Wochen-Ende: herrlich adventlich

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Dieser Sonntag war ein Engel! Ich gab mir alle Mühe, auszuschlafen. Mir fehlen irgendwie immer gefühlte hundert Stunden an Schlaf, und bis zum Wochenende hat sich das meist dann zu einem Schlafmanko gemausert, das demjenigen meines Teenagers in nichts nachsteht, also verglichen mit dem Mass an Schlaf, das ich anscheindend brauche. Es ist vor allem das nächtliche Gewecktwerden durch meine Kleinste (ja, noch immer), das mir langsam anhaftet. Einmal einfach schlafen dürfen bis um neun Uhr vormittags, an einem so herrlichen Sonntag wie heute, vermag aber gleich enorm viel zu kitten.
Wir waren nicht in der Kirche. Wie so oft. Natürlich finde ich es wichtig für mich als gläubige Christin, mich mit meinen Schwestern und Brüdern im Herrn zu versammeln, zuzuhören, auszutausche, gemeinsam Lieder zu singen und all das auch mit meinen Kindern zu teilen, aber dann wiederum… Vor einiger Zeit wurde deutlich, dass ein Grossteil der körperlichen Symptome, an denen ich seit mehr als einem Jahr immer wieder in unterschiedlicher Intensität leide, keine wirklich körperliche Ursache hat. Der Arzt vermutet vielmehr Stress. Ein Ansatz von Burn Out. Da liegt einfach nicht mehr alles drin. Vor allem diejenigen Dinge, die ich aus Pflichtgefühl und Druck von aussen noch reinquetsche, obwohl mein Körper und auch meine Seele längst lauthals “Stopp!” schreien, laugen mich dann im Nullkommanichts aus, nachhaltig oftmals, so dass ich Ewigkeiten brauche, um wieder zu Kräften zu kommen. Und ungeheuer launisch, nervös und empfindlich werde, zu jemandem, mit dem man nicht unbedingt gerne Zeit verbringt.
Jetzt versuche ich, Grenzen zu ziehen. Mit Nachdruck und gegen das schlechte Gewissen, das sich immer allzu rasch einstellt. Keine Kirche also heute.
Dafür Ruhe, oh goldene Ruhe. Und Schnee! Die Kinder sind sofort reingehüpft, haben sich darin gesuhlt und mit Schneebällen bombadiert und schlussendlich mit meinem Mann ein Iglu begonnen, an dem sie immer noch arbeiten, obwohl es gerade dunkel wird.
Herr Kirschkernzeit hat gekocht, Hähncheneintopf mit viel Gemüse, Kartoffeln und Zwiebeln. Und ich habe gebacken, Mailänderli, tatsächlich, ein echtes Weihnachtsguezli, passend zum Advent, pünktlich also, und damit habe ich schon gar nicht mehr gerechnet. Die Kinder waren fabelhaft. Mit Feuereifer mit dabei und dabei so fröhlich, dass bestimmt “Merry Christmas” als unsichtbare Überschrift über uns aufblinkte. Der Tisch klebte regelrecht vor Butter und Mehl und Eigelb, aber der Spass, den wir hatten, übertönte alles rosarot, und der Teig schmeckte süss und zuckrig und definitiv nach Frieden auf Erden. Jetzt liegen kleine goldene Schweinchen, Herzen, Engelchen und jede Menge sonderbar verformtes Getier auf unseren Plätzchentellern. Ein Teil davon wanderte gleich als spontanes Geschenk zu unseren Nachbarn in die Glühwein-Runde ihres Spuntens, wo es sicher gut hinpasst und mir warme Dankesworte und fröhliche Gesichter bescherte. Schenken ist schon was Schönes, nicht?
Und Advents-Sonntage wie dieser sind es auch. Echte Himmelsboten sind das.

Wenn es einem so rundum gut geht, braucht es eigentlich ja auch gar nicht viele Worte, nicht viel mehr als: Was kann das Leben doch schön sein!
Trotzdem; ich plauder halt so gern…

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Konsum. Ein wenig nachsinniert.

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Mein Ausblick von über meinen Füssen runter auf den halb gedämmten und unterlegten Boden unterm Dach. Was ich am allerliebsten sehe von dieser Warte aus sind meine nigelnagelneuen Strickfilz-Pantöffelchen. Blau und meliert und sogar ganz girly mit Glitzersteinli dran, hihi. Meine Mama hat sie extra für mich gemacht und damit den Nagel sowas von auf den Kopf getroffen: schon seit Wochen sind meine alten Filzfinken (diese Haflinger Hausschuhe) kaputt und obwohl ich schon zweimal versucht habe, sie zu reparieren, will die angeleimte Sohle einfach nicht halten. (Ich spiele mit dem Gedanken, sie zum Schuster zu bringen. Profis machen sowas ja mit links. Ob es sich lohnt?)
Auf alle Fälle kommen ihre zauberhaften Finken genau richtig. Vor allem auch, weil ich schon immer mal gestrickfilzte Pantoffeln haben wollte, und es mich wunder nahm, wie die sich so anfühlen am Fuss und inwiefern sich verfilztes Gewebe überhaupt noch an den Fuss anschmiegen kann.
Sehr gut kann es das, das weiss ich jetzt. Die kleine Schnittlücke, die die Pantoffeln zu einer Art Halbsandale werden lässt, schenkt zusätzlich Elastizität fürs Rein- und Rausschlüpfen.
Es sind wunderbare Hausschuhe. Solche, die ich mit Freude und Dankbarkeit trage. Und mit Stolz und Sorgfalt, weil es meine Mutter war, die hier für mich Wolle ausgewählt, stundenlang gestrickt und liebevoll verziert hat.

Ich habe viel nachgedacht in den letzten Tagen. Übers Konsumieren, und wie sehr genau dieses Thema sich doch mit praktisch allem und jedem in unserem Leben verflicht. Selbst beim Selbermachen, wo der Spagat schwierig ist, zwischen wirklichem, Natur- und Menschen-schonendem “Selbstversorgen” und schlicht und einfach dem riesengrossen Spass, den es macht, mit allen möglichen Materialien und Techniken zu experimentieren und zu werkeln. Es ist so eine Art Zwiespalt zwischen Kunst, die ja selten im eigentlichen Sinne Not-wendig ist, Kunst mit der Kehrseite, dass sie uns weder warm und noch satt hält oder die menschlichen Grundbedürfnisse auf eine ökologisch tragbare Art und Weise befriedigt und, ja, dem Wunsch, wieder zurück zu den Wurzeln zu kommen, wo man seine Zeit damit verbringt, aus fast nichts etwas existenziell Wichtiges zu erschaffen, wie einen Laib Brot zum Znacht oder ein Paar Wollsocken, damit man nicht zu frieren braucht.
Ich denke einfach… Selbermachen, um für sich zu sorgen ist gut. Und wenn das gerade bedeutet, dass ich meinen xten Schal stricken “muss”, aus purer Lust am Projekt und bloss weil ich gemerkt habe, dass mir diese Farbe (Schokoladenkaffeebraun) noch fehlt in meiner Outdoor-Garderobe, dann finde ich das völlig okay, auch wenn das nüchtern betrachtet, alles andere als nötig wäre, weil ich schon andere zauberhafte Schals und Tücher habe, und das nicht zu knapp. Es macht mich glücklich, daran zu stricken. Und es wird mich glücklich machen, ihn dann auch zu tragen. Auch das ist im Grunde sowas wie… für sich selber sorgen. Auch wenn ich in dieser Zeit vielleicht besser Waschmittel gekocht hätte oder ein weiteres Paar Jeans mit Flicken versehen.
Eine Sache langsam, mit meiner eigenen Zeit, aus eigener Kraft und mir mühsam angeeignetem Wissen zu erschaffen, ist im Grunde niemals wirklich Konsum in meinen Augen. Auch wenn ich das Rohmaterial durchaus konsumiere, mich manchmal sogar -ja, ich geb’s zu- an einer kleinen Wollkauf-Orgie erfreue (und wie! So ein Spass!). Aber jeder Handgriff ist ein bewusster Akt, der mich erfüllt. Mit Aufregung. Mit Vorfreude. Mit Nervenkitzel. Mit Erfolgserlebnissen. Dazwischen sind auch Müdigkeit und Zweifel, klar, aber ich biete jeder dieser Erfahrungen die Stirn und halte aus, halte durch, lerne dazu und ernähre mich von den vielen, den unzähligen schönen Momenten. Etwas selber zu machen, ist ein Akt des Lebendigseins. Bewusstes Sein und Tun, Denken und Handeln und Lernen. Da kann ich noch so viel Wolle kaufen, das Positive dabei überwiegt. Immer.

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Und wenn ich mir hübsche, kleine Dinge kaufe, die jemand anderes gemacht hat? Selber und von Hand, Homemade in einem anderen Zuhause?
Auch das ist für mich nicht mehr ein eigentliches Konsumieren. Naja, vielleicht schon, doch, ja… aber sich mit Dingen zu umgeben, in die jemand sein Herzblut hat einfliessen lassen… das ist für mich sowas wie indirektes Selbermachen. Statt zum Beispiel selber so ein oberschnuckeliges Engelchen zu filzen, eines wie dieses, genau so, wie ich sie liebe, lasse ich eins filzen, von jemandem, der es besser kann als ich, von jemandem, der wahrscheinlich noch viel mehr Spass daran hat, als ich es je hätte, von jemandem, der ein wenig dafür und davon lebt, von jemandem wie Allerleirauh, die ich zutiefst bewundere für ihre Arbeiten und Ideen, für ihren Humor und ihre pointiert formulierten Gedanken.
Natürlich steckt da auch Verschwendung mit drin. Konsum. Ich weiss nicht, wie viele Engelchen ich schon habe, wie viele gefilzte Wesen und Tiere. Viele sind es, soviel steht fest. Aber sie machen mich froh. Und haben mich gelehrt, dass Massenware aus China und andere invasive Fliessband-Produkte, mich niemals, wirklich niemals so erfüllen und bereichern können wie etwas, das jemand mit seinen blossen Händen und jeder Menge Visionen im Kopf hergestellt hat.
Dieses Bewusstsein durchdringt mittlerweile alles. (Wobei ich unterstreichen muss, dass ich alles andere als ein Asket bin. Und ganz gewiss keine Vorzeigefrau!)
Ich bringe es nicht mehr über mich, im Kaufhaus Dosen oder Möbel oder Geschirr zu kaufen. Weil ich im Brockenhaus Schätze finde, die Geschichte haben, Patina, einen Mehr-Wert, selbst wenn sie oftmals weniger kosten als ihre Konkurrenten von der Stange. Kunst an den Wänden stammt von meinen Kindern. Oder ab und zu vom Trödler, wo es die unglaublichsten Werke gibt. Kleider kommen nicht vom Grossverteiler, sondern vom Second Hand Shop, von glaubwürdigen Bio-Fairtrade-Lieferanten oder von meinen Nadeln oder -eher selten in letzter Zeit- von unter meiner Nähmaschine hervor. Seit ich erkannt habe, wie wertvoll, arbeitsintesiv und umwelt-belastend so ein Kleiderstoff im Grunde ist und wie viele Arbeitsschritte es braucht, um aus einer Stoffbahn eine neue Hose zu machen, kommt es mir am sinnvollsten vor so. Und am Erfüllendsten. Und das eine ergänzt und entschuldigt so ein bisschen das andere. Wenn ich nach Postkarten suche oder nach Spielsachen, dann kramen wir im Estrich meiner Mama, freuen uns an “Vererbtem”, besuchen die Spielzeugbörse- oder ich stöbere bei Etsy, wo es die zauberhaftesten Dinge gibt, deren Herstellung jemandem Freude und manchmal sogar sein täglich Brot bedeutet. Am liebsten sind mir aber die Sachen, die wir uns selber er-arbeitet haben. Oder Selbstgemachtes, das uns jemand schenkt. Wie die beiden SToffpuppen im Bild oben zum Beispiel. Sie sind einzigartig und intesiv mit einem Gefühl des Wertvoll-Seins und der Dankbarkeit behaftet. Sie einfach auszutauschen wie eine Puppe vom Kaufhaus… dieser Gedanke ist völlig absurd für mich.

Auch wenn ich noch immer nicht hauptsächlich ökologisch korrekte Materialien in meinem Stash horte -bei weitem nicht, nein- glaube ich, dass das Selbermachen mich geformt hat. Es hat mir ein Stück weit Sorgfalt beigebracht. Und Nachdenklichkeit, eine merkwürdige Art von Genügsamkeit, wobei auch ein bisschen sowas wie Snobismus mit dabei ist. Plus ein bewunderndes Auge für gekonntes Handwerk. Neben grenzenloser(!) Lust auf Wolle und Stoffe auch das Bewusstsein, dass gerade etwas, auf das man Konzentration, gutes Ausgangsmaterial, viel Zeit und Liebe verwendet hat, lange Zeit Bestand haben wird und einen Platz braucht zum Leuchten. Man wird es benutzen. Und es wird immer noch da sein. So reguliert sich der Strick- oder Näh- oder Sonstwie-Handarbeits-Eifer mit der Zeit von selber. Weil man weiss, was hinter einem Produkt steckt und es dann auch geniessen möchte. Indem man es wertschätzend im Lebens-Alltag gebraucht, und dabei vielleicht auch lernt, dass mehr nicht in jedem Fall glücklicher macht, sondern dass es entscheidend ist, dass ein Ding seinen richtigen Platz, seine Aufgabe und den richtigen Zeitpunkt findet.

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Genau wie diese Filzpantoffeln.
Sie sind einfach goldrichtig.
Wie sie sind.
Wo sie sind.

PS. Ich fühle mich immer ein wenig unwohl mit Posts, in denen ich mich exponiere und meine Gedanken klar zu Papier bringe… Mir ist es wirklich wichtig, dass Ihr wisst, dass ich niemandem ein schlechtes Gewissen machen möchte oder Grund hätte, mich selber zu loben punkto meinem Konsumverhalten. Man gibt sein Bestes und auch das in kleinen Schritten, oder? Dieser Post hier war einfach ein bisschen sowas wie… laut Nachdenken. Es hat mir Spass gemacht und ein Thema zum Ausdruck gebracht, das mich schon die ganze Woche lang sehr beschäftigt hat…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Filzen, Stricken, what makes me happy | 17 Kommentare

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Mein Titel ist irreführend. Er suggeriert wahrscheinlich mehr Hand-Arbeit als eigentlich da ist in meinem Leben. Ich glaube, je älter ich werde, desto weniger mache ich wirklich selber, oder vielleicht muss ich das anders formulieren; je älter ich werde, desto mehr überlege ich, wofür ich meine Zeit und Energie tatsächlich einsetzen will. Und was ich brauche und was im Grunde nicht. Gerade beim DIY-Hipe der letzten Jahre habe ich gelernt, wie rasch man vom ursprünglichen Selbermach-Gedanken der Ressourcen-Schonung und der Spar-und Genügsamkeit in eine ganz neue Art von Konsum-Wahn hineingerät, wo man dieses Tool unbedingt haben und jene Technik auch ganz, ganz dringend einmal ausprobieren (bzw. sich zu eigen machen) muss, und dabei superrasch ein Sklave von Do-it-yourself-Modetrends und dem letzten Pinterest- und Blogger-Schrei wird. Eine Weile macht das bestimmt Spass (wie alle diese hyperdynamischen Gesellschafts-Wellen), aber irgendwann laugt es einem aus. Oder man wird pleite. Oder ertrinkt in selbstgemachten Wollpullovern und meterhohen Stoffestapeln *hüstel*. Mein Wollvorrat übertrifft glaub’s auch schon bald einmal den Inhalt meines Kleiderschrankes…
Naja, wie dem auch sei; so viel mache ich also gar nicht selber. Ich koche, das ja, jeden Tag und fast ganz ohne Fertigprodukte, wobei Nudeln ja in gewisser Weise auch ein Fertigprodukt wären und meiner Behauptung widersprechen, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine; ich gebe mir echt Mühe, wenigstens diesbezüglich der Hand-Arbeit absolute Priorität einzuräumen. Der Rest an Handmade findet sich spärlich in diesem Haus verstreut, und dort, wo ich es antreffe, wo es stattfindet, das Selber- und Von-Hand-Machen, ist es ein altvertrauter Anblick, der schon so stark eingespielt und verinnerlicht worden ist, dass ich ihn auf den ersten Blick meist kaum mehr als solches wahrnehme…

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Der Umbau dieses Hauses zum Beispiel, eine Sache von mittlerweile vollen 10 Jahren, die uns unglaublich viele Nerven und noch weit viel mehr Zeit gekostet hat. Aussenstehende finden es meistens romantisch, wenn sie sehen, was mein Mann so verändert und an Neuem erschafft, aber ich verrate euch jetzt mal die Wahrheit übers eigen-Händige Renovieren im Alleingang: Es kostet verdammt viel. Und damit meine ich nicht unbedingt Geld, wobei, das auch, aber vor allem kostet es Familienzeit, und oftmals die gesammte Frei- und Erholungszeit, die ein intensiv und mit Herzblut ausser Haus arbeitender Familienvater so zur Verfügung hätte.
Ich weiss nicht, ob ich dieses alte Haus nochmals auf diese exzessive Weise von Kopf bis Fuss verändern würde, vieles musste aber auch einfach gemacht werden und machen lassen hat ja auch wiederum seinen Preis… Klar ist: natürlich freuen mich all die wunderschön gemachten Ecken und Kanten hier in unserem Zuhause. Herr Kirschkernezeit hat mit sehr viel Liebe und Achtsamkeit gearbeitet und immer, wirklich immer mit einem liebevollen Blick auf die Wünsche seiner doch recht anspruchsvolle Frau Gemahlin. Es ist unser Zuhause. So wie es ist, so wie er es gemacht hat. Für uns. Für mich. Und dafür bin ich dankbar.
Das Foto zeigt übrigens unser Dachgeschoss, wo ich früher mal mein öhm… Büro und später unsere Lego- und DonaldComic-Ecke hatten. Hier hat er letzte Woche die alten, halb zerfallenen Bodenbretter rausgerupft, das ganze gedämmt und mit einem provisorischen Holzverdeck belegt. Demnächst sollen hübsche neue Dielenplatten darüber kommen und die gesammte Treppe renoviert und neu eingekleidet werden. Das ist nötig, ja, ganz ehrlich, auch wenn ich absolut kein Lust habe auf eine erneute und monatelang andauernde Baustelle. Der Anblick des sich ablösenden Linoleums und des vollkommen zersplitternden, wurmzerfressenen Boden Bodenbelages war echt keine Freude fürs Auge und auch keine für nackte, kleine Füsschen. Insofern: Ja. Handarbeit, die echt was Gutes hat, was Gutes bringt vor allem. Veränderung zum Besseren nämlich. Mit Charakter.

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Ansonsten seht ihr natürlich überall die bereits hundertausendfach erwähnten Bügelperlen, unsere kleine, familieneigene Kreativ-Sucht sozusagen, und wenn ich hier schreibe, ihr “seht sie überall”, dann meine ich das auch so: Ich kann kaum mehr zählen, wie oft ich auf Händen und Knien auf dem Boden rumgerutscht bin, um ein ausgeleertes Perlen-Glas oder ein fixfertiges Bügelperlen-Bild, das meiner Kleinsten, die grundsätzlich darauf besteht, es selber zum Bügeleisen zu transportieren (*ächz*), aus der Hand geglitten ist, wieder mühsam zusammen zu lesen.
Beim Stausaugen habe ich mich mittlerweile an das klingelnde Geräusch im Rohr gewöhnt, wenn Perle um Perle ihren Weg zum Stausaugerbeutel findet…

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Und dann ist da noch Wolle. Meine Wolle, hach… Mein “Homestead”-Schaltuch kommt zwar eher langsam voran, doch das liegt einzig daran, dass sich das vierte meiner Clayton-Bücher (“Sommerball”) bisher als weitaus interessanter und sympathischer entpuppte als die letzten beiden seiner Vorgänger, und ich gerade unheimlich gerne abends im Bett liege und lese. Ohne Strickzeug. Zwar frage ich mich eins übers andere Mal, welcher sonderbaren Art von Männern die ganz offensichtlich schwer vom anderen Geschlecht geprüfte Autorin in ihrem Leben so begegnet ist, aber die Geschichte fliesst glatt und angenehm voran und schafft es, ein gleichmässiges Sprach- und Plotniveau zu halten, ganz anders als “Das Landhaus”, wo ich mich zeitweise fragen musste, ob es die Übersetzung ist, die so holpert, oder ob es sein kann, dass Miss Clayton tatsächlich so sprunghaft und harzig schreibt. (Wie gesagt, ihr erstes Buch, “Das Haus der Freundin”, fand ich grandios.)
Gerade heute habe ich den zweiten Strang “Rosy Green Big Merino Hug” zum Ball gewickelt. Ich dachte beim Bestellen noch, dass drei volle Strangen dieser dicken Wolle sicherlich völlig übertrieben wären für ein einfaches Schaltuch, aber jetzt, nachdem ich einen ersten Ball verstrickt habe und noch so gut wie gar nichts in den Händen halte, sehe ich ein, dass es viel Wolle braucht für ein “Homestead”-Tuch. Bei kräftiger Wolle sowieso. Nur schon deshalb sind Tücher aus dünner Wolle irgendwie schon… ökonomischer, oder? Aber ich freue mich sehr, wirklich sehr auf mein fertiges Tuch. Schon heute, mit meinem kleinen Dreieckchen “Homestead”-Vorgeschmack ahne ich, wie soft und opulent es werden wird zu guter letzt. Eine Art grosse, dicke, warme Umarmung zum drin Einlullen.

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Oh ja, das hier noch: Geflickte Hosen.
Noch immer bringe ich es kaum über mich, zerschlissene Sachen einfach so ratzfatz wegzuwerfen. Marie Kondo hat viel in mir bewirkt, aber das vermochte selbst sie nicht zu ändern. Der Gedanke “aber das lässt sich doch bestimmt wieder herrichten” lässt mich einfach nicht los und hindert mich daran, Kleider loszulassen, die noch nicht mindestens ein Mal repariert wurden, egal ob secondhand oder neu. Ganz schöne Sachen verschenke oder spende ich, wenn ich merke, dass sie hier bei uns irgendwie am falschen Ort sind, aber getragene Dinge, die sind hier, um zu bleiben. Wahrscheinlich sind wir so was wie Endverbraucher oder so.
Hosenblätzen finde ich bei Kindern ganz okay. Nur leider blättern sie schnell wieder ab, und das vorherige Lochen mit der Lochzange und das anschliessende Festnähen, finde ich ebenso mühsam wie uninspirierend. Doch jetzt, wo ich dank der neuesten Ausgabe von “Making” so eine Art Flicken-Quilting für mich entdeckt habe, macht mir das Hosenbeineflicken sogar richtig Spass! Es hat so was Kunstvolles und Achtsames, mit einer spitzen Nadel und einem Strangen Sashiko-Faden dazusitzen und völlig frei und spontan ein Stichelchen nach dem anderen zu setzen, sogar im Log Cabin-Look, wenn man so will. Wenn ich es mir recht überlege, finde ich sogar, dass ein derart wieder instand gesetztes Jeans-Knie um einiges hübscher und persönlicher aussieht als ein nigelnagelneues Von-der-Stange-Jeans-Knie ohne jeden Makel…

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Von der Strickjacke zum Wollschaltuch: Nachdem die “Canvas Cardigan” noch immer keine Knöpfe hat und ich mich auch um ein Fotoshooting in Aktion bisher erfolgreich herumschleiche, sind bereits ein paar gute Reihen “Homestead” entstanden, gestrickt nach der wunderhübschen und ehrlich fabelhaft gemachten Anleitung von Melanie Hoffman. Ich liebe ihre Podcasts und verpasse keine einzige Folge, und von ihren märchenhaften Strickmustern kann einem schwindlig werden. Weil nur schon das Wort “Homestead” in mir äusserst weiche, gütige Gefühle weckt, habe ich ein Natur-verträgliches Garn gewählt und bin mit “Rosy Green Big Merino Hug” bisher sehr zufrieden. Die Farbe “Kaffeebohne” hat ein sattes, tiefes Braun, eine echte Alternative zu Schwarz wie ich finde, und meinem blassen Teint durchaus schmeichelhafter.
Gestern nacht habe ich allerdings nicht mehr gestrickt. Ich habe meine alten PC-Lesezeichen sortiert und ein paar meiner alten Lieblingslieder wieder gefunden. Natürlich musste ich alle nochmals hören. Und manche nochmals. Und nochmals. Davon kann ich zum Beispiel kaum genug kriegen “(No Diggidy/Thrift Shop” by Ed Sheeran und Passenger, Mann sind die zwei klasse!). Und diese wunderschöne Ballade von Fabienne Louves und Marc Sway erfüllt mir heute mittag Herz und Ohr. Herzlich wie eine stürmische Umarmung, ein Dopamin- und Adrenalinschub zum Anhören so quasi und auf alle Fälle ein fantastisches Stück Schweizer Mundartrock.
Das Knutschvideo muss man sich ja nicht unbedingt ansehen…

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