Archiv der Kategorie: kreativ am Rande

Trio: Tag 4

Der Tag ist grau, öd und verwaschen und hat ganz klar einmal mehr zu früh begonnen… darum lass‘ ich nur kurz die Gedanken purzeln, bevor ich mich umdreh‘ und weiterwusel zwischen meinem Kram (Hab den Timer auf 30Minuten gestellt und bereits 5 Minuten für die Fotos verbraucht!)
* Gestern nahm ich mir nachmittags die Zeit, einen Jogurt-Rhabarber-Cake zu backen, eigentlich in der Hoffnung, die Mädels hätten Lust mitzuhelfen. Doch nachdem es bereits beim Aufschlagen der Eier (2 anwesende Mädchen, 3 Eier) zu Tränen kam, fand ich die Idee weit weniger genial. Trotzdem wird dieser Kuchen gern gegessen. Tatsächlich ist es einer der Lieblingskuchen von Kind2, und ich freue mich einfach, konnte ich unsere mickrigen Rhabarber-Stängelchen irgendwo einsetzen…
* Unterm Dach haben wir eine ganz kleine, sehr unmoderne, ziemlich schmutzige und verwahrloste Mini-Küche aus den Zeiten, da unser Haus noch eine 3-Wohnungs-Einheit war. Seit einem Brand vor einigen Jahren, der zustande kam, weil jemand unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, bleibt die Küche ungenutzt und alle Geräte ganz ohne Strom. Im Grunde ist sie überflüssig. Brauchen tun wir diese Küche ja nicht, die im unteren Stock ist schön und gross und alles, was ich mir küchenmässig wünschen würde.
Bis anhin hatte Kind1 seine Elektro-Bastelsachen oben verstaut. Doch diese Passion scheint vorbei. In einigen Schubladen lagert noch ein Vorrat an Mehl und Zucker, für den es im Keller zu feucht ist, aber sonst…
Seit ein paar Tagen kommt mir immer wieder der Gedanke, wie es wohl wäre, diese kleine, schäbige Retro-Küche zu räumen und in eine Art… Färbe-Werkstatt zu verwandeln. Kleckse und Flecken richten hier keinen Schaden an und auf den Glaskeramik-Herd passen auch unsere alten, nach dem Kauf eines Induktionsherdes ausgemusterten Pfannen…
*Vielleicht könnte ich ja eines Tages Garne zaubern wie das „Woollentwine Fibrestudio“? Diese zarten, natürlichen Farben…! Ich habe ihren Shop erst vor kurzem entdeckt, bin ihren Naturfärbe-Künsten und den herrlichen Basisgarnen, die sie verwendet, aber bereits mit Haut und Haaren verfallen…
Diese Woche sind drei mildgrüne Strangen ihrer BFL/Masham DK Qualität angekommen; drei wunderbare Strangen wuscheliger und gleichzeitig seidiger Wolle, natürlich, aber edel und sehr verwunschen mit seinem graustichigen Märchenwaldgrün. Ich liebe dieses Garn! Eigentlich hatte ich an ein schlichtes Tuch gedacht, aber jetzt überlege ich, ob ich vielleicht auf das nächste Shop-Update warten und mit zwei zusätzlichen Strangen eine leichte Strickjacke für mich machen soll. Im Stil von Madders „Shore Cardigan“ vielleicht…?

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grüner leben: homemade things

Um Himmels Willen; NEUN Tage seit meinem letzten Eintrag! Und je mehr Tage vergehen, desto schwieriger erscheint es mir, einen Anfang zu finden… Aber das hier sollte klappen: Dinge aus der Küche sind immer einfach, oder? Übers Essen, Kochen und den Garten lässt sich wunderbar plaudern. Diese Themen sind mindestens genauso Small-Talk-tauglich wie das Wetter und deshalb wunderbare Eisbrecher. Mit den warmen, üppigen Frühlingstagen der letzten Wochen sind meine Kräuter gewachsen und die Blütendolden im Holunderbusch im Garten weiss und dick wie Schneeballen geworden. Mein Liebster hat zig Flaschen Hollersirup daraus gezaubert und das Regal im Keller ordentlich angefüllt, was gut ist und hochwillkommen, denn ich liebe Sirup, im Sommer vor allem, am liebsten mit eiskaltem Wasser und etwas Eis in einem hohen, vom der Kälte beschlagenen Blitzeglas (das fühlt sich dann an wie edelster Sekt auf einer Hochseejacht, hihi). Die Flaschen sind leider etwas in den Hindergrund geraten auf dem Foto (tztztz), aber sie sind da, und das ist wohl, was zählt. Im Fokus seht ihr allerdings mein allerliebstes Kräuterbuch, das ich gerne zu Rate ziehe, wenn ich zum Beispiel Thymian-Honig ansetze, so wie letzte Woche, oder mir eine schöne Tee-Mischung aus dem zusammenstellen möchte, was ich gerade in der Kräuterspirale habe, momentan also hauptsächlich Zitronen-Thymian, Rosmarin und Erdbeerminze.

Meine Kleinste hat wacker geholfen, Kräuter geschnitten und mir sorgfältig den Spitzwegerich für ein erstes Glas Husten-Honig vorbereitet. Ich glaube, sie mochte diese Arbeit sehr gerne, denn wie durch ein Wunder blieb ihr Platz während der ganzen Prozedur besetzt und sie schien ganz versunken und zufrieden, ganz bei sich. Kräuter haben diesen Zauber, nicht wahr? Sie drosseln das Tempo. Verscheuchen Sorgen und Hektik. Erden uns und lassen uns für einen Moment Wurzeln schlagen im Hier und Jetzt.
Manchmal wenn ich meine kleine Runde durch den Garten drehe, vergesse ich völlig die Zeit, stehe einfach nur da, ein Ästchen Melisse in der Hand, reibe sachte an den Blättern und vergrabe meine Nase in diesem einzigartigen, frischen, ur-lebendigen Duft… Jeder Duft ist anders, jedes Kraut hat seine Persönlichkeit, meine Resonanz ob Rose, Oregano, Basilikum, fällt immer wieder anders aus, aber jede Begegnung mit der Pflanzenwelt tut der Seele wohl. Ich weiss so wenig von dieser Welt. Der Welt der Heilpflanzen. Doch es zieht mich in diese Richtung, ganz klar, immer deutlicher, immer stärker. Ich merke einfach, wie viel Kraft und Lebensfreude ich finde inmitten meiner klitzekleinen Blumen-und-Kräuter-Oase…

Mit einem Teil meiner frischen Kräuter habe ich Essig aromatisiert. Oregano ist drin in dieser Flasche und ein, zwei Zweiglein Rosmarin. Mamaniflora hat mich inspiriert zu diesem ersten Versuch. „Am liebsten nutze ich die Kraft der Kräuter um meinen Körper zu nähren und zu stärken, damit er mit Herausforderungen möglichst gut umgehen kann. Nährende Pflanzenmedizin muss für mich unkompliziert sein. Alltäglich, aber wirkungsvoll. So wie Kräuteressig.“ schreibt sie in ihrem Post vom 10.Mai, und irgendwie haben mich diese Worte sofort angesprochen, denn „unkompliziert“ und „wirkungsvoll“ sind gerade sowas wie Zauberwörter für mich, der Käse mit dem man mich fangen kann. Ich schaffe keine langen, ausgeklügelten Projekte, fancy und kunstvoll sind Begriffe für ein andermal, für Zeiten, wenn ich die Musse habe, mich in einer Arbeit zu verweilen. Mit Baby muss es schnellschnell gehen. Und ein Stück weit geling-sicher sein, sonst verliere ich die Motivation.
Ich freue mich auf den Moment, in dem ich diese Flasche wieder öffnen und ein erstes Versüecherli nehmen kann. Und wenn es uns nicht schmeckt in der Salatsauce… dann wird dieser Essig mein Kosmetikum. Apfelessig plus sozusagen. Gemischt mit Zaubernuss und Wasser ein prima Tonikum für bedürftige Haut.

Und wo wir gerade von Essig sprechen: Hier ensteht Putzessig. Mit Zitrusschalen, übrig geblieben von der Holundersirup-Session. Ich bin keine sonderlich gute Putze, aber ich mag es, wenn es blitzt und blinkt und freue mich unbändig über jede saubere, ordentliche Ecke im Haus (leider ist diese Freude immer nur von kurzer Dauer). In der Waschküche habe ich eine Art Putzkessel, in dem ich alles Putzzeug handlich und griffbereit einsatzbereit halte. Mein Hausfrauen-Traum wäre ja, nur noch mit hausgemachten Basics zu arbeiten, mit selbst gemischtem Spülmittel, eigens geraffelter Waschseife, mit Soda und ätherischen Ölen, Natron – und mit Essig. Leider sind Herr Kirschkernzeit und ich uns in diesem Thema nicht wirklich einig, und so kommt es, dass immer wieder Fensterreiniger, Vollwaschmittel und Geschirrspültabs ins Haus flattern. Die ich natürlich dann doch irgendwie benutze und verbrauche, weil sie so einfach und effizient sind in der Handhabung. Wider besseren Wissens. Eigentlich fast schon gegen meinen Willen, es kommt hald so über mich.
Was ich aber immer verwende ist Essig. Das Zeug ist schlicht unschlagbar im Kampf gegen Kalk in Bad und Waschbecken, ich bin ein regelrechter Fan davon. Bisher hab‘ ich ihn immer pur verwendet. Auch als Wasserenthärter und Weichspüler-Ersatz in der Waschmaschine. Jetzt bin ich gespannt wie ein Gummiband, inwiefern die Zitronenschale hier einen Effekt haben wird. Und ob es nachher tatsächlich besser riecht beim Schrubben… Rezepte für Putzessig gibt es haufenweise im Netz. Und alle gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Im Grunde sagt das Foto bereits alles: Zitrusschalen (wegen Schimmelgefahr am besten ohne die weissen Häutchen, aber ich hatte keine Lust hier herumzudoktern) in ein Einmachglas packen, mit Essig völlig bedecken, kühl gestellt ziehen lassen, bis sich die Farbe ändert, abseihen, fertig. So jedenfalls lese ich in allen möglichen „grünen“ Ecken im Netz. Wie gesagt; ich bin gespannt.
PS. Die süsse Katze hat meine Grosse (10) gezeichnet. Ich finde sie ganz entzückend und nehme mir zum hunderttausendsten Mal vor, endlich neue Bilderrahmen zu kaufen…

Und das hier wäre dann meine neueste Entdeckung im kulinarischen Bereich: selbst gemachte Hafermilch. Unter einem praktisch identischen Handyfoto habe ich bei Instagram Folgendes dazu geschrieben: Mein erstes Gläschen hausgemachte Hafermilch. Es ging so schnell und einfach, dass ich mich nur wundern kann, warum ich bisher für Haferdrinks und Co. gutes Geld verschwendet und die Umwelt mit Tetrapacks belastet habe. Haferflocken, Hahnenwasser, eine Prise Salz, that’s it. Mir braucht es nicht. Außer vielleicht 5 Minuten Zeit. Maximal. Rezepte gibt es viele. Ich habe das von @ourecofriendlylife verwendet, das Instagram mir heute vorgeschlagen hat, und spontan einen ersten Versuch gestartet. Es schmeckt super! Vor allem fehlt ihr die Süsse, die in vielen herkömmlichen Getreidedrinks leider bereits drin steckt, und die ich sowieso nicht haben möchte. Ich mag meine Hafermilch pur und neutral im Geschmack, ob im Kaffee oder eiskalt im Glas zwischendurch.
Für mich ist klar: Das mach ich jetzt öfter!
Nachtrag: Weil das ausserhalb der Schweiz offenbar etwas kauzig klingt mit dem „Hahnenwasser“- so nennen wir hier das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt.😁“
Das ist sowas von cool, finde ich, das mit dem Hafermilchmachen. Mehr gibt’s eigentlich gar nicht zu sagen, ausser: Probiert’s aus!

Zum Schluss noch ein weiteres Highlight der letzten Woche: „Buche de Noèl“ von Betty Bossi, eine klassische Roulade mit Kaffee-Buttercreme, die ich einfach unwiderstehlich finde! Ich und Buttercreme. Dafür würde ich jederzeit alles stehen und liegen lassen und nur zu gern in Kauf nehmen, dass meine alten Jeans noch weitere 8 Monate nicht passen…
Herr Kirschkernzeit hat sie extra für mich gebacken. „Ich hab so Lust auf Kuchen“, meinte ich nach dem Abendbrot. Ich sagte das mehr so vor mich hin, wie ich das oft tue, so halb im Selbstgespräch. Offenbar muss ich noch immer recht verhungert gewirkt haben, denn mein Liebster antwortete: „Okay, ich back dir einen. Such dir ein Rezept aus.“
Nun, das Rezept hat im Netz nur einen Stern. Wie es scheint, kann so eine Buttercreme recht tricky sein, aber mein Vertrauen in die Fertigkeiten meines Mannes ist grenzenlos, ich weiss, wie souverän er mit Pfannen und Kochlöffel hantiert, also bekam er diese herausfordernde Aufgabe von mir gestellt, denn wie gesagt… Buttercreme…!
Ich fand ihn suuuuper, diesen „Buche de Noèl“. Gott sei Dank war ich die Einzige im Haus mit dieser Meinung. Die anderen scheinen nicht so angetan zu sein von dieser Art von Kuchen, sie ziehen zum Beispiel Pavlova mit Meringues vor, was mich nun wieder gar nicht begeistert. Aber mir soll’s recht sein: Ich glaube, ich hab‘ praktisch die ganze Roulade selber gegessen. Innerhalb von zwei Tagen. Die Jeans von vor der Schwangerschaft bleiben wohl noch eine Weile länger ganz unten im Stapel.

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Woche 3: Akzeptieren, was ist

Diese Woche war vorbei, kaum hatte der Montag begonnen.
So jedenfalls fühlte es sich an.
Sonntags bleibt dank dem Gottesdienst, den wir via Zoom ganz gemütlich noch halb im Pijama vom Sofa aus miterleben dürfen, immerhin ein Hauch von Wochenstruktur erhalten. Sonntag ist anders. Speziell. Da gibt es, im Gegensatz zu allen anderen Tagen der Woche, nach wie vor einen Termin, ein „Date“ sozusagen: Wir „treffen“ uns mit Menschen ausserhalb unseres Clans, und sei es auch nur virtuell. Ein Blick auf die kleinen Bildschirm-Fensterchen, in denen bekannte Gesichter vor fremden Hintergründen erscheinen, singen vor dem aufgeklappten Laptop, Herrenmahl aus altem Sonntagszopf und einem Schluck Kochwein (gruusig!), die Predigt hören, während ich das Baby ausser Sichtweite stille und die Kinder zeichnen- und nach der „Versammlung“ das eine oder andere „Hallo, wie geht’s euch?“ per Mikrophon quer durch die Schweiz schicken. So sieht der Gottesdient aus für uns. Zu Coronazeiten.
Ich liebe ihn so. Genau so. Verbindlich, aber entspannt. Losgelöst von der Hektik und dem immensen Druck, den ich normalerweise mit unserem sonntäglichen Freikirch-Besuch in Verbindung bringe.
Die anderen Tage sind uniform. Einer gleicht dem anderen. Fast bist aufs Haar. Und nun, da offiziell Ferien sind, fällt auch unsere Unterrichts-Einheit am Vormittag weg, was mir einerseits sehr gelegen kommt, weil ein Zeit-Korsett sich nur schwer schliessen lässt mit quengeligem Zappelbaby auf dem Arm, was mich andererseits aber auch verunsichert. All die Muttis, die ich beim Spazierengehen so antreffe -ganz zufällig, ich schwör’s- berichteten jeweils von ausgiebigen Extra-Schullektionen, die sie ihren Sprösslingen nun angedeihen lassen. Denn „das was die Schule so verlangt, das ist doch viel zu wenig!“.
Ist es das? Tatsächlich? Ich weiss nicht recht… Mir scheint es genug zu sein. Und so hurtig und lerngierig wie all die anderen Kinder -laut ihren Mamas- ihre Schularbeiten erledigen,  sind meine auch nicht. Hier wird schon gearbeitet. Häkchen reiht sich an Häkchen. Aber langsam. In gemächlichem Tempo und ohne grossen Druck von meiner Seite her. Zusatzaufgaben? Damit Hänschen endlich besser wird im Einmaleins? Das Französisch noch einen weiteren Schliff erhält? Die Schönschrift geübt wird?
Hab ich aufgegeben.
Nicht, weil ich es nicht gut finde, wenn alles sitzt. Doch ich möchte den Haussegen nicht opfern. Nicht als Preis für meinen mütterlichen Ehrgeiz.
Gut ist gut genug für mich. Pflichtbewusst darf gerne sein, das schätze ich sehr, aber ich möchte nicht mit der Peitsche daneben stehen und meine Lieben antreiben müssen, sich im Kampf um das beste, klügste, am tollsten geförderte Schulkind möglichst auf Spitzenplätzen zu beweisen.
So lassen wir es entspannt angehen. Und belassen es dabei.
Herausgekommen sind diese Woche trotzdem ein paar sehr schöne Dinge. Zum Beispiel hat meine Grosse (10 Jahre) angefangen, ein wenig zu stricken in ihrer vielen Freizeit. Einen winzigen, gelben Schal für ihren Plüschpinguin. Sie macht das nicht schlecht. Ganz so einfach ist es ja nicht, wenn man zum ersten Mal Nadeln und Faden in den Händen hat und Maschen dabei herauskommen sollen. Vor allem aber sieht es so aus, als würde sie es ganz gerne machen. Und das ist mir das Wichtigste. Handarbeiten hat seinen Stachel verloren, finde ich. Niemand muss mehr stricken oder häkeln oder nähen. Aber jeder darf. Solange es Freude macht.
Ziemlich glücklich bin ich auch mit der Entwicklung, die momentan gerade in meiner Küche vor sich geht: Hier wird nämlich gekocht. Und das nicht immer von mir. Nachdem ich mehr als einmal vollkommen erschöpft und entnervt vom Hantieren zwischen Herd und Babykind zum Essen auf meinen Stuhl gesunken bin und kaum essen konnte mit meinem Zappelkind auf dem Schoss, kam mir die Idee, das Kochen vermehrt auf andere, weitaus weniger eingespannte Familienmitglieder zu verteilen. Delegieren, nennt man das, richtig? Eine feine Sache, dieses Delegieren, wirklich.
Jetzt ist Kind2 zweimal die Woche für unser Mittagessen verantwortlich. Kind1, der ja wochentags am PC für seine Informatik-Bude im Home-Office arbeiten muss, kocht plangemäss einmal am Wochenende, mein grosses Mädchen einmal unter der Woche. Und wenn ich Glück hab‘, zaubert der Herr Kirschkernzeit auch noch das eine oder andere für uns auf den Tisch.
Herrlich!
Ich helfe, wo ich gebraucht werde, plane mit, zeige meine Hausfrauentricks und -Kniffe und überschütte meine jungen Chefs de Cuisine überschwänglich mit Lob. Ach ja; und ich schneide bereitwillig Zwiebeln. Den zarten Äuglein der frischen Jugend scheinen Zwiebeln schlecht zu bekommen, hihi.
Das Wochen-Mittags-Menu dieser Woche war übrigens Folgendes: Ebly-Pfanne mit gebratenem Gemüse, Pilzen und Mozarella. Hackfleischbällchen mit Kartoffelstock, Bratensauce, Möhren und grünem Wirz. Pizza diversico. Hawai-Krapfen mit gemischtem Salat. Pommes mit Chicken Nuggets und Röstgemüse. Chili con Carne mit Fladenbrot. Fehlt noch die Sonntags-Küche. Was es geben wird? Keine Ahnung. Das überlasse ich meinem Liebsten.
Ansonsten… geschieht hier nichts. Und doch so viel. Mein Baby lernt robben. Er kullert und robbt quer durchs Zimmer, wo nichts mehr sicher ist vor ihm.
Mein Kindergartenkind übt derweil ein bisschen schreiben und lesen. Aber nur rudimentärst. Sie möchte auch dazu gehören, das spüre ich momentan ganz stark. Ihren Platz ein bisschen neu definieren und verankern in der Familie. Vom Kleinkind zum grossen Mädchen, schätze ich, denn gerade nimmt sie den Spagat von 4 zu 5, und ich finde diesen Altersschritt doch recht gewichtig, vor allem mit der ganzen Kindergartengeschichte im Hintergrund. Jetzt, wo der Stubentisch so oft zum Klassenzimmer wird, bedeutet dazugehören für sie wohl auch; mitlernen, mitschreiben, mitrechnen, mitzeichnen.
Aber ich pushe sie nicht. Ich lasse ihr ihr Tempo und versuche, dem Ganzen eine lockere, spielerische Note zu verleihen. Und wenn sie keine Lust auf Buchstaben hat, kommt das Zeichenheft an die Reihe. Keines ist besser als das andere.
Am 11. April wird sie 5, meine Kleine. Immer wieder fragt sie nach ihrem Geburtstag und lässt ihre grosse Schwester ihre heissesten Geburtstags-Wünsche in ein frisch gebundenes Notizbuch notieren. Sie freut sich. Freut sich wie wild. Ob ihr wirklich klar ist, dass dieses Jahr keine Oma oder Tanten, auch keine kleinen Gäste an ihrem Festtags-Tisch sitzen werden, ist mir noch nicht ganz klar, aber ich bin entschlossen, ihr diesen grossen Tag trotz allem so schön und freudvoll zu gestalten, wie ich nur kann.
Im Vorfeld bedeutet das für mich vor allem; stricken. Ihre allerliebste Waldorfpuppe Lilly soll ein paar neue, mama-gemachte Wollsachen zum Anziehen bekommen. Bonnet, Zwergenmütze, Jäckchen und Rock. Vielleicht noch eine Hose oder Unterwäsche?
Leider ist das Bonnet, das ich aus einer wunderschönen, pflaumefarbenen Reste-Wolle gestrickt habe, viel zu winzig ausgefallen. Lilly wird Mühe haben, ihr Köpfchen überhaupt damit zu bedecken, doch vielleicht passt es ja Lieblingspuppe Nr.2, der kleinen, süssen Lotta? Hm…
Das zweite Mützchen, eine ebenfalls sehr kleine, sehr rote Zwergenhaube, kommt von der Grösse her schon besser hin. Aber auch nicht wirklich perfekt. Unten am Hals schlottert es ein wenig, was ich doch gern anders hätte, aber nundenn: nennen wir es eben ein Zwergen-Bonnet. Der richtige Name rettet so manches Malheur, oder? Und Bonnets dürfen schlottern soviel sie wollen.
Beim Puppenjäckchen stecke ich noch in der Tüftel-Phase. Ich möchte es vorne knöpfen können, ansonsten aber ganz schlicht halten. In DK-Stärke oder so. Dank ein paar Babyjäckchen-Strickanleitungen kommt es mir allerdings gar nicht mal so schwierig vor, mir meine eigene Anleitung zusammenzureimen, und ich tarne meine leisen Zweifel mit Zwangsoptimismus, denn schliesslich drängt die Zeit, für zögerliches Hin-und Her ist der Moment schlicht ungünstig.
Ob es noch zu Röckchen, Wäsche oder Hose kommt, bleibt vorerst ein noch zu lüftendes Geheimnis. Sagen wir, ich hoffe es. Doch wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Nehmen wir die Dinge, wie sie kommen. Ich denke, das ist der Leitspruch der Stunde.

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Verrückt

Verrückt! Ich meine… was gerade geschieht. Mit uns. Um uns herum. Was abläuft und wie und vor allem- wie schnell. Seit gestern nachmittag die Bombe geplatzt ist, mitten in meinen Alltag, in mein relatives Unvorbereitetsein, und mich, ja, ich gebe es zu, in meiner ganzen Naivität erwischte, fühle ich mich merkwürdig schief und zittrig. Es ist so eine Art Mini-Schock. Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass meine kleine Welt derart überrumpelt werden könnte von einem Virus, der offensichtlich die Macht hat, ganze Weltlandschaften ins Chaos stürzen. Beim Wort Corona-Virus kamen bisher mehr so Assoziationen wie „weit weg“, „aufgebauscht“, Medienrummel“ und „Massenhysterie“ in mir hoch. Ich war ziemlich sicher, das Ganze wäre nach kurzem, wenn auch heftigem Intermezzo überstanden oder -noch besser- dieser Kelch würde an uns vorübergehen.
Ich war blauäugig und dumm.
Obwohl ich ansonsten eher zu den sorgenvollen Menschen gehöre, die leicht in Panik geraten,  bin ich überrumpelt von der Plötzlichkeit der Dramatik. Das hat sicher auch mit der politischen Taktik der Schweizer Regierung zu tun; die Pressekonferenzen des BAG, die ich mitbekommen habe, waren immer recht… cool. Ich hatte den Eindruck, die Regierung wollte vor allem eins: Ruhe bewahren. Das Thema entschärfen, vielleicht sogar ein bisschen herunter spielen (als das Virus in Italien ankam, fand man das zB. -scheinbar- wenig alarmierend für die Schweiz), die Leute beruhigen. Aber im Hintergrund wurde an Notfallplänen, an Wenn’s und Aber’s gearbeitet, auf Hochtouren gedacht, geplant, vorbereitet.
Eigentlich finde ich das richtig so. Keep calm and carry on.
Aber manches verstehe ich auch nicht. Ich wäre schon froh gewesen um ein bisschen mehr konkrete Vorwarnung zum Beispiel bezüglich des nun definitiven Schulausfalls. Das kam wie eine Bombe
. Auf leisen Sohlen aber mit Rieseneffekt. Knall, Peng. Heute wäre ich der Schweizer Regierung vor allem dankbar um konkretere Angaben, wie genau sie sich das Sozialleben vorstellt in den nächsten Wochen. Sollen die Kinder sich überhaupt noch ab und zu zum Spielen treffen? Darf ich meine Mama noch zum Tee einladen? Was ist noch möglich? Was ein No-Go?
Fragen über Fragen.
Die Antworten sickern langsam und müssen zuerst lange und gründlich durchdacht, hin- und hergewälzt werden. Alles verändert sich. Entwickelt sich. In alle möglichen Richtungen. Abwarten. Geduld haben. Vorbereitet sein.


Auf der anderen Seite fühle ich mich sicher. Und bin wahnsinnig dankbar für dieses Gefühl. Ich habe gesunde Kinder, einen Mann und einen Sohn, die beide von zuhause aus arbeiten können, jetzt in dieser angespannten Situation. Ich habe ein Daheim. Das keiner verlassen muss, wenn er nicht möchte. Ich habe Türen zum Schliessen, Essen, um meine Liebsten satt zu machen, Decken und Kleidung, damit keiner frieren muss, Platz und Liebe zum Verschwenden.
Und wir sind gesund. Das muss ich mir wieder und wieder sagen. Wir sind gesund. Bis auf das Baby, das noch mehr hustet und schnieft und noch immer schlecht schläft, doch Dienstag sehe ich sowieso den Kinderarzt für die Halbjahreskontrolle, und wie gesagt; wir sind gesund. Das können nicht alle von sich sagen, also sollte ich wertschätzend mit diesen Worten umgehen.
Ich sass vor dem Haus, als ich die Neuigkeiten hörte. Meine Tochter kam von der Schule nach Hause und rief schon von weitem: „Vielleicht fällt ab Montag die Schule ganz aus! Sie beraten jetzt darüber im Bundesrat oder wie das heisst. Meine Lehrerin hat das gesagt, sowas hat sie noch nie erlebt…“ Es sprudelte und sprudelte und ich hörte zu mit offenem Mund. Mein allererster Impuls war (ihr dürft ruhig lachen): Ich muss unbedingt einkaufen gehen. *lach* Ausgerechnet! Am Tag zuvor hatte ich im Familien-Chat noch mit Scherzchen über hamsternde Kunden um mich geworfen, und jetzt…? Das mit dem Glashaus und den Steinen sollte ich mir definitiv zu Herzen nehmen.

Gerade räumen wir ein bisschen zuhause auf. Wir richten uns ein, könnte man sagen, ziehen die Decke enger um uns und machen es uns behaglich. Ich kann einen gewissen Kuschelfaktor nicht leugnen im Moment.


Wie meistens, wenn es drunter und drüber geht in meinem Leben, greife ich mir Wolle als Strohhalm. Gerade jetzt dieses wunderbare Altrosa, ein natürlich gefärbtes, achtsam hergestelltes DK-Garn von Woollentwine. Ich musste es einfach anstricken, kaum hielt ich es in den Händen. Und es ist soft, sage ich euch! Soft und leicht wie eine Feder! Ich wünsche mir einen Pullover daraus, einen Federleichtpullover, der wärmt ohne zu erdrücken. Einen sanften Woll-Knuddel sozusagen. Aber weniger in Rosa. Mehr in… Tannengrün vielleicht? Oder in Schokolade? Beides käme mir sehr, sehr gelegen, denn Tannen und Schokolade trösten auch und vermitteln mir ein Gefühl von Geborgenheit und „alles wird gut“.
Weil ich aber noch nicht ganz soweit bin -und Woollentwines Färbertöpfe auch noch nicht, sie ist erst dabei, wieder aufzustocken- habe ich mich anderweitig ein bisschen getröstet. Und selber gefärbt. Wolle gefärbt. Das habe ich noch nie gemacht, jedenfalls nicht im grossen Topf und mit siedendem Wasser und all dem. Doch es hat prima geklappt, richtig hexenhaft kam ich mir vor zwischendurch, wie ich so mit meinem Holzstecken in der dunklen Brühe gerührt und den braunen Blubberblasen beim Aufsteigen zugesehen habe… Drei Babysachen kamen ins eine Bad, ins andere eines meiner älteren Strickprojekte, die helllila „Shalom-„Cardigan, die ich vor 8 Jahren für meinen Kugelbauch gestrickt, nach der Geburt meines Pausbackenkindes aber immer seltener getragen habe. Warum? Ich weiss nicht genau… wegen der Farbe vielleicht? Ich fühle mich nicht pastell. Ich fühle mich erdig und gedeckt und ein bisschen verwunschen. Und mein Körper hat sich verändert. Mein Becken ist breiter, meine ganze Gestalt -bis auf die Hände- irgendwie stämmiger, habe ich den Eindruck.

Heute trage ich meine ehemals zartlila Weste also warm braun und mehrheitlich locker geöffnet über luftigen Kleidern. Ich mag es so, mag sie so, meine gute alte Shalom in ihrem zweiten Leben.
Shalom. Frieden. Auch ein gutes Stichwort. Gerade jetzt.

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