Archiv der Kategorie: Dankbarkeit

zurück

Zurück. Ich denke, ich bin auf dem Weg… zurück. Ins Hier und Jetzt. In mein Leben. Starke Emotionen und all sowas brauchen ihre Zeit und ich war noch nie jemand, der einfach so hinweggehen kann über traurige Geschichten und Schicksalsschläge, die mich bewegen oder mir begegnen. Ich gehe immer eine Zeit lang mit. Nachdenklich und bedrückt und ein Stück weit absorbiert. Das war schon immer so. Und so wird es wohl bleiben. Diese Art gehört einfach zu mir, denke ich.
Aber so langsam bin ich wieder mehr in mir selbst verankert. Ich grüble nicht mehr so stark. Der Brief, den ich tatsächlich noch an die Hinterbliebenen dieses Jungen geschrieben habe (vielen Dank für eure Ermutigung!), hat auch mir selbst sehr gut getan und war ein heilsamer, wichtiger Schritt, das Thema loszulassen. Am Wichtigsten aber war die Abdankung am letzten Wochenende, in einer vollen Kirche, wo die Schulklasse seine Lieblingslieder vortrug, die er sich im Musikunterricht immer gewünscht hatte, wo so viel aus seinem Leben geteilt wurde und alle Abschied nehmen konnten. Mein Ältester sass ebenfalls in den Reihen, betete und sang, nahm Anteil. Für mich war das wahnsinnig wichtig, dass er da war; gerade weil ich weiss, dass sich so ein Moment nicht wiederholen lässt und nur bewusst und klar abgeschlossene Geschichten ein richtiges Ende finden. Nachher sassen Lehrer und Schüler noch lange Zeit zusammen, den ganzen Nachmittag lang, wenn ich es mir recht überlege. Sie sassen zusammen, assen Flammkuchen und redeten über dies und jenes und alles mögliche. Ich liebe dieses Bild: Dass Lehrer und Schüler sich so finden können. In einem Moment wie diesem. Das hat eine wahnsinnig starke Botschaft.

Gut tut es mir im Moment auch, zu sehen, wie Menschen sich kümmern; Die volle Kirche. Dass die Leute über diesen Tod sprechen und Betroffenheit zeigen. Briefe schreiben. Beten. Kerzen anzünden. In Zeiten wie diesen, wo jeden Tag Mord, Totschlag und Terror die Schlagzeilen regieren, scheint es, als wären diese Fähigkeiten -Mitfühlen und Anteil nehmen- gefährdet. Weil wir uns automatisch emotional wappnen und verschliessen, es auch müssen, um überhaupt noch froh sein zu können. Es wird gesagt, die Menschen würden verlernen, empathisch zu sein. Doch daran glaube ich nicht. Meine eigene Erfahrung lehrt mich nämlich anderes: Sobald Leid, Not und Schicksalsschläge ganz real vor uns stehen, reagieren wir. Die meisten von uns zumindest. Und die Reaktion ist: Helfen. Lindern. Unterstützen. Teilen.
Vor einem Jahr lief ich wieder an einen Verkehrsunfall heran. Involviert waren ein Auto und eine Jugendliche, die danach mit Schädelbruch ins Spital eingeliefert werden musste (Bis zum Bericht in der Zeitung war ich allerdings im Ungewissen und rechnete mit dem Schlimmsten, denn sie war bewusstlos und in schlimmem Zustand).
Ich will jetzt hier nicht allzuviel erzählen, aber was mir wirklich ans Herz ging war die Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit mit der die Leute zusammenströmten, um all die Dinge zu tun, die getan werden mussten: Manche riegelten die Strasse ab und leiteten den Verkehr um (Eine davon ich. Ohne Leucht-Weste. Seither habe ich eine. Und auch ein Pannendreieck), andere leisteten erste Hilfe, wieder andere riefen die Polizei und den Notarzt und immer wieder kamen Leute, die fragten, ob sie irgendwie helfen könnten… Mir ging das sehr nahe. Alles. Der Unfall selbst und die Bilder, die dazu gehörten, aber auch dieses plötzliche Miteinander, das buchstäblich ein Leben rettete.
Genau das ist es auch, das mir jetzt gerade wieder so gut tut: Zu sehen, dass ich nicht alleine bin.
An meinem Geburtstag vor ein paar Tagen zum Beispiel… Meine Familie hat sich richtig viel Mühe gemacht, mit Truffes-Torte, die mein Mann noch um Mitternacht direkt nach seinem Feuerwehr-Jahresabschluss-Essen für mich gebacken hat, mit Kinderbasteleien und einem Gutschein für einen Tanzkurs, mit Pizza-Abend, vielen Knuddels und lauter über den Tag verteilten kleinen Nettigkeiten, von Glückwunsch-SMS über spontane Kurzbesuche bis hin zu Überraschungspaketen… Es sind all diese Gesten, die zählen. Sie haben mir wieder neuen Antrieb geschenkt und einen optimistischeren Blick nach vorn.

Gerade finde ich mich wieder neu ein. In meinem Alltag. Und lasse die schmerzlichen Gedanken an Tod und Trauer von neuem los. Meine Kleine hat zwei ihrer Milchzähne verloren, nur wenige Tage nacheinander. Sie ist stolz auf ihre Zahnlücken. Und wahnsinnig erleichtert, dass das Gewackel und Gezappel im Mund endlich ein (vorläufiges) Ende hat.
Meine Grosse wiederum hat sich dafür in der letzten Turnstunde zwei Schneidezahn-Ecken ausgeschlagen und musste notfallmässig zum Zahnarzt mit mir.
Ich koche auch wieder jeden Tag, so gut ich kann, bin aber immer wieder enttäuscht, wenn ich sehe, dass ausgerechnet meine allerschönsten und sorgfältigst gekochten Gerichte nur verzogene Mienen und einen Extra-Run auf den simplen grünen Salat ernten. Die schöne Gemüse-Quiche neulich, mit selbst gemachtem Mürbeteig und einem tadellos geratenen Belag und Guss, fand überhaupt keinen Anklang, was mich sogar ein paar Tränchen kostete, denn ich hatte mir wirklich sehr viel Mühe gegeben.
Meine allerneueste Entdeckung in der Küche ist auch wieder etwas, das offensichtlich nur mich begeistern kann: Ingwerwasser bzw. Ingwertee nature, heiss oder kalt getrunken und immer aus frischer Ingwerwurzeln (die sogar unser kleiner Dorfladen führt, und der hat sonst bloss Äpfel und Saisonfrüchte). Bisher war ich ja überzeugt gewesen, Ingwer fürchterlich scheusslich zu finden, genauso wie Süssholz, was mir die Sache mit den Gewürztees ziemlich erschwerte, denn Ingwer und Süssholz sind offensichtlich Lieblings-Ingredienzien in Yogi Tees und Co. Seit ein paar Tagen und einem mutigen Selbstversuch weiss ich aber; frischer Ingwer schmeckt mir sehr viel besser und irgendwie weniger scharf als das getrocknete Zeug aus dem Glas bzw. aus dem Teebeutel. Ich mag es! Und mein Magen stimmt mir zu; Ingwer wird gerne gegen Übelkeit und Magenverstimmungen getrunken, womit ich ja immer mal wieder zu kämpfen habe mit meinem Sensibelchen von Bauch.

Gerade habe ich übrigens absolut superspontan eine Mütze angeschlagen; eine „Classic Cuffed Hat“ von Purl Soho aus einem Knäuel sehr dicker „Tosh Chunky“, die schon seit Jahren hier herum lag und Staub ansetzte. Ich hatte diesen Insta-Post hier beim Strickcafé gesehen und wusste sofort: Die will ich auch haben! Allerdings nicht unbedingt in Pink. Ich habe sogar schon Wolle bestellt dafür. Dunkelgrüne Malabrigo, weil ich Dunkelgrün so schön finde. (Eine Ausnahme! Ich stricke noch immer weg, was das Zeug hält und bin äusserst sparsam mit Neuanschaffungen fürs Wollregal) Bis die neue Wolle hier eintrudelt, wollte ich mich schon mal ein bisschen einwärmen und machte gleich Nägel mit Köpfen: Ihr seht auf dem Foto zwar erst die ersten paar Strick-Runden, aber ganz ehrlich; gerade ist sie fertig geworden, meine „Classic Cuffed Hat“, sehr classic und mit dickem Rand. Sehen, machen, fertig werden: das ist es, wonach mir gerade zumute ist im Moment. Ich finde das einfach… sehr optimistisch. Warum auch immer.

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Ende Oktober

Ende Oktober ist es von einem Tag auf den anderen richtig bitterkalt geworden. Die Meerschweinchen kriegten eine Wolldecke. Handschuhe mussten raus. Und Wollmützen. Das finde ich jeweils eigentlich ganz schön, denn ich begrüsse all die wollenen Schätze wie gute, alte Freunde und verstaue sie im Frühling nur deshalb wieder gerne, weil der Frühlings dann bereits seinen Zauber über mich gelegt hat und meine Sinne mit Blattgrün und überbordendem Lebenshunger benebelt.
Jetzt, Ende Oktober ist es ganz anders. Ich verspüre zwar auch diesen Hunger… Hunger nach Leben, aber anders. Mehr so… wattiert. Am liebsten würde ich all diese grauen Tage verschlafen und erst spätnachts wieder aufwachen und in irgendwelchen kristallhell erleuchteten Ballsälen Champagner trinken und Walzer tanzen, dass die Rockvolants flattern. Ihr seht; ich schaue mir gerade zu viele Historienfilme an. Neben „Call the Midwife“ bin ich nun auch „Versailles“  hoffnungslos verfallen (ich sehe beides auf Netflix), wobei ich klar sagen muss, dass das eine sich nicht mit dem anderen vergleichen lässt: „Call the Midwife“ ist schön und schlicht und würdevoll, während „Verseilles“ alles mögliche ist, nur nicht schön und schlicht und würdevoll. Aber ich mag auch Prunk und Protz und konnte schönen Königen und Männern mit Bart und Musketier-Gewand noch nie widerstehen. Dass die Filmleute es bei „Versailles“ ganz gerne und gerne gewaltig übertreiben mit den Dingen, mit denen man bekanntlich alles besonders gut verkauft, kann ich verkraften; ich weiss ja mittlerweile, wie man vorspult. Egal ob Schlachtfeld-Blutbad oder allzu anschauliche Schlafzimmer-Szenen.
Bei „Versailles“ gefallen mir vor allem die Charaktere. Wie sie sich ständig wandeln. Und immer tiefer durchleuchtet werden. Besonders beim Königsbruder Philippe d’Orléons merke ich, wie sehr einem eine Figur ans Herz wachsen kann, wenn man sie nur lange genug in ihrer Geschichte begleitet, um die Feinheiten und Weichheiten ihres Wesens zu erkennen. Ich mag vielschichtige Menschen. Und wahrscheinlich ist jeder Mensch vielschichtig. Man muss nur die Zeit und das Interesse haben, ihn zu entblättern. Das ist im Film genauso wie im wahren Leben, nicht wahr?

Aber nun ja. Winterschlaf ist natürlich unmöglich.
Walzer-Nächte ebenso.
Stattdessen kämpfe ich weiter mit meiner Masse an Besitz, verschenke mit warmen Händen und immer leichterem Herzen. Gerade heute ist mir aufgefallen, wie viel bewusster ich im Augenblick lebe. Das klingt jetzt nach Erleuchtung und Yoga und all sowas, aber ich meine das ganz banal: Ich denke einfach sehr viel weniger zurück, an Vergangenes und Verflossenes. Und auch nicht mehr so oft nach vorne. Ich bin nicht mehr so zerfressen wie früher. Mein Bauernhaus-Traum zum Beispiel. Es ist still geworden um ihn. Still in mir selbst. Gerade ist mir alles genug. Was ich habe. Was ich tue. Was ich bin. Vielleicht sind meine Gedanken einfach zu müde für Wolkenschlösser und Sentimentalitäten. Vielleicht habe ich resigniert, aber wenn, dann tut es nicht weh im Moment, es fühlt sich vielmehr ruhig an und weich und bequem. Ein bisschen wie ein stilles, braunes Blumenbeet, das bereit ist für den Winter und nur darauf wartet, dass sich eine weisse Decke darüber legt.

Ich trinke wieder mehr Tee. Nach einer Phase intensiver Kaffee-Tage bin ich wieder zur Vernunft gekommen und kümmere mich besser um meinen Körper. Die Zeit der frischen Gartenkräuter ist zwar leider vorbei (frischer Tee schmeckt so viel besser!), aber mein Vorrat an Zitronenverbene, Brennessel und Pfefferminze lässt sich durchaus sehen und wird diesen Winter wohl keinen Mangel aufkommen lassen. Heute duftet Minze in meiner Tasse, Minze, Brennessel, Rosmarin und Salbei und ein klein wenig Kamille, eine schwere Mischung, die ich mir gestern zusammen gestellt habe, um ein wenig Kraft zu tanken, meinem Magen etwas Gutes zu tun, meinen Geist zu klären und zu stärken.
Ich lasse vieles fallen im Moment. Allein mein Handy ist mir diese Woche schon zwei Mal runter gefallen, Gottlob unbeschadet, aber das sollte natürlich nicht sein. Wahrscheinlich schlafe ich auch einfach viel zu wenig. Aber wie gesagt; tagsüber verfalle ich in dumpfe Trägheit. Abends erwacht der Tiger in mir. Dass der Morgen trotzdem genauso früh anbricht wie immer, entfällt mir jeden Abend aufs Neue.

Manchmal habe ich urplötzlich Lust darauf, mich an meine Nähmaschine zu setzen und… einfach bloss drauflos zu nähen. Das ist eher ungewöhnlich für mich, aber ich denke, es ist eine Art Sehnsucht nach raschen Resultaten und grösstmöglicher Ausbeute in minimalem Zeitrahmen. Der kleine Table-Runner, der mehr eine Art textile Tisch-Oase ist, entstand in so einer Anwandlung unwiderstehlicher Nählust. In meinem Flick-Korb lag schon lange ein hoffnungslos zerschlissenes Patchwork-Kissen (das hier) und obwohl mir klar war, dass Reparieren sinnlos war, konnte ich mich einfach nicht davon trennen. Musste ich auch nicht. Wenn sich etwas nicht retten lässt, dann braucht es vielleicht einfach ein zweites Leben. Oder ein drittes. Mit Stoff und Quilting und einem halben Morgen fröhlich ratternd verbrachter Zeit, wurde eine Patchwork-Insel daraus, wo all jene Dinge des Tisches ihren Platz finden, die entweder immer irgendwie da stehen bleiben (also Wasserkaraffe, Teekrug, Trinkgläser und Blumen oder Blätter oder Steine oder Wetter-Wichtel) oder nur mal eben rasch einmal beiseite geschoben werden müssen, weil Brotteig geknetet werden will oder die Zeit eben doch nicht mehr reicht für ein paar Zeilen ins Notizbuch. Es ist schön, dass dieses Kissen nicht wirklich gehen musste. Sondern in Form dieses Mini-Tisch-Quilts bleiben durfte. Manche Dinge gewinnt mein einfach zu lieb, um sie so mir nichts dir nichts loszuwerden… Und ich spüre immer mehr, dass ich mich eigentlich nur noch mit genau solchen Dingen umgeben möchte; mit Dingen, Momenten, Gedanken… die man nicht mehr gehen lassen will.

 

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wie alles sich fügt

Der Herbst bleibt weiterhin leuchtend, warm und golden. Die Farben funkeln im Licht, und ich bin jedes Mal dankbar, wenn die Sonne den dunklen Morgenvorhang aufreisst, der sich über Nacht auf uns legt. Es ist eine schöne Zeit. Schön draussen unter freiem Himmel, wo ich heute eineinhalb Stunden damit verbracht habe, ein wenig Ordnung und Sauberkeit in meinen Garten zu bringen Gehwege wischen. Kaputtes Kinderspielzeug beiseite schaffen. Das Chemineé ausfegen und den Meerschweinchen das eine oder andere Unkraut aus den Beeten pflücken (Wir haben hier ja kein Unkraut. Bloss Meerschweinchen-Futter, hihi.)

Aber auch drinnen finde ich es schön. Auch wenn es unordentlich bleibt und ich nicht mehr so richtig vorwärts komme mit Entrümpeln. Mittwoch habe ich zwei volle Einkaufstüten mit Kram ins Brocki getragen und dann den halben Nachmittag dort verbracht mit Stöbern und mit der-Brocki-Fee-Plaudern nach Herzenslust. Die Kinder waren mit ihrem Papa und meiner Schwiegermutter im Europa Park, was wunderbar war, ein einziges Fest- für sie und für mich. Ausschlafen bis halb elf (was???), Rouge auflegen und Lippenstift und dann ganz alleine und nur für mich ins feinste Restaurant des Dorfes Mittag essen gehen (oh, Mann!), Shoppen beim Trödler als hätte ich alle Zeit der Welt (was ich auch hatte). Ich meine, wie schön ist das denn?
Ich kann es euch sagen; wunderschön. Traumhaft. Superkalifragilisticexpialigetisch.
Im Brockenhaus habe ich natürlich sofort all meine entsorgten Sachen so quasi wieder ersetzt. Mit Neu-Funden. Aber das war völlig in Ordnung so, denn es gab wirklich wunderbare Dinge zu entdecken. Eine ganz entzückende, alte Blechdose zum Beispiel in dunklem Violett mit rankenden Sumpfdotterblumen darauf, die mich wahnsinnig an den Jugendstil erinnern und an die Geschichte der Wurzelkinder mit ihren märchenhaften Illustrationen (ich liebe dieses Buch sehr!). In dieser Dose hebe ich nun mein Rouge auf, die Lippenstifte und meine Wimperntusche.
Und die Schürzen an der Leine… die trage ich. Wie könnte ich auch anders? Sie sind einfach zu schön. Von Hand genäht. Allerdings hat mein Kindergartenkind bereits eine davon stibitzt, direkt von der Leine, sag ich euch, und ich konnte nicht viel dagegen einwenden, denn sie sieht einfach zum Anbeissen aus darin, und die schönen Herbstblumenfarben des Stoffes passen perfekt zu ihrem Lieblings-Igelchenkleid (von Hess Natur).
Ich glaube, Schürze und Kind sind für einander gemacht.
Auch gut. Ich teile ja nicht ungern. Und ausserdem sind da noch mehr süsse Schürzen im Brocki, die nur auf mich warten…
Die Bolga-Korbtasche, die daneben baumelt, die gehört allerdings mir. Und ich denke nicht, dass ich die teilen werde; seit meine innigst geliebte lila Beuteltasche nach 6 Jahren tagtäglichen Strapazen an allen Enden reisst und Fäden zieht, fehlt mir ein einigermassen tauglicher Begleiter, der ein bisschen mehr nach Handtasche aussieht und weniger nach simpler Tote Bag. Ich habe mich sofort verliebt. Bolga-Körben kann ich sowieso nicht widerstehen. Nur das Leder des verschliessbaren Inlets verlangt noch nach ein wenig Pflege, aber ansonsten spüre ich jetzt schon; wir zwei haben das Zeug zum Dream Team.

Was die Elfenmütze aus diesem umwerfend schönen Senf-Gold-Ton angeht; Sie war ein Blitzprojekt. Absolut unerwartet, superspontan- und fertig im Nullkommanichts.
Meine Schwester kam gestern, als sie meine Jungs für zwei Tage Geo-Cache plus Pizza und Sleep-over abholte, mit einem dicken Ball Merinogarn auf mich zu; Ein Strick-Wunsch. Mütze. Egal welcher Art.
Normalerweise bin ich äusserst zögerlich, was Strick-Aufträge angeht. Und ich meine wirklich äusserst zögerlich. Stricken zu müssen… das hat sofort so etwas Formelles, Aufgedrücktes, Belastetes und Belastendes an sich. Aus Spass wird Ernst. Und Arbeit. Mit Erfolgsdruck und beschnittenen Freiheiten, die jede Bewegungsmöglichkeit verbieten und keine Wahl mehr lassen. Einfach aufhören und etwas ganz anderes anschlagen? Geht nicht mehr. Die Wolle wechseln? Unmöglich. Das Projekt wird nicht ganz so, wie ursprünglich vorgesehen? Katastrophe! Oder noch schimmer; ich finde das Ding dermassen toll, dass ich es am liebsten sofort anziehen und auf ewig anbehalten möchte? Ähm, nun ja…
Wie dem auch sei, im Fall dieser Senfgoldockerdottergelben Mütze hier, lagen die Dinge Gottseidank und ganz unerwartet völlig anders; Ich wusste nämlich sofort das perfekte Projekt für sie. Die Elfenmütze aus „More Last Minute Knitted Gifts“/ „Geschenke aus dem Wollkorb“.
Ein alter Vertrauter.
Mehr als das, ein Seelenverwandter schon fast, denn mein Herz hängt sehr an all den grossen und kleinen Elfenmützchen, die ich im Laufe der Jahre gestrickt habe. Für meine Kinder. Für meine Schwestern. Für andere liebe Menschen. Für mich.
Tatsächlich hat die „Maddison Zoe“ von Manor (leider gibt es diesen Senfton nicht mehr *snif*, er war wirklich zu schön) haargenau die im Buch verlangte Garnstärke, lässt sich wunderbar in ein Elfenmützchen verwandeln- und kuschelweich ist sie erst noch!


Schön.
Wie sich alles fügt im Moment. Die Meerschweinchen wuseln und wachsen und bekommen nochmals ein paar winzigkleine Mitglieder mehr  (Vierlinge! Heute! Und eins davon sieht genau aus wie „Mausi“, der für zwei wilde Flitterwochen eingeflogene grau-weiss melierte Papa!). Die Bäume hüllen sich in ihr buntestes Kleid, ich gehe piekfein essen, finde Schürzen und die perfekte Tasche für meine Stadtrundgänge und erfülle Wollmützen-strickend Herzenswünsche…
Ist das alles nicht herrlich?

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Frei-Räumen

Ich empfinde diesen Herbst als sehr… mild. Mild in jeder Hinsicht. Es gab viele Morgen, die nicht grau waren, ohne Hochnebel und Morgendunst, dafür mit Sonne und der Leichtigkeit, die normalweise typisch ist für den Sommer und nicht unbedingt für den Oktober unserer Region.
Ich kann nicht sagen, dass ich das schade finde.
Im Gegenteil; ich habe das Licht und die Wärme in diesem Jahr schätzen gelernt. Und ich hoffe insgeheim, dass dieses Gold mir noch ein wenig länger erhalten bleibt… auch wenn ich es offen gestanden mehr vom Dunkelwarmen meines Hauses aus geniesse und den Kopf in letzter Zeit vor allem in Schränke und die Tiefen meiner Woll-Tablare oder Kleiderboxen stecke, statt mir die Herbstsonne auf der Nase kitzeln zu lassen. Der Grund; ich brauche mehr Luft und Platz. All der Staub und das Gedränge in meinen Sammelsurien lasten auf mir, mehr als ich es mir meistens eingestehen möchte. Von Zeit zu Zeit aber dringt diese Wahrheit wieder in mein Bewusstsein zurück und dann kaufe ich mir ein neues Entrümpelungs-Buch und mache mich wieder einmal an die Arbeit (die ich niemals zu Ende führe, sondern auf halber Strecke aufgebe, aber immerhin ist dann das eine oder andere Zimmer wieder ein wenig befreiter und übersichtlicher und mein emotionaler Rucksack ein kleines bisschen leichter).
Diese Woche habe ich meine Kleider durchgesehen, einiges weggeben, auch meinen Schmuck und einen Teil meiner Schuhen, wo ich aber das Gefühl hatte, eigentlich alle noch unbedingt zu brauchen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Silberohrringe und -Ketten via Whatsup in meinem Familien- und Freundeskreis zu verschenken, und dass jetzt praktisch jedes Teil ein neues Zuhause gefunden hat und es begeisterte „Ja, das nehme ich wirklich gerne!“-Ausrufe  gab, war eine sehr schöne, befriedigende Erfahrung (Lang lebe Whatsup! Ich bin immer mehr ein überzeugter Fan davon). Gerade habe ich auch noch ein paar Sachen online auf Ricardo eingestellt und erhoffe mir einen kleinen Batzen Sackgeld, mit dem ich mir dann… Wolle kaufe?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht. Es gibt mir momentan ein unsinnig gutes Gefühl, Garne aus meinen Vorräten zu verbrauchen und mich in Zurückhaltung zu üben, was das Schneuggen beim Strickcafé oder in der Spinnwebstube angeht. In meine seit langem gehorteten Strangen „Tosh DK Tannenbaum“ bin ich auf jeden Fall wieder ganz neu und intensiv verliebt, und mit jeder weiter gestrickten Reihe oder Runde finde ich die Farbe umwerfender. Auch wenn ich alles, was ich innerhalb der letzten Woche damit gestrickt habe, wieder auflassen musste. Mein Pulli wurde einfach zu weit. Und gleichzeitig trotzdem zu dicht und zu schwer. Ich glaube, „Tosh DK“ ist nicht das Richtige für Melody Hoffmanns „Tender“-Sweater. Dafür sollte ein Garn dünner sein und mit mehr Drape fallen. Aber das hier könnte etwas sein: „In Stillness“ von Alicia Plumer. Ein einfacher aber sehr hübscher Pullover, mit dem ich schon seit langem liebäugle und den ich mir sehr gut vorstellen kann in Kombination mit einem so schlicht-schönen Garn wie „Tosh DK“. Allerdings habe ich vorgestern ein wenig daran gestrickt und entdeckt, wie knifflig das Muster zwischenzeitlich scheint…
Zum Ausgleich und vor allem, weil ich mich momentan hauptsächlich nach relaxtem Strickglück sehne und weniger nach neuen Herausforderungen, habe ich gestern Nacht während meiner 3. Staffel „Mr. Selfridge“ ein neues Supersimpel-Projekt angeschlagen: Eine Babydecke mit diagonalen Blockstreifen (so etwa nach dieser Anleitung hier), mit der ich erst noch alle meine Reste-Knäuelchen „Drops Baby Alpaca Silk“ verarbeiten darf, was ein echtes Highlight bedeutet, denn wie gesagt, Abbauen und Verwerten sind gute Dinge, die mir den Antrieb schenken, der mir so langsam aber sicher verloren geht, keine Ahnung warum.
Ein neues Baby ist zwar nicht in Sicht. Und auch nicht geplant.
Aber das macht nichts.
Babydeckchen sind immer gut. Denn Babies kommen und wachsen und kommen und wachsen und kommen und wachsen… und alle brauchen sie etwas Warmes und Kuschliges, das sie in Empfang nimmt auf dieser Erde.

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