Archiv der Kategorie: Filzen

Konsum. Ein wenig nachsinniert.

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Mein Ausblick von über meinen Füssen runter auf den halb gedämmten und unterlegten Boden unterm Dach. Was ich am allerliebsten sehe von dieser Warte aus sind meine nigelnagelneuen Strickfilz-Pantöffelchen. Blau und meliert und sogar ganz girly mit Glitzersteinli dran, hihi. Meine Mama hat sie extra für mich gemacht und damit den Nagel sowas von auf den Kopf getroffen: schon seit Wochen sind meine alten Filzfinken (diese Haflinger Hausschuhe) kaputt und obwohl ich schon zweimal versucht habe, sie zu reparieren, will die angeleimte Sohle einfach nicht halten. (Ich spiele mit dem Gedanken, sie zum Schuster zu bringen. Profis machen sowas ja mit links. Ob es sich lohnt?)
Auf alle Fälle kommen ihre zauberhaften Finken genau richtig. Vor allem auch, weil ich schon immer mal gestrickfilzte Pantoffeln haben wollte, und es mich wunder nahm, wie die sich so anfühlen am Fuss und inwiefern sich verfilztes Gewebe überhaupt noch an den Fuss anschmiegen kann.
Sehr gut kann es das, das weiss ich jetzt. Die kleine Schnittlücke, die die Pantoffeln zu einer Art Halbsandale werden lässt, schenkt zusätzlich Elastizität fürs Rein- und Rausschlüpfen.
Es sind wunderbare Hausschuhe. Solche, die ich mit Freude und Dankbarkeit trage. Und mit Stolz und Sorgfalt, weil es meine Mutter war, die hier für mich Wolle ausgewählt, stundenlang gestrickt und liebevoll verziert hat.

Ich habe viel nachgedacht in den letzten Tagen. Übers Konsumieren, und wie sehr genau dieses Thema sich doch mit praktisch allem und jedem in unserem Leben verflicht. Selbst beim Selbermachen, wo der Spagat schwierig ist, zwischen wirklichem, Natur- und Menschen-schonendem “Selbstversorgen” und schlicht und einfach dem riesengrossen Spass, den es macht, mit allen möglichen Materialien und Techniken zu experimentieren und zu werkeln. Es ist so eine Art Zwiespalt zwischen Kunst, die ja selten im eigentlichen Sinne Not-wendig ist, Kunst mit der Kehrseite, dass sie uns weder warm und noch satt hält oder die menschlichen Grundbedürfnisse auf eine ökologisch tragbare Art und Weise befriedigt und, ja, dem Wunsch, wieder zurück zu den Wurzeln zu kommen, wo man seine Zeit damit verbringt, aus fast nichts etwas existenziell Wichtiges zu erschaffen, wie einen Laib Brot zum Znacht oder ein Paar Wollsocken, damit man nicht zu frieren braucht.
Ich denke einfach… Selbermachen, um für sich zu sorgen ist gut. Und wenn das gerade bedeutet, dass ich meinen xten Schal stricken “muss”, aus purer Lust am Projekt und bloss weil ich gemerkt habe, dass mir diese Farbe (Schokoladenkaffeebraun) noch fehlt in meiner Outdoor-Garderobe, dann finde ich das völlig okay, auch wenn das nüchtern betrachtet, alles andere als nötig wäre, weil ich schon andere zauberhafte Schals und Tücher habe, und das nicht zu knapp. Es macht mich glücklich, daran zu stricken. Und es wird mich glücklich machen, ihn dann auch zu tragen. Auch das ist im Grunde sowas wie… für sich selber sorgen. Auch wenn ich in dieser Zeit vielleicht besser Waschmittel gekocht hätte oder ein weiteres Paar Jeans mit Flicken versehen.
Eine Sache langsam, mit meiner eigenen Zeit, aus eigener Kraft und mir mühsam angeeignetem Wissen zu erschaffen, ist im Grunde niemals wirklich Konsum in meinen Augen. Auch wenn ich das Rohmaterial durchaus konsumiere, mich manchmal sogar -ja, ich geb’s zu- an einer kleinen Wollkauf-Orgie erfreue (und wie! So ein Spass!). Aber jeder Handgriff ist ein bewusster Akt, der mich erfüllt. Mit Aufregung. Mit Vorfreude. Mit Nervenkitzel. Mit Erfolgserlebnissen. Dazwischen sind auch Müdigkeit und Zweifel, klar, aber ich biete jeder dieser Erfahrungen die Stirn und halte aus, halte durch, lerne dazu und ernähre mich von den vielen, den unzähligen schönen Momenten. Etwas selber zu machen, ist ein Akt des Lebendigseins. Bewusstes Sein und Tun, Denken und Handeln und Lernen. Da kann ich noch so viel Wolle kaufen, das Positive dabei überwiegt. Immer.

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Und wenn ich mir hübsche, kleine Dinge kaufe, die jemand anderes gemacht hat? Selber und von Hand, Homemade in einem anderen Zuhause?
Auch das ist für mich nicht mehr ein eigentliches Konsumieren. Naja, vielleicht schon, doch, ja… aber sich mit Dingen zu umgeben, in die jemand sein Herzblut hat einfliessen lassen… das ist für mich sowas wie indirektes Selbermachen. Statt zum Beispiel selber so ein oberschnuckeliges Engelchen zu filzen, eines wie dieses, genau so, wie ich sie liebe, lasse ich eins filzen, von jemandem, der es besser kann als ich, von jemandem, der wahrscheinlich noch viel mehr Spass daran hat, als ich es je hätte, von jemandem, der ein wenig dafür und davon lebt, von jemandem wie Allerleirauh, die ich zutiefst bewundere für ihre Arbeiten und Ideen, für ihren Humor und ihre pointiert formulierten Gedanken.
Natürlich steckt da auch Verschwendung mit drin. Konsum. Ich weiss nicht, wie viele Engelchen ich schon habe, wie viele gefilzte Wesen und Tiere. Viele sind es, soviel steht fest. Aber sie machen mich froh. Und haben mich gelehrt, dass Massenware aus China und andere invasive Fliessband-Produkte, mich niemals, wirklich niemals so erfüllen und bereichern können wie etwas, das jemand mit seinen blossen Händen und jeder Menge Visionen im Kopf hergestellt hat.
Dieses Bewusstsein durchdringt mittlerweile alles. (Wobei ich unterstreichen muss, dass ich alles andere als ein Asket bin. Und ganz gewiss keine Vorzeigefrau!)
Ich bringe es nicht mehr über mich, im Kaufhaus Dosen oder Möbel oder Geschirr zu kaufen. Weil ich im Brockenhaus Schätze finde, die Geschichte haben, Patina, einen Mehr-Wert, selbst wenn sie oftmals weniger kosten als ihre Konkurrenten von der Stange. Kunst an den Wänden stammt von meinen Kindern. Oder ab und zu vom Trödler, wo es die unglaublichsten Werke gibt. Kleider kommen nicht vom Grossverteiler, sondern vom Second Hand Shop, von glaubwürdigen Bio-Fairtrade-Lieferanten oder von meinen Nadeln oder -eher selten in letzter Zeit- von unter meiner Nähmaschine hervor. Seit ich erkannt habe, wie wertvoll, arbeitsintesiv und umwelt-belastend so ein Kleiderstoff im Grunde ist und wie viele Arbeitsschritte es braucht, um aus einer Stoffbahn eine neue Hose zu machen, kommt es mir am sinnvollsten vor so. Und am Erfüllendsten. Und das eine ergänzt und entschuldigt so ein bisschen das andere. Wenn ich nach Postkarten suche oder nach Spielsachen, dann kramen wir im Estrich meiner Mama, freuen uns an “Vererbtem”, besuchen die Spielzeugbörse- oder ich stöbere bei Etsy, wo es die zauberhaftesten Dinge gibt, deren Herstellung jemandem Freude und manchmal sogar sein täglich Brot bedeutet. Am liebsten sind mir aber die Sachen, die wir uns selber er-arbeitet haben. Oder Selbstgemachtes, das uns jemand schenkt. Wie die beiden SToffpuppen im Bild oben zum Beispiel. Sie sind einzigartig und intesiv mit einem Gefühl des Wertvoll-Seins und der Dankbarkeit behaftet. Sie einfach auszutauschen wie eine Puppe vom Kaufhaus… dieser Gedanke ist völlig absurd für mich.

Auch wenn ich noch immer nicht hauptsächlich ökologisch korrekte Materialien in meinem Stash horte -bei weitem nicht, nein- glaube ich, dass das Selbermachen mich geformt hat. Es hat mir ein Stück weit Sorgfalt beigebracht. Und Nachdenklichkeit, eine merkwürdige Art von Genügsamkeit, wobei auch ein bisschen sowas wie Snobismus mit dabei ist. Plus ein bewunderndes Auge für gekonntes Handwerk. Neben grenzenloser(!) Lust auf Wolle und Stoffe auch das Bewusstsein, dass gerade etwas, auf das man Konzentration, gutes Ausgangsmaterial, viel Zeit und Liebe verwendet hat, lange Zeit Bestand haben wird und einen Platz braucht zum Leuchten. Man wird es benutzen. Und es wird immer noch da sein. So reguliert sich der Strick- oder Näh- oder Sonstwie-Handarbeits-Eifer mit der Zeit von selber. Weil man weiss, was hinter einem Produkt steckt und es dann auch geniessen möchte. Indem man es wertschätzend im Lebens-Alltag gebraucht, und dabei vielleicht auch lernt, dass mehr nicht in jedem Fall glücklicher macht, sondern dass es entscheidend ist, dass ein Ding seinen richtigen Platz, seine Aufgabe und den richtigen Zeitpunkt findet.

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Genau wie diese Filzpantoffeln.
Sie sind einfach goldrichtig.
Wie sie sind.
Wo sie sind.

PS. Ich fühle mich immer ein wenig unwohl mit Posts, in denen ich mich exponiere und meine Gedanken klar zu Papier bringe… Mir ist es wirklich wichtig, dass Ihr wisst, dass ich niemandem ein schlechtes Gewissen machen möchte oder Grund hätte, mich selber zu loben punkto meinem Konsumverhalten. Man gibt sein Bestes und auch das in kleinen Schritten, oder? Dieser Post hier war einfach ein bisschen sowas wie… laut Nachdenken. Es hat mir Spass gemacht und ein Thema zum Ausdruck gebracht, das mich schon die ganze Woche lang sehr beschäftigt hat…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Filzen, Stricken, what makes me happy | 17 Kommentare

Sommer-Launen-Filzen

Heute nacht war es geradezu tropisch. Rund und schwer wie ich mittlerweile bin, rollte ich mich hin und her und wartete auf ein kühles  Lüftchen von Richtung Fenster… Vergeblich. Aber das ist okay. Es wird Sommer, da muss man ein paar schweisstreibende Nächte schon in Kauf nehmen, oder?

Die Tage sind genauso; warm, üppig, unter einem weiten, freiem Himmel. Denn obwohl das Haus verlockend schattig auf uns wartet, zieht es uns doch immer wieder alle wie kleine Magnete nach draussen in den Garten, und vieles wird jetzt unter dem Sonnenschirm erledigt; Wäsche-Falten, Geschichten-Vorlesen, Hausaufgaben-Machen, Zvieri-Essen… Der Garten als letztes Zimmer. Unsrer Sommer-Zimmer.

Ich merke, wie ich mich um-orientiere und meine Sinne auf das Draussen richte: Ganz automatisch suche ich zum Beispiel nach Spielen oder kreativen Ideen, die sich leicht in den Garten verlegen lassen. Seifenblasen, Wasser-Spiele oder weiche Bälle haben jetzt Hochkonjunktur. Genauso wie heisse Seifenlauge und bunt gefärbte Schaf-Wolle…

Es ist wieder Filz-Zeit!

Filzen und Sommer, das sind zwei Gesellen, die einfach hervorragend zusammenpassen, finde ich. Der eine nass und aktiv, der andere heiss und träge; wunderbar, wie sich die beiden ergänzen, nicht? Und drinnen, auf einer unterlegten Fläche zu filzen, das scheint irgendwie über meine Relax-Fähigkeiten zu gehen; ich muss ständig an das viele Seifenwasser denken, das mir da über den Tisch-Rand in die Boden-Ritzen schwappen könnte… Und das ist immer viel, sehr viel Wasser bei mir! Wenn ich filze, dann werde ich nämlich zum Tier *grins*! Ihr sollte mich mal sehen, wie ich mit hochgekrempelten Hemdsärmeln in die Wolle greife und alles so kräftig und verbissen durchknete, als würde ich für die nächste Weltmeisterschaft im Armdrücken trainieren. Walken nennt man das, glaube ich.

Bei meinem letzten “richtigen” Projekt, dem ersten dieses Jahres und meinem zweiten überhaupt (wie erfahren ich doch bin *räusper*), kam diese Walk-Freude endlich mal wieder richtig zum Zug: Nachmittags legte ich die Wolle aus, träufelte dampfend heisse Lauge darüber, begann erst zaghaft, dann immer kraft-voller die Fasern zu massieren- und als ich dann schlussendlich eine vollständig verfilzte Fläche vor mir hatte, war es bereits Mitternacht! Nun ja, ich war schon immer ein bisschen extrem…

Das Problem lag wohl vor allem daran, dass ich nicht nur eine einfache Fläche haben wollte, sondern eine doppelte Lage, getrennt mit einem Stück Noppen-Folie. Für eine in Form gefilzte kleine Tasche, so ein bisschen wie dieses wunderwunderwunderhübsche kleine lila Täschchen, in das ich mich so unheimlich verliebt habe bei Jenmuna. Aber mein Talent scheint doch (noch) kleiner zu sein als mein Selbstvertrauen… Denn egal wie schön regelmässig ich die Wolle auch auslegte, es gab immer wieder dünne Stellen, die ausgebessert werden wollten. So streichelte, rieb und walkte ich immer wieder von vorne los. Bis zur Geisterstunde eben.

Aber es waren gute Stunden! Kreative, intensive Flow-Stunden! Ab und zu stiess eines der Kinder zu mir, um mir eine Weile beim Walken zu helfen, und zu sehen, wie sich das eine oder andere doch ein bisschen beeindrucken liess vom Prozess, der hier im Gange war, machte diese Zeit gleich nochmals so erfüllend für mich. Kindern etwas von der eigenen Begeisterung mitzugeben, sei es nun Gartenarbeit oder Kochen oder Filzen oder wasauchimmer, tut doch einfach immer wieder gut, oder?

Bei diesem kleinen Täschchen wurde mir das ganz besonders bewusst. Dass die Stunden, die ich mit und neben meinen Kindern kreativ sein kann und darf zu den allerschönsten Momenten gehören in meinem Leben.


Wenn ich ich sein darf, mit ihnen, bei ihnen, die ich so sehr liebe, ich, mit dem ganzen, manchmal recht extremen Wirrwar an Gefühlen, an diffusen Sehnsüchten und Ängsten, wenn ich dieses ganze verworrene Innere auf die eine oder andere Art in meinen Handarbeiten zum Audruck und zur Ruhe bringen kann… dann bin ich angekommen. Mit Leib und Seele.


Kreative Inselchen im Alltag sind mein Rettungs- Anker geworden. Meine Oase. Mein Jung-Brunnen. Glücks-Horte. Und diese Erfahrung mit meinen Kindern zu teilen, das macht mich… einfach froh.

Das Täschchen, das damals entstanden ist, an einem jener ersten, so richtig sommerlich warmen Tage dieses Jahres, ist anders geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Ziemlich anders sogar. Ich bin eigentlich eher der monochrome Typ, dem starke Kontraste oder zu viele Farben auf einmal schnell einmal zu viel werden. Für meine erste Filz-Tasche hatte ich an lila-violett-rosa gedacht (klar Jenmuna-inspiriert). Oder an grün-blau. An rot-orange-gelb oder weiss-blau-türkis (wie damals bei unserer Filz-Ente)… Ich hatte in kleine, wohlgeordneten Farb-Dimensionen gedacht- aber in wilden, verschlungenen Kombinationen gearbeitet!

Jetzt habe ich keine stille grün-blaue, keine rot-orange-gelbe oder lila-violett-farbene Tasche, sondern gleich alles miteinander! Auch gut. Sommerlich gut. Der Sommer ist bunt und hitzig und voller Leben… warum sollte so ein Filz-Täschchen das nicht auch sein dürfen?

Und wo der Sommer ist, da sind auch Blumen. Ich konnte gar nicht anders: aus den letzten Filz-Schnippelchen, die nach dem Zuschneiden der Taschenlasche übrig blieben, schnippelte ich spontan ein paar Blütenblättchen zurecht und nähte sie vorne an die Taschenlasche, zusätzlich fixiert mit einem zweiten der absolut traumhaften Jim-Knopf-Knöpfe (vom Strick-Café). Denn wenn es schon wuchert und blüht, dann auch richtig üppig…

“Oh! Die nehm ich gleich mal mit…” scherzte meine Mama, als sie das kleine, trubelbunte Filz-Täschchen neulich bei mir sah. Ein sehr gutes Zeichen: Meine Mama sagt das nämlich immer, wenn ihr etwas so richtig gut gefällt.

Ihr ahnt jetzt bestimmt auch schon, für welchen Geburtstag meine Blüten-Filz-Tasche in Sommerlaune bestimmt ist, oder?

PS. Die Filz-Wolle war übrigens eines jener Goodies, die ich mir schon im Winter gegönnt habe. Von Hand und pflanzengefärbt in einer sozialen Werkstätte in der Schweiz; eine echte Kostbarkeit für mich!

PPS. Für alle, die ihre Nase jetzt gerne ein bisschen tiefer in Gefilztes stecken möchten, hier ein paar Links zu meinen Lieblings-Filzerinnen: Kunst-Frau Allerleirauh,Filzkünstlerin Swig, oder Tinki, die jüngst den allersüssesten, kleinen Wassermann gezaubert hat, den die Welt je gesehen hat! Aber auch beim Filzquadrat findet man immer wieder so schöne Ideen… wie zB. diese herrliche gefilzet Stifte-Rolle!
Es gibt noch mehr von euch talentierten, tollen Frauen, ich weiss, und ich bin auch jedes Mal mehr als beeindruckt, wenn ich wieder einem gefilzten Kunstwerk im www. begegne; meine drei Links sind ja auch bloss ein kleiner Ausschnitt der Inspiration Bloggerland…

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What makes me happy: wollige Enten

Ab heute ist es hochoffiziell: Der Sommer ist definitiv vorbei und das, was uns draussen vor der Haustüre begegnet waschechter Herbst in bester Laune.
Ich fühle mich wohl bei all dem. Sehr sogar.
Es ist Zeit für den Herbst, das fühle ich. Aber… trotzdem konnte ich den Sommer noch nicht ziehen lassen. Nicht ohne eine Kleinigkeit zu bereinigen, die noch zwischen uns lag. Oder vielmehr: die eben nicht zwischen uns lag, weil ich es bisher einfach nicht geschafft hatte, sie zu einem guten Ende zu bringen, diese Sommer-Laune-Spielerei mit Wasser, Wolle und vielen, tüchtigen kleinen Helfers-Händen…
Ende August, während einer herrlichen, weil kurzen spätsommerlichen Hitzewelle, packten wir, was an Schaf-Wolle übrig gelieben war, nach draussen in den Garten und wagten uns an unser allererstes “richtiges” Filz-Projekt, absolutes Neu-Land für jeden von uns. Im Bastelbuch “Der neue Ravensburger Bastelspass” (einem meiner Lieblings-Bücher) gibt es eine ganze Seite gefilzter Wasservögel, alles ganz, ganz zauberhafte, bunte Wuschelgeschöpfe, auf die ich schon seit jeher ein Auge geworfen habe. Und weil ich ohnehin gerade in einer “Just let’s do it”-Phase steckte, noch euphorisiert von meinen ersten kleine Filz-Schrittchen kurz zuvor, zog ich mein Buch aus dem Regal, tippte mit dem Finger auf die Filz-Vögel und erklärte meinen Kindern eines schönen Ferien-Tages: “So,meine Lieben, das hier machen wir heute”.
Was wir auch wirklich taten. (Auch hier…)
Das Wetter war wundervoll, meine Neugierde mehr als geweckt, und wir hatten gerade alle Zeit der Welt; Wir liessen wir uns treiben im Rhythmus von Wolle-Aussortieren, Zupfen, Auslegen, Benetzen, sanftem Reiben und Rollen und dem kraftvollem Walken zum Finale (Da mussten wir uns wirklich abwechseln, denn das viele Kneten und Rubbeln geht einem tatsächlich ziemlich in die Arme).
Ich muss sagen: Ich liebte es! Vom ersten Augenblick an. Bis zum Schluss. Vor allem, weil das eine Arbeit war, in der ich und die Kinder uns ergänzen und unterstützen konnten, ohne je überfordert oder gelangweilt zu sein: Es gab immer eine Aufgabe, die Spass machte, sogar für die Allerkleinsten oder die Allermüdesten unter uns…
Unser Enten-Filz wurde auf der oberen, symmetrisch angelegten Seite Eisvogel-Blau und auf der unteren Braun-Schwarz (weil ich davon noch jede Menge Wolle übrig hatte). Jedes Mal beim Wenden staunte ich von neuem: Es sah aus, als hätte ich ein Ziegenfell vor mir! Sogar die Form hatte diese verblüffende Ähnlichkeit…
Nach dem Waschen und Trocknen der Filz-Platte (alias “Entenhaut”), machte ich aus dem letzen Bisschen orange-roter Wolle eine Art Filz-Kegel, der später den Enten-Schnabel abgeben sollte, und Kind1 zeichnete eine Enten-Form auf sehr dickes Papier. Nach dieser Schablone schnitt und nähte ich unsere Ente dann zusammen, fast als wäre unser Filz nichts weiter als ein Stückchen Stoff (Was er aber nicht war, denn er nähte sich -vor allem über den dicken Schnabel hinweg- sehr viel schwieriger).
Ich war völlig aus dem Häusschen, als ich die Ente von innen nach aussen wendete (Ich habe sie rechts auf rechts genäht) und plötzlich eine richtiges kleines Plüschtierchen in den Händen hielt. Von A-Z selbstgemacht. Mein Herz jubelte!- Verstummte aber schon bald nach dem Stopfen (mit Rohwolle) wieder kleinlaut, denn: Wie um Himmels Willen macht man denn Augen an so ein Tierchen?
Die Augen-Knöpfe, die ich mir extra aus der Stadt heimbrachte, passten einfach nicht. Und aufsticken? Das konnte ich mir so gar nicht vorstellen… Vielleicht aufnähen? Hmm…
Ich zauderte und haderte, und so blieb die kleine Ente eine ganze Weile lang augenlos
Den ganzen Rest-Sommer lang.
Bis heute.
Aber heute machte ich endlich Nägel mit Köpfen. Und krönte das Sommer-Ende mit einem Paar herzhaft nadelgefilzter Enten-Augen (für die ich all meinem Mut zusammenehmen musste, weil ich wirklich keinen blassen Schimmer habe, wie zum Kuckuck man so was macht, nadelfilzen, und weil es sich schon etwas mulmig anfühlt, so richtig hart mit der Nadel in meine arme Ente hinein zu stechen… Mein Mädchen brach bei diesem Anblick sogar in Tränen aus, was ich vollkommen verstehen konnte: Nadelfilzen sieht einfach brutal aus…)
Und jetzt, pünktlich zum Herbst-Beginn, wo alles wieder nach Wärme und Wolle verlangt, lebt also eine kleine, selbst gefilze Ente bei uns. Die anspruchslos einfach alles mag (wenn mein Mädchen will, auch Hagebutten) und mit einer Engelsgeduld Verstecken spielt…
Was für ein Glück!
Veröffentlicht unter Filzen, what makes me happy | 14 Kommentare

Ich bin dankbar für…

 
… dieses ungeheuer belebende … 
… und alle möglichen Kräfte mobilisierende Gefühl,
das einem durchströmt …
… wenn man sich endlich,
nach viel zu langer Zeit …
… an Dinge wagt,
die man sich eigentlich nicht zugetraut hätte…
Das war ein Spass!
 Und zudem wirklich gar nicht schwierig (ganz, ganz ehrlich).
Ich bin den fantastischen Anweisungen aus meinem allerliebsten Kinderbastel-Buch gefolgt: “Der neue Ravensburger Bastelspass” (auch in meiner Bücherliste ganz rechts, by the way) hat ein ganzes Kapitel an Filzsachen zum Selbermachen, mitunter wirklich zauberhafte Dinge, die trotzdem noch “un-perfekt” genug aussehen, um die eigene Fantasie zu beflügeln und sich selber einfach mal im Tun zu versenken. Ich meine, das hier ist nur eine … ähm… Filzdecke oder ein Spielfilzteich für Legomännchen oder ein Kaffeetisch-Deckchen oder so, aber ich denke, doch, aus dieser neuen Bekanntschaft, ich und der Filz, könnte eine tiefe Freundschaft entstehen.
Um nicht zu sagen eine Liaison…
  Ich kann es euch wirklich ans Herz legen. Das Buch und das Filzen.
 Nur Mut!
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Veröffentlicht unter Filzen, kreative Ideen | 13 Kommentare