“Weekend Sewing” von Heather Ross war eines meiner allerersten richtigen Näh-Bücher, und wahrscheinlich -gleichzeitig mit “Hand-Stitched Felt”- Rekordhalter in Sachen Näh-Inspiration; Da wäre die “Everything Tote” von vor eineinhalb Jahren, drei Paar “Garden Gloves” (Gartenhandschuhe) aus alten T-Shirts vom letzten Jahr, dann dieses bezaubernde Haarband (“Jane’s Head Scarf”) auf Seite 68, weiter die “Huck Finn Pants” meines Mädchens und das kleine, süsse Kimono-Jäckchen (“Lucy’s Kimono”), das ich uns vor bald 4 Jahren ganz kurz vor der Geburt meines Mädchens noch genäht habe, als eines meiner allerallerersten Näh-Projekte überhaupt.
Jedes dieser Dinge ist mir sehr ans Herz gewachsen. Und wenn ich “Weekend Sewing” durchblättere, dann sehe ich noch eine ganze Reihe Sachen mit dem Zeug zum Lieblings-Stück. Eine ganze Reihe, in der Tat…Die “Summer Blouse” zum Beispiel, eine unheimlich schöne, einfache Tunika mit liebenswerten Details oder den “Kimono Dress” aus fliessender Seide mit diesem breiten, verstärkren Gürtel, der ganz danach aussieht, als könnte er auch Mutterschafts-Pölsterchen an Bauch und Hüften in eine hübsche, weiche Shilouette verwandeln… “Weekend Sewing”? Ich liebe es einfach!
Allerdings… um die Wahrheit zu sagen; Nicht alles ist hier von A bis Z durchdacht. “Lucys Kimono” zum Beispiel versucht, ohne versäuberte Nähte auszukommen, und das finde ich nun nicht unbedingt ideal für Babykleidung, wo ich immer versuche, alles, was fusselt oder kratzt, grosszügig zu umschiffen (Es gab da noch einen anderen, gewichtigeren Instruktions-Fehler in meiner Ausgabe, doch der ist in neueren Auflagen höchst wahrscheinlich behoben, nehme ich mal an). Manches sieht auch sehr viel einfacher aus, als es schlussendlich ist, zumindest empfinde ich das so. Wie die Garten-Handschuhe zum Beispiel, die mir -obwohl ich die Idee einfach grandios finde!- irgendwie nur selten richtig gut passen, oder wie diese ziemlich aufwändigen Schrägband-Henkel bei der “Everything Tote”, wo ich mich ein bisschen frage, ob das nicht auch einfacher ginge.
Tatsächlich scheinen sich auch ein paar richtig fiese Fehler in dieses Buch eingeschlichen zu haben, und ich glaube, es kann nicht schaden, zuerst ein bisschen im Bloggerland zu stöbern, bevor man sich selber ans Werk macht… Inzwischen wurden bereits Fehler-Updates zusammengestellt, sowohl von Heather Ross selber als auch von unseren nähenden Schwestern im Bloggerland (zum Beispiel diese hier), eine ganz feine Sache (danke, Leute!), für die ich wirklich dankbar bin.
Trotzdem stimmt es; Ich liebe dieses Buch. Es gehört zu meinen absoluten Lieblings-Näh-Büchern. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich so viele gute, optimistische Gefühle mit diesem Buch verbinde, Anfangs-Euphorie und diese ganz grosse Lust, es endlich zu wagen, das Nähen und Selbermachen. Ich mag seine Anleitungen und die genialen Skizzen zu jedem Projekt. Und da sind so viele wunderbaren Ideen, derart schön in Szene gesetzt und fotografiert, dass man am liebsten sofort loslegen würde mit nähen und das nächste Wochen-Ende schon sehnlichst herbeisehnt… Meine Wanna-do-Liste wächst auf jeden Fall immer ein Stückchen weiter, wenn ich “Weekend Sewing” wieder zurück ins Regal stelle…
Immerhin; eines dieser Wunsch-Projekte liegt nun vor mir. Fixfertig. Und… nun ja… ich mag es. Wieder so ein Lieblings-Stück…
Der “Smocked Sundress” auf Seite 113 gefiel mir schon immer. Und obwohl dieser Frühling nun nicht gerade mit Höchsttemperaturen oder Sonnenschein beeindrucken könnte, hatte ich plötzlich das bedürfnis nach ein wenig Sommerfrische… Die Kinder scheinen gerade alle gleichzeitig aus ihren Kleidern herauszuwachsen, und mein Mädchen passt kaum noch in ihre Hosen und Kleidchen vom letzten Jahr. Und ausserdem sind da all diese herrlichen Stoffe auf meinem weissen Näh-Sektretär im Wohnzimmer und locken mit wunderschönen Prints und Farben zum Drin-Versinken…




Als meine Jungens sich letzte Woche mit Herrn Kirschkernzeit aufmachten, den Berliner Grossstadt-Djungel zu erforschen, wurde es auf einmal sehr viel stiller hier im Haus. Nicht, dass ich nichts mehr zu tun gehabt hätte, nein, da waren ja immer noch das Babykind und mein Mädchen, das seine Brüder (mitsamt den alltäglichen Kabbeleien) schon ziemlich vermisste. Aber … irgendwie war alles plötzlich viel gelassener, klarer und gemächlicher. Und mit einem Mal öffneten sich einige dieser kreativen Insel-Momente für mich, die Mädchen spielten zu meinen Füssen, ich sass an der Nähmaschine, schneiderte und ratterte in vollem Garacho die Säume hinauf und hinab, vollkommen erfasst vom Näh-Fieber, gleichzeitig euphorisch und entspannt, ganz bei mir, im Hier und Jetzt. Schön. Und so lang schon herbeigesehnt. Nähen mit Baby, mitten am hell-lichten Tag, davon hatte ich die letzten 10 Monate über kaum zu träumen gewagt…
Heraus kam ein luftiges Sommerkleidchen für mein Mädchen, mit gesmockter Brustpartie und einer kontrastierenden, breiten Abschluss-Bordüre und feinen Trägerchen aus demselben Stoff. Den süssen Füchsen-Print mit Wimpelkette und Eichhörnchen (“Woodland Party” aus Bio Baumwolle von Birch Fabrics) haben schon einige von euch bewundert, und mir geht es auch nicht anders, ich glaube, den muss man einfach mögen *zwinker*. Und der kräftige gelb-blaue Blumenprint (“Loulouthi Coreopsis” von Anna Maria Horner) steht so schön im Kontrast zu seiner hellen Luftigkeit. Die angesetzte Bordüre ist -genau wie der Geh-Schlitz darin- zwar nicht ganz Schnittmuster-konform, aber ich mag diesen bunten Farbtupfer ganz gern, muss ich sagen. Ein Hauch von Patchwork…
Das einzige Problem: Mein Mädchen mag ihr neues Kleidchen nicht. Die gesmockte Passe findet sie unerträglich kratzig, wie sie mir recht … ähm … nachdrücklich erklärte. Ausserdem kommt es ihr ein bisschen zu eng vor, dieses Kleid, *hüstel* (Obwohl es natürlich nach allen Seiten hin flattert, aber ihr müsst das verstehen, dieses Kind trägt seit Geburt nur Schlabbersachen. Aus Überzeugung).
Nun, wie dem auch sei. Noch ist nicht aller Tage Abend. Gottlob habe ich ja noch ein kleines Mädchen hier im Haus, eines mit zuckersüssem Babyspeck rundum, dem so ein gesmocktes Kleidchen -mit etwas kürzerem Rocksaum vielleicht- sogar schon recht bald passen könnte. Und es kommt der Juli, die Geburtstags-Saison beginnt. Ich schätze, das Babykind kriegt dann jedes Mal eine Extra-Portion Kuchen.
Damit das mit dem Reinwachsen schneller geht…

























