Archiv der Kategorie: Farben

Trio: Tag 4

Der Tag ist grau, öd und verwaschen und hat ganz klar einmal mehr zu früh begonnen… darum lass‘ ich nur kurz die Gedanken purzeln, bevor ich mich umdreh‘ und weiterwusel zwischen meinem Kram (Hab den Timer auf 30Minuten gestellt und bereits 5 Minuten für die Fotos verbraucht!)
* Gestern nahm ich mir nachmittags die Zeit, einen Jogurt-Rhabarber-Cake zu backen, eigentlich in der Hoffnung, die Mädels hätten Lust mitzuhelfen. Doch nachdem es bereits beim Aufschlagen der Eier (2 anwesende Mädchen, 3 Eier) zu Tränen kam, fand ich die Idee weit weniger genial. Trotzdem wird dieser Kuchen gern gegessen. Tatsächlich ist es einer der Lieblingskuchen von Kind2, und ich freue mich einfach, konnte ich unsere mickrigen Rhabarber-Stängelchen irgendwo einsetzen…
* Unterm Dach haben wir eine ganz kleine, sehr unmoderne, ziemlich schmutzige und verwahrloste Mini-Küche aus den Zeiten, da unser Haus noch eine 3-Wohnungs-Einheit war. Seit einem Brand vor einigen Jahren, der zustande kam, weil jemand unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, bleibt die Küche ungenutzt und alle Geräte ganz ohne Strom. Im Grunde ist sie überflüssig. Brauchen tun wir diese Küche ja nicht, die im unteren Stock ist schön und gross und alles, was ich mir küchenmässig wünschen würde.
Bis anhin hatte Kind1 seine Elektro-Bastelsachen oben verstaut. Doch diese Passion scheint vorbei. In einigen Schubladen lagert noch ein Vorrat an Mehl und Zucker, für den es im Keller zu feucht ist, aber sonst…
Seit ein paar Tagen kommt mir immer wieder der Gedanke, wie es wohl wäre, diese kleine, schäbige Retro-Küche zu räumen und in eine Art… Färbe-Werkstatt zu verwandeln. Kleckse und Flecken richten hier keinen Schaden an und auf den Glaskeramik-Herd passen auch unsere alten, nach dem Kauf eines Induktionsherdes ausgemusterten Pfannen…
*Vielleicht könnte ich ja eines Tages Garne zaubern wie das „Woollentwine Fibrestudio“? Diese zarten, natürlichen Farben…! Ich habe ihren Shop erst vor kurzem entdeckt, bin ihren Naturfärbe-Künsten und den herrlichen Basisgarnen, die sie verwendet, aber bereits mit Haut und Haaren verfallen…
Diese Woche sind drei mildgrüne Strangen ihrer BFL/Masham DK Qualität angekommen; drei wunderbare Strangen wuscheliger und gleichzeitig seidiger Wolle, natürlich, aber edel und sehr verwunschen mit seinem graustichigen Märchenwaldgrün. Ich liebe dieses Garn! Eigentlich hatte ich an ein schlichtes Tuch gedacht, aber jetzt überlege ich, ob ich vielleicht auf das nächste Shop-Update warten und mit zwei zusätzlichen Strangen eine leichte Strickjacke für mich machen soll. Im Stil von Madders „Shore Cardigan“ vielleicht…?

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Januar-Tage Nr. 19

Mit Nr. 19 wird diese Reihe wohl enden. 19. Eine gute Zahl. Obwohl 20 natürlich runder wäre… Aber ich fühle mich zu träge, um längerfristig ein rasantes Blog-Tempo halten zu können. Vor allem  weil ich das mit den „kurzen“ Posts irgendwie sowieso nicht hinkriege; immer hatte ich es vor, immer wollte ich mich kurz und knapp zu fassen, und immer war ich nur schwer zu stoppen. Ich bin hald ein Plappermaul, was soll’s.
Trotzdem fand ich diese Reihe hilfreich. Und ein Stück weit heilsam. Ich hatte das Gefühl, mich schreibend ein wenig zu entspannen, auch Nonsens stehen lassen zu können, ohne gleich wieder ins Korrigieren zu fallen. Einfach nur so erzählen- das finde ich eigentlich ganz angenehm. Blog-tauglich sogar. Mein Blog darf ein Tagebuch sein und bleiben. Ich verdiene kein Geld damit und muss nirgendwo mithalten können, zwei wichtige Relax-Faktoren sind also schon abgehakt. Ursprünglich war das Ganze ja auch zwanglos gedacht, schlicht und sorglos, ein Festhalten, Notieren, lautes Denken, nichts weiter…
Aber bevor ich mich jetzt meinem Strickzeug widme, das bereits griffbereit auf meinem Nachttisch steht, möchte ich noch kurz ein paar Worte zum Foto sagen. Ein Woll-Bild. Mal wieder. Ich fotografiere ziemlich gern Wolle (wenn auch nicht sehr gekonnt), und ich schreibe auch sehr gern darüber, Woll- und Strickposts sind mir die allerliebsten. Vielleicht weil das Stricken auch mein allerliebstes Hobby geworden ist im Laufe der letzten 10 Jahre?
Die Wolle jedenfalls, die ihr oben seht, ein wunderbares Merino-Seide-Yak-Mischgarn in DK-Stärke von der Spinnwebstube, ist so kuschelweich wie sie ausschaut, und sie schimmert auch ganz leicht, weil Seide drin ist, Seide fürs Kuscheln und Funkeln. Leider verlieren die meisten Seiden-Garne den schönsten Teil ihrer Glitzerei, sobald sie auf die Nadeln hüpfen, und mit diesem Garn, so hübsch es auch aussieht und so betörend ich es finde, geht es nicht anders: Verstrickt wirkt es ganz anders als zum Strang gewunden. Matter wirkt es. Weniger Luxuriös. Schlichter. Und die Farbe, ein gedämpftes Blau mit Graustich, sieht um einiges dunkler aus als zuvor, wo ich so viele, silberne Lichter darin spiegeln sah.
Bin ich enttäuscht?
Hm… ich weiss nicht. Vielleicht ein bisschen?
Aber an sich spielt es keine grosse Rolle, was ich darüber denke, denn im Augenblick stricke ich nicht für mich, sondern für mein jüngstes Mädchen, das handgemachten Pullovern klar den Vorzug gibt und sich einfach nicht anfreunden kann mit den engen Ärmeln und dicken Nähten vieler gekaufter Sweatshirts. Vor bald einem Jahr habe ich ihr einen Pulli aus einem grünen Merino-Baumwollgarn gestrickt, den sie wirklich unglaublich oft und gerne trägt, aber ein bisschen unsicher bin ich schon, ob es ihr mit dem neuen Pullover, den ich jüngst für sie angeschlagen habe, genauso gehen wird. Immerhin ist da Wolle drin. Und Wolle birgt immer die Gefahr, kratzig zu sein. Nun denn; Ich wollte dieses Garn hier einfach endlich anstricken. Drei Strangen habe ich davon, und die Kinder werden auch nicht kleiner, da muss ich damit arbeiten, solange 300gr. noch einen ganzen Pulli ergeben. Ein „Boathouse Mini“ Sweater mit lange Ärmeln soll es werden. Weil ich dieses Strickmuster so liebe. Und kenne wie meine Westentasche. Eigentlich kann gar nichts schief gehen- sofern die Wolle stimmt. Für sie stimmt. Ich hoffe jetzt einfach mal das Beste und lasse sie vielleicht einmal anprobieren, sobald ich die Arme stillgelegt und den Bauch ein Stück weit runter gestrickt habe. Dann weiss ich, woran ich bin. Und kann mich zur Not auf ein Jäckchen verlegen…

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Januar-Tage 11

Ihr Lieben! Herzlichstes Dankeschön für eure Beiträge unter meinem letzten Post! Es war ein Vergnügen, sie zu lesen! Nichts motiviert mehr, den Laptop aufzuklappen, als ein Büschelchen freundlicher Worte… Merci!
Zum Antworten bin ich bisher allerdings nicht gekommen… Überhaupt blieb mein Kontakt zu virtuellen Welt die letzten Tage aufs Handy beschränkt. An den Tag gebunden. Versorgt in Zwischenlückenknappmomenten. Schulstart und all das, lauter Hektigkeiten und eine Morgenwacht, kaum hat der Hahn gekräht. Ich bin den durchgetakteten Alltag einfach nicht mehr gewöhnt, so nach zwei Wochen Narrenfreiheit.
Takt und Lerchen-Morgen haben aber auch ihr Gutes: Ich reisse mich zusammen, was meine Haushalts-Pflichten angeht und fühle mich ohnehin motiviert, für Klarschiff zu sorgen in unseren vier Wänden. Januar-Gefühle hald. Die haben immer irgendwie mit Putzwedeln und Entrümpel-Checklist zu tun.
Mein Kleiderschrank musste auch kurz herhalten. Das Pullover- und Kleidchentablar wurde völlig geleert und auf Herz und Nieren geprüft, und obwohl ich wirklich nicht viel Kleidung besitze, kamen drei Sachen weg.
Ein schwarzes Unterkleid, das ich mir wegen dem elastischen, wahnsinnig bequemen Stoff für die Schwangerschaft doppelt gekauft habe, aber ohnehin bereits noch in drei anderen Farbtönen besitze. Keiner braucht fünf mal dasselbe Kleid. Nicht mal ich.
Ein schwarzer Künstlerkittel von Gudrun Sjöden, den ich bisher einzig deshalb behalten habe, weil ich etwas griffbereit haben wollte, falls ich an eine Beerdigung müsste.  Doch irgendwie… ich weiss auch nicht. Mir gefällt die Farbe genauso wenig wie der Gedanke.
Und dann ein grüner, selbstgestrickter Wollpullover, den ich damals für mich gemacht hatte. Fünfeinhalb Jahre ist es her. Zwei Babies und sehr viel Erlebtes später passt er rein gar nicht mehr. Schon länger spüre ich das. Er kneift und zwickt und ich bringe es nicht über mich, ihn zu tragen, weil er eng sitzt wie eine Wurstpelle.
Das war schon vor der letzten Schwangerschaft so.
Das Problem liegt vor allem daran, dass ich Pullover brauche, die luftig sind und geräumig, und dass ich hier ganz einfach nicht an positive ease gedacht hatte…
Langer Rede kurzer Sinn: Dieser Pulli ist nicht mehr. Dafür liegen nun ein paar krisselige Wollknäuelchen mehr in meinem Wollregal und freuen sich auf ein zweites Leben als…ja als was eigentlich? Nun, mir wird schon was einfallen. Irgendwann. An sich freue ich mich ja bereits darauf, wieder etwas dickeres Garn zwischen meine Finger zu gleiten lassen. Die Arbeit an meinem Babyjäckchen mit Nadelstärke 3 zieht sich gefühlt endlos dahin… Auf ein Neues also! Ich mag Neuanfänge, wenn sie grün und so schön mummelig sind…

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Die „Januartage“ setzen diese Idee im neuen Jahr ein wenig fort.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

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Abenteuer Kool-Aid

Sommerflimmerhitze. Kaffee-Eis schmilzt in meinem Bauch. Ich bin träge wie ein Nilpferd und kraftlos wie eine welke Tulpe. Alles dauert ewig und zwei Tage. Ich fühle mich zäh und bedroht von meiner Schwerkraft; jede Bewegung kostet so schrecklich viel Energie und Muskelkraft, allein das Aufhängen einer Socke überschreitet mein Stemmvermögen…

Aber so ist das nunmal.

Juli-Sommer und hochschwanger und ein Eisenspiegel, der schon seit 2 Wochen bedrohlich tief im Keller liegt – das zusammen ergibt ganz einfach eine denkbar bürdenreiche Kombi. Da kann man nicht klagen. Nur abwarten, kalten Tee trinken und sich üben in der Golddisziplin „Geduld“. Bis es etwas abkühlt. Bis die Frauenärztin zurück ist aus den Ferien. Bis zur Eiseninfusion. Bis auf  leichtere Tage, in denen das Leben wieder an Schwung gewinnt.
Und zwischendurch hilft auch ein Blick zurück. Auf die letzte Woche, die sich irgendwie ganz wunderbar entspannt, licht und unkompliziert von Tag zu Tag spann wie ein Spinnwebfaden aus Seidensilber, den das Sonnenlicht bunt einfärbt.
Zwei meiner Kinder verbrachten ihre Zeit mit Papa im Indianerlager, was fürchterlich viel Spass gemacht haben muss und allen so richtigrichtigrichtig gut tat. Und der Rest meiner kleinen Schar teilte sich das Haus mit Gästen aller Art, mit spontanen Mittagsgästen, der ersten Liebe meines Sohnes, mit Übernachtungsbesuch und Kaffeeklatsch. Kunderbunt war das. Belebt wie eine italienische Piazza. Die Türklinke ging von Hand zu Hand, Stimmengewirr erfüllte die Räume, und dazwischen putzte ich die verwaisten Zimmer, gab Gerümpel ins Brocki und freute mich an der Ausgeglichenheit der Stunden.
Nicht zu viel.
Nicht zu wenig.
Es war warm, aber massvoll, und geschlafen habe ich wie ein Herrgöttlein.

Und dann haben wir Wolle gefärbt. Zwischen Johannisbeer-Muffins-Backen, Badezimmerputzen und dem Ernten frischer Zuchini. Noch quasi mit Essigreiniger an den Händen.
Beim Ausräumen einer alten Kommode kam mir ein Paket in die Hände, das mir Rita einmal vor an die 7 oder 8 Jahren zugeschickt hat, ein Färber-Paket, komplett mit blütenweisser Sockenwolle, Kool-Aid-Getränkepulver in 3 Farbtönen (und Geschmacksrichtungen), mit Plastikhandschuhen und zweierlei extra für mich ausgedruckten Anleitungs-Seiten, alles so durchdacht und vollständig, dass es eigentlich keine Entschuldigung mehr gibt für die verstrichenen 7 oder 8 Jahre, die dieses Woll-Färbe-Set unberührt in meiner Schublade gelegen hat.
Ausser vielleicht dieser hier: Ich tue mich grausam schwer mit allem, was neu ist. Ich habe Angst vor Fehlern. Sie wiegen schwer wie Tadel und hemmen alle Neuschritte.
Dabei war es nicht schwer. Das Färben. Nichts daran. Selbst meine 2 kleinen Mädchen kamen damit zurecht, hantierten souverän mit Löffel und Farbe und klecksten dicke Pfützen zur Wolle aufs Blech. Rote Pfützen vor allem, denn zwei der drei Kool-Aid-Sorten mögen vielleicht verschieden geschmeckt haben, sahen sich aber farblich gleich wie Zwillinge; kirschrot, tomatenrot, ein klein wenig wie frisches Blut aus einem Schnitt.
Doch wir haben nichts gegen etwas Blut. Und gegen Kirschen und Tomaten schon gar nicht.
Weil es gerade so praktisch war, kamen die beiden vollgeklecksten Wollstrangen gleich mit den Blechen in den Backofen zum Fixieren. Und dann vom Ofen ins Bad, vom Bad an die Leine, von der Leine ins Wollregal, vom Wollregal ins Strickkörbchen. Zumindest einer der Strangen, der meiner Kleinsten. Weil sie genauso neugierig war auf das Farbbild, das ihr Färbewerk verstrickt abgeben würde wie ich. Und weil sie warme  Socken brauchen wird im Herbst. Für den Waldtag im Kindergarten, wo nur noch Gummistiefel gegen das Nass in den Gunten und matschigen Waldwegen helfen und Wolle gegen die Kälte, die sich so rasch zwischen kleinen Zehen verkriecht.
Nun; das Farbbild ist… speziell.
Das sicherlich.
Vielleicht doch ein bisschen viel Blut im Rot und zu wenig Nuancen-Reichtum insgesamt. Wir hätten es wohl doch besser bei den Farbpfützen lassen sollen und nicht gleich alles Weiss zu ertränken brauchen. Sprenkel hätten auch gereicht. Aber man muss das verstehen; der Spass war einfach zu gross, da konnte man kaum aufhören mit Klecksen und Tränken und Verteilen und irgendwie schien es bald einmal zu wenig Wolle für all die schöne Farbe.
Nun, Socken sollen es werden und Socken werden es auch. Und wenn dann die Erinnerung an diese wunderbare, reiche, üppige Sommer-Zeit, an all die Freude und Spannung und Versunkenheit des Moments an düsteren Regenwetterherbsttagen aus nassen Gummistiefeln blitzt, in ihrer ganzen kirschtomatenblutroten Pracht… dann soll mir das nur recht sein.
Danke Rita.
Danke Sommer.
Danke Leben.

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