Archiv der Kategorie: Häkeln

Wochen-Ende: Adventlich?

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Dieses Haus hier erlebt kaum je einen richtigen Adventszauber mit toller, aufwändiger Deko, Lichtermeer, Falt-Sternen und all den weihnachtlichen Herrlichkeiten, die ich anderswo immer so bewundere…
Irgendwie kriegen wir das einfach nicht hin- und ganz ehrlich; ich glaube, das passt auch einfach nicht zu uns.
Doch an sich braucht es nur wenig, um mich froh und adventlich zu stimmen:
Plätzchen zum Beispiel (zur Not und auf die Schnelle auch die Schoko-Cornflakes, die wir heute zusammengepanscht haben), die eine oder andere, sauber geräumte Ecke (darum die Kleider auf dem Foto; alle zu klein und seit heute im Speicher eingetütet bis sie wieder wem neuen passen), Holzsterne (gesägt vom Schwiegerpapa meiner Schwester, was für eine Freude!), Kerzenlicht (in diesem Fall die herrliche Lavendel-Duftkerze von „grüne Erde“, die ich mir selber zum Geburtstag geschenkt habe)- und ganz viel freie, entspannte Zeit, drinnen oder draussen oder dazwischen.

Entspannt hat er sich auch wirklich angefühlt, dieser Sonntag. Irgendwie kam es mir so vor, als würden die Kinder länger und schöner zusammen spielen, als auch schon, und die am Tag zuvor frisch gemisteten Meerschweinchen-Gehege und die lang und sorgfältig gestaubsaugten, endlich von Heu und Stroh befreiten Zimmer gaben mir exakt den Hausfrauen-Kick, den ich brauchte. Ausserdem kochte mein Mann. Und die Kinder räumten den Tisch ab.
Perfekt, wirklich, ganz nach meinem Geschmack.

Die Samichlaus-Zeichnungen an meiner Pinnwand lassen mich schmunzeln. Auch der Erinnerung wegen. Das war schon was, wie Kind2 und meine beiden Mädchen in einer Anwandlung pursten Feuereifers samstagmorgens Nikoläuse aufs Papier klatschten (kunstvoll und sorgfältig- aber in Windeseile!) und damit dann zum Dorfladen sausten. Zum Dorf-Chlaus, der wie versprochen dastand und Zeichnungen gegen Chlaussäckli tauschte und meine mutigen, vor Eifer und Hektik und Herbstwindluft ganz rotbackigen Kinder zahm wie Lämmchen -aber rundum glücklich- zu mir zurückkehren liess…

Noch runder wird dieses Wochen-Ende dank den wunderbar stillen Abenden in meiner Schreib- und Strick-Ecke. Herr Kirschkernzeit hat auf einen kleinen Wink meinerseits hin diesen scheusslichen Kasten von Kopiergerät daraus verbannt und nun gibt es plötzlich wieder mehr Platz, Platz zum Füllen und Möbelrücken und Neu-Einrichten… Ich spüre, wie sehr mich genau das reizt. Das Umräumen und Neu-Gestalten. Oder nur schon das Träumen davon…
Aber bis dahin… bleibe ich einfach noch ein bisschen hier sitzen, in meiner alten Ordnung, an meinem dunklen Nussbaumtisch mit dem weissen Leinentischtuch, wo immer alles ein bisschen durcheinander liegt, weil mir die Zeit meistens zu schade ist zum Aufräumen (na, lasst das mal nicht meine Kinder hören…!).
Ich häkle noch immer tapfer vor mich hin, an meiner kleinen Häkeldecke, Reihe für Reihe und hoffe, dass mein Garnvorrat bis zum Ende ausreicht, knapp ausreicht am besten, so dass Platz entsteht in meinen Wollschubladen und alles seine Bestimmung findet darin. Das Weg-Stricken und -Häkeln all dieser gehorteten Schätze tut mir richtig gut. Ein bisschen wie Frühjahrsputz.
Wenn ich so dasitze und häkle, vielleicht (wenn ich Glück habe. Oder Geburtstag) mit Pralinen, vielleicht mit einem Teller Guezli und einer Tasse heisser Milch, sanft beschienen von meiner huschhusch aufgehängten Lichterkette… dann fühlt sich das eigentlich ja schon ganz richtig an- romantisch und feierlich. Adventszauber pur.

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like Instagram 23

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

DSC_2379Mal sehen, wie viele Reihen ich schaffe, bevor das Baby wieder aufwacht…

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Aufwärts-Spirale

Eigentlich kann ich gar nicht häkeln. Also nicht so richtig jedenfalls. Ich weiss, wie man Luftmaschen anschlägt und wie feste Maschen gehen oder Kettmaschen, und wenn ich eine Step-by-Step-Anleitung neben mir habe, dann schaffe ich auch Stäbchen, ganze wie halbe. Aber häkeln können? Ganze Muster, Spitzendecken-mässig verschlungen oder Jäckchen und Pullis und all das, so dass sie später dann auch passen und gleichmässig bleiben, nicht etwa an den Ecken verzogen? Niemals würde ich das schaffen. Das weiss ich genau. Spätestens seit meiner grünen Häkel-Weste damals *hüstel*, die ganz schief wurde und falsch, und während der Schwangerschaft zwar ganz nett aussah über meinem Kugelbauch, jetzt mit ohne Bauchrund aber wieder genauso schäps an mir aussieht wie zuvor (Ich habe sie neulich bei 40 Grad gewaschen. Seither sitzt sie etwas enger. Das immerhin macht die Sache etwas besser, mich aber wiederum misstrauischer gegenüber meinem Lieblings-Baumwoll-Garn „Safran“ von Drops. Weil; Darf das wirklich so stark eingehen?)
Häkeln jedenfalls ist etwas, das ich an sich ganz toll finde, weniger der reinen Optik wegen -ich denke, ich bin, was das angeht, doch eher der Stricksachen-Typ- sondern mehr deshalb, weil mit Häkeln wieder ganz andere, schöne Dinge möglich sind, Amigurumi zum Beispiel (da habe ich immerhin mal einen lila Drachen geschafft, wie genau ist mir heute allerdings schleierhaft) oder diese wunderhübschen, kunterbunt geschwungenen Häkeldecken. *schmacht* Wie gesagt, nur leider kann ich nicht wirklich häkeln.

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Ganz ähnlich geht es mir mit meinem Haushalt. Auch das kann ich nicht so wirklich richtig, das Haushalten. Ich bin zwar wahrscheinlich noch nicht gerade ein pathologischer Fall, aber es könnte ganz bestimmt nicht schaden, wenn meine Fenster nicht immer ein volles Jahr oder mehr warten müssten, bis jemand sie mal wieder ordentlich putzt, wenn Mahlzeiten liebevoll und in aller Ruhe vorbereitet würden (und nicht so gehetzt und improvisiert wie ich das mache seit meine Kleine auf der Welt ist) oder jeder von uns wenigstens ein Paar Schuhe besässe, wo weder der grosse Zeh vorne rausguckt (kein Witz. Fragt Kind2) noch ein halber Acker in Form von angetrockneten Dreck-Klumpen von den Sohlen krümelt.
Ich habe bereits alles mögliche versucht, Aufgaben-Listen, Menu-Pläne, das Strukturieren meines Tages am Vorabend, das vermehrte Miteinbeziehen der ganzen Familie… Jeder Versuch war wertvoll und ein Lichtblick am Horizont, aber gehalten hat alles immer höchstens ein paar Tage. Dann fiel ich wieder zurück in meine alten, bauchgefühlsbezogenen Muster und tat, was ich immer tue: Einfach mal sehen, was kommt.

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Häkeln und Haushalten. Beide Themen haben zwei Dinge gemeinsam: 1. Ich scheine kein sonderlich gutes Händchen dafür zu haben, teils vielleicht, weil mir nie jemand gezeigt hat, wie man so was richti macht, teils weil mir anderes immer wichtiger erschien und ich zum Lernen vielleicht auch ein wenig zu … bequem beschäftigt war. 2. Es ist mir nach wie vor Ernst damit: Ich möchte besser werden, kompetenter, sicherer (und darum gelassener). Ich möchte an mir arbeiten.
Und damit habe ich nun begonnen. Mit dem An-mir-Arbeiten. Und zwar in meiner Gerümpelkammer, der das allerbeste Plätzchen ist für so ein Unterfangen. Dort nämlich stehen noch immer Kisten voller Garn-Knäueln, die ich einmal unbedingt haben musste und dann mit der Zeit einfach aus den Augen verlor. Garne sind genau das, was cih brauche, sowohl zum Häkeln-Lernen, als auch dafür, mehr Ordung und System in einen so grossen, vollen Haushalt wie meinen zu bringen. Wenn die patente Hausfrau ihren Haushalt in den Griff bekommen will, fängt sie nämlich immer damit an: Sie entrümpelt. Jawohl. All ihr angestaubten Woll-Knäuel in euren Kisten, macht euch auf etwas gefasst!

Häkelteppich

Eine dieser Kisten habe ich gleich ratzeputz leer geräumt und mit den etwa 18 Knäueln Schurwolle „Eskimo“ -immer zwei Fäden doppelt genommen-  angefangen zu häkeln. Mit Häkelnadel Nummer 12.  6 Luftmaschen zuerst, die durch eine Kettmasche zu einem Kreis gezogen wurden, und dann immer weiter und weiter im Kreis herum, die ersten paar Runden noch ganz falsch mit einem verkehrt in die Maschen eingestochenen Häkchen, dann später ein bisschen korrekter, systematisch im Aufnehmen neuer Maschen, intuitiv in der Farbwahl, immer weiter und weiter nach aussen, in einer regelrechten Aufwärts-Spirale Richtung leergehäkelte Woll-Kiste, Richtung kleines Erfolgs-Erlebnis, Richtung Häkel-Teppich. Denn genau das sollte es werden, ein Häkel-Teppich, ein runder, einer wie diese schönen amerikanischen RagRugs, die man immer sieht bei Soulemama und Co.

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Das ist er also.
Weil so ein Teppich schwer wiegen muss, damit er schön flach auf dem Boden aufliegt, kam er nach dem Häkeln gleich in die Waschmaschine. Einfach nur rund gehäkelt war er zu luftig und zu uneben und bei jeder Berührung zerknautschte er sich sofort. Nach einer Runde in der Trommel bei 40 Grad im Kurzgang, mit dem Waschmittel, das ich immer nehme (selbstgemacht aus Seife und anderem, aber ich wette, alles andere geht genauso) liegt er nun flach und schwer und wunderbar beständig auf dem Boden und erfreut das Auge, genauso die Füsse und noch mehr mein Herz.
900 Gramm Wolle und eine Ladung Wäsche später ist mein Selbstbewusstsein deutlich gestärkt. Ich mag eine lausige Häklerin sein, aber für einen Teppich reicht es, und was meine (mangelnden) Fähigkeiten als Hausfrau angeht… also, ich meine, ein 5Gang-Vollwert-Menu ist es ja nicht gerade, in meinem Kühlschrank bräuchte man eine Art Strassenkarte, um das Glas mit den angefangenen Gurken zu finden und 21 meiner 24 (!) Fenster sind schmutzig… aber hey: Ein Teppich! Mit seinen 80cm Durchmesser zwar ein recht kleiner Teppich, zugegeben, aber ein Teppich ist… immerhin ein Teppich, oder?

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Und nachdem ich extra für ihn und aus purer Freude und Erleichterung in der ehemals düstersten und langweiligsten Ecke meines lila Zimmers eine kleine Kuschelecke für meine Kleine(n) hergerichtet habe (schliesslich ist es auch ihr Zimmer), bin ich dem kompetente-Hausfrau-Hochgefühl doch schon ganz, ganz nah.
Bis zum Mittag wahrscheinlich.
Dann muss ich den Kühlschrank öffnen. Und mein Glas Gurken suchen. Ohne Strassenkarte.

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Eine lindgrüne Häkelweste oder: Alles wird gut!

Vor einer Weile fand ich irgendwo in der hintersten Ecke meiner Gerümpelkammer eine lindgrünes, gehäkeltes Knäuel, ziemlich zerknautscht und lieblos in die Versenkung gepfeffert. Ich nahm es zur Hand und faltete es auseinander: meine „alte“, niemals getragene, niemals hier gezeigte aber eigentlich längst fixfertige Häkelweste (die in ein paar alten Posts ein bisschen hervorblitzt, zB. hier, hier und hier) …


Ich weiss noch, wie euphorisch ich sie angefangen habe, damals… Ist es wirklich schon bald ein Jahr her? Das wunderschöne Bild dieser Weste bei Drops versetzte mich in einen regelrechten Häkel-Rausch, und obwohl ich nun wirklich nicht sonderlich gut häkeln kann (was sich dann auch zeigte ein bisschen später), stürzte ich mich hinein in feste Maschen, dreifache Stäbchen und all die Freuden und Tücken dieser Art von Handarbeit. Im festen Glauben daran, alles schaffen zu können, mit ein bisschen Hilfe vielleicht und etwas Zeit. Jaja, Sturm und Drang und ihre Flügel…


Ich weiss aber auch noch, wie sich erste Fehler einschlichen und ich Dutzende von Reihen wieder auflassen musste. Und wie die Euphorie so langsam einem nagenden Zweifel wich. „Kann ich das überhaupt? Stimmt das Häkelmuster wirklich so? Wird mir diese Weste denn auch passen?“


Tja, und schlussendlich, nach scheinbar endlosen Abenden mit der „Bill Crosby Show“, einer hin und her flitzenden Nadel zwischen einem Gewirr aus grünem Garn („Safran“ von Drops übrigens) und einem immer flauer werdenden Magen – denn ich war inzwischen schwanger geworden- hielt ich sie in den Händen, meine fertige, lindgrüne Häkel-Weste.
Ich probierte sie sofort an.
Und war alles andere als begeistert. Nichts passte. Nichts war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. (Bis auf die Farbe vielleicht).
In einem Anflug von Optimismus gab ich dem Ganzen eine neue und letzte Chance und häkelte Ärmel daran…


Aber nicht einmal das machte die Sache besser: Weil ich die Arm-Ausschnitte tiefer gesetzt hatte, damit mich die untere Armnaht nicht einengt unter den Achseln, schimmerten beim Ärmel die Achselhöhlen zwischen dem Passenmuster durch, was einfach irgendwie vollkommen falsch aussah…
Ich liess den Ärmel wieder auf, nähte, aller Enttäuschung zum Trotz, noch die kleinen Holzknöpfe an, die ich mir extra gekauft hatte und schmiss dann frustriert das Handtuch. Und diese kleine Weste in jene Ecke, wo ich sie vor Kurzem erst wiederfinden sollte.

Aber… nun ja… was soll ich sagen?
Ich zog sie mir, mehr aus Neugierde, noch einmal über, diesmal mit nicht mehr ganz so flauem Magen, dafür mit einem schwellenden Bauch, in dem das Leben strampelte …


Und seither habe ich sie kaum mehr ausgezogen!
Denn jetzt passt sie! Wie durch ein Wunder! Sie passt hinten und vorne und überall, vor allem rund um meinen Babybauch, den sie wunderbar weich umspielt und sanft einpackt, wenn ich die unteren Knöpfe auch noch schliesse. Als hätte sie nur auf meine neuen Rundungen gewartet… Eine Babybauch-Weste. (Und darunter, mein geliebtes, neues Babybauch-Kleid, das mir Sanne Fliedermütterchen geschickt hat, dieser Engel, und das ich nun auch fast Tag und Nacht trage.)


Ich weiss nicht… irgendwie macht sie mich glücklich, diese Weste. Auf eine ganz sonderbare Art und Weise. Vielleicht, weil ich durch so viele Emotionen gehen musste, bei ihrer Entstehung. Durch Euphorie, leise Verzweiflung, Hoffnungsschimmer und all die anderen, ganz schrecklich intensiven Gefühle, die mich durchschüttelten im letzten Herbst und jener ersten Zeit der Schwangerschaft, in der es mir körperlich wie seelisch wirklich nicht gut ging und wo sich plötzlich auch ganz andere, ein wenig verdrängte innere Kämpfe wieder meldeten…
Es gab manche Momente, wo ich nicht mehr weiter wusste, wo ich mir schlichtweg das Licht am Ende des Tunnels fehlte. Und manchmal hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. So wie meine Weste, an der mir alles krumm und schief und vergeblich erschien.

Und heute?


Heute sehe ich die Welt mit anderen Augen.
Da ist dieses kleine Wesen in meinem Bauch,  da sind zwei Jungens und ein kleines Mädchen, die zu mir gehören wie meine eigenen Hände und ein unglaublicher Mann an meiner Seite, den ich liebe und der mich liebt, immer. Da ist ein lila Zimmer, in dem ich mich so wohl fühle und ein Leben, das erst anzufangen scheint, das jeden Morgen neu beginnt und es sich nicht nehmen lässt, sich trotzig immer wieder alles zu wünschen und ein bisschen zu träumen…
Und das ist eine kleine, nicht sonderlich spektakuläre Häkelweste, die mir einmal mehr gezeigt hat, dass es stimmt, was die Leute manchmal sagen: Alles wird gut. Bestimmt.

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