Zur Zeit…

DSC_0649 DSC_0443Zur Zeit… fühle ich mich unsagbar wohl und zufrieden. Meistens jedenfalls. Manchmal werde ich zwar nervös und ungeduldig, kann den Feierabend und ein Zusammentreffen mit meinem Strickkörbchen kaum noch erwarten, doch meistens geht der Tag um, ohne dass ich recht weiss wie derart viel Zeit so unglaublich rasch verfliegen kann…
Eben noch waren die Beerenrabatten fast kahl und ich musste wirklich fast gewaltsam an mich halten, um nicht alle möglichen Blumen und Pflanzen in die vielen noch erdbraunen Lücken zu setzen- und nun? Grün, wohin das Auge auch blickt. Und alles, was zwischen den Sträuchern wuchs, ist bereits vom Blätterwerk verschluckt. Auch der Flieder ist schon verblüht. Das wenige, das überhaupt zum Blühen kam. Manches ist wohl noch als Knospe im letzten Frost erfroren, anderes gar nicht erst entstanden, denn dem Flieder geht’s nicht so gut, er ist hoch und dünnstielig und vielleicht allzustark ausgelichtet worden, wer weiss. Dabei habe ich Flieder so gern. Ich wünschte, ich könnte einen Garten haben rein aus duftenden Blumen und Büschen, so einen richtigen Parfumgarten. Eines Tages vielleicht, wer weiss…

DSC_0647 DSC_0637Zur Zeit… liebe ich es, zuzusehen, wie meine Kleinste ihre Reihen aufbaut. Aus allem, was sich gruppieren lässt. Ein Brio-Wagen neben dem anderen. Holztierchen nach Holztierchen. Stoffserviette an Stoffserviette. So wie es schon Tausende von Kindern vor ihr getan haben. Diese Wiederholung der Dinge empfinde ich als ungemein entspannend. Weil sie mir das Gefühl vermittelt, dass so wie es ist, alles ganz und gar in Ordnung ist, organisch gewachsen, stetig in natürlicher, gesunder Entwicklung, genau wie es sein soll und darf. In diesen Momenten scheint es mir, das mit dem Kinderhaben ist doch eigentlich gar nicht so kompliziert… (In anderen Momenten wiederum denke ich das Gegenteil. Dann meistens, wenn ich selber versage und wieder einmal sehen muss, wie viel ich selber noch zu wachsen und zu lernen hätte)

DSC_0632 DSC_0629Zur Zeit… bin ich keine grosse Küchenfee. Es gibt Phasen, da macht es mir nichts aus, jeden Mittag eine Stunde lang die Kelle zu schwingen und danach nochmals fast so lange das von mir angerichtete Chaos zu beseitigen, und dann wiederum… ist mir die Zeit dazu einfach zu kostbar. Weil ich gerade voll im Aufräumfieber bin zum Beispiel, so wie jetzt, und am liebsten bis kurz vor Zwölf noch den Jackenschrank aussortiere, Sachen wegpacke, weggebe oder soweit repariere, dass sie wieder mit gutem Gefühl getragen werden können.
In solchen oder ähnlichen Zeiten gibt es viel Spaghetti mit Gorgonzolasauce, schnelle, aber hoffentlich trotzdem rassige Tortillas oder Hörnli mit Hackfleisch und Apfelmus. Und im äussersten Notfall Sandwiches und Gemüse zum Dippen.
Dass ich es neulich am hellheiteren Nachmittag an den Herd geschafft habe, um Scones zu backen (meine allerersten!), hat mich selber wahrscheinlich noch mehr erstaunt als meine Kinder. Und sie waren -nach einem Rezept aus “Backen mit Leila”- nicht mal schlecht, sehr buttrig zwar, aber äusserst fein und deliziös, so mit geschlagener Sahne und Erbbeermarmelade.

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Zur Zeit… bin ich ganz verschossen in unseren winzigkleinen und an sich ziemlich langweiligen Garten. Nichts daran ist besonders fancy, im Gegenteil, unser Gärtchen sieht recht durchschnittlich aus, mit einer kleinen Gemüserabatte, schmalen Beerenstrauch-Borten, die die Meerschweinchenwiese flankieren, mit ein paar Blumensträuchern wie simplen Rosen, einem Flieder, dem einen oder anderen Obstbäumchen im Babystadium… Offensichtlich hübsch ist nur die Laube, die hat was Anziehendes, finde ich, aber auch so, in seiner ganzen Einfachheit, mag ich meinen kleinen Flecken Natur. Weil es meiner ist. Weil ich jedes Pflänzchen kenne, von klein auf, selbst das Unkraut, das ich jeweils kritisch beäuge, weil ich mir nie sicher bin, ob es nicht vielleicht doch wild versamter Mohn oder ein Akeleien-Nachkomme aus dem Beet meiner Nachbarin sein könnte… Na, jedenfalls macht mich mein Garten sehr glücklich. Gerade auch die momentane Ordnung, jetzt, bevor das Unkraut überhand nimmt und nach dem vielen, matschigen Braun des Früh-Frühlings, wo das junge Grün wirklich noch jung und frisch aussieht und damit irgendwie sauber und gekonnt und gesund, und das obwohl wir ja absolut keine Ahnung haben, wie man richtig gärtnert, sondern einfach irgendwas vor uns hinwursteln, ganz ohne Konzept und grosse Planung. Wahrscheinlich werde ich im Herbst, wenn ich definitiv noch mehr Tulpenzwiebeln pflanze, schon gar nicht mehr wissen, welche Farben ich wo schon gesetzt habe. Aber das wusste ich im letzten Herbst ja auch nicht, und ich fand es ziemlich spannend, die kleinen Stilleben spriessen zu sehen, die der Zufall im Frühjahr dann ergab. Schwarze und weiss-rot gestreifte Tulpen neben Rhabarber und Vergissmeinnicht zum Beispiel. Oder ein lichtes Meer aus Lila, Pink und Violett zwischen den -leider ganz braun gefrorenen- Hortensien. Mal sehen, was sich noch entwickelt…

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Zur Zeit… darf ich Tag für Tag beobachten, wie sich die lange Zeit eher introvertierte Kreativität meiner Zweitjüngste zur vollen Blüte entfaltet. Sie bastelt und werkelt, zeichnet und malt und hantiert eigentlich ununterbrochen mit allem, was ihr in die Finger kommt. Vom Pappkarton der Milchpackungen, aus dem sie einen fliegenden Drachen für ihre Lieblingstierchen zaubert bis zum Tulpenkelch, dem leider ein Stiel fehlte (den klebte sie kurzerhand in Papierform wieder an). Ein innerer Kritiker scheint noch nicht erwacht zu sein, darum gibt es so gut wie kein falsch oder geht-nicht, sondern einzig gut und noch besser. Diese Phase ist kurz und kostbar und ich geniesse jede Minute, in der ich Zeitzeugin dieser herrlichen Entwicklung sein darf. Ich weiss aber auch… bald werden andere Themen kommen. Kindergarten-Themen. Weniger Ich-mit-mir-selbst-Zeiten, in denen dieser kreative Strom fliessen darf dann wenn und solange sie es braucht, mehr Wir-Zeiten, in denen sie lernen muss oder darf, wie es ist, sich einzufügen in eine neue, fremd gesetzte Kindergruppe unter einem klar gesetzten Zeitplan. Auch das hat sein Gutes und ein grosses Potential, ich weiss. Es wird gut sein, so wie es kommt. Daran glaube ich. Jedem Thema seine Zeit, nicht?

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berührt: Lieblingsmoment

“Berührt” heisst für mich;
Ab und zu möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Neu angelegte Lavendelbeete (ich liebe Lavendel!), ein paar Rosen und dies und das. Neben mir ein behandschuhter Herr Kirschkernzeit über einer schon halb gejätete Rabatte, die auch die Nachbarin glücklich macht, weil ihre Rosen und Lilien nun nicht länger von unserem Unkraut zugewuchert werden und mich emotional entlastet, weil ich nicht länger mit einem schlechten Gewissen zu kämpfen haben werde, wenn ich zukünftig aus dem Küchenfenster schaue. Ein milder Frühlingswolkenhimmel zu Gummistiefeln und kunterblauem Jerseyjupe, genäht aus den T-Shirts meines Schwagers. Leuchtwesten fürs Profi-Feeling und eine neugierig zuschauende Pandabiene samt Löwenzahnkränzchen auf einem Kinderstuhl am Strassenrand. Und all das gemeinsam und zusammen, Arbeit und Freude nebeneinander und durch einander, freie Zeit, die sich sinn-erfüllt anfühlt.
Ich denke, das ist der Stoff aus dem rasch einmal Lieblingsmomente werden.

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Drachenkissen

Wenn die Pausen zwischen meinen Posts und die Lückenfüller immer einseitiger werden (Stichwort Handnähen *hüstel*), dann liegt das daran, dass das Wetter einfach zu herrlich ist und mein Alltag zu rundum geschäftig, um mich fürs Blogpostschreiben vor den Bildschirm zu verkrümeln. Das Wochenende war fantastisch, so warm und sorglos und wie Sommer, einfach wahnsinnig schön, schön, schön. Ich spüre jetzt schon, wie sich alles in mir löst und sich treiben lässt mit den Wolken am Himmelblau, Sommergefühle, wie Strohhüte und Schrebergärten. Und gleichzeitig hat mich etwas erfasst, das einfach noch so viel wie nur irgend möglich in Ordung bringen und hübsch herrichten will, bevor der Sommer wirklich eintrifft, vor den grossen Ferien, wenn alle zuhause bleiben für 5 Wochen und die Arbeit sich zu stapeln beginnt, so dass ich immerzu und permanent hinterherhinke und alle Hände voll zu tun habe, meine Knilche zum Mithelfen zu bewegen…
Na, jedenfalls, mir geht es fantastisch. Und fantastisch fühlt es sich auch an, wenn ich meine Todo-Listen wieder um ein Pünktchen abhaken kann: Jackenschrank ausmisten und sortieren? Jep. Meerschweinchenstall auswaschen und verschieben? Gemacht. Den Platz vor dem Haus gründlich wischen, von Spinnweben befreien und mit Hochdruck abspritzen? Bingo. Kühlschrank saubermachen? Endlich auch mal wieder erledigt. Das bemalte Kissen meiner Grossen nähen?…

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Et voilà! War mir ein Vergnügen.
Auch diesmal musste ein eigenes Kisseninlet zusammengeschnurpft und mit Rohwolle gestopft werden, und wieder habe ich mich auf einen simplen Hotelverschluss beschränkt, zusätzlich verstärkt mit zwei Knopflöchern, denn die Haare meines Mädchens sind inzwischen kurz geschnitten, kurz genug, dass Knöpfe an Kissen keine grosse Verheddergefahr mehr darstellen sollten.
Ihr Bild hat mich übrigens echt umgehauen. Es ist ein zweiköpfiger Drache, der einerseits Feuer, andererseits Wasser speit, Blau und Rot, Hitze und Kälte, beides nebeneinander. Ich mag den gebogenen Drachenhals und die kunterbunte Wolke, die mich unwillkürlich an den knalligen Riesenengel von Nikki de Staint Phalle in der Bahnhofshalle Zürich erinnerte. Es regnet Blau und Violett in Punkten, und der stachelige Riesenschmetterling passt wunderbar zur gefährlich verschrobenen Märchenstimmung.
Hach ja, mein Mädchen…
Ist es nicht erstaunlich, wie viel so ein Kinderwerk preisgibt vom jungen Menschen, der hinter Farbe und Pinsel steht? Wenn ich mir dieses Kissen so ansehe, erinnert es mich augenblicklich an sie, an ihre Wildheit und Eigensinnigkeit, die tiefen Gedanken und ständigen Fragen, an ihren feinen Sinn für jene Orte und Momente, wo es wichtig ist, sich anzupassen und einzufügen, und an ihren Mut, an anderen Orten und im anderen Kontext vollkommen anders zu sein, jungenhaft, laut, kreativ und explosiv. Sie kann so vieles sein. Und Gegensätze in sich perfekt vereinen. Fast ein bisschen wie dieser Drache, wie Feuer und Wasser aus zwei Seiten eines einzigen Wesens…

Veröffentlicht unter kreativ mit Kindern, Nähen, what makes me happy | 6 Kommentare

like Instagram 162

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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“Oh, wie toll!” wollte ich schreiben, “Handnähen ist einfach göttlich!”
Das war gestern morgen.
Gestern abend sah die Sache dann schon ganz anders aus, und darum schreibe ich nun das hier: Von Hand nähen macht wirklich irre viel Spass, eine echte Offenbarung, die mich trifft wie Amors Pfeil persönlich. Ich liebe es einfach und denke immer wieder so dankbar wie verblüfft, “Gottseidank habe ich meiner Nähmaschine verliehen”…
Aber das Kleidchen, an dem ich arbeite ( “Birdie Dress” aus “Sunday Sews”, ihr seht oben die Ärmelchensaumnaht) ist wohl das am schlechtesten beschriebene Kleidchenschnittmuster, das ich je in den Händen hatte. Ich habe bereits einen vollen Abend damit verbracht, mir darüber klar zu werden, die nun genau diese Rüschelchenärmel angebracht werden sollen und wie das aussehen soll mit dem Halsauschnitt.
Ganz klar ist es noch immer nicht, aber immerhin wittere ich eine Richtung. Und vielleicht bin ich auch einfach nur zu doof für dieses an sich so einfach aussehendes und ehrlich schnuckeliges Mädchenkleid…

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