Archiv der Kategorie: Kinder

in Bewegung

Wieder so lange Stille hier. Es scheint zur Gewohnheit zu werden…
Die grösste Herausforderung beim Bloggen ist und bleibt das Freischaufeln an Zeit-Nischen, damit ich schreiben, denken, Fotos archivieren, auswählen und einsetzen kann. Das Leben ist so voll, so schnell und bewegt, so alles andere als still in dieser Phase meines Lebens. Ruhige Momente? Raritäten. Kostbar und wunderschön- und so rasch verschenkt an andere Leidenschaften von mir, ans Stricken zum Beispiel, an Hercule Poirot, an meine Blumen und Kräuter draussen im Garten… Und zum Bloggen brauche ich Zeit. Viel Zeit. Viel Stille. Viel gedankliche Wachheit und Energie.
Und den Laptop. Den brauche ich auch. Was immer so eine Sache ist, denn sobald ich den aufklappe, scheinen meine Kinder verrückt zu spielen. Keine Ahnung wieso.
Auf der anderen Seite ist genau das eine Seite des Bloggens, die mir noch immer gut gefällt: Bloggen ist so… fokussiert. Man setzt sich hin, denkt nach, plant ein wenig- und schreibt. Ganz bewusst und konzentriert und mit einem gewissen Mass an Achtsamkeit für die eigenen Gedanken und die Vorgänge im Lebensalltag. Die Zeit, in der ich an einem Blogpost arbeite, ist abgeschirmt vom Rest. Inselzeit irgendwie. Nichts, das ich so schnell, schnell hier reinpflanzen könnte. Und wiederum auch nichts, dass dann einfach so aus dem Nichts in meinen Tag hineinplatzen könnte, so auf einen schnellen Knopfdruck auf dem Handy hin zum Beispiel, was das Bloggen für mich zu etwas Exklusivem und Bewusstem macht, im Gegenteil zu Instagram, wo ich viel zu rasch „nur kurz“ einmal rüberswitche, zwischen Kochtopf und Pflantschbädli- und dann doch wieder zu lange hängen bleibe…
Beides hat seine Qualitäten. Ganz klar. Aber in den paar Wochen, in der ich Instagram-Luft schnuppern durfte, ist mir klar geworden, dass mein Herz hier schlägt, also virtuell, meine ich, hier bei Kirschkernzeit. Dass ich Instagram zwar mag, aber mit Bedacht nutzen werde, langsam, tröpfchenweise, reduziert, ohne dass es zu oft rüber in mein reales Leben schwappt. Reduziert, genau wie das Bloggen, für das mir oftmals schlichtweg die richtigen Momente fehlen. Aber wenn ich hier schreibend kreativ sein darf- dann tue ich es wahnsinnig gerne, mit Herzblut, Freude und Dankbarkeit…
Gerade ist der Augenblick günstig, schätze ich; der Löwenteil meiner Familie geniesst seinen letzten Tag Lagerleben irgendwo im Berner Oberland, Kind1 faullenzt mit meinem jüngsten Bruder in dessen sturmfreier Bude (hiphip hurra!) und die beiden Kleinen puzzlen Bügelperlen-Bilder. Ich wittere eine Gelegenheit und hoffe, mein offener Laptop bringt sie nicht allzu schnell aus dem Konzept…
Wir hatten eine wunderbare Zeit, wir drei. Eine gute Woche. Das Kindertempo dieser Altersstufe gefällt mir. Ich bewundere ihre Selbstvergessenheit, während sie sich in ihren Traumwelten und Zauberfantasien verlieren. Elfen sind. Oder zwei Eulen, die ein Ei ausbrüten. Wie sie sich in ihr kleines Gartenbädli stürzen und zufrieden sind damit, das Wasser zum Rauschen und Schwappen zu bringen.
Richtig ruhig war es hier aber nie; wie hatten so viel Besuch wie noch nie! Den Montag-Nachmittag verbrachten wir mit einem meiner Brüder und seiner Frau quatschend und Kräuter-Tee-trinkend im Garten. Dienstags fuhren meine Mädels und ich raus zu „Frau Krähe“, erlebten ein wirklich wunderbares allererstes Treffen ausserhalb der Blogosphäre und staunten wohl alle ein wenig über unseren Mut und die Sympathie, die augenblicklich einfach da war, fast ein wenig, als hätten wir uns schon vorher gekannt, in echt meine ich, und ganz real (du bist eine ganz tolle Frau, Frau Krähe, echt jetzt!)…
Mittwochs sassen wir drei bei prächtigstem Sommerwetter mit meiner hochschwangeren Schwester J. in einem Strassencafé in der Stadt und schleckten italienisches Sahne-Eis aus kleinen Pappkartons, den kleinen Hund meiner Mutter träge dösend unter unserem Tischchen lümmelte. Urlaubs-Feeling. Zuckersüss.
Die Nacht war kurz gewesen, weil mein jüngster Bruder mir noch ein spätes Besüchlein abgestattet und wir uns bis Mitternacht verquatscht hatten, und so langsam, langsam machte sich ein Marathon-Gefühl bei mir bemerkbar *zwinker*, ausgelöst durch eine ungewohnt hohe Dosis Sozialleben. Schwester A. und Schwager waren mir aber trotzdem herzlich willkommen an diesem Abend. Sie brachten Tortillachips, Schafskäse und ein quietschfideles Kind1 mit, das fröhlich seine Tüte neuer Jungs-Kleider schwenkte; mein Junge hatte sich ein paar Tage bei ihnen einquartiert und mit ihnen -auf meine Anordnung hin- gleich die Ausverkaufs-Auslagen der Kleidershops geplündert (Gottlob! Seine T-Shirts hingen bereits in Fetzen und die wenigen Jeans mochte ich schon gar nicht mehr flicken…).
Es waren gute Tage, wirklich. So viel Betrieb und Bewegung, ein mächtiges Gefühl von… Lebendigsein und Dazugehören. Ein wohltuender Kontrast zu unserem normalerweise eher abgeschotteten, verlangsamten Lebensstil.
Trotzdem schrieb ich Schwester J., die mir Donnerstag-Morgens anbot, mich und die Mädels noch mit zu meiner Mutter zu nehmen, auf Whatsupp zur Antwort: „Vielen Dank, aber ich glaube, heute lieber nicht. Ich bin einfach zu müde nach so viel Sozialisiertheit…“
Und das bin ich auch. Total k.o. Aber zufrieden.
Trotzdem blicke ich dankbar auf meine Kalender-Einträge der nächsten Woche: Leer ist es da. Einfach gar nichts. Nur ich und meine wieder versammelte Crew. Daheim.
Auch das hat seine Qualitäten, oder…?

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sommerlich gemächlich

Sommer.
Ferien.
Zeit und Gemächlichkeit und eine Ahnung von Freiheit, ein Gefühl wie baumelnde Füsse, die in kaltes Seewasser tauchen.
Ich fühle mich wohl und so entspannt, dass ich Kaffee trinken kann, ohne auch nur einen Hauch von Gegrummel in der Magengegend (wobei ich ja auch sehr sensibel geworden bin, was das für mich gesunde Mass betrifft und frische Kräutertees meinen Kafee-Genuss mittlerweile bei weitem übertrumpfen). Ohne starres Zeit-Raster im Nacken, verlässt mich das nagende Gefühl, unbedingt noch rasch etwas Süsses futtern zu müssen, und ich esse bewusster, frischer, noch weniger Zucker als sonst -verglichen mit den Unmengen, die ich noch vor einem Jahr tagtäglich an Schokolade und Co. verdrückt habe- dafür mehr Gemüse oder einfach nochmals ein Extra-Tässchen eiskalten Minzen-Tee zum Nachtisch. Es ist nicht so, dass mir das besonders wichtig wäre. Ich denke nicht gerne über das Essen nach- ich esse einfach. Aus dem Bauch heraus. Für meinen Bauch. Aber ich finde es schon spannend, wie stark Hunger, Appetit und spezifische Gelüste mit unserer Psyche zusammenspielen, wie stark das eine das andere beeinflusst und wie schnell und problemlos der Körper in ein doch relativ gesundes Essverhalten zurückfindet, sobald es dem Menschen, dem ganzen Menschen, wirklich gut geht.
Und ja, es geht mir gut. Ich fühle mich wieder kräftig. Habe zu Mut und Elan zurück gefunden und traue mir auch wieder zu, raus zu gehen, raus in die Welt, Leute zu treffen, mich mit meinen Kindern in einen Zug zu setzen und ein klein wenig zu reisen, kurz vielleicht nur, Ministreckchen, rein regional, aber immerhin; für mich ist das ein grosser Erfolg, denn so viel Nervenkraft und Atem hatte ich schon lange nicht mehr: Genug Puste, um mit dem Fahrrad und zwei kleinen Mädchen im Schlepptau und den drei Grossen im Blickfeld über den Hügel zu meiner Mama zum Baden zu fahren. Die Courage, eine wunderbare Bloggerin, die ich noch nie gesehen habe bisher, demnächst auch einmal in Real zu treffen (das braucht immer enorm viel Überwindung für mich). Die Gelassenheit, mein Haus zu öffnen und auch mal Besuch zu haben, obwohl das Haus niemals, niemals, niemals gästefein aussehen wird, was mich jedes Mal beschämt, weil ich den Schmutz und das Chaos zwar sehe, aber beim besten Willen nicht bezwingen kann.
Und tatsächlich gab es sogar sowas wie zwei echte kleine Geburtstags-Feiern in den letzten Tagen. Nicht nur so im Mini-Familienkreis-Format, sondern schon ein wenig ausgedehnt auf die einen oder anderen Tanten und zwei Grossmütter, was zwar noch immer keine richtige Party hinhaut, sich aber bereits wunderbar gesellig und reichhaltig anfühlt und die Geburtstags-Kinder jedes Mal strahlen liess vor Freude. Hach ja, es waren schöne Tage. Es sind schöne Tage. Süsse Tage. Pavlova-Tage.
Die beiden Torten-Fotos oben zeigen übrigens zwei verschiedene Geburtstags-Kuchen, einmal von meinem Kindergartenmädchen, das andere Mal feierlich beleuchtet vom 16. Geburtstag meines Erstgeborenen. Beide hatten sich Meringue-Torten gewünscht. Mit Sahne-Jogurt-Füllung und Sommerbeeren. Beiden konnte ich diesen Wunsch erfüllen. Pavlovas sind so tolle Backwerke, absolut simpel, aber mit echter Wow-Wirkung und ein kulinarischer Hochgenuss, sofern man Meringues mag. (Ich selber gehöre nicht dazu, muss ich gestehen. Für mich dürfte es gerne jedes Mal einer dieser herrlich matschigen Schokotruffe-Torten sein, yammie…)
Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mehr im Leben zu stehen. Geburtstage auch wirklich feiern und geniessen zu können und sehen zu dürfen, wie glücklich unsere Liebsten sind, zufrieden mit Kleinigkeiten wie einem gelungenen Kuchen, einer Handvoll Kerzen und zufriedenen, herzlichen Menschen an ihrem Tisch, die es gut mit ihnen meinen… So schlichte Dinge. Aber grosse Momente.
Wie der Falter, der heute bei uns im Schmetterlings-Hotel ausgeschlüpft ist. Unser dritter Schwalbenschwanz dieses Jahr, und doch wird man es nie satt, dieses Wunder, trotzdem werden die Augen der Kinder gross und der Blick konzentriert, die Haltung gespannt, die Sinne geschärft für jeden Flügelschlag, den das zarten Tier tut, bis es endlich seine Weg nach oben in die Lüfte findet…
Ja, kleine Dinge.
Ich lerne immer wieder von neuem, mich im Kleinen zu verlieren. Und dankbar zu sein dabei. Wahrscheinlich hat man nie ausgelernt, was diese Kunst betrifft und nur allzu rasch falle ich wieder in mein altes Muster des Hetzens und Klagens und Zweifelns zurück. Weil sich das vertrauter anfühlt als Inne zu halten und den Fokus schmaler zu schnüren. Mit Augen nur für das Zucker-Stück im Augenblick. Wie meine 3Jährige mir mit Begeisterung sämtliche Stoffservietten, Stricklappen und Taschentücher zusammenlegt zum Beispiel. Schön Ecke auf Ecke, drehen, Ecke auf Ecke. Bei den letzten zwei Servietten verliessen sie dann allerdings ihre Kräfte und sie wurstelte alles irgendwie zusammen, was ungeheuer süss aussieht, finde ich, vor allem, wenn ich mir ihren langen Seufzer in Erinnerung rufe, gefolgt von ihrer unter theatralischem Schweiss-Abwischen vorgetragenen Erklärung „Ich bin langsam müed worde vom Zämmeleggä“…
Egal wie wahnsinnig sie mich manchmal machen, meine Fünf, sie sind doch Salz und Zucker meines Lebens, unersetzlich, unglaublich, unaussprechlich schön und wertvoll. Boden, Basis, ein und alles. Familie.
Gerade denke ich, die Gelassenheit und Gemächlichkeit dieser Tage lässt mir endlich auch wieder den Raum und die Luft, diese ganz einfachen Geschenk des alltäglichen Lebens -Essen, Gemeinschaft, Natur, Familie- wirklich wahr zu nehmen und zu zelebrieren… Wunderbar, dass es Sommer ist.

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Wochen-Ende: Melissentee

Sommer! Wie gern ich dich hab‘, war mir bisher gar nicht bewusst. (Wahrscheinlich hatte ich immer nur Augen für meinen geliebten Herbst, mit dem mich eine Art Seelenverwandtschaft verbindet.) Aber jetzt, im Juni, bist du einfach wunderschön. So sanft. Mild. Und warm. Gar nicht brütend oder brennend, nein, kuschelig wie ein Kätzchen.
Ich mag auch Kätzchen.
Du hast so viel zu geben. Und du gibst es auch, grosszüzig und ohne zu zögern; saftiges Grün, üppigen Schatten, den Duft sonnenwarmer Kräuter, das Knacken und Spritzen baumfrischer Kirschen zwischen den Zähnen meiner Kinder.
Auch meine Tiere mögen dich. Sie suchen sich die besten hell-schattigen Plätzchen im Gras, wo sie ihre Babies stillen und gleichzeitig das eine oder andere Grashälmchen mümmeln können. Wie dankbar sie sind für die Freiheit und Leichtigkeit, die du ihnen schenkst, zeigen dir ihre lustigen Hüpfer oder die irrsinnig wilden Renn-Jagden, die sie unter deinem blau-weiss gesprenkelten Himmel veranstalten.
Die rote Hängematte wippt langsam von einer Seite zur anderen. Die Laube schaukelt sachte mit- irgendwer liegt immer darin, liest ein Donald-Duck-Comic oder döst faul vor sich hin und träumt wahrscheinlich von Sommerferien, und wenn das ausgerechnet auf meinem Hängematten-Foto mit dem Kirschen-Schabernack am Aprikosenbäumchen nicht der Fall ist, dann darf man das getrost eine Ausnahme nennen. Mit Seltenheitswert. Kirschen habe ich heute übrigens überall gefunden, hihi. An der Aprikose. Im leergeräumten Gemüsebeet, wo eigentlich schon längst der Lauch rein sollte. („Schau mal, hier wächst ein kleines Bäumchen!“). Über Ohren gehängt. Versteckt in kugelrunden Backen. Verlassen auf dem Stubenboden. Sogar in einem unserer Kirschbäumchen konnte ich welche entdecken. Wo doch dort gar keine wachsen. Bis auf fünf oder zehn oder so. Meine Schwiegermama hat bei ihrem Nachbarn jede Menge Kirschen geerntet und uns auf der Durchreise zu ihrer Schwester gleich eine Kiste voll mitgebracht, was ein grosses Hallo auslöste. Denn Kirschen sind ein Highlight hier im Haus. Kirschen mag sogar ich. Sehr sogar. Und ich bin eher eine Art Gemüsetiger. Weniger das süsse Früchtchen.
Aber Kirschen? Unwiderstehlich!
Es war ein barmherziger Tag heute. Kein Wirbel. Kein Gerenne und Gehetze. Langsam gelebt, voller Begegnungen auf Augenhöhe. Ich koche mir jeden Tag meine zwei Liter Tee, Tee aus den Kräutchen, die mir gerade ganz intuitiv richtig erscheinen, gewählt von meinem Bauchgefühl und nur von ihm alleine. Heute waren es Zitronenmelisse und ein ganz klein wenig Salbei. Harmonisch und besänftigend. Wie ein Wiegenlied für die Seele. Zum Loslassen und Durchatmen.
Heute Abend trinke ich das letzte Glas davon, eisgekühlt und ungesüsst, und ich spüre, wie wohl mir das alles getan hat heute, die Ruhe, die Langsamkeit, das Baumeln-lassen-und-die Mitte-finden. Vielleicht kann ich ein wenig davon mitnehmen. In die neue Woche. Die morgen sofort wieder loshetzen wird und mich immer vergessen lässt, in den Bauch zu atmen. Aber da ist Zitronenmelisse in meinem Garten. Und Salbei. Kamille. Tymian, Oregano und Pfefferminze. Kinder, die in Büchern versinken. Ein Stall voller Meerschweinchen. Zuchetti in voller Blüte. Grüne Aprikosen neben ein paar falschen Kirschen.
Das macht doch irgendwie Mut.

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Vierbeinige Freunde

Oh, wie ich es vermisst habe, das Leben im Garten!
Nicht nur das Er-Leben von Wind und Sonne und Natur, sondern auch die Lebendigkeit, die spürbar wird, sobald andere kleine Lebewesen den Garten beziehen; Marienkäferchen (viele dieses Jahr!), die Amseln, Spatzen, Stare und Meisen (ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Haubenmeise hier gesehen!)…

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Und Meerschweinchen!!! 5 kleine Knabberer in ganz unterschiedlichem Alter und sogar von beiderlei Geschlecht, aber alle klein und schnusig und voller Lebensdurst. Nichts macht einen Garten lebendiger als Tiere, die ihn bevölkern und mitgestalten. Und nichts macht mich im Moment glücklicher als dieses kleine, grüne Fleckchen Erde, das ich von ganzem Herzen gerne mit diesen Wuscheldingerchen teile (und mit den Marienkäfern, Vögeln, Spitzmäusen und Insekten natürlich auch. Nur  auf die Spinnen könnte ich gerne verzichten *schauder*).
Mein Mann hat den alten Stall mit zusätzlichen Verschlüssen gesichert und alle verschliessbaren Gehege-Teile inklusive der beiden selbst gebauten Seitenkäfige, in denen er gerade frisches Gras anzieht, mit einem quasi unterirdisch angebrachten Maschendrahtzaun zusätzlich vor grabenden Jägern gesichert (Marder gibt es hier nämlich einige!). So sollten die Tierchen nachts eigentlich sicher sein vor Feinden.
Ich habe mir zudem fest vorgenommen, jeden Abend, sobald wir den Garten verlassen und uns für den Abend drinnen bereit machen, alle Meerschweinchen in den Stall zu scheuchen und ihn gleich hinter ihnen abzusperren, nur für den Fall, dass der Fuchs sich die Stelle gemerkt hat und eines schönen Sommerabends beschliesst, sich hier noch kurz bequem seinen Znacht zu holen…

Neu gibt es auch ein an der Laube fixiertes Dach, das den gesamten Stall und einen Teil der Wiese direkt vor dem Gehege sowohl vor direkter Sonne als auch vor Regen schützt. Auf diese Weise gibt es hier in diesem Bereich zwar mehr Staub und Erde als Gras, aber dafür bleibt es immer schön trocken und sauber, selbst wenn es tagelang Bindfäden regnet und der Rest der Weide zu Matsch werden sollte. Auch das Misten und Füttern ist so um einiges angenehmer, und die Kinder setzen sich gerne zu den Tieren in den Schatten, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Auf die frühere Sitzbank habe ich allerdings verzichtet; Ich fand es plötzlich ganz schön riskant, meine Kinder auf einer Bank herumklettern zu lassen, während unter ihnen eine Herde Meerschweinchen rumwuselt…

Im Moment wagen sich die kleinen Tierchen noch nicht allzu weit von ihrem Schlafstall weg (darum stehen die Häuschen auch alle so dicht beisammen in Stallnähe). Sie mögen es, wenn ich nachts eine Decke vor das obere Gitter hänge und sich dann alle zusammen wie in einer Höhle ins Heu kuscheln können, und ihr neues Revier erobern sie sich lieber in Mini-Schrittchen. So nach und nach trauen sie sich aber immer mehr zu und -was mich besonders freut- sobald sie unsere Stimmen hören, kommen sie bereits die kleine Stalltreppe herunter getrippelt und hopsen durch die  Gittertürchen raus ins Gras, um zu fressen. Scheinbar wirken Menschenstimmen vertrauenseinflössend auf Meerschweinchen, keine Ahnung wieso. Nur mein Zungenschnalzen beim Futterbringen, auf das die frühere Herde sofort mit lautem Quieken reagiert hat, können sie noch nicht richtig einordnen, aber das wird noch, denke ich, Meerschweinchen sind ja kluge Tiere, die ihre Menschen bald ziemlich gut kennen…
Damit auch ihr sie ein wenig besser kennenlernt, stelle ich unsere 5 neuen, pelzigen Freunde kurz einmal vor:

DSC02866Das ist Strubbeli, der Liebling meiner grossen Tochter, die ihn geradezu vergöttert und lange Zeit ein selbstgemachtes Papierherz mit einer Zeichnung von ihm und seinem Namen drauf wie ein Medaillon um den Hals trug. Er ist kastriert, was eine ziemlich langwierige Sache war, da die Kastration zuerst nur zur Hälfte gelang und der arme Kerl darum 2 Mal operiert und auch separiert werden musste. Nun ist er aber wieder völlig fit und seelig mit seinen Damen…

DSC02870Die kleine Molly ist so ein bisschen unser Baby; Ein absoluter Schnuckel, ganz zart und von Kopf bis Fuss zerzaust mit Pelzwirbelchen überall, man möchte sie einfach knuddeln (was ich natürlich nie tue)! Sie ist Strubbelis Schwesterherz und genau wie er im Februar geboren. Obwohl sie die Kleinste ist von allen, besitzt sie ein tapferes Herz und wagt bei den meisten Ausflügen der ersten Schritt in Richtung Neuland. Sie erinnert mich an Mimi, meinen kleinen, caramelfarbenen Ballet-Röckchen-Liebling aus der letzten Gruppe mit ihrem Zutrauen und ihrer putzigen Art…

DSC02886Die ungewöhnlich lange, auffallend schlank gebaute Elsa, die Mutter von Strubbeli und Molly, ist ein ganz wunderbares Tier; geduldig, sanftmütig und fürsorglich wie eine Elefantenkuh. Sie reagiert auf jedes Pfeifen aus der Herde und nimmt sich der Tiere an, die vielleicht gerade einen schweren Stand haben in der Gruppen-Hirarchie. Sie gehört zu den eher vorsichtigen Charakteren, mümmelt aber mit Hingabe und seelenruhig Möhrenschalen oder Apfelspalten, während eines der Kinder sie auf dem Schoss hält zum Streicheln.
„Elsa“ kommt übrigens nicht vom Film „Frozen“ (den wir hier nicht einmal kennen), wie all die kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft immer meinen, sondern aus einer völlig anderen Ecke: Der ausgeglichene, liebenswerte Charakter dieses Tieres hat mich einfach sofort an die warmherzigen Wichtelbilder von Elsa Beskow erinnert, daher der Name…

DSC02879Um Trixi zu fotografieren muss man ein wenig Geduld haben, denn sie würde am liebsten den ganzen Tag in der schummrigen Gemütlichkeit des Schlafstalls verdösen. Allerdings macht sie grosse Fortschritte in Sachen Mut und Entdeckergeist; Erst heute ertappte ich sie dabei, wie sie ganz alleine draussen zwischen den Häuschen herumtrippelte und sich den letzten Rest Gurkenschalen zusammensuchte. Sie und Elsa sind in etwa gleich alt und ein gutes Team. Elsa beweist immer wieder viel Feingefühl, wenn es darum geht, sich ihrer schüchternen Freundin anzunehmen. Fühlt sich diese zB. plötzlich doch zu einsam im oberen Stallkämmerchen und erkundigt sich quiekend nach ihren Artgenossen, dann ist Elsa garantiert die Erste, die von der Weide hinauf zu ihr ins Nest flitzt.
Trixi ist übrigens kugelrund und deshalb ein wenig schwerfällig, was einen wunderbaren Grund hat: Wir haben sie trächtig übernommen und freuen uns schon sehr auf ihre Kleinen, von denen die jungen Weibchen später unsere Herde komplett machen, während die Männchen wahrscheinlich weiter gegeben werden, in fürsorgliche Hände und möglichst in ein Zuhause mit Freilauf (es gibt bereits Interessenten)…

 DSC02902Von Pippa seht ihr hier leider nur noch das Hinterteil davonwackeln. Auch sie gehört zu den Tieren, die sich eher zurückhaltend zeigen, und ziemlich sicher steckt keine grosse Führernatur in ihr. Dafür beobachte ich bei ihr eine starke Fixierung auf einzelne Personen: Fremde Stimmen lassen sie augenblicklich irgendwo verschwinden, aber meinem Mädchen, das sich von Anfang an ganz ausgiebig um sie gekümmert hat, scheint sie ihr Vertrauen zu schenken. Sie frisst ihr aus der Hand und kommt ihr entgegen, wenn sie im Stall hantiert (vor mir hingegen fürchtet sie sich ein wenig *snif*). Ihr Fell ist schwarz-weiss und verwuschelt, genau wie das von Strubbeli, doch verwandt sind die beiden nicht, soweit ich weiss. Sie ist ein Januarkind -oder war es Dezember? keine Ahnung- auf jeden Fall kommt sie mir gross vor für ihr Alter und trotzdem ein bisschen verloren zwischendurch. Sie hat weder Mutter noch Geschwister in der Gruppe, aber es wirkt, als hätte Elsa, ganz offensichtlich die Leit-Meersau der Herde, sie so gut wie adoptiert, denn Pippa folgt ihr ständig auf Schritt und Tritt wie ein schwarz-weisser Schatten…

Es ist viel los gerade hier im Garten. Mein Mann hat mir eine Kräuterspirale gebaut und vor ein paar Tagen mit Kräutern aus meiner Wunschliste bepflanzt (Kamille und Verbene standen ganz oben), der Holunder öffnet just dieser Tage seine ersten weissen Blütendolden und an den beinahe kahlen Zweigen des an sich eher kränklichen Feigenstrauches, für den ich keine grosse Hoffnungen habe, zeigen sich doch tatsächlich drei, vier Babyfeigen. Sonntags konnten wir den ersten Salat ernten und aus den ersten Stängeln des Rhabarbers wurde Kompott gekocht. Und ist auch die Meerschweinchen-Wiese wieder belebt. Schöner könnte es nicht sein, glaube ich…

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