Archiv der Kategorie: Jahreszeiten

Eine Endsommer-Baby-Latzhose

Drei Schultage liegen hinter mir.
Gerade ist der 4. angebrochen.
Wahrscheinlich ist es noch zu früh, für ein erstes Fazit dieser so besonderen Zeit, aber wenn ich etwas sagen kann, dann dies: Wir sind alle, wirklich alle, vom Jüngsten bis zum Ältesten, jetzt schon völlig durch den Wind. Der allererste Morgen hatte noch einen gewissen Drive, die Euphorie des Neustartes, die uns Flügel verlieh. Am zweiten Morgen berührten unsere Zehenspitzen bereits wieder Boden. Gestern gingen wir recht nüchtern unserer Wege und heut früh war es schon eher ein Schlurfen…
Aber ich weiss. Das ist ganz normal. Wie könnte es auch anders sein, nachdem wir 5 Wochen lang in den Tag hineingelebt haben, mit verschlafenen Morgen und späten Zimmerstunden, mit Essenszeiten nach unserem eigenen Rhytmus und so viel Herumgelümmel oder Abenteuer -am Fluss, in der Stadt, wo auch immer- wie es gerade passte für uns. Jetzt herrscht wieder Ordnung in unserem Tag. Aber die muss von neuem hart erlernt werden.
Was mich betrifft: Ich vermisse den Sommer. Den richtigen Sommer. Diese Phase, in der mich der Morgen mit einem warmen Strahlen begrüsste und die Badesachen meiner Kinder kaum zum Trocknen kamen. Das Grün hat bereits seinen Biss verloren. Ich erahne den Goldschimmer des Herbstes in jedem Blatt, jedem Grashalm, und obwohl noch immer Sommer ist, keine Frage, zieht es wehmütig in meinem Herzen, wenn ich morgens den Grauschleier auf der Strasse liegen sehe, Dunst zwischen den Häusern, eine Ahnung des Nebelgewands, in das uns das Jahr bald für viele Monate hüllen wird…
Die Mädchen spielen draussen, wann immer sie können. (Heute regnet es. Ein Drinnentag steht wohl bevor.) Sie haben ihre Stoffpuppen wiederentdeckt, alles liebevolle Geschenke von wunderbaren Frauen aus der Bloggerwelt, die ich hüte wie Schätze, denn das sind sie auch. Die Meerschweinchen scheinen die langen Schatten zu geniessen; sie mögen ihren Garten dann am liebsten, wenn er dämmerig und still wird und wahrscheinlich können sie den heissen, gleissenden Tagen, die ich mittlerweile lieben gelernt habe, kaum etwas abgewinnen. Der August ist ihre Zeit. Der September nicht minder. Der Oktober…? Nun wir werden sehen. Noch mag ich gar nicht an ihn denken.
Ich habe viel gekocht, die letzten Tage. Schulkinder haben immer Hunger. Und weil ich spüre, wie erschöpft und emotional beansprucht meine Bande gerade ist, versuche ich, kochend und backend im Schweisse meines Angesichts (wie heroisch!) so viele Wünsche als möglich zu erfüllen: Cookies zum nachgefeierten Schulgeburtstag meiner Grossen? Zwischen 70 und 80 Stück? Am 2. Schulmorgen? Klar doch. Schokoladenpudding satt für ein zünftiges Sonntagsdessert? Eye eye Sir, da machen wir doch gleich 2 Liter davon. Ich notiere Menüwünsche und stehe extra früh auf, um allen ein Znüni zu packen.
Aber alles verlangt seinen Tribut: Diese Woche gab es keinen einzigen Abend für mich. Dafür Schlaf. Viel Schlaf. Der mir trotzdem nicht reicht.
Was ich aber habe: jeden Morgen ein, zwei Stunden kinderfreie Zeit! Aus organisatorischen Gründen, weil ich mittages 2 Kinder an verschiedenen Orten abholen und das Essen trotzdem superpünktlich für meinen heim- und gleich wieder zur Schule hetztenden Sekundarschüler auf dem Tisch stehen muss, beginne ich schon um 10:15 mit dem Kochen, doch zwischen 8:30 und 10:15 herrscht gähnende Leere in meiner Agenda. Und das ist wunderbar.
Ein Moment, der mir gehört, mir und meinem Kaffee und den Dingen, die ich auf meine To-do-Liste lasse, doch die beherbergt gerade eine Art Sperrzone zu dieser Zeit, Zutritt nur für VIPs…

Wie diese grüne Latzhose aus herrlich weichen, absolut unkomplizierten 50%Baumwolle und 50%Schurwolle („Cotton Merino“ von Drops).
Sie wurde gestern fertig.
Das Garn spricht auch für den Schnitt: Leger, etwas für buchstäblich jeden Tag, sommers direkt auf der Haut (sofern dann überhaupt eine Hose gewünscht ist), mit Strumpfhosen darunter in der kühleren Jahreszeit. Bei dieser Latzhose habe ich ein gutes Gefühl. Sie ist nicht zu schade für irgendwelches Geklecker oder beim Tragen gezogene Fäden, verzeiht jede Wäsche und darf ruhig irgendwann gebraucht aussehen.
Das mag ich.
Alles, was entlastet und entspannt, mag ich.
Das Strickmuster stammt einmal mehr aus dem „Mama-Baby-Strickbuch“ von Gabriela Widmer-Hanke, enthält aber ein paar kleine Fehler in der Anleitung, über die ich hier in diesem Post betrichtet habe. Sind die aber erst einmal notiert, steht dem absoluten Strickvergnügen nichts mehr im Wege, denn diese Hose ist so raffiniert wie einfach und jeder Schritt der Entstehung nachvollziehbar und genau angegeben. Ausserdem finde ich die Passform wirklich gut, wie ich aus Erfahrung sagen kann. Wahrscheinlich werde ich aber noch eine 2.Reihe Knöpfe annähen oder die beiden Knöpfe einfach nach Bedarf versetzen, damit sie von 3 Monaten (oder früher) bis am liebsten ewig getragen werden kann, aber damit muss ich wohl noch zuwarten, bis das Baby erst mal da ist…
Was die Stricknadel-Stärke angeht: Ich stricke jeweils die Bündchen mit dünneren Nadeln als den glatt rechten Teil, obwohl die Anleitung nicht explizit danach verlangt. Hier habe ich für die „Cotton Merino“ die eher dünnen Nadeln 3.5 für die Beinbündchen genommen und Nadelstärke 4 für den Rest der Hose, wobei ich überlege, ob es nicht vielleicht schlau wäre, auch die Träger mit feineren Nadeln zu stricken, um sie noch stabiler und vom Maschenbild her satter werden zu lassen…

Auf jeden Fall bin ich sehr glücklich, dass diese Hose meinen Strickbeutel wieder frei gibt. So gerne ich sie mag; das viele einsilbige Grün empfand ich mit der Zeit als wenig prickelnd und das an sich schöne, smoothe Gefühl des dahingleitenden Baumwoll-Woll-Fadens ebensowenig. Mich verlangt gerade nach mehr haptischer Struktur und etwas mehr farblicher Variation, wobei ich zugeben muss, dass die rot-violetten Stricksocken, die ich gerade für meine Kleinste auf den Nadeln habe, mich auch nicht unbedingt zu begeistern vermögen… Da muss etwas anderes her. Etwas Neues, Besonderes. Für mich vielleicht sogar…?

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Pandas zum Kuscheln

Und wieder neigt sich ein sonnenschwerer Mittsommertag dem Ende zu. Obwohl die Schatten schon tief liegen und der Garten langsam zur Ruhe kommt, bleibt die Hitze dick wie Caramel. Ich habe Lust auf eine kalte Dusche, auf Kirschen und Maiskolben vom Feuer mit viel Butter und Salz, auf ausklingende Abendstunden mit „Father Brown“ und den beiden Jersey-Röckchen meiner Jüngsten, die noch ihre Flicken aufgenäht haben wollen.
Alles schwingt.
Hin und her.
Wie eine Hängematte, über der die Äste knarren. Gemächlich. Müde. Sonnensatt. Siestawetter. Ruhepausen. Wer Zeit hat, Wasser und ein Laubdach, das Schatten spendet, darf sich glücklich schätzen.
Ich glaube, im Moment habe ich alles.
Und mehr.
Zum Beispiel diese beiden wunderbaren Kuschelkissen. Kinderkunst-Kuschelkissen. Zwei Pandas zum Knuddeln und Knautschen.
Ich erinnere mich noch, wie meine beiden kleinen Mädchen daran gezeichnet haben… Im Mai war das, aber es erscheint mir Ewigkeiten entfernt. So vieles ist anders geworden; der Himmel, das Grün der Pflanzen, das weit weniger satt wirkt und bereits den ersten Goldschimmer des Herbstes in sich trägt. Mein Bauch ist prall und schwer und erst gestern nacht hatte ich das Gefühl, erste Senkwehen zu spüren. Oder Vorwehen. Wer weiss. Bis zum September geht es nicht mehr weit. Schuleintritt, ein Abschied vom Ganz-zuhause-Kind und der erste Tag im Kindergarten stehen genauso felsenfest und mahnmalähnlich vor meinem inneren Auge wie der noch nicht ganz nahe, aber auch nicht mehr ganz so abstrakte Geburtstermin dieses Endsommerbabys. Kind1 ist mit seiner Liebsten zelten, mein Mädchen zieht nachmittags von Gspänli zu Gspänli, zuhause wird Musik gehört (Kind2, pausenlos), geplantscht und gespielt und vergessen aufzuräumen.
Es sind volle Tage. Tage der Veränderungen, kleinen Abschiede, eine Zeit des Loslassens und Festhaltens und Vertrauen-Fassens.
Und ich weiss; auch dieser Sommer wird zu Ende gehen.
So wie immer.
Neues wird kommen.
Mein Herz bewegt sich langsam und leise.
Es bereitet sich vor.

Ich bin froh, dass ich mir heute soviel Zeit und Musse nehmen konnte, diese beiden Kissen fertig zu nähen. Meine Schubladen und Schränke horten immer mehr angefangene Projekte, als mir lieb ist, und es schenkt mir Frieden, ab und zu das eine oder andere doch noch zur Hand zu nehmen und mich ihm zuzuwenden. Dinge abschliessen macht zuversichtlich. Es ordnet von aussen nach innen. Und nichts geht verloren.
Die Stoffmalbilder meiner beiden kleinen Mädchen sind wunderbar bunt und munter. Auch das tut mir wohl.
Und alles -von den Farben über die Füllung bis hin zu sämtlichen Stoffen- besteht voll und ganz aus Natur- und Recycling-Materielien. Nachhaltig vom ersten Stich bis zum letzten. Denn die Textilmarker sind secondhand, Übrigbleibsel von einer Hochzeitsfeier. Alle weissen Stoffe uralte Laken vom Trödler, umgewandelt in etwas Neues. Die Inlets stammen aus meiner Restekiste und waren zurvor zerschlissene Kopfkissen, genauso wie die beiden Kissen-Rückseiten. Nur die Stopfwolle, die ist mehr oder weniger neu. Also vielleicht doch eher weniger als mehr: Meine Mama hatte diese Rohwolle seit 20 Jahren auf dem Speicher, bevor ich mir daraus einen kleinen Stopfwoll-Vorrat angelegt habe…

Ich bin dankbar. Wieder etwas vollbracht. Abgeschlossen. Ver-voll-ständigt. Ein weiteres Stück Glück.

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Abenteuer Kool-Aid

Sommerflimmerhitze. Kaffee-Eis schmilzt in meinem Bauch. Ich bin träge wie ein Nilpferd und kraftlos wie eine welke Tulpe. Alles dauert ewig und zwei Tage. Ich fühle mich zäh und bedroht von meiner Schwerkraft; jede Bewegung kostet so schrecklich viel Energie und Muskelkraft, allein das Aufhängen einer Socke überschreitet mein Stemmvermögen…

Aber so ist das nunmal.

Juli-Sommer und hochschwanger und ein Eisenspiegel, der schon seit 2 Wochen bedrohlich tief im Keller liegt – das zusammen ergibt ganz einfach eine denkbar bürdenreiche Kombi. Da kann man nicht klagen. Nur abwarten, kalten Tee trinken und sich üben in der Golddisziplin „Geduld“. Bis es etwas abkühlt. Bis die Frauenärztin zurück ist aus den Ferien. Bis zur Eiseninfusion. Bis auf  leichtere Tage, in denen das Leben wieder an Schwung gewinnt.
Und zwischendurch hilft auch ein Blick zurück. Auf die letzte Woche, die sich irgendwie ganz wunderbar entspannt, licht und unkompliziert von Tag zu Tag spann wie ein Spinnwebfaden aus Seidensilber, den das Sonnenlicht bunt einfärbt.
Zwei meiner Kinder verbrachten ihre Zeit mit Papa im Indianerlager, was fürchterlich viel Spass gemacht haben muss und allen so richtigrichtigrichtig gut tat. Und der Rest meiner kleinen Schar teilte sich das Haus mit Gästen aller Art, mit spontanen Mittagsgästen, der ersten Liebe meines Sohnes, mit Übernachtungsbesuch und Kaffeeklatsch. Kunderbunt war das. Belebt wie eine italienische Piazza. Die Türklinke ging von Hand zu Hand, Stimmengewirr erfüllte die Räume, und dazwischen putzte ich die verwaisten Zimmer, gab Gerümpel ins Brocki und freute mich an der Ausgeglichenheit der Stunden.
Nicht zu viel.
Nicht zu wenig.
Es war warm, aber massvoll, und geschlafen habe ich wie ein Herrgöttlein.

Und dann haben wir Wolle gefärbt. Zwischen Johannisbeer-Muffins-Backen, Badezimmerputzen und dem Ernten frischer Zuchini. Noch quasi mit Essigreiniger an den Händen.
Beim Ausräumen einer alten Kommode kam mir ein Paket in die Hände, das mir Rita einmal vor an die 7 oder 8 Jahren zugeschickt hat, ein Färber-Paket, komplett mit blütenweisser Sockenwolle, Kool-Aid-Getränkepulver in 3 Farbtönen (und Geschmacksrichtungen), mit Plastikhandschuhen und zweierlei extra für mich ausgedruckten Anleitungs-Seiten, alles so durchdacht und vollständig, dass es eigentlich keine Entschuldigung mehr gibt für die verstrichenen 7 oder 8 Jahre, die dieses Woll-Färbe-Set unberührt in meiner Schublade gelegen hat.
Ausser vielleicht dieser hier: Ich tue mich grausam schwer mit allem, was neu ist. Ich habe Angst vor Fehlern. Sie wiegen schwer wie Tadel und hemmen alle Neuschritte.
Dabei war es nicht schwer. Das Färben. Nichts daran. Selbst meine 2 kleinen Mädchen kamen damit zurecht, hantierten souverän mit Löffel und Farbe und klecksten dicke Pfützen zur Wolle aufs Blech. Rote Pfützen vor allem, denn zwei der drei Kool-Aid-Sorten mögen vielleicht verschieden geschmeckt haben, sahen sich aber farblich gleich wie Zwillinge; kirschrot, tomatenrot, ein klein wenig wie frisches Blut aus einem Schnitt.
Doch wir haben nichts gegen etwas Blut. Und gegen Kirschen und Tomaten schon gar nicht.
Weil es gerade so praktisch war, kamen die beiden vollgeklecksten Wollstrangen gleich mit den Blechen in den Backofen zum Fixieren. Und dann vom Ofen ins Bad, vom Bad an die Leine, von der Leine ins Wollregal, vom Wollregal ins Strickkörbchen. Zumindest einer der Strangen, der meiner Kleinsten. Weil sie genauso neugierig war auf das Farbbild, das ihr Färbewerk verstrickt abgeben würde wie ich. Und weil sie warme  Socken brauchen wird im Herbst. Für den Waldtag im Kindergarten, wo nur noch Gummistiefel gegen das Nass in den Gunten und matschigen Waldwegen helfen und Wolle gegen die Kälte, die sich so rasch zwischen kleinen Zehen verkriecht.
Nun; das Farbbild ist… speziell.
Das sicherlich.
Vielleicht doch ein bisschen viel Blut im Rot und zu wenig Nuancen-Reichtum insgesamt. Wir hätten es wohl doch besser bei den Farbpfützen lassen sollen und nicht gleich alles Weiss zu ertränken brauchen. Sprenkel hätten auch gereicht. Aber man muss das verstehen; der Spass war einfach zu gross, da konnte man kaum aufhören mit Klecksen und Tränken und Verteilen und irgendwie schien es bald einmal zu wenig Wolle für all die schöne Farbe.
Nun, Socken sollen es werden und Socken werden es auch. Und wenn dann die Erinnerung an diese wunderbare, reiche, üppige Sommer-Zeit, an all die Freude und Spannung und Versunkenheit des Moments an düsteren Regenwetterherbsttagen aus nassen Gummistiefeln blitzt, in ihrer ganzen kirschtomatenblutroten Pracht… dann soll mir das nur recht sein.
Danke Rita.
Danke Sommer.
Danke Leben.

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Gartengrüsse

Eine Flut an Fotos lasse ich heute über euch hereinprasseln. Regenwolken, die sich leeren, und es hüpfen grüne Bildertropfen.
Es ist nicht übermässig viel Zeit, die ich im Garten verbringe. Zu wenig Zeit eigentlich sogar. Aber die Arbeit im Haus will und will kein Ende nehmen, und wenn ich es dann schaffe, mir ein paar freie Minuten zurecht zu büscheln, in denen ich ein klein wenig in der Laube sitze, um zu stricken, dann geht es wimpernschlagschnell- und alles ist wieder vorüber; die Kinder verlangen nach mir, das Abendbrot will gekocht werden, eine neue Ladung Wäsche braucht eine ordnende Hand, das Hamsterrad dreht sich weiter.
Aber nicht immer ist Quantität alles. Auch wie etwas sich anfühlt, zählt. Für mich ganz besonders. Und die Augenblicke draussen im Garten -mögen sie noch so kurz sein und noch so unspektakulär- sind wirkliche Oasen-Momente. Voller Licht und Frieden und mit einem Hauch der Freiheit, nach der ich mich immerzu sehne.

Wir haben nicht sonderlich viel angepflanzt in diesem Jahr. Bloss dies und das und eigentlich nur, was wir gerne essen und problemlos auch in unserem kleinen Fleckchen Erde wächst und gedeiht. Da ist (nie genug) Basilikum. Für Pesto (ich liebe dieses hier!), Tomate-Mozarella-Salat und Pizza Margeritha. Zuchetti-Pflanzen, um die ich mir die ersten paar Wochen nach dem Einpflanzen so meine Gedanken machte, weil sie überhaupt nicht zu wachsen schienen, sondern im Gegenteil immer mickriger wurden, genauso wie die Sonnenblumen, die heute zwischen ihnen emporschiessen wie grüne Speere, in ihrer ersten Zeit draussen im Freien aber geradezu jämmerlich aussahen. Zuchetti und Sonnenblumen gehören für mich zum Sommer wie Wassermelonen, saftig-süsse Pfirsiche oder die kleinen, weichen Aprikosen aus dem Wallis, von denen ich körbeweise vom Dorfladen nach Hause schleppe und mich kaum satt essen kann daran. Mein Blutzuckerspielgel freut sich bestimmt sehr viel weniger darüber als mein Gaumen, aber dem konnte ich ohnehin nicht mehr Herr werden die letzten ein, zwei Wochen über, egal wie sehr ich mich auch bemüht, gleichgültig wie tapfer ich morgens meinen Joghurt-Quark nature „mit ein paar Beerchen für den Geschmack“ in mich hinein geflöffelt habe, während der Rest der Familie sich an Schokomilch labte und Honigbrötchen serviert bekam. Nicht dass ich mich auf das Insulin-Spritzen freue. Aber wenn mir das erlaubt, mich an den Dingen satt zu essen, nach denen mein Körper wirklich und lautstark verlangt, an Sommerfrüchten, lichtgetränkten Beeren und süsssaftigem Juli-Obst, dann, nun gut, so sei es.
Ich möchte wieder an den Himbeersträuchern vorübergehen dürfen und mir sorglos Beeren frisch vom Strauch in den Mund schieben. „Aprikosen satt“ anstelle von der „kleinen Handvoll“, wie die Ernähungsberaterin es mir verschrieben hat.
Und ganz, ganz ehrlich; ich freue mich auch auf Eiscreme und Geburtstagstorte, wenn dann meine Grosse Ende Juli ihren 10.Geburtstag feiert…

Was wächst sonst noch im Gärtchen diesen Sommer?
Hm…
Der Aprikosen-Spalier trägt grüne Früchte. Sie sind dick und unversehrt und sehen vielversprechend aus. Genauso wie die Quitte in der Mitte der Meerschweinchen-Wiese. Oder der Feigenbaum vor der Laube. Nachdem wir aber von all den einstmals im grünen Stadium noch prall und fest aussehenden Miniatur-Kirschchen keine einzige ernten konnten, halte ich nicht fest an meinen Hoffnungen; es reift, was reift. Und was verschwindet (wie die Kirschen) oder Vögeln, Käfern, Raupen zum Opfer fällt, das… geht eben zurück zur Natur. Eine Opfergabe an die Kräfte dieses wunderbaren Grünens und Reifens, ein Geschenk an all ihre winzigen, gefiederten oder pelzigen Mitarbeiter, die in diesem Kreislauf ihren Teil beisteuern.
Es ist auch irgendwie ein Glück, nicht von dem leben zu müssen, was wir hier anpflanzen, was wir hegen und pflegen oder auch einfach wild vor sich hinwachsen lassen. Gelassenheit und ein Stück weit frei zu sein von jeglichen Gärtnerinnen-Sorgen, das ist etwas, wofür ich extrem dankbar bin im Moment. Alles, was ich als Segen empfinden darf ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, eines Tages über seinen Verlust trauern zu müssen, ist gut.
Ach ja; wir haben auch Fenchel. Zum ersten Mal überhaupt. Der gehört den Meerschweinchen und Schwalbenschwanz-Raupen, von denen gerade prächtige 8 Kokons im Schmetterlings-Hotel metamorphosieren. Fenchel mögen wir nicht sonderlich. Die Raupen und Meerschweinchen schon. Und er sieht entzückend aus in den Beeten.
Gleich daneben wachsen Salate für unsere Sommermahlzeiten. Kohlrabi zum Dünsten und Dippen. Ringelblumen und Horteniesn für Auge und Herz. Pfefferminze, Thymian, Rosmarin und Zitronenverveine als Kraftspender und Naturmedizin. Winzige Äpfelchen, Birnen, üppige Holunderbeerendolden, Zwetschgen, Cassis. Es wächst so vieles… aber von allem nur wenig. Ob wir im Herbst überhaupt in einen Apfel, eine Birne, eine Zwetschge beissen werden, bleibt eine momentan noch unbeantwortbare Frage; manches gedeiht prächtig, anderes nur zögerlich oder gar nicht. Und selbst das, was wächst, reicht kaum je aus, um zu Vorräten zu werden. Ein paar frische Sommer-Herbst-Mahlzeiten, und alles ist weg. Bis auf die Johannisbeeren vielleicht. Oder die Quitten. Zuverlässig jedes Jahr füllen sich die Regale im Keller mit hausgemachtem rubinrotem oder honiggelbem Gelée. Gerade steht eine Schüssel neben mir voller kleiner, leuchtend roter Beerchen, aus denen ich Beeren-Muffins machen möchte, um meinen Erstgeborenen heute abend von einer Camping-Woche wieder zuhause willkommen zu heissen…

Mein Garten ist alles für mich. Zufluchtsort. Naschparadies. Heilmittelstätte. Lebens- und Lebendigkeits-Raum. Berührungspunkt zwischen mir und Mutter Erde. Meerschweinchen-Streichelzoo, Spielwiese, Ort, an dem sie Seele baumelt und kleine Piratenkinder schaukeln. Lehr- und Lernreich. Grünes Märchenschloss. Blühendes Versprechen. Manifestierter Sehnsuchtsgedanke. Hunger nach mehr.

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