Archiv der Kategorie: Häkeln

Aufwärts-Spirale

Eigentlich kann ich gar nicht häkeln. Also nicht so richtig jedenfalls. Ich weiss, wie man Luftmaschen anschlägt und wie feste Maschen gehen oder Kettmaschen, und wenn ich eine Step-by-Step-Anleitung neben mir habe, dann schaffe ich auch Stäbchen, ganze wie halbe. Aber häkeln können? Ganze Muster, Spitzendecken-mässig verschlungen oder Jäckchen und Pullis und all das, so dass sie später dann auch passen und gleichmässig bleiben, nicht etwa an den Ecken verzogen? Niemals würde ich das schaffen. Das weiss ich genau. Spätestens seit meiner grünen Häkel-Weste damals *hüstel*, die ganz schief wurde und falsch, und während der Schwangerschaft zwar ganz nett aussah über meinem Kugelbauch, jetzt mit ohne Bauchrund aber wieder genauso schäps an mir aussieht wie zuvor (Ich habe sie neulich bei 40 Grad gewaschen. Seither sitzt sie etwas enger. Das immerhin macht die Sache etwas besser, mich aber wiederum misstrauischer gegenüber meinem Lieblings-Baumwoll-Garn “Safran” von Drops. Weil; Darf das wirklich so stark eingehen?)
Häkeln jedenfalls ist etwas, das ich an sich ganz toll finde, weniger der reinen Optik wegen -ich denke, ich bin, was das angeht, doch eher der Stricksachen-Typ- sondern mehr deshalb, weil mit Häkeln wieder ganz andere, schöne Dinge möglich sind, Amigurumi zum Beispiel (da habe ich immerhin mal einen lila Drachen geschafft, wie genau ist mir heute allerdings schleierhaft) oder diese wunderhübschen, kunterbunt geschwungenen Häkeldecken. *schmacht* Wie gesagt, nur leider kann ich nicht wirklich häkeln.

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Ganz ähnlich geht es mir mit meinem Haushalt. Auch das kann ich nicht so wirklich richtig, das Haushalten. Ich bin zwar wahrscheinlich noch nicht gerade ein pathologischer Fall, aber es könnte ganz bestimmt nicht schaden, wenn meine Fenster nicht immer ein volles Jahr oder mehr warten müssten, bis jemand sie mal wieder ordentlich putzt, wenn Mahlzeiten liebevoll und in aller Ruhe vorbereitet würden (und nicht so gehetzt und improvisiert wie ich das mache seit meine Kleine auf der Welt ist) oder jeder von uns wenigstens ein Paar Schuhe besässe, wo weder der grosse Zeh vorne rausguckt (kein Witz. Fragt Kind2) noch ein halber Acker in Form von angetrockneten Dreck-Klumpen von den Sohlen krümelt.
Ich habe bereits alles mögliche versucht, Aufgaben-Listen, Menu-Pläne, das Strukturieren meines Tages am Vorabend, das vermehrte Miteinbeziehen der ganzen Familie… Jeder Versuch war wertvoll und ein Lichtblick am Horizont, aber gehalten hat alles immer höchstens ein paar Tage. Dann fiel ich wieder zurück in meine alten, bauchgefühlsbezogenen Muster und tat, was ich immer tue: Einfach mal sehen, was kommt.

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Häkeln und Haushalten. Beide Themen haben zwei Dinge gemeinsam: 1. Ich scheine kein sonderlich gutes Händchen dafür zu haben, teils vielleicht, weil mir nie jemand gezeigt hat, wie man so was richti macht, teils weil mir anderes immer wichtiger erschien und ich zum Lernen vielleicht auch ein wenig zu … bequem beschäftigt war. 2. Es ist mir nach wie vor Ernst damit: Ich möchte besser werden, kompetenter, sicherer (und darum gelassener). Ich möchte an mir arbeiten.
Und damit habe ich nun begonnen. Mit dem An-mir-Arbeiten. Und zwar in meiner Gerümpelkammer, der das allerbeste Plätzchen ist für so ein Unterfangen. Dort nämlich stehen noch immer Kisten voller Garn-Knäueln, die ich einmal unbedingt haben musste und dann mit der Zeit einfach aus den Augen verlor. Garne sind genau das, was cih brauche, sowohl zum Häkeln-Lernen, als auch dafür, mehr Ordung und System in einen so grossen, vollen Haushalt wie meinen zu bringen. Wenn die patente Hausfrau ihren Haushalt in den Griff bekommen will, fängt sie nämlich immer damit an: Sie entrümpelt. Jawohl. All ihr angestaubten Woll-Knäuel in euren Kisten, macht euch auf etwas gefasst!

Häkelteppich

Eine dieser Kisten habe ich gleich ratzeputz leer geräumt und mit den etwa 18 Knäueln Schurwolle “Eskimo” -immer zwei Fäden doppelt genommen-  angefangen zu häkeln. Mit Häkelnadel Nummer 12.  6 Luftmaschen zuerst, die durch eine Kettmasche zu einem Kreis gezogen wurden, und dann immer weiter und weiter im Kreis herum, die ersten paar Runden noch ganz falsch mit einem verkehrt in die Maschen eingestochenen Häkchen, dann später ein bisschen korrekter, systematisch im Aufnehmen neuer Maschen, intuitiv in der Farbwahl, immer weiter und weiter nach aussen, in einer regelrechten Aufwärts-Spirale Richtung leergehäkelte Woll-Kiste, Richtung kleines Erfolgs-Erlebnis, Richtung Häkel-Teppich. Denn genau das sollte es werden, ein Häkel-Teppich, ein runder, einer wie diese schönen amerikanischen RagRugs, die man immer sieht bei Soulemama und Co.

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Das ist er also.
Weil so ein Teppich schwer wiegen muss, damit er schön flach auf dem Boden aufliegt, kam er nach dem Häkeln gleich in die Waschmaschine. Einfach nur rund gehäkelt war er zu luftig und zu uneben und bei jeder Berührung zerknautschte er sich sofort. Nach einer Runde in der Trommel bei 40 Grad im Kurzgang, mit dem Waschmittel, das ich immer nehme (selbstgemacht aus Seife und anderem, aber ich wette, alles andere geht genauso) liegt er nun flach und schwer und wunderbar beständig auf dem Boden und erfreut das Auge, genauso die Füsse und noch mehr mein Herz.
900 Gramm Wolle und eine Ladung Wäsche später ist mein Selbstbewusstsein deutlich gestärkt. Ich mag eine lausige Häklerin sein, aber für einen Teppich reicht es, und was meine (mangelnden) Fähigkeiten als Hausfrau angeht… also, ich meine, ein 5Gang-Vollwert-Menu ist es ja nicht gerade, in meinem Kühlschrank bräuchte man eine Art Strassenkarte, um das Glas mit den angefangenen Gurken zu finden und 21 meiner 24 (!) Fenster sind schmutzig… aber hey: Ein Teppich! Mit seinen 80cm Durchmesser zwar ein recht kleiner Teppich, zugegeben, aber ein Teppich ist… immerhin ein Teppich, oder?

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Und nachdem ich extra für ihn und aus purer Freude und Erleichterung in der ehemals düstersten und langweiligsten Ecke meines lila Zimmers eine kleine Kuschelecke für meine Kleine(n) hergerichtet habe (schliesslich ist es auch ihr Zimmer), bin ich dem kompetente-Hausfrau-Hochgefühl doch schon ganz, ganz nah.
Bis zum Mittag wahrscheinlich.
Dann muss ich den Kühlschrank öffnen. Und mein Glas Gurken suchen. Ohne Strassenkarte.

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Eine lindgrüne Häkelweste oder: Alles wird gut!

Vor einer Weile fand ich irgendwo in der hintersten Ecke meiner Gerümpelkammer eine lindgrünes, gehäkeltes Knäuel, ziemlich zerknautscht und lieblos in die Versenkung gepfeffert. Ich nahm es zur Hand und faltete es auseinander: meine “alte”, niemals getragene, niemals hier gezeigte aber eigentlich längst fixfertige Häkelweste (die in ein paar alten Posts ein bisschen hervorblitzt, zB. hier, hier und hier) …


Ich weiss noch, wie euphorisch ich sie angefangen habe, damals… Ist es wirklich schon bald ein Jahr her? Das wunderschöne Bild dieser Weste bei Drops versetzte mich in einen regelrechten Häkel-Rausch, und obwohl ich nun wirklich nicht sonderlich gut häkeln kann (was sich dann auch zeigte ein bisschen später), stürzte ich mich hinein in feste Maschen, dreifache Stäbchen und all die Freuden und Tücken dieser Art von Handarbeit. Im festen Glauben daran, alles schaffen zu können, mit ein bisschen Hilfe vielleicht und etwas Zeit. Jaja, Sturm und Drang und ihre Flügel…


Ich weiss aber auch noch, wie sich erste Fehler einschlichen und ich Dutzende von Reihen wieder auflassen musste. Und wie die Euphorie so langsam einem nagenden Zweifel wich. “Kann ich das überhaupt? Stimmt das Häkelmuster wirklich so? Wird mir diese Weste denn auch passen?”


Tja, und schlussendlich, nach scheinbar endlosen Abenden mit der “Bill Crosby Show”, einer hin und her flitzenden Nadel zwischen einem Gewirr aus grünem Garn (“Safran” von Drops übrigens) und einem immer flauer werdenden Magen – denn ich war inzwischen schwanger geworden- hielt ich sie in den Händen, meine fertige, lindgrüne Häkel-Weste.
Ich probierte sie sofort an.
Und war alles andere als begeistert. Nichts passte. Nichts war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. (Bis auf die Farbe vielleicht).
In einem Anflug von Optimismus gab ich dem Ganzen eine neue und letzte Chance und häkelte Ärmel daran…


Aber nicht einmal das machte die Sache besser: Weil ich die Arm-Ausschnitte tiefer gesetzt hatte, damit mich die untere Armnaht nicht einengt unter den Achseln, schimmerten beim Ärmel die Achselhöhlen zwischen dem Passenmuster durch, was einfach irgendwie vollkommen falsch aussah…
Ich liess den Ärmel wieder auf, nähte, aller Enttäuschung zum Trotz, noch die kleinen Holzknöpfe an, die ich mir extra gekauft hatte und schmiss dann frustriert das Handtuch. Und diese kleine Weste in jene Ecke, wo ich sie vor Kurzem erst wiederfinden sollte.

Aber… nun ja… was soll ich sagen?
Ich zog sie mir, mehr aus Neugierde, noch einmal über, diesmal mit nicht mehr ganz so flauem Magen, dafür mit einem schwellenden Bauch, in dem das Leben strampelte …


Und seither habe ich sie kaum mehr ausgezogen!
Denn jetzt passt sie! Wie durch ein Wunder! Sie passt hinten und vorne und überall, vor allem rund um meinen Babybauch, den sie wunderbar weich umspielt und sanft einpackt, wenn ich die unteren Knöpfe auch noch schliesse. Als hätte sie nur auf meine neuen Rundungen gewartet… Eine Babybauch-Weste. (Und darunter, mein geliebtes, neues Babybauch-Kleid, das mir Sanne Fliedermütterchen geschickt hat, dieser Engel, und das ich nun auch fast Tag und Nacht trage.)


Ich weiss nicht… irgendwie macht sie mich glücklich, diese Weste. Auf eine ganz sonderbare Art und Weise. Vielleicht, weil ich durch so viele Emotionen gehen musste, bei ihrer Entstehung. Durch Euphorie, leise Verzweiflung, Hoffnungsschimmer und all die anderen, ganz schrecklich intensiven Gefühle, die mich durchschüttelten im letzten Herbst und jener ersten Zeit der Schwangerschaft, in der es mir körperlich wie seelisch wirklich nicht gut ging und wo sich plötzlich auch ganz andere, ein wenig verdrängte innere Kämpfe wieder meldeten…
Es gab manche Momente, wo ich nicht mehr weiter wusste, wo ich mir schlichtweg das Licht am Ende des Tunnels fehlte. Und manchmal hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. So wie meine Weste, an der mir alles krumm und schief und vergeblich erschien.

Und heute?


Heute sehe ich die Welt mit anderen Augen.
Da ist dieses kleine Wesen in meinem Bauch,  da sind zwei Jungens und ein kleines Mädchen, die zu mir gehören wie meine eigenen Hände und ein unglaublicher Mann an meiner Seite, den ich liebe und der mich liebt, immer. Da ist ein lila Zimmer, in dem ich mich so wohl fühle und ein Leben, das erst anzufangen scheint, das jeden Morgen neu beginnt und es sich nicht nehmen lässt, sich trotzig immer wieder alles zu wünschen und ein bisschen zu träumen…
Und das ist eine kleine, nicht sonderlich spektakuläre Häkelweste, die mir einmal mehr gezeigt hat, dass es stimmt, was die Leute manchmal sagen: Alles wird gut. Bestimmt.

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Alles hat seine Zeit


Es gibt Zeiten, in denen ich einen Salatkopf aus dem Unkraut (a.k.a Garten-Beet) ziehe, ihn wasche und rüste und rübisundstübis aufesse. Mit einem guten, zufriedenen Gefühl, das nicht nur den Körper satt macht.

Und dann gibt es Zeiten, in denen ich am liebsten jedem, der auftaucht, einen Salat in die Arme drücken würde, weil ich ahne, dass der sonst in seinem Beet vergammeln müsste. Zeiten, wo mir die Energie und die Motivation für alles fehlen und mir selbstgezogenes Gemüse (mit seinen Raupen und Läusen *schauder* gilt) irgendwie fast unmöglicherscheint für mein Leben.

Es gibt Zeiten, in denen ich darauf brenne, dass die Kinder endlich ein Spiel finden, das sie alle für eine Weile glücklich beschäftigt hält, weil ich Ruhe brauche, und ein bisschen Freiraum für mich, zum Stricken, zum Aufräumen, zum AusdemFenstersehen.

Und dann gibt es Zeiten, die verbringen wir alle zusammengekuschelt unter der Bettdecke, versunken in einem FünfFreundeBuch-Abenteuer (das ich laut vorlese) und es gäbe keinen Ort auf der Welt, wo ich glücklicher wäre.

Es gibt Zeiten, in denen habe ich genug Zuversicht,  mich auch an ein ganz neues,  auf den ersten Blick vielleicht erschreckend grosses Projekt heran zu wagen.  Und wenn ich ganz besonders grosses Glück habe, fällt diese Zeit zusammen mit einer Phase, in der mir die Arbeit leicht von der Hand geht und das Schaffen eine Freude ist.

Dann wiederum gibt es Zeiten, da will einfach gar nichts gelingen, es schleichen sich Fehler ein in meine Maschen, ganze Projekte geraten schief, weil mein Körper ganz anders zu sein scheint als der, an welchem das Strick-oder Nähmuster erprobt wurde. (Was natürlich die eine oder andere kleine persönliche Ab-Änderungerfordert. Die dem Projekt dann den Todes-Stoss verstezt)

Es gibt Zeiten der schöpferischen Schübe. Und es gibt Zeiten wo meine ellenlange To-do-Liste (die eigentlich ja “Wanna-do-Liste” heissen sollte) mich gar nicht mehr so sehr inspiriert als vielmehr bedrängt.

Es gibt Zeiten… und es gibt eben Zeiten.
Unser Leben steht in ständiger Bewegung. Wie Ebbe und Flut. Wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Es bleibt nicht stehen, sondern verändert sich permanent; von sonnig zu düster, von steinig zu eben, von fruchtbar zu karg… und wieder zurück.
Nichts bleibt wie es ist.

Die Natur weiss das, und sie nimmt Rücksicht auf Veränderungen. Sie verteilt die Aufgaben so, dass, dass sie auch erfüllt werden können. Keine Blume wird versuchen, im Winter zu blühen…

Aber ich, ich versuche es. Ich versuche so oft, Dinge zu … schaffen, für die die Zeit einfach (noch) nicht reif ist. Die schlichtweg nicht passen im Augenblick.
Manchmal ist es besser für mich, nicht auf all die atemberaubenden Frauen links und rechts von mir zu sehen (und ja, ich finde sie atemberaubend!), sondern den Blick auf die Dinge konzentriert zu halten, die jetzt möglich sind. Für mich. Für uns.
Alles hat seine Zeit, höre ich mich wieder und wieder zu mir sagen. Alles.
“Hmmm… Vielleicht versuche ich gerade mal wieder, im Winter zu blühen…” , denke ich. Und lege die Häkelnadel weg.

Diese Häkel-Weste, die ich so sehr bewundere und so wahnsinnig gerne auch zustande bringen würde (ich hab sie oft bei mir, was man ihr gar nicht ansehen würde), hat mich schon einige Male ziemlichaus der Fassung gebracht. Über 1500 Maschen, die aufgelassen werden mussten. Über 4 Stunden Häkel-Arbeit, die im Sand verlief.

Vielleicht ist ihre Zeit einfach noch nicht gekommen?
Vielleicht brauche ich im Moment einfach… schlichtere Projekte, die immer gelingen, die rasch und nebenbei entstehen und mir gerade deswegen Freude machen, weil ich weiss, worauf ich mich einlasse. Vielleicht verlangt die Zeit gerade nach… Entschleunigung und Einfachheit…

Das Stricken dieser simplen Kinder-Woll-Mütze (eine etwas verkleinerte Form der Herren-Mütze aus dem Buch: “Einfach Stricken”) war haargenau, was mir gut tat. Und gut tut im Augenblick. Einfach, vertraut, gelassen. Keines dieser beeindruckenden, komplexen Werke, auf die man stolz sein könnte… aber… einfach das, was jetzt, in diesem Moment das Richtigezu sein scheint.

Es ist Zeit für ein bisschen mehr Gelassenheit, glaube ich.
Veröffentlicht unter anderes, Häkeln, kreativ am Rande, Stricken | 20 Kommentare

what makes me happy: es grünt

Grün wie die Hoffnung… die Hoffnung auf Leben dort, wo es lange -fast zu lange manchmal-  nicht sichtbar war. Nicht für uns mit unseren Menschenaugen und hunderttausend Aufgaben, Projekten und Sorgen, die uns fast immerzu belagern und um unsere Aufmerksamkeit buhlen.
Da war dieser Winter, eine lange unwirtliche Zeit. Die Welt schien leblos draussen, erfroren. Eine tote, braune Welt unter einem weissen Tuch, Skelette die Bäume, kahl der Boden. Aber das war nur Tarnung, ein geniales Täuschungs-Manöver, denn das Leben gibt nie so schnell auf, nein, es versteckt sich, in den hintersten Winkeln unter Rinde, altem Laub, tief unten, eingemummelt in der Erde… um dann im Frühling -jetzt!- wenn der Winter müde abgezogen ist, wieder mit neuer Kraft hervor zu brechen.
Die Blumen über ihren grünen Stengeln kommen mir vor wie kleine, kichernde Kobolde, die dem Winter eine lange Nase drehen. “Ätsch!”
Die Welt wird wieder grün. Ich schlürfe alles in mich hinein wie süssen Sirup: Saftiges Grün wo vorher nur braune Erdkruste war, frische Triebe neben verdorrten Blumenstengeln vom letzten Jahr, hellgrüne Blättchen an den nackten Himbeere-Sträuchern, und auch die Kastanien tragen wieder -endlich wieder!- grün. Eine tote Welt ist braun. Aber das Grün… das Grün ist der Beweis, dass es weitergeht!
Wie berauschend! Beschwingend! Belebend und bewegend!
Die letzten Tage waren wieder so schön warm und hell und nicht nur die Natur beseelt mit neuen Kräften…
Auch ich fühle mich… voller Tatendrang. Ein  Häkel-Körbchen aus einem alten Garn-Rest, (den ich schon Kind1 in die Schule mitgeben wollte, für die Hand-Arbeits-Kiste) und ein einfaches, aber sehr geliebtes Nadelkissen als Geburtstagsgeschenk für eine besonders tolle, junge Frau. Sie hat zum Geburtstag einen Nähmaschine bekommen (dieser Glückspilz!) und freut sich schon sehr darauf, sich ins Näh-Getümmel zu werfen;-)
Die wirklich schöne Idee für gehäkelte Körbchen samt einer prima Anleitung (und wie immer hinreissenden Fotos!), findet ihr bei Natur-Talent Naturmama. Für das Nadelkissen könnte ich selber in kleines Tutorial machen, hab ich mir gedacht… Mamas Kram (hach, Mamas Kram…) hat mir einmal ganz nett erklärt, wie man es näht, und ich hab’ selber eine solche Freude an diesem simplen, aber irgendwie trotzdem bezaubernden kleinen Näh-Kunst-Stück, dass ich es gerne mit euch teilen möchte…
Ihr Lieben, ich muss euch noch was sagen: Ich bin noch immer halb benommen vom Echo, das mein letzter Post ausgelöst hat… Die vielen für mich herausgesuchten Links zu Selbstversorgungs-Blogs und anderen Inspirations-Quellen und vor allem auch eure eigenen Erfahrungen und Gedanken haben mich sehr gefreut und ermutigt. Ich hatte mit ernüchternden Ratschlägen oder entsetzten Fragen gerechnet “Was? Ihr baut aber doch eure Haus um?! Da wollt ihr wieder weg???”. Aber ihr wart alle so freundlich und feinfühlig… Ich fühle mich verstanden und aufgehoben. Vielen, vielen Dank! Es ist schön, zu erleben, welche Ermutigung und emotionale Unterstützung sich durchs www ins eigene, ganz praktische Leben schlängeln kann!
Euch allen den grünsten Frühling aller Zeiten! Geniesst ihn- er ist nur kurz…

Ps. Noch eine kleine Frage: Ich hab mich schon länger gefragt, ob ich meine Bilder grösser machen soll… Oder doch nicht? Was denkt ihr dazu? Passt es so, oder wäre grösser (wie in vielen Blogs, fällt mir auf) doch schöner?

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