Archiv der Kategorie: Farben

unmittelbar 6

Uiuiui…wie die Tage purzeln! Alles geht so schnell. Und gleichzeitig so gemächlich. Sommerferien eben; man kommt nicht zum Sitzen, obwohl man zeitweise das Gefühl hat, die ganze Zeit nichts anderes zu tun…
Momentan fliesst viel Zeit in meine kleine Färbeküche. Wo ich mich verstecke -aber flink!- sobald dem Babykind vormittags die Äuglein zufallen (Tagwacht ist zum Teil schon um 5:30, Hilfe!). Wolle sortieren, abbinden, Pflanzen vorbereiten, Sud ansetzen, aufkochen, stehen lassen, umrühren, zwischendurch kontrollieren, wieder köcheln, diesmal mit Wolle, immer ein Auge drauf haben, damit es nicht zu heiss wird, sachte im Topf die Kelle schwenken, abwarten, weiter warten, nochmals warten… und irgendwann ist dann die Wolle da, frisch umgefärbt, bereit, an der Luft zu trocknen und vielleicht nochmals umzuschwenken in Sache Farbton.
Das braucht Zeit. Viel Zeit. Und einen grossen Teil meiner Aufmerksamkeit, meiner Zwischendurch-Zeit, meiner freien Zeit…
Kein Wunder komme ich nicht zum Schreiben!
Ich meine; gestrickt werden soll ja auch noch. Mein Herz will das so. Die kleine dunkelblaugraue „Playdate“-Cardigan für meinen Babybuben hat sich -und das macht mich so froh!- ihren Platz in meiner WIT-Liste tapfer verteidigt und liegt heute beinahe tragefertig auf der Näh-Kommode im Wohnzimmer, gleich neben einem Häufchen Glas-Knöpfchen, die ich irgendwann wohl mal annähen sollte…
Die blaue Wolle oben auf dem Foto ist mittlerweile übrigens dunkelbraun. Und ein Strang Rosy Green Big Merino Hug hat von hellstem Graurosa auf Avovado-Herzen-Altrosa gewechselt. Aber das sind wieder andere Geschichten. Und, Moment mal!… oben wartet ja noch ein Topf mit ehemals graulila Garn im zweiten Färbebad aus Walnuss auf mich; ich wink‘ euch also bloss kurz zu und sage: Bis bald, ihr Lieben! Habt’s schön und lasst es euch gut gehen!

PS. Tut mir leid: das waren definitiv mehr als 5 Sätze. Sogar mehr als 10. Ach, ich hätt‘ so gern mehr Stunden im Tag…

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Gefärbt! Mit Walnuss…

Voilà.
Vier Bilder, vier Schritte, und jeder führt mich ein Stückchen tiefer ins faszinierende Färbe-Reich. Und das Ergebnis? Es könnte nicht schöner sein in meinen Augen: Wolle in einem warmen, weichen, schokoladig-haselnussigen Braun. Milch-Nuss sozusagen für die Seele, denn ich liebe Braun, Braun und waldiges, tiefes, wildes Tannenwipfelgrün. Ich denke immer, meine Seele ist braun wie feuchte Erde, mein Geist grün wie weiches Moos. Und jetzt, jetzt habe ich einen Strangen Merinowolle, der die Farbe meiner Seele trägt…

Meine Freude über diese knapp 100gr. Wolle ist zu gross, um sie in einen „unmittelbar“-Post zu klemmen, sie soll gefeiert werden, ein bisschen zumindest, vier Bilder ihr zu Ehren dürfen es schon sein, oder?
Die Nüsse musste ich übrigens mehr oder weniger heimlich vom Baum stibitzen, einem schönen, grossen, ein wenig verschupften Walnussbaum, um dessen Stamm vor einem oder zwei Jahren eine Art öffentlicher Parkplatz mit Kiesboden gebaut wurde. Seine Äste sind immer im Weg, darum werden sie gekappt und hängen so an dem meisten Stellen zu hoch für ein zartes Fraueli wie mich, es sei denn, ich würde mit der Leiter unter’m Arm durchs Dorf spazieren und zwischen den parkierten Edelschlitten die Sprossen raufwackeln. Aber ich hatte Glück, vorerst und fürs Erste: ganz dicht beim Stamm winkte mir ein vergessen gegangener, dicht belaubter und nuss-schwerer Ast zu und bog sich mir entgegen unter seiner Last…
Einen kleinen Kübel voll Färbgut brachte ich nach Hause, klein aber fein, gerade recht für ein erstes Versüecherli in meiner frisch bezogenen Hexenküche unterm Dach. Die Nüsse sind noch weich und saftig-grün zur Zeit, weicher und grüner als ich mir eine Walnuss im Juli jemals vorgestellt hätte. Ich konnte mühelos kleine Stücke daraus schneiden, mit einem völlig alltäglichen Rüstmesser sogar und ohne grosses Kräftemessen. Die ebenfalls vom Baum geernteten Walnussblätter habe ich einfach mit der Schere in unregelmässige, vielleicht 2cm breite Streifen geschnitten und dann zusammen mit 5l Wasser in einem grossen Kochtopf aufgekocht und vielleicht eine Stunde, vielleicht auch länger, leise köcheln lassen. Wieviel Material ich genommen habe, weiss ich nicht exakt, ich musste auch noch einmal auf Beute-Tour gehen, weil ich den Eindruck hatte, es wäre nicht genug… Zu guter Letzt werden es zwischen 400gr. und 500 gr. Nüsse und Blätter gewesen sein, würde ich sagen. Alles klein geschnitten und so weich gekocht, dass ich die Nüsse mit meinen (behandschuhten) Händen einfach so zwischen den Fingern zerdrücken konnte.

Nach dem Ausköcheln, blieb der Herd kalt, die frische Färbe-Farbe bekam 24 Stunden Zeit, zu ziehen und dabei intensiver und satter zu werden. Wahrscheinlich hätte ich Nüsse und Laub danach herausfiltern können, aber irgendwie mochte ich es ganz gerne so. Mit all den krautigen Sachen in meinem Kessel, dem Waberdampf und so. Ein bisschen mehr Hexengefühl, ihr wisst schon.
Um die Wolle -ein ausgemustertes Silbergrau reiner Bio Merinowolle- dann am nächsten Tag darin zu färben, opferte ich eines meiner Wäsche-Netze, damit sich keine Pflanzenteilchen in ihren Fasern verhedderten. So verpackt blieb sie unversehrt bei ihrem Bad, konnte die Farbe aber trotzdem tadellos annehmen.
Während ca. 60 Minuten liess ich meine Wolle im Färbebad leicht sieden, legte dann den Deckel auf die Pfanne, stellte den Herd wieder aus. Und wartete. Nochmals 24 Stunden lang. Länger aber hielt ich es nicht aus; mit Plastikhandschuhen bewehrt fingerte ich an meinem unansehnlich braun gewordenen, über und über mit glitschigen Nuss-Stückchen und Blattresten behangenem Wäsche-Netz herum… und holte -mir stockte der Atem- ein tief dunkelbraunes, tropfnasses Fadenwirrwar heraus. Satt und erdig und gar nicht so verheddert, wie es auf den ersten Blick schien, denn ich hatte vorsorglich vor dem Färben meinen Strang nochmals mit ein paar Fäden abgebunden und so besser fixiert.
Eine kleine Weile liess ich ihn noch so, vollgesogen mit Färbe-Wasser, auf der Abtropfe liegen und versenkte mich andächtig in seinen Anblick. Ich meine… was für ein Wunder. Aus grünen Nüssen, ledrigen Blättern, einer grosszügigen Handvoll blässlich grauer Wolle und etwas Wasser wird etwas so Schönes. Magie, ja, ohne Zweifel. Farben-Magie.

Beim vorsichtigen Ausspülen unter fliessendem Wasser, blutete noch einiges an Farbe wieder aus und rann in schmalen, dunklen Bächlein davon. Die Wolle aber blieb intensiv braun. Auch nach dem kurzen Fixieren im Essig-Wasserbad. Erst nach dem Trocknen änderte sich ihr Ton ein wenig; aus Dunkel- wurde Mittelbraun, die Farbe gewann an Wärme. Ich musste an Haselnüsse denken, was ein heimeliges Gefühl in mir auslöste und mich nur noch mehr freute; Der Haselstrauch gehört zu meinen Lieblings-Gehölzen. Er steht für mich für Heim und Herd und bedeutet „Zuhause“.
Zuhause… Wärme und Nahrung und Schutz. Braun bedeutet auch das. Für mich. Genau wie die Walnuss. Wie das Erschaffen an sich. Wie die Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit den eigenen Händen und einer kleinen Prise Willens-Zauber, Gutes und Schönes für sich und andere zu erschaffen. Um zu wärmen, zu nähren, Geborgenheit zu schenken…

So. Und jetzt möchte ich stricken gehen. Ich freue mich so an meiner Wolle, die nun wirklich meine geworden ist…

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unmittelbar 5

Auf den letzten Tagen lag eine Art Zauber; Der zarte, belebende Zauber eines Neubeginns. Ich räumte, putzte, entsorgte, arbeitete in jeder meiner kleinen, freien Minuten daran, die winzige, ganz schön schäbige und bisher stillgelegte Küche unterm Dach aus ihrem Dornröschen-Schlaf zu küssen.
Und in eine Hexenküche zu verwandeln.
Ich möchte so gern färben lernen. Pflanzenfärben. Mit Kräutern, Blüten, Blättern, Rinde hantieren, in dampfenden Töpfen rühren und ein wenig zaubern dabei.
Da schwelt schon länger das Bedürfnis in mir, mehr aus der Wolle zu machen, die ich habe, die Dinge, die ich stricke noch ein klein wenig mehr meins werden zu lassen. Wenn ich schon nicht spinne, dann wenigstens indem ich vielleicht die eine oder andere Garnfarbe variere, diejenigen vor allem, die es auch nach Monaten oder Jahren -aller anfänglichen Begeisterung zum Trotz- nicht in mein Strickkörbchen schaffen und mir fremder und fremder werden.
So kam heute dieses helle Silbergrau in meine frisch bezogene Färbeküche. Zum Topf voller weich gekochter, noch grasgrüner Walnüsse und abgezupftem Laub.
Es brodelt und dampft und riecht ein wenig nach Henna, mit dem mein Liebster mir in meiner Jugend das Haar rot färbte…

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Trio: Tag 4

Der Tag ist grau, öd und verwaschen und hat ganz klar einmal mehr zu früh begonnen… darum lass‘ ich nur kurz die Gedanken purzeln, bevor ich mich umdreh‘ und weiterwusel zwischen meinem Kram (Hab den Timer auf 30Minuten gestellt und bereits 5 Minuten für die Fotos verbraucht!)
* Gestern nahm ich mir nachmittags die Zeit, einen Jogurt-Rhabarber-Cake zu backen, eigentlich in der Hoffnung, die Mädels hätten Lust mitzuhelfen. Doch nachdem es bereits beim Aufschlagen der Eier (2 anwesende Mädchen, 3 Eier) zu Tränen kam, fand ich die Idee weit weniger genial. Trotzdem wird dieser Kuchen gern gegessen. Tatsächlich ist es einer der Lieblingskuchen von Kind2, und ich freue mich einfach, konnte ich unsere mickrigen Rhabarber-Stängelchen irgendwo einsetzen…
* Unterm Dach haben wir eine ganz kleine, sehr unmoderne, ziemlich schmutzige und verwahrloste Mini-Küche aus den Zeiten, da unser Haus noch eine 3-Wohnungs-Einheit war. Seit einem Brand vor einigen Jahren, der zustande kam, weil jemand unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, bleibt die Küche ungenutzt und alle Geräte ganz ohne Strom. Im Grunde ist sie überflüssig. Brauchen tun wir diese Küche ja nicht, die im unteren Stock ist schön und gross und alles, was ich mir küchenmässig wünschen würde.
Bis anhin hatte Kind1 seine Elektro-Bastelsachen oben verstaut. Doch diese Passion scheint vorbei. In einigen Schubladen lagert noch ein Vorrat an Mehl und Zucker, für den es im Keller zu feucht ist, aber sonst…
Seit ein paar Tagen kommt mir immer wieder der Gedanke, wie es wohl wäre, diese kleine, schäbige Retro-Küche zu räumen und in eine Art… Färbe-Werkstatt zu verwandeln. Kleckse und Flecken richten hier keinen Schaden an und auf den Glaskeramik-Herd passen auch unsere alten, nach dem Kauf eines Induktionsherdes ausgemusterten Pfannen…
*Vielleicht könnte ich ja eines Tages Garne zaubern wie das „Woollentwine Fibrestudio“? Diese zarten, natürlichen Farben…! Ich habe ihren Shop erst vor kurzem entdeckt, bin ihren Naturfärbe-Künsten und den herrlichen Basisgarnen, die sie verwendet, aber bereits mit Haut und Haaren verfallen…
Diese Woche sind drei mildgrüne Strangen ihrer BFL/Masham DK Qualität angekommen; drei wunderbare Strangen wuscheliger und gleichzeitig seidiger Wolle, natürlich, aber edel und sehr verwunschen mit seinem graustichigen Märchenwaldgrün. Ich liebe dieses Garn! Eigentlich hatte ich an ein schlichtes Tuch gedacht, aber jetzt überlege ich, ob ich vielleicht auf das nächste Shop-Update warten und mit zwei zusätzlichen Strangen eine leichte Strickjacke für mich machen soll. Im Stil von Madders „Shore Cardigan“ vielleicht…?

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