Manchmal habe ich urplötzlich Lust darauf, mich an meine Nähmaschine zu setzen und… einfach bloss drauflos zu nähen. Das ist eher ungewöhnlich für mich, aber ich denke, es ist eine Art Sehnsucht nach raschen Resultaten und grösstmöglicher Ausbeute in minimalem Zeitrahmen. Der kleine Table-Runner, der mehr eine Art textile Tisch-Oase ist, entstand in so einer Anwandlung unwiderstehlicher Nählust. In meinem Flick-Korb lag schon lange ein hoffnungslos zerschlissenes Patchwork-Kissen (das hier) und obwohl mir klar war, dass Reparieren sinnlos war, konnte ich mich einfach nicht davon trennen. Musste ich auch nicht. Wenn sich etwas nicht retten lässt, dann braucht es vielleicht einfach ein zweites Leben. Oder ein drittes. Mit Stoff und Quilting und einem halben Morgen fröhlich ratternd verbrachter Zeit, wurde eine Patchwork-Insel daraus, wo all jene Dinge des Tisches ihren Platz finden, die entweder immer irgendwie da stehen bleiben (also Wasserkaraffe, Teekrug, Trinkgläser und Blumen oder Blätter oder Steine oder Wetter-Wichtel) oder nur mal eben rasch einmal beiseite geschoben werden müssen, weil Brotteig geknetet werden will oder die Zeit eben doch nicht mehr reicht für ein paar Zeilen ins Notizbuch. Es ist schön, dass dieses Kissen nicht wirklich gehen musste. Sondern in Form dieses Mini-Tisch-Quilts bleiben durfte. Manche Dinge gewinnt mein einfach zu lieb, um sie so mir nichts dir nichts loszuwerden… Und ich spüre immer mehr, dass ich mich eigentlich nur noch mit genau solchen Dingen umgeben möchte; mit Dingen, Momenten, Gedanken… die man nicht mehr gehen lassen will.

 

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Ich mag…

… wie Kind1 mit ein paar seiner Kumpels Kochvideos von Youtube als Grundlage nutzt, um selber ein wenig am Herd zu experimentieren und seine Versuche via Audio mit den anderen zu teilen. Das macht einfach Spass. Schon beim Zusehen. Und auch beim Probieren und Diskutieren. Immerhin ist Kind1 der erste in diesem Haus, der jemals irgendwas fritiert hat. Was mich echt ein bisschen stolz macht. Die russischen Teigtaschen jedenfalls, die Kind1 eines Nachts ziemlich spät aber souverän in seiner Pfanne voll Öl gebrutzelt hat, werde ich wohl niemals mehr vergessen (Danke, Boris aus Russland!). Dass er mir danach auch noch brav und aus absolut freien Stücken die ganze Küche wieder aufgeräumt hat, auch nicht. Gut gemacht, mein Sohn.

Ich mag… dass Kind2 seinem grossen Bruder insofern nacheifert, als dass er dessen Leidenschaften für sich selber prüft und dann vielleicht das eine oder andere mitmacht. Oder einfach selber ausprobiert. Indem er russischen „Kompot“ macht zum Beispiel, einen erstaunlich köstlichen und tadellos hausgemachten Frucht-Drink aus reifem Obst, Wasser, Zitronensaft und genügend Zucker (aber nicht zu viel, es soll ja kein Sirup werden). Ich war zuerst sehr skeptisch, doch jetzt bin ich ein erklärter „Kompot“-Fan, der sich von nun an ganz neu auf jede Himbeer- und Zwetschgen-Saison freuen wird- und endlich weiss, was aus den tiefgekühlten Früchten im Keller werden wird, sobald kalt und grausig der Winter einzieht (nochmals dank an Boris!)…
Kind2 hat seine kulinarische Neu-Entdeckung übrigens gleich nach dem Testlauf nochmals gekocht und unseren Milch-Kessel damit gefüllt; für den nächsten Schultag. Damit sein Lehrer (und die Klassengspäänli) auch einmal probieren können. Irgendwie rührend, oder?

Ich mag… die Freude, die einem überkommt, wenn man glaubt, das perfekte Geschenk für einen lieben Menschen gefunden zu haben. Oder zumindest ein ziemlich gutes.
An diesem kleinen Geschenk-Korb voller hausgemachter Dinge für meine Schwester E. hatte ich selber grosse Freude. Waschmittel aus eigener Produktion ist darin, Holunderbeeren- und Blütensirup, Thymian-Honig und Zitronenverbene-Tee aus der Kräuterspirale, ein Glas Johannisbeer-Gelee von dieser Ernte und das kleine Einhorn-Lavendel-Kissen, in das ich mich selbst ein bisschen verguckt habe beim Nähen (oh, dieser Print!). Es hätte noch mehr darin Platz gehabt und ich bin sicher, beim nächsten Körbchen wird noch das eine oder andere dazu kommen…

Ich mag… die Freude, die es macht, selber schöne Post zu bekommen. Ich meine, schaut euch das an; die zauberhaftesten Blüten-Ladies ever! Mamaniflora kann nicht nur wunderbar von Pflanzen, Wald und Feld erzählen, sie zeichnet auch ganz grossartig! Ich bin schlichtweg hingerissen von ihren Bildern (und ihrem Blog, ihrem Wesen) und musste einfach einen kleinen Satz Postkarten bei ihr bestellen. Die Idee ist, jeweils ein 3er-Set in meine nächsten Kräuter-Kraft-Geschenk-Körbe zu packen, als schöne Ergänzung zu Teemischungen, Kräuterhonig, Tinktur und Sirup, aber auch sonst… wie hätte ich widerstehen können?
Im grauen Päckchen liegt übrigens bei einem Extra-Set Karten (die ich ganz für mich behalten werde!) eines von Mamanifloras Traum-Kissen. Kräuterduftig. Und einfach zauberhaft. Genau wie ihr süüüüüüüssssssses, selbstgemaltes Anhängerchen, das mich an Russland, Matroschkas und die herrlichen Stickereien des Ostens erinnert… Hach…

Ich mag… wenn die Dinge sich bewegen. Wenn Räume sich verändern. Besser werden. Organisierter, angepasster an die Menschen, die darin leben, an ihre Bedürfnisse und die Art und Weise, wie sie leben. Über dem weissen, selbst gezimmerten Board, das in der Stube beim Basteltisch steht, hingen bisher grosse Rahmen mit Kinderzeichnungen. Das war zwar hübsch, aber wenig praktisch, denn eigentlich, eigentlich fehlt uns vor allem Stauraum, Platz für all das Bastelzeug, die Bügelperlen und Pinsel und Papierstapel und Scheren und Stifte und so, die hier tagtäglich benutzt werden. Das weisse Board reicht nie und nimmer. Und in der Kommode steckt bereits all mein Nähkram (oder ein Teil davon *hüstel*).
Unten im Keller lagert gerade die Lösung für unser Dilemma; ein von Herrn Kirschkernzeit gezimmerter Holz-Aufsatz, der nach dem Streichen noch lackiert werden muss und später dann, ganz ähnlich dem alten Buffet in der Küche, als Aufbewahrungs-Ort für allerlei Vielbenutztes dienen soll. Und als kleiner Show-Room für diejenigen Bastelarbeiten -hauptsächlich die 3-Dimensionalen wahrscheinlich- die irgendwie nirgendwo sonst ein gutes Plätzchen zu finden scheinen (alle Fensterbretter sind längst besetzt). Ich freue mich wie verrückt darauf! Auf mehr Ordnung, mehr System. Und darauf, dass dieser Tisch auch mal wieder frei wird…

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Start in den Septmember

Oje… wie konnte nur so viel Zeit vergehen, ohne dass ich es auch nur ein (!) Mal (!) an den PC zum Texten oder Fotos rüberladen geschafft hätte…
Ich kann es mir selbst nicht erklären.
Oder doch?
Ja, es war viel los hier. Unheimlich viel. Aber im positiven Sinne. So viel Leben und Lebendigkeit und so viel Bewegung und Hand-Werk und Geselligkeit! Das Hin- und Her des Schulalltages hat auch seine schönen Seiten, finde ich;
Kinderfreunde, die sich nachmittags treffen zum Spielen oder -so wie heute- zum Fussball-„Grümpi“-Sonntag auf dem Schulhausplatz.
Eine Regelmässigkeit in der Tagesstruktur, die ich alleine wohl nicht unbedingt hinkriegen würde.
Die Vormittage nur mit meiner Kleinsten ganz alleine zuhause, wo wir zusammen gemütlich in der Küche Kaffee trinken und ein Croissant essen, das wir auf dem Heimweg im Dorfladen noch rasch gekauft haben für uns.
Der Besuch auf dem Bauernhof, wenn die Bäuerin ihren Verkaufsmorgen abhält, Gemüse aus dem Gewächshaus holt, Eier frisch aus dem Hühnerstall und immer Zeit hat für ein Pläuschchen und eine Tasse Tee.

Und ich freue mich über die Gespräche mit anderen Schulkind-Müttern (und ab und zu auch mit einem der Papas), wenn wir denselben Weg zum Kindergarten haben oder uns bei Einkaufen über den Weg laufen.
Das tut gut. Das alles.
Ich versuche, mich mitziehen zu lassen mit dem Rythmus dieser Tage, weil es schwierig wird, sobald ich mich dagegen sträube und das Tempo verlangsamen will.


Aber müde bin ich.
Absolut geschafft.
Vor gar nicht so langer Zeit habe ich bei Instagram noch eine Lobeshymne gesungen auf meine wiedergewonnene Lebenskraft nach meiner letzten Eisen-Infusion. Aber dann brach die Kurve wieder ein. Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Benommenheit und ein starkes Gefühl der Erschöpfung waren wieder da, und nach einem Besuch im Arztlabor ist klar; Das Ferritin ist schon wieder völlig im Keller, Hämoglobin und ein paar weitere Werte rasant im Abwärtskurs. Wieder eine Infusion. Aber das ist okay. Es war schön, wieder Kraft zu haben, Elan und einen klaren Kopf. Wieder genug Eisen im Blut. Mehr Optimusmus, die Gelassenheit eines genährten Körpers. Und ich bin einfach dankbar für schnelle Resultate in dieser Hinsicht, darum diese Wahl…
Trotzdem geniesse ich das Leben gerade wirklich sehr. Es scheint mir gut und voll und reich. Wie das Regal in der Küche, wo sich all der Kram und die Kinkerlitzchen versammeln, die mir gerade in die Hände kommen, weil jemand sie ausgerechnet auf dem Küchentisch liegenlässt (wo wir essen sollen) oder auf der Anrichte, an der ich gerade Zwiebeln schneiden soll. Kleine Zeichen des Alltages. Ein Abbild der Treibens um mich herum. Irgendwie herrscht Chaos -auf dem Board und in meinem Leben- aber gleichzeitig passt alles zusammen, ergänzt sich, macht mich, macht uns aus, so wie wir sind in dieser Lebensphase.

Von der Pfefferminze habe ich schon bei Instagram geschrieben, von ihr und all ihren Verwandten, die unser Mini-Gärtchen bewuchern und zu einem besseren Ort machen. Ich liebe Minze. Müsste ich aus allen Tee-Kräutern ein einziges auswählen… Ich glaube, ich würde die Minze nehmen. Momentan zumindest. Vielleicht liegt es daran, dass mir oftmals Klarheit fehlt. Physisch wie psychisch. Und der frische Geschmack auf der Zunge, lässt mich nach mehr verlangen, mehr Tee, mehr Pause, mehr Leichtigkeit, mehr… Minze.
Ich habe ein grosses Einmach-Glas gefüllt mit den verschiedenen, namenlosen Minze-Typen, die ich im Garten gefunden, geernten und getrocknet habe. Für den Winter. Für Zeiten, wenn die Natur sich zurückzieht und nur noch im Kräutertee-Regal in meinen Gläsern und Dosen zu finden ist. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darauf freue.
Aber an dieser Schüssel voller frischem, duftendem Heilkrautgrün freue ich mich.

Im Rahmen einer grossangelegten Küchenreinigungs-Aktion (die noch immer im Gange ist), habe ich neues Waschmittel gemacht. Waschpulver diesmal. Weil mich nach raschen Resultaten und minimem Aufwand gelüstete. Und weil ich ein bisschen Motivation brauchte und das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben. Waschmittel und überhaupt Reinigunsgmittelchen, Salben und Wässerchen selbst zu machen, kann so was: Mich glauben lassen, ich hätte die Fäden fest in der Hand. Das Gute-Hausfrauen-Gefühl, mit dem sogar der Abwasch Spass macht. Oder das Wäschewaschen.
So ein Mommy-Potamus-Gefühl.
Und von ihr habe ich auch das Rezept, sowohl für ein gutes, einfaches Waschpulver als auch für ein wirklich grossartiges Geschirrspülmittel-Rezept mit dem unentbehrlichen hausgemachten Klarspüler (den man auf keinem Fall weglassen sollte; sonst trägt jedes Glas dichte Schleier).
Supersimpel -beides- und genauso supereffektiv.
Wirklich eine Freude.
Eine Hausfrauen-Freude.

Was ich aber noch überhaupt nicht geschafft habe, nicht einmal nach einer Extra-Portion-Hausfrauen-Selbstbewusstseins-Politur; Mich um meinen Garten-Quilt zu kümmern. Dazu reicht es nie. Das Patchwork-Deck ist längst fertig und setzt langsam Staub an, aber das Zusammensetzen und Quilten schiebe ich permanent vor mir her, als wäre es eine lästige Angelegenheit und kein eigentlicher Spass.
Vielleicht liegt es daran, dass mir die Stoffe der Decken-Oberseite nicht besonders gut gefallen? Sie sind hier nicht zu sehen, doch es sind vor allem dunkle Töne, Braun, rostiges Rot, Schwarz, ein paar an sich hübsche Blumenprints, eingeklemmt zwischen rein weissen Baumwollstreifen. Anfangs war ich sehr angetan, aber mit der Zeit…
Ganz anders verhält es sich mit dem Rückseiten-Stoff; sehr ihr das süsse orange-gelbliche Blumensträusschen-Muster, das ich beim Trödler auf einer alten Bettwäsche entdeckt habe? Zucker, oder? Ich finde es ungeheuer mädchenhaft, so unschuldig und bescheiden. Vielleicht lasse ich dann einfach die Rückseite Oberseite sein, das könnte die ganze Sache retten…

So, und jetzt mache ich Schluss für heute. Ich hätte noch ein paar weitere Fotos und Alltags-Schnipsel, die mich hinüber in diese ersten September-Tage begleitet haben, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt Zeit ist für ein wenig Rückzug und das Ruhenlassen meiner Gedanken. Die sind so rasch wirr und matt gerade. Vor allem abends. Dann fällt es mir schrecklich schwer, meine Sätze klar zu strukturieren und mich in einem Gespräch auf das zu konzentrieren, was gesagt wird oder gesagt werden möchte. Es ist, als würde mir langsam der Kopf einschlafen, während der Rest meines Körpers noch hellwach den Feierabend einläutet. Wobei, so ungeheuer hellwach ist meist auch der nicht mehr; wenn ich den grünen Pullover meiner Kleinen ansehe, an dem ich doch auch schon seit einer ganzen Weile arbeite, dann wird schnell klar, dass eigentlich wohl alles an mir so langsam in Dämmrigkeit versinkt. Gross gewachsen ist der nämlich nicht. Meist mag ich nicht einmal mehr stricken…

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kreativ am Rande

Die Schule hat wieder begonnen- und mit ihr dieser ganze Terminwahnsinn und die hin- und her schwappenden Hochs und Tiefs gewisser Kinder, die mit der Menschenmenge und der vorgegebenen Geschäftigkeit des Schulalltages einfach nicht zurecht kommen.
Die letzten Tage habe ich oft daran denken müssen, wie es wäre, die Kinder zuhause zu unterrichten. Offen gesagt, denke ich; in unserem Fall wäre es grob genommen nicht unbedingt ein Plus. Weder für die Kinder noch für mich. Ich war selber eine sehr glückliche Schülerin, die sich absolut geborgen und zuhause fühlte im Klassenzimmer und diesen Familien-entrückten Raum absolut brauchte, um mich ausserhalb der familiären Beziehungsmuster neu zu definieren. Genau dieses Phänomen beobachte ich auch bei sicher zwei meiner Kinder; Mein 6-Klässler und seine 3 Jahre jüngere Schwester blühen sichtlich auf inmitten von Stundenplan, Pausenhof und Klassenverband. Sie sind wissbegierig, werden inspiriert und emotional gefordert und genährt in ihren Schülergruppen und sehen in ihren Lehrern und Lehrerinnen (beide haben mehrere) nicht nur Autoritätspersonen, bei denen man Zucht und Ordnung lernen soll (hihi), sondern irgendwie auch sowas wie… sympathische erwachsene Begleiter. Kind2 zB. hat einen fantastischen jungen Mann als Lehrer, einen Sportler, Schiedsrichter im Volleyball, glaube ich, äusserst fair und voller Elan, der auch mal 5 gerade sein lässt und mit den Kindern viel lacht. Kind2 hat sich enorm gemacht in den letzten 2 Jahren bei ihm. Überhaupt die ganze Klasse. Sie ist richtig zusammengewachsen und gemeinsam durch so manche Konfliktsituationen gegangen, die es zusammen zu lösen galt und die auch bewusst angegangen wurden. Eine eigentliche Lebensschule war das, ist das, denke ich, und weil da jemand dabei steht, der ein Herz hat für Kinder und sich offensichtlich auch selber reflektiert, wird aus dem ambivalenten Thema Schule in diesem Fall ein echter Segen, für den ich unheimlich dankbar bin. Mein Junge erfährt viel Anerkennung, erlebt Freundschaft und die motivierende und aufbauender Kraft und Geborgenheit der Klassen-Gemeinschaft. Und das tut ihm wahnsinnig gut. Genau wie meinem Mädchen, das ihre scheinbar unbändige Energie in der Schule ganz verblüffend zu bündeln vermag; konzentriert und fokussiert im Unterricht, wild und frei in den Pausen. Ich hätte es nie für möglich gehalten und wundere mich noch heute, aber das Kind, das ausserhalb der Schule rasch einmal den Gedanken an ADHS aufkommen lässt (ich gestehe es; auch bei mir), funktioniert in der Schule absolut tadellos und bringt nur Lob und gute Noten nach Hause. (Ich bete zu Gott, dass das anhält).
Anders sieht es bei Kind1 aus.
Und bei meinem Kindergartenkind.
Für Kind1 bedeutet Schule heute einzig: gähnende Öde. Ich bin nicht erstaunt im Grunde, für viele Jugendliche verliert das Klassenzimmer an Reiz und die grossen entwicklungstechnischen und biologischen Lebensthemen bilden eine weite Schere zu Algebra und Plattentektonik. Ich verstehe das. Vollkommen. Aber es ist schade. Wie er sich Tag für Tag rumschleppt und keine rechte Freude empfinden kann an all dem. Das Gymnasium abbrechen möchte er trotzdem nicht, obwohl wir diese Möglichkeit immer wieder ansprechen. Ich für meinen Teil wäre richtig froh, wenn er jetzt erst einmal Automech werden würde anstatt zwischen seinen Buchseiten zu verkümmern, aber er sieht das ganz anders, will sich durchbeissen, das Abitur einpacken- und dann richtig leben, wie er sagt. Weil mir nichts anderes übrigbleibt, begleite ich ihn auf diesem selbst gewählten Weg.
So wie ich meine Kleine begleite.
In ihrem Kindergarten-Alltag.
Und jeden einzelnen verflixten Morgen zum Kindsgi hin und mittags nach Hause. Ihr Weinen und Klammern beim Abschied -ja, immer noch, nach jetzt über einem Jahr- zerreisst mir das Herz und zerrt an meinen Nerven. Neulich musste ich selber losheulen (wie peinlich!) und ich spüre, wie diese Anspannung und die emotionale Belastung langsam wieder an mir zu nagen beginnen. Es ist nicht einfach. Aber irgendwie geht es immer vorwärts. Schritt für Schritt.

Bei all diesen grossen, zum Teil sehr aufwühlenden Themen bleibt kaum noch Zeit für anderes. (Ach ja, nur um den Kreis punkto Homeschooling noch kurz zu schliessen; meine Kleine würde ich aus der Schule nehmen, bzw. aus dem Kindergarten. Wenn ich könnte.)
Mit Mühe und sehr viel Selbstdisziplin habe ich es diese Woche immerhin geschafft, jeden Mittag ein warmes, hoffentlich einigermassen gesundes Essen auf den Tisch zu stellen und die (jüngeren) Kinder rechtzeitig zu Bett zu bringen. Ich habe Wäsche gewaschen, eingekauft und im Secondhand-Laden Schuhe und eine Regenjacke für mein Kindergartenkind gekauft. Ich habe bei der Biobäurin Gemüse gepostet, viel geplaudert dabei und mich unglaublich wohl gefühlt auf ihrem Hof. Sie macht so viel selber. Kocht Bouillon, macht Kräuersalze und Kirschenkompott und so exklusive Sachen wie Lavendel-Sirup oder Zwetschgen-Schnaps. Ich schaffe es gerade noch knapp, den Basilikum vor unseren Meerschweinchen zu retten, bevor sie mir auf ihrer Klettertour durch die Kräuterspirale alles wegknabbern (wo ist eigentlich meine Petersilie geblieben?!) und war sehr stolz,  als ich und meine Kleinste 3 Gläslein grünes Pesto daraus zu fabrizierten. Was Spass gemacht hat, wie man unschwer auf den Fotos erkennt.
Holunderbeer-Sirup kam zustand. Und aus dem üppig wuchernden Strauch Zitronenverbene vom Garten werden nun Tee-Kräuter, einzeln abgezupft und getrocknet und in einem grossen, bauchigen Einmach-Glas verstaut, das mittlerweile voll ist bis obenhin. Man bringt den Deckel gerade noch zu. Die ersten Büschel habe ich wohl bei zu hohen Temperaturen getrocknet. Mein Dörrex stammt vom Trödler, ist eher alt und kam ohne Anleitung daher. Bis ich begriffen habe, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, auf welches Nümmerchen man den Regler stellt, waren die ersten Bleche Kräuter schon fast Heu. Ich verwende sie trotzdem. Vielleicht merke ich ja auch gar keinen Unterschied, wer weiss…

Ansonsten liegt meine Kreativität etwas brach in letzter Zeit. Ich weiss, Soulemama hat uns gelehrt; Man muss sich Nischen schaffen zum Werkeln, Basteln und Nähen und Stricken und Schreiben. Von alleine werden sie nicht frei. Niemals. Da ist immer irgendwas anderes, das getan werden sollte. Scheinbar. Oder auch ganz legitim und offensichtlich. Zeit für die eigenen Bedürfnisse, besonders für dieses unsinnige, kreative Drängen in uns wird sich kaum von selbst eröffnen. Ich muss sie mir ureigenst selber nehmen, freikämpfen, am Schopf packen. Die Sache ist nur die, dass es mich im Moment einfach zu nervös macht, all das Chaos und die drängenden Punkte meiner To-Do-Listen zur Seite zu schieben und… mich strickend zu verziehen. Zum Beispiel. Und wie man sich lärmende, fragende, müde oder überdrehte, nach Zvieri oder einem Pflaster verlangende Kinder vom Hals hält, um in aller Musse eine Masche an die andere zu hängen, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden. Darum mache ich gerade Mini-Schrittchen, was Kreativ-Projekte angeht. Und bastle mehr an Zukunfts-Träumen punkto Näh-Wünsche als an handfesten Schnitt-Teilen. Da wäre ein Quilt zu quilten. Sogar zwei, wenn ich mich recht erinnere. Und Wolle gäbe es auch im Überfluss. Aber eben… wann? Wo? Wie?
Gestern immerhin habe ich das hier geschafft: Ich bin -wirklich hundemüde und emotional ziemlich angeschlagen (da war ein Kindergeburtstag an dem meine Kleine dann urplötzlich auch nicht bleiben wollte ohne mich *argh*)- schon um 21:30 ins Bett geklettert, habe mir Holundersirup und das Radio bereit gestellt und das neue Projekt angeschlagen, an dem ich sicher 3 volle Abende herumstudieren musste, bis ich es ausgewählt und die passende Wolle dazu in meinem Fundus gefunden hatte. Es wird ein  schlichter „Tama“-Pullover. Für meine Kleinste. In Waldgrün. Zuerst war ich nicht wirklich begeistert, es kam einfach kein Feuer-und-Flamme-Gefühl auf in mir, doch so langsam, langsam gewinne ich dieses Projekt lieb. Ich mag die Farbe. Sanft und natürlich. Ein bisschen sommerlich, ein wenig schon Herbst. Ein weiteres Projekt. Kreativ am Rande. Und Grün ist immer gut.

PS. Ich werde es wohl nicht schaffen, alle eure lieben Kommentare zu meinem blauen „Zilver“-Tuch zu beantworten, aber ich DANKE jeder einzelnen von euch für das viele Lob und die guten Gedanken!!!!!!!!!!! Es hat mich wahnsinnig gefreut, sie zu lesen!

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