für meinen Frieden

dsc_8859

Es gibt Phasen in meinem Leben, da wünschte ich mir, wir wären Amerikaner oder Kanadier und könnten unsere Kinder ganz ohne Wenn und Aber aus dem Schulalltag rauspflücken und uns alle einfach mal ent-lasten von den Lasten die Kind wie Familie (wie Lehrerschaft) bisweilen zu tragen haben am Lebens-Ort Schule. Dann wieder gibt es Zeiten, da bin ich prallvoller Dankbarkeit und Zuversicht, wenn ich daran denke, wie viele grossartige Dinge meine Kinder genau dort, in der Schule -im Schul- und Klassenverband bei ganz tolle Menschen- lernen, erleben, werden können und dürfen.
Ich finde die Idee Schule nicht per se schlecht. Und nein, ich würde -auch wenn ich mir sicher bin, dass es für einige junge Menschen tatsächlich das Beste wäre- nicht alle meine Kinder rein aus Prinzip nicht zur Schule schicken. Ganz im Gegenteil: Ich war selbst die glücklichste und dankbarste Schülerin, die man sich denken kann, glücklich und dankbar, in der Schule einen Ort zu finden, der nur für mich bestimmt war, wo meine Familie (in der ich sehr verwurzelt und geborgen war!) nicht hinreichte und ich Ich werden konnte, ein neues Ich herausgepuhlt aus den Rollen, in die ich daheim hineingewachsen war.
Trotzdem; Es gibt diese Phasen und es gibt diese. Im Moment kämpfe ich mit der eher weniger hübschen Variante und das nimmt mich ganz schön her, muss ich mir eingestehen. Vielleicht allzu sehr, keine Ahnung, aber ich bin ein emotionaler und ernsthafter Mensch und nicht gut darin, Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen…
Ich wünsche mir Frieden. Ja, nichts wünsche ich mir mehr. Frieden auf der Welt. Frieden in mir. Frieden.
Kein Wunder freue ich mich ganz unsinnig auf das neue Winter-Schal-Projekt “Project Peace”  von Healthy Knitter. Kein Wunder hätte ich mir beinahe -aber nur beinahe- extra dafür einen neuen Strangen Traumwolle bestellt (einen Strang davon am liebsten, in “Veeras Blüemli”). Kein Wunder möchte ich mich einfach bloss hinsetzen, stricken, stricken, stricken- und die Welt vergessen.

Und, ich glaube, genau das werde ich auch tun. Die nächsten Tage. Wenigstens abends. Sollte es ein wenig stiller werden hier bei Kirschkernzeit, stiller, als es viel zu oft sonst schon geworden ist, dann macht euch keine Gedanken. Ich bin nicht weg. Es geht mir wahrscheinlich noch nicht einmal besonders schlecht oder so.
Ich sitze einfach bloss auf meinem Sofa, in aller Ruhe, ein Tässchen Tee in Reichweite, auf dem Laptop läuft ein Podcast von “Madarine’s” und zwischen mir und meinen Stricknadeln läuft ein feines, dunkelblaues Fädchen “Asia”-Wollgarn (Sehr wahrscheinlich werde ich meinen Peace-Schal mit dieser traumhaften Wolle aus meinem Stash arbeiten. Man kann ja nicht immer bloss kaufen, man muss auch wegstricken, oder?)
Eine schöne Vorstellung.
Ja, genau so machen wir es.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch | 5 Kommentare

berührt: wie eingeschneit

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

dsc_8860-001

Dieser Tag war irgendwie… unwirklich.
Als ich erwachte hatte ich unvermittelt das sonderbare Gefühl, es habe geschneit. Das Licht kam mir überall so weiss und hell vor, ganz anders als sonst, und die ganze Zeit über begleitete mich der merkwürdige Eindruck, mich in einem eingeschneiten, kleinen Häuschen abseits in den Bergen zu befinden und nicht in diesem unsinnig grossen, alten Gebäude direkt am Rande einer immer stärker befahrenen Hauptstrasse…
Mit Kind2 und meiner Kleinsten fuhr ich morgens kurz zum Schiessstand in der Nähe (mit dem Fahrrad statt zu Fuss, was neu ist für mich aber gut) und ich glaube, die frische Luft und die Natur unter meinen Füssen taten mir recht wohl… und doch verlor  sich dieses merkwürdige, eigentümlich mystische Gefühl nie ganz; nur halb da zu sein, nur lose verbunden mit meinem Körper und zur anderen Hälfte irgendwo in einer Traumwelt, abgelenkt, ohne zu wissen wovon…

Manchmal dachte ich an den jungen Mann, der auf den Zuggeleisen ganz in meiner Nähe sein Leben verlor. Ich horchte, ob ich die Kirchenglocken hören konnte. Ich war in meinem Herzen bei seiner Mutter und spürte, wie sich alles in mir zusammenzog. Augenblicke. Ihnen gewidmet.

Heute abend werde ich mich nochmals hinsetzen und stricken. Der grüne Pullover meines grossen Mädchens braucht ein Bauchbündchen. In Blau. Und Ärmel, die ich nur zu gerne anfangen würde. Ich werde mich vorfreuen auf das Winter-Projekt “Peace” und noch eine Runde Jahreskalender stöbern gehen.
Danke euch allen für eure wunderbaren Vorschläge- ich bin euch so dankbar für eure Resonanz, für die liebevollen kleinen Gesten, die wertvollen Gedanke, Tipps und Erfahrungen, die ihr verstreut immer wieder mit mir teilt…
Bestellt habe ich übrigens erst vor ein paar Stunden bereits das hier: zwei absolut hinreissende Märchenkalender von denen ich die Augen kaum wenden konnte…
(Es fehlen, soweit ich sehen kann, Tagesfelder zum Eintragen kleiner Tagesmerkpunkte. Aber als Geburtstagskalender machen sie sich ganz bestimmt wunderhübsch, oder?)

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage | 2 Kommentare

Noch ein Mal blättern

dsc_8783
Der beinahe letzte Monate dieses Jahres, nur noch ein Blatt entfernt vom allerletzten Kalenderbild meines innigst geliebten “Taproot Kalenders 2016″…
Wie schnell es vorbei ist. Ein Jahr. Ein Atemzug lang nur… so kommt es mir manchmal vor.Im Nachhinein vor allem.
Noch ein Mal blättern. Dann muss ich ihn auch schon bald abhängen. Schweren Herzens. Ich mochte diesen Kalender so, so gerne, ich mochte schon seinen Vorgänger im Jahr 2015, mochte Phoebe Wahls unnachahmlich persönliche Bilderkunst, dieses familiäre Gefühl und die Lust, darin zu träumen. Man träumt mit ihm und durch ihn, vom Landleben, von der Idylle, von mehr Kunst im Lebensalltag, vom Leben, wie es sein könnte…
Für den neuen Taproot Kalender 2017 hingegen kann ich mich einfach nicht erwärmen. Ich liebe Braun und gedeckte Naturtöne, aber hier sind es mir einfach ein bisschen allzu triste Farben und die Bild-Arrangements erinnern mich an Jagd-Stilleben auf alten, dunklen Ölbildern. (Das soll jetzt keine Kritik sein an der Künstlerin! Sie versteht ganz bestimmt mehr von ihrer Arbeit als ich es je könnte) Bestellen kann ich ihn also irgendwie nicht so richtig, was bedeutet, dass mir nun ein würdiger Nachfolger fehlt zu Phoebe Wahls Jahresbegleiter…

Jetzt bin ich ein wenig ratlos. Sehr ratlos vielmehr. Denn ich brauche einen Kalender. Und zwar bald. Einen Wandkalender mit schönen grossen, bunten Bildern und untenrum mit Platz für kleine Tagesnotizen, denn ich nutze ihn als für alle sichtbaren Familienplaner, an dem sich jeder, der will, orientieren kann.
Die Zeit drängt. Das ist mir erst heute wieder ganz klar bewusst geworden. November bleibt es ja nicht mehr allzu lange (wirklich?!) und Silvester ist dann plötzlich nicht mehr weit, wie wir alle wissen…
Vielleicht drucke ich mir ja selber einen Jahresplaner 2017 aus, mit 12 Seiten und vielen kleinen Tagesfeldchen. Und die klebe ich mir einfach passend zurecht geschnitten dann auf meinen alten Taproot Kalender. Den vom vorletzten Jahr.
Use and Reuse oder so.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, ein Bild erzählt, Familienalltag, Jahreszeiten, Schatzkammern im Netz, Zuhause | 14 Kommentare

past, present, future

past

dsc_8870 dsc_8736-001
Letzte Woche bin ich abends oft hier gesessen, auf unserem alten, weissen Sofa, wo der Beistelltisch einfach zu riesig und einladend ist, um einigermassen aufgeräumt und leer zu bleiben. Kaum habe ich ihn jeweils frei geräumt, stapeln sich von neuem Donald Duck Comics, Bücher aller Art, Kinderkleider und Holzklötzchen zu wirren Türmen und Schichten. Ich habe es aufgegeben, mir meinen Feierabend in einer ordentlichen Ecke einläuten zu wollen. Tee kochen, Kram beiseite schieben, Laptop drauf wuchten- und geniessen, was zu geniessen ist. (Heute immerhin schläft die kleine Zappelliese schon um 21 Uhr. Und nicht um fast halb elf wie gestern…).
So habe ich Abend für Abend Masche um Masche aneinander gefügt. Und meiner “Annabel Cardigan” beim Wachsen zugesehen. Das Garn war dick und soft und ein absoluter Traum lokaler Handwerkskunst, denn die alte Spinnerin hat so ebenmässig gearbeitet, dass der Faden wie Butter um meine Finger floss…
Jetzt ist sie fertig. Eine “Annabel” für mich. Allerdings in Kurzform, ein Kurzjäckchen mit Dreiviertelärmelchen und einem Körperteil, der knapp einem Bolero entgeht. Die Wolle war wahnsinnig knapp berechnet. Und nicht nachlieferbar, was der wohl einzige Nachteil ist, wenn man mit einzigartigen, handgemachten Materialien arbeitet.
Fotos folgen. Hoffe ich. Mit Fotoshootings in eigener Sache tue ich mich erfahrungsgemäss immer etwas schwer…
Zum Ausgleich habt ihr hier ein kleines Bild der winzigkleinen “Little Kina” in Püppchengrösse. Meine zweite Version dieses schnuckeligen, einfachen Puppenwestchens in Hellgraulila, meiner absoluten Lieblingsfarbe aus der BabyAlpacaSilk-Palette von Drops (die ersten Puppenkleidchen-Strickversuche findet ihr hier).
Die beiden Strickprojekte könnten unterschiedlicher kaum sein; einmal gross und dick und wuchtig in starken Erdbrauntönen, dann wieder fein und zart und zuckersüss. Gemeinsam ist beiden eine ungeheuer lange Gestationsphase.
Auch wenn bei letzterem 6 Monate lang bloss die Knöpfchen fehlten…

present

dsc_8873

Making.
Oh, was für ein Wort. So viel steckt da drin, so viel löst es aus in mir. Träume, Schwelgereien, Visionen vom ländlichen, einfachen Leben mit zwei tatkräftigen Händen, einem klaren Kopf und einem freien, beflügelten Geist.
Und genau so fühlt es sich auch an. “Making”. In gedruckter Form. “Making” Nummer 2 “Fauna”. Träume vom Machen und Nachmachen in Wort, Bild und Konzept.  Etwas vom Allerschönsten, was ich je an Handwerksliteratur in meinen Händen gehalten habe.
Ich möchte alles daraus machen. Sofort. Ununterbrochen nur stricken (die Baby-Schäfchenmütze!) und nähen (eine mit Bienchen bestickte Tagebuchhülle!) und quilten (einen meerblauen Wasserwandbehang!) und sticken (Wolltatoos von Tif Fussel!) und mir augenblicklich meine eigene Wolltierfarm in Kanada herwünschen, einen verwunschenen Ort zum Sein und Werden, wo meine Kinder zwischen Bäumen die Wildnis und sich selbst finden und ich der Enge entkomme, in der ich mich jetzt nur minischrittchenweise bewege.
Interviews wie das mit Amanda Soule und Ashley Yousling auf Seite 51 machen so was mit einem. Überhaupt das Lesen solcher Traumsequenzen, kreative Alltagsfetzen begabter Frauen, Schönheit in einer Fülle, die mich melancholisch stimmt… und inspiriert.

future

dsc_8843 dsc_8767
Ja. Wolle. Garn. Sterne nach denen ich greife und mich sonne in ihrem Licht- auch wenn es sich bloss um Banalitäten handelt, um Schals nämlich, simple Schals wahrscheinlich, die hoffentlich, hoffentlich noch fertig werden, bevor es allzu winterlich kalt wird.
Die leicht schimmernden Knäuel in Grau, Schwarz, Marine und dem herrlich leuchtenden Blau auf dem ersten Foto sind meine grössten Woll-Schätze im Moment. “Asia” von Lang Yarns, das kuscheligste Wollerlebnis, das mir bisher gegönnt war. Kind2 wartet ja noch immer auf seinen Wollschal. Sehr geduldig tut er das. Und immerhin konnten wir uns mittlerweile auch auf die Farben (Grau/Schwarz) und das Muster (simple Streifen) einigen. Mit dem Rand hadere ich noch ein wenig; er wünscht sich einen Rollrand, so wie beim Kaschmirschal, den sein Bruder winters immer trägt (und innigst liebt!). Ich hingegen hätte gerne einen flacheren Schal, der sich nicht einrollt, sondern sich eingermassen nett drapieren und um den ganzen Hals schlingen lässt, so dass die fiese Winterbiese wirklich nirgends mehr kneifen kann und das ganze Kind schön mollig warm bleibt… Naja, wir werden sehen. Dieser Schal ist ja auch eher eine Pflichtübung. So richtig locken kann mich der Gedanke an die vielen, vielen Stunden eintönigen glatt rechts Strickens nämlich nicht…

Dafür freue ich mich auf das hier: Project Peace. Auch ein Schal. Vor allem aber Frieden. Stückchenweise. In Form von stillen Stunden mit mir, meinen Nadeln, einem Ball feinstem “Siidegarte”-Garn und täglich je einem Fitzelchen Inspiration in Richtung fried-volles Leben. Danke “Healthy Knitter”. Diese Idee ist so wunderwunderwunderschön… Ich denke oft daran, freue mich vor, lege Nadeln und Garn bereit, stricke mein Wollkörbchen ein kleines Stückchen leerer, um Platz und Zeit zu schaffen, in Erwartung der Dinge, die da kommen mögen.
Mir scheint, genau das brauche ich jetzt. Stricken dieser Art. Bewusst und mit einem Leitfaden, der mich begleitet und führt. Masche für Masche.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Stricken | 1 Kommentar