Archiv der Kategorie: Dankbarkeit

grüner leben: homemade things

Um Himmels Willen; NEUN Tage seit meinem letzten Eintrag! Und je mehr Tage vergehen, desto schwieriger erscheint es mir, einen Anfang zu finden… Aber das hier sollte klappen: Dinge aus der Küche sind immer einfach, oder? Übers Essen, Kochen und den Garten lässt sich wunderbar plaudern. Diese Themen sind mindestens genauso Small-Talk-tauglich wie das Wetter und deshalb wunderbare Eisbrecher. Mit den warmen, üppigen Frühlingstagen der letzten Wochen sind meine Kräuter gewachsen und die Blütendolden im Holunderbusch im Garten weiss und dick wie Schneeballen geworden. Mein Liebster hat zig Flaschen Hollersirup daraus gezaubert und das Regal im Keller ordentlich angefüllt, was gut ist und hochwillkommen, denn ich liebe Sirup, im Sommer vor allem, am liebsten mit eiskaltem Wasser und etwas Eis in einem hohen, vom der Kälte beschlagenen Blitzeglas (das fühlt sich dann an wie edelster Sekt auf einer Hochseejacht, hihi). Die Flaschen sind leider etwas in den Hindergrund geraten auf dem Foto (tztztz), aber sie sind da, und das ist wohl, was zählt. Im Fokus seht ihr allerdings mein allerliebstes Kräuterbuch, das ich gerne zu Rate ziehe, wenn ich zum Beispiel Thymian-Honig ansetze, so wie letzte Woche, oder mir eine schöne Tee-Mischung aus dem zusammenstellen möchte, was ich gerade in der Kräuterspirale habe, momentan also hauptsächlich Zitronen-Thymian, Rosmarin und Erdbeerminze.

Meine Kleinste hat wacker geholfen, Kräuter geschnitten und mir sorgfältig den Spitzwegerich für ein erstes Glas Husten-Honig vorbereitet. Ich glaube, sie mochte diese Arbeit sehr gerne, denn wie durch ein Wunder blieb ihr Platz während der ganzen Prozedur besetzt und sie schien ganz versunken und zufrieden, ganz bei sich. Kräuter haben diesen Zauber, nicht wahr? Sie drosseln das Tempo. Verscheuchen Sorgen und Hektik. Erden uns und lassen uns für einen Moment Wurzeln schlagen im Hier und Jetzt.
Manchmal wenn ich meine kleine Runde durch den Garten drehe, vergesse ich völlig die Zeit, stehe einfach nur da, ein Ästchen Melisse in der Hand, reibe sachte an den Blättern und vergrabe meine Nase in diesem einzigartigen, frischen, ur-lebendigen Duft… Jeder Duft ist anders, jedes Kraut hat seine Persönlichkeit, meine Resonanz ob Rose, Oregano, Basilikum, fällt immer wieder anders aus, aber jede Begegnung mit der Pflanzenwelt tut der Seele wohl. Ich weiss so wenig von dieser Welt. Der Welt der Heilpflanzen. Doch es zieht mich in diese Richtung, ganz klar, immer deutlicher, immer stärker. Ich merke einfach, wie viel Kraft und Lebensfreude ich finde inmitten meiner klitzekleinen Blumen-und-Kräuter-Oase…

Mit einem Teil meiner frischen Kräuter habe ich Essig aromatisiert. Oregano ist drin in dieser Flasche und ein, zwei Zweiglein Rosmarin. Mamaniflora hat mich inspiriert zu diesem ersten Versuch. „Am liebsten nutze ich die Kraft der Kräuter um meinen Körper zu nähren und zu stärken, damit er mit Herausforderungen möglichst gut umgehen kann. Nährende Pflanzenmedizin muss für mich unkompliziert sein. Alltäglich, aber wirkungsvoll. So wie Kräuteressig.“ schreibt sie in ihrem Post vom 10.Mai, und irgendwie haben mich diese Worte sofort angesprochen, denn „unkompliziert“ und „wirkungsvoll“ sind gerade sowas wie Zauberwörter für mich, der Käse mit dem man mich fangen kann. Ich schaffe keine langen, ausgeklügelten Projekte, fancy und kunstvoll sind Begriffe für ein andermal, für Zeiten, wenn ich die Musse habe, mich in einer Arbeit zu verweilen. Mit Baby muss es schnellschnell gehen. Und ein Stück weit geling-sicher sein, sonst verliere ich die Motivation.
Ich freue mich auf den Moment, in dem ich diese Flasche wieder öffnen und ein erstes Versüecherli nehmen kann. Und wenn es uns nicht schmeckt in der Salatsauce… dann wird dieser Essig mein Kosmetikum. Apfelessig plus sozusagen. Gemischt mit Zaubernuss und Wasser ein prima Tonikum für bedürftige Haut.

Und wo wir gerade von Essig sprechen: Hier ensteht Putzessig. Mit Zitrusschalen, übrig geblieben von der Holundersirup-Session. Ich bin keine sonderlich gute Putze, aber ich mag es, wenn es blitzt und blinkt und freue mich unbändig über jede saubere, ordentliche Ecke im Haus (leider ist diese Freude immer nur von kurzer Dauer). In der Waschküche habe ich eine Art Putzkessel, in dem ich alles Putzzeug handlich und griffbereit einsatzbereit halte. Mein Hausfrauen-Traum wäre ja, nur noch mit hausgemachten Basics zu arbeiten, mit selbst gemischtem Spülmittel, eigens geraffelter Waschseife, mit Soda und ätherischen Ölen, Natron – und mit Essig. Leider sind Herr Kirschkernzeit und ich uns in diesem Thema nicht wirklich einig, und so kommt es, dass immer wieder Fensterreiniger, Vollwaschmittel und Geschirrspültabs ins Haus flattern. Die ich natürlich dann doch irgendwie benutze und verbrauche, weil sie so einfach und effizient sind in der Handhabung. Wider besseren Wissens. Eigentlich fast schon gegen meinen Willen, es kommt hald so über mich.
Was ich aber immer verwende ist Essig. Das Zeug ist schlicht unschlagbar im Kampf gegen Kalk in Bad und Waschbecken, ich bin ein regelrechter Fan davon. Bisher hab‘ ich ihn immer pur verwendet. Auch als Wasserenthärter und Weichspüler-Ersatz in der Waschmaschine. Jetzt bin ich gespannt wie ein Gummiband, inwiefern die Zitronenschale hier einen Effekt haben wird. Und ob es nachher tatsächlich besser riecht beim Schrubben… Rezepte für Putzessig gibt es haufenweise im Netz. Und alle gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Im Grunde sagt das Foto bereits alles: Zitrusschalen (wegen Schimmelgefahr am besten ohne die weissen Häutchen, aber ich hatte keine Lust hier herumzudoktern) in ein Einmachglas packen, mit Essig völlig bedecken, kühl gestellt ziehen lassen, bis sich die Farbe ändert, abseihen, fertig. So jedenfalls lese ich in allen möglichen „grünen“ Ecken im Netz. Wie gesagt; ich bin gespannt.
PS. Die süsse Katze hat meine Grosse (10) gezeichnet. Ich finde sie ganz entzückend und nehme mir zum hunderttausendsten Mal vor, endlich neue Bilderrahmen zu kaufen…

Und das hier wäre dann meine neueste Entdeckung im kulinarischen Bereich: selbst gemachte Hafermilch. Unter einem praktisch identischen Handyfoto habe ich bei Instagram Folgendes dazu geschrieben: Mein erstes Gläschen hausgemachte Hafermilch. Es ging so schnell und einfach, dass ich mich nur wundern kann, warum ich bisher für Haferdrinks und Co. gutes Geld verschwendet und die Umwelt mit Tetrapacks belastet habe. Haferflocken, Hahnenwasser, eine Prise Salz, that’s it. Mir braucht es nicht. Außer vielleicht 5 Minuten Zeit. Maximal. Rezepte gibt es viele. Ich habe das von @ourecofriendlylife verwendet, das Instagram mir heute vorgeschlagen hat, und spontan einen ersten Versuch gestartet. Es schmeckt super! Vor allem fehlt ihr die Süsse, die in vielen herkömmlichen Getreidedrinks leider bereits drin steckt, und die ich sowieso nicht haben möchte. Ich mag meine Hafermilch pur und neutral im Geschmack, ob im Kaffee oder eiskalt im Glas zwischendurch.
Für mich ist klar: Das mach ich jetzt öfter!
Nachtrag: Weil das ausserhalb der Schweiz offenbar etwas kauzig klingt mit dem „Hahnenwasser“- so nennen wir hier das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt.😁“
Das ist sowas von cool, finde ich, das mit dem Hafermilchmachen. Mehr gibt’s eigentlich gar nicht zu sagen, ausser: Probiert’s aus!

Zum Schluss noch ein weiteres Highlight der letzten Woche: „Buche de Noèl“ von Betty Bossi, eine klassische Roulade mit Kaffee-Buttercreme, die ich einfach unwiderstehlich finde! Ich und Buttercreme. Dafür würde ich jederzeit alles stehen und liegen lassen und nur zu gern in Kauf nehmen, dass meine alten Jeans noch weitere 8 Monate nicht passen…
Herr Kirschkernzeit hat sie extra für mich gebacken. „Ich hab so Lust auf Kuchen“, meinte ich nach dem Abendbrot. Ich sagte das mehr so vor mich hin, wie ich das oft tue, so halb im Selbstgespräch. Offenbar muss ich noch immer recht verhungert gewirkt haben, denn mein Liebster antwortete: „Okay, ich back dir einen. Such dir ein Rezept aus.“
Nun, das Rezept hat im Netz nur einen Stern. Wie es scheint, kann so eine Buttercreme recht tricky sein, aber mein Vertrauen in die Fertigkeiten meines Mannes ist grenzenlos, ich weiss, wie souverän er mit Pfannen und Kochlöffel hantiert, also bekam er diese herausfordernde Aufgabe von mir gestellt, denn wie gesagt… Buttercreme…!
Ich fand ihn suuuuper, diesen „Buche de Noèl“. Gott sei Dank war ich die Einzige im Haus mit dieser Meinung. Die anderen scheinen nicht so angetan zu sein von dieser Art von Kuchen, sie ziehen zum Beispiel Pavlova mit Meringues vor, was mich nun wieder gar nicht begeistert. Aber mir soll’s recht sein: Ich glaube, ich hab‘ praktisch die ganze Roulade selber gegessen. Innerhalb von zwei Tagen. Die Jeans von vor der Schwangerschaft bleiben wohl noch eine Weile länger ganz unten im Stapel.

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Woche 2 in acht

1. Wir haben Törtchen gebacken. Einfach so. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es diese oder doch eher letzte Woche war, aber jedenfalls waren ich und meine Kleinste ganz versessen auf den Gedanken an eine kleine, feine Tee-Party. Mit Törtchen. Mit Vanille-Cupcakes und Frischkäse-Himbeer-Topping, um genau zu sein. Obwohl mich die düstere Vorahnung bezüglich verwüsteter Küche und all dem kurz zögern liess, hielten keine zehn Pferde und zurück. Wir zauberten unverdrossen unsere Cupcakes und eine wunderbare, elegant-eklektische Teeparty-Szenerie, die mein kleines Mädchen in hellste Verzückung versetzte. Sie wollte unbedingt das mit Törtchen beladene Tablett zum Tisch tragen. Und alle mussten ihr dabei zuschauen. Ihr grosser Auftritt als Teekränzchen-Gastgeberin war das sozusagen, den sie in vollen Zügen genoss.
Süss.

2. Sonne und Frühling satt begleiteten uns durch die letzten Tage. Wunderbar! Ich muss wohl keinem erklären, wie dringend wir alle das jetzt brauchen, oder? Unser Leben hat sich nicht unbedingt grundlegend geändert, wir sind einfache Leute und lieben unser Zuhause, das kleine Leben in kleinen Kreisen ohne viel Brimborium… aber dennoch kam diese ganze Corona-Welle wie ein Tsunami, der alles irgendwie durcheinander wirbelte. Vor allem die Gefühle und Gedanken. So viel Unsicherheit, Düsternis und Beklemmung liegt in der Luft.
Allein Mutter Natur dreht weiter ihre Runden. Sie lässt sich nicht einsperren, nicht schrecken, nicht bekümmern. Sie setzt alles auf eine Karte und grünt und blüht aus vollen Kräften. Neuanfänge wohin das Auge sieht, vielversprechende Knospen und sonnenhelle Morgen voller Vogelstimmen. Wie eine warme Umarmung von oben, die Trost und Zuversicht schenkt.

3. Weil die Kindergärtnerin meiner Kleinen demnächst Mutter wird, gestalten die Kindergartenkinder in aller Heimlichkeit kleine Stoffstücke, die von einer der Mamas zu einer Patchwork-Decke zusammengenäht werden. Ein allererster Quilt für die allererste Zeit eines allerersten Babys. Wunderschön, nicht? Ein Geschenk über das ich mich auch unglaublich freuen würde.
Meine Kleine hat mit Stoffmalstiften einen ganz schlichten Regenbogen gestaltet. Simpel aber bedeutungsvoll. Sie hat eine Schwäche für Regenbogen. Hatte sie schon immer. Bunt und fröhlich. Genau wie sie.

4. Nebst den Tagen im Garten und den Homeschooling-Morgenstunden bleibt viel Zeit fürs Zusammensein. Aber auch fürs freie Spiel in unserer leider nicht immer besonders ordentlichen Stube, die manchmal aus allen Nähten zu platzen scheint vor lauter Betriebsamkeit und Kram. Nachdem meine Jungens so ziemliche Comic-und-Lego-Burschen waren, zeichnet sich nun mit meinen drei jüngeren Mädchen eine völlig neue Ära ab: alle drei sind klassische Mal-und-Bauklötze-Kinder. Von der niemals verwaisten Puppen-Ecke ganz zu schweigen. Die Welt mag noch so lautstark von geschlechterneutraler Erziehung und all sowas reden; meine Kinder scheint das wenig zu interessieren. Sie wählen, was ihnen entspricht- und greifen dabei völlig unbekümmert mit vollen Händen in die Klisché-Kiste.
Vielleicht wird mein Baby es ja dereinst ganz anders handhaben und mit den grossen Schwestern oder einem kleinen Freund seine Puppe in der Spielküche bekochen. Nun, Puppe oder Spielzeugauto, mir ist alles recht. Was zählt ist die Freude am Spiel. Am Zusammensein und Erproben. Die Freude überhaupt.

5. Ein spontanes Mama-Baby-Portrait von mir und meinem Kleine, genipst von meinem Kindergarten-Mädchen. Wie gross er aussieht. Direkt riesig. Das mit dem Tragen klappt nicht schlecht. Aber auch nicht übermässig gut. Beim letzten Mal habe ich das Tuch an der oberen Kante viel zu stark angezogen -aus Sorge, das Köpfchen könnte beim Schlafen sonst zu wenig geschützt sein. Nun, mein Baby schlief dann zwar gut fixiert auf meinem Rücken, aber er trug noch Stunden danach rote Striemen am Nacken davon, was mir wahnsinnig leid tat und mir das Gefühl gab, eine absolute Fehlbesetzung zu sein in Sachen Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Ich meine, welche Mama trägt ihr Kind mit sich herum, ohne zu merken, dass ihr Kleines nicht wohl ist dabei…? Allerdings hat er auch nicht unbedingt geweint. Nicht mal gequengelt. Er schien eigentlich ja ganz zufrieden zu sein. Jedenfalls weiss ich nicht recht, ob ich es überhaupt noch probieren soll. Mit dem Tragen. Irgendwie geht ständig etwas schief dabei…

6. Neue Wollschätze. Wollfreude pur. Zwei mal dicke, rustikale Schurwolle in zweierlei Grüntönen und rosé-sowie muskatfarbenes DK-Garn von Woolentwine. Ich bin so verliebt, so schrecklich, schrecklich vernarrt in diese Neu-Entdeckungen, am liebsten würde ich augenblicklich loslegen und mich von Kopf bis Fuss zustricken damit. Aber Geduld, Geduld. Noch sind andere Projekte auf der Liste. Mit anderen Garnen…

7. Gerade arbeite ich nämlich wie besessen an den Geburtstags-Geschenken für meine Kleine, die schon in gut zwei Wochen 5(!) Jahre alt wird und ungeheuer aufgeregt ist deswegen. Natürlich möchte ich ihr am liebsten die halbe Welt zu Füssen legen, ihr alles Glück der Erde in eine Tüte stecken. Zum Auspacken. Aber ein paar Bücher, ein neues Schleich-Einhorn und handgefärbte Seidentücher in ihren Lieblingsfarben Hellblau und Rosa müssen genügen. Für den Anfang zumindest. Schliesslich gibt es auch noch nigelnagelneue Kleidchen und Tunikas von ihrer reiselustigen Tante direkt aus Australien und ein kleines Blumenkind, das die Oma selbst gemacht hat. Und von mir -so hoffe ich zumindest- eine einfache Garderobe für ihre Lieblingspuppe. Ich denke da an ein schlichtes Jäckchen oder einen Puppenpullover, an Schal und Jupe und Mütze. Gerade habe ich ein winziges Bonnet angestrickt und drücke mir selber die Daumen, dass es auch wirklich passen, vor allem aber rechtzeitig fertig sein wird, bis zum grossen Tag.

8. Heut‘ schlief mein Baby unerwartet viel und unerwartet gut. Nach ehrlich wahnsinnig schwierigen Tagen mit sehr vielen Tränen und noch schwierigeren Nächten, fand die Kinderärztin zu meiner grossen Erleichterung den Grund für sein Unwohlsein; eine Bronchiolitis mit RSV. Daher der anhaltende Husten, sein knisternder Atem und die erschöpfenden Zeiten, in denen er nur aufrecht in meinen Armen ein bisschen schlafen konnte und tagsüber ruhelos und verzweifelt wirkte.
Die Medikamente, die sie uns mitgab, tun Wunder. Endlich finden wir alle wieder den Schlaf, den wir brauchen, was so viele Spannungen löst und unserer Familie richtig gut tut. Mit einem friedlich schlummernden kleinen Jungen im Bett fand ich heute auch unverhofft etwas Zeit, um mit meinen Kindern zu malen und zu basteln; gerade sind wir dabei, ein paar schlichte Notizhefte aus unbemaltem Papier, altem Pappkarton oder recyklierten Zeichnungen und aufgehobenen Prints oder Geschenkpapier zu machen, was eine einfache, aber unglaublich befriedigende und wunderschöne Beschäftigung ist und uns wie gerufen kommt: die Mädchen haben diese Woche haufenweise kleine Mini-Büchlein gefaltet und mit selbst erdichteten Geschichten und kleinen Bildchen gefüllt, allerliebst, richtig zum Schmelzen. Nun müssen grössere Büchlein her. Auch für mich selbst, denn Homeschooling, Menuplan und To-Do–Listen generell sind etwas, das bei mir einfach immer viel zu wenig durchdacht und verbindlich geplant wird. Meistens kritzle ich dies und das auf irgendwelche Zettel, die ich dann sofort wieder verliere, und alles kommt dann mehr so spontan zustande. Das meiste klappt dann tatsächlich gar nicht mal so schlecht, aber ich denke, mit ein bisschen mehr Vorausplanung könnte ich mir einiges an Hektik und Leerläufen ersparen. Mal sehen wie es in Zukunft funktionieren wird. Ausgerüstet mit neuen Notizheften. Ich freu‘ mich schon darauf.

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Verrückt

Verrückt! Ich meine… was gerade geschieht. Mit uns. Um uns herum. Was abläuft und wie und vor allem- wie schnell. Seit gestern nachmittag die Bombe geplatzt ist, mitten in meinen Alltag, in mein relatives Unvorbereitetsein, und mich, ja, ich gebe es zu, in meiner ganzen Naivität erwischte, fühle ich mich merkwürdig schief und zittrig. Es ist so eine Art Mini-Schock. Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass meine kleine Welt derart überrumpelt werden könnte von einem Virus, der offensichtlich die Macht hat, ganze Weltlandschaften ins Chaos stürzen. Beim Wort Corona-Virus kamen bisher mehr so Assoziationen wie „weit weg“, „aufgebauscht“, Medienrummel“ und „Massenhysterie“ in mir hoch. Ich war ziemlich sicher, das Ganze wäre nach kurzem, wenn auch heftigem Intermezzo überstanden oder -noch besser- dieser Kelch würde an uns vorübergehen.
Ich war blauäugig und dumm.
Obwohl ich ansonsten eher zu den sorgenvollen Menschen gehöre, die leicht in Panik geraten,  bin ich überrumpelt von der Plötzlichkeit der Dramatik. Das hat sicher auch mit der politischen Taktik der Schweizer Regierung zu tun; die Pressekonferenzen des BAG, die ich mitbekommen habe, waren immer recht… cool. Ich hatte den Eindruck, die Regierung wollte vor allem eins: Ruhe bewahren. Das Thema entschärfen, vielleicht sogar ein bisschen herunter spielen (als das Virus in Italien ankam, fand man das zB. -scheinbar- wenig alarmierend für die Schweiz), die Leute beruhigen. Aber im Hintergrund wurde an Notfallplänen, an Wenn’s und Aber’s gearbeitet, auf Hochtouren gedacht, geplant, vorbereitet.
Eigentlich finde ich das richtig so. Keep calm and carry on.
Aber manches verstehe ich auch nicht. Ich wäre schon froh gewesen um ein bisschen mehr konkrete Vorwarnung zum Beispiel bezüglich des nun definitiven Schulausfalls. Das kam wie eine Bombe
. Auf leisen Sohlen aber mit Rieseneffekt. Knall, Peng. Heute wäre ich der Schweizer Regierung vor allem dankbar um konkretere Angaben, wie genau sie sich das Sozialleben vorstellt in den nächsten Wochen. Sollen die Kinder sich überhaupt noch ab und zu zum Spielen treffen? Darf ich meine Mama noch zum Tee einladen? Was ist noch möglich? Was ein No-Go?
Fragen über Fragen.
Die Antworten sickern langsam und müssen zuerst lange und gründlich durchdacht, hin- und hergewälzt werden. Alles verändert sich. Entwickelt sich. In alle möglichen Richtungen. Abwarten. Geduld haben. Vorbereitet sein.


Auf der anderen Seite fühle ich mich sicher. Und bin wahnsinnig dankbar für dieses Gefühl. Ich habe gesunde Kinder, einen Mann und einen Sohn, die beide von zuhause aus arbeiten können, jetzt in dieser angespannten Situation. Ich habe ein Daheim. Das keiner verlassen muss, wenn er nicht möchte. Ich habe Türen zum Schliessen, Essen, um meine Liebsten satt zu machen, Decken und Kleidung, damit keiner frieren muss, Platz und Liebe zum Verschwenden.
Und wir sind gesund. Das muss ich mir wieder und wieder sagen. Wir sind gesund. Bis auf das Baby, das noch mehr hustet und schnieft und noch immer schlecht schläft, doch Dienstag sehe ich sowieso den Kinderarzt für die Halbjahreskontrolle, und wie gesagt; wir sind gesund. Das können nicht alle von sich sagen, also sollte ich wertschätzend mit diesen Worten umgehen.
Ich sass vor dem Haus, als ich die Neuigkeiten hörte. Meine Tochter kam von der Schule nach Hause und rief schon von weitem: „Vielleicht fällt ab Montag die Schule ganz aus! Sie beraten jetzt darüber im Bundesrat oder wie das heisst. Meine Lehrerin hat das gesagt, sowas hat sie noch nie erlebt…“ Es sprudelte und sprudelte und ich hörte zu mit offenem Mund. Mein allererster Impuls war (ihr dürft ruhig lachen): Ich muss unbedingt einkaufen gehen. *lach* Ausgerechnet! Am Tag zuvor hatte ich im Familien-Chat noch mit Scherzchen über hamsternde Kunden um mich geworfen, und jetzt…? Das mit dem Glashaus und den Steinen sollte ich mir definitiv zu Herzen nehmen.

Gerade räumen wir ein bisschen zuhause auf. Wir richten uns ein, könnte man sagen, ziehen die Decke enger um uns und machen es uns behaglich. Ich kann einen gewissen Kuschelfaktor nicht leugnen im Moment.


Wie meistens, wenn es drunter und drüber geht in meinem Leben, greife ich mir Wolle als Strohhalm. Gerade jetzt dieses wunderbare Altrosa, ein natürlich gefärbtes, achtsam hergestelltes DK-Garn von Woollentwine. Ich musste es einfach anstricken, kaum hielt ich es in den Händen. Und es ist soft, sage ich euch! Soft und leicht wie eine Feder! Ich wünsche mir einen Pullover daraus, einen Federleichtpullover, der wärmt ohne zu erdrücken. Einen sanften Woll-Knuddel sozusagen. Aber weniger in Rosa. Mehr in… Tannengrün vielleicht? Oder in Schokolade? Beides käme mir sehr, sehr gelegen, denn Tannen und Schokolade trösten auch und vermitteln mir ein Gefühl von Geborgenheit und „alles wird gut“.
Weil ich aber noch nicht ganz soweit bin -und Woollentwines Färbertöpfe auch noch nicht, sie ist erst dabei, wieder aufzustocken- habe ich mich anderweitig ein bisschen getröstet. Und selber gefärbt. Wolle gefärbt. Das habe ich noch nie gemacht, jedenfalls nicht im grossen Topf und mit siedendem Wasser und all dem. Doch es hat prima geklappt, richtig hexenhaft kam ich mir vor zwischendurch, wie ich so mit meinem Holzstecken in der dunklen Brühe gerührt und den braunen Blubberblasen beim Aufsteigen zugesehen habe… Drei Babysachen kamen ins eine Bad, ins andere eines meiner älteren Strickprojekte, die helllila „Shalom-„Cardigan, die ich vor 8 Jahren für meinen Kugelbauch gestrickt, nach der Geburt meines Pausbackenkindes aber immer seltener getragen habe. Warum? Ich weiss nicht genau… wegen der Farbe vielleicht? Ich fühle mich nicht pastell. Ich fühle mich erdig und gedeckt und ein bisschen verwunschen. Und mein Körper hat sich verändert. Mein Becken ist breiter, meine ganze Gestalt -bis auf die Hände- irgendwie stämmiger, habe ich den Eindruck.

Heute trage ich meine ehemals zartlila Weste also warm braun und mehrheitlich locker geöffnet über luftigen Kleidern. Ich mag es so, mag sie so, meine gute alte Shalom in ihrem zweiten Leben.
Shalom. Frieden. Auch ein gutes Stichwort. Gerade jetzt.

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lauter gute Dinge

: Lieblingsmagazine, ein kleiner heller Teddy aus meiner Kinderheit bei einer bärenliebenden Mama und ein ganzes Bündelchen schöner Schweizer Kartenprints von einer besonders lieben Leserin am See :

: Filzkunst von Allerleirauh, die vom Frühling erzählt, vom Wachsen und Werden und Mutter Erdes neuem Erwachen. Und mir damit mitten ins Herz trifft mit ihrem feinen Humor, der Wärme echt empfundener kreativen Kraft :

: mein Babyjunge mit seinem skeptischen Blick, den vollen Wangen und seiner ganzen prallen Knuddeligkeit. Wir tragen. Immer. Manchmal auf dem Arm, oft auf der Hüfte, aber immer mehr auch auf dem Rücken, was mal besser klappt, mal weniger, aber Freude ist Freude und ich freu‘ mich wie wild an diesem kleinen Kerl :

: erste Frühlingssträusschen und ein süsser kleiner Liebesbrief, der ganz im Geheimen und mit viel Gekicher und Geheimniskrämerei für mich in der Küche bereit gelegt wird :

: bunte Wesen aus dem fernen Süden Afrikas (hello und *Bussibussi*, PoplapDolls!), die mich zum Lächeln bringen und mir zeigen, wie klein und filigran, vor allem wie lustvoll Hand-Werks-Kunst doch sein kann. Unter dem Organza-Röckchen verbirgt sich ein niedlicher kleiner Po-Spalt (die Kinder kichern hier immer) und ein äusserst diskret platziertes Feigenblatt. Lovelovelovelovelove :

: der schnusige kleine Siebenschläfer aus der Kindergarten-Werkstatt hat hier Haus und Herz im Nu erobert. Mit ein paar Filznadelstichen und wenige Nähten meinerseits zum Extra-Fixieren hält nun auch das Schwänzchen tadellos jedem Spiel, jeder Video-Session stand (Gerade eben wurde -extra für Oma- „Siebenschläfer und KleinPanda ziehen um in eine Weinkiste“ mit meinem Handy aufgenommen) :

: Visible Mending mit Kanta oder Shashiko oder Stick-Yoga oder simplen Steppstichen. Egal wie immer man es nennen möchte. Jedenfalls bleibt die pinke Trainerhose aus der Mottenkiste, die schon meine Grosse vor Jahren getragen und ganz gern gemocht hat, noch ein weiteres Weilchen tragbar und bei Lümmellaune :

:Voilà und *töröööö!*: meine Küche, frisch gestrichen, frisch geordnet, aber sonst nach wie vor belebt und jeden Tag aufs Neue bevölkert und verunstaltet- nur um wieder von neuem in Ordnung gebracht zu werden. Nach dem Kochen ist immer vor dem Kochen. Nach dem Aufräumen vor dem Aufräumen. Wenn sich eine Schlange in den Schwanz beisst, dann im Alltagsleben einer Küche :

: Wollschätze, gesucht und äusserst euphorisch, regelrecht auf Wolke Sieben schwebend gefunden am gestrigen Swissyarn-Festival. Wo ich den herrlichsten aller Sonntage mit meiner Freundin Rita, lauter lieben Frauen, einem ein wenig misslungenen, aber trotzdem irgendwie schönen Stick-Kurs  und gaaaaaaaaanz viel unglaublich softer, bunter, köstlicher Wolle verleben durfte. :

Schön, schöner, am schönsten. Mein Herz ist übervoll von all den wunderbaren Dingen und Momenten, die gerade auf mich hereinprasseln. Die Zeit rennt immerzu. Meistens eine Spur zu schnell und zu vollgepackt mit Aufgaben oder anderen Ablenkungen, um mich hier wirklich fokusiert und regelmässig zu melden. Das fehlt mir. Über alle Massen. Aber es ist wie es ist, und ich bin einfach nur dankbar, war es mir heute vergönnt, ein paar kostbare Minuten damit zu verbringen, die kleinen Wunder und Wunderbarkeiten des Lebens hier festzupinnen. So viel Gutes wartet da draussen. Auf jeden. So viel Schönes steckt schon in unserem Tag. Felsenfest und oft ganz unerwartet. Ich bin dankbar und noch immer übervoll mit der knisternden, freudigen Energie des gestrigen Festival-Tages. Ich lechze danach, neue Wolle anzustricken, mich in meine Erlebnisse und Pläne zu vertiefen oder Lieblingsdinge in Lieblingsecken neu zu ordnen und zu geniessen, was ich habe. Doch das Rad dreht sich, die Zeit beisst sich weiter voran: Jetzt huschhusch in die Küche. Essenmachen. Mittagessen steht an, der Tag nimmt seinen Lauf und ich sause hinterher- tschüss ihr Lieben! Bis bald!

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