Archiv der Kategorie: Kinder

wolligwarme Latzhosen für mein Babykind

„Gestern und vorgestern lag ich mit Fieber im Bett- zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen. Das ist untypisch für mich. Normalerweise haben es Viren und Co. schwer, mich zu erwischen. Doch scheinbar ist mein Körper nicht in seiner Bestform.
Ganz anders meine Seele: es geht mir rundum gut zur Zeit. Ich bin so glücklich mit meinem Baby und unsagbar dankbar für den Frieden der eingezogen ist in unserer Haus. Natürlich gibt es nach wie vor diese kleinen Spannungen zwischen den Geschwistern, Kinderzank und ab und zu schwache Momente aus meiner Richtung. Doch sie kommen und vergehen und an sich fühle ich mich innerlich stark und ausgeruht und dem Leben gewachsen.
Es ist eine schöne Zeit. Eine gute und goldene Zeit.
Obwohl ich adventsmässig vollkommen aus der Reihe tanze hier bei Instagram. Ich habe nämlich weder Adventskranz, noch selbstgebackene Weihnachtskekse vorzuweisen und die Gritibänzen gestern hab ich meinen Zweitgeborenen im Dorfladen kaufen lassen. Ich fühle mich ein wenig schlecht deswegen. Weil ich vieles nicht zustande bringe, was andere aus dem Ärmel schütteln.
Aber dann wieder spüre ich in mich hinein und versuche mir Mut zuzusprechen: Nicht die Dinge, die ich mache, bringen Glück ins Haus. Nicht ein vorzeigbares Haushalt oder ein tadelloses Aussehen.
Was in mir ist, zählt. Was ich ausstrahle und weiterschenken kann. Wenn das Friede und eine gewisse heitere Gelassenheit sein dürfen- für jetzt zumindest, denn ich weiss, diese Momente sind sehr gefährdet und kostbar- dann bin ich mehr als glücklich und dankbar.“

Mein Liebster und die vier jüngeren Kinder sind soeben aus dem Haus und drehen ein paar Runden durch den Wald.
„Ich räume dann mal auf hier“, hab ich zum Abschied gesagt und sogar das Winken ausgelassen, denn es sieht schaurig aus hier, vollkommen zerlumpt und zerbröselt und als hätte eine Horde Kobolde hier gewütet (die wilde Sorte, nicht die heinzelmännerische). Aufräumen wäre wirklich angesagt. Dringendst.
Aber dann fiel mir meine Kamera in die Hände, mit den gut 30 Fotos, die ich noch geknipst hab‘, bevor ich meinen kleinen Babyjungen in seine neue, braune Wollhose gepackt und dem Papa in die Arme gelegt habe. Hübsche Fotos sollte es geben. So ein wenig Instagram-tauglich und erinnerungswürdig, wie man es sich eben wünscht, wenn man etwas, was einem am Herzen liegt und woran man eine ganze Weile lang hart aber herzlich, mit viel Liebe und Fingerarbeit gestrickt hat, für die Ewigkeit festhält.
Leider wurde keines meiner Bilder so richtig… nun ja… schön.
Bis auf mein Küken darauf. Das sieht immer süss aus. Wenn auch so ziemlich müde; mein Kleiner kränkelt seit bald 3 Wochen, ist verschnupft und verhustet und einfach nicht wirklich vital. Aber süss. In meinen bis über beide Ohren verliebten Mama-Augen zumindest.

Nach meinen Tagen im Krankenbett empfing mich unser Zuhause natürlich mit vollen Armen: überall Geschirr, Windeln, die Papierschnipsel plus andere Hinterlassenschaften unserer Schneestern-Scherenschnitt-Session, in der wir gerade steckten, als dieser sonderbare Grippevirus mich wieder am Schlafittchen fasste. Natürlich sollte ich jetzt Besen und Papierkorb fassen, die Ärmel hochrollen und mal wieder herzhaft durchgreifen, aber dieser Blogpost hier fühlt sich schlichtweg dringlicher an für mich.
Ich liebe diesen Ort hier. Eure Kommentare. Den Frieden und die Langsamkeit, diese völlig andere Stimmung, die sich so sehr unterscheidet vom der trubeligen Heiter-Hektik bei Instagram.
Trotzdem zitiere ich ganz oben in diesem Post mich selbst. Mich selbst aus meiner Insta-Ecke. Wo ich irgendwie auch gerne bin. Einfach weil ich so fliessend und einfach zwischendurch hineinflitzen kann, ein paar Worte dalassen und auch ein Bild *knipsknips*- und schon bin ich wieder draussen. In meinem Alltag. Beim Schnupfennasenbaby, meiner Rasselbande und anderen Realitäten.
Es stimmt schon, was ich dort neulich verzapft habe: Ich bin gerade rundum glücklich. All den schnöden Wehwehchen und den blöden Fettnäpfchen, die hald jeder normale Menschentag so für einem bereit hält, zum Trotz. Ich habe mein Kleines im Arm, das beim Grinsen sein süsses Mäulchen von einer Backe zur anderen zieht und wie wild mit Ärmchen und Beinchen zappelt dabei- und bin einfach nur glücklich.
Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet.
Nicht mit so viel innerem Frieden. So viel Liebe. So viel Glück.
Die Schwangerschafts-Monate waren unbeschreiblich. Schlimm. Und schlimmer. Eigentlich am schlimmsten. Ich hatte das Freuen praktisch verlernt in dieser Zeit.
Aber dieses kleine Wesen… ist all das wert. Das Leiden und Hadern und Mich-in-Sorgen-Zerfleischen. Das. Und noch viel mehr. Ich glaube, es gäbe nichts, was ich für mein Babykind nicht tun würde…
Was für ein Segen, dieses Kind.

Ich weiss, dass sich Liebe und Dankbarkeit nicht in Maschen umwandeln lassen. In Küsse und Umarmungen und ganz viel liebe Worte, die ich meinem Jungen mit unglaublich doofer Quietschestimme ins Ohr säusle vielleicht, aber in Strickmaschen? Trotzdem dürft ihr mir glauben, dass genau in diese braune Latzhose hier ein ganzes Herz an Liebe und Freude hineingeflossen sind, Masche für Masche, während ich strickend im Halbdunkeln im Bett sass, ein wenig „Coal Valey Saga“ guckte und mein Baby leise atmend neben mir schlafen hatte. Einen kleinen Schock der Liebe überall in mir, jedes Mal, wenn mein Blick auf seine roten Backen und das immer kahler werdende Flauscheköpfchen mit den dunklen Haaren fiel.
Das klingt alles so kitschig, nicht wahr?
Aber das Leben darf auch mal kitschig sein.
Ich für meinen Teil mochte Kitsch schon immer gern.


Mit der Hose bin ich auch nicht unglücklich. Sie ist gestern fertig geworden. Im Krankenbett konnte ich wunderbar Fäden vernähen und Knöpfe anheften. Jetzt hat mein Kleiner eine wollige Umarmung mehr, die ihn morgens in der Winterfrühkälte auffängt, wenn es so hart ist, das warme Bett zu verlassen. Es freut mich, dass seine Füsschen sich dank ungekrempelten Bündchen gleich ein wenig mitwärmen lassen, bis ich den zweiten Babyfinken auch noch gefunden habe, und dass die Söckchen bei den eng (aber komfortabel!) anliegenden Bündchen so wunderbar am Fuss halten. Auch der Oberkörper bleibt schön warm verpackt, der runde Knubbelbauch anschmiegsam umhüllt, ganz ohne drückende Gummibänder oder Kordelzug.
Hach, ich liebe diese Hose. Das Strickmuster aus dem „Mama-Baby-Strickbuch“ von Ela ist mir dermassen ans Herz gewachsen, ich könnte es endlos stricken und wäre jedes Mal von neuem beseelt. Vom Zauber einer schlichten, warmen Hose, in dem ein Bündelchen Leben steckt.
Das Garn ist -genau wie beim letzten Mal- 150 gr. der wunderbaren „Cotton Merino“ von Drops, die ich einfach immer wieder gern in den Händen habe. Sie kratzt auch ganz, ganz ehrlich kein bisschen auf der Haut. Für die anliegenden Bündchen habe ich mit feineren Nadeln gearbeitet als beim Rest der Hose, also mit Nadelstärke 3.5. Zusätzlich zu den verbesserten Fehlern in der Anleitung habe ich auch hier die Knopflöcher weiter nach aussen verschoben (3 Maschen vom Rand entfernt) und ein bisschen mehr Krausrippen unter und über der Knopflochreihe gestrickt. Hier kann man wunderbar spielen, Reihen ansetzen oder weglassen, ganz wie man möchte.

Es ist schon so, wie ich bei Instagram geschrieben habe: Ich lasse viele meiner Wunsch-Punkte von der To-do-Liste fallen. Weil mir schlichtweg die Zeit fehlt dazu. Oder weil ich es nicht über mich bringe, dieses kleine Kerlchen länger als nötig sich selbst zu überlassen. Ich möchte ihn ganz bewusst begleiten und wahrnehmen. Mit allen Sinnen. Mit übervollem Herzen. Ihn nach Strich und Faden verwöhnen und begluckern.
Natürlich geht stricken daneben nur schwer.
Aber dafür habe ich gleichzeitig einen der schönsten und sinn-vollsten Gründe, um trotzdem zu stricken, dann eben, wenn es passt und gut tut. Für ein Baby zu stricken gehört doch zum Schönsten, was es gibt im Handarbeitskreislauf, oder?

PS. Leider, leider, leider hat genau diese Strickanleitung a) ein paar Fehler (mehr dazu hier) und ist b) sowieso vergriffen, doch ich denke, es gibt bei Ravelry oder Drops bestimmt ähnlich hübsche, einfache Anleitungen zu entdecken. Wenn jemand mir einen Link zu seiner Lieblings-Babyhose hierlassen möchte, wäre ich ganz bestimmt nicht die Einzige, die sich freuen würde…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Kinder, Stricken, what makes me happy | 8 Kommentare

Jetzt- in 10

1. Sonnentage wechseln sich ab mit den mehr düsteren Nebeltagen, die so typisch sind für den Herbst und den Winter in dieser Region. Die Kinder rotten sich zusammen; es wird wieder mehr drinnen gespielt, Räume aufs Neue in Beschlag genommen, die den Sommer über ein bisschen verwaist blieben. Hier seht ihr meine beiden jüngeren Mädchen bei einem „Konzert“. Es wurde zwar immer bloss eine einzige „Melodie“ gespielt und eins ums andere mal wiederholt, doch die beinhaltete immerhin eine Art Ganzkörper-Hüpfer des Ein-Kind-Orchesters und den Abschluss-Quietscher eines giftig-grünen Plastikpapageis. Meine Kleinste war hin und weg. Die ganzen 15 Repetitionen lang.

2. Die „Instagramer“ unter euch haben dieses Jäckchen bereits gesehen, aber ich möchte es unbedingt auch hier noch zeigen, weil ich es so wahnsinnig schön finde. Bei meinem lang ersehnten Brockenhaus-Besuch neulich, habe ich diesen flauschigen Schatz hier gehoben: Ein Babyjäckchen aus Kaschmir! Wollig-weiss, handgestrickt und unglaublich kuschelig. Genau das Richtige für mein Baby, das jetzt schon aus vielen seiner Erstlingssachen herausgewachsen ist, auch aus seinem braunen Geburts-Jäckchen, was mich richtig schmerzt, wenn ich ehrlich bin. Ich meine, wieso muss das alles so rasend schnell gehen? Diese allerersten Stunden, Tage, Wochen mit ihrem ganzen babyrosa Flitterzauber- ein Augenzwinkern und fort sind sie. Weg. Verschwunden. Als wären sie gar nie gewesen. Manchmal macht mich das wehmütig. Aber stricken hilft. Wie immer. Es lenkt Blick und Herz auf neue schöne Momente, auf das Gute, das noch vor uns liegt…

3. Die Liebste meines ältesten Sohnes entpuppt sich mehr und mehr als wahrer Juwel: Nicht nur verwandelt sich meine wilde Horde in ein einigermassen gesittetes, selbst in der schlimmsten Regenwetterstimmung plötzlich sehr friedfertiges Grüppchen, sobald sie hier in der Türe steht, nein, sie versteht es auch ganz fabelhaft, das Herz jedes einzelnen Familienmitglieds zu erobern, indem sie Bilderbücher erzählt, für jeden Spass zu haben ist und sich jede Zeit der Welt nimmt für uns. Ich glaube, ich erzähle keinen Quatsch, wenn ich sage: Sie fühlt sich an wie Familie. Diesen Stapel Mädchen-Bücher hat sie meinem Tochterkind mitgebracht. Lauter Romane aus ihrer eigenen frühen Jugendzeit. Schön finde ich das.

4. Ich suche irgendwie permanent nach einem neuen Projekt für meine Stricknadeln. Und aus irgendeinem Grund bin ich nie zufrieden, egal wie oft ich meine Strickmagazine auch durchblättere oder bei Ravelry stöbere, mir Anleitungen ausdrucke, mein Wollregal sichte. Auch diesen Poncho hier werde ich nicht anschlagen. Obwohl es wunderschön ist. Und einfach. Und schnell gestrickt. Und meine Stash-Wolle von Rosy Green (Big Merino Hug in der Farbe „Gartenteich“) tät eigentlich auch prima dazu passen. Aber… nun ja, das Projekt ist es irgendwie doch nicht im Moment. Ich bin selber gespannt, wofür ich mich schlussendlich entscheide…

5. Herbstfarben. Sie begleiten mich auf Schritt und Tritt. Hagebuttenrot, Laubgelb, Nebelgrau, und dieses spezielle, knallige Blau des Himmels, wenn die Septembersonne sich jedes Wölkchen vom Leibe strahlt. Langsam finde ich wieder gefallen an all dem. Am Herbst. Seinen Farben, seinem warmen, welken Duft, dem Abschiedslied, das in der Luft hängen bleibt.

6. Ich habe mir darum auch ganz fest vorgenommen, endlich wieder mehr aus dem Haus zu gehen. Mich raus zu wagen in die Welt, anstatt mich im Warmen und Verborgenen zu verkriechen, wie ich es nur zu oft tue, wenn ich meinem inneren Wesen das Zepter überlasse. Ich brauche mehr Natur, mehr Musse und Raum. Für meinen Körper genauso wie für meinen Geist, der manchmal nicht mehr recht zu atmen weiss nach Tagen und Wochen eingeklemmt zwischen vier Wänden. Jetzt möchte ich unterwegs sein. Keine grossen Reisen, nur Minischritte eigentlich, ein wenig Spazieren draussen an der frischen Luft, mehr nicht. Das tut nicht nur mir gut, sondern auch dem kleinen Zwerglein, das so schön friedlich schlummert, wenn ich es im Tragetuch spazierenwiege.

7. Ein Schnappschuss vom Garten: Die braune Plüschmaus (kaum zu sehen, oben in der Mitte des Bildes) und ihre Freundin, die rosa Miss Piggie, trinken Kaffee und unterhalten sich bei Kastanie und Apfelstück. Ich fand die Szenerie, die meine Mädchen hier beim Spielen aufgebaut haben, so richtig süss und war froh, die Kamera gerade sowieso in der Hand zu haben. Viel zu viele scheinbar nebensächliche Alltags-Dinge gehen verloren und vergessen, weil sich sofort wieder die grossen Dringlichkeiten vor sie schieben. Wie das Abendessen, das zubereitet werden will. Wäsche, Küchenschmutz und raupenzerfressener Kohlrabi im Gartenbeet.

8. Herbst. Auch im Garten. Das Graue auf der Wiese, das ist bloss Sand. Gegen das Moos, das sich überall ausbreitet wie eine Art Rasenseuche. Ich schätze, Moos und Matsch sind einfach der Preis, den man zu bezahlen hat, sobald man Bäume pflanzt?
Die Quitten immerhin, die sind dick und mittlerweile gelb und reif genug, um zu Quittengelée zu werden. Ich freue mich. Nichts schmeckt süsser und herrlicher nach Herbst!

9. Kinderbilder. An einem trist düstergrauen Nachmittag zum Leben erweckte Wesen, die mich zum Schmunzeln bringen. Mein Pausbackenkind malt zur Zeit sehr grossflächig und plakativ, mit einem Hang zum Comic-haften, während meine Grosse gerne skizziert, oftmals nur den innersten Kern des Papiers ausfüllt und rundherum ganz viel Weiss lässt. Meine Jüngste hingegen färbt mit Hingabe jede Ecke in die allerbuntesten Töne, je wilder die Mischung, desto besser. Faszinierend, wie jeder sich seine Nische, seine Ausdrucksform sucht. Und sie immer auch findet…

10. Last but not least: Die Stiefelsocken meiner Kleinen. Sie sind fertig. Und bereits rege in Gebrauch, jetzt, wo die Matschwetter-Saison ins Rollen gekommen ist. Mein Mädchen zieht sie gerne an, und ich denke, ein bisschen stolz ist sie schon, dass sie ihr eigenes Garn an den Füssen spazierenführen kann. Das ist natürlich ein Bonus, der mir sehr in die Hände spielt, denn wie alle Mütter möchte ich meine Kinder natürlich ordentlich ausgestattet und schön warm in die kalte Jahreszeit entlassen. Wolle an kleinen Füssen gab mir schon immer ein gutes Gefühl.

 

 

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, Jahreszeiten, Kinder, kreativ mit Kindern, what makes me happy, Wochen-Ende | 1 Kommentar

Nach vier Jahren…

… in der Schublade ist dieses Mädchen-Shirt hier doch noch fertig geworden. Im Sommer war das. In meiner Nesting-Phase. Wo alles und jedes noch fertig werden musste und ich lieber vor Erschöpfung umgefallen wäre als den Anblick überquellender Kram-Schubladen weiterhin ertragen zu müssen.
Leider hat aller Nestbau-Eifer nichts genützt. Meine Schubladen stehen immer noch voller Zeug, und es hat mehr angefangene Projekte oder hoffnungslos gehortetes Material, das man „bestimmt noch eines Tages brauchen kann“, als es irgendwie Sinn machen würde.
Doch gerade ist der Zeitpunkt bei mir wenig ideal für Marie Kondo. Entrümpelt wird später. Irgendwann. Jetzt gehören meine Tage dem kleinen Babykind und der Neu-Komposition meiner Familie, wo jeder ein kleines bisschen verrutscht ist in seiner Position und die Kleinste plötzlich grosse Schwester. Dass das nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen bedeutet, muss ich wohl nicht extra erwähnen, doch ich tue es trotzdem. Und was meine im letzten Post so selbstherrlich gerühmte stoische Gelassenheit betrifft: Kaum hatte ich die letzte Zeile getippt, geriet ich in irgendeinen Gefühlstornado einer meiner jüngeren Töchter und verlor prompt die Fassung. Nicht zum letzten Mal in dieser Woche. Ganz im Gegenteil: meine Hormone scheinen wieder in Bewegung gekommen zu sein und fahren munter Achterbahn. Der ruhig-zufriedene Zustand nach der Geburt war mir offen gesagt sehr viel lieber, aber ich bin scheinbar wie ich bin; kein Ruhepol und ganz bestimmt nicht Buddha.
Doch alles in allem denke ich, es wird so langsam. Mit Betonung auf langsam. Noch immer fliessen Kindertränen, wenn das Baby herumgetragen werden möchte, obwohl doch ein Puzzle bereit steht zum gemeinsamen Zusammensetzen, und manche von uns sind erschöpfter und reizbarer als sonst, doch es zeichnet sich bereits so was wie eine „neue Normalität“ ab in all dem Tohuwabohu. Und die tiefe Liebe, die ich empfinde für meinen kleinen Jungen ist sowieso grösser als jedes häusliche Gewitter. Sie gibt mir Kraft, Hoffnung, den nötigen Biss, wenn ich nach einer weiteren schlechten Nacht, in der ich mehr Zeit damit verbracht habe, ein unruhiges Baby zu wiegen und zu stillen, als wirklich zu schlafen, in einen neuen Tag starte.

Und nun zum Shirt *hüstel*. Es wird bereits rege benutzt. Als einziger Jersey-Pullover im Schrank meines Kindergartenmädchens, dessen Ärmel ihr noch bis zu den Handgelenken reichen und nicht schon Mitte Unterarm enden, kommt er jetzt, wo es kühler wird, natürlich rege zum Einsatz. Dass der Stoff („Mondblumen hell“ von C.Pauli) so weich ist, macht ihn gleich doppelt beliebt bei meinem anspruchsvollen kleinen Mädchen, und mich wiederum entspannen die schräg geratenen Nähte und meine Imperfektion in Sachen Nähen. Nichts ist hinderlicher im normalen Familienalltag als Dinge, die zu wertvoll sind, um richtig benutzt zu werden…
Schnitt und Anleitung für dieses Shirt stammen aus Meg McElwees „Mama-Nähbuch“. Ich habe schon früher damit gearbeitet und mag das Resultat noch immer sehr, sehr gerne. Einen ganz ähnlichen Pullover, den „Trotzkopf“, aus dem sich auch ein Kleidchen machen lässt, findet ihr aber auch kostenlos bei Schnabelina in ihrem wunderbaren Nähblog. Wer etwas Zeit findet, mag vielleicht ein bisschen bei ihr herumstöbern; es gibt viele schöne Ideen und ein paar ausgezeichnete Anleitungen zum Runterladen und Nach-Nähen…

Bis ich selber wieder zum Nähen komme, werden allerdings wohl Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Im Augenblick läuft alles, was über die absoluten Basics des täglichen Lebens hinausgeht, auf Sparflamme… Doch das ist in Ordnung so. Dass dieses Shirt hier sage und schreibe 4 Jahre gebraucht hat, um vollendet und schlussendlich auch getragen und gemocht zu werden, schenkt mir den nötigen Optimismus, um mit Überzeugung sagen zu können: Alles hat seine Zeit. Und das Gras wächst ganz bestimmt nicht schneller, wenn man daran zieht…

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Boathouse Mini in Rostrot

In diesem ganzen süssen, rosa Babynebel, der uns umwabert in diesen Tagen, fällt es mir schwer, mich zu fokussieren. Aufgaben, die weiter reichen als bis zur niedlichen Nasenspitze meines Kleinen oder gar über die absoluten Essentials wie Essenmachen oder Schulthek-Packen hinausgehen, nehme ich oftmals überhaupt nicht richtig wahr. Ich muss mir Mühe geben, Arzttermine oder die Besuchszeiten der Hebamme in meinem Kalender zu notieren bzw. sie überhaupt zu vereinbaren, bevor meine Gedanken, mein ganzes Sein wieder eingenommen wird von Babyflitterwochen und einem nimmersatten kleinen Wesen. Mein Körper scheint ohnehin noch überflutet von irgendwelchen Tranquilizer-Hormonen nach der Geburt; Ich bin die Ruhe selbst. Was aussergewöhnlich ist für mich. Manchmal schimpfe ich, ja. Wenn die Kinder morgens trödeln, und wir ohnehin schon spät dran sind, so wie jeden Tag, seit mein Babyjunge auf der Welt ist, denn seine Bedürfnisse kommen natürlich an erster Stelle, noch vor der Schulhausglocke, und irgendwie scheint er mir morgens immer ganz besonders bedürftig, hungrig und wach, was mit unserem Morgen-Rhythmus kollidiert und es mir schwer macht, alles rechtzeitig unter einen Hut zu bringen. Aber ich schimpfe meist nur halbherzig. Bis mich etwas so richtig auf die Palme bringt, braucht es sehr viel im Moment, ein wunderbarer Umstand, über den ich mich selber wohl am allermeisten freue und der auch den Kindern so richtig gut tut. Sie haben es nämlich nicht unbedingt einfach im Moment. Gerade die Kleinste tut sich äusserst schwer mit den Veränderungen, die auf sie zugekommen sind. Ich glaube, sie fühlt sich manchmal recht verlassen in all dem Trubel um das kleine Kind, das meistens entweder in meinen Armen liegt oder im Tragetuch herum getragen wird, weil es, kaum lege ich es irgendwo ab, sofort zu weinen beginnt. Sie erzählt mir auch, was sie beschäftigt. Dass ich mich „immer um das Baby kümmere“. Dass sie „sich besser kein Baby gewünscht hätte“. Dass wir ihr neues Brüderchen doch „einpacken und verschenken“ könnten. Letzteres immerhin, zieht sie mittlerweile nicht mehr in Betracht. Als ich sie neulich darauf angesprochen habe, meinte sie nur grinsend: „Das kann man ja gar nicht wirklich machen“.
Mir tut es leid, dass sie schon wieder so zu kämpfen hat, meine Kleine. Kaum begann sich das mit dem Kindergarten ein bisschen zu legen und sie fing an, Wurzeln zu schlagen am neuen Ort, in ihrer Gruppe, ihrem ganz eigenen Kinderalltag, wurde ihre Welt gleich nochmals auf den Kopf gestellt. Das ist schwierig für sie. Ein Stück weit erschütternd. Aber es wird besser werden. Einfacher. Für sie verständlicher und vertrauter. Und ich versuche, mich auch in sie hinein zu versetzen, Geduld zu haben und Verständnis, ihr immer wieder Raum zu schaffen, der nur für sie und mit mir sein soll.
Der Rest meiner Bande aber freut sich. Es ist eine gelassene Freude, so als wäre unser Kleiner bereits ganz selbstverständlich und seit jeher Teil von uns. Ich schätze, beim sechsten Kind wird das Grösserwerden der Familie ein wenig zur Routine für die Grösseren…
Nun, ich fand es ganz hilfreich, dass ich die Foto-Session meines rostroten Kinder-Wollpullovers mit einer ausgiebigen Runde Knuddeln verbinden konnte; meine Grosse fühlte sich sofort entspannter mit ihrem Baby-Brüderchen auf dem Arm und kam gar nicht auf die Idee nach ein, zwei Fotos schon die Flucht zu ergreifen. Im Gegenteil; diesem süssen Babyduft kann keiner widerstehen. Da bleibt man auch für fünf, sechs oder achtzehn Fotos auf dem Sofa sitzen…
Ihr „Boathouse Mini“ (nach einer ganz, ganz tollen Anleitung von Alicia Plummer) passt wunderbar zum Herbst, zu Babygeknuddel und unserem alten, schäbigen Sofa. Garn (Drops Cotton Merino) und Schnitt sind leger und bequem und taugen bestens für meinen Wildfang von Mädchen, das sich am allerliebsten draussen rumtreibt und mit einer Gruppe Jungs eine Bande gebildet hat, die sich „Die wilden Biester“ nennt und ganze Nachmittage im Wald an ihrer Hütte baut.
Wir hätten sie Zora nennen sollen.
Hier habe ich für meine 10Jährige die Grösse 10 gestrickt, lange Ärmel gemacht und 325gr. Garn verbraucht. Für einen engeren Halsauschnitt habe ich allerdings nur 110 Maschen angeschlagen und sie dann im Raglan-Stil wie in der Anleitung angegeben bis auf die verlangten 226 Maschen zugenommen. Ich erinnere mich vage, dass auch so der Ausschnitt noch zu locker ausfiel und ich ihn noch in ein, zwei Runden mit der Häkelnadel rundherum enger häkeln musste, darum würde ich empfehlen, am Kragen mit noch weniger Maschen zu starten. Das Bodyshaping habe ich praktisch ausfallen lassen. Ich mag Kinderpullis am liebsten ganz schlicht und ohne Taille.

Wenn ich mir die Bilder so ansehen, dann kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass dieser Pullover -so gerne meinen Mädchen ihn auch trägt- noch besonders lange passen wird. Raum zum Reinwachsen gibt es keinen. Tatsächlich sitzt er bereits jetzt schon ein klein wenig knapp, fürchte ich… Doch das ärgert mich nicht. Nicht bloss wegen den Tranquilizer-Hormonen. Ich habe sehr, sehr gerne an diesem Pulli gestrickt und fühle mich pudelwohl mit der schlichten, klaren Anleitung.
Noch ein „Boathouse Mini“? Vielleicht in Royal Blau oder Schwarz? Mit Bio-Garn diesmal oder schlichtem Leinen? Gern! Immer wieder gern.
Sofern ich überhaupt Zeit dazu finde. Gerade kämpfe ich mit dem zweiten Stulpen für meinen kleinen Jungen, der unbedingt und wirklich demnächst ein Paar Beinstulpen braucht für zum Rausgehen und den immer kühler werdenden Herbst da draussen. Nun… ich komme nicht weiter. Tage verstreichen ohne dass ich auch nur eine einzige, mickrige Masche zustande gebracht hätte. Wahrscheinlich wird es Frühling bis das Paar vollendet ist. Von einem weiteren Mädchenpulli darf also -wenn überhaupt- höchstens geträumt werden…

PS. Vielen Dank für die liebevollen Reaktionen zu meinem letzten Post!!! Ich habe alle sehr, sehr gerne gelesen und mich riesig gefreut! Nach einer traurigen Mail, in der mir eine Leserin davon erzählte, wie sie ihr kleines, süsses Mädchen kurz vor der Geburt verloren hat, schäme ich mich ein bisschen, mich wegen der Geburtseinleitung so angestellt zu haben. Mir ist noch stärker bewusst geworden, wie dankbar ich sein soll/darf, dass alles derart gut gekommen ist und dass es nichts bringt, mir im Nachhinein noch Gedanken über die Umstände dieser eigentlich wirklich guten, einfachen Geburt zu machen. Gerade bin ich im Herzen immer wieder bei der Mutter, die jetzt um ihr Baby trauert. Wie unerträglich traurig muss es sein für sie…
Habt alle meinen innigsten Dank! Und verzeiht, wenn ich manchmal eine Jammertante bin. Ich weiss; ich habe keinen Grund dazu.

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