Archiv der Kategorie: kreativ am Rande

handmade

Mein Titel ist irreführend. Er suggeriert wahrscheinlich mehr Hand-Arbeit als eigentlich da ist in meinem Leben. Ich glaube, je älter ich werde, desto weniger mache ich wirklich selber, oder vielleicht muss ich das anders formulieren; je älter ich werde, desto mehr überlege ich, wofür ich meine Zeit und Energie tatsächlich einsetzen will. Und was ich brauche und was im Grunde nicht. Gerade beim DIY-Hipe der letzten Jahre habe ich gelernt, wie rasch man vom ursprünglichen Selbermach-Gedanken der Ressourcen-Schonung und der Spar-und Genügsamkeit in eine ganz neue Art von Konsum-Wahn hineingerät, wo man dieses Tool unbedingt haben und jene Technik auch ganz, ganz dringend einmal ausprobieren (bzw. sich zu eigen machen) muss, und dabei superrasch ein Sklave von Do-it-yourself-Modetrends und dem letzten Pinterest- und Blogger-Schrei wird. Eine Weile macht das bestimmt Spass (wie alle diese hyperdynamischen Gesellschafts-Wellen), aber irgendwann laugt es einem aus. Oder man wird pleite. Oder ertrinkt in selbstgemachten Wollpullovern und meterhohen Stoffestapeln *hüstel*. Mein Wollvorrat übertrifft glaub’s auch schon bald einmal den Inhalt meines Kleiderschrankes…
Naja, wie dem auch sei; so viel mache ich also gar nicht selber. Ich koche, das ja, jeden Tag und fast ganz ohne Fertigprodukte, wobei Nudeln ja in gewisser Weise auch ein Fertigprodukt wären und meiner Behauptung widersprechen, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine; ich gebe mir echt Mühe, wenigstens diesbezüglich der Hand-Arbeit absolute Priorität einzuräumen. Der Rest an Handmade findet sich spärlich in diesem Haus verstreut, und dort, wo ich es antreffe, wo es stattfindet, das Selber- und Von-Hand-Machen, ist es ein altvertrauter Anblick, der schon so stark eingespielt und verinnerlicht worden ist, dass ich ihn auf den ersten Blick meist kaum mehr als solches wahrnehme…

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Der Umbau dieses Hauses zum Beispiel, eine Sache von mittlerweile vollen 10 Jahren, die uns unglaublich viele Nerven und noch weit viel mehr Zeit gekostet hat. Aussenstehende finden es meistens romantisch, wenn sie sehen, was mein Mann so verändert und an Neuem erschafft, aber ich verrate euch jetzt mal die Wahrheit übers eigen-Händige Renovieren im Alleingang: Es kostet verdammt viel. Und damit meine ich nicht unbedingt Geld, wobei, das auch, aber vor allem kostet es Familienzeit, und oftmals die gesammte Frei- und Erholungszeit, die ein intensiv und mit Herzblut ausser Haus arbeitender Familienvater so zur Verfügung hätte.
Ich weiss nicht, ob ich dieses alte Haus nochmals auf diese exzessive Weise von Kopf bis Fuss verändern würde, vieles musste aber auch einfach gemacht werden und machen lassen hat ja auch wiederum seinen Preis… Klar ist: natürlich freuen mich all die wunderschön gemachten Ecken und Kanten hier in unserem Zuhause. Herr Kirschkernezeit hat mit sehr viel Liebe und Achtsamkeit gearbeitet und immer, wirklich immer mit einem liebevollen Blick auf die Wünsche seiner doch recht anspruchsvolle Frau Gemahlin. Es ist unser Zuhause. So wie es ist, so wie er es gemacht hat. Für uns. Für mich. Und dafür bin ich dankbar.
Das Foto zeigt übrigens unser Dachgeschoss, wo ich früher mal mein öhm… Büro und später unsere Lego- und DonaldComic-Ecke hatten. Hier hat er letzte Woche die alten, halb zerfallenen Bodenbretter rausgerupft, das ganze gedämmt und mit einem provisorischen Holzverdeck belegt. Demnächst sollen hübsche neue Dielenplatten darüber kommen und die gesammte Treppe renoviert und neu eingekleidet werden. Das ist nötig, ja, ganz ehrlich, auch wenn ich absolut kein Lust habe auf eine erneute und monatelang andauernde Baustelle. Der Anblick des sich ablösenden Linoleums und des vollkommen zersplitternden, wurmzerfressenen Boden Bodenbelages war echt keine Freude fürs Auge und auch keine für nackte, kleine Füsschen. Insofern: Ja. Handarbeit, die echt was Gutes hat, was Gutes bringt vor allem. Veränderung zum Besseren nämlich. Mit Charakter.

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Ansonsten seht ihr natürlich überall die bereits hundertausendfach erwähnten Bügelperlen, unsere kleine, familieneigene Kreativ-Sucht sozusagen, und wenn ich hier schreibe, ihr “seht sie überall”, dann meine ich das auch so: Ich kann kaum mehr zählen, wie oft ich auf Händen und Knien auf dem Boden rumgerutscht bin, um ein ausgeleertes Perlen-Glas oder ein fixfertiges Bügelperlen-Bild, das meiner Kleinsten, die grundsätzlich darauf besteht, es selber zum Bügeleisen zu transportieren (*ächz*), aus der Hand geglitten ist, wieder mühsam zusammen zu lesen.
Beim Stausaugen habe ich mich mittlerweile an das klingelnde Geräusch im Rohr gewöhnt, wenn Perle um Perle ihren Weg zum Stausaugerbeutel findet…

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Und dann ist da noch Wolle. Meine Wolle, hach… Mein “Homestead”-Schaltuch kommt zwar eher langsam voran, doch das liegt einzig daran, dass sich das vierte meiner Clayton-Bücher (“Sommerball”) bisher als weitaus interessanter und sympathischer entpuppte als die letzten beiden seiner Vorgänger, und ich gerade unheimlich gerne abends im Bett liege und lese. Ohne Strickzeug. Zwar frage ich mich eins übers andere Mal, welcher sonderbaren Art von Männern die ganz offensichtlich schwer vom anderen Geschlecht geprüfte Autorin in ihrem Leben so begegnet ist, aber die Geschichte fliesst glatt und angenehm voran und schafft es, ein gleichmässiges Sprach- und Plotniveau zu halten, ganz anders als “Das Landhaus”, wo ich mich zeitweise fragen musste, ob es die Übersetzung ist, die so holpert, oder ob es sein kann, dass Miss Clayton tatsächlich so sprunghaft und harzig schreibt. (Wie gesagt, ihr erstes Buch, “Das Haus der Freundin”, fand ich grandios.)
Gerade heute habe ich den zweiten Strang “Rosy Green Big Merino Hug” zum Ball gewickelt. Ich dachte beim Bestellen noch, dass drei volle Strangen dieser dicken Wolle sicherlich völlig übertrieben wären für ein einfaches Schaltuch, aber jetzt, nachdem ich einen ersten Ball verstrickt habe und noch so gut wie gar nichts in den Händen halte, sehe ich ein, dass es viel Wolle braucht für ein “Homestead”-Tuch. Bei kräftiger Wolle sowieso. Nur schon deshalb sind Tücher aus dünner Wolle irgendwie schon… ökonomischer, oder? Aber ich freue mich sehr, wirklich sehr auf mein fertiges Tuch. Schon heute, mit meinem kleinen Dreieckchen “Homestead”-Vorgeschmack ahne ich, wie soft und opulent es werden wird zu guter letzt. Eine Art grosse, dicke, warme Umarmung zum drin Einlullen.

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Oh ja, das hier noch: Geflickte Hosen.
Noch immer bringe ich es kaum über mich, zerschlissene Sachen einfach so ratzfatz wegzuwerfen. Marie Kondo hat viel in mir bewirkt, aber das vermochte selbst sie nicht zu ändern. Der Gedanke “aber das lässt sich doch bestimmt wieder herrichten” lässt mich einfach nicht los und hindert mich daran, Kleider loszulassen, die noch nicht mindestens ein Mal repariert wurden, egal ob secondhand oder neu. Ganz schöne Sachen verschenke oder spende ich, wenn ich merke, dass sie hier bei uns irgendwie am falschen Ort sind, aber getragene Dinge, die sind hier, um zu bleiben. Wahrscheinlich sind wir so was wie Endverbraucher oder so.
Hosenblätzen finde ich bei Kindern ganz okay. Nur leider blättern sie schnell wieder ab, und das vorherige Lochen mit der Lochzange und das anschliessende Festnähen, finde ich ebenso mühsam wie uninspirierend. Doch jetzt, wo ich dank der neuesten Ausgabe von “Making” so eine Art Flicken-Quilting für mich entdeckt habe, macht mir das Hosenbeineflicken sogar richtig Spass! Es hat so was Kunstvolles und Achtsames, mit einer spitzen Nadel und einem Strangen Sashiko-Faden dazusitzen und völlig frei und spontan ein Stichelchen nach dem anderen zu setzen, sogar im Log Cabin-Look, wenn man so will. Wenn ich es mir recht überlege, finde ich sogar, dass ein derart wieder instand gesetztes Jeans-Knie um einiges hübscher und persönlicher aussieht als ein nigelnagelneues Von-der-Stange-Jeans-Knie ohne jeden Makel…

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good times

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Ach ihr Lieben… Ich hatte den weltbesten aller Geburtstage, enspannt und frei und ungezwungen und voller liebevoller Gesten von allen Seiten. Da gab es kleine, ganz wunderbare Geschenke von lieben Menschen in meinem Leben; eine extra für mich beim Töpfer bestellte wunderschöne, weisse Tonschale, einen zauberhaften Laubsäge-Eisvogel gemacht von Kind2, kunterbunte Sockenwolle, selbst gebrannte Zuckermandeln und ein volles Mittagsmenü mit der leckersten Tomatensauce, die ich je gegessen habe von Rita, diesem Schatz. Eine meiner Schwestern brachte süsse Schnittchen, eine andere hat sogar gestrickt für mich (ihr Erstlingswerk!), und die Mädchen haben gezeichnet und bebastelt und mich in Liebe fast erstickt. Herr Kirschkernzeit hat nachts um halb zwölf noch extra Kuchen für mich gebacken, die Original “Truffes Torte”, mein allerliebster Schokokuchen überhaupt, und sie war schlichtweg umwerfend gut, das reinste Pranilé zum Anschneiden (reicht für sicher 12 Leute!). Da kam auch ein Buch mit der Post (Merci, Kiki!!!), Agatha Christies’“Mord im Orientexpress” in der Originalsprache, versehen mit den besten Wünschen und lieben Grüssen. Ich habe diesen grandiosen Krimi bereits als Hörbuch gehört und in zwei verschiedenen Filmadaptionen gesehen, aber noch niemals auf englisch gelesen, was ich unbededingt nachholen möchte. Da ich Victoria Claytons wahrlich enttäuschenden Roman “Das Landhaus” endlich durch habe (irgendwie kindisch, dieses Buch), ist wieder Platz auf dem Nachttischchen, und ich stehe nun vor der süssen Qual der Wahl: Miss Read oder Agatha Christie? Oder doch noch einmal ein Buch von Clayton? “Sommerball” wäre dann das Vierte und letzte im Bunde und könnte meine mit jedem Buch kritischer werdende Meinung vielleicht nochmals revidieren, schliesslich mochte ich “Das Haus der Freundin” doch so irrsinnig gerne…
Ja, es war so ein schöner Tag, dieser Geburtstag. Hach. Ausschlafen, Kuchen, prächtige Geschenke -handgemacht fast alle, wie mir auffällt, oder dann etwas fürs Selbermachen, die Leute wissen, was ich liebe- und vor allem ganz, ganz viel Zuwendung und Liebe, in die ich warm eingemummelt einen herrlichen Tag verbringen durfte. Tatsächlich waren ich und mein Liebster ein paar wunderbare Stunden auf eigene Faust unterwegs- und haben langweilige Matratzen gekauft bei IKEA, hihi. Aber es war toll, mal wieder ganz in Ruhe schlendern zu können. Und ein friedliches Tète-ä-tète über Pommes und Salat zu zelebrieren. (Wer braucht schon Kaviar und Kerzenlicht?) Meine Mama hat derweil die Kinder betreut, ihnen Essen gemacht und später beim Kuchenessen den Besuch mit Kaffee versorgt und alles abgewaschen, was auch immer es abzuwaschen gab. (Sie ist ein Goldstück, ich weiss!) Ich fühlte mich wirklich rundum glücklich und verwöhnt von allen Seiten. Und sonderbarerweise scheint dieses Gefühl aufgehoben und den täglichen Pflichten ein Stück weit enthoben zu Sein noch ein wenig anzuhalten. Im Moment passt einfach alles- selbst dann, wenn nicht alles passt *zwinker*
Ich meine, obwohl ich heute an die fünf Stunden lang aufgeräumt und Wäscheberge dezimiert habe (am “heiligen” Sonntag! Keine gute Sache eigentlich. Da sollte an sich Zeit sein für anderes…), bin ich guter Dinge und dankbar für all das Gute, das mir in meinem Leben begegnet. Für warme Kinderrücken in meinem Bett. Oder den Krautsalat in meinem Kühlschrank. Für die Lindorkugeln, die der Herr Kirschkernzeit mit mir teilt, obwohl er es war, der sie beim Jassen gewonnen hat. Für Leuchtwesten und das warme, behaglich glühende Herbstfeuer im Chemine. Für das entzückende, kleine Bügelperlen-Pferdchen, das mein Kindergartenmädchen ganz alleine entworfen und gelegt hat (und ich heimlich schon für mich reserviert habe, vielleicht kriege ich es ja noch geschenkt, wer weiss?). Und für den zweiten Ärmel meiner “Canvas Cardigan”, dem einzig noch das Bündchen fehlt. Dann steht nur noch das Kragen-Knopflochband zwischen mir und einer wahrscheinlich ganz wunderbaren nachthimmelblauen Wolljacke…
Wenn das kein Grund zur Freude ist!

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zugeflogen

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Ich hatte natürlich unrecht: Die Grippe ist noch nicht vorbei. Ich hätte gestern wohl doch keine Meerschweinchenställe ausmisten sollen…
Aber diesmal, habe ich mir geschworen, diesmal werde ich auch wirklich liegenbleiben, und den Tag r-u-h-i-g angehen, was mir unheimlich schwerfällt, wenn ich den vernachlässigten Haushalt so ansehe *schluck*
Mein Trost: Der Frühling ist zurückgekehrt! Und mit ihm Sonne und Wärme und Bienen und Falter. Neu haben wir hier auch eine Pandabiene, ein ziemlich seltenes, schwarzweisses Exemplar der behaarten Säugerinstekten, von deren Existenz bisher wohl keiner etwas ahnte- bis auf meine Kleine, die diesbezüglich schon länger ihre Ahnungen hatte.
Ein besonders hübsches Detail dieser Spezies: Blumenkränzchen (mit echten, eigens dafür gepressten Blütenblättchen! *schmelz*) und knuffige, kleine, nicht allzu bunte Flügelchen. Gerne steckt sie sich auch ein Zweiglein frische Wiesenblumen in den Pelz.
Die Pandabiene ist, wie der Name irgendwie schon suggeriert, ein sehr friedfertiges Wesen und, da stachellos, eigentlich sogar eine wirkliche Pazifistin. Ein echtes Blumenkind eben.

Ich muss zugeben; Hättte meine Kleine mich nicht praktisch mit der Nase auf dieses doch äusserst interessante Objekt gestossen, ich hätte es glatt übersehen. Aber dafür hat man ja Kinder, nicht? Man lernt immer wieder dazu…

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like Istagram 139

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Gezeichnet schon vor Monaten, gerahmt erst kürzlich, aufgehängt… noch immer nicht. Doch das soll nichts heissen; Mit der “Donald in Rage”-Szene hat sich mein grosses Mädchen gleich direkt in mein Herz gemalt. Das unbeabsichtigte Gekrakel der kleinsten Schwester ganz unten in der rechten Ecke integriert sich auch gar nicht mal so schlecht ins Ganze.
Es ist einer meiner allerliebsten Kinderkunstbilder geworden, wild und ausdrucksstark und ein wenig wie aus dem Leben gegriffen.
Vielleicht weil es mich fast ein bisschen am mich selbst erinnert, so ab und zu? Allerdings muss sich hier keiner vor einem schwingenden Teppichklopfer fürchten *zwinker*

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