Für mein Baby: „Beyond Puerperium“ und ein Zwergenmützchen ganz in Natur

Diese Woche war im Handumdrehen vorbei. Ein Augenzwinkern lang bloss. Die freien Tage fühlten sich an wie Ewigkeiten, so als würden sie für immer bleiben… und nun, wieder hineinkatapultiert in den Kindergarten-Schul-Alltag, strample ich verzweifelt vor mich hin und hoffe, dass mir nicht die Puste ausgeht.
Gerade heute verspüre ich das unbändige Verlangen danach, einfach nur… allein zu sein. Für mich und in aller Stille. Ich sehne mich danach, mich kopfüber in irgendwelche kreativen Pfützen zu werfen und mich treiben zu lassen im Flow des Machens und Spielens. Strickend. Nähend. Gärtnernd. Sirup-Kochend. Egal wie. Einfach schöpferisch.
Ich brauche das so dringend.
Nun, es soll wohl nicht sein. Also nicht so ausschliesslich und versunken, wie ich es gerne hätte. Es sind zwei Kundinnen angemeldet, drei oder vier der jungen Meerschweinchen ziehen heute in ein neues Zuhause. Der Garten ist pitschnass vom Pfingst-Regen der letzten Tage und der Holunder sowieso bereits halb verblüht (Gottseidank hat mein Liebster ein paar Flaschen Sirup davon eingemacht! Ein Jahr ohne Holunderblüten-Sirup ist ein trauriges Jahr, finde ich.) Unten liegt nasse Wäsche am Boden unter einem übervollen Trockengestell, und jeder einzelne Raum dieses Hauses schreit geradezu nach Wischwasser und Staubsauger…
Kein kreatives Insel-Dasein also heute für mich. Aber vielleicht ja ein, zwei, drei, vier oder vierzehn Reihen Pullover-Stricken? A girl can dream, can’t she?

Ein bisschen Trost und Hoffnung auf andere Zeiten schenkt mir ja dieser Anblick hier: ein winzigkleines Jäckchen, ein minikleines Mützchen, beides wunderbar naturbelassen und so klein, dass mein Baby nicht allzu lange wird warten müssen, bevor es hineinpassen wird.
Ich stricke gerade wahnsinnig gerne. Und wahnsinnig gerne klein. Es wird wohl das letzte Mal sein, dass ich so etwas Winziges in meinen Armen halten werde, irgendwann dann im September, und ich wünsche mir, noch so viele Babypulloverchen, Mützchen und Strampelhöschen für dieses Kind zu stricken, wie ich nur kann. Es kommt mir vor, als müsste ich ganz bewusst durch diese Zeiten gehen, all diese letzten Male mit allen Sinnen ver-innerlichen und ausschöpfen, und obwohl ich im Augenblick wirklich kaum ein Fünkchen Wehmut verspüre, vielmehr… eine Art dankbare Erleichterung, eine erleichterte Dankbarkeit, ahne ich heute schon, dass diese Gefühle sich nach der Geburt noch ändern werden.
Abschiednehmen ist niemals leicht.
Also stricke ich.
Und freue mich.
An dem was kommt, aber auch an dem, was vorbeigehen wird. Es kommt die Zeit für anderes. Und obwohl ich mich auf dieses Baby jeden Tag ein klein wenig mehr freue, spüre ich auch, dass ich bereit bin, mit diesem Lebensabschnitt abzuschliessen. Bereit für das andere. Das Muttersein mir davon-wachsender Kinder.

Dieses Jäckchen -eine „Beyond Puerperium“ von Kelly Van Niekerk- verkörpert ein paar meiner Strick-Leidenschaften: biologische Wolle seltener Schafrassen (60 gr. „Rosy Green Manx Merino Fine“), sanfte Naturtöne (hier das softe „Norfolk Holz“, das ich wirklich gerne mag), Handwerkskunst in den Details (Jim Knopf Kokos-Knöpfe!) und schlichtes, aber durchdachtes, raffiniertes Strickdesign.
Ich habe die zweitkleinste Grösse gewählt und mit Nadelstärke 3 gearbeitet. So fiel das Maschengeflecht recht fein aus, was ein Plus an Elastizität bietet und mir umso schöner erscheint für so ein kleines Persönchen, das das An- und Ausziehen wahrscheinlich nicht unbedingt schätzen wird…

Das Zwergenmützchen wiederum ist aus der anderen, aber ähnlichen Garnreihe von Rosy Green gestrickt: Aus der „Heb Merino Fine“ ebenfalls im Farbton „Norfolk Holz“. Hier habe ich auch eine Nadelstärke 3 gewählt und 98 Maschen angeschlagen. Weil ich das Bindeband in meiner Anleitung definitiv zu kurz finde, ist es nun an die 45 cm lang, was hoffentlich ausreicht für so eine Babygrösse.
Dieses Garn ist leicht kratziger als sein Fast-Zwillings-Bruder „Manx Merino Fine“, irgendwie starrer in seiner Struktur und auch die Farben kommen mir kühler vor und weniger satt. Ich glaube, ich würde nicht unbedingt wieder damit stricken. Mir hat es einfach zu wenig… Lieblichkeit an sich.
Die „Manx Merino Fine“ hingegen kann ich nicht genug loben! Weich, aber natürlich, schön elastisch mit angenehmem Fall, ein Garn, dem man die raue, windgepeitschte englische Landschaft mit all seiner ursprünglichen, kargen Schönheit bei jedem Handgriff anmerkt.
Wunderbar!
Ich mag es, wenn die Dinge ihre Seele durchscheinen lassen. Und diese zwei kleinen Wollsachen, die allerersten Stücke, die für das kleine Strampelwesen in meinem Bauch entstanden sind, haben eine Aura von… Hoffnung und Bodenständigkeit, finde ich. Unaufgeregt. Nichts wirklich Neues.
Aber genau darum willkommen und schön in meinen Augen.

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mein Eden

Der frühe Morgen ist längst vorbei, es geht gegen Vormittag und die Sonne lacht mir vom Himmel entgegen. Es ist so warm, dass man an Mittsommer denkt und die heissen, trockenen Tage wecken Erinnerungen an vergangenen Sommer, einen Sommer, der die Wüste in die Schweiz brachte, ein beinahe landesweites Feuerverbot und Wasserknappheit rundherum, aber auch herrliche Zeiten der Freiheit unter blauem Himmel, plantschend und lümmelnd faul und einfach nur herrlich, herrlich, herrlich
Genau so habe ich mich auch gestern gefühlt.
Und vorgestern.
Befreit.
Wieder mit weiter Lunge atmend.
Belebt, erfrischt durch eine ungefilterte, kräftig-optimistische Natur, die nichts weiter will als wachsen, gedeihen, grösser, weiter, unbändiger werden, neue Wurzeln setzen und alle Äste strecken. Was ich tief in mir drin nachfühlen kann und irgendwie, ganz ohne es zu wollen, sofort imitiere. Der Sommer macht mich kräftiger. Es ist die ganz unmittelbare Sinnlichkeit, diese geballte Ladung an Licht, Wärme, der eindringliche Wechsel an Empfindungen, die an einem einzigen warmen Sommertag im Freien (in Freiheit!) auf mich einströmen und gefühlt werden wollen: Sonnenglut, Hitze auf meiner Haut, der erste Schock an Kälte, wenn ich ins kühle Wasser steige (ein Kinderplantschbecken reicht mir ja schon aus im Moment), das Kribbeln, während alle Feuchtigkeit von der Sonne aufgesogen wird, Kontraste, süsse, kalte Eiscreme, geeister Kräutertee aus Minze und Zitronenverbene, das Platschen meiner Füsse auf den brennenden Steinplatten der Gartenwege, kitzelndes Gras auf meinen Fusssohlen, das Lachen der Menschen, der Frieden äsender Tiere, die Stille eines frühen Morgens, wo die Wiesen feucht sind und frisch, die Luft aber von Minute zu Minute mehr von der kommenden Mittagshitze spricht. Die Hitze lässt keinen Platz für grosse Gedanken, Sorgen verpuffen sofort. Alles was möglich ist, ist zu fühlen, das Aufnehmen dessen, was der Moment an mich heranträgt, ganz unmittelbar, mit hellwachen Sinnen.
Ich öffne mich wie eine Blüte.
Und alles ist gut.
Vollkommen für den Moment.

Augenblicke wie dieser, ich in der Hängematte unter einem blühenden Holunder, der dann und wann seinen süssen, betörend heimeligen Duft zu mir hinüberweht, leise schaukelnd, die Hände auf dem prallen Bauch, in dem es strampelt und lebt und rundherum das blanke Glück der Menschen- und Tierwesen, summende Bienen auf Thymian, pelzige Gesellen vor dem Stall, Kinder, die mit Gejauchze und Geplatsche ins Wasserbädli springen… Zeit die stillstehen sollte. In meinem Kopf bilden sich Visionen. Zukunftsträume werden wieder wach, Träume vom Hof, von Färbe- und Heilpflanzen in einem üppigen Garten, von Ziegen und Schafen und handgesponnener Wolle und wie ich mit meinen Töchtern und meiner Mutter an einem sonnigen Nachmittag Garne färbe oder Kursgästen selbstgemachten Eistee und Beerenmuffins serviere. Ein bisschen glaube ich fast, dass sie wahr werden können, diese Träume, aber nur ein bisschen. Und das ist mir genug. Was ich bin und habe, scheint gross genug zu sein in diesem Moment. Gross genug, um mich auszufüllen mit Freude, Dankbarkeit, Zuversicht.
Wunschlos.
Oder so gut wie.
Sonderbar wie viel die Magie des Sommers auszurichten vermag. Sie wischt alle Dunkelheit fort. Alles Hadern und Klammern. Löst Starrheit und Sturheit und lässt die Dinge neu fliessen.

Bei Instagram habe ich geschrieben:
„Hundstage Anfang Juni. Und ich liebe sie! Ich finde kaum Worte, um zu beschreiben, wie glücklich mich die Sonne, die Pflanzen, dieser wunderbare, kleine, unvollkommene Garten, die Insekten- und Tierwelt gerade machen… Das alles ist meine Medizin. Nach all den harten Monaten voller Übelkeit und Hadern mit mir, den Umständen und meinem überforderten Körper, nährt mich nun der Frühling, der erste Hauch von Sommer, und dieses Heilmittel ist hochpotent, ich spüre es mit jeder Faser meines Seins.
Vielleicht werde ich heute doch noch einen kleinen Blogpost schreiben… Die Worte kommen immer. Irgendwie. Ich muss bloss den ersten Buchstaben setzen…“

Und genauso ist es auch. Die Worte kommen. Ich muss sie nicht rufen, sie rufen mich und ich gebe ihnen Raum, weil ich sonst berste vor überfliessender Liebe, der Liebe zu meinen Pflanzen, den Bäumen und Büschen und Blumen in meinem Garten, die ich jeden Morgen aufs Neue mit hüpfendem Herzen begrüsse, so als wären es Freunde, die mich in ihrem?… meinem?… unserem Reich willkommen heissen. Mein Garten bildet die Oase, in der ich Zuflucht finde. Vor allem Übel dieser Welt. Wo ich heil werde und satt. Mein kleiner Garten Eden.
Eden.
Ein wunderschöner Name…

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Meerschweinchen, Plätzchen und ein wenig Sonnenschein

Es gab sonnige Tage, es gab Regentage. Der grosse Sporttag unserer Schulhäuser fiel immerhin auf einen sehr warmen, trockenen, hellen Tag und die Kinder hatten viel Spass beim Postenlauf und Spielenachmittag. Ich merke immer, wie ich mich augenblicklich entspanne, wenn ich sehe, dass alle sich wohlfühlen, und als selbst mein sensibles Kindergartenkind in diesem Jahr richtig freudig und beschwingt am Morgen in Richtung Schul-Sportplatz loszog -eine Angelegenheit die sie letztes Jahr viele Tränen und mich ein Stückchen Mamaherz gekostet hatte- war ich einfach nur dankbar und zufrieden.
Kinder gehen zu lassen, loszulassen, sie wachsen zu sehen und selbstständiger werden, ohne mich, meinen Schutz und Rat… das fällt mir so viel leichter, wenn ich weiss, dass sie sich den Dingen gewachsen fühlen und wirklich bereit sind für nächste Schritte. Gerade mein Kindergartenkind macht mir viel Freude, was das angeht: Seit ein paar Monaten wirkt sie lebhafter und aufgeschlossener im Umgang mit anderen Kindern. Sie verlässt das Haus morgens mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und winkt mir fröhlich zu zum Abschied. Kein Zögern, kein Abschiedsschmerz. Ich glaube, jetzt ist sie gerne im Kindergarten. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

An einem weiteren Sonnenfrühlingstag (herrlich!) kam ein nächster Wurf Meerschweinchen-Babies zur Welt. Kleine, lustige Tapser, die rennen können wie Wiesel, wenn es sein muss. Wir haben in diesem Jahr viele schwarz-weisse Tiere, die meisten mit dem schönen, lebhaften Fellwuchs ihres wunderhübschen Papas „Panda“ (ein paar helle und sogar eines, das ein bisschen aussieht wie ein Iltis sind auch dabei). Ich hoffe, dass den Leuten diese Färbung genauso gut gefällt wie mir und dass alle diese kleinen, süssen Pelz-Knäuelchen ein gutes Plätzchen finden. Wir haben einige Meerschweinchen-Halter in der Region, die alte Ställe oder Scheunen oder auch nur ihren Garten zu wahren Meerschweinchen-Paradiesen umbauen, wo die Tiere draussen sein können, um zu weiden und sich richtig auszutoben, aber auch Schutz und Schatten finden in überdachten Bereichen. Vor allem aber haben sie an solchen Orten meistens Platz. Auch für grössere Grüppchen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig ich diesen Punkt finde. Das Verhalten eines Meerschweinchens verändert sich radikal, sobald es sich mit seinen kleinen Artgenossen-Kumpels im Freien oder auch einfach nur in einem wirklich grossen Gehege tummeln darf. Aus den ruhigen, unscheinbaren Tieren, werden dann plötzlich lebhafte Gesellen, denen man die Lebensfreude förmlich ansieht- ganz besonders wenn junge Tiere dazu kommen, habe ich gemerkt. So ein paar Meerschweinchen-Kinderchen mischen die Gruppe neu auf und bringen irgendwie… ja, ganz neue Energie hinein. Unser kastrierter Bock „Tupf“, der in der Weibchengruppe für Recht und Ordung sorgt, empfindet es zum Beispiel als seine Pflicht, „verloren gegangene“ Babies, die auf der grossen Wiese ihre Mama nicht gleich finden und herzzerreissend fiepend umherirren, zurück zur Herde zu bringen. Wie ein Lauffeuer kommt er angesaust und kehrt dann -schwupps- mit dem Jungtier im Schlepptau zurück zur Gruppe. Süss ist das! Und „Tupf“ scheint seine Aufgabe richtig zu geniessen, wie mir scheint. Es ist wohl wie bei uns Menschen auch; Generationen können sich richtig gut tun gegenseitig!

Im Moment will das mit dem Morgenposts-Schreiben irgendwie noch nicht so richtig klappen. Spätestens eine halbe Stunde, nachdem mein Kindergartenkind fort ist, wird meine Kleinste wach. Und aus ist’s mit der stillen Zeit. Aber naja. Essen wir eben zusammen Frühstück. Sie am liebsten gebutterten Zwieback und ich ein Gläschen hausgemachten Joghurt, nature, ohne Zucker und gar nix. Seit dieser Woche haben wir wieder eine Joghurtmaschine, so eine Box, die eine eingestellte Temperatur über einen festgelegten Zeitraum hinweg aufrecht erhält und so die idealen Bedingungen schafft, damit die Bakterien ihre Arbeit machen und aus Milch frischen, guten Joghurt machen können. Im Grunde würde es auch im Backofen gehen. Oder sommers in Wolldecken gewickelt an der Wärme (aber im Schatten). Doch dazu konnte ich mich nie aufraffen; mir war das einfach immer zu unsicher.
Vor Jahren brachte ich einmal eine Joghurtmaschine vom Trödler nach Hause, ein uraltes Ding, aber sauber und im Originalkarton aus den 70ern. Ich fand das Ganze richtig toll und fühlte mich als halbe Selbstversorgerin- solange bis das Ding seinen Geist aufgab und der Joghurt nicht mehr fest werden wollte. Nach jahrelangem Zögern -ich mag es einfach gerne schlank, was meinen Besitz an Haushaltsmaschinen angeht- fand ich dann aber: doch, wir brauchen nochmals so ein Teil. Der Berg an Joghurtbecherchen, der jede Woche bei uns in den Abfall wandert, ist einfach zu gross. Und im Gläschen gibt es hier im Dorfladen bloss Schokolade und Mocca, und diese Gläser sind a) ordentlich teuer (aber lecker!) und müssen b) mühsam zur Glassammlung gebracht werden.
So entsteht jetzt Joghurt in der eigenen Küche, und überraschenderweise scheinen ihn alle zu lieben! Die Kinder rühren Ahornsirup, Birnel oder flüssigen Honig darunter, wenn ich Schokojoghurt möchte, rühre ich Zucker und Schokoladenpulver ein. Für meinen in der Schwangerschaft noch empfindlicher gewordenen Magen allerdings lasse ich ihn ungesüsst. Ich habe das Gefühl, es tut mir richtig gut, ein bis drei Gläschen davon über den Tag verteilt zu löffeln. Der Joghurt ist mild, nicht so sauer wie gekaufter, und ich vertrage ihn sogar auf nüchternen Magen wirklich problemlos. Darüber bin ich wahnsinnig froh; zeitweise weiss ich nämlich kaum mehr, was ich essen oder trinken soll, jetzt wo auch noch Sodbrennen langsam dazukommt. Besonders das Trinken stellt ein Problem für mich dar; Wasser verstärkt die Übelkeit, süsse Getränke wiederum übersäuern meinen Magen (byebye geliebter Sirup *snif*), Fruchtsäfte genauso, Tee geht mal, mal geht er nicht, und auch der bittere Kakao, der mich über Monate jeden Morgen begleitet und genährt hat, widersteht mir mehr und mehr. Manchmal mache ich mir einen Smoothie aus dem Obst, das wir gerade zuhause haben und verdünne ihn dann stark. Ein halber Apfel, zwei schrumpelige Orangen, eine Banane und viel Wasser- das mag ich eigentlich ganz gerne. Manchmal kommen Beeren dazu, Früchte aus dem Tiefkühler, denn Orangen und Bananen liegen an sich nicht so oft in der Obstschale.
Ich freue mich jetzt schon auf die Sommer-Obst-Palette, auf Pfirsiche, Aprikosen, Himbeeren und Erdbeeren aus der Region oder auf eiskalte Wassermelonen! Auf Süsses, das meinem Körper wohl tut, anstatt ihn zu belasten.

Bei den herrlichen Haferkekse von den Naturkindern muss ich mich auch gewaltig am Riemen reissen und stark bleiben, was echt schwer ist, denn diese einfachen Plätzchen aus wenigen Zutaten sind einfach unwiderstehlich gut und ratzfatz gemacht, aber eben süss und darum (im Augenblick) eine Herausforderung für meinen Magen. Nicht alle meine Kinder mögen sie, den einen ist der Hafer ein Dorn im Auge, den anderen die gute Buttrigkeit, aber das kümmert mich und den Rest der Familie wenig. So haben wir nämlich mehr davon (bzw hätten in meinem Fall *jammer*). Vorgestern habe ich Kind1 eine kleine Tüte dieser Plätzchen in die Hand gedrückt, als er morgens wie gewohnt auf den Zug sprinten musste. Er kam abends nach Hause und meinte: „Die Kekse, die du mir mitgegeben hast, die waren… richtig gut!“ Das klang zwar fast beleidigend erstaunt, aber mich hat es sehr gefreut; ein Grund mehr, dieses wunderbare Rezept definitiv in die Familiensammlung aufzunehmen. Dankeschön, Caro!

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In Threes- in Hellblau

Natürlich ist nichts aus meinen Plänen geworden; die violette „In Threes“ meines Kindergartenkindes wurde nicht abgekettet, auch nicht vernäht, und von Knöpfen kann nicht die Rede sein. Ich habe eben erst gemerkt, dass ich gar keine zuhause habe, die auch nur ansatzweise zur dunklen, satten Farbe passen würden… Tatsächlich war der letzte Dienstag, als ich meinen letzten Post schrieb, ein wahnsinnig anstrengender Tag, auf den ein nicht minder schwieriger Mittwoch folgte. Irgendwie war einfach der Wurm drin; streitende Kinder, ein aufbegehrender Magen, nichts zu Essen im Haus, Wäsche, Altglas, Malsachen, Spielzeug überall, und zu allem Elend habe ich meinem Kindergartenmädchen eine leere Brotdose für den Znüni im Kindsgi eingepackt. „Ich habe ganz fest hineingeschaut. Und dann reingefasst. Aber da war gar nichts drin!“
Leider war ich nicht immer die netteste Mutter in diesen Tagen.

Heute hat meine Kleinste Fieber. Ich hatte schon gestern abend das Gefühl, dass ihre Beine und Arme unnatürlich heiss wären, die Stirn wiederum merkwürdig kühl. Als sie sich nachts dann zu mir ins Bett kuschelte, so wie sie es immer tut, konnte ich das Fieber bereits gut spüren.
Jetzt schläft sie noch.
Ich lasse sie schlafen.
Anstelle der violetten „In Threes“ aus recht wolliger „Malabrigo Rios“, zeige ich euch hier dafür eine etwas kleinere Version dieser Weste, die ich im Frühling, gleich nach dem SwissYarnFestival für meine Kleinste gestrickt habe.


Eigentlich sollte es ja ein Last-Minute-Geschenk für ihren 4. Geburtstag sein, aber irgendwie wurde ein Belayed-After-Birthday-Gift daraus. Macht nichts.
Die handgefärbte, kuschelweiche Soft-Wolle „Die Edle 2, DK“, von „Färbstoff“, besteht zur Hälfte aus Wolle, zur anderen Hälfte aus Seide, und ist so schmuseweich, dass mein Mädchen sie glücklich direkt auf den blossen Armen trägt. Und das Kind ist empfindlich, was Wolle, Nähte, Stoffe und deren Kratzigkeit angeht. Zeitweise mussten selbst Leggins mit den Nähten nach aussen getragen werden, und ich, die ich nie Weichspüler verwende, wäre ich bei ihr ab und zu froh um sowas gewesen.

Was die fertige Weste betrifft: Sie scheint mir ein wenig knapp. Trotz exakter Maschenprobe (durchgehend Nadelstärke 4) auch am fertigen Westchen. Und obwohl ich Grösse 5 gewählt habe für meine an sich sehr zarte 4Jährige.
Hm…
Doch wie gesagt, das Garn ist perfekt. Die ganzen knapp 120 verbrauchten Gramm. Auch die Farbe. Als ich Ende März zum SwissYarnFestival aufbrach -ein lang ersehnter Mama-allein-Trip, auf den ich mich wahnsinnig freute (auch wenn er im Grunde meine Kräfte überstieg)- legte sie mir ans Herz, an sie zu denken. „Miini Farb isch Hellblau, gäll.“ Leider kann ich selber ausgerechnet mit Hellblau nur wenig anfangen. Für mich ist das immer ein wenig… die Prinzesschen-Farbe. Nebst Blassrosa. Leicht kitschig. Zu brav.
Ich wühlte dann auch eine ganze Weile in den Marktstand-Auslagen, bis ich zu meiner Freude auf dieses schöne, leicht schimmernde Garn von „Färbstoff“ stiess. Und auf einen Farbton an Hellblau, mit dem auch ich mich anfreunden konnte.
Ich finde, er ist mehr Meerjungfrau denn Prinzessin.
Meerjungfrauen mag ich.


In der Anleitung von Kelly Hedrich sind an sich bloss 3 Knöpfe in der Passe vorgesehen, der Rest der Blende bleibt Knopfloch-frei. Weil meine 3 Töchter ihre Westen und Jäckchen aber gerne bis ganz über den Bauch zuknöpfen, habe ich auch diesmal durchgehend eine Knopfloch-Leiste gearbeitet und mir sogar alle nötigen Perlmuttknöpfchen (15mm) dazu beim Strickcafé bestellt. Aber irgendwie fand ich es dann plötzlich unnötig, 10 schillernde Buttons an dieses zarte Stück zu heften, wo ich mir noch gar nicht sicher war, ob es über dem Bauch überhaupt locker genug fallen würde, um zugeknöpft nicht wie eine hellblaue Meerjungfrauen-Wurstpelle auszusehen…
Also habe ich vorsichtig erst mal nur 4 angenäht.
Und bin dabei geblieben.
Ergänzen kann ich immer noch, hauptsache, dieses Westchen wird jetzt ganz, ganz oft getragen und so richtig von Herzen zerliebt, bevor diese flüchtigen, freien, leicht kühlen Frühsommertage noch ohne Kindergarten, ohne Stundenplan und all das für immer vorbei sind…

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