Archiv der Kategorie: kreativ am Rande

Ich mag…

… wie Kind1 mit ein paar seiner Kumpels Kochvideos von Youtube als Grundlage nutzt, um selber ein wenig am Herd zu experimentieren und seine Versuche via Audio mit den anderen zu teilen. Das macht einfach Spass. Schon beim Zusehen. Und auch beim Probieren und Diskutieren. Immerhin ist Kind1 der erste in diesem Haus, der jemals irgendwas fritiert hat. Was mich echt ein bisschen stolz macht. Die russischen Teigtaschen jedenfalls, die Kind1 eines Nachts ziemlich spät aber souverän in seiner Pfanne voll Öl gebrutzelt hat, werde ich wohl niemals mehr vergessen (Danke, Boris aus Russland!). Dass er mir danach auch noch brav und aus absolut freien Stücken die ganze Küche wieder aufgeräumt hat, auch nicht. Gut gemacht, mein Sohn.

Ich mag… dass Kind2 seinem grossen Bruder insofern nacheifert, als dass er dessen Leidenschaften für sich selber prüft und dann vielleicht das eine oder andere mitmacht. Oder einfach selber ausprobiert. Indem er russischen „Kompot“ macht zum Beispiel, einen erstaunlich köstlichen und tadellos hausgemachten Frucht-Drink aus reifem Obst, Wasser, Zitronensaft und genügend Zucker (aber nicht zu viel, es soll ja kein Sirup werden). Ich war zuerst sehr skeptisch, doch jetzt bin ich ein erklärter „Kompot“-Fan, der sich von nun an ganz neu auf jede Himbeer- und Zwetschgen-Saison freuen wird- und endlich weiss, was aus den tiefgekühlten Früchten im Keller werden wird, sobald kalt und grausig der Winter einzieht (nochmals dank an Boris!)…
Kind2 hat seine kulinarische Neu-Entdeckung übrigens gleich nach dem Testlauf nochmals gekocht und unseren Milch-Kessel damit gefüllt; für den nächsten Schultag. Damit sein Lehrer (und die Klassengspäänli) auch einmal probieren können. Irgendwie rührend, oder?

Ich mag… die Freude, die einem überkommt, wenn man glaubt, das perfekte Geschenk für einen lieben Menschen gefunden zu haben. Oder zumindest ein ziemlich gutes.
An diesem kleinen Geschenk-Korb voller hausgemachter Dinge für meine Schwester E. hatte ich selber grosse Freude. Waschmittel aus eigener Produktion ist darin, Holunderbeeren- und Blütensirup, Thymian-Honig und Zitronenverbene-Tee aus der Kräuterspirale, ein Glas Johannisbeer-Gelee von dieser Ernte und das kleine Einhorn-Lavendel-Kissen, in das ich mich selbst ein bisschen verguckt habe beim Nähen (oh, dieser Print!). Es hätte noch mehr darin Platz gehabt und ich bin sicher, beim nächsten Körbchen wird noch das eine oder andere dazu kommen…

Ich mag… die Freude, die es macht, selber schöne Post zu bekommen. Ich meine, schaut euch das an; die zauberhaftesten Blüten-Ladies ever! Mamaniflora kann nicht nur wunderbar von Pflanzen, Wald und Feld erzählen, sie zeichnet auch ganz grossartig! Ich bin schlichtweg hingerissen von ihren Bildern (und ihrem Blog, ihrem Wesen) und musste einfach einen kleinen Satz Postkarten bei ihr bestellen. Die Idee ist, jeweils ein 3er-Set in meine nächsten Kräuter-Kraft-Geschenk-Körbe zu packen, als schöne Ergänzung zu Teemischungen, Kräuterhonig, Tinktur und Sirup, aber auch sonst… wie hätte ich widerstehen können?
Im grauen Päckchen liegt übrigens bei einem Extra-Set Karten (die ich ganz für mich behalten werde!) eines von Mamanifloras Traum-Kissen. Kräuterduftig. Und einfach zauberhaft. Genau wie ihr süüüüüüüssssssses, selbstgemaltes Anhängerchen, das mich an Russland, Matroschkas und die herrlichen Stickereien des Ostens erinnert… Hach…

Ich mag… wenn die Dinge sich bewegen. Wenn Räume sich verändern. Besser werden. Organisierter, angepasster an die Menschen, die darin leben, an ihre Bedürfnisse und die Art und Weise, wie sie leben. Über dem weissen, selbst gezimmerten Board, das in der Stube beim Basteltisch steht, hingen bisher grosse Rahmen mit Kinderzeichnungen. Das war zwar hübsch, aber wenig praktisch, denn eigentlich, eigentlich fehlt uns vor allem Stauraum, Platz für all das Bastelzeug, die Bügelperlen und Pinsel und Papierstapel und Scheren und Stifte und so, die hier tagtäglich benutzt werden. Das weisse Board reicht nie und nimmer. Und in der Kommode steckt bereits all mein Nähkram (oder ein Teil davon *hüstel*).
Unten im Keller lagert gerade die Lösung für unser Dilemma; ein von Herrn Kirschkernzeit gezimmerter Holz-Aufsatz, der nach dem Streichen noch lackiert werden muss und später dann, ganz ähnlich dem alten Buffet in der Küche, als Aufbewahrungs-Ort für allerlei Vielbenutztes dienen soll. Und als kleiner Show-Room für diejenigen Bastelarbeiten -hauptsächlich die 3-Dimensionalen wahrscheinlich- die irgendwie nirgendwo sonst ein gutes Plätzchen zu finden scheinen (alle Fensterbretter sind längst besetzt). Ich freue mich wie verrückt darauf! Auf mehr Ordnung, mehr System. Und darauf, dass dieser Tisch auch mal wieder frei wird…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, kreativ am Rande, Schatzkammern im Netz, Zuhause | 6 Kommentare

Start in den Septmember

Oje… wie konnte nur so viel Zeit vergehen, ohne dass ich es auch nur ein (!) Mal (!) an den PC zum Texten oder Fotos rüberladen geschafft hätte…
Ich kann es mir selbst nicht erklären.
Oder doch?
Ja, es war viel los hier. Unheimlich viel. Aber im positiven Sinne. So viel Leben und Lebendigkeit und so viel Bewegung und Hand-Werk und Geselligkeit! Das Hin- und Her des Schulalltages hat auch seine schönen Seiten, finde ich;
Kinderfreunde, die sich nachmittags treffen zum Spielen oder -so wie heute- zum Fussball-„Grümpi“-Sonntag auf dem Schulhausplatz.
Eine Regelmässigkeit in der Tagesstruktur, die ich alleine wohl nicht unbedingt hinkriegen würde.
Die Vormittage nur mit meiner Kleinsten ganz alleine zuhause, wo wir zusammen gemütlich in der Küche Kaffee trinken und ein Croissant essen, das wir auf dem Heimweg im Dorfladen noch rasch gekauft haben für uns.
Der Besuch auf dem Bauernhof, wenn die Bäuerin ihren Verkaufsmorgen abhält, Gemüse aus dem Gewächshaus holt, Eier frisch aus dem Hühnerstall und immer Zeit hat für ein Pläuschchen und eine Tasse Tee.

Und ich freue mich über die Gespräche mit anderen Schulkind-Müttern (und ab und zu auch mit einem der Papas), wenn wir denselben Weg zum Kindergarten haben oder uns bei Einkaufen über den Weg laufen.
Das tut gut. Das alles.
Ich versuche, mich mitziehen zu lassen mit dem Rythmus dieser Tage, weil es schwierig wird, sobald ich mich dagegen sträube und das Tempo verlangsamen will.


Aber müde bin ich.
Absolut geschafft.
Vor gar nicht so langer Zeit habe ich bei Instagram noch eine Lobeshymne gesungen auf meine wiedergewonnene Lebenskraft nach meiner letzten Eisen-Infusion. Aber dann brach die Kurve wieder ein. Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Benommenheit und ein starkes Gefühl der Erschöpfung waren wieder da, und nach einem Besuch im Arztlabor ist klar; Das Ferritin ist schon wieder völlig im Keller, Hämoglobin und ein paar weitere Werte rasant im Abwärtskurs. Wieder eine Infusion. Aber das ist okay. Es war schön, wieder Kraft zu haben, Elan und einen klaren Kopf. Wieder genug Eisen im Blut. Mehr Optimusmus, die Gelassenheit eines genährten Körpers. Und ich bin einfach dankbar für schnelle Resultate in dieser Hinsicht, darum diese Wahl…
Trotzdem geniesse ich das Leben gerade wirklich sehr. Es scheint mir gut und voll und reich. Wie das Regal in der Küche, wo sich all der Kram und die Kinkerlitzchen versammeln, die mir gerade in die Hände kommen, weil jemand sie ausgerechnet auf dem Küchentisch liegenlässt (wo wir essen sollen) oder auf der Anrichte, an der ich gerade Zwiebeln schneiden soll. Kleine Zeichen des Alltages. Ein Abbild der Treibens um mich herum. Irgendwie herrscht Chaos -auf dem Board und in meinem Leben- aber gleichzeitig passt alles zusammen, ergänzt sich, macht mich, macht uns aus, so wie wir sind in dieser Lebensphase.

Von der Pfefferminze habe ich schon bei Instagram geschrieben, von ihr und all ihren Verwandten, die unser Mini-Gärtchen bewuchern und zu einem besseren Ort machen. Ich liebe Minze. Müsste ich aus allen Tee-Kräutern ein einziges auswählen… Ich glaube, ich würde die Minze nehmen. Momentan zumindest. Vielleicht liegt es daran, dass mir oftmals Klarheit fehlt. Physisch wie psychisch. Und der frische Geschmack auf der Zunge, lässt mich nach mehr verlangen, mehr Tee, mehr Pause, mehr Leichtigkeit, mehr… Minze.
Ich habe ein grosses Einmach-Glas gefüllt mit den verschiedenen, namenlosen Minze-Typen, die ich im Garten gefunden, geernten und getrocknet habe. Für den Winter. Für Zeiten, wenn die Natur sich zurückzieht und nur noch im Kräutertee-Regal in meinen Gläsern und Dosen zu finden ist. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darauf freue.
Aber an dieser Schüssel voller frischem, duftendem Heilkrautgrün freue ich mich.

Im Rahmen einer grossangelegten Küchenreinigungs-Aktion (die noch immer im Gange ist), habe ich neues Waschmittel gemacht. Waschpulver diesmal. Weil mich nach raschen Resultaten und minimem Aufwand gelüstete. Und weil ich ein bisschen Motivation brauchte und das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben. Waschmittel und überhaupt Reinigunsgmittelchen, Salben und Wässerchen selbst zu machen, kann so was: Mich glauben lassen, ich hätte die Fäden fest in der Hand. Das Gute-Hausfrauen-Gefühl, mit dem sogar der Abwasch Spass macht. Oder das Wäschewaschen.
So ein Mommy-Potamus-Gefühl.
Und von ihr habe ich auch das Rezept, sowohl für ein gutes, einfaches Waschpulver als auch für ein wirklich grossartiges Geschirrspülmittel-Rezept mit dem unentbehrlichen hausgemachten Klarspüler (den man auf keinem Fall weglassen sollte; sonst trägt jedes Glas dichte Schleier).
Supersimpel -beides- und genauso supereffektiv.
Wirklich eine Freude.
Eine Hausfrauen-Freude.

Was ich aber noch überhaupt nicht geschafft habe, nicht einmal nach einer Extra-Portion-Hausfrauen-Selbstbewusstseins-Politur; Mich um meinen Garten-Quilt zu kümmern. Dazu reicht es nie. Das Patchwork-Deck ist längst fertig und setzt langsam Staub an, aber das Zusammensetzen und Quilten schiebe ich permanent vor mir her, als wäre es eine lästige Angelegenheit und kein eigentlicher Spass.
Vielleicht liegt es daran, dass mir die Stoffe der Decken-Oberseite nicht besonders gut gefallen? Sie sind hier nicht zu sehen, doch es sind vor allem dunkle Töne, Braun, rostiges Rot, Schwarz, ein paar an sich hübsche Blumenprints, eingeklemmt zwischen rein weissen Baumwollstreifen. Anfangs war ich sehr angetan, aber mit der Zeit…
Ganz anders verhält es sich mit dem Rückseiten-Stoff; sehr ihr das süsse orange-gelbliche Blumensträusschen-Muster, das ich beim Trödler auf einer alten Bettwäsche entdeckt habe? Zucker, oder? Ich finde es ungeheuer mädchenhaft, so unschuldig und bescheiden. Vielleicht lasse ich dann einfach die Rückseite Oberseite sein, das könnte die ganze Sache retten…

So, und jetzt mache ich Schluss für heute. Ich hätte noch ein paar weitere Fotos und Alltags-Schnipsel, die mich hinüber in diese ersten September-Tage begleitet haben, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt Zeit ist für ein wenig Rückzug und das Ruhenlassen meiner Gedanken. Die sind so rasch wirr und matt gerade. Vor allem abends. Dann fällt es mir schrecklich schwer, meine Sätze klar zu strukturieren und mich in einem Gespräch auf das zu konzentrieren, was gesagt wird oder gesagt werden möchte. Es ist, als würde mir langsam der Kopf einschlafen, während der Rest meines Körpers noch hellwach den Feierabend einläutet. Wobei, so ungeheuer hellwach ist meist auch der nicht mehr; wenn ich den grünen Pullover meiner Kleinen ansehe, an dem ich doch auch schon seit einer ganzen Weile arbeite, dann wird schnell klar, dass eigentlich wohl alles an mir so langsam in Dämmrigkeit versinkt. Gross gewachsen ist der nämlich nicht. Meist mag ich nicht einmal mehr stricken…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, besondere Tage, Familienalltag, kreativ am Rande, Zuhause | 6 Kommentare

kreativ am Rande

Die Schule hat wieder begonnen- und mit ihr dieser ganze Terminwahnsinn und die hin- und her schwappenden Hochs und Tiefs gewisser Kinder, die mit der Menschenmenge und der vorgegebenen Geschäftigkeit des Schulalltages einfach nicht zurecht kommen.
Die letzten Tage habe ich oft daran denken müssen, wie es wäre, die Kinder zuhause zu unterrichten. Offen gesagt, denke ich; in unserem Fall wäre es grob genommen nicht unbedingt ein Plus. Weder für die Kinder noch für mich. Ich war selber eine sehr glückliche Schülerin, die sich absolut geborgen und zuhause fühlte im Klassenzimmer und diesen Familien-entrückten Raum absolut brauchte, um mich ausserhalb der familiären Beziehungsmuster neu zu definieren. Genau dieses Phänomen beobachte ich auch bei sicher zwei meiner Kinder; Mein 6-Klässler und seine 3 Jahre jüngere Schwester blühen sichtlich auf inmitten von Stundenplan, Pausenhof und Klassenverband. Sie sind wissbegierig, werden inspiriert und emotional gefordert und genährt in ihren Schülergruppen und sehen in ihren Lehrern und Lehrerinnen (beide haben mehrere) nicht nur Autoritätspersonen, bei denen man Zucht und Ordnung lernen soll (hihi), sondern irgendwie auch sowas wie… sympathische erwachsene Begleiter. Kind2 zB. hat einen fantastischen jungen Mann als Lehrer, einen Sportler, Schiedsrichter im Volleyball, glaube ich, äusserst fair und voller Elan, der auch mal 5 gerade sein lässt und mit den Kindern viel lacht. Kind2 hat sich enorm gemacht in den letzten 2 Jahren bei ihm. Überhaupt die ganze Klasse. Sie ist richtig zusammengewachsen und gemeinsam durch so manche Konfliktsituationen gegangen, die es zusammen zu lösen galt und die auch bewusst angegangen wurden. Eine eigentliche Lebensschule war das, ist das, denke ich, und weil da jemand dabei steht, der ein Herz hat für Kinder und sich offensichtlich auch selber reflektiert, wird aus dem ambivalenten Thema Schule in diesem Fall ein echter Segen, für den ich unheimlich dankbar bin. Mein Junge erfährt viel Anerkennung, erlebt Freundschaft und die motivierende und aufbauender Kraft und Geborgenheit der Klassen-Gemeinschaft. Und das tut ihm wahnsinnig gut. Genau wie meinem Mädchen, das ihre scheinbar unbändige Energie in der Schule ganz verblüffend zu bündeln vermag; konzentriert und fokussiert im Unterricht, wild und frei in den Pausen. Ich hätte es nie für möglich gehalten und wundere mich noch heute, aber das Kind, das ausserhalb der Schule rasch einmal den Gedanken an ADHS aufkommen lässt (ich gestehe es; auch bei mir), funktioniert in der Schule absolut tadellos und bringt nur Lob und gute Noten nach Hause. (Ich bete zu Gott, dass das anhält).
Anders sieht es bei Kind1 aus.
Und bei meinem Kindergartenkind.
Für Kind1 bedeutet Schule heute einzig: gähnende Öde. Ich bin nicht erstaunt im Grunde, für viele Jugendliche verliert das Klassenzimmer an Reiz und die grossen entwicklungstechnischen und biologischen Lebensthemen bilden eine weite Schere zu Algebra und Plattentektonik. Ich verstehe das. Vollkommen. Aber es ist schade. Wie er sich Tag für Tag rumschleppt und keine rechte Freude empfinden kann an all dem. Das Gymnasium abbrechen möchte er trotzdem nicht, obwohl wir diese Möglichkeit immer wieder ansprechen. Ich für meinen Teil wäre richtig froh, wenn er jetzt erst einmal Automech werden würde anstatt zwischen seinen Buchseiten zu verkümmern, aber er sieht das ganz anders, will sich durchbeissen, das Abitur einpacken- und dann richtig leben, wie er sagt. Weil mir nichts anderes übrigbleibt, begleite ich ihn auf diesem selbst gewählten Weg.
So wie ich meine Kleine begleite.
In ihrem Kindergarten-Alltag.
Und jeden einzelnen verflixten Morgen zum Kindsgi hin und mittags nach Hause. Ihr Weinen und Klammern beim Abschied -ja, immer noch, nach jetzt über einem Jahr- zerreisst mir das Herz und zerrt an meinen Nerven. Neulich musste ich selber losheulen (wie peinlich!) und ich spüre, wie diese Anspannung und die emotionale Belastung langsam wieder an mir zu nagen beginnen. Es ist nicht einfach. Aber irgendwie geht es immer vorwärts. Schritt für Schritt.

Bei all diesen grossen, zum Teil sehr aufwühlenden Themen bleibt kaum noch Zeit für anderes. (Ach ja, nur um den Kreis punkto Homeschooling noch kurz zu schliessen; meine Kleine würde ich aus der Schule nehmen, bzw. aus dem Kindergarten. Wenn ich könnte.)
Mit Mühe und sehr viel Selbstdisziplin habe ich es diese Woche immerhin geschafft, jeden Mittag ein warmes, hoffentlich einigermassen gesundes Essen auf den Tisch zu stellen und die (jüngeren) Kinder rechtzeitig zu Bett zu bringen. Ich habe Wäsche gewaschen, eingekauft und im Secondhand-Laden Schuhe und eine Regenjacke für mein Kindergartenkind gekauft. Ich habe bei der Biobäurin Gemüse gepostet, viel geplaudert dabei und mich unglaublich wohl gefühlt auf ihrem Hof. Sie macht so viel selber. Kocht Bouillon, macht Kräuersalze und Kirschenkompott und so exklusive Sachen wie Lavendel-Sirup oder Zwetschgen-Schnaps. Ich schaffe es gerade noch knapp, den Basilikum vor unseren Meerschweinchen zu retten, bevor sie mir auf ihrer Klettertour durch die Kräuterspirale alles wegknabbern (wo ist eigentlich meine Petersilie geblieben?!) und war sehr stolz,  als ich und meine Kleinste 3 Gläslein grünes Pesto daraus zu fabrizierten. Was Spass gemacht hat, wie man unschwer auf den Fotos erkennt.
Holunderbeer-Sirup kam zustand. Und aus dem üppig wuchernden Strauch Zitronenverbene vom Garten werden nun Tee-Kräuter, einzeln abgezupft und getrocknet und in einem grossen, bauchigen Einmach-Glas verstaut, das mittlerweile voll ist bis obenhin. Man bringt den Deckel gerade noch zu. Die ersten Büschel habe ich wohl bei zu hohen Temperaturen getrocknet. Mein Dörrex stammt vom Trödler, ist eher alt und kam ohne Anleitung daher. Bis ich begriffen habe, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, auf welches Nümmerchen man den Regler stellt, waren die ersten Bleche Kräuter schon fast Heu. Ich verwende sie trotzdem. Vielleicht merke ich ja auch gar keinen Unterschied, wer weiss…

Ansonsten liegt meine Kreativität etwas brach in letzter Zeit. Ich weiss, Soulemama hat uns gelehrt; Man muss sich Nischen schaffen zum Werkeln, Basteln und Nähen und Stricken und Schreiben. Von alleine werden sie nicht frei. Niemals. Da ist immer irgendwas anderes, das getan werden sollte. Scheinbar. Oder auch ganz legitim und offensichtlich. Zeit für die eigenen Bedürfnisse, besonders für dieses unsinnige, kreative Drängen in uns wird sich kaum von selbst eröffnen. Ich muss sie mir ureigenst selber nehmen, freikämpfen, am Schopf packen. Die Sache ist nur die, dass es mich im Moment einfach zu nervös macht, all das Chaos und die drängenden Punkte meiner To-Do-Listen zur Seite zu schieben und… mich strickend zu verziehen. Zum Beispiel. Und wie man sich lärmende, fragende, müde oder überdrehte, nach Zvieri oder einem Pflaster verlangende Kinder vom Hals hält, um in aller Musse eine Masche an die andere zu hängen, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden. Darum mache ich gerade Mini-Schrittchen, was Kreativ-Projekte angeht. Und bastle mehr an Zukunfts-Träumen punkto Näh-Wünsche als an handfesten Schnitt-Teilen. Da wäre ein Quilt zu quilten. Sogar zwei, wenn ich mich recht erinnere. Und Wolle gäbe es auch im Überfluss. Aber eben… wann? Wo? Wie?
Gestern immerhin habe ich das hier geschafft: Ich bin -wirklich hundemüde und emotional ziemlich angeschlagen (da war ein Kindergeburtstag an dem meine Kleine dann urplötzlich auch nicht bleiben wollte ohne mich *argh*)- schon um 21:30 ins Bett geklettert, habe mir Holundersirup und das Radio bereit gestellt und das neue Projekt angeschlagen, an dem ich sicher 3 volle Abende herumstudieren musste, bis ich es ausgewählt und die passende Wolle dazu in meinem Fundus gefunden hatte. Es wird ein  schlichter „Tama“-Pullover. Für meine Kleinste. In Waldgrün. Zuerst war ich nicht wirklich begeistert, es kam einfach kein Feuer-und-Flamme-Gefühl auf in mir, doch so langsam, langsam gewinne ich dieses Projekt lieb. Ich mag die Farbe. Sanft und natürlich. Ein bisschen sommerlich, ein wenig schon Herbst. Ein weiteres Projekt. Kreativ am Rande. Und Grün ist immer gut.

PS. Ich werde es wohl nicht schaffen, alle eure lieben Kommentare zu meinem blauen „Zilver“-Tuch zu beantworten, aber ich DANKE jeder einzelnen von euch für das viele Lob und die guten Gedanken!!!!!!!!!!! Es hat mich wahnsinnig gefreut, sie zu lesen!

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Dankbarkeit, Familienalltag, Jahreszeiten, Kinder, kreativ am Rande, Stricken | 4 Kommentare

ein neuer Boden für den Estrich

Gestern hatten wir Freunde aus Prag zu Besuch, eine ganze Familie, die wir schon seit vielen Jahren kennen. Freundin M. hatte mich damals, als sie in Zürich noch ihre kleine, aber wunderschöne Altbauwohnung bewohnte, immer tief beeindruckt mit ihrer eleganten, hellen Einrichtung, mit ihren zauberhaften Zeichnungen und ihrem Sinn für Kunst und Humor, der sich in Form von perfekt gearbeiteten Handarbeiten und kleinen, pointiert eingesetzten Skurrilitäten niederschlug. Man trank Tee aus auserlesenen Tassen. Auf einem weissen Sofa über weissem Flauscheteppich. An den Wänden hingen selbstgemalte Skizzen und Tierstudien, es gab Pflanzen und Kerzen und dann und wann kleine Hingucker wie Tierskelette, Federn (sie war Ornithologin) oder Postkarten mit einem prägnanten Spruch („Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen“) ganz zwanglos aber perfekt platziert.
Ich fühlte mich immer pudelwohl bei ihr. Die Mischung aus Struktur, Sauberkeit, einem ansatzweisen Minimalismus und gleichzeitiger Zwanglosigkeit und Luftigkeit gefiel mir schon immer wahnsinnig gut, und wenn ich heute in meinem vollen, pulsierenden Haus eines vermisse, dann ist das die Leere und Unaufgeregtheit, die Ruhe und Leichtigkeit die jene Art von Wohnstil mir vermittelt. Eine Mischung aus Shabby Chic, minimalistischem Wohnen und moderner Eleganz.
Dagegen sind wir die reinsten Bohemiens. Ich ertrinke in Kinderkunst, Sammelsurien, Werkzeugen und Erinnerungsstücken. Von all den Kinderschuhen, verstreuten Socken und einem gigantischen Plüschzoo ganz zu schweigen.
Aber wir geben unser Bestes, dieses Haus einigermassen wohnlich zu gestalten. Die Team-Kompetenzen sind klar und sehr traditionell verteilt: Mein Mann baut um, ich räume aus und ein und gestalte die Zimmer. So geht das seit 10 Jahren schon und so wird es wohl bleiben, denn kaum ist etwas fertig, bröckelt bereits das nächste Leck, ein bisschen  überspitzt ausgedrückt. Die meisten Leute, die unser Haus zu sehen bekommen bzw. die Baustellen und vor allem -stolz präsentiert- die fertigen Renovationen und Installationen, klopfen meinem Mann wohlwollend auf die Schulter und gratulieren ihn zu seinem Einsatz, nicht ohne mitfühlend anzumerken; „Also, das hast du aber wirklich ganz schön viel zu tun…“ Vielleicht wird mit einem Blick in meine Richtung auch noch nachgeschoben „Du weisst aber schon, was für einen fleissigen Mann du hast.“


Ich nicke dann jeweils, denn, ja, sie haben recht, der Herr Kirschkernzeit ist ein feiner Kerl, der sich hier die Seele aus dem Leib schuftet und so viel für uns alle tut.
Aber insgeheim denke ich immer; eigentlich tun wir das ja beide, gewissermassen. Wir bauen beide um. Renovieren. Versuchen, die Dinge schön zu machen und Mängel zu beheben. Unser Zuhause ist ein echtes Gemeinschaftswerk, auch wenn ich selber keinen Hammer schwinge oder alte Dielen rausreisse (worüber mein Liebster wohl auch eher froh ist, wie ich ihn kenne).
Mein Part sieht einfach anders aus. Mehr so hintergründlich und alltäglich: Ich halte die Kinder von den Baustellen fern, schaffe alles weg, was ihm im Weg steht, putze Staub und Dreck und Sägemehl, halte die Stellung, während er mit seinen Werkprojekten beschäftigt ist und lebe damit, dass vieles, was das Wohnen betrifft, auf Provisorien aufbaut und sich permanent wieder verändert. Natürlich ist das alles weniger schweisstreibend als der aktive Umbau-Part. Aber auch weitaus weniger befriedigend. Und ganz bestimmt kein Job, bei dem man Lob und grosse „Ah“s und „Oh“s einheimsen könnte.

Darum, das muss ich ganz offen zugeben, habe ich mich gestern über alle Massen gefreut, als unsere Prager Freunde mich gestern bei ihrem Hausbesichtigungs-Rundgang geradezu überschütteten mit herzlich gemeinten Komplimenten zur Einrichtung und Gestaltung dieses Hauses. „Dein Mann arbeitet ganz wunderbar, weisst du. Aber das hier trägt trotzdem auch deine Handschrift.“
Ich war ganz überrumpelt. Und richtig gerührt. Nicht nur, weil Freundin M. das sagte. Sondern einfach auch, weil jemand es bemerkt.


Bei der grossen Dachboden-Sanierung dieses Jahres sieht man allerdings eher wenig von „meiner Handschrift“. Mein Liebster hat den gesamten Boden rausgerupft und neue, stabilere Bodenbretter verlegt (tatsächlich gab es gefährlich versteckt regelrecht morsche Dielenbretter!). Darunter eine dicke Schicht Dämm-Material, die die gröbste Kälte und grösste Hitze vom Wohnbereich abschirmen soll, darüber ein völlig unkomplizierter, robuster Laminat, so dass es keine doofe Ritzen mehr gibt im Boden, wo Spinnen und Teppichkäfer ihre Lager aufschlagen oder Wespen sich verkriechen. Sogar staubsaugen könnte man hier jetzt.
Eigentlich mag ich Laminat ja gar nicht. Ich bin ein eingefleischter Laminat-Feind und nehme lieber Dielenspalten, unebene Böden oder höhere Parkett-Preise in Kauf als mit Laminat leben zu müssen. Aber auf dem Dachboden…? Perfekt. Und dieser Laminat hier ist sogar doppelt perfekt, weil wir ihn absolut kostenlos aus den Resten einer Hausrenovation übernehmen konnten. Dass er nicht wirklich schön aussieht (diese Maserung!) spielt rein gar keine Rolle, finde ich; Er ist stabil, pflegeleicht und Familienbudget-freundlich. Ich meine, was will man mehr?


Glücklich machen mich aber vor allem diese letzten zwei Bilder. Auch wenn sie es ganz bestimmt niemals ins „Schöner Wohnen“ schaffen würden. Obwohl es nach wie vor nach Estrich ausschaut und von Ausbau nicht die Rede sein kann. Aber all unser weggepacktes Hab und Gut, die Kinderkleider im Wechselturnus, Skisachen, Zelt, Schlafsäcke, Schaukeltiere und alten Spiegel: alles sauber aussortiert, gereinigt, frisch verpackt und klar beschriftet.
So mag ich es.
Genau so.
Natürlich könnte es gut und gerne noch ein wenig… weniger Zeug sein hier oben, aber, ja, ich bin sehr, sehr dankbar für diese neue Ordnung. Für die Arbeit meines Liebsten, für seinen Einsatz und seinen Durchhaltewillen, ohne den dieses Haus niemals das wäre, was es heute ist.
Und ein klitzekleines bisschen beklopfe ich auch meine eigene Schulter. Wegen dem ganzen Kistengepacke, dem Geputze und Gewasche, vor allem der weggerümpelten Dinge wegen, die ich immer so schwer loslassen kann. Wegen dem Berg an Kram einfach, der hier bezwungen wurde. Von uns beiden. Irgendwie.
Hach, das tut einfach gut…

 

 

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Dankbarkeit, kreativ am Rande, Zuhause | 18 Kommentare