Ein nicht ganz idealer Quilt

Fertig. Also so gut wie. Ein paar rote Fadenknoten im Quilting fehlen noch, aber das sind so wenige (vielleicht 5 oder so?), dass ich mir guten Gewissens vorgaukeln kann, mein Quilt sei hiermit fertig.
Es ist ein komischer Quilt. Keiner, mit dem ich ganz zufrieden bin. Aber ich habe auch nicht wirklich etwas gegen ihn einzuwenden.
Was ich nicht so toll finde: Die Stoffkombination in genau diesem Patchwork-Muster. Die einzelnen Stoffe -alles Baumwoll-Stoffe, die hier ewig lang rumlagen und einfach irgendwie verwendet werden wollten, die mich regelrecht anflehten, sie endlich zu vernähen- waren für sich selbst genommen jeweils wunderschön. Lieblingsstöffchen sogar, bis auf den rein braunen Stoff vielleicht. Ich mochte die schwarzen, dezent gemusterten Prints, bewunderte die grossblumigen Anna Maria Horner und Kaffee Fassett-Designs und liebte jedes einzelne Blümchenmuster. Hätte ich sie nicht gemocht, dann wären sie längst in der Brocki-Tasche gelandet. So aber war ich schon sehr optimistisch, als ich anfing, meine ganzen Stapelstoffe in unterschiedliche Rechtecke zu schneiden und zu langen Streifen zu vernähen -einigermassen wahllos, wie ich zugeben muss. Mir war sehr nach spontan und nach intuitivem Nähen. Auch die einzelnen Streifen fand ich nicht übel. Erst zusammengesetzt als Ganzes kam mir der Verdacht, dass hier einfach zu viel Dunkel zusammengekommen war. Obwohl es auch recht bunte, fröhliche Stoffe darunter hat, wirkt dieses Patchwork insgesamt recht trostlos und bedrückend auf mich, viel zu braun, viel zu schwarz. Kombiniert mit den weissen Streifen, so wie Soulemama es in der Anleitung für ihren „First Quilt“ im Buch „Hand in Hand“ gemacht hat, ist eine Art Zebra-Effekt entstanden, und das war nun wirklich nicht meine Absicht. Ich hätte niemals mit diesem Kontrast gerechnet. Und ihn niemals so gewollt. Aber einmal mehr ist mir vor Augen geführt worden, wie schwierig es ist, sich das fertige Resultat aus Stoffen oder auch Wolle vorzustellen, und wie stark die Art der Verarbeitung die Optik des Grundmaterials beeinflusst. Es ist vielleicht auch ein kleines bisschen Glückssache. Bestimmt sehr viel Erfahrungswert. Und wohl auch eine Frage des Talents und des Vorstellungsvermögens, und genau das fehlt mir wohl ein wenig. Ich kann mir viele Dinge schlichtweg nicht vorstellen. Und werde dann immer irgendwie überrascht. Mal positiv, mal weniger. Diesmal also eher weniger. *hüstel*


Aber fairerweise muss ich jetzt auch mal notieren, was ich an diesem Quilt trotz allem mag: Der Rückseitenstoff zum Beispiel ist klasse. Ein zerschnittener vintage Bettbezug, der sich einfach himmlisch auf der Haut anfühlt und sehr robust wirkt. (Im Notfall erkläre ich einfach ihn zur neuen Oberseite und lasse das Patchwork-Deck unten dann gammelig werden). Ich mag ausserdem die sorglose Art, in der dieser Quilt zusammengesetzt wurde: Drei Lagen, zusammen genäht und auf rechts gewendet, an den Kanten dann nochmals schmal abgesteppt und dann mit Stickgarn mit kleinen Knötchen gequiltet. Kein Schrägband an den Kanten, kein nerviges Heften aller Schichten, keine langwierigen Quiltingstunden an der Maschine. Alles war  simpel und schwungvoll und ich glaube, das sieht man diesem Quilt auch an und macht ihn für mich speziell sympathisch, denn trotz allem ist er sehr exakt ausgefallen und hat niemals Falten geworfen oder so. Natürlich könnte man ihn jetzt nach einem Waschgang und einer Runde im Tumbler nochmals bügeln, was ihn wieder so glatt und sauber aussehen liesse wie vor den Fotos (zu sehen im letzten Post!), aber ich fand ihn ganz charmant so zerknittert und habe mir den Weg zum Bügelbrett einfach gespart. Die Kinder spielen ohnehin ständig mit und auf ihm, da macht Glattbügeln eigentlich sowieso nicht viel Sinn.


Gut finde ich auch das Baumwollvlies im Inneren. Es ist das erste Mal, dass ich sowas verwendet habe und ich finde die Haptik tatsächlich sehr viel einnehmender als mit synthetischem Vlies. Irgendwie… griffiger und kompakter und dennoch sehr leicht. Eine gute Wahl. Genauso wie das Knallrot des Quiltingfadens. Diese Farbe würde ich sonst niemals wählen. Genausowenig wie Braun oder Schwarz, denn obwohl ich mich am liebsten in Brauntöne kleide und auch gegen schwarze Hosen oder Schuhe nichts einzuwenden habe, arbeite ich nicht besonders gerne mit dunklen Materialien. Oder eben mit Knallrot, was das betrifft. Und trotzdem fand ich es sehr anregend, hier Rot an der Nadel zu haben. Ich finde, das nimmt dem Ganzen ein bisschen diese Zebra-Strenge und bringt die Optik in Balance. Die Dosis macht das Gift, klar, und manchmal macht es eben auch einfach Spass… Spass zu haben. So ein bisschen an den Grenzen zu schaben und Neues auszuprobieren. Ich glaube, ich habe ehrlich selten derart gerne an einem Nähprojekt gearbeitet wie hier bei diesem Quilt. Gerade weil er mich nicht vollends überzeugen konnte, war der Spass umso grösser; es gab nicht viel zu verlieren, was eine enorme Befreiung darstellte und den Prozess tatsächlich umso lustvoller machte.
Der Weg war das Ziel. Insofern ist wohl sowas wie ein „Zen“-Quilt daraus geworden. Ein guter Quilt also nichtsdestotrotz. Und weil er mir nicht so wirklich kostbar ist und alles andere als perfekt, habe ich keinerlei Hemmungen, ihn meinen Kindern zu überlassen, die wer-weiss-was damit anstellen werden. Grasfleckenquilt im Sommer. Malspurenquilt im Winter zuhause auf dem Stubenboden. Schmusequilt frühmorgens auf dem Sofa, wenn meine Kleine mal wieder etwas länger braucht, um wach zu werden und vor dem Kindergarten warm eingemummelt noch rasch eine warme Ovi schlürft.
Ich weiss nicht… Sind die Dinge, die uns aktiv und ohne Zögern durch den Alltag begleiten, selbst wenn sie unvollkommen sind und kein eigentliches Meisterwerk, nicht doch auch auf ihre Weise ganz besonders schön?

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Einen Fuss vor den anderen setzen

Fünfzehn Minuten. So viel Zeit habe ich mir für diesen Post hier frei genommen. Dann muss ich wieder los, weiterhetzen, denn die Aufgaben sind viele und mein Tag so klein wie jeder andere auch. Das Bad müsste geputzt werden, bzw. besser gleich 3 davon (ja, wir haben ein ziemlich grosses Haus) und die Küche sieht immer noch nach Mittagspause aus, voller Essen, Pfannen, dreckigen Tellern und wahrscheinlich liegen auch noch überall Glacé-Papierchen herum vom raschen Nachtisch…
Ich hatte nie etwas gegen Arbeit. Eigentlich, denke ich, bin ich ein fleissiger Mensch und es tut mir ganz gut, wenn etwas läuft und die Räder sich drehen. Es ist gut, eine Aufgabe zu haben. Vor allem, wenn man zur Schwermut neigt und den Herbst kaum verkraftet mit all seinem Grau und seiner bedrückenden Stille.
Im Augenblick aber ist es weniger die äusserliche Arbeit, die mir am Herzen liegt. Natürlich, ein sauberes Haus macht meine Seele leicht, die Harmonie eines liebevoll gepflegten Zuhauses fliesst sofort in mich ein und nimmt viel von der Düsternis, die mich immer wieder heimsucht, aber im Augenblick gibt es Wichtigeres zu tun für mich, als zu putzen oder Dinge von einem Ort an den nächsten zu verschieben; Ich lerne. Lerne, mich selber immer besser kennen, wer ich noch bin zwischen all den Schichten an Rollen und Verhaltensmustern. Meine Wünsche und Bedürfnisse bahnen sich gerade einen Weg nach oben und sprechen urplötzlich eine klarere Sprache als noch vor einem Jahr oder früher. Mit bald 40 ist das wohl so. Und es ist gut so, wie es ist.
„Gerade bin ich stark daran, mir selber mehr Freiheiten zu erkämpfen. Zb. möchte ich wieder mehr ausgehen, an Konzerte oder auch einfach mal irgendwohin auf ein Feierabendbier mit einer Freundin (Ich baue mir diesen Kreis gerade erst wieder auf). Ich BRAUCHE das jetzt einfach ganz schrecklich!“ Das habe ich gerade vor ein paar Minuten in einer Mail an eine Bloggerfreundin geschrieben. Und ja, es ist wahr; Ich brauche das. Menschen um mich herum. Frauen, die mir ähnlich sind oder auch ganz anders. Kleine Freiheiten. Lebensenergie. Kunst. Musik. Wieder mehr von dem leben, was mir früher so lieb war.
Demnächst werde ich tatsächlich an ein kleines Konzert gehen, ganz in der Nähe, und eine alte Freundin, mit der ich fast 3 Jahre lang zeit- und energiebedingt keinen Kontakt mehr hatte, organisiert es gleich selber.
Ich mag tatkräftige, starke Frauen.
Dass bei all dem meine Handarbeiten ein wenig brachliegen, erstaunt mich kaum. Ich glaube, mit Stricken und Nähen und dem kreativen Leben zuhause, fülle ich vor allem auch Lücken, die sich vorübergehend einfach nicht anders schliessen lassen. Strickmützen statt Tanzkurs, Quilts anstelle von verlässlichen, alltagsgelebten Freundschaften.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Ventile gefunden habe; zu stricken tut mir gut, sehr sogar, und ich glaube, Wolle und Stoffe haben mir ein Stück weit wirklich den Verstand gerettet, als es nichts weiter in meinem Leben zu geben schien als Hektik, Babyweinen, durchlöcherte Nächte und Kriesengespräche an der Schule. Sie waren ein Rettungsanker in der Not.
Und sie sind es immer noch. Auch treue Freunde. In allen Lebenslagen. Es ist immer noch schön, abends meine Babywolldecke in Progress heraus zu kramen und weiter ein paar Reihen in einer neuen Farbe anzustricken. Langsam, langsam, einen Fuss vor den anderen setzend. Aber ich habe immer weniger das drängende Gefühl, vorwärts hetzen zu müssen. Fertig sein zu wollen. Mehr und noch mehr und bessere Resultate erzielen zu wollen.
Dass diese kraus rechte kleine Decke im Schneckentempo fertig wird?
Was macht das schon?
Dass mein grüner Wollpullover noch keine 10 Reihen weit gekommen ist?
Völlig in Ordnung.
Dass es wohl Jahre dauern wird bis mein schwarz-rot-brauner Quilt -diese Woche tatsächlich fertig geworden!- all seine knallroten Quiltingknoten bekommen hat?
Keine grosse Sache.
Nur das kleine, silbergraue Zwergenmützchen für meinen süssen Babyneffen, das sollte wohl schon so langsam fertig werden. Der Herbst kennt keine Gnade; er wird demnächst zum Winter. Und der Kleine wächst und wächst und wächst. Vielleicht also doch noch einmal Wollmützchenstricken statt mich im Dorflokal zu verplaudern, hihi. Oder nein, ich nehm das Ding einfach mit; Strickcafé-Treffen gibt’s hier ja bisher noch keine…

PS. Damit ich hier keine Gerüchte streue: Nein, natürlich bin ich nicht jeden Abend unterwegs. Bei weitem nicht. Also wirklich bei. weitem. nicht. Aber ich wäre es gerne ein wenig öfters. *zwinker* Ein, zweimal pro Monat wäre immerhin ein netter Anfang.

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Ende Oktober

Ende Oktober ist es von einem Tag auf den anderen richtig bitterkalt geworden. Die Meerschweinchen kriegten eine Wolldecke. Handschuhe mussten raus. Und Wollmützen. Das finde ich jeweils eigentlich ganz schön, denn ich begrüsse all die wollenen Schätze wie gute, alte Freunde und verstaue sie im Frühling nur deshalb wieder gerne, weil der Frühlings dann bereits seinen Zauber über mich gelegt hat und meine Sinne mit Blattgrün und überbordendem Lebenshunger benebelt.
Jetzt, Ende Oktober ist es ganz anders. Ich verspüre zwar auch diesen Hunger… Hunger nach Leben, aber anders. Mehr so… wattiert. Am liebsten würde ich all diese grauen Tage verschlafen und erst spätnachts wieder aufwachen und in irgendwelchen kristallhell erleuchteten Ballsälen Champagner trinken und Walzer tanzen, dass die Rockvolants flattern. Ihr seht; ich schaue mir gerade zu viele Historienfilme an. Neben „Call the Midwife“ bin ich nun auch „Versailles“  hoffnungslos verfallen (ich sehe beides auf Netflix), wobei ich klar sagen muss, dass das eine sich nicht mit dem anderen vergleichen lässt: „Call the Midwife“ ist schön und schlicht und würdevoll, während „Verseilles“ alles mögliche ist, nur nicht schön und schlicht und würdevoll. Aber ich mag auch Prunk und Protz und konnte schönen Königen und Männern mit Bart und Musketier-Gewand noch nie widerstehen. Dass die Filmleute es bei „Versailles“ ganz gerne und gerne gewaltig übertreiben mit den Dingen, mit denen man bekanntlich alles besonders gut verkauft, kann ich verkraften; ich weiss ja mittlerweile, wie man vorspult. Egal ob Schlachtfeld-Blutbad oder allzu anschauliche Schlafzimmer-Szenen.
Bei „Versailles“ gefallen mir vor allem die Charaktere. Wie sie sich ständig wandeln. Und immer tiefer durchleuchtet werden. Besonders beim Königsbruder Philippe d’Orléons merke ich, wie sehr einem eine Figur ans Herz wachsen kann, wenn man sie nur lange genug in ihrer Geschichte begleitet, um die Feinheiten und Weichheiten ihres Wesens zu erkennen. Ich mag vielschichtige Menschen. Und wahrscheinlich ist jeder Mensch vielschichtig. Man muss nur die Zeit und das Interesse haben, ihn zu entblättern. Das ist im Film genauso wie im wahren Leben, nicht wahr?

Aber nun ja. Winterschlaf ist natürlich unmöglich.
Walzer-Nächte ebenso.
Stattdessen kämpfe ich weiter mit meiner Masse an Besitz, verschenke mit warmen Händen und immer leichterem Herzen. Gerade heute ist mir aufgefallen, wie viel bewusster ich im Augenblick lebe. Das klingt jetzt nach Erleuchtung und Yoga und all sowas, aber ich meine das ganz banal: Ich denke einfach sehr viel weniger zurück, an Vergangenes und Verflossenes. Und auch nicht mehr so oft nach vorne. Ich bin nicht mehr so zerfressen wie früher. Mein Bauernhaus-Traum zum Beispiel. Es ist still geworden um ihn. Still in mir selbst. Gerade ist mir alles genug. Was ich habe. Was ich tue. Was ich bin. Vielleicht sind meine Gedanken einfach zu müde für Wolkenschlösser und Sentimentalitäten. Vielleicht habe ich resigniert, aber wenn, dann tut es nicht weh im Moment, es fühlt sich vielmehr ruhig an und weich und bequem. Ein bisschen wie ein stilles, braunes Blumenbeet, das bereit ist für den Winter und nur darauf wartet, dass sich eine weisse Decke darüber legt.

Ich trinke wieder mehr Tee. Nach einer Phase intensiver Kaffee-Tage bin ich wieder zur Vernunft gekommen und kümmere mich besser um meinen Körper. Die Zeit der frischen Gartenkräuter ist zwar leider vorbei (frischer Tee schmeckt so viel besser!), aber mein Vorrat an Zitronenverbene, Brennessel und Pfefferminze lässt sich durchaus sehen und wird diesen Winter wohl keinen Mangel aufkommen lassen. Heute duftet Minze in meiner Tasse, Minze, Brennessel, Rosmarin und Salbei und ein klein wenig Kamille, eine schwere Mischung, die ich mir gestern zusammen gestellt habe, um ein wenig Kraft zu tanken, meinem Magen etwas Gutes zu tun, meinen Geist zu klären und zu stärken.
Ich lasse vieles fallen im Moment. Allein mein Handy ist mir diese Woche schon zwei Mal runter gefallen, Gottlob unbeschadet, aber das sollte natürlich nicht sein. Wahrscheinlich schlafe ich auch einfach viel zu wenig. Aber wie gesagt; tagsüber verfalle ich in dumpfe Trägheit. Abends erwacht der Tiger in mir. Dass der Morgen trotzdem genauso früh anbricht wie immer, entfällt mir jeden Abend aufs Neue.

Manchmal habe ich urplötzlich Lust darauf, mich an meine Nähmaschine zu setzen und… einfach bloss drauflos zu nähen. Das ist eher ungewöhnlich für mich, aber ich denke, es ist eine Art Sehnsucht nach raschen Resultaten und grösstmöglicher Ausbeute in minimalem Zeitrahmen. Der kleine Table-Runner, der mehr eine Art textile Tisch-Oase ist, entstand in so einer Anwandlung unwiderstehlicher Nählust. In meinem Flick-Korb lag schon lange ein hoffnungslos zerschlissenes Patchwork-Kissen (das hier) und obwohl mir klar war, dass Reparieren sinnlos war, konnte ich mich einfach nicht davon trennen. Musste ich auch nicht. Wenn sich etwas nicht retten lässt, dann braucht es vielleicht einfach ein zweites Leben. Oder ein drittes. Mit Stoff und Quilting und einem halben Morgen fröhlich ratternd verbrachter Zeit, wurde eine Patchwork-Insel daraus, wo all jene Dinge des Tisches ihren Platz finden, die entweder immer irgendwie da stehen bleiben (also Wasserkaraffe, Teekrug, Trinkgläser und Blumen oder Blätter oder Steine oder Wetter-Wichtel) oder nur mal eben rasch einmal beiseite geschoben werden müssen, weil Brotteig geknetet werden will oder die Zeit eben doch nicht mehr reicht für ein paar Zeilen ins Notizbuch. Es ist schön, dass dieses Kissen nicht wirklich gehen musste. Sondern in Form dieses Mini-Tisch-Quilts bleiben durfte. Manche Dinge gewinnt mein einfach zu lieb, um sie so mir nichts dir nichts loszuwerden… Und ich spüre immer mehr, dass ich mich eigentlich nur noch mit genau solchen Dingen umgeben möchte; mit Dingen, Momenten, Gedanken… die man nicht mehr gehen lassen will.

 

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Der „Sunday Sweater“ vom Pausbackenkind

Ich stecke gerade in einer wenig produktiven Phase, scheint mir. Irgendwie mache ich gar nichts. Oder sagen wir es so; auch wenn ich die ganze Zeit irgendwas mache, schaut zum Schluss nichts Greifbares dabei heraus. Ihr kennt das ja. Denke ich. Und abends bin ich einfach… in Endzeitstimmung. Kraus rechte Maschen. Maximal. Mehr geht einfach nicht mehr. Bei der Babydecke, die ich vor 10 Tagen angeschlagen habe, bin ich jetzt an dem Punkt, an dem mir die hellblaue Wolle so langsam ausgeht, was jetzt nicht unbedingt weit ist, wenn man bedenkt, wie oft ich in diesen Tagen mit meinem Wollzeug spätnachts noch vor „Call the Midwifes“ gesessen habe (Suchtfaktor: extrem hoch! Brandgefährlich also, wenn man so wenig Rückgrat beweist wie ich, was das rechtzeitige Abstellen angeht *hüstel*) Wie gesagt; ansonsten gibt es hier nichts vorzuzeigen. Und ich bin dermassen schlapp gerade, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sich dieser Zustand in den nächsten Tagen ändern wird (Herbstmüdigkeit? PMS? „Call the Midwifes“-Syndrom? Oder haben die mir statt Eisen irgendwie Schlaftabletten verabreicht beim letzten Doc-Termin?)


Aber -Halleluja!- immerhin habe ich es trotz allem hingekriegt, draussen ein paar ziemlich schnelle und improvisierte Fotos -echte Schnappschüsse– eines längst abgeschlossenen Strickprojektes zu knipsen; Der „Sunday Sweater“ meines Kindergartenmädchens, den ich damals extra für sie zum Geburtstag im Juli gestrickt und sogar rechtzeitig fertig bekommen hatte (*Schulterklopf*). Ich hab’s nicht so mit guten Fotos. Für schöne Arrangements bin ich schlichtweg zu faul und meine Kinder (und ich) sind auch dementsprechend ungeübt im Posieren und Stillhalten. Aber egal; es sind Meerschweinchen-Babies mit drauf. Ich hoffe, das verschafft und ein paar Bonuspunkte.

Für das satt-blaue Ajour-Jäckchen meiner Kleinen habe ich 330gr. „Tosh DK“ der Farbe „Cobalt“ verbraucht und mit den Nadelstärken 4 und 4.5 gestrickt. Wieso ich Grösse 10 gewählt habe, obwohl meine Tochter erst 6 Jahre alt ist, weiss ich gar nicht mehr so genau. Ich nehme an, es liegt daran, dass ich ein DK-Garn gewählt hatte, statt dem verlangten Worsted Weight Garn, dünnere Wolle also und damit eine andere Maschenprobe. Wahrscheinlich war das auch ein Tipp aus Ravelry, wo ich immer in den geteilten Strickprojekten anderer Strickerinnen stöbere, bevor ich mich ans Stricken eines neuen Projektes wage. Die Grösse passt meinem eher rundlichen und nicht gerade kleinen Kind jedenfalls absolut wunderbar, und bei den Ärmeln konnte ich ja zwischendurch anprobieren, so dass sie jetzt am richtigen Ort enden.


Die Ärmel habe ich übrigens auch sonst ein wenig abgeändert, weil ich sie einfach zu voluminös fand: Ich habe nach 9cm Ärmellänge alle 3 cm jeweils vor und nach dem Maschenmarkierer (für den Rundenanfang) 1 Masche abgenommen (rechts zusammengestrickt). Vor dem Bündchen hatte ich dann nur noch 44 Maschen, die ich in einer letzten Runde vor dem krausen Bündchenstart auf 35 Maschen reduziert habe, indem ich immer die 4. und 5. Masche rechts zusammengestrickt habe. So wird das Bündchen anliegender aber trotzdem noch weit genug, was mir einfach besser gefällt als Glockenärmel oder Puffärmelchen.
Alles in allem kann ich euch Ginny Shellers „Sunday Sweater“ wirklich wärmstens empfehlen; ein so schönes Projekt! Und wunderbar geschrieben; nicht zu stark verkürzt, aber auch nicht allzu detailliert, sondern genau richtig, finde ich. Es lohnt sich allerdings, sich die gewählte Grösse und alle zu ihr gehörenden Strickangaben am besten mit Leuchtstift und VOR dem Stricken zu markieren. Für jede Grösse gibt es Passagen in der Anleitung, die ausgelassen oder extra gearbeitet werden müssen, und es ist elementar wichtig, dass man die richtigen Stellen für sich findet und nicht irrtümlich bei einer falschen Grösse weiterstrickt…

Ich jedenfalls bin sehr glücklich mit diesem Wolljäckchen. Obwohl ich selber wohl niemals zu dieser satten Farbe gegriffen hätte, war es schön, daran zu stricken und dieses Geburtstags-Projekt langsam aber stetig wachsen zu sehen.
Viel wichtiger aber ist: Meine Kleine liebt ihr Sonntagsjäckchen. Sie liebt die Farbe und die Weichheit der Wolle und dass alles so locker fällt und sich so gemütlich kuscheln lässt darin. Das wissen jetzt auch die Meerschweinchen.

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