ein Bild erzählt: dazwischengeschoben

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Abend-Genuss auf der Couch. Ich koche mir Tee (Grüntee), knabbere Sirupwaffeln (alle schon weg, als ich dieses Foto hier knipse), hieve den Strickkorb neben mich aufs Sofa und blättere eine Weile durch die beiden Hygge-Wohnbücher, die Kind1 mir aus der Leihbücherei mitgebracht hat. (Das hier finde ich ganz nett, das hier hingegen gefällt mir gar nicht, keines von beiden würde ich auch wirklich kaufen. Ein Hoch aufs Bücher-Ausleihen!)
Bevor ich Platz finde für meinen Kram, muss ich einiges beiseite schieben und so die eigens und sehr liebevoll für unsere Puppen und Plüschtiere gedeckte Mittagstisch-Szenerie ruinieren. Meine Kleinste hat heute nachmittag extra “Pfannkuchen” gebacken (das wären dann die Spitzendeckchen) und sonstwie Kulinarisches aufgetischt (Filzbällchen in Eichelhütchen, mein Mädchen hatte diesen Herbst so eine Phase, nachdem wir während eines stürmischen Herbstspazierganges viele ausserordentlich schöne und grosse Eicheln gesammelt hatten). Ich bin ganz entzückt,wie ausdauernd und seelig meine Kleinste nun spielt. Sie und ihre 3 Jahre ältere Schwester sind ein prima Puppenmutti-Team geworden, und wenn sie sich nicht gerade in den Haaren liegen (mein armes Kindergartenmädchen hat schon ein ganz vernarbtes Gesicht- und meine Kleinste offenbar zu lange Nägel *hüstel*), können sie stundenlang in ihrer heilen Kuscheltierwelt versinken. Die grässlichen Picknick-Teller, die sie heute aber aus den Tiefen des Geschirrschrankes ausgegraben haben, die müssen wieder weg. Ich mag keinen Kunststoff. Sie schon. Die kleinen Holzteller- und Becher, aus denen ihre plüschigen Liebsten normalerweise zu speisen pflegen, finden sie aber auch ganz nett, wahrscheinlich konnten sie die in ihrem ganzen Spielchaos einfach nicht finden.
Das Braune dort hinten in der Tischecke, wäre das vor Ewigkeiten angefangene und dann frustriert beiseite gelegte Kleidchen “Rosa”. Noch immer finde ich es allerliebst, und jetzt, da ich immerhin zum zweiten Mal an einer Jacke mit verkürzten Reihen gearbeitet habe, ohne dass es dramatisch wurde, traue ich mir einen neuen Anlauf langsam zu. Der Kragen meiner “Canvas Cardigan” wurde fertig heute (was aussieht wie ein Zahnstocher ist die abgebrochene Spitze meiner Olivenholz-Rundnadel!), vielleicht schaffe ich noch eine der beiden Knopf-Knopfloch-Leisten, wenn ich mich spute, und sobald ich fertig bin mit dieser Wolljacke (jey!), könnte ich mich ans Wegstricken alter Strickkörbchen-Hüter machen. Das liegt mir schon lange auf dem Magen, all das Zeug, die angefangenen Projekte oder kaputten Sachen und zerschlissenen Kleider, die ich längst schon in Ordnung bringen wollte. Bevor ich etwas ganz Neues anschlage, sollte ich vielleicht wirklich Tabula Rasa machen. Wenigstens in Sachen Woll-Projekte…

PS. VIELEN DANK für all die süssen Geburtstags-Glückwünsche! Ich habe mich sehr gefreut, so nette Zeilen unter meinem letzten Post vorzufinden und alles quasi dauerlächelnd gelesen…

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good times

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Ach ihr Lieben… Ich hatte den weltbesten aller Geburtstage, enspannt und frei und ungezwungen und voller liebevoller Gesten von allen Seiten. Da gab es kleine, ganz wunderbare Geschenke von lieben Menschen in meinem Leben; eine extra für mich beim Töpfer bestellte wunderschöne, weisse Tonschale, einen zauberhaften Laubsäge-Eisvogel gemacht von Kind2, kunterbunte Sockenwolle, selbst gebrannte Zuckermandeln und ein volles Mittagsmenü mit der leckersten Tomatensauce, die ich je gegessen habe von Rita, diesem Schatz. Eine meiner Schwestern brachte süsse Schnittchen, eine andere hat sogar gestrickt für mich (ihr Erstlingswerk!), und die Mädchen haben gezeichnet und bebastelt und mich in Liebe fast erstickt. Herr Kirschkernzeit hat nachts um halb zwölf noch extra Kuchen für mich gebacken, die Original “Truffes Torte”, mein allerliebster Schokokuchen überhaupt, und sie war schlichtweg umwerfend gut, das reinste Pranilé zum Anschneiden (reicht für sicher 12 Leute!). Da kam auch ein Buch mit der Post (Merci, Kiki!!!), Agatha Christies’“Mord im Orientexpress” in der Originalsprache, versehen mit den besten Wünschen und lieben Grüssen. Ich habe diesen grandiosen Krimi bereits als Hörbuch gehört und in zwei verschiedenen Filmadaptionen gesehen, aber noch niemals auf englisch gelesen, was ich unbededingt nachholen möchte. Da ich Victoria Claytons wahrlich enttäuschenden Roman “Das Landhaus” endlich durch habe (irgendwie kindisch, dieses Buch), ist wieder Platz auf dem Nachttischchen, und ich stehe nun vor der süssen Qual der Wahl: Miss Read oder Agatha Christie? Oder doch noch einmal ein Buch von Clayton? “Sommerball” wäre dann das Vierte und letzte im Bunde und könnte meine mit jedem Buch kritischer werdende Meinung vielleicht nochmals revidieren, schliesslich mochte ich “Das Haus der Freundin” doch so irrsinnig gerne…
Ja, es war so ein schöner Tag, dieser Geburtstag. Hach. Ausschlafen, Kuchen, prächtige Geschenke -handgemacht fast alle, wie mir auffällt, oder dann etwas fürs Selbermachen, die Leute wissen, was ich liebe- und vor allem ganz, ganz viel Zuwendung und Liebe, in die ich warm eingemummelt einen herrlichen Tag verbringen durfte. Tatsächlich waren ich und mein Liebster ein paar wunderbare Stunden auf eigene Faust unterwegs- und haben langweilige Matratzen gekauft bei IKEA, hihi. Aber es war toll, mal wieder ganz in Ruhe schlendern zu können. Und ein friedliches Tète-ä-tète über Pommes und Salat zu zelebrieren. (Wer braucht schon Kaviar und Kerzenlicht?) Meine Mama hat derweil die Kinder betreut, ihnen Essen gemacht und später beim Kuchenessen den Besuch mit Kaffee versorgt und alles abgewaschen, was auch immer es abzuwaschen gab. (Sie ist ein Goldstück, ich weiss!) Ich fühlte mich wirklich rundum glücklich und verwöhnt von allen Seiten. Und sonderbarerweise scheint dieses Gefühl aufgehoben und den täglichen Pflichten ein Stück weit enthoben zu Sein noch ein wenig anzuhalten. Im Moment passt einfach alles- selbst dann, wenn nicht alles passt *zwinker*
Ich meine, obwohl ich heute an die fünf Stunden lang aufgeräumt und Wäscheberge dezimiert habe (am “heiligen” Sonntag! Keine gute Sache eigentlich. Da sollte an sich Zeit sein für anderes…), bin ich guter Dinge und dankbar für all das Gute, das mir in meinem Leben begegnet. Für warme Kinderrücken in meinem Bett. Oder den Krautsalat in meinem Kühlschrank. Für die Lindorkugeln, die der Herr Kirschkernzeit mit mir teilt, obwohl er es war, der sie beim Jassen gewonnen hat. Für Leuchtwesten und das warme, behaglich glühende Herbstfeuer im Chemine. Für das entzückende, kleine Bügelperlen-Pferdchen, das mein Kindergartenmädchen ganz alleine entworfen und gelegt hat (und ich heimlich schon für mich reserviert habe, vielleicht kriege ich es ja noch geschenkt, wer weiss?). Und für den zweiten Ärmel meiner “Canvas Cardigan”, dem einzig noch das Bündchen fehlt. Dann steht nur noch das Kragen-Knopflochband zwischen mir und einer wahrscheinlich ganz wunderbaren nachthimmelblauen Wolljacke…
Wenn das kein Grund zur Freude ist!

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by hand

Oje, dieser Post wird wohl nicht besonders ästhetisch ausfallen. Es ist oftmals dermassen November-dunkel, dass ich mit meiner simplen Kompaktkamera drinnen und bei Kunstlicht fotografieren muss, und meistens bin ich irgendwie im Schuss und ungeduldig und äuge bloss halbherzig durch die Linse, bevor ich ein-, zweimal abdrücke, weil mich das, was vor und rund um die Kamera herum geschieht, eigentlich voll und ganz in Beschlag nimmt. Kein Licht, keine Zeit, aber trotzem; hier ein paar Fotos der letzten Tage. Weil mir nachts um halb elf gerade danach ist.

DSC00994: Kerzen sind entstanden, gestern und heute, gemacht von meinen Kindern. Es sind acht Stück bisher oder so, in aller Ruhe im Dorflokal über grossen Kesseln voller heissem Buntwachs gezogen. Und alle tragen sie die Handschrift ihres eigenen kleinen Künstlers. Ich mag das.
Ich mag aber auch die Überraschungen. Wenn mein grosses Mädchen plötzlich mit einer blassrosa “Stachel”kerze heimkommt. Wo sie Rosa, Pink und Violett doch längst und mit Nachdruck abgeschworen hat. In Kombination mit der hellgrauen Kerze ihrer kleinen Schwester (die beim Kerzenmachen natürlich Hilfe hatte) finde ich exakt diese Farbe aber geradezu entzückend. Und die Kerze sowieso. :

DSC00988: Hierzu gibt es nur wenig zu sagen. Ich und meine Kleine, für ein Stündchen ganz unter uns, weil alle ausgeflogen sind (Schule, Freunde, Kerzenziehen) und die jüngste Maus im Bett liegt und den Nachmittag verschläft. Solche Momente sind selten. Genau wie die Tatsache, dass wir ihn mit einer Runde Brettspiel füllen, denn meistens finde ich ja hunderttausend scheinbar wichtigere Dinge, die ich “unbedingt noch rasch erledigen sollte”, bevor die Kleinste wieder aufwacht… So aber legen wir verrückte Labyrinthe und geniessen die Nähe und Ruhe.
(Ach ja, noch was: “Miss Read” endlich doch noch ist angekommen! Ich freu’ mich aufs Lesen und Blättern! Zuerst muss ich mich aber noch durch mein aktuelles und drittes Clayton-Buch, “Das Landhaus”, durchackern, das mir ganz unerwartet überhaupt nicht gefällt. Ich bin regelrecht schockiert über den unverhohlenen Sexismus, den die Romanfiguren völlig unkritisiert leben und kann emotional keine Wurzeln fassen, weil die Geschichte zwar angeblich in den 70ern spielen soll, sich aber stellenweise anfühlt wie feudalistischstes Mittelalter. Und die aufgesetzt wirkenden und oftmals absolut sinnlosen hochphilosophischen Diskurse der Protagonisten langweilen mich so langsam. Da war “Das Haus der Freundin” um Welten besser. Und auch “Der Garten der Fortuna”, der mich zum Schluss ja leider etwas enttäuscht hatte, mochte ich ganz klar lieber. Mal sehen, wie’s weitergeht. Noch bin ich nicht weiter als im letzten Drittel, da ist doch noch einiges möglich…):

DSC00987: Kind2 hat sich ein wenig angesteckt bei seinen Schwestern und legt gerade ebenfalls bügelperlenfiebrig eifrig Bügelperlenbilder. Allerdings sind seine Figuren eher weniger malerisch und entbehren dem Niedlichkeitsfaktor der schwesterlichen Pferdchen und Eulengebilde. “MineCraft”-Kreaturen sind das, glaub’ ich, oder so. Aber Kunst soll ja immer aus dem Herzen sprechen und ausdrücken, was einem gerade beschäftigt, fasziniert, lockt oder sonstwie nicht los lässt.
Das hier ist erst die erste Figur von mittlerweile drei sonderbaren Pixelwesen, an denen er mit ungeahntem Feuereifer arbeitet und sich jeweils riesig freut, wenn sie gebügelt und fixfertig vor ihm liegen. Erkennen kann ich zwar nicht viel, aber nun ja, jeder nach seiner Fasson. Kinder mit derart unterschiedlichem Temperament und grundverschiedenen Charkteren und Interessen zu haben, ist nicht immer einfach für mich. Aber ganz bestimmt spannend und hochgradig horizonterweiternd. :

DSC00981: Die Torte! Bitte verzeiht das grässliche Foto, aber die Bilder, die ich ursprünglich geknipst hatte, bei nachmittäglichem Tageslicht damals noch und weit weniger zermantscht und ruiniert, lösten sich buchstäblich in Luft auf, weil ich ganz vergessen hatte, einen Chip in die Kamera zu einzulegen *hüstel*. Also musste ich das allerletzte Stückchen Torte nochmals fotografisch festhalten, bevor es in irgendeinem gierigen Mund verschwand, denn ich fand es so nett von Herrn Kirschkernzeit, dass er neulich für uns gebacken hat, und erst noch Schwartwäldertorte mit Schokoladenüberzug, was so was Herschaftliches und Feierliches an sich hat. Männern, die kochen oder backen, konnte ich noch nie wiederstehen. Und Kuchen mit Schokolade schon gar nicht. :

DSC00984: Oh… Post von “Tiny Happy”! Als ich diesen Blogbeitrag von ihr las, musste ich mir sofort eine Kleinigkeit bei ihr bestellen. Für jemand Liebes als Geschenk. Oder für mich selber, so als Seelenschmeichler, wenn nur noch ein schwarzsamtenes Projektbeutelchen Trost zu spenden vermag. Ich liebe Melissa Wastneys Sachen. Sie hat ein unglaubliches Gespür für sanftes Understatement, harmonische Töne und kleine, charmante Eigenwilligkeiten, wie die hauchfeinen Fäden, die gepressten Blumen im Geschenkanhänger und das rezyklierte Schnittmusterpapier, mit dem sie ihre Sachen immer liebevoll und sehr persönlich verpackt. :

DSC00964: *Schmachtschmelzschatz* An diesen handgemachten, winzigkleinen roten Kirschen und grünen Äpfelchen meiner Kleinen kann ich mich einfach nicht sattsehen. Sind sie nicht schnucklig?! Sie hat sie aus kleinen Papierstückchen so quasi mit ihren kleinen Händchen gepresst und mit Klebestreifen fixiert und verfüttert sie nun leidenschaftlich gerne an ihre Schmusetiere oder ihren geliebten und mittlerweile schon arg abgeblätterten Gummi-Pokémon-Mini-Schiggy, ein Fund in der Wühlkiste des Trödlers. Vor Jahren schon. Und nicht unbedigt waldorfadäquat schön. Aber der hat’s ihr angetan und sie bleibt ihm treu, wie es scheint. Was ja an sich eine gute Sache ist, das mit dem Treusein.
Ich glaube, diesen Dingerchen werde ich auch treu sein und sie auf ewig aufheben. Auch wenn sie bloss aus Papier sind und eigentliche Momentan-Kunstwerke, wenn man so will. Aber ich finde sie einfach zu süss! Und dann all die Erinnerungen… :

Voilà. Sechs Fotos. Es sind Bilder von Handgemachtem und vom Hand-Werk per se, wo gespielt, gebastelt, gebacken und genäht wurde. Meist gar nicht von mir, das überrascht mich jetzt selber, aber irgendwie freut es mich auch, denn ich finde es schön, anderen beim Kreativsein zuzusehen oder Dinge in mein Leben einzubauen, die jemand anderes mit Liebe und Sorgfalt hergestellt hat. Von Hand. Alles ist besser, das in seiner Entstehungsgeschichte Handwärme und den einen oder anderen Fingerabdruck abgekriegt hat. Das erst verleiht ihm wohl den… ganz persönlichen Touch.

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Dies und das

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Fast neun Uhr abends. Wenn ich Glück habe, schlafen die Mädchen jetzt. Meine Kleinste liess ihren Mittagsschlaf heute aus, und ich hatte überhaupt nichts dagegen einzuwenden, denn die letzten Tage wurde es wahnsinnig spät mit ihr (halb elf oder so), weil ich es nachmittags einfach nicht übers Herz brachte, sie aus ihrem Nickerchen zu wecken. Neun Uhr ist okay, mehr noch; es ist wunderbar, weil noch ein rechtes Restchen Abend übrig bleibt, in dem sich einiges stricken lässt, so die eigenen Kräfte es erlauben (und sofern die aktuelle Stelle im Roman nicht so spannend ist, dass ich gleich bei den Kindern im Dämmerlicht im Bett hängen bleibe). Natürlich wäre halb neun noch wunderbarer. Und acht Uhr schon unverschämt grossartig.
Nun gut.
Mein letzter Eintrag liegt ein paar Tage zurück, was damit zu tun hat, dass ich häufig zu schlapp war fürs Schreiben und ohnehin nicht recht wusste, was ich hätte erzählen können. Manchmal habe ich einfach nicht viel zu sagen. Die Tage waren grau und kalt und immer ein bisschen schwermütig und einerlei. So schwermütig, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als Packungsweise Wäsche und andere Textilien zu färben, um meinem Tag wenigstens ansatzweise so was wie kreativen Flow zu verpassen. Auf der anderen Seite gab ich Vollgas in Sachen Jackenstricken, was tatsächlich eine Freude ist; gerade jetzt bin ich beim zweiten (!) Ärmel meiner blauen “Canvas Cardigan”, wobei ich sowohl die Ärmel als auch den Körperteil länger mache als in der Anleitung angegeben. Ich brauche einfach etwas Warmes, Kuscheliges, jetzt wo die Tage immer fröstliger werden. Die ganze Zeit über sehne ich mich schon nach etwas so richtig mummelig Warmem, in das ich mich einlullen kann, wenn ich morgens todmüde in einem eisigen, alten Haus runter in die Küche tappe, um mir meinen Morgenkaffee zu brauen. Gerade die Morgen sind so hart. So früh und ungnädig. Und dann jedes Mal der Aufbruch mit zwei kleinen Kindern raus in die herbstlich graue Kälte *brrr*. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich darauf brenne, dieses Jackenprojekt endlich abzuschliessen und reinschlüpfen zu können…!
Um ehrlich zu sein, habe ich die unendlich vielen Runden glatt rechts auch langsam ein wenig satt. “Anja” lockt sirenengleich, was kein Wunder ist nach so vielen Stunden blauer Wolle und rechten Maschen bis zur Unendlichkeit. Um mir Mut zu machen, habe ich schon mal eine Maschenprobe mit dem dafür reservierten Alpaca-Garn gemacht- und dabei Feuer gefangen, voll und ganz. Das naturfarbene, braune Garn von “Alpacacolor” ist ein absoluter Traum von Wolle! So wahnsinnig soft, richtig halsschmeichlertauglich und wunderbar naturbelassen. Dass jeder Knäuel von A bis Z hier in meiner Heimat hergestellt wird und von garantiert “glücklichen”, liebevoll umsorgten Tieren stammt, macht den eher hohen Preis für mich absolut wett, denn nachhaltiger, gesunder und fairer geht es nun wirklich nicht mehr, oder? Jedenfalls freue ich mich wie verrückt darauf, eines Abends dann in meine neue, blaue Strickjacke gewandet auf dem Sofa zu sitzen und mich mit den herrlichsten Alpacagarnen an einem ersten Fair Isle Projekt zu versuchen.
Und sollte es nicht recht klappen, werden Pulswärmer daraus (die hier finde ich einfach hinreissend!).

Was könnte ich sonst noch erzählen?

Dass wir es heute ausnahmsweise mal wieder zur Kirche geschafft haben, aber derart knapp, dass für einen Kaffee keine Zeit mehr blieb, was mir Kopfschmerzen bescherte und ein ganz schummriges Gefühl (koffeinabhängig, zweifellos). Aber immerhin, wie waren da. Dass Herr Kirschkernzeit einen kleinen Quittenbaum in die Mitte unseres Gartens gepflanzt hat, wo er ganz zauberhaft aussieht und sogar noch Laub trägt, grün fast noch, während der Rest der Bäume mittlerweile praktisch kahl ist. Gestern und heute kam es mir vor, als würde es gelbe Flocken schneien, dabei waren es nur die Birken, die ihr Goldlaub an den Herbstwind verloren.
Dass ich mich jetzt schon freue auf die Schwarzwäldertorte, die mein Liebster gerade in der Küche nebenan zusammensetzt, obwohl dazu eigentlich kein Anlass besteht und er ohnehin schon zu viel um die Ohren hat, der Arme. Wobei, vielleicht sind gerade das ja die besten Gründe für eine opulente Torte?
Dass ich mich ausserdem freue aufs Weiterstricken heut abend und auf mein warmes Bett und meinen Geburtstag nächste Woche und darauf, dass die Sonne wieder scheint und das Laub ein letztes Mal schimmert wie goldene Konfetti, bevor der Regen es matschbraun färbt.
Mehr fällt mir jetzt nicht ein.
Nun ja, dafür, dass ich eigentlich nichts zu erzählen hatte, ist dieser Post hier ganz schön lang geworden…

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