grüner Leben: Natürliche Hautpflege mit Ölen und Essig

Für Lucy und alle anderen, die -wie ich- glauben, dass weniger auch in Sachen Körperpflege sehr viel mehr ist und das Einfachste oftmals das Beste, notiere ich hier zwei schlichte Rezepte für ein absolut natürliches Gesichtspflege-Programm. Sowohl die Reinigungs-und-Pflege-Öl-Mischung als auch die Gesichts-Tonic stammen von Rachel Wolf, die in 2016 in der „Taproot“ Ausgabe Nr.20 einen wunderbaren Artikel zu diesem Thema geschrieben hat.
Leider sind Magazine sehr kurzlebig. Auch die besten Inhalte verschwinden nur zu schnell wieder. Oftmals für immer. Schade eigentlich, denn diese Rezepte hier und überhaupt der ganze Pflege-Ansatz, den Rachel Wolf in ihrem Artikel beschrieben hat, hat mein kosmetisches Verhalten von Grund auf verändert…

Ich war schon immer der Meinung, dass unsere Haut im Grunde nicht viel braucht, sondern so geschaffen ist, dass sie ohne Hilfe „von aussen“ sauber, gesund und vital bleibt. Wasser und sonst nichts, war meine Devise. Leider aber hat vor allem meine Gesichts-Haut diesbezüglich einen ganz anderen Kopf als ich; Sie ist sehr trocken, sehr empfindlich, nur schon eine warme Dusche setzt ihr derart zu, dass mein Gesicht anfängt zu jucken und zu spannen und sofort trocken und schuppig wird. Mit herkömmlichen Cremes und Lotionen bekam ich zwar die Sache mit der Feuchtigkeit und Elastizität wieder in den Griff, meine seit jeher zu Unreinheiten neigende Gesichtshaut reagierte aber immer mit Pickelchen und Komedonen, und zwar völlig unabhängig von der Pflegelinie.
Ich habe wirklich alles mögliche probiert, von Billig-Linien (die sowieso nicht in Frage kamen wegen ihrer fragwürdigen Inhaltsstoffe und ökologisch wie sozial unschönen Fussabdrücken), über teure Bio-Pflanzen-Kosmetik-Hersteller wie Weleda oder Dr. Hauschka, bis hin zur Natur-pur-Variante, wo ich versucht habe, das Jucken und Schuppen einfach zu ignorieren und ganz auf die Selbstheilung meines Körpers zu vertrauen. Der Effekt war überall derselbe: Unreine Haut. Und ein irgendwie ungutes Hautgefühl.

Rachel Wolfs Technik setzt auf ganz andere Prinzipien, als die Kosmetik-Industrie uns normalerweise predigt: Statt unser überschüssiges Hautfett (bei fettiger Haut) und die Unreinheiten mit Reinigungsschaum oder sogar mit alkoholhaltigen Pickelwässerchen weg zu waschen, wird hier Öl eingesetzt, das die Haut gleichzeitig milde reinigt und mit Fett/Feuchtigkeit versorgt. Es wird nicht wirklich mit Wasser gewaschen, schon gar nicht geschrubbt und gerubbelt, damit auch ja alles sauber wird. Stattdessen lassen wir Wasserdampf sanft die Poren öffnen und befreien die Haut dann mit leichtem Tupfen von überschüssigem Öl und allfälligen Schmutzpartikelchen. Extra Pflege ist meistens nicht mehr nötig. Das verbleibende Öl zieht nach einer Weile ganz ein und macht die Haut weich und gewappnet gegen Einflüsse von aussen.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass meine Haut zur Pfirsichhaut mutiert hat. Nach wie vor kämpfe ich mit Unreinheiten und ja, sie ist nach wie vor schnell trocken und braucht zB. nach dem Duschen noch immer ein wenig Extra-Pflege in Form von ein klein wenig Gesichtsöl. Aber das Hautbild ist besser geworden. Die Pickelchen seltener und weniger ausgeprägt. Vor allem aber fühle ich mich wahnsinnig wohl mit dieser Art von Pflege; mehr im Einklang mit mir selbst und der Natur, meinem eigenen Körper näher. Das Ritual von Ölen, „Bedampfen“ und einer kleinen Massage, schenkt mir einen kurzen Moment des Innehaltens und Zur-Ruhe-kommens, das mir vor allem abends vor dem Schalfengehen wie ein wunderbarer, wohltuender Luxus vorkommt…

 

Gesichtsreinigung und Feuchtigkeitspflege (all in one sozusagen)

für ölige und unreine Haut:

  • 60 ml Rizinusöl
  • 120 ml Sonnenblumenöl
  • 30 ml Traubenkernöl

für trockene Haut:

  • 30 ml Rizinusöl
  • 150 ml Sonnenblumenöl
  • 30 ml Avocadoöl

Herstellen:

Gib alle Öle in ein Glas und mische alles gut. Fülle die Mischung in ein gut schliessendes Marmeladenglas oder in eine Glasflasche mit Decke und hebe sie griffbereit in deinem Badezimmer auf.
Lagern im Kühlschrank ist nicht nötig und auch nicht zu empfehlen (*brrr*).

Verwenden:

Binde dein Haar aus dem Gesicht und gib ein wenig deiner Ölmischung (ca. einen halben bis einen Tl) auf deine Handfläche. Tupfe jeweils mit den Fingerspitzen ein bisschen davon auf deine trockene Gesichtshaut und arbeite dich mit feinen Massagebewegungen vom Kinn hinauf zu deiner Stirn.
Stelle nun das Wasser auf heiss, mache einen Waschlappen (Frottee empfohlen) nass und wringe ihn so aus, dass das Wasser nicht mehr heraustropft. Lege ihn auf dein Gesicht. Er sollte schön warm sein, aber nicht schmerzend heiss. Schliesse die Augen. Jetzt darf dein Gesicht sich unter dem Dampf etwas entspannen. Tupfe dann einen Teil des Öls sorgfältig und vorsichtig von deiner Haut; du solltest nicht reiben und dein Lappen nur feucht sein, so dass er nicht mehr eigentlich wäscht, sondern eher aufsaugt. Wenn du deine Haut zu ölig findest, warte einen Moment. Das Öl zieht noch ein. Sonst wiederhole den Vorgang einfach nochmals, solange es sich gut anfühlt.

Du benutzt dieses Öl jeweils je nach deinem Gefühl immer morgens oder abends oder gleich zweimal am Tag. Ich massiere das Öl auch immer vor dem Duschen ein, dusche dann wie gewohnt und tupfe mein Gesicht nur noch trocken.

Apfelessig-Gesichts-Tonic

Zutaten:

  • 30 ml Zaubernuss (Witch Hazel)
  • 180 ml destilliertes Wasser
  • 60 ml Apfelessig (vorzugsweise naturbelassen unpasteurisiert)
  • 4 Tr ätherisches Lavendelöl (optional)
  • 1 Tr ätherisches Weihrauchöl (optional)

Herstellen:

Gib alle Zutaten in eine Schüssel bzw einen Messbecher und schüttle sie gut. Jetzt kannst du sie zum Gebrauch in ein verschliessbares Marmeladenglas oder eine Glasflasche mit Deckel umfüllen. Stelle die Mischung dorthin, wo du dein Gesicht jeweils reinigst.

Benutzen:

Reinige zuerst dein Gesicht wie gewohnt mit dem Pflegeöl. Schüttle die Tonic vor dem Gebrauch kurz durch und benetze dann einen Wattebausch oder ein Tüchlein damit, so dass es schön nass ist. Jetzt „wäschst“ du deine Haut sanft und in kreisenden Bewegungen vom Kinn bis zur Stirne, vor allem dort, wo sie unrein ist oder Pickelchen blühen. Wichtig ist, dass du niemals rubbelst, denn das reizt deine Haut nur unnötig.
Wenn du jetzt das Gefühl hast, dein Gesicht würde spannen und die Haut mehr Feuchtigkeit brauchen (bei mir ist das immer der Fall), dann kannst du mit den Fingerspitzen nochmals ein klein wenig Öl einmassieren.

Diese Tonic befreit die Haut von abgestorbenen Hautschüppchen, verengt die Poren, hilft Akne auszuheilen und schafft eine gute PH-Balance. Sie ist besonders hilfreich bei entzündeten Pickeln, weil sie sanft desinfiziert.

Benutze die Tonic jeden Tag morgens oder abends, falls du unter stark unreiner Haut (Pickeln) leidest. Einmal die Woche bei trockener Haut. Oder einfach mehrmals die Woche, je nach Bedarf. Ich merke, dass ich sie vor allem im Sommer öfter benutze und im Winter bei trockener Heizungsluft wieder eher weniger.

Etwas vom Wichtigsten finde ich, dass du deine Haut beobachtest und auf ihre „Sprache“ hörst. Sie sagt dir, was sie braucht. Lass dich von deinem Körper führen. Ich finde, diese Art von Gesichtspflege ist ein schöner, einfacher und hilfreicher Weg, die Beziehung zu deinem Körper und seinen Ausdrucksformen zu intensivieren.

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7 Sachen

In Erinnerung an Frau Liebes wunderwunderschönen, einzigartig kreativen und humorvollen Blog seinerzeit, wo sie mit ihren „7 Sachen“-Posts ein kleines Unikat kreierte, das mir eigentlich immer allein schon beim Lesen sehr viel Spass gemacht hat… Leider hat Frau Liebe das Bloggen an den Nagel gehängt. (Glaube ich) Und sich anderen, bestimmt auch sehr kreativen, lustigen und sinnvollen Dingen zugewendet. Velleicht kommt sie ja irgendwann mal wieder zurück ins Bloggerland, wer weiss…
Auf jeden Fall ist mir heute gerade sehr nach „7 Sachen“. Nach ein paar wenigen Worten und raschen Fotos von lauter Sachen, wo meine Hände im Spiel waren. Hände braucht man ja eigentlich ständig als Mensch. Die Ruhen kaum einmal. Bei uns Strickerinnen sind sie sogar beim Hörspiel-Hören oder Netflix-en geschäftig in Bewegung und bringen Schönes hervor, wo immer sie ans Werk gehen.
Ich mag Hände. Besonders die Kräftigen, denen man das Arbeiten und ihre Wirksamkeit ansieht. Oder die Zarten, die man einfach nur halten möchte. Und Baby- und Kinderhände sind mitunter das Süsseste, was es gibt auf der Welt…
Hier aber waren meine Hände am Werk. Und die sind nicht besonders vorzeigbar. Ich hatte immer schon alte Hände, mit vielen Falten und starken Adern, die sich klar hervorheben. Schön sind sie bei weitem nicht. Das waren sie noch nie. Aber sie können arbeiten und festhalten, streicheln und -immer besser auch- loslassen.

Heute haben sie zum Beispiel das hier getan…

Noch einen Vorhang genäht fürs grosse Badezimmer. Jetzt sieht keiner mehr rein. Und keiner mehr raus. Aber das ist mir einerlei; lieber keine schöne Aussicht, dafür entspannt nackig im Bad rumwatscheln.

Einen Mini-Vorrat Gesichts-Tonic gemischt. Aus Apfelessig, destilliertem Wasser, Witch Hazel, Lavendel- und Weihrauch-Öl. Das Rezept und überhaupt die ganze Taktik mit der Öl-Gesichtsreinigung und der selbst gemachten Tonic habe ich aus einer alten Ausgabe von „Taproot“, und Leserin Lucy, die Arme, hat schon vor bald 1 Monat nach einer kleinen Anleitung gefragt… Liebe Lucy, verzeih die lange Wartezeit! Gerade habe ich aber Fotos geknipst und nehme mir nun vor, den nächsten Post der hausgemischten Gesichtspflege zu widmen…

Ein paar Löffel Holunderbeer-Sirup mit Gewürzen aus dem Hause Mamaniflora genascht. Für gute Abwehrkräfte, jetzt da gleich mehrere Kinder hier bei mir krank geworden sind und meine Füsse gar nie richtig warm werden vor lauter Winter. Nicoles Sirup ist wunderbar. (Genau wie Nicole selbst!) Ich wünschte, mein Vorrat würde nie zur Neige gehen…

Mütze fertig gestrickt. Nochmals eine klassische Purl-Bee-Variante, diesmal aus einem Strang „Tosh DK“, mit dem ich sonst einfach nichts anzufangen wusste. Vielleicht werde ich sie tragen. Vielleicht wird aber auch ein Kirschkernzeit-Giveaway daraus… (Gibt es vielleicht jetzt schon jemanden, der sich Hals über Kopf in diese Farbe verlieben könnte?)

Pinnwand geleert, alle Zeichnungen ordentlich in Boxen geräumt und bereits die neuesten Highlight-Kreationen angepinnt. Der Platz wird rasch knapp werden. Das sehe ich schon jetzt. Besonders freut es mich ja, dass jetzt meine Kleinste auch hier „ausstellt“. Die untere 4er-Reihe mit schwarzen Kugelschreiber-Portraits ist von ihr. Und ich finde sie klasse!

Den Schnupfennasen-Kindern ein Erkältungsbad eingelassen. Mit ätherischem Öl in etwas Honig und Sahne emulgiert. Hinten wäre übrigens einer der neuen Vorhänge zu sehen, für die ich so wahnsinnig dankbar bin. Ich schätze, auch die wären einen eigenen  Vorhang-Post wert, oder?

Waschmittel gemacht. Mache ich eigentlich gar nicht gerne, und weil ich die Flasche kurz vor dem Fotografieren nochmals geschüttelt habe, damit alles homogen bleibt und nicht zu Pudding wird, sieht das Ganze erst noch ziemlich unschön aus. Aber sobald die Arbeit getan ist, bin ich vollkommen zufrieden mit mir und der Welt.
Waschmittal machen ist doof. Selbstgemachtes Waschmittel haben hingegen ist klasse.

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Zur Zeit…

… ist es fürchterlich grau und oftmals auch mitten am Tag so dunkel, dass ich auf die Uhr schauen muss, um mich zu vergewissern, dass nicht bereits der Abend anbricht. Es ist intensiv dezemberlich, dezemberlich in dem Sinne, dass das Licht tatsächlich an allen Ecken und Enden fehlt und die Natur sich -sogar ganz ohne Frost und Schneedecke- still und regungslos zum Winterschlaf niedergelassen hat. Alles ist langsam. Nichts wuselt oder hetzt oder spriesst oder wächst oder schlägt sonstwie Kapriolen.
Gerade habe ich eine Lampe auf meinen kleinen, alten Schreibtisch im lila Zimmer gestellt und ein langes Kabel gezogen, damit ihr Licht auch brennen kann (im mittleren Stock gibt es nur wenige Steckdosen). Jetzt schreibe ich in ihrem wunderbar warmen Schein und finde das wahnsinnig behaglich…

Zur Zeit … lese ich auch wieder. Ein neu erschienenes Buch, das mir meine Schwester A. zum Abschluss ihres „Book-and-Food 2018“- Geburtstagsgeschenkes vom letzten Jahr gegeben hat; jeden Monat habe ich heuer jeweils ein Buch und zum Beispiel selbst gebackene Kekse oder Pralinen oder Tee oder einmal sogar einen hausgemachten Dreikönigskuchen von ihr gekriegt, meist passend zum Thema und immer total delikat. Es war ein absolut grossartiges Geschenk, Bücher und Essen, auf das ich mich jeden Monat vorfreuen konnte- und sie gleich mit, denn die meisten Bücher habe ich ihr dann ausgelesen wieder zurück gegeben, damit sie sich auch noch durchlesen konnte *zwinker* Das Besondere an dieser Art von Geschenk ist ja auch, dass man mindestens einmal im Monat irgendwie in Kontakt kommt. Vielleicht via Paketpost, vielleicht persönlich oder über einen Zwischenkontakt, der Buch und Co. überbringt, so oder so schafft es eine wunderbare Verbindung und gibt erst noch Gesprächsstoff, weil man sich nachher ausführlich über Rezepte oder die (gemeinsame) Lektüre austauschen kann. Man muss auch gar nicht unbedingt neue Bücher wählen: meine Schwester hat mir zwischendurch auch Bücher eingepackt, die sie gratis in der Bücherkiste ihres Hausblockes fand. Oder einfach ein Buch, auf das sie selbst schon schrecklich neugierig war und es unbedingt haben musste. Manchmal wurde dazu gebacken und gekocht, dann wieder war die Zeit einfach zu knapp und es kam ein süsses Mitbringsel aus ihrem Kurzurlaub dazu…
Bei diesem letzten Buch hier, „Die Reise der Amy Snow“, bin ich erst ganz am Anfang, aber der Schreibstil ist wirklich schön, so elegant und überlegt und zurückhaltend und fast gar nicht kitschig, was mich sehr freut. Die perfekte Winterabend-Lektüre zwischen Strickzeug und Tee und einer Extraschicht Bettdecken. Ich freue mich drauf!
Auch wenn es schade ist, dass mein „Jahres-Abo“ damit bereits wieder vorbei ist… *snif*

Zur Zeit… ringe ich Tag für Tag aufs Neue mit mir und meiner Trägheit und gebe mein Bestes, mich wenigstens für ein halbes Stündchen an die Nähmaschine zu setzen: Seit Ewigkeiten hängen hier nämlich keine Gardinen an den Badezimmerfenstern. Sondern bloss mit Wäscheklammern angepinnte bunte Seidentücher, die es einem unmöglich machen, die Fenster zu öffnen, ohne sie gleichzeitig zu enthüllen.
Das. muss. sich. endlich. ändern.
Ende letzter Woche habe ich darum Stoff bestellt. Double Gauze. Damit Licht durchkommt, aber kein Blick rein, selbst nachts nicht, wenn innen drin Licht brennt und draussen vor dem Fenster die Autos mit Scheinwerferstrahl an uns vorüberfahren. Diesen Print hier, „En Garden“ von „Nano Iro“ finde ich traumhaft romantisch, und sein Cremeweiss harmoniert fantastisch mit den eierschalefarbenen Plättchen im Bad *schmacht*. Einen Vorhang hab ich jetzt immerhin. Mein Tagessoll für heute ist getan.

Zur Zeit… könnte ich permanent essen. Suppe am liebsten, ganz dick, mit Hafer und Lauch und Spinat und Zwiebeln und Grünzeug aller Art drin. Oder Plätzchen. Die gehen immer, zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Ganz so bunt und glitzersüss wie auf dem Foto werden diejenigen, die ich mit den Kindern mache, bzw machen will, aber nicht. Ich bin weniger der Streuseltyp, mehr so ein… Plätzchen-Purist, würde ich sagen. Aber trotzdem war es wunderbar, wie meine Mama neulich hier die Küche in die reinste Weihnachtsbäckerei verwandelte und mit meinen drei Mädchen Stunde um Stunde Teig knetend und Guetzli verzierend in Erinnerungsgold verwandelte.
Omas sind so wertvoll. Unbezahlbar.
Darum sind auch diese bunten Mailänderli -die allerersten Weihnachtskekse der Saison- in meinen Augen einfach unschlagbar gut und schön geworden. Nicht nur das Auge isst mit. Das Herz tut es auch.

Zur Zeit… fühle ich mich richtig wohl in dieser ruhigen, unaufgeregten Blase, in der wir uns befinden. Wir haben das Weihnachtswichteln einmal mehr ausfallen lassen. Planen nichts, müssen nichts, kennen keine Hektik (ausser morgens, wenn alle zur Schule sollen und keiner es will und alles aus dem Takt gerät). Es kommt mir völlig richtig vor so. Rund und natürlich. Irgendwie scheinen alle gerade vor allem eines zu brauchen: Gelassenheit. Pausen. Geborgenheit. Und ich spüre, dass sich genau diese Dinge momentan recht fliessend und ganz von selbst einfinden, solange ich selber mehr als nur einen Gang zurück schalte und mich nicht unter Druck setze mit einem kreativen Projekte-Rausch oder dem unsinnigen Gedanken, unser Haus und unseren Alltag unbedingt „weihnachtlich“ gestalten zu müssen.
Mir ist es weihnachtlich genug: Die Bienenwachskerze auf unserem Küchentisch brennt praktisch ununterbrochen. Jeden Tag hänge ich einen Strohstern mehr an das feine Leinenband über dem Buffet (ein Kalender von meiner Freundin Susi aus dem Dorf). Wir essen Weihnachtsguetzli (ich sollte mich wohl dringendst um Nachschub kümmern, das Kind auf dem Foto isst übrigens auch gerade so einen rosa Keks) und winterliche Dinge wie Datteln, Mandarinen, Haferkern-Suppe und Rosenkohl. Es wird viel gelesen. Hörspiele werden gehört, ab und zu ein Spiel gespielt (noch immer zu selten, ich gebe es zu), und die Kinder spielen oder zeichnen oder machen Hausaufgaben, während ich wieder ein Zimmer aufräume. Es klingt alles sehr idyllisch. Und obwohl wir ganz ehrlich meistens alles andere sind als eine idyllische, ruhige, gesittete Familie, stimmt es für einmal sogar: im Augenblick scheint die Idylle wirklich zum Greifen nah, sogar bereit den einen oder anderen Moment zu verweilen…

 

 

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Jahreszeiten, this moment, what makes me happy | 5 Kommentare

tanzende Papier-Engelchen

Vor ein paar Tagen erst war ich in der Drogerie (Schnupfennasenzeit!) und bekam beim Bezahlen meines Nasensprays nebst der Quittung noch einen Zettel in die Hand gedrückt. „Wir suchen Weihnachtsengelchen für unser Advents-Schaufenster. Bastel uns doch eines! Es winkt dir auch ein kleines Geschenk. Als Dankeschön“, war darauf zu lesen. Also nicht wortwörtlich, aber sinngemäss.
Ich fand die Idee sehr süss; ein Schaufenster voller Kinderkunst, wer könnte da schon nein sagen? Und natürlich waren meine drei Mädchen sofort sehr angetan vom Gedanken an ein Überraschungsgeschenk. Ein Bastelengel gegen eine Wundertüte? Deal!

Normalerweise mache ich um Bastel-Sessions mit meiner wilden Bande einen ziemlich grossen Bogen. Auch wenn mein Blog vielleicht einen anderen, einen besseren und souveräneren Eindruck vermittelt (also nicht dass ich den beabsichtigen würde, aber solche Sachen haben manchmal ein Eigenleben), bin ich rasch überfordert und überreizt, wenn es darum geht, mit meinen Kindern konzentriert am Tisch zu sitzen und gemeinsam etwas Schönes zu erschaffen; den Turbulenzen, die daraus entstehen, bin ich einfach nicht gewachsen. Und Führungsqualitäten habe ich so gut wie gar keine. Ich mag ein dankbarer und begeisterungsfähiger Mitmacher sein, aber kein Anreisser und  Veranstalter.
Dass wir es diesmal dennoch an den Bastel-Stubentisch geschafft haben, verdanke ich einzig und allein meinem grossen Mundwerk: Natürlich hatte ich in der Drogerie -Zettel und Quittung noch in der Hand- grossspurig sofort unsere Mithilfe garantiert und meine Töchter bereits erfolgreich geködert. Nun gab es kein Zurück mehr.
Augen zu und durch also!
Ich weiss, den Fotos nach zu urteilen, sind es bloss papierene Minifiguren geworden, klein genug um keine Arbeit zu machen, und eigentlich ja mehr so ein… Gebastel, nichts Grossartiges. Aber ich sagen euch; wir sind den ganzen Nachmittag da dran gesessen! Haben geschnitten, gezeichnet, mal mit Pinsel Farbe verstrichen, mal Lametta-Haare geklebt (Mein Part. Ein unsägliches Gefummel! Meine Finger trugen nachher Lametta-Perücken!). Zum Schluss, als alle Engel fertig bemalt, trocken und vollständig waren, wurden sie an eine Papierspirale geklebt und mit einem bunten Faden versehen; wenn man sie nun über der Heizung am Fensterrahmen aufhängt, beginnen sie sich durch die aufsteigende, warme Luft ganz von alleine sachte zu drehen, immer im Kreis, wie eine Ballerina oder Schlittschuh-Läuferin. Die Mädels waren schwer beeindruckt.
Die Verkäuferin in der Drogerie übrigens auch. Sie hat sich diese Idee gleich für ihre eigenen Kinder gemerkt- und meinen Kindern, die richtig süss aussahen, als sie mächtig stolz und zufrieden ihr Werk überbringen durften, auch gleich den „Lohn“ für ihre Arbeit ausgezahlt: Je eine Tüte mit Traubenzucker und einem „magischen Tuch“ mit Pinguin drauf. Die Mädchen waren begeistert. Auch von unserem ungewohnt kreativ verspielten Nachmittag, der wirklich wahnsinnig intensiv und messi und aktiv und sprudelnd ideenreich gewesen war.
Ich hingegen dachte an das verwüstete Wohnzimmer, die Lametta überall und an die Papierschnipsel auf dem Boden- und beschloss, mich extra und ganz bewusst auf dieses kommende Advents-Schaufenster zu freuen. Voller Kinderkunst, wie gesagt. Ich denke, es wird wunderbar aussehen. Und die Engel meiner Kinder dann mittendrin. Zauberhaft.

Was ich auch sehr schön finde, jetzt im Nachhinein vor allem: Weil meine Mädchen ihre Engel selber immer dermassen schön fanden, dass sie es schlichtweg nicht übers Herz brachten, sie wegzuschenken, brauchte es jeweils zwei, drei Anläufe und weitere Engelfiguren, bis sie sich entschliessen konnten, wenigstens einen davon herzugeben. Was bedeutet: Es sind uns noch ein paar dieser kleinen Papierwesen geblieben. Ohne Wirbel-Tanz-Spirale bisher, aber dafür mit Glitterglue-Kleidchen und silber-goldenen Flügeln und glänzenden langen Haaren. Kinderkunst also auch für mich.
Win-win für alle Parteien, würde ich mal sagen.

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