Archiv der Kategorie: Familienalltag

unmittelbar 7

Himmel, wie sehr ich danach lechze endlich wieder frei und in Ruhe zu schreiben! Halb verdurstet bin ich bereits… Aber gerade höre ich mein Pausbackenkind unten im Garten weinen und schimpfen, Geschwister-Streit wahrscheinlich, denn auch Mädchen können sich zanken und picken wie die Hühner… Nur kurz also. Einmal mehr. Ein „unmittelbar“-Post wie gehabt, wie geplant- aber nicht wie gewünscht, das muss ich euch sagen…
Nun; im Moment fühle ich mich getrieben und gehetzt und gleichzeitig allem etwas überdrüssig. Phasenweise zumindest. Ich habe oftmals das blöde Gefühl, nicht richtig mitzukommen mit dem Tempo der Welt. Dem Tempo meiner Welt. Soziale Medien sind ein Teil davon. Sie überfordern mich masslos. Haushalt und Kinder sind ein anderer Teil. Hier fallen mir die Fäden aus den Händen, und wenn ich nicht beherzt genug danach schnappe, gehen die Pferde durch und ich rase hilflos mit den Armen rudernd auf meiner Kutsche durch die Gegend.
Dann versuche ich, festzuhalten, was festzuhalten ist. Die kleinen, die winzig kleinen Momentchen zu zelebrieren, in denen ich mich noch selbstwirksam fühle. Selbstwirksamkeit ist so wichtig. Die eigenen Kräfte -wenigstens ansatzweise- zu spüren, zu erleben, dass wir etwas schaffen, verändern, beinflussen können. Es ist das Gegenteil vom Käferchen auf dem Rücken, mit dem ich mich manchmal verwechsle.
Kann sein, dass Selbstwirksamkeit bloss bedeutet, das fadenscheinige Mädchen-Kleidchen, das eigentlich zu viele Löcher und schwache Stellen aufweist, um überhaupt noch reparier-würdig zu sein, mit Nadel und Faden vor dem Lumpensack zu retten. Keine grosse Sache. Aber Lieblingsteile sind wertvoll. Wert-voll. Sie sollen dauern, so lange meine Hände das Ruder noch rumreissen und den Zahn der Zeit aufhalten können.
Jetzt sind Löchlein und Risse gestopft, sichtbar aber mit Freude und einem wunderbaren Gefühl im Herzen. Ja, da ist noch Kraft in mir. Taten-Kraft und Schaffens-Lust.
Und jetzt geh ich mein Mädchen trösten (das schon bereits wieder lacht, wie ich höre)…

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unmittelbar 6

Uiuiui…wie die Tage purzeln! Alles geht so schnell. Und gleichzeitig so gemächlich. Sommerferien eben; man kommt nicht zum Sitzen, obwohl man zeitweise das Gefühl hat, die ganze Zeit nichts anderes zu tun…
Momentan fliesst viel Zeit in meine kleine Färbeküche. Wo ich mich verstecke -aber flink!- sobald dem Babykind vormittags die Äuglein zufallen (Tagwacht ist zum Teil schon um 5:30, Hilfe!). Wolle sortieren, abbinden, Pflanzen vorbereiten, Sud ansetzen, aufkochen, stehen lassen, umrühren, zwischendurch kontrollieren, wieder köcheln, diesmal mit Wolle, immer ein Auge drauf haben, damit es nicht zu heiss wird, sachte im Topf die Kelle schwenken, abwarten, weiter warten, nochmals warten… und irgendwann ist dann die Wolle da, frisch umgefärbt, bereit, an der Luft zu trocknen und vielleicht nochmals umzuschwenken in Sache Farbton.
Das braucht Zeit. Viel Zeit. Und einen grossen Teil meiner Aufmerksamkeit, meiner Zwischendurch-Zeit, meiner freien Zeit…
Kein Wunder komme ich nicht zum Schreiben!
Ich meine; gestrickt werden soll ja auch noch. Mein Herz will das so. Die kleine dunkelblaugraue „Playdate“-Cardigan für meinen Babybuben hat sich -und das macht mich so froh!- ihren Platz in meiner WIT-Liste tapfer verteidigt und liegt heute beinahe tragefertig auf der Näh-Kommode im Wohnzimmer, gleich neben einem Häufchen Glas-Knöpfchen, die ich irgendwann wohl mal annähen sollte…
Die blaue Wolle oben auf dem Foto ist mittlerweile übrigens dunkelbraun. Und ein Strang Rosy Green Big Merino Hug hat von hellstem Graurosa auf Avovado-Herzen-Altrosa gewechselt. Aber das sind wieder andere Geschichten. Und, Moment mal!… oben wartet ja noch ein Topf mit ehemals graulila Garn im zweiten Färbebad aus Walnuss auf mich; ich wink‘ euch also bloss kurz zu und sage: Bis bald, ihr Lieben! Habt’s schön und lasst es euch gut gehen!

PS. Tut mir leid: das waren definitiv mehr als 5 Sätze. Sogar mehr als 10. Ach, ich hätt‘ so gern mehr Stunden im Tag…

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unmittelbar 3

Der Sommer ist vollends angekommen, heiss und trocken versetzt er dem satten Grün einen blässlichen Gelbstich und versengt den Boden zu meinen Füssen.
Ich geniesse seine freundlichen Morgen, in denen ich willkommen bin und sehr, sehr lebendig.
Routine und Rituale fühlen sich befreit an, nicht länger dröge und drückend: das Zuklappen der Läden am Morgen zum Schutz vor der Hitze, das nächtliche Aufreissen der Fenster, die leisen Rotoren der Zimmerventilatoren, Eiscreme am Nachmittag, Wäsche an der Leine jeden Tag, das klitzekleine Babybad, das ich meinem Kleinsten vormittags in die eine Hälfte der Sandmuschel laufen lasse, ganz, ganz langsam, damit das Wasser im Schlauch auf dem Weg zum Plantschbecken von der Sonne vorgewärmt wird.
Ich bin voller Dankbarkeit für all diese kleinen, immer gleichen Dinge, fühle mich warm und wohl und geborgen in meiner Oase.
Der Sommer erdet mich.
Vielleicht weil ich die meiste Zeit keine Schuhe trage. Die Zeit scheint still zu stehen, versickert aber lautlos irgendwo im Tag, in den Rissen der trockenen Erde, der Wasserpfütze auf dem Plattenweg, dem Grillenkonzert am Abend.

Ich möchte festhalten, alles, jedes und jeden. Gleichzeitig entspannen sich meine Hände, mein Geist, mein Gemüt. Aller Energie gehört dem Erfühlen verbummelter Augenblicke.

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Trio: Tag 8

Eigentlich wollte ich ja gestern noch schreiben… aber abends, als ich endlich Zeit dazu hätte finden könne, fühlte ich mich einfach zu kränklich für viele Worte und verkrümelte mich mit einer Episode „Rosemary and Thyme“ gleich um neun ins Bett…
Heute geht’s mir besser. Nicht unbedingt blendend, aber besser, und das ist ja, was zählt, oder? Dass alles in die richtige Richtung läuft.
Meine „zehn Dinge“ konnte ich montags aber tatsächlich noch entrümpeln, das war mir wirklich in Anliegen, auch wenn ich mich bereits recht schlapp und angeschlagen fühlte an diesem Tag. Weg kamen: 2 Wohnbücher, ein Näh-Heft, ein Gesellschafts-Spiel, eine noch ungeöffnete Box mit Ikea-Besteck, ein hübsches, graues Jäckchen aus Seide und Kaschmir, das mir einfach zu eng sitzt, vier Knäuel Sockenwolle.
Puh.
Nicht dass es besonders anstrengend gewesen wäre, diese Dinge zu ordnen. Es sind ja alles leichte Sachen, eher klein und so… aber ich finde es immer wahnsinnig anstrengend, mich den grossen Entrümpel-Fragen zu stellen. Mir so richtig ehrlich zu antworten, meine ich. „Brauche ich das noch?“ „Warum möchte ich es behalten?“ „Wenn es nicht mehr da wäre, würde ich es vermissen?“ Und die schlimmste aller Fragen: „Wie realistisch ist es, dass ich meine Pläne mit diesem Gegenstand tatsächlich noch verwirklichen werde?“
Nun, obwohl es schöne Bücher sind (das hier und das hier) und auch das Jäckchen ganz entzückend und kuschelweich ist, musste ich mir selber eingestehen: nein, hier horte ich Dinge, die im Grunde nicht mehr passen. Nicht zu mir, nicht in mein Leben. Vor allem aber: Jemand anderes wird sie vermutlich sehr viel mehr wertschätzen als ich. Warum sollte ich nicht mit meinem Überfluss ein wenig Freude weitergeben?
Die Bücher werden verschenkt, das Jäckchen gehört ab sofort der Freundin von Kind1. Das Besteck reist mit einem Spenden-Container in den Osten, mein Burda-Heftli kommt als netter Zusatz mit hinein in ein nächstes Geschenk-Paket, das Brett-Spiel wandert in die Kiste für den nächsten Kinder-Flohmarkt.
Und die Wolle?
Die Wolle kommt in eine grosse Tüte fürs hiesige Altersheim. Ich oute mich als absoluter Woll-Junkie. Mit Wolle kann man mich so richtig, richtig glücklich machen, und ich habe kein schlechtes Gewissen, mich selber mit den schönsten, weichsten, hinreissendsten Garnen, die ich finden kann, zu verwöhnen. Aaaaaber; manchmal lass ich mich auch blind verführen. Zu Käufen, die nicht wirklich hätten sein müssen. Oder ich verändere mich. Schneller als ich ein spezifisches Garn verarbeiten konnte. Dann bleiben Knäuel oder Strangen liegen und liegen und liegen und liegen, werden überlagert von neuen, noch hübscheren Exemplaren und gehen irgendwann fast ganz vergessen. Und machen mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich sie dann wieder entdecke.
Dabei gäbe es auch hier Menschen, die Freude daran hätten. Jetzt. Heute.
Mir kam irgendwann die Idee, in unserer Alterssiedlung anzufragen, ob es vielleicht strickende Damen (oder Herren?) unter ihnen gäbe, denen ich meinen Überschuss schenken könnte. Et voilà: sie nehmen meine handgefärbte Sockenwolle oder die überberechneten Knäuel Baumwoll-Merino mit Handkuss. Win-win auf allen Seiten! Gerade habe ich einen weiteren Strang Wolle in die Tüte geschoben. Fast 800gr. werden so noch diese Woche ein paar Strassen weiter abgeliefert und endlich zu den Socken, Mützchen, Babyjäckchen verstrickt, für die sie ursprünglich gedacht waren…

Die Fotos sind ein bisschen unzusammenhängend, ich weiss. Ich habe sie noch gestern abend geknipst, bevor ich die Kinder zu Bett gebracht habe. Darum auch das schlechte Licht. Ganz oben seht ihr unsere Stuben-Wohnwand mit Büchern, selbst gezogenen Kerzen, meiner „Taproot“-Hefte-Sammlung, einem Korb mit bemalten Steinen, unseren uralten Pappmaché-Hund und den beiden Kuscheltieren „Mausi“ und „Bär“, die meine Mama einmal selbst genäht hat. Hier herrscht ständig Chaos. Sachen kommen, nur wenige gehen wieder. Einzig die Bücherreihen, die werden immer schmaler…

Meine Maschenprobe mit der grünen „BFL/Masham DK“ von „Woollentwine“ hat übrigens Folgendes ergeben: mit Nadelstärke Nr.4.5 verstrickt, komme ich auf ca. 19Maschen und 28Reihen, was praktisch haargenau den Anforderungen einer „Shore Cardigan“ entspricht. Auch von der Textur her -griffig, natürlich, nicht allzu klar im Maschenbild- kann ich mir ein solches Jäckchen mit diesem Garn absolut vorstellen, ja ich finde sogar, die beiden wären ein perfektes Dream-Team…
So wie’s aussieht, ist die Entscheidung soeben gefallen: Ich muss nochmals zwei Strangen „BFL/Masham DK“ in der Farbe „Sage“ ordern. Bzw. anfragen, ob vielleicht bittebitte eine Extra-Färbe-Runde für Frau Kirschkernzeit möglich wäre…?

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