Archiv der Kategorie: Kinder

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1. Kochen ist bei mir eine heikle Angelegenheit; Es kommt vor, dass ich wochenlang mit einer eigentlichen Koch-Abneigung hadere- und doch jeden Tag zwei Mahlzeiten und diverse Snacks auf den Tisch bringen muss/möchte. Belegte Brote mit Salat sind dann jeweils mein Notnagel, aber richtig satt und genährt fühle ich mich eigentlich nur, wenn ich etwas Gekochtes, am besten etwas Warmes esse. Alles andere fühlt sich einfach… nicht energiereich genug an. Bei der aktuellen Hitzewelle, wo das Thermometer Tag für Tag auf über 30 Grad steigt, reizt es mich aber eher wenig, schwitzend vor dem heissen Kochherd zu stehen und über dampfenden Töpfen zu brüten, während sich die Küchentemperatur weiter in feurige Höhen schwingt. Also versuche ich, immerhin so zu kochen, dass der Herd nicht allzu lange eingestellt bleibt und die jeweiligen Gerichte sich auch später noch kalt essen lassen. Der Kartoffel-Gemüse-Salat von heute Mittag war eine gute Entscheidung; mit wachsweichen Eiern, kurz in Olivenöl angebratener Zuchini aus dem Garten, ein paar Cherrytomaten, etwas angedünsteten Zwiebeln und Knoblauch (wenig nur, die Kinder finden Knoblauch durchs Band scheusslich) und ein paar zerkrümelten Feta-Stücken schmeckt er nach Sommer und Landleben. Normalerweise schwimmt mein Kartoffelsalat in einer sämigen Sauce aus Mayo/Quark, Senf und heisser Bouillon, doch diesmal habe ich mich an einem Rezept aus „The Herbalist’s Kitchen“ orientiert und stattdessen Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Basilikum verwendet.

2. Salat aus dem Garten hat mich schon mehr als einmal aus der Koch-Klemme gerettet. Vor allem, als das Grillier-Verbot wegen der aktuellen Dürreperiode noch nicht galt. Eine grosse Schüssel gemischter Salat mit Honig-Apfelessig-Minz-Vinaigrette, mit Kräutern, Apfelspalten oder Tomatenstückchen und die Hälfte der Mahlzeit ist bereits gerettet.
Die Wespen haben auch in diesem Sommer ganze Arbeit geleistet; da ist kaum ein Insekt zwischen den grünen Blättern zu finden, nicht einmal der Kohlrabi wird zerfressen, obwohl es von flatternden Kohlweisslingen nur so wimmelt. Dafür bin ich den kleinen, gestreiften Insekten-Polizisten äusserst dankbar (Ich hasse es, Krabbeltierchen aus meinem Salat zu klauben). Im Gegenzug lasse ich sie abends in Ruhe ihre Beet-Visiten absolvieren, Holz von meiner Gartenbank raspeln und zwischendurch ein paar Schlucke aus dem Kinderbädli schlürfen. Eine Hand wäscht die andere. Oder so. Links im Bild ist übrigens mein Lauch zu sehen. Es ist mein erster Lauch überhaupt und das sieht man ihm wohl auch an; alles, was ich im Netz zu seiner Kultivierung gelesen habe, hat mich eher verunsichert als ermutigt… Muss man da wirklich um jeden einzelnen Stängel immer wieder mit Erde anhäufeln, damit es eine schöne, glatte, helle Lauchstange gibt? Ich habe das bisher recht vernachlässigt und seit dem Einsetzen der Setzlinge erst 1 Mal Erde rundherum aufgehäuft. Ob das noch was wird?…

3. Nicht die Wäsche will ich euch hier zeigen, denn die bekommt ihr irgendwie ständig zu sehen in letzter Zeit (was wohl daran liegt, dass ich auch ständig am Wäscheaufhängen- oder -Abnehmen bin und die Leinen niemals mehr leer werden in diesem Sommer). Blickpunkt sollte vielmehr dieses Ungetüm von Sonneblume links im Bild sein. Ich habe ihren Kern im späten Frühling zusammen mit ein paar anderen in die Erde gesteckt und wurde dann von einem eigentlichen Sonnenblumen-Giganten überrascht. Alle anderen sind Zwerge geblieben, doch sie hat sich wirklich gemausert: Mit stolzen 3.80m schlägt sie wohl alle unsere bisherigen Sonnenblumen-Rekorde. Ich mag Sonnenblumen. Für mich sind sie die wahren Königinnen im Blumenland. Und stellt euch mal vor, was für ein grossartiger, wahrhaft royaler Anblick es erst wäre, ein ganzes Sonnenblumenfeld aus lauter solchen Königinnen-Riesen vor sich zu haben…!

4. Mein letztes Pflanzenbild für heute: Der grosse Holunderbusch in der Gartenecke hat diesen Frühling ja wacker die tollsten Blüten gebildet und den ganzen Garten mit seinem Anblick und seinem Duft verzaubert. Verwöhnt von dieser Fülle hatte ich eigentlich auch mit einer Beeren-Schwemme gerechnet- aber Pustekuchen! Die Beeren vertrocknen gerade vor meinen Augen, Beere für Beere, noch bevor sie richtig reif sind. Oder die Vögel fressen sie. Was auch ok. ist für mich, denn im Gegenteil zu den Tieren bin ich nicht auf Beeren und wildes Obst angewiesen, und teile alles, was gerade hier wächst, blüht und reift nur zu gerne mit ihnen. (Ok. ich geb’s zu, mit Schnecken und Läusen nun nicht unbedingt so gerne). Überhaupt überlasse ich insbesondere Wildbeeren und andere Wildpflanzen lieber der hungrigen Schöpfung da draussen, als selber grosse Mengen davon abzuernten. Vogelbeeren und Hagebutten zum Beispiel sind für manche Vogelarten so eine Art Notration im Winter, wenn unter Eis und Schnee kaum noch Körner oder Insekten zu finden sind- wie könnte ich sie ihnen also streitig machen…? Ein klein wenig Wildobst- oder -Kraut darf man sich -mit Mass und Bedacht- aber wohl trotzdem gönnen, oder? Vielleicht ergeht es unserem Holunder-Neuling, den wir im vorletzen Sommer in einer anderen Ecke gesetzt haben, ja anders, und er findet mehr Wasser und weniger Anklang beim gefiederten Volk. Dann würde ich gerne ein wenig Sirup daraus machen. So wie Mamaniflora das immer tut…

5. Dass meine Mädchen fanatische Plüschtierfans sind, ist kein Geheimnis. Dass wir unser Zuhause und unser Leben mit einem übertrieben umfangreichen Kuscheltier-Zoo teilen auch nicht. Den Umstand, dass ich als alte Trödel-Tante mich seit ein, zwei Jahren nur noch sporadisch ins Brockenhaus wage, habe ich auch genau dieser Tatsache zu verdanken: Brockenhäuser sind Plüschtier-Paradiese. Dort findet sich alles. Und alles kostet so gut wie gar nichts. Selbst mit dem knausrigsten Kindersackgeld lässt sich noch gute Beute machen, und obwohl ich ansonsten in Sachen Neu-Anschaffungen gerade bei meinen Kindern eher strikt bin, fällt es mir schwer, im Brockenhaus Nein zu sagen. Als positiver Nebeneffekt hat sich natürlich auch mein eigenes Kram-Kaufverhalten eingedämmt, aber irgendwie ist es doch ein wenig schade, wenn ich es mir so recht überlege…
Was ich aber eigentlich sagen wollte; seit einer Weile schon haben wir angefangen, Spielsachen bei meiner Mutter auszuleihen. Nach 8 gross gewordenen Kindern ist ihr Haus heute das reinste Warenhaus, Tosy-R-Us ist ein Klacks dagegen. Von der Briobahn übers Schaukeltier zu Lego-Hogwarts ist alles vorhanden, und selbstredlich findet sich auch praktisch alles, was das Kuscheltier-Universum zu bieten hat irgendwo auf ihrem Dachboden oder in irgendwelchen Kisten und Tüten. Jedes Mal, wenn meine Kleinen bei Oma zu Besuch waren, bringen sie eine grosse Tasche voller Zeug mit. „Nur zum Uusleehnä, weisch.“ Dass dann alles bei einem der nächsten Besuche wieder zurück zu meiner Mutter kommt, ist natürlich Ehrensache. Ich habe ein wachsames Auge darauf, denn noch mehr „Zoo“ könnte klaustrophobische Zustände bei mir auslösen…

6. Dieser blaue Knäuel „Lang Yarns Asia“ ist meiner vierter und letzter Knäuel dieser Farbrichtung. Was bedeutet, dass das „Zilver“-Wolltuch meines Mädchens demnächst fertig sein wird. Ich bin ein wenig stecken geblieben bei den w.a.h.n.s.i.n.n.i.g laaaaaangen Musterreihen der Endphase, wo so viele Maschen auf den Nadeln liegen, dass ich sie gar nicht mehr zählen möchte. Irgendwann wird so ein Dreiecks-Tuch anstrengend. Das Muster kann noch so spannend sein, mit wachsendem Umfang zieht es sich einfach gefühlt endlos in die Länge, das Stricken… Darum gebe ich es gerne zu: Ich freue mich, sagen zu dürfen, dass ich heute bei der 2.-letzen Reihe des letzten Muster-Rapports (7fach!)angekommen bin und heute abend dann endlich (uff!) zur kraus rechten Schlussborte wechseln darf. Das bedeutet; Land in Sicht!

7. Wann punkto Sommerhitze „Land in Sicht“ kommen wird, weiss ich allerdings noch nicht. Wie gesagt, ich geniesse ihn, diesen heissen, überdrehten Sommer, so wie ich noch nie einen Sommer genossen habe, aber ich sehe doch auch mit wachsender Unruhe, was er für mein Land bedeutet, für die Bauern hier und vor allem für all das grosse und kleine Leben in der Natur, das Hitze und Dürre auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Verendende Fische in Algen-überwucherten Rest-Wasser-Seelein, Blumenwiesen, die mehr nach Strohstoppelfeldern aussehen… Auch die Meerschweinchen hecheln zeitweise regelrecht, dabei sorgen wir dafür, dass sie immer Schattenplätze finden, wo die Luft gut zirkulieren kann und achten darauf, dass sie an mehreren Orten Wasser-Schälchen finden (aus denen auch die Vögel und Insekten trinken können). Manchmal baue ich ihnen einen Unterschlupf aus feuchten Tüchern, die ich immer mal wieder benetze, in der Hoffnung, die Verdunstungs-Kälte würde ihnen gut tun, vor allem aber lasse ich sie frei laufen; so können sie der Sonne entkommen und selber entscheiden, wo es ihnen am wohlsten ist. Allerdings erscheint mir ihr Urteilsvermögen nur begrenzt vertrauenswürdig; Ich musste sie auch schon aus stickigen Häuschen inmitten des prallsten Sonnenbereiches, wo sie sich erst noch zu mehrt aneinander kuschelten und so noch zusätzlich wärmten, in den Schatten bugsieren *hüstel*. Der Stall selber bekommt keine direkte Sonne ab. Und durch die riesengrossen Gittertüren kommt ungehindert Luft. So bleibt den Tieren selbst bei grosser Hitze immerhin dieser Hafen, auch wenn natürlich auch im Schatten die Temperaturen wüstenmässig hoch sind zur Zeit.
Die Wetter-Prognose von Meteo Schweiz lässt kaum auf gnädigere Tage hoffen; bis Freitag wird Sonne, Sonne und nochmals Sonne bei 33-34 Grad vorhergesagt. Regen -wenn wir sehr viel Glück haben- erst Freitag ein paar Tropfen. Prognosen über mehreren Tagen traue ich aber prinzipiell nicht über den Weg und so stelle ich mich weiter auf einen wahnsinnigen Wahnsinnis-Sommer ohne Ende ein…

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in Bewegung

Wieder so lange Stille hier. Es scheint zur Gewohnheit zu werden…
Die grösste Herausforderung beim Bloggen ist und bleibt das Freischaufeln an Zeit-Nischen, damit ich schreiben, denken, Fotos archivieren, auswählen und einsetzen kann. Das Leben ist so voll, so schnell und bewegt, so alles andere als still in dieser Phase meines Lebens. Ruhige Momente? Raritäten. Kostbar und wunderschön- und so rasch verschenkt an andere Leidenschaften von mir, ans Stricken zum Beispiel, an Hercule Poirot, an meine Blumen und Kräuter draussen im Garten… Und zum Bloggen brauche ich Zeit. Viel Zeit. Viel Stille. Viel gedankliche Wachheit und Energie.
Und den Laptop. Den brauche ich auch. Was immer so eine Sache ist, denn sobald ich den aufklappe, scheinen meine Kinder verrückt zu spielen. Keine Ahnung wieso.
Auf der anderen Seite ist genau das eine Seite des Bloggens, die mir noch immer gut gefällt: Bloggen ist so… fokussiert. Man setzt sich hin, denkt nach, plant ein wenig- und schreibt. Ganz bewusst und konzentriert und mit einem gewissen Mass an Achtsamkeit für die eigenen Gedanken und die Vorgänge im Lebensalltag. Die Zeit, in der ich an einem Blogpost arbeite, ist abgeschirmt vom Rest. Inselzeit irgendwie. Nichts, das ich so schnell, schnell hier reinpflanzen könnte. Und wiederum auch nichts, dass dann einfach so aus dem Nichts in meinen Tag hineinplatzen könnte, so auf einen schnellen Knopfdruck auf dem Handy hin zum Beispiel, was das Bloggen für mich zu etwas Exklusivem und Bewusstem macht, im Gegenteil zu Instagram, wo ich viel zu rasch „nur kurz“ einmal rüberswitche, zwischen Kochtopf und Pflantschbädli- und dann doch wieder zu lange hängen bleibe…
Beides hat seine Qualitäten. Ganz klar. Aber in den paar Wochen, in der ich Instagram-Luft schnuppern durfte, ist mir klar geworden, dass mein Herz hier schlägt, also virtuell, meine ich, hier bei Kirschkernzeit. Dass ich Instagram zwar mag, aber mit Bedacht nutzen werde, langsam, tröpfchenweise, reduziert, ohne dass es zu oft rüber in mein reales Leben schwappt. Reduziert, genau wie das Bloggen, für das mir oftmals schlichtweg die richtigen Momente fehlen. Aber wenn ich hier schreibend kreativ sein darf- dann tue ich es wahnsinnig gerne, mit Herzblut, Freude und Dankbarkeit…
Gerade ist der Augenblick günstig, schätze ich; der Löwenteil meiner Familie geniesst seinen letzten Tag Lagerleben irgendwo im Berner Oberland, Kind1 faullenzt mit meinem jüngsten Bruder in dessen sturmfreier Bude (hiphip hurra!) und die beiden Kleinen puzzlen Bügelperlen-Bilder. Ich wittere eine Gelegenheit und hoffe, mein offener Laptop bringt sie nicht allzu schnell aus dem Konzept…
Wir hatten eine wunderbare Zeit, wir drei. Eine gute Woche. Das Kindertempo dieser Altersstufe gefällt mir. Ich bewundere ihre Selbstvergessenheit, während sie sich in ihren Traumwelten und Zauberfantasien verlieren. Elfen sind. Oder zwei Eulen, die ein Ei ausbrüten. Wie sie sich in ihr kleines Gartenbädli stürzen und zufrieden sind damit, das Wasser zum Rauschen und Schwappen zu bringen.
Richtig ruhig war es hier aber nie; wie hatten so viel Besuch wie noch nie! Den Montag-Nachmittag verbrachten wir mit einem meiner Brüder und seiner Frau quatschend und Kräuter-Tee-trinkend im Garten. Dienstags fuhren meine Mädels und ich raus zu „Frau Krähe“, erlebten ein wirklich wunderbares allererstes Treffen ausserhalb der Blogosphäre und staunten wohl alle ein wenig über unseren Mut und die Sympathie, die augenblicklich einfach da war, fast ein wenig, als hätten wir uns schon vorher gekannt, in echt meine ich, und ganz real (du bist eine ganz tolle Frau, Frau Krähe, echt jetzt!)…
Mittwochs sassen wir drei bei prächtigstem Sommerwetter mit meiner hochschwangeren Schwester J. in einem Strassencafé in der Stadt und schleckten italienisches Sahne-Eis aus kleinen Pappkartons, den kleinen Hund meiner Mutter träge dösend unter unserem Tischchen lümmelte. Urlaubs-Feeling. Zuckersüss.
Die Nacht war kurz gewesen, weil mein jüngster Bruder mir noch ein spätes Besüchlein abgestattet und wir uns bis Mitternacht verquatscht hatten, und so langsam, langsam machte sich ein Marathon-Gefühl bei mir bemerkbar *zwinker*, ausgelöst durch eine ungewohnt hohe Dosis Sozialleben. Schwester A. und Schwager waren mir aber trotzdem herzlich willkommen an diesem Abend. Sie brachten Tortillachips, Schafskäse und ein quietschfideles Kind1 mit, das fröhlich seine Tüte neuer Jungs-Kleider schwenkte; mein Junge hatte sich ein paar Tage bei ihnen einquartiert und mit ihnen -auf meine Anordnung hin- gleich die Ausverkaufs-Auslagen der Kleidershops geplündert (Gottlob! Seine T-Shirts hingen bereits in Fetzen und die wenigen Jeans mochte ich schon gar nicht mehr flicken…).
Es waren gute Tage, wirklich. So viel Betrieb und Bewegung, ein mächtiges Gefühl von… Lebendigsein und Dazugehören. Ein wohltuender Kontrast zu unserem normalerweise eher abgeschotteten, verlangsamten Lebensstil.
Trotzdem schrieb ich Schwester J., die mir Donnerstag-Morgens anbot, mich und die Mädels noch mit zu meiner Mutter zu nehmen, auf Whatsupp zur Antwort: „Vielen Dank, aber ich glaube, heute lieber nicht. Ich bin einfach zu müde nach so viel Sozialisiertheit…“
Und das bin ich auch. Total k.o. Aber zufrieden.
Trotzdem blicke ich dankbar auf meine Kalender-Einträge der nächsten Woche: Leer ist es da. Einfach gar nichts. Nur ich und meine wieder versammelte Crew. Daheim.
Auch das hat seine Qualitäten, oder…?

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sommerlich gemächlich

Sommer.
Ferien.
Zeit und Gemächlichkeit und eine Ahnung von Freiheit, ein Gefühl wie baumelnde Füsse, die in kaltes Seewasser tauchen.
Ich fühle mich wohl und so entspannt, dass ich Kaffee trinken kann, ohne auch nur einen Hauch von Gegrummel in der Magengegend (wobei ich ja auch sehr sensibel geworden bin, was das für mich gesunde Mass betrifft und frische Kräutertees meinen Kafee-Genuss mittlerweile bei weitem übertrumpfen). Ohne starres Zeit-Raster im Nacken, verlässt mich das nagende Gefühl, unbedingt noch rasch etwas Süsses futtern zu müssen, und ich esse bewusster, frischer, noch weniger Zucker als sonst -verglichen mit den Unmengen, die ich noch vor einem Jahr tagtäglich an Schokolade und Co. verdrückt habe- dafür mehr Gemüse oder einfach nochmals ein Extra-Tässchen eiskalten Minzen-Tee zum Nachtisch. Es ist nicht so, dass mir das besonders wichtig wäre. Ich denke nicht gerne über das Essen nach- ich esse einfach. Aus dem Bauch heraus. Für meinen Bauch. Aber ich finde es schon spannend, wie stark Hunger, Appetit und spezifische Gelüste mit unserer Psyche zusammenspielen, wie stark das eine das andere beeinflusst und wie schnell und problemlos der Körper in ein doch relativ gesundes Essverhalten zurückfindet, sobald es dem Menschen, dem ganzen Menschen, wirklich gut geht.
Und ja, es geht mir gut. Ich fühle mich wieder kräftig. Habe zu Mut und Elan zurück gefunden und traue mir auch wieder zu, raus zu gehen, raus in die Welt, Leute zu treffen, mich mit meinen Kindern in einen Zug zu setzen und ein klein wenig zu reisen, kurz vielleicht nur, Ministreckchen, rein regional, aber immerhin; für mich ist das ein grosser Erfolg, denn so viel Nervenkraft und Atem hatte ich schon lange nicht mehr: Genug Puste, um mit dem Fahrrad und zwei kleinen Mädchen im Schlepptau und den drei Grossen im Blickfeld über den Hügel zu meiner Mama zum Baden zu fahren. Die Courage, eine wunderbare Bloggerin, die ich noch nie gesehen habe bisher, demnächst auch einmal in Real zu treffen (das braucht immer enorm viel Überwindung für mich). Die Gelassenheit, mein Haus zu öffnen und auch mal Besuch zu haben, obwohl das Haus niemals, niemals, niemals gästefein aussehen wird, was mich jedes Mal beschämt, weil ich den Schmutz und das Chaos zwar sehe, aber beim besten Willen nicht bezwingen kann.
Und tatsächlich gab es sogar sowas wie zwei echte kleine Geburtstags-Feiern in den letzten Tagen. Nicht nur so im Mini-Familienkreis-Format, sondern schon ein wenig ausgedehnt auf die einen oder anderen Tanten und zwei Grossmütter, was zwar noch immer keine richtige Party hinhaut, sich aber bereits wunderbar gesellig und reichhaltig anfühlt und die Geburtstags-Kinder jedes Mal strahlen liess vor Freude. Hach ja, es waren schöne Tage. Es sind schöne Tage. Süsse Tage. Pavlova-Tage.
Die beiden Torten-Fotos oben zeigen übrigens zwei verschiedene Geburtstags-Kuchen, einmal von meinem Kindergartenmädchen, das andere Mal feierlich beleuchtet vom 16. Geburtstag meines Erstgeborenen. Beide hatten sich Meringue-Torten gewünscht. Mit Sahne-Jogurt-Füllung und Sommerbeeren. Beiden konnte ich diesen Wunsch erfüllen. Pavlovas sind so tolle Backwerke, absolut simpel, aber mit echter Wow-Wirkung und ein kulinarischer Hochgenuss, sofern man Meringues mag. (Ich selber gehöre nicht dazu, muss ich gestehen. Für mich dürfte es gerne jedes Mal einer dieser herrlich matschigen Schokotruffe-Torten sein, yammie…)
Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mehr im Leben zu stehen. Geburtstage auch wirklich feiern und geniessen zu können und sehen zu dürfen, wie glücklich unsere Liebsten sind, zufrieden mit Kleinigkeiten wie einem gelungenen Kuchen, einer Handvoll Kerzen und zufriedenen, herzlichen Menschen an ihrem Tisch, die es gut mit ihnen meinen… So schlichte Dinge. Aber grosse Momente.
Wie der Falter, der heute bei uns im Schmetterlings-Hotel ausgeschlüpft ist. Unser dritter Schwalbenschwanz dieses Jahr, und doch wird man es nie satt, dieses Wunder, trotzdem werden die Augen der Kinder gross und der Blick konzentriert, die Haltung gespannt, die Sinne geschärft für jeden Flügelschlag, den das zarten Tier tut, bis es endlich seine Weg nach oben in die Lüfte findet…
Ja, kleine Dinge.
Ich lerne immer wieder von neuem, mich im Kleinen zu verlieren. Und dankbar zu sein dabei. Wahrscheinlich hat man nie ausgelernt, was diese Kunst betrifft und nur allzu rasch falle ich wieder in mein altes Muster des Hetzens und Klagens und Zweifelns zurück. Weil sich das vertrauter anfühlt als Inne zu halten und den Fokus schmaler zu schnüren. Mit Augen nur für das Zucker-Stück im Augenblick. Wie meine 3Jährige mir mit Begeisterung sämtliche Stoffservietten, Stricklappen und Taschentücher zusammenlegt zum Beispiel. Schön Ecke auf Ecke, drehen, Ecke auf Ecke. Bei den letzten zwei Servietten verliessen sie dann allerdings ihre Kräfte und sie wurstelte alles irgendwie zusammen, was ungeheuer süss aussieht, finde ich, vor allem, wenn ich mir ihren langen Seufzer in Erinnerung rufe, gefolgt von ihrer unter theatralischem Schweiss-Abwischen vorgetragenen Erklärung „Ich bin langsam müed worde vom Zämmeleggä“…
Egal wie wahnsinnig sie mich manchmal machen, meine Fünf, sie sind doch Salz und Zucker meines Lebens, unersetzlich, unglaublich, unaussprechlich schön und wertvoll. Boden, Basis, ein und alles. Familie.
Gerade denke ich, die Gelassenheit und Gemächlichkeit dieser Tage lässt mir endlich auch wieder den Raum und die Luft, diese ganz einfachen Geschenk des alltäglichen Lebens -Essen, Gemeinschaft, Natur, Familie- wirklich wahr zu nehmen und zu zelebrieren… Wunderbar, dass es Sommer ist.

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Wochen-Ende: Melissentee

Sommer! Wie gern ich dich hab‘, war mir bisher gar nicht bewusst. (Wahrscheinlich hatte ich immer nur Augen für meinen geliebten Herbst, mit dem mich eine Art Seelenverwandtschaft verbindet.) Aber jetzt, im Juni, bist du einfach wunderschön. So sanft. Mild. Und warm. Gar nicht brütend oder brennend, nein, kuschelig wie ein Kätzchen.
Ich mag auch Kätzchen.
Du hast so viel zu geben. Und du gibst es auch, grosszüzig und ohne zu zögern; saftiges Grün, üppigen Schatten, den Duft sonnenwarmer Kräuter, das Knacken und Spritzen baumfrischer Kirschen zwischen den Zähnen meiner Kinder.
Auch meine Tiere mögen dich. Sie suchen sich die besten hell-schattigen Plätzchen im Gras, wo sie ihre Babies stillen und gleichzeitig das eine oder andere Grashälmchen mümmeln können. Wie dankbar sie sind für die Freiheit und Leichtigkeit, die du ihnen schenkst, zeigen dir ihre lustigen Hüpfer oder die irrsinnig wilden Renn-Jagden, die sie unter deinem blau-weiss gesprenkelten Himmel veranstalten.
Die rote Hängematte wippt langsam von einer Seite zur anderen. Die Laube schaukelt sachte mit- irgendwer liegt immer darin, liest ein Donald-Duck-Comic oder döst faul vor sich hin und träumt wahrscheinlich von Sommerferien, und wenn das ausgerechnet auf meinem Hängematten-Foto mit dem Kirschen-Schabernack am Aprikosenbäumchen nicht der Fall ist, dann darf man das getrost eine Ausnahme nennen. Mit Seltenheitswert. Kirschen habe ich heute übrigens überall gefunden, hihi. An der Aprikose. Im leergeräumten Gemüsebeet, wo eigentlich schon längst der Lauch rein sollte. („Schau mal, hier wächst ein kleines Bäumchen!“). Über Ohren gehängt. Versteckt in kugelrunden Backen. Verlassen auf dem Stubenboden. Sogar in einem unserer Kirschbäumchen konnte ich welche entdecken. Wo doch dort gar keine wachsen. Bis auf fünf oder zehn oder so. Meine Schwiegermama hat bei ihrem Nachbarn jede Menge Kirschen geerntet und uns auf der Durchreise zu ihrer Schwester gleich eine Kiste voll mitgebracht, was ein grosses Hallo auslöste. Denn Kirschen sind ein Highlight hier im Haus. Kirschen mag sogar ich. Sehr sogar. Und ich bin eher eine Art Gemüsetiger. Weniger das süsse Früchtchen.
Aber Kirschen? Unwiderstehlich!
Es war ein barmherziger Tag heute. Kein Wirbel. Kein Gerenne und Gehetze. Langsam gelebt, voller Begegnungen auf Augenhöhe. Ich koche mir jeden Tag meine zwei Liter Tee, Tee aus den Kräutchen, die mir gerade ganz intuitiv richtig erscheinen, gewählt von meinem Bauchgefühl und nur von ihm alleine. Heute waren es Zitronenmelisse und ein ganz klein wenig Salbei. Harmonisch und besänftigend. Wie ein Wiegenlied für die Seele. Zum Loslassen und Durchatmen.
Heute Abend trinke ich das letzte Glas davon, eisgekühlt und ungesüsst, und ich spüre, wie wohl mir das alles getan hat heute, die Ruhe, die Langsamkeit, das Baumeln-lassen-und-die Mitte-finden. Vielleicht kann ich ein wenig davon mitnehmen. In die neue Woche. Die morgen sofort wieder loshetzen wird und mich immer vergessen lässt, in den Bauch zu atmen. Aber da ist Zitronenmelisse in meinem Garten. Und Salbei. Kamille. Tymian, Oregano und Pfefferminze. Kinder, die in Büchern versinken. Ein Stall voller Meerschweinchen. Zuchetti in voller Blüte. Grüne Aprikosen neben ein paar falschen Kirschen.
Das macht doch irgendwie Mut.

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