dies und das

Kurz vor dem Abendessen, bei dem ich wieder keinen Plan habe, was ich auftischen soll, schleiche ich mich rasch an meinen Laptop. In der Hoffnung, das eine oder andere hier notieren zu können, bevor das Baby erwacht oder die Mädchen sich beim Puppenspielen in die Haare geraten oder mir sonstwie die Zeit davonläuft…
Es fehlt mir so, das Bloggen.
Aber es geht nicht anders. Nicht häufiger. Nicht besser. Es fehlt die Zeit. Zeit für gedankenvolles Schreiben und fürs Sammeln von Bildern. Allein die Vorstellung, mitten im Alltag auf den Auslöser eines Kamera-Knopfes zu drücken, kommt mir unmöglich vor. Jede freie Hand verräumt nämlich bereits eine schmutzige Kaffeetasse. Oder eine saubere Babystrumpfhose. Oder den linken Schuh, zu dem der rechte gerade verschollen ist.
Darum hier, ein bisschen mindless, aber trotzdem… naja… irgendwie gehalt-voll hoffe ich, für mich wenigstens, weil es Erinnerungen sind, die sich hier festpinnen, klein, aber fein, und überhaupt…

1. Die entzückende Bären-Karte hat mir meine Schwester J. zum Geburtstag geschenkt. Zusammen mit einem dicken Packen feinster Confiserie-Pralienen, die allesamt innerhalb drei, maximal vier Tage in meinem gierigen Feinschmecker-Mund verschwunden sind und mir wahnsinnig gut geschmeckt haben. Zusätzlich in der Geschenk-Tüte lagen ausserdem zwei Gutscheine, einer aufregender als der andere: Ich bekomme meine absoluten Traum-Pantoffeln von ihr (Glerups! In Waldgrün! Ich warte nur noch, dass sie wieder an Lager sind) und ein Konzert-Ticket für Elton Johns Abschieds-Tourne im nächsten Herbst. Konzerte gab es viel zu lange keine für mich. In dieser Grössenordnung eigentlich noch überhaupt gar nie. Unglaublich, oder? Ich freue mich wie verrückt! Auf beides, das könnt ihr mir glauben…

2. Mit der Latzhose meines kleinen Wonneproppens bin ich… öhm… nicht wirklich weiter gekommen. Bis zu den Abnahmen für den oberen Teil, den „Latz“ oder wie man das nennen will, und keine Reihe weiter. Dann musste ich aufgeben; „Outlander“, meine aktuelle Netflix-Serie, ist ganz einfach zu spannend, zu ergreifend- und manchmal auch zu brutal zum Stricken. Ich brauche meine Hände für anderes. Für’s Führen der Computermaus nämlich. Weil ich vor-scrollen muss, um zu sehen, welche Szenen mich erwarten und wo genau ich besonders grausame oder haarsträubende Sequenzen überspringen muss. Manchmal lasse ich ganze Episoden aus (zb die letzten zwei, drei der ersten Staffel). Ich muss mich schützen. Warum immer derart viel Blut fliessen und man in Schlafzimmer-Momenten wirklich alles sehen muss, ist mir immer noch ein Rätsel. Es geht auch subtiler, finde ich. Um emotional in eine Geschichte einsteigen zu können, braucht es keine Nahaufnahmen von zu nähenden Wunden, auch keine Detail-Bilder nackter Körper und amouröser Aktivitäten. Aber nun denn, Sex sells, ich weiss. Brutalität anscheinend genauso. Auch wenn ich das alles lieber nicht sehen möchte und die Hälfte des Films verpasse, weil ich tatsächlich nicht hinschaue. Dabei wäre die Geschichte auch ohne absolut mitreissend, mitreissend genug, um mich ihren Bann zu ziehen. Wahrscheinlich liegt es an der Zeitdimension. Vergangenheit. History. Schottland. Highlands. Rau und magisch und mysteriös. Mich fasziniert das einfach.

3. Die Blättergirladen aus Papier war ein Last-Minute-Geschenk meines Paubacken-Kindes. Zu meinem 40sten. Als ihr klar wurde, dass ich Geburtstag hatte, fühlte sie sich plötzlich ganz entsetzlich, weil sie „gar kein Geschenk“ für mich hatte. Also begann sie wie wild zu basteln und schusterte mithilfe unseres allerliebsten Baum-Buches in Windeseile diesen Blätter-Reigen zusammen. Der jetzt an meiner Küchenwand über dem uralten Buffet hängt und mir viel Freude macht. Als einzige Herbst-Deko in diesem Haus müsste sie zwar ja in nächster Zeit abgenommen und durch etwas Winterlich-Weihnachtliches ersetzt werden, aber ich glaube, das ist mir jetzt einfach einerlei; es geht doch nichts über Kinderbasteleien, egal zu welcher Jahreszeit. Und meine Kleine hat sich solche Mühe gegeben…

4. Zwei andere Geburtstags-Geschenke meiner Kinder seht ihr auf dem drittletzten Foto: die kleine Holzschatulle mit dem aufgenadelten Filzbild hat mir meine Grosse mit ihrem Taschengeld am hiesigen Handwerks-Markt gekauft, den süssen Töpfer-Kürbis mit dem winzigen Halloween-Anhängerchen, der gleich rechts davon steht, Kind2.
Das Taschengeld unserer Kinder ist eher knapp bemessen. Oder „vernünftig“, wie der Herr Kirschkernzeit sagt. Da wir aber immer gut eingedeckt sind mit Donald Ducks Comics und Süssigkeiten, besteht wenig Bedarf an Kiosk-Verzweiflungskäufen, so dass alles Geld Monat für Monat ihre Sparbüchsen füttert und dann irgendwann im Laufe des Jahres für „etwas Besonderes“ ausgegeben wird. Dass mein Junge und mein Mädchen fanden, mein Geburtstag sei definitiv so etwas „Besonderes“, finde ich ungemein süss von ihnen. Natürlich stehen Schatulle und Kürbis nun zwischen lauter anderen Lieblingsstücken von mir, wie den schönen Bechern aus der Töpferei von Danciceramics, die Danijela diesen Herbst für mich gemacht hat. Es tut mir gut, diese Dinge in meiner Nähe zu haben.

5. Wie gesagt; zum Handarbeiten komme ich so gut wie gar nicht. Mein Babykind mag nicht alleine sein und gibt mir klar zu verstehen, dass er sich auf meinem Arm einfach am wohlsten fühlt. Nickerchen sind auch nicht unbedingt so seins, aber ab und zu übermannt ihn die Müdigkeit trotzdem, und wenn ich Glück habe, bleibt das ein paar Minuten so. In der Hoffnung diese kostbaren Momente zwar vielleicht nicht strickend, aber trotzdem irgendwie kreativ und sinnvoll zu verbringen, habe ich mir neulich ein Set Filz-Nadeln bestellt, weniger um selber mit dem Filzen anzufangen, sondern vielmehr weil all unsere Filztierchen und gefilzten Zwerge und Blumenkinder bereits sichtbar zerliebt und entsprechend zerzaust aussehen. Der eine oder andere kleine Zwerg musste sogar schon seinen Bart lassen.
Das Reparieren ging erstaunlich fix und machte irrsinnig viel Spass! Und ich liebe ja Filz. Und Wolle. Und all das. Irgendwie würde es mich schon auch reizen, einmal ein bisschen mehr mit so einer Nadel und Märchenwolle anzustellen, als bloss abfallende Eichhörnchen-Schwänzchen oder graue Zwergenbärte wieder am richtigen Ort zu befestigen…

6. Von meiner Grosstante, einem liebenswerten, alten Fraueli aus der Innerschweiz, habe ich zur Geburt meines Kleinen eine ganz besonders liebe Karte und einen grosszügigen Batzen geschenkt bekommen. Ich fand das schön. So speziell und bewegend. Ich meine, diese Frau ist Witwe und lebt wirklich bescheiden mit ihrer kleinen Rente…
Bisher habe ich Geldgeschenke zur Geburt eines Kindes meistens auf ihr persönliches Sparkonto gegeben. Einfach, weil ich es ihnen nicht… so quasi „wegnehmen“ wollte, um etwas zu kaufen, das sie nicht selber auswählen konnten. Es kam mir einfach richtig vor so. Aber diesmal empfand ich ganz anders; ich wollte das Geld meiner Grosstante unbedingt und möglichst bald für etwas verwenden, das mein Junge sehen und anfassen und lieb gewinnen kann. Als Andenken. Um nicht zu vergessen. Den Faden in der Hand zu behalten, der zurück zu meinen Wurzeln führt, denn diese alte Dame bildet das allerletzte noch lebende Glied meiner väterlichen Vorfahren.
Lange habe ich überlegt. Mit meiner Freundin Rita via Whattsapp Ideen hin- und hergeschickt. Und bin dann zum Schluss auf diese wunderschönen Dinge gestossen: Eine Box Grimms Bauklötze in den herrlichsten Regenbogen-Farben und dieses wunderschöne Holzklötzchen-Puzzle von Atelier Fischer. Das Würfel-Puzzle mit den Tierkinder-Motiven musste unbedingt sein. Ich habe nämlich genau dieses Puzzle von meiner Patin geschenkt bekommen, als ich zum ersten Mal Mutter wurde und mich mit Kind1 an einen völlig neuen Lebensabschnitt herantasten musste. Wie oft wir damit gespielt haben… Wie viele Puzzle-Bilder gelegt wurden, wie viele Türmchen gebaut… So oft und so viel, dass die Bilder des ersten Puzzles bereits bis fast zur Unkenntlichkeit abgeschabt sind und nicht mehr viel hermachen.
Mit diesem neuen, alten Set mache ich mir selber wohl genauso viel Freude wie meinem Kleinen…

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Für mein Herbstbaby: Stulpen und Handschuhe mit Kordel

Betrachtet man die… ähm… „Vielfalt“ meiner Blogposts in letzter Zeit, dann könnte man glatt glauben, ich würde nur noch stricken und dabei ein süss schlafendes Babykind neben mir liegen haben. Wie so oft im www.: der Schein trügt! Und zwar gewaltig.
Mein Babykind schläft zwar tatsächlich ab und zu, und süss (braucht man da noch Schokolade?) ist er auch, keine Frage. Aber stricken? Mit ihm?
Ich schaffe es kaum einmal, meine Nadeln auch nur anzusehen. Tagsüber gibt es natürlich hunderttausend andere Dinge, dringlichere Dinge, die unbedingt und sofort noch rasch erledigt werden sollten, bevor mein Knubbel wieder aufwacht. Was 5 Sekunden dauern kann oder auch 40 Minuten, je nachdem, wir lassen uns überraschen und nehmen alles, denn wie gesagt- süss ist er ja, der Kleine… Abends wird es oft lange nicht still. Das Baby braucht meistens meine Nähe, meinen Arm, meine Brust, um sich so richtig tief in den Nachtschlaf gleiten zu lassen, was bedeutet: Netflix ja (mit Kopfhörern!), Stricken nein.
Für schwierigere Muster wäre mein Kopf aber ohnehin zu blöd. In Babyzeiten wächst mein Herz, ich fühle mit allen mit und weine in jeder Folge „Coal Valley Saga“ sentimentale Tränchen an den abgedroschendsten Stellen, aber meinem Hirn tut Stillen und rare Pausen ganz und gar nicht gut. Neulich kam meine Viertklässlerin mit einer Mathe-Aufgabe zu mir und ich konnte ihr beim besten Willen nicht helfen. Viertklass-Stoff, du lieber Himmel!


Glatt rechte und simple linke Maschen gehen aber gerade noch. Dieses schlichte Set aus Babystulpen und einfachen Handschuhen aus dem „Mama-Baby-Strickbuch“ von Gabriela Widmer-Hanke waren also genau mein Ding, dank einer raffinierten, aber völlig problemlosen Konstruktion und einem Perl- bzw. krausen Muster aus rechten und linken Maschen. Ich finde die Details besonders süss: die Knöpfchen an den Stulpen mit ihrer falschen Knopfleiste zum Beispiel. Ein nettes Supplement, oder?
Man kann sie allerdings nicht öffnen, was ein bisschen schade ist, denn ich ziehe Babystulpen, wenn ich mit dem Kind nach draussen gehe, oftmals über mehrere Schichten an Kleidung an -Strumpfhosen, Wollhosen, Socken, Pantöffelchen- und da ist es angenehm, wenn man einen Kopf lösen kann, sobald es zu üppig wird mit den Lagen.
Aber auch so sind diese Stulpen sehr, sehr elastisch und passen bisher recht gut. In der grösseren Grösse würden sie noch viel besser passen, denke ich. Wahrscheinlich gibt es für Herbst- oder Winterbabies keinen Grund, die Winzling-Version zu stricken; Stulpen halten sowieso, es sei denn, sie sind wirklich viel zu gross geraten. Ich plane darum noch so ein Paar, diesmal aber mit ein paar Maschen mehr auf den Nadeln als das Strickmuster verlangt, um bis zum nächsten Frühjahr, über die Runden zu kommen damit. Das erste Paar hier, das werde ich dann selber anziehen, sobald mein Baby definitiv heraus gewachsen ist. Als Pulswärmer passen sie nämlich ausgezeichnet um meine Handgelenke. Und sie sehen fabelhaft aus in dieser Funktion. Dank der weichen Wolle (30gr „Big Merino Hug“ in der Farbe „Holz“ von Rosy Green, verstrickt mit Nadelstärke 4.5) fühlen sie sich auch auf sensibleren Hautregionen angenehm an.

Die Baby-Fäustlinge finde ich ebenfalls richtig niedlich. Schlicht und funktional. Und dank der Kordel mit Knöpfen, die diesmal ihre Funktion auch erfüllen, erhält dieses absolut anfängertaugliche Projekt quasi ein kleines Extra an Funktionalität und Charme.
Ich habe mein Paar hier mit einem Rest „Big Merino Hug Kaffeebohne“ von meinem über alles geliebten „Homestead“-Schaltuch gestrickt, das ich jeden Morgen trage, wenn ich mein Kindergartenkind auf dem Weg begleite. Ich kann diese Wolle gar nicht genug loben. Sie ist so weich und schön und schlicht. Und dabei bio und fairtrade und überhaupt ganz wunderbar. Einzig die Nadelstärke würde ich bei diesem Projekt hier beim nächsten Mal verändern: ich habe wieder mit Nadeln 4.5 gestrickt, aber die Handschuhe sind mir nun fast ein bisschen zu elastisch so. Und Handschuhe sollen ja vor allem wärmen und gegen den Wind abdämmen, also möglichst satt gestrickt werden, damit sich die Löcher der Maschen soweit wie möglich schliessen. Nadelstärke 4 also. Beim nächsten Mal. Ein Versuch ist es wert.

So. Nach diesen beiden gestrickten Kleinigkeiten krieche ich nun weiter in meinem Strick-Schneckentempo. Seit einiger Zeit schon arbeite ich an einer zweiten Baby-Latzhose für meinen kleinen, rasant grösser werdenden Jungen. Die Zeit rast und mein Babykind wächst Stück für Stück aus seinen Sachen heraus. Wenn ich mich ranhalte, könnte ich es vielleicht noch schaffen, mit dieser braunen Hose fertig zu werden, bevor die Nähte krachen oder bereits wieder dünne Sommersachen angesagt sindd. Ich rechne mit allem irgendwie, denn Babytage sind unüberschaubar und bergen viele Überraschungen. Schnupfennasen zum Beispiel. Oder plötzliches Zahnen. Bauchwehphasen. Was auch immer: Ich gebe mein Bestes. Stricken in Etappen und mit ganz vielen Pausen dazwischen. Wolle ist ja gottseidank gnädig. Im Notfall trägt mein Baby eben slimfit…

 

 

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Lebenszeichen

Nach 12 Tagen Stille kam mir kein anderer Titel in den Sinn als der :“Lebenszeichen“.
Ja, ich lebe noch. Sehr gut sogar, recht glücklich, erstaunlich kräftig und ausgeglichen im Moment, was allerdings ein fliessender Zustand ist, der sich innerhalb von Minuten verändern und ins genaue Gegenteil verwandeln kann. Mein Schlaf bleibt perforiert, grauenhaft zugerichtet von gleich mehreren kleinen Menschen, die keine Nacht ohne ihre Mama sein können und jedes Mal nach meiner Hand greifen (also sinnbildlich gesprochen, aber eigentlich auch ganz buchstäblich), um wieder und wieder in den Schlaf zurück zu finden. Trotzdem fühle ich mich verankert. Wahrscheinlich weil der Haussegen gerade so schön ausbalanciert ist. Geradegerückt nach viel zu vielen Wochen des Sich-Verschiebens und Sich-neu-Einfindens. Mit einem Baby müssen Opfer gebracht werden. Nicht nur von mir, auch von den Kindern, meinem Mann, von allen. Es gibt nicht mehr so viel Zeit zum Vorlesen oder Erzählen und Zuhören. Und gekuschelt wird leider auch vor allem mit dem bedürftigen kleinen Wesen in unserer Mitte. Weil alle nervös werden, wenn er weint. Weil niemand es übers Herz bringt, ihm nicht zu geben, was er braucht. Tag oder Nacht, Essenszeit oder nicht. Ich bin erstaunt, wie nahtlos sich der Reigen um dieses Kind geschlossen hat: Jeder scheint ihn zu lieben. Vom Grössten bis zur Kleinsten. So oft wurde bisher keines meiner Babies von seinen Geschwistern auf den Arm genommen, geknuddelt, gehütet, wenn ich rasch unter die Dusche möchte, sogar gewickelt von A bis Z (und das ausgerechnet von meiner Jüngsten, die das ganz fabelhaft macht, mit grossem Ernst und leisem Stolz). Einen verwöhnten kleinen Jungen haben wir hier. Aber verwöhnt auf eine gute, gesunde, stark machende Art und Weise.
Spannend finde ich, dass mir genau diese Geschwisterliebe sehr viel Kraft und Luft schenkt. Ich habe nicht das Gefühl ganz alleine dazustehen. Da sind andere, die mittragen. Ein kleines bisschen zumindest. So werden die hektischen Spitzen entschärft, beim Mittagessen zum Beispiel, wo es wirklich wahnsinnig turbulent, laut und intensiv wird, weil alle reinplatzen wie Wasserbomben, randvoll mit den Emotionen und Geschichten ihres Schulmorgens und der eigene Hunger mich fahrig werden lässt und nervös. Dann bin ich dankbar, wenn mein Ältester mir das Baby abnimmt und es auf seinem Schoss schaukelt, bis ich allen ihre Teller gefüllt und den Jüngeren ihr Essen klein geschnitten habe. Ich bin dankbar, wenn alle ein wenig auf einander achtgeben. Dankbar auch, weil genau das für mich nicht selbstverständlich ist, obwohl viele glaube, in Grossfamilien würden die Kinder aus eigenem Antrieb mithelfen und freudig in die Bresche springen, wo immer sie gebraucht werden. Ich wünschte, es wäre so. Es würde mich stolz machen und wirklich glücklich, aber die Realität sieht anders aus, leider. Auch hier müssen Ämtlilisten wieder und wieder diskutiert, Arbeiten kontrolliert, Aufforderungen und Bitten wiederholt werden, wenn ich möchte, dass es einigermassen funktioniert in diesem ohnehin schon eher chaotischen, lebhaften Haushalt voller grosser und kleiner Menschen. Wir reden unglaublich viel. Die ganze Zeit über. Den lieben, langen Tag. Über unsere Träume und Wünsche, wie blöd das Fussballspiel in der grossen Pause war, und wieso die Meerschweinchen plötzlich nicht mehr pfeifen, wenn wir in den Garten kommen (ja, wieso eigentlich?). Auch das Thema „Miteinander“ und „Familie-Sein“ kommt immer wieder zur Sprache. Das Leben wird einfach unsagbar viel schöner, wärmer, leichter, wenn wir uns gegenseitig die Hände reichen, mithelfen, unterstützen, weiter denken, als nur bis zu unserer eigenen Nasenspitze. Wie viel von meinen Worten hängenbleibt in den Gedanken und Herzen meiner Kinder, weiss ich nicht. Zeitweise habe ich das Gefühl, es ist nicht sonderlich viel. Doch dann wieder überraschen sie mich. Mit einer schön aufgeräumten Eingangs-Nische. Mit spontaner Hausaufgaben-Hilfe bei der jüngeren Schwester. Ein Bruder legt dem anderen den Arm um die Schulter, jemand bringt vom Geburtstags-Znüni in der Schule ein extra aufgehobenes Stück Kuchen mit nach Hause um es mit den anderen zu teilen.
Es sind nur kleine Dinge. Gesten, die rasch übersehen werden können.
Ich versuche, sie zu sehen, bevor sie verpuffen.
Und dankbar zu sein. Es nicht nur zu fühlen, es auch zu zeigen.

Dankbar bin ich auch für anderes. Für Dinge und Momente, die das Leben mir zuspült. Besonders schöne Muscheln zu meinen Füssen.


Für das improvisierte Angelspiel aus meinen Kühlschrankmagneten mit den aufgeklebten Fischstickern, die mein Pausbackenkind irgendwo im Plunder ausgegraben und zu angelbaren „Fischen“ umfunktioniert hat, indem sie an einen Stecken vom Garten ein anderes Magnet angebunden hat. Ich mag es, wenn Leute eigene Ideen haben. Ich mag es, wenn sie den Aufwand nicht scheuen, ihre Gedanken greifbar und real werden zu lassen.


Für dieses Foto, das meine Grosse geknipst hat. Eine Art Selbstportrait soll es wohl sein: Sie und ihre Meerschweinchen. Bei einer Kuschelrund draussen im Männchen-Gehege. Wenn genügend Leckerli in ihren Taschen stecken, sind alle nur zu gern mit von der Partie und jeder möchte der Erste sein, der auf ihren Schoss klettern darf.

Mit diesen drei fantastischen Strangen handgefärbter Wolle hat mit Angelika aus Österreich auch eine ganz, ganz grosse Freude gemacht! Mein Herz schlägt für Garne. Ob Seide, Merino, Yak oder Kaschmir- ich liebe sie alle. Und Handgemachtes mag ich besonders gerne. Handgesponnen, Handgefärbt, wie auch immer. Diese drei Schätzchen hier wirken gerade ganz besonders verlockend…

Und auch dieses Garn hier möchte ich nur zu gerne anstricken: Alpaca aus der Schweiz. Hier gewachsen, hier versponne, hier gefärbt, hier entdeckt und gekauft. Auch wenn diese grünen Knäuelchen eher zu den kostspieligeren Stücken in meinem Wollregal gehören; ich gönne sie mir gerne. Einer grossen Leidenschaft ein Stück weit nachzugeben, sie zu geniessen, ohne Gewissensbisse und einfach nur so: das tut wahnsinnig gut!

Und dann er.
In seinem wunderwunderschönen Gwändli, das ihm Ritamithandundherz so kunst- und liebevoll gestrickt hat! Ich kann mich kaum sattsehen. Nicht genug halten und knuddeln und spüren und schnuppern. Babyspeck. Babyduft. So ein kleines, weiches, angenehm schweres Etwas, das stampelt und lacht und weint und mit grossen Augen alles in sich aufsaugt. Ich sehe ihn so gerne rundum in Wolle gehüllt. Das wirkt warm und kuschelig und gut und ein bisschen wie eine schützende Umarmung.

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warmhalten

Der Herbst verwandelt sich so langsam, langsam in Winter; immer mehr Bäume strecken mir ihre kahlen Äste entgegen, immer weniger Salate stehen in meinen Beeten. Obwohl es noch ein paar davon gibt- mir fehlt mit Baby schlichtweg ein Arm, um zu ernten, zu waschen und zu rüsten. Immer mehr Tage hüllen sich gänzlich in Nebelgrau und machen es mir schwer, einen Fuss vor die Tür zu setzen…
Mittlerweile läuft hier die Heizung. Meine Füsse fühlen sich trotzdem klamm an ohne Pantoffeln, ich rolle Strickdecken über mein Bett und träume von robusten Filzfinken (Glerups! In Waldgrün bittedanke!).
Wollsocken und diese ollen IKEA-Latschen, die wir aus irgendeinem Grund seit Jahren hier rumliegen haben, tun es auch bis dahin.
Warm zu bleiben, gehört im Moment gerade zu meinen dringlichsten Aufgaben. Selber warm zu bleiben. Einigermassen gut genährt (wie schwierig mir das scheint an Tagen wie diesen, wo das Baby nur in meinen Armen zufrieden bleibt!)  Ansatzweise Ausgeruht (phu, diese Nächte…). Aber auch dafür zu sorgen, dass meine Kinder nebst dem ganzen Halloween-Süsskram vergangener Tage das eine oder andere Stückchen Obst essen, trotz Dauerdämmerung beizeiten ins Bett gehen und genügend wollige Sachen in ihren Schränken vorfinden, damit sie es immer und jederzeit mollig warm haben. Egal ob es stürmt oder gar bereits schneit.
November. Der erste Schnee-Monat hier. Ab und zu zumindest.
Heute hatten die Jüngeren zum ersten Mal Handschuhe an auf dem Weg zur Schule. Mützen, Schals, dicke Winterjacken, gefüttertes Schuhwerk bis über die Knöchel. Mein Kindergartenkind die roten Stiefelsocken. Und mein Babyjunge trägt Wollsocken über seinen Strumpfhosen. Dann Strickpantöffelchen über den Wollsocken. Wollstulpen über den Strickpantöffelchen.
So verpackt ist er zwar dick wie ein Paket, aber wunderbar herbstsicher eingemummelt, wenn wir uns raus ins Novemberwetter wagen. Zuhause bleibt natürlich die eine oder andere Schicht weg. Warm hat er es trotzdem. Kuschelig gemütlich.
Das ist die Seite des Herbstes, die ich ganz besonders gerne mag; die wollig-warme-Schokoladenseite aus Strick. Nach diesen schlichten, schmalen Babystulpen aus „Rosy Green Manx Merino Fine“ (Farbe 211), die ich mit ganz dünnen Nadeln (2.5) und einem einfachen Perlmuster gestrickt habe, liegen zwei ganz ähnliche Projekte auf meinen Nadeln. Beide ebenso einfach, ebenso schlicht- und genauso herbstlich: Das Set aus etwas dickeren, und vor allem auch grösseren Stulpen und einem Paar Fausthandschuhe mit abknöpfbarer Kordel (genial!), sollte bald fertig sein. Passend für noch mehr Wind und Wetter und noch kühlere Tage. Mein kleiner Junge wächst unglaublich schnell. Viele seiner Wollsachen sehe ich förmlich schrumpfen an seinem süssen Knuddelkörperchen. Und so laufe ich quasi gegen den Wind, die Nadeln in den Händen, die Zeit im Nacken… Wie ich schon sagte: Warm halten. Mich und meine Liebsten. Darum geht es.

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