Archiv der Kategorie: Filzen

Hasenmädchen

Die letzten zwei Tage standen ganz im Zeichen von „Last Minute Handmade Gifts“: Ich und meine drei Mädchen wollten der Oma zum Geburtstag unbedingt etwas Selbstgemachtes schenken- und wir waren sowas von im Verzug! Um ganz ehrlich zu sein, spielte ich sogar schon mit dem Gedanken, ihr -zusätzlich zu den Unmengen an Zeichnungen und Briefchen, die die Kleinen seit einer ganzen Weile schon als „ihr Geschenk“ für sie zusammengetragen hatten- einfach einen Gutschein zu schenken. Und den Rest dann später. Wobei „der Rest“ dann das hier gewesen wäre bzw. war: ein schneeweisser Filzhase mit pinkfarbenen Ohren, blauem Kleid und Blüten im Haar, also ums Ohr vielmehr.
Beim Zuschneiden und Planen waren wir früh dran gewesen. Schön pünktlich und überaus organisiert. Aber dann kam eins ums andere dazwischen, und meine Grosse war plötzlich mit allem möglichen beschäftigt, mit Freunden, die sie unbedingt noch treffen musste oder mit ihrer neuen Lieblingsbuch-Reihe „Blitz“, aus der sie ein Band nach dem anderen von ihrem Schulfreund ausleiht und gierig verschlingt (wunderschöne, alte Ausgaben sind das immer!).
Irgendwie sind die Tage aber auch extrem voll gerade. So viele Geburtstagsfeiern, die noch gefeiert werden wollen (woher kommen bloss all diese Sommerkinder?), Abschlussfeste in Schule und Kindergarten und Jugendgruppe… Kein Wunder, blieb unser Schneehase liegen. Auch mir war irgendwie nie so recht drum, dieses Projekt ernsthaft in Angriff zu nehmen. Ich war einfach zu müde dazu, keine Ahnung wieso. Oder ich hatte das Gefühl, Altes, Angefangenes zuerst sauber abschliessen zu müssen. (Im nächsten Post wird es um die klitzekleine Puerperium-Cardigan für das Baby meiner Schwester gehen, die nur noch ihre Knöpfchen braucht). Überhaupt kommt es mir gerade wieder so vor, als würde mich alles rund um mich herum beinahe erdrücken… räumlich wie thematisch. Manchmal scheint mir die Luft zu fehlen, zum Atmen und Mich-Ausdehnen. Dann empfinde ich es als unsagbar wohltuend und unterstützend, mich bewusst um die Dinge zu kümmern, die mir gerade besonders im Nacken sitzen: kreative Projekte, die knapp vor ihrer Vollendung stehen, alte Briefschulden, die beglichen werden wollen, Arzttermine, die ich schon ewig vor mir herschiebe (und dann doch wieder absagen)..
Dass dieses kleine Hasenmädchen gestern Nachmittag -punktgenau auf den Geburtstag meiner Mama- doch noch fertig wurde, verdanke ich dem Termindruck und einem ungeahnten Schwung neuer Energie, der uns alle gestern plötzlich erfasste und einträchtig aber geschäftig zusammen am Stubentisch vor uns hinwerkeln liess. Für die Puppe selbst und auch für das blaue Kleid sind ich und meine Grosse verantwortlich, die Blüten und der Herzanhänger haben meine beiden Kleinen gemacht, was ich ganz besonders süss finde.
Wie beim letzten Mal gab Kata Goldas Buch „Handstitched Felt“ uns wunderbare Anregungen und die Motivation, uns nochmals so richtig ins Nähvergnügen mit Filz zu stürzen. Was wirklich eine Freude war.  Kinderleicht und ohne nerviges Versäubern oder schweisstreibende Bügelsessions. Und vor allem war es ein Erfolg, zu guter Letzt: Meine Mutter war ganz aus dem Häuschen wegen ihrem neuen Kuscheltier und ich weiss heute schon, dass sie ihr Hasenmädchen auf ewig aufbewahren und mit besonders viel Liebe und Sorgfalt behandeln wird. Unser Hasenkind hat es gut getroffen, denke ich, so herzlich, wie es willkommen geheissen wurde…

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Aus „Hand-Stitched Felt“: die Mini-Maus

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Die Tage sind vergangen und haben mir etwas mehr Distanz und Ruhe gebracht. Meine Gedanken sind heute weniger belastet und es fällt mir leichter, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor mir liegen, ganz real in meinem eigenen kleinen Leben. Manches braucht einfach seine Zeit.
Im Augenblick komme ich mir stark vor und ausgeruht. Die Grippe schleicht sich zwar durch unser Dorf, es wüten Fieber und Husten und ich weiss nicht, ob wir verschont bleiben werden, doch ich habe das Gefühl, den Anforderungen des Alltags momentan gewachsen zu sein- ein Zustand, der sich mit einem Fingerschnippen schon wieder verändern kann, also freue ich mich daran, solange ich darf…
Und ich freue mich an den Früchten dieser zuversichtlichen, geerdeten Phase: Diese niedliche Maus aus reinem, pflanzengefärbten Wollfilz (von Ariadne) entstand als kleines Gemeinschaftswerk zwischen mir und meiner Grossen und passte ganz wunderbar in die eine oder andere stille Zeitnische hinein. Die Grundidee, sowie und ein grobes, etwas verkleinertes Schnittmuster stammen aus dem Buch „Hand-Stitched Felt“ von Kata Golda, ein Buch, das schon seit eh und je in meinem Handarbeits-Bücher-Regal steht und auch bei all meinen Reduzier-Anfällen einfach nie weg wollte. Die Projekte darin sind so simpel wie süss und erklären sich eigentlich quasi von selbst, aber es ist wohl vor allem die Inspiration, die zählt für mich…
Mein Mädchen hatte viel Freude an dieser Arbeit. Sie zeichnete, schnitt ihre Filzbögen zurecht, wählte Filz aus und versuchte sich zum ersten Mal am Blanket Stitch (Himmel, wie nennt sich dieser tolle Versäuberungs-Stich für Kanten eigentlich auf Deutsch?), was sie ein wenig kifflig fand, mir aber selber so grossen Spass machte, dass ich nur zu gerne verhedderte Fäden entwirrte und ein paar Zentimeter für sie weiterstickte. Beim Gesicht hat sie sich viel Mühe gemacht und sich über das gelbe Schleifchen und die weissen Barthaare gefreut, die ich später noch hinzugefügt habe. (Ich hätte das sonst natürlich wieder entfernt, klar, doch ich war froh, dass sie es mochte. Ohne Schnauzhärchen sah dieses Mäuschen einfach zu sehr nach nach Bär aus.) Das Schwänzchen aus einer dicken Luftmaschenschnur haben wir mit einer spitzen Wollnadel einfach in den Filz gezogen und so verknotet, dass man es kaum sieht (der grössere Knoten soll den Schwanz nur kürzer machen, lässt sich aber wieder lösen, kein Problem).
Mausi sollte ein Geburtstagsgeschenk für ihre beste Freundin werden (so ein Glückspilz!), und daher brauchte Mausi natürlich auch ein Festtagskleidchen in fröhlichem Kanariengelb und eine girly rote Umhängetasche inklusive darin verpackter Geheimbotschaft, die sich mit einem knalligen Knopf verschliessen lässt. Damit Mausi allenfalls später einmal ihre Garderobe wechseln könnte -sollte sie neue Kleider genäht bekommen, man weiss ja nie- haben wir hinten zwei Druckknöpfchen angenäht, mit denen sich das Kleid an- und ausziehen lässt. Und weil es gerade wieder unglaublich winterlich ist hierzulande, kam gleich noch ein Schal aus Wollresten um den Hals.
Um ehrlich zu sein; ich hätte ewig so weitermachen können und die kleine Maus am liebsten von Kopf bis Fuss ausstaffiert und mit einem riesenvollen Mäusekoffer voller Anziehsachen ziehen lassen- aber da war dieser Geburtstagsfeier-Termin, der irgendwie urplötzlich da war, und die Zeit lief uns zum Schluss wirklich buchstäblich davon.
Immerhin; Mausi kam pünktlich zum Fest und hatte einen perfekten Start in ihrem neuen Daheim. Und wir wiederum haben bereits eine wachsenden Bestell-Liste für weitere Mausis. Meine beiden kleinen Mädels, die Oma, eine meiner Schwestern… alle wollen sie auch so eine Filzmaus haben. Mit Röckchen und Schleifen und Schnauzhärchen.
Klar, ich verstehe das.
So etwas verstehe ich immer.

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Konsum. Ein wenig nachsinniert.

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Mein Ausblick von über meinen Füssen runter auf den halb gedämmten und unterlegten Boden unterm Dach. Was ich am allerliebsten sehe von dieser Warte aus sind meine nigelnagelneuen Strickfilz-Pantöffelchen. Blau und meliert und sogar ganz girly mit Glitzersteinli dran, hihi. Meine Mama hat sie extra für mich gemacht und damit den Nagel sowas von auf den Kopf getroffen: schon seit Wochen sind meine alten Filzfinken (diese Haflinger Hausschuhe) kaputt und obwohl ich schon zweimal versucht habe, sie zu reparieren, will die angeleimte Sohle einfach nicht halten. (Ich spiele mit dem Gedanken, sie zum Schuster zu bringen. Profis machen sowas ja mit links. Ob es sich lohnt?)
Auf alle Fälle kommen ihre zauberhaften Finken genau richtig. Vor allem auch, weil ich schon immer mal gestrickfilzte Pantoffeln haben wollte, und es mich wunder nahm, wie die sich so anfühlen am Fuss und inwiefern sich verfilztes Gewebe überhaupt noch an den Fuss anschmiegen kann.
Sehr gut kann es das, das weiss ich jetzt. Die kleine Schnittlücke, die die Pantoffeln zu einer Art Halbsandale werden lässt, schenkt zusätzlich Elastizität fürs Rein- und Rausschlüpfen.
Es sind wunderbare Hausschuhe. Solche, die ich mit Freude und Dankbarkeit trage. Und mit Stolz und Sorgfalt, weil es meine Mutter war, die hier für mich Wolle ausgewählt, stundenlang gestrickt und liebevoll verziert hat.

Ich habe viel nachgedacht in den letzten Tagen. Übers Konsumieren, und wie sehr genau dieses Thema sich doch mit praktisch allem und jedem in unserem Leben verflicht. Selbst beim Selbermachen, wo der Spagat schwierig ist, zwischen wirklichem, Natur- und Menschen-schonendem „Selbstversorgen“ und schlicht und einfach dem riesengrossen Spass, den es macht, mit allen möglichen Materialien und Techniken zu experimentieren und zu werkeln. Es ist so eine Art Zwiespalt zwischen Kunst, die ja selten im eigentlichen Sinne Not-wendig ist, Kunst mit der Kehrseite, dass sie uns weder warm und noch satt hält oder die menschlichen Grundbedürfnisse auf eine ökologisch tragbare Art und Weise befriedigt und, ja, dem Wunsch, wieder zurück zu den Wurzeln zu kommen, wo man seine Zeit damit verbringt, aus fast nichts etwas existenziell Wichtiges zu erschaffen, wie einen Laib Brot zum Znacht oder ein Paar Wollsocken, damit man nicht zu frieren braucht.
Ich denke einfach… Selbermachen, um für sich zu sorgen ist gut. Und wenn das gerade bedeutet, dass ich meinen xten Schal stricken „muss“, aus purer Lust am Projekt und bloss weil ich gemerkt habe, dass mir diese Farbe (Schokoladenkaffeebraun) noch fehlt in meiner Outdoor-Garderobe, dann finde ich das völlig okay, auch wenn das nüchtern betrachtet, alles andere als nötig wäre, weil ich schon andere zauberhafte Schals und Tücher habe, und das nicht zu knapp. Es macht mich glücklich, daran zu stricken. Und es wird mich glücklich machen, ihn dann auch zu tragen. Auch das ist im Grunde sowas wie… für sich selber sorgen. Auch wenn ich in dieser Zeit vielleicht besser Waschmittel gekocht hätte oder ein weiteres Paar Jeans mit Flicken versehen.
Eine Sache langsam, mit meiner eigenen Zeit, aus eigener Kraft und mir mühsam angeeignetem Wissen zu erschaffen, ist im Grunde niemals wirklich Konsum in meinen Augen. Auch wenn ich das Rohmaterial durchaus konsumiere, mich manchmal sogar -ja, ich geb’s zu- an einer kleinen Wollkauf-Orgie erfreue (und wie! So ein Spass!). Aber jeder Handgriff ist ein bewusster Akt, der mich erfüllt. Mit Aufregung. Mit Vorfreude. Mit Nervenkitzel. Mit Erfolgserlebnissen. Dazwischen sind auch Müdigkeit und Zweifel, klar, aber ich biete jeder dieser Erfahrungen die Stirn und halte aus, halte durch, lerne dazu und ernähre mich von den vielen, den unzähligen schönen Momenten. Etwas selber zu machen, ist ein Akt des Lebendigseins. Bewusstes Sein und Tun, Denken und Handeln und Lernen. Da kann ich noch so viel Wolle kaufen, das Positive dabei überwiegt. Immer.

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Und wenn ich mir hübsche, kleine Dinge kaufe, die jemand anderes gemacht hat? Selber und von Hand, Homemade in einem anderen Zuhause?
Auch das ist für mich nicht mehr ein eigentliches Konsumieren. Naja, vielleicht schon, doch, ja… aber sich mit Dingen zu umgeben, in die jemand sein Herzblut hat einfliessen lassen… das ist für mich sowas wie indirektes Selbermachen. Statt zum Beispiel selber so ein oberschnuckeliges Engelchen zu filzen, eines wie dieses, genau so, wie ich sie liebe, lasse ich eins filzen, von jemandem, der es besser kann als ich, von jemandem, der wahrscheinlich noch viel mehr Spass daran hat, als ich es je hätte, von jemandem, der ein wenig dafür und davon lebt, von jemandem wie Allerleirauh, die ich zutiefst bewundere für ihre Arbeiten und Ideen, für ihren Humor und ihre pointiert formulierten Gedanken.
Natürlich steckt da auch Verschwendung mit drin. Konsum. Ich weiss nicht, wie viele Engelchen ich schon habe, wie viele gefilzte Wesen und Tiere. Viele sind es, soviel steht fest. Aber sie machen mich froh. Und haben mich gelehrt, dass Massenware aus China und andere invasive Fliessband-Produkte, mich niemals, wirklich niemals so erfüllen und bereichern können wie etwas, das jemand mit seinen blossen Händen und jeder Menge Visionen im Kopf hergestellt hat.
Dieses Bewusstsein durchdringt mittlerweile alles. (Wobei ich unterstreichen muss, dass ich alles andere als ein Asket bin. Und ganz gewiss keine Vorzeigefrau!)
Ich bringe es nicht mehr über mich, im Kaufhaus Dosen oder Möbel oder Geschirr zu kaufen. Weil ich im Brockenhaus Schätze finde, die Geschichte haben, Patina, einen Mehr-Wert, selbst wenn sie oftmals weniger kosten als ihre Konkurrenten von der Stange. Kunst an den Wänden stammt von meinen Kindern. Oder ab und zu vom Trödler, wo es die unglaublichsten Werke gibt. Kleider kommen nicht vom Grossverteiler, sondern vom Second Hand Shop, von glaubwürdigen Bio-Fairtrade-Lieferanten oder von meinen Nadeln oder -eher selten in letzter Zeit- von unter meiner Nähmaschine hervor. Seit ich erkannt habe, wie wertvoll, arbeitsintesiv und umwelt-belastend so ein Kleiderstoff im Grunde ist und wie viele Arbeitsschritte es braucht, um aus einer Stoffbahn eine neue Hose zu machen, kommt es mir am sinnvollsten vor so. Und am Erfüllendsten. Und das eine ergänzt und entschuldigt so ein bisschen das andere. Wenn ich nach Postkarten suche oder nach Spielsachen, dann kramen wir im Estrich meiner Mama, freuen uns an „Vererbtem“, besuchen die Spielzeugbörse- oder ich stöbere bei Etsy, wo es die zauberhaftesten Dinge gibt, deren Herstellung jemandem Freude und manchmal sogar sein täglich Brot bedeutet. Am liebsten sind mir aber die Sachen, die wir uns selber er-arbeitet haben. Oder Selbstgemachtes, das uns jemand schenkt. Wie die beiden SToffpuppen im Bild oben zum Beispiel. Sie sind einzigartig und intesiv mit einem Gefühl des Wertvoll-Seins und der Dankbarkeit behaftet. Sie einfach auszutauschen wie eine Puppe vom Kaufhaus… dieser Gedanke ist völlig absurd für mich.

Auch wenn ich noch immer nicht hauptsächlich ökologisch korrekte Materialien in meinem Stash horte -bei weitem nicht, nein- glaube ich, dass das Selbermachen mich geformt hat. Es hat mir ein Stück weit Sorgfalt beigebracht. Und Nachdenklichkeit, eine merkwürdige Art von Genügsamkeit, wobei auch ein bisschen sowas wie Snobismus mit dabei ist. Plus ein bewunderndes Auge für gekonntes Handwerk. Neben grenzenloser(!) Lust auf Wolle und Stoffe auch das Bewusstsein, dass gerade etwas, auf das man Konzentration, gutes Ausgangsmaterial, viel Zeit und Liebe verwendet hat, lange Zeit Bestand haben wird und einen Platz braucht zum Leuchten. Man wird es benutzen. Und es wird immer noch da sein. So reguliert sich der Strick- oder Näh- oder Sonstwie-Handarbeits-Eifer mit der Zeit von selber. Weil man weiss, was hinter einem Produkt steckt und es dann auch geniessen möchte. Indem man es wertschätzend im Lebens-Alltag gebraucht, und dabei vielleicht auch lernt, dass mehr nicht in jedem Fall glücklicher macht, sondern dass es entscheidend ist, dass ein Ding seinen richtigen Platz, seine Aufgabe und den richtigen Zeitpunkt findet.

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Genau wie diese Filzpantoffeln.
Sie sind einfach goldrichtig.
Wie sie sind.
Wo sie sind.

PS. Ich fühle mich immer ein wenig unwohl mit Posts, in denen ich mich exponiere und meine Gedanken klar zu Papier bringe… Mir ist es wirklich wichtig, dass Ihr wisst, dass ich niemandem ein schlechtes Gewissen machen möchte oder Grund hätte, mich selber zu loben punkto meinem Konsumverhalten. Man gibt sein Bestes und auch das in kleinen Schritten, oder? Dieser Post hier war einfach ein bisschen sowas wie… laut Nachdenken. Es hat mir Spass gemacht und ein Thema zum Ausdruck gebracht, das mich schon die ganze Woche lang sehr beschäftigt hat…

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Sommer-Launen-Filzen

Heute nacht war es geradezu tropisch. Rund und schwer wie ich mittlerweile bin, rollte ich mich hin und her und wartete auf ein kühles  Lüftchen von Richtung Fenster… Vergeblich. Aber das ist okay. Es wird Sommer, da muss man ein paar schweisstreibende Nächte schon in Kauf nehmen, oder?

Die Tage sind genauso; warm, üppig, unter einem weiten, freiem Himmel. Denn obwohl das Haus verlockend schattig auf uns wartet, zieht es uns doch immer wieder alle wie kleine Magnete nach draussen in den Garten, und vieles wird jetzt unter dem Sonnenschirm erledigt; Wäsche-Falten, Geschichten-Vorlesen, Hausaufgaben-Machen, Zvieri-Essen… Der Garten als letztes Zimmer. Unsrer Sommer-Zimmer.

Ich merke, wie ich mich um-orientiere und meine Sinne auf das Draussen richte: Ganz automatisch suche ich zum Beispiel nach Spielen oder kreativen Ideen, die sich leicht in den Garten verlegen lassen. Seifenblasen, Wasser-Spiele oder weiche Bälle haben jetzt Hochkonjunktur. Genauso wie heisse Seifenlauge und bunt gefärbte Schaf-Wolle…

Es ist wieder Filz-Zeit!

Filzen und Sommer, das sind zwei Gesellen, die einfach hervorragend zusammenpassen, finde ich. Der eine nass und aktiv, der andere heiss und träge; wunderbar, wie sich die beiden ergänzen, nicht? Und drinnen, auf einer unterlegten Fläche zu filzen, das scheint irgendwie über meine Relax-Fähigkeiten zu gehen; ich muss ständig an das viele Seifenwasser denken, das mir da über den Tisch-Rand in die Boden-Ritzen schwappen könnte… Und das ist immer viel, sehr viel Wasser bei mir! Wenn ich filze, dann werde ich nämlich zum Tier *grins*! Ihr sollte mich mal sehen, wie ich mit hochgekrempelten Hemdsärmeln in die Wolle greife und alles so kräftig und verbissen durchknete, als würde ich für die nächste Weltmeisterschaft im Armdrücken trainieren. Walken nennt man das, glaube ich.

Bei meinem letzten „richtigen“ Projekt, dem ersten dieses Jahres und meinem zweiten überhaupt (wie erfahren ich doch bin *räusper*), kam diese Walk-Freude endlich mal wieder richtig zum Zug: Nachmittags legte ich die Wolle aus, träufelte dampfend heisse Lauge darüber, begann erst zaghaft, dann immer kraft-voller die Fasern zu massieren- und als ich dann schlussendlich eine vollständig verfilzte Fläche vor mir hatte, war es bereits Mitternacht! Nun ja, ich war schon immer ein bisschen extrem…

Das Problem lag wohl vor allem daran, dass ich nicht nur eine einfache Fläche haben wollte, sondern eine doppelte Lage, getrennt mit einem Stück Noppen-Folie. Für eine in Form gefilzte kleine Tasche, so ein bisschen wie dieses wunderwunderwunderhübsche kleine lila Täschchen, in das ich mich so unheimlich verliebt habe bei Jenmuna. Aber mein Talent scheint doch (noch) kleiner zu sein als mein Selbstvertrauen… Denn egal wie schön regelmässig ich die Wolle auch auslegte, es gab immer wieder dünne Stellen, die ausgebessert werden wollten. So streichelte, rieb und walkte ich immer wieder von vorne los. Bis zur Geisterstunde eben.

Aber es waren gute Stunden! Kreative, intensive Flow-Stunden! Ab und zu stiess eines der Kinder zu mir, um mir eine Weile beim Walken zu helfen, und zu sehen, wie sich das eine oder andere doch ein bisschen beeindrucken liess vom Prozess, der hier im Gange war, machte diese Zeit gleich nochmals so erfüllend für mich. Kindern etwas von der eigenen Begeisterung mitzugeben, sei es nun Gartenarbeit oder Kochen oder Filzen oder wasauchimmer, tut doch einfach immer wieder gut, oder?

Bei diesem kleinen Täschchen wurde mir das ganz besonders bewusst. Dass die Stunden, die ich mit und neben meinen Kindern kreativ sein kann und darf zu den allerschönsten Momenten gehören in meinem Leben.


Wenn ich ich sein darf, mit ihnen, bei ihnen, die ich so sehr liebe, ich, mit dem ganzen, manchmal recht extremen Wirrwar an Gefühlen, an diffusen Sehnsüchten und Ängsten, wenn ich dieses ganze verworrene Innere auf die eine oder andere Art in meinen Handarbeiten zum Audruck und zur Ruhe bringen kann… dann bin ich angekommen. Mit Leib und Seele.


Kreative Inselchen im Alltag sind mein Rettungs- Anker geworden. Meine Oase. Mein Jung-Brunnen. Glücks-Horte. Und diese Erfahrung mit meinen Kindern zu teilen, das macht mich… einfach froh.

Das Täschchen, das damals entstanden ist, an einem jener ersten, so richtig sommerlich warmen Tage dieses Jahres, ist anders geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Ziemlich anders sogar. Ich bin eigentlich eher der monochrome Typ, dem starke Kontraste oder zu viele Farben auf einmal schnell einmal zu viel werden. Für meine erste Filz-Tasche hatte ich an lila-violett-rosa gedacht (klar Jenmuna-inspiriert). Oder an grün-blau. An rot-orange-gelb oder weiss-blau-türkis (wie damals bei unserer Filz-Ente)… Ich hatte in kleine, wohlgeordneten Farb-Dimensionen gedacht- aber in wilden, verschlungenen Kombinationen gearbeitet!

Jetzt habe ich keine stille grün-blaue, keine rot-orange-gelbe oder lila-violett-farbene Tasche, sondern gleich alles miteinander! Auch gut. Sommerlich gut. Der Sommer ist bunt und hitzig und voller Leben… warum sollte so ein Filz-Täschchen das nicht auch sein dürfen?

Und wo der Sommer ist, da sind auch Blumen. Ich konnte gar nicht anders: aus den letzten Filz-Schnippelchen, die nach dem Zuschneiden der Taschenlasche übrig blieben, schnippelte ich spontan ein paar Blütenblättchen zurecht und nähte sie vorne an die Taschenlasche, zusätzlich fixiert mit einem zweiten der absolut traumhaften Jim-Knopf-Knöpfe (vom Strick-Café). Denn wenn es schon wuchert und blüht, dann auch richtig üppig…

„Oh! Die nehm ich gleich mal mit…“ scherzte meine Mama, als sie das kleine, trubelbunte Filz-Täschchen neulich bei mir sah. Ein sehr gutes Zeichen: Meine Mama sagt das nämlich immer, wenn ihr etwas so richtig gut gefällt.

Ihr ahnt jetzt bestimmt auch schon, für welchen Geburtstag meine Blüten-Filz-Tasche in Sommerlaune bestimmt ist, oder?

PS. Die Filz-Wolle war übrigens eines jener Goodies, die ich mir schon im Winter gegönnt habe. Von Hand und pflanzengefärbt in einer sozialen Werkstätte in der Schweiz; eine echte Kostbarkeit für mich!

PPS. Für alle, die ihre Nase jetzt gerne ein bisschen tiefer in Gefilztes stecken möchten, hier ein paar Links zu meinen Lieblings-Filzerinnen: Kunst-Frau Allerleirauh,Filzkünstlerin Swig, oder Tinki, die jüngst den allersüssesten, kleinen Wassermann gezaubert hat, den die Welt je gesehen hat! Aber auch beim Filzquadrat findet man immer wieder so schöne Ideen… wie zB. diese herrliche gefilzet Stifte-Rolle!
Es gibt noch mehr von euch talentierten, tollen Frauen, ich weiss, und ich bin auch jedes Mal mehr als beeindruckt, wenn ich wieder einem gefilzten Kunstwerk im www. begegne; meine drei Links sind ja auch bloss ein kleiner Ausschnitt der Inspiration Bloggerland…

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