Wochen-Ende: gegenüber

dsc_8294dsc_8296-001 familiär chaotisch : besuchstagsfein aufgeräumt

dsc_8302 dsc_8308stiller Frieden : lautstarkes Leben

dsc_8306 dsc_8318  kleine Einfachheiten : bunte Fülle

dsc_8316 dsc_8310wegschenken : für mich behalten

dsc_8319 dsc_8323für Neuanfänge : für mittendrin

All diese Eindrücke sind mir an diesem Wochenende nur so entgegengepurzelt. Eins nach dem anderen.
Es waren intensive Tage, Jahrmarkttage, so lärmig und lebhaft wie Jahrmarkttage eben sein müssen, klebrig vor Zuckerwatte und Sahneeis, üppig gefüllt mit wildfremdem Essen, Musik aus Boxen (Himmel, wie laut solche Feiertagsnächte doch sein können!) und gut gelaunten Völkermassen. Das eine oder andere meiner Kinder hab’ ich kaum je gesehen dieser Tage, ausser zu den Essens- und Schlafenszeiten natürlich, da sind uns’re Strukturen uns heilig und -gerade an besonderen Tagen, an Tagen wie diesen- das wichtigste Familien-Lebens-Gerüst. Mit meinen anderen Kindern wiederum waren wir ständig beisammen, ich und Herr Kirschkernzeit, immerzu irgendwie in Bewegung, wie mir scheint, draussen vor allem, draussen wieder, kaum waren wir heimgekehrt, von A nach B und wieder zurück, hauptsache mittendrin sein im Getümmel…
Für mich gab es handgemachte Ton-Herbstblätter von jungen Künstlern, Schokokuchen und einen kleinen und einen grösseren Abschied. Mit den Abschieden arrangiere ich mich noch heute ganz intensiv und bewusst. Dabei sind Abschiede so schwer. Für mich. Aber sie gehören wohl mit dazu. Schliesslich sind wir Mütter. Und Menschen.

Sonderbare Tage. Jetzt, da ich diese Zeilen hier tippe, merke ich wieder, wie sonderbar sie waren für mich. Ich, ein bisschen traurig innerlich, wehmütig und mit sehr viel Sehnsucht nach Stille und Still-Sein-dürfen, und daneben -nein, rund um mich herum- das pure, pulsierende Leben. Mir war, als gäbe es nie einen Moment, der wirklich mir gehörte. Dabei war mein Mann so ein Engel und fast permanent Familien-Hirtehund (der erst noch Essen kocht!)…
Ich kann nicht sagen, dass es ein schlechtes Wochenende war für mich. Es war sehr… ursprünglich. Sehr bewegt und prall. Sehr jung und herbstlich-energiegeladen. Sehr dicht gefühlt und erlebt und manchmal auch für mich so fröhlich und beschwingt wie ich es mir vorgestellt hätte.
Vor allem aber war es das hier: Eine Kette von Gegensätzen, aufgereiht dicht an dicht.
Die Welt ist voll von diesen Ketten.

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Lunchbags, noch mehr

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Lunchbags. Diese kleinen, feinen Stoffbeutelchen zum Zusammenknoten sind einfach was Feines. Ich bin nicht sonderlich bewandert mit japanischen Ausdrücken, aber ich glaube… da steckt -sofern ich dieses Wort richtig interpretiere- ziemlich viel “Zakka” drin. Das Besondere im Einfachen. Liebe zum Detail ohne dass man in Details ertränkt wird. Eine Wertschätzung dem Gegenstand gegenüber, mag er noch so klein und alltäglich sein.
Ich finde Lunchbags einfach schön (wie Frau Melonengrün übrigens auch). Gerade weil sie so simpel sind und alltäglich und klein und detailverliebt ohne überhaupt Details zu haben…

Das letzte Mal, dass ich ein solches Täschchen genäht habe -nach einer Anleitung aus dem schönen, schlichten Buch “Linen, Woll, Cotton” von Akiko Mano- liegt lange zurück. Fast so lange wie der Schulmorgen, an dem einer meiner Knirpse sein Znünibrot auf dem Schulhof ausgepackt und verspiesen und die dazugehörige Lunchbag-Verpackung vor lauter Fussball oder Teufelsrad oder Mädchenärgern einfach vergessen hat. Aufgetaucht ist mein Lunchbag-Primus seither nicht mehr (was nun doch eher auf “Mädchenärgern” hinweisen könnte, hm…)
Aber, nun ja, mit selbstgenähten Taschen ist es ein bisschen wie mit selbstgestrickten Wollmützen; Eine geht, eine kommt. Das dauert meist nicht lange. Und fast immer ist der Verlust so was wie …bittersüss, weil das Machen zwar schön ist, der Taschenvorrat aber genau wie der Wollmützenkorb langsam unsinnige Dimensionen annimmt. Eine kleine Lücke darin kann also eigentlich nicht schaden- auch wenn sie schmerzt, keine Frage.
Bei so kleinen Beutel-Täschchen wie diesen hier war der Verlustschmerz aber zum Glück rasch überwunden. Bei meiner Tendez zum Stoffkaufrausch sowieso.
Ich habe ganz normale, bei mir immer im Übermass vorrätige Quilting-Cotton-Stücke gewählt für die Aussenseite und zweimal denselben olivegrünen Baumwollbatist (von France Duval-Stalla), weil mir sonst nichts Schlause damit einfallen wollte und Stoffvorräte-Verbrauchen bei mir gerade hoch im Kurs steht (genau wie Stoffe kaufen, ahem…)

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Lunches bzw. hier bei uns eher Znünis zum Darinverpacken gibt es allerdings gerade nicht sonderlich viele. Kind1 würde sich nie im Leben mit einem mamagenähten “Znünitäschchen” auf dem gymnasialen Schulareal blicken lassen. Kind2 spielt viel zu verbissen Fussball in der grossen Pause, um sich mit Znünikauen aufhalten zu lassen und frühstückt ohnehin wie ein Weltmeister, was Pausenbrot und Co. eher überflüssig macht. Mein Mädchen knabbert am liebsten Rüebli und Apfelschnitze und packt dafür dann lieber eine kleine Dose in den Thek. Und meine beiden Kleinen sind noch für eine gute Weile von morgens bis abends bei Mama zuhause, wo Küche und Herd nicht weit enfernt sind und sich eigentlich eigentlich immer etwas Essbares findet. Auch ohne Lunchbag.

Wenn ich die Zeichen richtig deute, dann sind Lunchbags hier in diesem Haus eigentlich eher für anderes prädestiniert; für Strickprojektchen und andere wichtige Lieblingsdinge. Gerade in den letzten zwei, drei Wochen habe ich mir ein bisschen Extra-Freiraum geschenkt (und den Kindern ein wenig Oma-Zeit), mir einfach ab und zu einen Morgen ganz nur für mich genommen. Ein wenig Bummeln in der Stadt, ein Latte Macciato im Café und dazu klappernde Stricknadeln aus einem kleinen, bunten Knotebeutelchen, während ich klammheimlich und mit unverschämtem Vergnügen die Gespräche an den umliegenden Tischen belausche…
Wunderbar, sag ich euch.

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Und für all die Tage und Stunden, die ich nicht Kaffee-schlürfend und seelig vor mich hinstrickend in Cafés verbringe, kenne ich ein paar kleine Kinderhände, die diese beiden Knotebeutelchen liebend gerne mit ihren eigenen Schätzen vollpacken. Mit Steinen, Puppenkram, mit Filztierchen und Filzfiguren (auch meine Lieblinge, von Allerleirauh) oder mit heissgeliebten, kleinen Schmusetierchen und Pixiebüchern…

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berührt: ganz mein Mädchen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Kaffeepulver verschüttet (bloss ein Minihäufchen, kaum der Reder wert, aber es geht um’s Prinzip *zwinker*). Natürlich muss das aufgewischt werden. Von der Verschütterin persönlich, so will es der Herr Papa. Leider ist die Kehrschaufel mal wieder nicht da, wo sie sein sollte (unterm Schüttstein in der Küche).
Suchen müsste man.
Mein Mädchen rechnet offenbar mit einer regelrechten Fahndungs-Odysee quer durch die halbe Schweiz, denn sicherheitshalber sperrt sie den Tatort lieber gleich ab. Fachmännisch (bzw. fachfraulich) mit Warntafeln in allen vier Himmelsrichtungen. Damit ja keiner reintritt und sich -Gott bewahre- vielleicht noch Kaffeepulver-Füsse holt…
Dauer der Bastel- und Absperraktion: sicher 10 Minuten. Oder so.
Und bis die Schaufel gefunden wird? Vielleicht zehn Sekunden.
Aber so ist es, mein Tochterkind.
Ein Mädchen mit glasklaren Prinzipien.

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dazwischen

Seit einer Weile stricke ich an einem weiteren Kaschmirschal. Diesmals für Kind2. Wie versprochen. Und zwar in Schwarz. Ausschliesslich. Auch wie versprochen.
Ich sterbe vor Langeweile.
Schwarz ist so was von NICHT meine Lieblingsfarbe, wenn es ums Stricken geht. Und rein unifarbene Garne haben auch so gar keinen Reiz. Ich finde sie wunderbar später am fertigen Strickstück, keine Frage, aber beim Stricken selber holt mich jedes Mal schon nach wenigen Reihen der Koller ein, gelindert einzig durch die Hoffnung auf die letzten paar Abkettmaschen. Wie schrecklich monoton!
Darum, und weil jetzt ganz klar Herbst ist, jetzt und heute und gestern schon, musste etwas Farbe her. Verstrickte Farbe. Bloss ein ganz klein wenig, einfach etwas, das weniger schwarz ist. Und das schnell geht, ganz schnell, schliesslich soll es ja nur ein Zwischenprojektchen sein.

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“Barley” kommt da wie gerufen. Ein schlichtes, kleines Mützchen in der knuffigen Grösse “Toddler” für einen kleinen Jungen in meiner Verwandtschaft, dem sie hoffentlich bis ziemlich sicher ganz gut stehen wird. Blau geht ja immer. An kleinen Jungs wie an kleinen Mützen-modelnden Mädchen und eigentlich bei fast allen Menschen, die mir so über den Weg laufen. Besonders wenn es ein so schönes, sanft verwaschenes Blau ist wie das “Betty Drapers Blue” von Madelinetosh Vintage (verstrickt übrigens mit den Nadeln Nr. 4 fürs Bündchen und Nadel 5 für den Rest der Mütze) .

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Es ist nicht meine erste “Barley”-Mütze. Nicht mal die Farbe ist wirklich neu. Einzig die Grösse *zwinker*. Und die Tatsache, dass ich offenbar Nägel mit Köpfen mache, was das Verbrauchen angefangener Wollknäuelchen angeht (bei den Stoffen bin ich ja weit weniger gut im “use what you have” *hüstel*)
So.
Die bunte Dazwischen-Zeit ist damit wohl um. Wenden wir uns anderen Dingen zu. Den seit laaaangem Versprochenen. Schal-artigeren. Und sehr viel Schwarzenen.
Gähn.

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